Ort am Jakobsweg
Bernkastel-Kues
Germany
- Unterkünfte
- 13
- Camino
- 1
- Höhe
- 109 m
Bernkastel-Kues ist die Stadt, in die ein Kardinal sein Herz zurückschickte: Nikolaus von Kues liegt in Rom begraben, sein Herz in der Kapelle des Hospitals, das er 1458 für 33 Bedürftige stiftete. Gegenüber liegt Bernkastel mit Marktplatz und Burg Landshut. Bis zum Apostelgrab in Trier sind es noch 66,6 Kilometer.
Aktuell in Bernkastel-Kues (Stand: Oktober 2026)
- Cusanusstift: Die Reihe der öffentlichen Führungen läuft laut Gästeinformation bis zum 30. Oktober 2026. Vom 13. November 2026 bis zum 30. April 2027 zeigt das Stift an sieben Abenden um 19 Uhr „Schätze der Cusanus-Bibliothek“. Ob die Führungen am Dienstag und Freitag im Winter weiterlaufen, frag vorher unter 06531 2260.
- Weihnachtsmarkt: Vom 20. November bis zum 20. Dezember 2026 auf dem Marktplatz und in der Altstadt, zum fünfzigsten Mal. Wer in diesen Wochen kommt, bucht sein Zimmer früh.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht, am besten ein Dienstag oder Freitag. Von Traben-Trarbach sind es laut Camino Ninja nur 6,9 Kilometer, du bist also früh da. Die Bibliothek des Nikolaus von Kues siehst du nur mit Führung, und die gibt es dienstags um 10.30 Uhr und freitags um 15 Uhr. Dazu kommen die Kapelle mit seinem Herzen, das Geburtshaus, der Marktplatz in Bernkastel und, wenn die Beine wollen, der Aufstieg zur Burg Landshut. Wer an einem anderen Tag ankommt, sieht Kapelle und Kreuzgang trotzdem und geht weiter Richtung Monzel.
Bernkastel-Kues in Ninja-Zahlen
- 66,6 Kilometer sind es laut Camino Ninja von hier bis Trier. Gut 90 Kilometer Mosel-Camino liegen hinter dir.
- 33 Plätze stiftete Nikolaus von Kues 1458 für bedürftige Männer ab 50, so viele, wie Jesus Jahre lebte: sechs für Geistliche, sechs für Adelige, 21 für alle anderen. Seit 1465 ist das Haus ohne Unterbrechung ein Altenheim.
- Über 300 Handschriften aus dem neunten bis fünfzehnten Jahrhundert liegen in der Bibliothek des Hospitals (Stand: Oktober 2026), die meisten aus dem Besitz des Kardinals.
- 100 Goldmark pro Rebstock zahlte Julius Wegeler 1900 für ein Stück der Lage Bernkasteler Doctor. Der ganze Weinberg misst 3,25 Hektar.
- 1416 wurde das Spitzhäuschen gebaut, das schmale Fachwerkhaus mit dem spitzen Dach an der Karlstraße.
Ankommen: vom Berg an die Brücke
Auf dem Mosel-Camino kommst du aus Traben-Trarbach über Weinberg- und Waldwege hinauf zum Hochmoselübergang. Dort kannst du einen Abstecher zu den Graacher Schanzen machen, dem Aussichtspunkt über Bernkastel. Dann geht es an der Waldschenke „Zur eisernen Hand“ vorbei hinunter ins Moseltal, und du stehst in Bernkastel am Fuß der Burg Landshut.
Bernkastel liegt am rechten Ufer, Kues am linken. Seit 1905 sind die beiden eine Stadt, und die Moselbrücke ist ihr Scharnier. Über sie gehst du nach Kues, zum Cusanusstift und zum Geburtshaus des Kardinals. Das Geburtshaus steht am Rand von Kues in Richtung Lieser, also in deiner Gehrichtung.
Kurz erzählt: Bischofsburg und Schifferdorf
Bernkastel gehörte seit 1017 den Erzbischöfen von Trier. Um 1280 entstand über dem Ort ihre Burg, die später Landshut hieß, und am 29. Mai 1291 bekam Bernkastel das Stadtrecht. Unter der Burg wuchs ein Marktort, der vom Weinhandel und von der Schifffahrt lebte. Am 8. Januar 1692 brannte die Burg aus und blieb Ruine.
Kues am anderen Ufer war ein Winzerdorf. Hier wurde 1401 Nikolaus geboren, Sohn eines Schiffseigners. Er wurde Kardinal, einer der großen Denker seines Jahrhunderts, und stiftete seinem Geburtsort ein Hospital. Am 1. April 1905 wurden Bernkastel und Kues zu einer Stadt.
Ein Herz, das zurückkam
Nikolaus von Kues starb am 11. August 1464 im umbrischen Todi. Sein Leichnam liegt in Rom, in seiner Titelkirche San Pietro in Vincoli. Sein Herz aber kam nach Kues, so wie er es gewollt hatte. Es ruht in einer Bleikapsel unter einer Messingplatte im Chor der Kapelle seines Hospitals.
Dieses Hospital ist das Herz der Stadt. Der Kardinal ließ es in den 1450er-Jahren bauen und stiftete es am 3. Dezember 1458 für 33 bedürftige Männer. Die ersten Bewohner zogen erst nach seinem Tod ein, und seitdem ist es ein Altenheim, seit den späten 1960er-Jahren auch für Frauen. Wer auf einem Jakobsweg unterwegs ist, kennt Hospitäler meist nur als Namen alter Herbergen. Hier steht eines, das nie aufgehört hat, Menschen aufzunehmen.
Zwischen Kapelle und Burg: was du sehen solltest
Das Wichtigste liegt in Kues, nahe der Moselbrücke. Für Bernkastel reicht ein Rundgang, für die Burg brauchst du Zeit und Puste.
- Cusanusstift (St.-Nikolaus-Hospital): Um einen Innenhof liegt ein spätgotischer Kreuzgang, in dem jede der vier Seiten ein anderes Gewölbe hat. In der Kapelle steht ein Flügelaltar aus der Zeit um 1460 mit der Passion Christi. Unter dem Kreuz kniet der Stifter, eine der ältesten Darstellungen des Nikolaus von Kues, neben ihm sein Bruder Johann. Im Chor liegt das Herz des Kardinals unter einer Messingplatte. Achte auch auf das Wandbild des Jüngsten Gerichts und die Grabplatte seiner Schwester. Haus und Kapelle sind sonntags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 15 Uhr offen, die Kapelle kostet keinen Eintritt. Die Bibliothek mit den Büchern, Instrumenten und eigenhändigen Predigten des Kardinals siehst du nur bei der Führung, dienstags um 10.30 und freitags um 15 Uhr, 10 € bar (Stand: Mai 2025).
- Geburtshaus des Nikolaus von Kues: Am Nikolausufer steht das Haus seines Vaters, eines Moselschiffers. Hier vollendete Nikolaus am 12. Februar 1440 sein Hauptwerk „De docta ignorantia“, über das belehrte Nichtwissen. Im Obergeschoss zeigt eine Dauerausstellung sein Leben, auch seine Legationsreise von 1451 und 1452 durch Deutschland. Offen dienstags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr, montags geschlossen, 4 € (Stand: Mai 2025). Die Ausstellung ist nur auf Deutsch.
- St. Brictius in Kues: Die Pfarrkirche wird 1258 zuerst erwähnt. Hier wurden Nikolaus und seine Geschwister getauft.
- Marktplatz Bernkastel: Fachwerkhäuser mit Giebeln und Erkern stehen um den Michaelsbrunnen von 1606, dazu das Rathaus von 1608, dessen Erdgeschoss einmal eine offene Markthalle war. In der Karlstraße steht das Spitzhäuschen von 1416 mit seinem vorkragenden Obergeschoss.
- St. Michael: Der 56 Meter hohe Turm aus Bruchstein war Teil der Stadtbefestigung, bevor er in die Kirche einbezogen wurde. Im Chor steht eine Kreuzigungsgruppe von 1496. Johann, der Bruder des Kardinals, war hier von 1450 bis 1456 Pfarrer und wurde hier begraben, das Grab ist aber nicht erhalten.
- Burg Landshut: Die Trierer Erzbischöfe bauten sie um 1280 an der Stelle eines spätrömischen Kastells, dessen Mauern man 2012 gefunden hat. Den runden Bergfried kannst du besteigen und siehst über das Moseltal bis in die Eifel. Oben gibt es Gastronomie. Im Sommer fährt ein Bus, der Burg-Landshut-Express, in rund 20 Minuten hinauf, Abfahrt gegenüber dem Doctorbrunnen am Gestade.
- Graacher Tor: Das Tor aus der Zeit um 1300 ist das letzte von acht Stadttoren. Seit 1985 ist darin das Heimatmuseum.
Essen und Trinken
Belegte Pilgertipps zu einzelnen Lokalen haben wir nicht gefunden, und Werbung machen wir keine. Bernkastel-Kues ist eine Touristenstadt, und die Preise sind danach. Den Wein des Hospitals kannst du dort probieren, wo er herkommt: In der Vinothek im Gewölbekeller des Cusanusstifts stehen rund 150 Moselweine zur Probe. Das Weingut des Stifts betreibt seit 1990 das DRK-Sozialwerk, mit Menschen mit und ohne Behinderung. Schon bei der Gründung hat der Kardinal sein Hospital mit Weinbergen ausgestattet.
Ehrlich gesagt
- Es gibt keine Pilgerherberge. Am ganzen Mosel-Camino gibt es nur zwei, in Traben-Trarbach und in Klausen. Hier schläfst du in Pension, Gästehaus oder Hotel und zahlst Touristenpreise.
- Die Bibliothek bekommst du nur zweimal pro Woche zu sehen. Ohne Führung am Dienstag oder Freitag bleibt sie zu. Wenn es dir wichtig ist, plan deine Etappe danach.
- In der Saison ist es voll. Bernkastel-Kues ist Halt der Flusskreuzfahrten, und Weinlese und Weinfeste füllen die Moselorte. Das Weinfest der Mittelmosel ist am ersten Septemberwochenende.
- Es gibt keinen Bahnhof. Die Bahn nach Wittlich ist stillgelegt, heute ist dort ein Radweg. Wer abbrechen will, nimmt den Bus nach Wittlich.
Wo Pilger schlafen
Eine Pilgerherberge gibt es in Bernkastel-Kues nicht. Auf dem Mosel-Camino ist der Normalfall die Pension oder das Winzerzimmer, und das buchst du vorher. Die beiden Pilgerherbergen des Wegs liegen vor und hinter dir:
- Pilgerherberge Mosel „Alte Lateinschule“ in Traben-Trarbach, laut Camino Ninja 6,9 Kilometer zurück. Sie will deinen Pilgerausweis sehen.
- Pilgerherberge Eberhardsklause in Klausen, laut Camino Ninja 18,8 Kilometer weiter, am Wallfahrtsort. Auch sie verlangt den Pilgerausweis.
Ninja-Tipps
- Freitag, 15 Uhr: Wer freitags aus Traben-Trarbach kommt, schafft die Führung durch die Bibliothek am Nachmittag bequem. Nimm 10 € in bar mit.
- Such die beiden Brüder: Auf dem Altar der Kapelle knien Nikolaus und Johann unter dem Kreuz. Im Chor davor liegt das Herz des einen.
- Folg den Krebsen: Der Familienname war Krebs, und Krebse sind im Pflaster eingelassen. Sie markieren den Cusanus-Rundweg, 3,5 Kilometer durch beide Stadtteile, vorbei an Geburtshaus, Taufkirche und Hospital.
- Schau auf die Brücke: Auf einem kleinen Balkon der Moselbrücke steht eine Sonnenuhr. Von dort siehst du St. Michael, die Burg und die Schiffe auf der Mosel.
- Der Doctor am Brunnen: Der Doctorbrunnen am Gestade erzählt die Legende vom kranken Kurfürsten, den ein Becher Wein heilte. Der Weinberg liegt oberhalb der Altstadt.
- Stempel erfragen: Eine feste Stempelstelle nennt keine Quelle, die wir gefunden haben. Frag in der Tourist-Information am Gestade 6 oder im Cusanusstift.
Praktische Tipps für Pilger
- Pilgerausweis: Den offiziellen Pilgerausweis gibt die St. Jakobusbruderschaft Trier aus, per Post oder persönlich. Die beiden Herbergen am Weg verlangen ihn.
- Tourist-Information: Am Gestade 6 in Bernkastel, in einer neugotischen Schule von 1880. Daneben ist ein Geldautomat, ein weiterer an der Römerstraße 50.
- Cusanusstift: Cusanusstraße 2, Telefon 06531 2260, für Führungen auf Englisch und Gruppenführungen nach Absprache.
- Ruhetag: Das Geburtshaus ist montags geschlossen.
- An- und Abreise: Der nächste Bahnhof ist Wittlich, von dort fährt der Bus 300 nach Bernkastel-Kues.
Weiter: durch die Reben nach Monzel
Von Kues gehst du durch die Reben über Lieser, laut Camino Ninja 4,4 Kilometer, und Mülheim am Brauneberg vorbei nach Osann-Monzel, 10,9 Kilometer. Dort endet die Etappe aus Traben-Trarbach. Danach wird der Weg still: Zwischen Monzel und Klüsserath gibt es lange Strecken ohne Einkehr, nimm zwei Liter Wasser mit. Bis Trier sind es laut Camino Ninja 66,6 Kilometer.
Morgen erwartet dich
Klausen, laut Camino Ninja 18,8 Kilometer von hier, der zweitgrößte Wallfahrtsort des Bistums Trier. 1440 stellte dort ein Winzer namens Eberhard ein Bild der Schmerzhaften Mutter auf, im selben Jahr, in dem Nikolaus in Kues sein Hauptwerk vollendete. Ein Chorherr namens Wilhelm von Bernkastel schrieb später 753 Wunder auf, die dort geschehen sein sollen. Am Fuß der Kirche kommt der Eifel-Camino dazu, und die Eberhardsklause ist die zweite Pilgerherberge des Wegs.
Wer es ruhiger angehen will, bleibt nach 10,9 Kilometern in Osann-Monzel, wo die Etappe endet, und geht am nächsten Tag über Klausen nach Klüsserath.
Tiefer eintauchen: Das Herz des Kardinals
Ein langer Text, falls du noch mehr über Bernkastel-Kues erfahren willst. Etwa zwanzig Minuten Lesezeit.
Zwei Ufer und eine Brücke
Wenn du von der Höhe herunterkommst, siehst du die Stadt zuerst von oben. Rechts der Mosel liegt Bernkastel unter seinem Burgberg, mit der Kirche Sankt Michael am Ufer. Links liegt Kues mit dem Hospital nahe der Brücke. Zwei Orte, die erst seit dem 1. April 1905 eine Stadt sind, und die man bis heute an ihrer Lage unterscheidet: Bernkastel gehört zum Hunsrück, Kues zur Eifel. Die Leute hier sprechen den zweiten Namen übrigens Kuus aus, nicht Küs.
Lange gab es zwischen beiden keine feste Brücke. Als der englische Maler William Turner 1839 an der Mosel unterwegs war, zeichnete er Bernkastel und die Burg Landshut mit dem Bleistift in sein Skizzenbuch und schrieb dazu: Flying Bridge, fliegende Brücke. So nannte man eine Fähre, die an einem Seil über den Fluss pendelte. Die erste Straßenbrücke entstand erst zwischen 1872 und 1874.
Dieser Text handelt von beiden Ufern. Von einer Burg, die Erzbischöfe bauten, und einem Wein, der der Legende nach einen von ihnen heilte. Vor allem aber von einem Jungen aus dem Schifferdorf am anderen Ufer, der einer der klügsten Köpfe seines Jahrhunderts wurde, durch halb Europa reiste, eine Wallfahrt bremste, die mit Santiago verglichen wurde, und am Ende sein Herz nach Hause schickte.
Ein Kastell auf dem Berg
Menschen lebten hier schon um das Jahr 3000 vor Christus, Archäologen haben in Kues Spuren gefunden. Um 370 schrieb der römische Dichter Ausonius sein Gedicht Mosella, ein Loblied auf diesen Fluss und seine Weinberge. Um das Jahr 700 nennt ein Geograph einen Ort namens Princastellum. Man hat daraus lange geschlossen, dass die Römer auf dem Burgberg eine Befestigung hatten. 2012 fand man sie tatsächlich: Bei Erhaltungsarbeiten an der Burg kamen Mauern eines spätrömischen Kastells zum Vorschein, etwa 60 mal 30 Meter groß, mit Mauern aus Quarzit, fast zwei Meter dick.
Im elften Jahrhundert taucht Bernkastel in den Urkunden auf. Ein Adalbero aus dem Haus Luxemburg war damals Herr des Ortes, und im zwölften Jahrhundert machten Gelehrte daraus einen lateinischen Namen: Beronis castellum. Seit 1017 gehörte der Ort den Erzbischöfen von Trier. 1280 erwarb Erzbischof Heinrich von Finstingen vom Grafen von Salm dessen Rechte und Güter in Bernkastel und ließ auf dem Berg eine neue Burg bauen, an der Stelle der römischen.
Am 29. Mai 1291 verlieh König Rudolf der Erste dem Ort das Stadtrecht, und 1332 bestätigte es Kaiser Ludwig der Bayer. Der Erzbischof umgab die Stadt mit Mauern und Türmen. Einer dieser Türme steht noch, du kennst ihn: Es ist der Turm von Sankt Michael, 56 Meter hoch, aus unverputztem Bruchstein. Er war Teil der Befestigung, bevor man die Kirche an ihn baute. Von den acht Stadttoren ist eines geblieben, das Graacher Tor aus der Zeit um 1300.
Der Kurfürst und der Doctor
Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert war die Burg über Bernkastel ein beliebter Hof der Trierer Erzbischöfe. Einer von ihnen war Boemund der Zweite, der von 1354 bis 1362 regierte. In seine Zeit fällt ein Aufstieg: 1356 legte Kaiser Karl der Vierte in der Goldenen Bulle fest, wer den König wählen durfte, und der Erzbischof von Trier gehörte dazu. Boemund war nun Kurfürst.
Und Boemund ist der Held der bekanntesten Geschichte der Stadt. Sie ist eine Legende, und sie geht so. Der Kurfürst lag auf seiner Burg schwer krank im Fieber. Ärzte kamen und gingen, er trank Tee und bittere Arzneien, nichts half. Da ließ er im ganzen Erzbistum verkünden, wer ihn heile, werde belohnt. Es meldete sich ein alter Ritter von der Burg Hunolstein im Hunsrück, der in Bernkastel begütert war. Er brachte ein Fässchen seines besten alten Weins mit. Boemund erwartete die nächste bittere Medizin. Doch der Ritter schenkte ihm einen Becher goldenen Wein ein. Der Kranke richtete sich auf, trank den Becher leer und fühlte sich besser. Und er gab dem Wein den Namen, den er bis heute trägt: Doctor.
Ob das je so war, weiß niemand. Der Name Doctor für den Weinberg über der Altstadt ist erst 1736 in einer Urkunde belegt. Aber die Lage ist so berühmt geworden, wie es eine gute Legende verdient. Sie ist nur 3,25 Hektar groß und an manchen Stellen 60 Prozent steil. 1900 kaufte Julius Wegeler, damals Präsident des Deutschen Weinbauverbands, einen Teil davon und zahlte 100 Goldmark für jeden einzelnen Rebstock. Konrad Adenauer nahm Doctor-Wein mit, als er 1953 nach Washington reiste. Im Zweiten Weltkrieg mauerte man Flaschen in den Kellern ein, und gefunden hat man sie erst Anfang der 1970er-Jahre wieder.
Den Doctorbrunnen am Gestade schmücken Szenen aus der Legende. Wenn du dort stehst, denk daran, dass in dieser Stadt die Heilung schon früh mit dem Wein verbunden war. Ein paar hundert Meter weiter, auf der anderen Seite der Brücke, wird sie mit etwas anderem verbunden sein: mit einem Haus für Menschen, die niemanden mehr haben.
Der Sohn des Schiffers
1401 wurde in Kues ein Junge geboren, der Nikolaus hieß. Sein Vater, den die Quellen Henne oder Johan Cryfftz nennen, war ein wohlhabender Mann. Er besaß Moselschiffe, hatte Weinberge, saß als Schöffe im Gericht und handelte mit Grundstücken. Der Familienname bedeutet Krebs, und ein roter Krebs auf goldenem Grund wurde das Wappen der Familie. Später trug ihn Nikolaus als Kardinal auf seinem Wappen. Die Mutter hieß Katharina. Nikolaus hatte einen Bruder, Johann, der Priester wurde, und eine Schwester, deren Grabplatte heute in der Kapelle des Hospitals liegt. Getauft wurden die Kinder in der Pfarrkirche Sankt Brictius in Kues.
Als ältester Sohn sollte Nikolaus das Geschäft übernehmen. Er wollte aber Priester werden und soll das gegen den Willen des Vaters durchgesetzt haben. Vielleicht ging er um 1413 zu den Brüdern vom gemeinsamen Leben nach Deventer in Holland, sicher ist das nicht. Sicher ist, dass er sich 1416 in Heidelberg einschrieb. Im Verzeichnis der Universität steht sein Name noch heute: Nycolaus Cancer de Coeße, Nikolaus Krebs aus Kues.
Ein Jahr später ging er nach Padua und studierte Kirchenrecht. Dort freundete er sich mit zwei jungen Männern an, die später Päpste werden sollten, Nikolaus der Fünfte und Pius der Zweite. 1423 war er Doktor des Kirchenrechts.
Ein Jurist entlarvt eine Fälschung
Zurück im Norden wurde er Sekretär und Rechtsberater des Erzbischofs von Trier. In Köln studierte er weiter, Theologie und Philosophie, und durchstöberte die Bibliothek des Doms. Dort fand er alte Rechtsquellen, die niemand mehr beachtet hatte, und er stieß auf eine Frage, die ihn berühmt machte. Die sogenannte Konstantinische Schenkung, eine Urkunde, nach der Kaiser Konstantin dem Papst die Herrschaft über den Westen des Reiches übertragen haben soll, war eine Grundlage päpstlicher Macht. Nikolaus prüfte sie und erklärte sie 1433 für eine Fälschung.
1432 ging er zum Konzil nach Basel. Er vertrat dort Ulrich von Manderscheid, der um das Erzbistum Trier stritt. Den Prozess verlor er, aber das Konzil hatte ihn bemerkt. Er schrieb dort ein großes Werk über die Ordnung der Kirche, De concordantia catholica, in dem er die Versammlung über den Papst stellte. Er verhandelte mit den Hussiten, den Anhängern jenes Prager Predigers Jan Hus, der 1415 in Konstanz verbrannt worden war. Und er arbeitete an einer Reform des Kalenders.
Dann, am 5. Dezember 1436, wechselte er die Seite. Er ging zum Papst über, gegen das Konzil, dessen Vorrang er selbst begründet hatte. Seine alten Freunde in Basel sahen darin Verrat.
Auf dem Meer kam ihm ein Gedanke
1437 schickte ihn der Papst nach Konstantinopel. Er sollte eine Union der griechischen mit der römischen Kirche vorbereiten. Auf der Rückfahrt kam ihm der Gedanke, der sein Denken prägen sollte: In Gott fallen alle Gegensätze zusammen. Er nannte es coincidentia oppositorum, den Zusammenfall der Gegensätze.
Daheim in Kues, im Haus seines Vaters am Ufer, schrieb er es auf. Am 12. Februar 1440 vollendete er dort sein Hauptwerk: De docta ignorantia, Von der belehrten Unwissenheit. Der Titel klingt wie ein Widerspruch, und er ist so gemeint. Der endliche Verstand, schrieb Nikolaus, kann Gott nie ganz begreifen. Aber er kann erkennen, dass er es nicht kann, und dieses Wissen um die eigene Grenze nannte er belehrte Unwissenheit. In demselben Buch steht ein Gedanke, der seiner Zeit weit voraus war: Die Erde ist nicht der Mittelpunkt der Welt.
Wenn du im Geburtshaus stehst, stehst du also an dem Ort, an dem dieser Satz zum ersten Mal zu Ende geschrieben wurde. Einen Pilger kann das trösten. Wer lange geht, merkt oft, wie wenig er weiß, und dass das nicht schlimm ist.
Ein Kardinal auf Reisen
Am 20. Dezember 1448 machte ihn sein alter Studienfreund, inzwischen Papst Nikolaus der Fünfte, zum Kardinal. Als Titelkirche bekam er San Pietro in Vincoli in Rom, die Kirche, in der die Ketten des Apostels Petrus verehrt werden. 1450 war ein Heiliges Jahr. Wer nach Rom pilgerte, konnte einen besonderen Ablass gewinnen, den Jubiläumsablass.
Am Heiligabend 1450 ernannte der Papst Nikolaus zum Legaten. Er sollte den Jubiläumsablass ins Reich bringen und zugleich das kirchliche Leben erneuern. Die Reise führte ihn 1451 und 1452 durch das Reich, unter anderem nach Salzburg, Wien, Bamberg, Magdeburg, Mainz und Utrecht. In Erfurt predigte er Anfang Juni 1451 dreimal öffentlich. Erst 2021 haben Forscher dort zwei Ablassurkunden entdeckt, die er damals ausstellte, für Menschen, die ihre Kirche an hohen Festtagen besuchten und für ihren Erhalt spendeten.
Er prüfte Klöster, Pfarrer und Rechnungsbücher, schlichtete Fehden und ging gegen den Handel mit Reliquien vor. Er wollte weniger Heiligenfeste und mehr Gewicht auf den Sonntag. In den Kirchen ließ er Tafeln mit den wichtigsten Gebeten aufstellen, damit die Leute sie lernen konnten. Sein Anliegen war, dass der Glaube von innen gelebt wird und sich nicht in Äußerem erschöpft. Seine Predigten waren Feste. Seine Strenge aber stieß viele ab.
Die umstrittene Frage: als ein Reformer eine Wallfahrt verbot
Auf dieser Reise traf Nikolaus eine Entscheidung, die dich als Pilger angeht. Im Norden, in Wilsnack in der Mark Brandenburg, gab es eine der größten Wallfahrten Europas. 1383 hatte dort ein Ritter im Streit mit dem Bischof von Havelberg das Dorf mit seiner Kirche niedergebrannt. Im Schutt, so wurde erzählt, fand man drei geweihte Hostien, unversehrt und mit roten Flecken, die man für Blut hielt. Das Wunderblut von Wilsnack zog Pilger an, deren Zahl man mit der nach Santiago verglich. Sie trugen kleine Zeichen aus Zinn und Blei nach Hause, drei Hostien zu einem Dreieck verbunden. Solche Zeichen hat man in vielen Teilen Europas gefunden.
Schon früh gab es Zweifel. 1405 verbot eine Synode in Prag die Wallfahrt, und Jan Hus schrieb dagegen. 1412 warf eine Synode in Magdeburg den Geistlichen in Wilsnack Betrug vor. 1451 kam Nikolaus als Legat. Auf einer Synode verbot er, die angeblich blutigen Hostien und die bleiernen Nachbildungen zu zeigen. Das schreckte viele Pilger ab. Es folgten Jahre des Streits mit dem Bischof von Havelberg, mit Bann und bewaffneten Banden. 1453 schlichtete der Papst, und am Ende behielt Havelberg im Wesentlichen recht. Die Wallfahrt ging weiter, bis 1552 ein evangelischer Prediger die Hostien verbrannte.
War Nikolaus ein Feind der Pilger? Das wäre zu einfach. Derselbe Mann verkündete auf derselben Reise den Ablass des Heiligen Jahres im ganzen Reich und warb für Kirchenbesuch und Gebet. Er ging gegen den Handel mit Reliquien vor und wollte einen Glauben, der von innen gelebt wird. In Wilsnack aber verdiente die Kirche an den Opfergaben und an den bleiernen Zeichen mit, und schon Hus hatte von einer Täuschung gewinnsüchtiger Menschen gesprochen. Wer an das Wunder glaubte, sah das anders, und es stimmt, dass die Strenge des Legaten vielen zu weit ging. Du musst das nicht entscheiden. Aber die Frage, was eine Wallfahrt eigentlich trägt, das Ziel oder der Weg, das Wunder oder das, was in dir geschieht, ist auf jedem Jakobsweg dieselbe.
Gefangen in den Bergen
1450 hatte der Papst Nikolaus auch das Bistum Brixen in Tirol gegeben. Im April 1452 trat er sein Amt dort an, als Bischof und Landesherr. Er wollte dort die Kirche reformieren und stieß auf den Landesherrn von Tirol, Herzog Sigmund von Österreich, und auf Widerstand in den Klöstern. Seine hartnäckigste Gegnerin war die Äbtissin Verena von Stuben.
Der Streit eskalierte. Im Juli 1457 floh Nikolaus auf die Burg Buchenstein. 1460 belagerte Sigmund ihn in Bruneck und nahm ihn gefangen. Nikolaus musste Zugeständnisse machen, die er nach seiner Freilassung widerrief, und kehrte nie mehr in sein Bistum zurück. Der Mann, der über das Zusammenfallen der Gegensätze geschrieben hatte, scheiterte an ganz irdischen Gegensätzen: an den Rechten und der Macht eines Landesherrn.
Frieden der Religionen
Im Mai 1453 eroberten die Osmanen Konstantinopel, die Stadt, die Nikolaus sechzehn Jahre zuvor besucht hatte. Nikolaus antwortete noch im selben Jahr mit einer Schrift, die bis heute überrascht. Sie heißt De pace fidei, Vom Frieden des Glaubens. Darin stellt er sich ein Gespräch im Himmel vor, in dem es um den Frieden zwischen den Religionen geht.
Elf Jahre später starb derselbe Mann auf einer Reise, mit der er einen Kreuzzug vorbereiten half. Beides gehört zu ihm, das Gespräch und das Schwert, und man muss es nicht glätten. Wenn du in der Kapelle in Kues das Glasfenster siehst, das ihn neben der Hagia Sophia zeigt, denk an diese Reise und an dieses Buch.
Ein Haus für dreiunddreißig
Mitten in diesen Jahren der Reisen und Kämpfe baute Nikolaus in seinem Geburtsort ein Haus. Gebaut wurde es in den 1450er-Jahren, und es kostete 10.000 rheinische Goldgulden. Am 3. Dezember 1458 stellte er die Stiftungsurkunde aus. Er weihte das Haus seinem Namenspatron, dem heiligen Nikolaus von Myra, dem Bischof, der der Legende nach heimlich Armen half.
Das Hospital war für 33 bedürftige Männer gedacht, die mindestens 50 Jahre alt waren. Sechs Plätze waren für Geistliche bestimmt, sechs für Adelige und 21 für alle anderen. Die Zahl 33 stand für die Lebensjahre Christi. Damit das Haus bestehen konnte, bekam es Weinberge an der Mosel, rund neun Hektar in guten Lagen. So trug der Moselwein nun ganz wirklich die Armen.
Die ersten Bewohner zogen erst ein, als der Stifter schon tot war. Seit 1465 ist es ohne Unterbrechung ein Altenheim, mehr als fünfeinhalb Jahrhunderte lang. Seit den späten 1960er-Jahren nimmt es auch Frauen auf. Krieg, Pest und Revolution sind durch das Moseltal gezogen, das Hospital ist geblieben, was es sein sollte.
Man kann so ein Haus verklären. Bei einer Vortragsnacht im Oktober 2025 stellte man dem Hospital in Kues das berühmte Hospital im burgundischen Beaune gegenüber, unter der Frage, wie viel darin Barmherzigkeit war und wie viel Selbstdarstellung. Das ist eine ehrliche Frage. Ein Kardinal, der sich auf dem Altar seines Armenhauses unter dem Kreuz malen lässt, will auch erinnert werden. Aber die Menschen, die hier über fünfhundert Jahre ein Dach und ein Bett fanden, hatten davon nichts weniger.
Was du im Hospital siehst
Das Hospital ist wie ein kleines Kloster gebaut, eine spätgotische Anlage um einen Innenhof. Geh zuerst in den Kreuzgang. Jede seiner vier Seiten hat ein anderes Gewölbe, und die Fenster zum Hof haben unterschiedliches Maßwerk. Man liest darin gern den Gedanken des Stifters von der Einheit in der Vielheit. Ob er das so geplant hat, sagen die Quellen nicht.
Dann die Kapelle, gegen 1465 geweiht. Ihr Gewölbe ist ein spätgotisches Sterngewölbe. Im Raum für die Gläubigen steht eine Säule in der Mitte, von der zwölf Bögen ausgehen. Man versteht das als Bild der Kirche, die auf Christus und den zwölf Aposteln ruht. Im Chor steht der Flügelaltar aus der Zeit um 1460 mit der Passion Christi. Auf der Mitteltafel kniet unter dem Kreuz der Stifter, Nikolaus von Kues, und neben ihm sein Bruder Johann. Es ist eines der ältesten Bilder, die wir von Nikolaus haben. An der Wand ist das Jüngste Gericht gemalt, und im Boden liegt die Grabplatte seiner Schwester.
Und im Chor, vor dem Altar, liegt eine Messingplatte. Darunter, in einer Kapsel aus Blei, ruht sein Herz.
Im achtzehnten Jahrhundert kam ein barocker Saal dazu, der Konventsaal, mit einer Stuckdecke, die zu den wertvollsten im Trierer Land gezählt wird, und fünf Gemälden von Johannes Leutzgen aus Graach.
Die Bücher des Kardinals
Über eine Wendeltreppe erreichst du die Bibliothek, über der Sakristei der Kapelle. Sie ist der größte Schatz des Hauses. Nikolaus vermachte seinem Hospital seine Bücher, etwa 270 Handschriften, und mit dem, was dazukam, sind es heute über 300 Handschriften aus dem neunten bis fünfzehnten Jahrhundert. Sie gilt als eine der bedeutendsten erhaltenen Privatbibliotheken des Mittelalters.
Was darin liegt, zeigt, wie weit dieser Mann dachte. Theologie und Recht, natürlich, aber auch Medizin, eine Schrift des griechischen Arztes Galen, Geographie, Astronomie und ein Koran. Eine Handschrift enthält die einzige vollständige Sammlung griechischer Sprichwörter, die Proverbia Grecorum. Daneben liegen seine astronomischen Instrumente, Schulhefte aus seiner Zeit in Padua und Predigten, die er mit eigener Hand geschrieben hat.
1496 kam eine Reisegruppe von Humanisten nach Kues, um diese Bücher zu sehen, unter ihnen Johannes Reuchlin und Johann von Dalberg. Im Mai 2025 wurden drei der Handschriften gemeinsam mit einem Institut in Texas digitalisiert.
Ein Satz von ihm zeigt, wie er über sich selbst dachte. Im Streit um die richtige Methode schrieb er: Ich weiß nicht, ob ich ein Pythagoräer oder sonst was bin. Ein Mann mit über dreihundert Büchern, der zugibt, dass er sich nicht einordnen lässt. Das passt zur belehrten Unwissenheit.
Ein Herz kehrt heim
Nach Brixen kehrte Nikolaus nicht zurück. Sein Freund aus Padua war inzwischen Papst Pius der Zweite, und der machte ihn zu seinem Generalvikar in Rom. Nikolaus arbeitete einen Plan zur Reform der ganzen Kirche aus, der sogar den Papst unter Aufsicht stellen sollte. Umgesetzt wurde er nicht.
1464 rüstete Pius der Zweite zu einem Kreuzzug gegen die Osmanen. Nikolaus war unterwegs, um ihn vorzubereiten, als er in Todi in Umbrien schwer erkrankte. Er starb dort am 11. August 1464. Sein Leichnam wurde nach Rom gebracht und in San Pietro in Vincoli bestattet, seiner Titelkirche, wo er bis heute liegt. Sein Herz aber ließ man, wie er es gewünscht hatte, nach Kues bringen, in die Kapelle seines Hospitals.
Sein Bruder Johann war ihm vorausgegangen. Er war von 1450 bis 1456 Pfarrer an Sankt Michael in Bernkastel, auf der anderen Seite des Flusses, und wurde dort begraben. Sein Grab ist verloren. Auf dem Altar in Kues aber knien die beiden Brüder bis heute nebeneinander.
Der Abt Johannes Trithemius, ein Zeitgenosse, schrieb über Nikolaus einen einfachen Satz: Man kann daher aus seiner Wissenschaft wahre Weisheit lernen. Fast vierhundert Jahre lang wurde er dann wenig gelesen, erst im neunzehnten Jahrhundert entdeckte man ihn wieder. Heute erscheinen seine Werke in einer großen Ausgabe, deren erster Band 1932 in Heidelberg herauskam, und Forscher haben über 5.700 Zeugnisse seines Wirkens gesammelt.
Pilger auf dem Weg nach Trier
Im selben Jahr, in dem Nikolaus in Kues sein Hauptwerk vollendete, 1440, stellte knapp 19 Kilometer weiter an deinem Weg ein Winzer namens Eberhard ein Bild der Schmerzhaften Mutter in einen Bildstock. Zwei Jahre später baute er daneben eine winzige Klause, drei Schritte lang und zwei breit. Aus seinem Namen wurde der Name des Ortes, Eberhardsklausen, heute Klausen. 1449 weihte der Erzbischof dort eine Kirche, und Pilger kamen.
Einer der Chorherren, die ab 1459 in Klausen lebten, hieß Wilhelm von Bernkastel. Zwischen 1485 und 1536 schrieb er auf, was Pilger dort erlebt haben wollten: 753 Wunder, Heilungen von Blinden, Tauben und Gelähmten. Ein Mann, der den Namen dieser Stadt trug, wurde so zum Chronisten der großen Wallfahrt nebenan. Heute kommen nach Klausen über 100.000 Pilger im Jahr. Du kommst morgen dort vorbei.
Das Ziel deines Weges liegt noch 66,6 Kilometer entfernt: die Abtei Sankt Matthias in Trier mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen. Der Mosel-Camino, auf dem du gehst, ist jung. Zwei Privatleute, Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter, haben ihn im Sommer 2008 eröffnet, und Freiwillige pflegen seine Zeichen. Eine Pilgerherberge hat Bernkastel-Kues bis heute nicht. Das Haus, das Nikolaus gebaut hat, war nie für Durchreisende gedacht, sondern für Menschen, die bleiben, bis zum Ende.
Feuer, Pest und ein gemeinsamer Name
Die Jahrhunderte nach Nikolaus waren für beide Ufer schwer. 1627 kam die Pest nach Bernkastel, 1641 nach Kues. 1689 machten Soldaten Ludwigs des Vierzehnten der Stadtbefestigung ein Ende, und auch das Graacher Tor wurde teilweise abgerissen. Am 8. Januar 1692 brannte die Burg Landshut aus. Wieder aufgebaut wurde sie nie. 1920 ging die Ruine an die Stadt.
Von 1794 bis 1814 gehörte Bernkastel zu Frankreich, danach zu Preußen, und 1821 wurde es Kreisstadt. Das neunzehnte Jahrhundert brachte die Brücke, die Bahn und den Weinreichtum, den du an den großen Häusern am Ufer siehst. Am 1. April 1905 schlossen sich Bernkastel und Kues zu einer Stadt zusammen. Die dunkle Seite fehlt auch hier nicht: Am 9. November 1938 wurde die Synagoge zerstört.
Die kleine Moseltalbahn, die man hier Saufbähnchen nannte, fuhr bis zum letzten Tag des Jahres 1962. Auch die Strecke nach Wittlich ist stillgelegt, auf ihr verläuft heute ein Radweg. 1997 öffnete ein Tunnel unter dem Burgberg, der Bernkastel vom Verkehr entlastet.
Bernkastel-Kues heute
Heute leben rund 7.200 Menschen in der Stadt. Sie ist Luftkurort, Halt der Flusskreuzfahrten und im Spätsommer die Bühne des Weinfests der Mittelmosel. Vom 20. November bis zum 20. Dezember 2026 findet auf dem Marktplatz zum fünfzigsten Mal der Weihnachtsmarkt statt. Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, bereitete das Hospital Abende mit Schätzen aus der Bibliothek des Kardinals vor.
Und im Hospital wohnen noch immer alte Menschen. Wenn du durch den Kreuzgang gehst, gehst du durch ihr Zuhause. Sei leise, so wie du es in einer Herberge wärst, in der andere schon schlafen.
Was Bernkastel-Kues dir mitgibt
Bernkastel-Kues ist eine Stadt der zwei Ufer. Auf der einen Seite die Burg der Mächtigen und der Wein, der der Legende nach Fieber heilt. Auf der anderen ein Haus, das ein reicher und mächtiger Mann für die gebaut hat, die nichts mehr haben. Dazwischen eine Brücke, über die du gehst.
Nikolaus von Kues war sein Leben lang unterwegs, nach Padua, Basel, Konstantinopel, durch das halbe Reich und in die Berge Tirols. Er hat Gewissheiten geprüft und für falsch erklärt, er hat eine Wallfahrt gebremst und einen Ablass verkündet, er hat die Seite gewechselt und ist dafür Verräter genannt worden. Er hat geschrieben, dass der Verstand an eine Grenze kommt und dass schon das Wissen um diese Grenze eine Art Wissen ist.
Am Ende hat er seinen Leib dort gelassen, wo er sein Amt hatte, und sein Herz dorthin geschickt, wo er herkam, zu den Alten und Armen seines Dorfes. Vielleicht ist das die stillste Geschichte, die dir an diesem Weg begegnet. Man kann weit gehen und viel werden und trotzdem wissen, wo das Herz hingehört.
Morgen gehst du weiter, durch die Reben nach Klausen und dann nach Trier. Bis zum Apostelgrab sind es noch 66,6 Kilometer.
Übernachten in Bernkastel-Kues
Unterkünfte in Bernkastel-Kues.
GeöffnetHotel Bernkasteler Hof
GeöffnetReservierung möglichAugustus Hotel Bernkastel - Comfortable Budget Hotel
GeöffnetReservierung möglichHotel Dolce Vita
Angebote in Bernkastel-Kues
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Geldautomat
- Café
- Geschäft
- Arztpraxis
- Apotheke
- Brunnen
- Post
- Bahnhof
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026





