Ort am Jakobsweg
Trier
Germany
- Unterkünfte
- 46
- Caminos
- 4
- Höhe
- 131 m
Trier ist ein Tor: Vier Jakobswege enden hier, und an derselben Kirchentür von St. Matthias, am einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen, beginnen die Wege nach Le Puy und Vézelay. Im Dom liegt der Heilige Rock, und die Porta Nigra steht seit dem Jahr 170. Bleib mindestens zwei Nächte.
Aktuell in Trier (Stand: Oktober 2026)
- Römerbrücke: Seit dem 5. Oktober ist der Geh- und Radweg auf der Südseite für längere Zeit gesperrt, Fußgänger werden auf die andere Seite geleitet. Die Stadt bereitet die Sanierung der Brücke vor.
- Trier-Pallien: Die Bonner Straße ist seit dem 2. Oktober voll gesperrt, voraussichtlich bis Ende März 2027. Treppe und Aufzug zur Kaiser-Wilhelm-Brücke waren Anfang Oktober noch nicht nutzbar, durch das Baufeld führt ein ausgeschilderter Fußweg. Der Mosel-Camino quert hier die Mosel.
- Porta Nigra: Das Tor wird restauriert, voraussichtlich bis 2028. Im Oktober ist es von 9 bis 17 Uhr offen, von November bis Februar bis 16 Uhr.
Wie lange bleiben?
Bleib länger: mindestens zwei Nächte. Die Wege enden an der Abtei St. Matthias im Süden der Stadt, und wer dort am Nachmittag ankommt, hat für den Rest kaum noch Kraft. Acht Bauwerke in Trier gehören zum Welterbe, dazu kommen das Apostelgrab, der Dom mit dem Heiligen Rock und die Liebfrauenkirche, die zu den ältesten gotischen Kirchen Deutschlands zählt. Wer nach Frankreich weitergeht, nutzt den Tag für den Welterbe-Kilometer und den Pilgerausweis. Das Rheinische Landesmuseum hat montags zu.
Trier in Ninja-Zahlen
- 886 Kilometer sind es laut Camino Ninja von der Abtei St. Matthias bis Le Puy-en-Velay. Dort fängt die Via Podiensis erst an.
- Rund 180 Wallfahrten kommen jedes Jahr zum Grab des Apostels Matthias, viele zu Fuß, vier bis neun Tage lang (Stand: Oktober 2026). Manche Bruderschaften sind 800 Jahre alt.
- 11.154 Pilger zählten die Trierer Torwächter 1779 in einer einzigen Pfingstwoche.
- Rund eine Million Menschen kamen 1844 in sieben Wochen, um den Heiligen Rock zu sehen. Andere Angaben nennen eine halbe Million in 50 Tagen.
- 7.200 Steinquader stecken in der Porta Nigra, der größte wiegt bis zu sechs Tonnen.
Ankommen: durch das Moseltal ans Apostelgrab
Auf dem Mosel-Camino ist der letzte Tag von Schweich länger und steiler als erwartet: laut Camino Ninja 20,7 Kilometer bis St. Matthias. Du gehst durch Wald nach Trier-Quint, über die Ehranger Heide nach Biewer, dann über die Kaiser-Wilhelm-Brücke, am Alten Kran und an der Römerbrücke vorbei zur Abtei. Ab Klausen teilt sich der Eifel-Camino dieses Stück, er kommt über Ehrang und Trier-Pallien.
Auf der Via Coloniensis kommst du von Welschbillig über Möhn, Butzweiler und Lorich auf die Höhe über der Mosel und steigst in die Römerstadt ab. Auch der Hunsrücker Jakobsweg aus Bingen endet in Trier.
Kurz erzählt: Kaiserstadt und Bischofsstadt
Spätestens 16 vor Christus gründeten die Römer Augusta Treverorum. Ab 293 residierten hier Kaiser, Konstantin der Große ließ die Palastaula bauen, und im vierten Jahrhundert war Trier die größte Stadt nördlich der Alpen. Schon 314 ist ein Trierer Bischof belegt, das Bistum gilt als ältestes in Deutschland. Später waren die Erzbischöfe Kurfürsten des Reichs.
1127 fanden Mönche Gebeine, die als die des Apostels Matthias galten, und lösten eine Wallfahrt aus, die bis heute besteht. 1196 ist der Heilige Rock im Dom zum ersten Mal belegt. 1794 kamen die Franzosen, 1815 die Preußen. Im Zweiten Weltkrieg wurden 1.600 Häuser völlig zerstört.
Ein Tor nach Westen
Für Jakobspilger war Trier nie das Ziel, sondern das Tor. Vier markierte Wege laufen hier ein: Mosel-Camino, Eifel-Camino, Via Coloniensis und Hunsrücker Jakobsweg. Und an der Abteikirche St. Matthias, wo sie enden, beginnen der Jakobsweg Trier – Le Puy und der Weg Trier – Vézelay. Du wechselst nicht den Ort, nur das Schild.
Dass Trierer nach Santiago gingen, ist belegt. 1239 stellte Papst Gregor IX. das Hospital St. Jakob unter seinen Schutz. Es bestand, um „arme und kranke Pilgrime auf ihrer Wallfahrt nach Rom oder San Jago de Compostella zu beherbergen und zu pflegen“. Die St. Jakobusbruderschaft Trier, die als älteste Jakobusbruderschaft Deutschlands gilt, wurde 1803 aufgelöst und 2003 neu gegründet. Heute stellt sie in der Dom-Information Pilgerausweise aus.
Welterbe zu Fuß: was du sehen solltest
Vom Bahnhof bis St. Matthias gehst du eine gute halbe Stunde. Nimm den Weg über Porta Nigra, Hauptmarkt und Dom, dann hast du den Welterbe-Kilometer schon gemacht.
- Abtei St. Matthias: In der Krypta liegt in einem Schrein, was seit 1127 als das Grab des Apostels Matthias verehrt wird, des einzigen Apostels mit Grab nördlich der Alpen. Daneben ruhen Eucharius und Valerius, die ersten Bischöfe der Stadt. Papst Eugen III. weihte die Kirche 1148, Bernhard von Clairvaux war dabei. In die Krypta kommst du über eine Treppe oder mit dem Aufzug. Hier bekommst du Stempel und Pilgersegen, ein Mönch ist eigens als Pilgerpfarrer da. Rund 180 Wallfahrten kommen jedes Jahr, vor allem zwischen Mai und Oktober.
- Der Dom: die Bischofskirche des ältesten Bistums Deutschlands. Sein Kern mit vier Granitsäulen entstand um 340. Hinter dem Ostchor führen barocke Pilgertreppen zur Heiltumskapelle, in der der Heilige Rock liegt, das Gewand Christi, das der Überlieferung nach Kaiserin Helena nach Trier brachte. Am Treppenaufgang stehen Konstantin und Helena. Die Kapelle ist nur zu den Heilig-Rock-Tagen offen, die das Bistum jedes Jahr zehn Tage lang feiert. Der Eintritt in den Dom ist frei, der Domschatz kostet Eintritt. Laut Tourismusportal ist der Dom von April bis Oktober 6.30 bis 18 Uhr offen, von November bis März bis 17.30 Uhr, während der Gottesdienste ist keine Besichtigung möglich.
- Die Liebfrauenkirche: Gleich neben dem Dom, mit ihm durch eine gemeinsame Vorhalle verbunden. Erzbischof Theoderich von Wied begann den Bau um 1230 mit Baumeistern aus der Champagne und der Île-de-France. Zusammen mit der Elisabethkirche in Marburg gilt sie als älteste gotische Kirche Deutschlands. Zwölf Säulen tragen den Zentralbau, sie stehen für die zwölf Apostel. Am Westportal stehen Ecclesia mit Kreuz und Kelch und gegenüber Synagoge mit verbundenen Augen.
- Die Porta Nigra: Um 170 begonnen, nie fertig gebaut, das besterhaltene römische Stadttor Deutschlands. Nach 1028 ließ sich hier der Mönch Simeon als Einsiedler nieder, der vorher sieben Jahre lang Pilger in Jerusalem geführt hatte. Nach seinem Tod 1035 wurde das Tor zur Doppelkirche, erst Napoleon ließ sie 1804 zurückbauen. Offen im Oktober 9 bis 17 Uhr, von November bis Februar 9 bis 16 Uhr, Erwachsene 6 € (Stand: Oktober 2026).
- Die Konstantinbasilika: Die Palastaula entstand um 305 bis 311 als Halle der Kaiserresidenz und gilt als größte erhaltene Halle der Antike. Seit 1856 ist sie eine evangelische Kirche. 1944 brannte sie aus, innen siehst du heute die nackten Ziegelwände.
- Hauptmarkt und Steipe: Am Festhaus der Bürger von um 1430 stehen vier Stadtpatrone, ganz links Jakobus, daneben Helena, Petrus und Paulus. Die Steipe brannte am 21. Dezember 1944 aus und wurde bis 1970 originalgetreu wieder aufgebaut.
- Das alte Jakobshospital: Das Haus des Hospitals St. Jakob in der Fleischstraße steht noch, heute ist darin eine Kunstgalerie. Übernachten kannst du dort nicht mehr, aber hier haben Trierer jahrhundertelang Pilger nach Santiago gepflegt.
- Die Kaiserthermen: Nach 294 begonnen und nie als Bad in Betrieb genommen. Gleiche Öffnungszeiten und Preise wie die Porta Nigra. Mit der AntikenCard Basic für 18 € siehst du zwei Römerbauten und das Landesmuseum (Stand: Oktober 2026).
Essen und Trinken
Belegte Pilgertipps zu Trierer Lokalen haben wir nicht gefunden, und Werbung machen wir keine. Trier ist Weinstadt: Die Vereinigten Hospitien, eine Stiftung von 1804, in der Trierer Hospitäler zusammengelegt wurden, finanzierten ihre sozialen Aufgaben auch mit Weinbau. Ihr Weinkeller ruht auf römischen Fundamenten.
Ehrlich gesagt
- Eine Pilgerherberge im spanischen Sinn gibt es nicht. In Trier zahlst du für Pension oder Gasthof eher 70 bis 110 € (Stand: Oktober 2026). Buch vorher, und frag beim Pilgerbüro nach privaten Quartieren.
- Dein Ziel liegt am Stadtrand. St. Matthias liegt zwei Kilometer südlich des Doms, vom Bahnhof gehst du eine gute halbe Stunde. Plan den Welterbe-Kilometer für den nächsten Tag ein, nicht für die Ankunft.
- Den Heiligen Rock siehst du sehr wahrscheinlich nicht. Die Heiltumskapelle ist außerhalb der Heilig-Rock-Tage verschlossen, und wann der Rock das nächste Mal gezeigt wird, ist offen.
- Ob im Schrein wirklich Matthias liegt, bezweifelt sogar die Abtei. Sie schreibt selbst, die historische Forschung bestreite das Vorhandensein von Matthiasreliquien in Trier. Der Wallfahrt hat das nie geschadet.
- Rund um die Mosel wird gebaut. Römerbrücke und Pallien haben Baustellen, plan ein paar Minuten Umweg ein (siehe Kasten).
Wo Pilger schlafen
Trier hat keine Pilgerherberge, aber einige Häuser, die Pilger aufnehmen:
- Abtei St. Matthias: In der App steht die Abtei als Pilgerunterkunft. Auf ihrer Website haben wir dazu nichts gefunden, nur das Gästehaus mit Kurswochenenden, und die Abtei schreibt, die allermeisten Wallfahrer übernachteten in Pensionen und Hotels. Frag vorher beim Gästeempfang an, Telefon 0651 1709-0.
- Jugendherberge Trier: mit Schlafsälen. Du brauchst eine DJH-Mitgliedschaft.
- Gästeappartement Vereinigte Hospitien: ein kleines Appartement am Krahnenufer, bei der Stiftung, die seit 1804 die alten Trierer Hospitäler fortführt.
Daneben gibt es in Trier ein Kolping-Hostel und mehrere kirchliche Gästehäuser. Das Pilgerbüro in der Dom-Information vermittelt private Quartiere, aber ohne Garantie.
Ninja-Tipps
- Such Jakobus am Hauptmarkt: An der Steipe steht er ganz links unter den vier Stadtpatronen. Für alle, die nach Frankreich weitergehen, ist das das Startfoto.
- Steig die Pilgertreppen im Dom: Auch wenn die Heiltumskapelle zu ist, stehst du am Aufgang vor Konstantin und Helena, den beiden, mit denen in Trier fast jede Geschichte beginnt.
- Erlebe einen Einzug: Zwischen Mai und Oktober, vor allem in den Wochen um Pfingsten, kommen die Matthias-Bruderschaften an. Die Pilger aus Dedenbach in der Eifel etwa ziehen mit Glockengeläut und „Großer Gott, wir loben dich“ in die Kirche ein. Viele Gruppen gehen danach zu Fuß wieder nach Hause.
- Krypta mit dem Aufzug: Wer nach der letzten Etappe keine Treppe mehr will, fährt mit dem Aufzug zum Grab.
- Stempel für die letzten 100 Kilometer: Für die Trierer Pilgerurkunde musst du die letzten 100 Kilometer mit Stempeln nachweisen. Auf dem Mosel-Camino reicht dafür der Start in Traben-Trarbach oder Monzel.
- AntikenCard statt Einzeltickets: Mit der Basic-Karte für 18 € siehst du zwei Römerbauten und das Landesmuseum, sie gilt ein Kalenderjahr (Stand: Oktober 2026).
Praktische Tipps für Pilger
- Pilgerausweis und Pilgerbüro: Die St. Jakobusbruderschaft Trier gibt Pilgerausweise in der Dom-Information aus, Liebfrauenstraße 12, Telefon 0651 979079-0, oder per Post. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
- Stempel und Pilgersegen: in der Abtei St. Matthias, am Apostelgrab.
- Pilgerurkunde: Die Trierer Pilgerurkunde bekommst du mit Stempeln der letzten 100 Kilometer. Frag in der Abtei oder im Pilgerbüro, wo sie gerade ausgestellt wird.
- Matthiasfest: Am 24. Februar feiert die Abtei ihren Patron.
- Montag: Das Rheinische Landesmuseum ist montags geschlossen, sonst Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.
- An- und Abreise: Trier Hauptbahnhof hat Verbindungen nach Koblenz, Köln, Saarbrücken und Luxemburg, nach Luxemburg sind es gut 50 Minuten. Das Deutschlandticket für 63 € im Monat gilt in den Regionalzügen (Stand: Oktober 2026). Der nächste internationale Flughafen ist Luxemburg-Findel.
Weiter: nach Frankreich
Beide Wege nach Westen beginnen an der Abteikirche St. Matthias und laufen die Mosel aufwärts. Nach Konz sind es laut Camino Ninja 7,1 Kilometer, dann steigst du in den Saargau. Auf dem Jakobsweg Trier – Le Puy erreichst du Mannebach nach 18 Kilometern, Merzkirchen nach 26 Kilometern. Nach zwei Tagen ist bei Perl Deutschland zu Ende, und über Sierck-les-Bains geht es nach Metz.
Der Weg Trier – Vézelay nimmt dieselbe Trasse: laut Camino Ninja 26,2 Kilometer bis Merzkirchen und 45,3 Kilometer bis Perl. Beide Wege teilen sich ein langes erstes Stück durch Lothringen, bevor einer nach Vézelay und der andere über Cluny nach Le Puy abbiegt. Bis Vézelay sind es laut Camino Ninja 507,5 Kilometer.
Tiefer eintauchen: Ein Apostel, ein Rock und ein Mönch im Stadttor
Ein langer Text, falls du noch mehr über Trier erfahren willst. Etwa dreißig Minuten Lesezeit.
Am Grab des Nachrückers
Wer auf dem Mosel-Camino, dem Eifel-Camino oder der Via Coloniensis nach Trier kommt, ist tagelang einer Muschel gefolgt. Am Ende steht er nicht vor einem Jakobusgrab, sondern im Süden der Stadt vor einer romanischen Basilika, und unten in ihrer Krypta liegt in einem Schrein, was seit fast neunhundert Jahren als das Grab des Apostels Matthias verehrt wird. Es ist das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen.
Matthias ist ein besonderer Apostel. Er gehörte nicht zu den Zwölf, die Jesus berufen hatte. Nach dem Verrat des Judas mussten die Elf einen Ersatzmann bestimmen, und sie taten es mit dem Los. In der Apostelgeschichte steht es knapp: et cecidit sors super Matthiam, und das Los fiel auf Matthias. Du gehst also einen Jakobsweg und kommst beim Nachrücker an.
Die Menschen, die seit Jahrhunderten zu ihm pilgern, haben das nie als Umweg empfunden. Rund 180 Wallfahrten kommen jedes Jahr nach Sankt Matthias, viele zu Fuß, vier bis neun Tage lang. Manche ihrer Bruderschaften sind 200, 500 oder sogar 800 Jahre alt. Und an derselben Kirchentür, an der die deutschen Wege enden, beginnen zwei andere ihren Weg nach Frankreich. Trier ist für Jakobspilger seit jeher kein Ziel, sondern ein Tor.
Dieser Text erzählt, warum ausgerechnet diese Stadt an der Mosel so viele Wege anzieht. Er erzählt von Kaisern und einer Kaiserin, führt durch die Gräber der ersten Bischöfe, die Krypta von Sankt Matthias und den Dom mit seinem Heiligen Rock und erzählt von einem Mönch, der sich in einem römischen Stadttor einschließen ließ, nachdem er sein halbes Leben Pilger geführt hatte.
Eine Stadt des Augustus
Bevor die Römer kamen, lebten hier die Treverer, ein keltischer Stamm. Julius Caesar unterwarf sie zwischen 58 und 50 vor Christus. Um 30 vor Christus legten die Römer auf dem Petrisberg über dem Moseltal ein Militärlager an, das sie nach wenigen Monaten wieder aufgaben. Und um 18 oder 17 vor Christus, spätestens aber 16 vor Christus, gründeten sie unten am Fluss eine Stadt: Augusta Treverorum, die Stadt des Augustus im Land der Treverer. Aus der spätantiken Form Treveris wurde später Trier.
Das römische Bauwerk, das du am ehesten benutzt, ist die Brücke. Die erste Brücke über die Mosel war aus Holz und entstand nach der Datierung ihrer Pfähle gleich in den Gründungsjahren. Die steinernen Pfeiler, über die du heute gehst, setzten die Römer zwischen 144 und 155. Ihre Fahrbahn blieb aus Holz, bis Erzbischof Balduin von Luxemburg sie 1343 einwölben ließ. Wenn du auf dem Mosel-Camino ankommst, gehst du an dieser Brücke entlang.
Die Trierer selbst haben sich mit dieser Gründung nie ganz zufriedengegeben. Im frühen zwölften Jahrhundert schrieben Mönche in den Gesta Treverorum, der Chronik der Stadt, eine viel ältere Geschichte auf. Danach hatte Trebeta, ein Sohn des assyrischen Königs Ninus, Trier gegründet, 1300 Jahre vor Rom. Am Roten Haus am Hauptmarkt steht diese Behauptung seit 1684 in einer Inschrift: Ante Romam Treviris stetit annis mille trecentis, vor Rom stand Trier eintausenddreihundert Jahre. Es ist eine Legende, und eine schöne. Sie zeigt, wie früh diese Stadt wusste, dass sie etwas Besonderes ist.
Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts umschloss eine Mauer von 6.418 Metern Länge eine Fläche von 285 Hektar. Das Amphitheater am Hang bot bis zu 18.000 Menschen Platz, und das nördliche Tor dieser Mauer steht bis heute. Wir kommen darauf zurück.
Das Rom des Nordens
Groß wurde Trier durch die Kaiser. Von 271 bis 274 war es eine Hauptstadt des Gallischen Sonderreichs, das sich für kurze Zeit vom übrigen Imperium gelöst hatte. Dann teilte Kaiser Diokletian die Macht unter vier Herrscher auf, und 293 wählte Constantius Chlorus Trier zu seiner Residenz. Er richtete eine Münzstätte ein, die zur wichtigsten im Westen des Reiches wurde. Von 293 bis 395 war Trier immer wieder Sitz der weströmischen Kaiser.
Sein Sohn ist der Mann, dessen Name in Trier an jeder Ecke steht: Konstantin der Große. Zwischen 306 und 324 hielt er sich immer wieder in der Stadt auf und baute sie nach dem Vorbild des Palatins in Rom zur Residenz aus. Seinen Vater ließ er vergöttlichen. Für sich selbst ließ er die Palastaula errichten, die Halle, die heute Konstantinbasilika heißt, um 305 bis 311 gebaut. Sie ist knapp 70 Meter lang, über 26 Meter breit und rund 30 Meter hoch, ohne eine einzige Säule im Innern, mit einer Fußbodenheizung unter dem Marmor. Sie gilt als die größte erhaltene Halle der Antike.
Auch die Kaiserthermen begann man in diesen Jahren, nach 294. Sie wurden nie als Bad in Betrieb genommen. Als der Hof nach Osten zog, ruhten die Arbeiten vermutlich, und später baute man die Anlage mit anderem Plan um. Konstantin selbst verließ Trier und übergab die Stadt seinem Sohn Crispus.
Unter dem Dom haben Archäologen ein vornehmes römisches Wohnhaus gefunden, mit einem Prunksaal voller Wand- und Deckenmalereien. Man vermutet, dass diese Malereien zu Räumen der jungen Kaiserin Fausta gehörten, Konstantins Frau, die er später töten ließ. Sicher ist das nicht. Sicher ist, dass im frühen vierten Jahrhundert die Wohnbauten abgerissen wurden und an ihrer Stelle Kirchen entstanden. 326 wurden Teile des Palastes zu einer Doppelbasilika umgebaut, deren Reste heute im Dom und in der Liebfrauenkirche stecken. Die Stadt der Kaiser wurde zur Stadt der Bischöfe, und das an genau demselben Ort.
Größte Stadt nördlich der Alpen
Wie viele Menschen damals in Trier lebten, weiß niemand genau, und es lohnt sich, ehrlich damit umzugehen. Manche Schätzungen nennen bis zu 40.000 Einwohner, andere 80.000. Wieder andere halten mehr als 30.000 für kaum zu versorgen. Einig sind sich alle in einem Punkt: Im vierten Jahrhundert war Trier die größte Stadt nördlich der Alpen.
Und es war eine Stadt der Köpfe. Um 317 lehrte hier Laktanz am Kaiserhof. Von 367 bis 388 wirkte der Dichter Ausonius in Trier als Erzieher am Hof und schrieb die Mosella, ein langes Gedicht auf den Fluss, an dem du gerade entlanggegangen bist. Um 370 kam der junge Hieronymus zum Studium, der später die Bibel ins Lateinische übersetzte. Um 340 wurde in Trier Ambrosius geboren, der später Bischof von Mailand wurde und als bedeutendster Sohn der spätantiken Stadt gilt. Und 336 schickte Konstantin einen unbequemen Bischof aus Alexandria nach Trier in die Verbannung, Athanasius.
Von 367 bis 375 machte Valentinian der Erste die Stadt wieder zur Residenz, sein Sohn Gratian folgte ihm und wurde 383 ermordet. Dann herrschte von Trier aus ein Usurpator, Magnus Maximus, und unter ihm geschah etwas, das bis nach Santiago reicht.
Ein Urteil, das bis nach Santiago reicht
Priscillian war ein gebildeter Mann aus dem Nordwesten Hispaniens, vielleicht aus Gallaecia, dem heutigen Galicien. Um 370 begann er eine asketische Bewegung, 380 wurde er Bischof von Ávila. Seine Gegner unter den spanischen Bischöfen warfen ihm vor, falsche Lehren zu verbreiten, und sie trugen den Streit bis vor den Kaiser. Nach einer Synode in Bordeaux kam der Fall vor das weltliche Gericht in Trier. Der Hauptankläger hieß Ithacius. Die Anklage lautete nicht mehr nur auf Irrlehre, sondern auf Zauberei, und darauf stand der Tod.
Ein Mann versuchte, das zu verhindern: Martin von Tours. Er hatte vom Kaiser das Versprechen erhalten, dass niemand getötet werde. 385 wurden Priscillian und fünf seiner Gefährten trotzdem mit dem Schwert hingerichtet. Priscillian gilt als der erste Christ, den andere Christen wegen Ketzerei töteten. Martin brach danach die Gemeinschaft mit den beteiligten Bischöfen ab. Papst Siricius tadelte Ithacius und den Kaiser, und Ambrosius, der Sohn dieser Stadt, wollte nichts zu tun haben mit Bischöfen, die Ketzer in den Tod geschickt hatten.
Die Überreste Priscillians wurden von Trier nach Hispanien gebracht und vor allem in Galicien als Märtyrer verehrt. Und hier beginnt eine Frage, die du mitnehmen kannst, wenn du nach Santiago gehst. Im neunten Jahrhundert fand man in Galicien ein Grab, das als das Grab des Apostels Jakobus verehrt wurde. Der englische Kirchenhistoriker Henry Chadwick hat die Vermutung geäußert, dort könnte in Wahrheit Priscillian liegen. Beweisen lässt sich das nicht, und widerlegen auch nicht. Aber es ist eine merkwürdige Vorstellung: Der Weg, der in Trier beginnt, könnte an einem Grab enden, das ebenfalls in Trier seinen Anfang nahm.
Gräber vor der Stadt
Die ersten Bischöfe von Trier hießen nach der Überlieferung Eucharius, Valerius und Maternus. Sie wirkten vermutlich in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts. Der erste Bischof, den man sicher kennt, ist Agritius: Er nahm 314 an der Synode von Arles teil. Damit ist Trier der älteste nachgewiesene Bischofssitz auf deutschem Boden, und das Bistum gilt als die älteste katholische Ortskirche Deutschlands.
Die Römer begruben ihre Toten außerhalb der Stadt, an den Ausfallstraßen. Im Süden zog sich ein großes Gräberfeld an der heutigen Matthiasstraße entlang, und die Christen legten ihre Toten gern in die Nähe ihrer Bischöfe. Um diese Gräber entstanden die großen Kirchen vor den Mauern, Sankt Maximin, Sankt Paulin und Sankt Eucharius. Im fünften Jahrhundert ließ Bischof Cyrillus über den Gräbern von Eucharius und Valerius eine Grabstätte errichten. Daraus wuchs ein Kloster, das um 977 die Regel des heiligen Benedikt annahm.
Über Jahrhunderte hieß es nach Eucharius. Seine und die Gebeine des Valerius liegen bis heute in der Krypta. Wenn du dort unten stehst, stehst du also an den Gräbern der Männer, mit denen das Christentum in diesem Land begann. Erst ein Fund im zwölften Jahrhundert gab der Abtei ihren heutigen Namen.
Wie der Apostel nach Trier kam
Die Legende erzählt es so: Matthias starb um das Jahr 63 an einem unbekannten Ort. Mehr als 250 Jahre später ließ Kaiserin Helena, die Mutter Konstantins, seine Gebeine in Palästina suchen und nach Trier bringen. Dieselbe Helena soll auch das Kreuz Christi gefunden haben, und dieselbe Helena soll den Heiligen Rock nach Trier geschickt haben. In Trier beginnt fast jede Geschichte bei Konstantin und Helena.
Um 1050 hörte Erzbischof Eberhard in Rom, Helena habe den Apostel nach Trier gebracht. Er ließ suchen, und 1053 fanden Mönche im Eucharius-Kloster Reliquien. Der eigentliche Fund aber kam 1127. Bei Abrissarbeiten an der alten Kirche stießen Mönche auf menschliche Gebeine, die als die des Apostels galten. Was dann geschah, beschreiben die Quellen als einen sofort einsetzenden Strom von Wallfahrern aus ganz Deutschland.
Am 13. Januar 1148 weihte Papst Eugen der Dritte die neue Kirche, in Gegenwart zahlreicher Kardinäle und Bernhards von Clairvaux, des berühmtesten Predigers seines Jahrhunderts. Ein Papst und Bernhard gemeinsam in einer Kirche an der Mosel: Das zeigt, was dieser Fund bedeutete. Von da an hieß das Kloster nach Matthias.
Das Haupt des Apostels ging einen eigenen, langen Weg. Ein Ritter soll es vom Kreuzzug mitgebracht haben, und um 1220 baute man über Kobern an der Mosel eine sechseckige Kapelle nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem, um es aufzunehmen. 1347 kam das Haupt auf die Burg Sayn, 1381 auf den Ehrenbreitstein über Koblenz, um 1420 in den Trierer Dom, und seit 1927 ruht es in Sankt Matthias. Wenn du den Mosel-Camino gegangen bist, bist du diesen Weg ungefähr nachgegangen, in acht Tagen statt in sieben Jahrhunderten.
Eine Basilika, die wiederkam
Die Basilika, in der du stehst, ist romanisch, und sie hat viel überstanden. Im fünfzehnten Jahrhundert erneuerte der Abt Johannes Rode, ein früherer Kartäuser, das Kloster geistlich und wirtschaftlich, 1458 schloss es sich der Bursfelder Reformbewegung an. Von dem großen Zyklus von Chorfenstern, den Wilhelm von der Eifel zwischen 1510 und 1514 schuf, ist nur die Kreuzigungsgruppe oben im Mittelfenster geblieben.
Dann kam der Niedergang. 1783 wurde der letzte Abt abgesetzt. 1794 besetzten die Franzosen Trier, und 1802 wurde das Kloster, wie es hieß, unter die Hand der Nation gestellt und aufgehoben. Dass die Gebäude nicht abgerissen wurden, ist einem Kaufmann zu verdanken, Christoph Philipp Nell, der den Kreuzgang und die angrenzenden Häuser kaufte. Die Kirche blieb Pfarrkirche, und von 1802 bis 1922 betreuten die Pfarrer die Pilger, die trotzdem weiter kamen.
Am 22. Oktober 1922 zogen wieder Mönche ein, Benediktiner aus der Abtei Seckau in der Steiermark. 1920 hatte Papst Benedikt der Fünfzehnte die Kirche zur Basilika erhoben. 1941 löste die nationalsozialistische Regierung den Konvent auf, die Mönche gingen nach Maria Laach, zwei von ihnen, Pater Marus und Pater Martin, wurden nach Dachau deportiert. Beide kehrten nach dem Krieg zurück. Heute ist die Gemeinschaft klein. Im Juli 2021 gehörten siebzehn Mönche dazu, elf in Trier und sechs auf der Huysburg in Sachsen-Anhalt, mit der Sankt Matthias verbunden ist. Einer der Brüder ist eigens als Pilgerpfarrer da.
Zuletzt wurde die Basilika neu gestaltet. Die Krypta wurde um zwei Joche auf ihre ursprüngliche Länge erweitert und bekam einen Aufzug. Am 10. Dezember 2007 trug man den Schrein mit den Gebeinen des Apostels in die Krypta, und am 24. Februar 2008, dem Matthiasfest, wurde der neue Altar geweiht. Wenn du nach der letzten Etappe keine Treppe mehr gehen willst, fährst du mit dem Aufzug zum Apostel. Das ist eine Freundlichkeit, die man erwähnen darf.
Im nördlichen Seitenturm, in der Kreuzkapelle, liegt eine Staurothek aus dem dreizehnten Jahrhundert, eine Goldschmiedearbeit mit einer Reliquie vom Kreuz. Du siehst sie nur bei Führungen. Und dann gibt es noch eine Geschichte, die man in einer Pilgerkirche nicht erwartet. An der Friedhofsmauer der Abtei hing seit dem Mittelalter eine Venusfigur an einer Kette. Sie ist 1551 zum ersten Mal erwähnt, die Mattheiser Venus. 1811 gab man sie an eine Gelehrtengesellschaft ab, heute steht sie im Rheinischen Landesmuseum.
Achthundert Jahre zu Fuß nach Trier
Die Matthiaspilger kommen bis heute, und sie kommen in Gruppen. Sie heißen Bruderschaften, und sie kommen aus der Eifel, vom Mittelrhein und vom Niederrhein, aus den Bistümern Köln und Aachen und bis von der holländischen Grenze. Die meisten erreichen Sankt Matthias in den Wochen vor oder nach Pfingsten, viele zwischen Mai und Oktober. Und viele gehen danach den ganzen Weg zu Fuß wieder zurück.
An ihren Wegen haben sie Spuren hinterlassen. In der Nordeifel, zwischen Sötenich, Steinfeld und Urft, steht ein hölzernes Pilgerkreuz der Matthiasbruderschaft Kleinenbroich vom Niederrhein. Es trägt die Jahreszahl 1757 und ein Zeichen aus einem gekreuzten Wanderstock und einem Beil. In Scheuern in der Vulkaneifel steht an einem alten Römerweg von Trier nach Köln eine kleine Matthiaskapelle von 1695.
Die Bruderschaft aus Dedenbach in der Eifel ist seit 1762 belegt. Wenn sie aufbrach, begleiteten die Angehörigen die Pilger bis zu einem Feldkreuz von 1729, das Vaterlandskreuz heißt. Dort beteten sie für die Daheimgebliebenen, und der Brudermeister segnete mit seinem Pilgerkreuz das Dorf. In Trier zogen die Pilger mit Glockengeläut in die Kirche ein und sangen Großer Gott, wir loben dich. Bei der Heimkehr wurden sie am selben Kreuz empfangen. 2006 entdeckten die Dedenbacher Pilger an der Dorfstraße von Meuspath ein Steinkreuz von 1792. Darauf steht, dass hier Matteis Goerges von Dedenbach als Pilger gestorben ist. Ein Mann, der auf dem Weg starb, und zweihundert Jahre später gehen seine Nachfolger an seinem Kreuz vorbei. Die Dedenbacher Wallfahrt war eingeschlafen. Am 11. Mai 2002 brachen sechs Männer auf, um sie wiederzubeleben.
Manche Gruppen sind groß. Die Matthiasbruderschaft aus Mayen geht drei Tage und zählt mit über 250 Teilnehmern zu den größten Wallfahrten in Rheinland-Pfalz. Andere sind klein. Die Matthiasbruderschaft an Sankt Aposteln in Köln lud für Mai 2026 zu acht Tagen und rund 240 Kilometern durch die Eifel nach Trier ein, für höchstens dreißig Pilger, weil es nicht mehr Schlafplätze gab. Sie beschreibt ihren Weg mit einem Satz, den jeder Pilger verstehen wird: Er führe quer durch die Eifel, auf dem schönsten, nicht dem schnellsten Weg.
Wie viele es einst waren, haben die Trierer Torwächter gezählt. 1779 kamen in einer einzigen Pfingstwoche 11.154 Pilger durch die Tore. Fünf Jahre später, am 19. November 1784, verbot Erzbischof Clemens Wenzeslaus alle Wallfahrten, die länger als eine Stunde dauerten. Der Erzbischof von Trier verbot damit die Wallfahrt zu seinem eigenen Apostelgrab. Die Pilger kamen trotzdem wieder.
Der Dom: siebzehn Jahrhunderte unter einem Dach
Zwei Kilometer nördlich von Sankt Matthias steht der Dom, die Bischofskirche des ältesten Bistums Deutschlands. Er ist ein Buch, in dem fast jedes Jahrhundert eine Seite geschrieben hat.
Die erste Seite ist römisch. Zwischen 310 und 320 entstand hier, wo vorher das vornehme Wohnhaus mit dem bemalten Saal stand, eine erste Basilika. Unter Bischof Maximin, der von 329 bis 346 regierte, wuchs daraus eine der größten Kirchenanlagen Europas mit vier Basiliken und einer Taufkirche. Um 340 entstand der Kern des heutigen Doms, ein quadratischer Bau mit vier gewaltigen Säulen aus Granit aus dem Odenwald. Im fünften Jahrhundert brannte der Dom nach einer Eroberung aus, und die Granitsäulen stürzten ein. Im sechsten Jahrhundert stellte Bischof Nicetius den Bau mit Säulen aus Kalkstein wieder her. Im Jahr 882 kamen die Wikinger, eroberten Trier, brannten die meisten Kirchen und Klöster nieder und beendeten damit das planmäßig gebaute römische Trier.
Dann bauten die Bischöfe wieder, Seite um Seite. Bischof Egbert erweiterte den Dom nach Westen. Ab 1037 ließ Erzbischof Poppo, den du gleich noch näher kennenlernen wirst, die Westfassade errichten, die bis heute als typisches Beispiel salischer Baukunst gilt. Am 1. Mai 1196 weihte Erzbischof Johann der Erste den neuen Altar im erweiterten Ostchor und schloss darin den Heiligen Rock ein. Im dreizehnten Jahrhundert bekam der Innenraum seine Gewölbe und Emporen. Um 1350 ließ Balduin von Luxemburg die Osttürme erhöhen, nach 1512 ließ Richard von Greiffenklau den Südwestturm auf 76 Meter aufstocken.
Am 17. August 1717 brannte der Dachstuhl. Der Baumeister Johann Georg Judas gestaltete den Dom von 1719 bis 1723 um. Schon kurz vorher, am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, war hinter dem Ostchor die barocke Heiltumskapelle entstanden, mit Treppen, die eigens für die Pilger gebaut wurden. Der Bildhauer Johann Wolfgang Frölicher schuf den Aufbau mit diesen Pilgertreppen und dem Durchblick zur Kapelle. Von ihm stammt auch ein muschelförmiges Marmorbecken im Westchor, das heute als Taufbecken dient.
Wenn du drinnen bist, achte auf ein paar Dinge. Am Treppenaufgang zur Heiltumskapelle stehen Konstantin und seine Mutter Helena. Die Kanzel aus der Werkstatt von Hans Ruprecht Hoffmann zeigt die sieben Werke der Barmherzigkeit, darunter jenes, das jeder Pilger kennt: Fremde beherbergen. Im Domschatz liegt ein Tragaltar des Bischofs Egbert, der zu den bedeutendsten Werken ottonischer Goldschmiedekunst gehört, und der Dom besitzt einen der heiligen Nägel vom Kreuz. Über Jahrhunderte war der Dom die Grabkirche der Erzbischöfe. Balduin von Luxemburg liegt hier in einer Tumba aus Marmor. An der Südwand, am Portal zur Liebfrauenkirche, zeigt ein Relief von etwa 1180 Christus zwischen Maria und Petrus. Und wenn du zur Orgel hinaufschaust, die wie ein Schwalbennest an der Wand hängt, such in ihrem Fuß nach einer kleinen Figur: Es ist der Hirtengott Pan mit seiner Flöte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom schwer beschädigt, aber seine Gewölbe hielten. Die Restaurierung dauerte bis zum 1. Mai 1974. Dabei stellte sich heraus, dass die Eichenpfähle, auf denen Teile des Baus standen, verfault waren, und ein System aus Stahl musste den Dom stabilisieren. Er ist 112,5 Meter lang und das größte Kirchengebäude der Stadt. Auf der Domuhr steht ein Satz aus dem Matthäusevangelium, der gut zu einem Ort passt, an dem man so viele Jahrhunderte übereinander sieht: nescitis qua hora dominus veniet, ihr wisst nicht, zu welcher Stunde der Herr kommt.
Der Rock ohne Naht
Im Johannesevangelium steht, dass die Soldaten nach der Kreuzigung die Kleider Jesu unter sich aufteilten. Nur sein Untergewand, das ohne Naht von oben bis unten gewebt war, wollten sie nicht zerschneiden und warfen das Los darum. Dieses Gewand, so die Überlieferung, brachte Helena nach Trier.
Die Überlieferung selbst ist jünger, als man denkt. Sie stammt aus Quellen des zwölften Jahrhunderts, aus einer Zeit, in der Trier seine Machtansprüche untermauerte. Um 1140 bis 1150 erzählt die Kaiserchronik aus Regensburg, Helena habe den Rock mit anderen Reliquien nach Trier geschickt. Um 1190 erscheint er in einem Versepos, dem Orendel. Und am 1. Mai 1196 ist er zum ersten Mal urkundlich belegt, als Erzbischof Johann der Erste ihn in den neuen Hochaltar einschloss.
Dort blieb er über drei Jahrhunderte unsichtbar. 1512 hielt Kaiser Maximilian der Erste in Trier einen Reichstag und wollte den Rock sehen. Erzbischof Richard von Greiffenklau ließ den Altar öffnen, und sein Sekretär Peter Maier hielt fest, was geschah. Danach verlangten auch die Bürger, den Rock zu sehen. Das Domkapitel ließ an der Westapsis eine Loggia bauen, und ab dem 30. Juni zeigte man ihn dem Volk. Bis 1517 kamen jedes Jahr Pilger. Papst Leo der Zehnte legte danach einen Rhythmus von sieben Jahren fest. Im selben Jahr 1517 veröffentlichte Martin Luther seine Thesen, und 1546 schrieb er über die Wallfahrt nach Trier von Bescheißerei.
Von 1628 bis 1794 lag der Rock mit Unterbrechungen auf der Festung Ehrenbreitstein über Koblenz. 1810 kam er aus dem Exil zurück und wurde 18 Tage lang gezeigt, mehr als 220.000 Pilger kamen. Und dann kam 1844. In sieben Wochen sollen über eine Million Menschen nach Trier gepilgert sein, nach anderen Angaben eine halbe Million in 50 Tagen. Achtzehn Heilungswunder wurden berichtet. Ein schlesischer Priester, Johannes Ronge, nannte das alles öffentlich Täuschung und Götzendienst. Er wurde exkommuniziert, und aus seinem Protest entstand die deutschkatholische Bewegung.
1891 rief Bischof Michael Felix Korum zur Wallfahrt, fast zwei Millionen kamen. 1933 waren es über zwei Millionen, wenige Wochen nach dem Konkordat zwischen der Kirche und dem nationalsozialistischen Staat. 1959 kamen 1,8 Millionen, 1996 rund 700.000 unter dem Leitwort Mit Jesus Christus auf dem Weg.
Die letzte Wallfahrt war 2012, zum fünfhundertsten Jahrestag der ersten Zeigung. Vom 13. April bis zum 13. Mai kamen etwa 550.000 Menschen. Das Leitwort hieß Und führe zusammen, was getrennt ist. Bischof Stephan Ackermann verzichtete auf einen Ablass, damit evangelische Christen mitpilgern konnten, und die Evangelische Kirche im Rheinland beteiligte sich. Fünfhundert Jahre nach der ersten Zeigung pilgerten auch Luthers Erben zum selben Rock.
Seit 1996 feiert das Bistum jedes Jahr zehn Tage lang die Heilig-Rock-Tage. Der Rock wird dabei nicht gezeigt, aber die Heiltumskapelle ist offen. Den Rest des Jahres ist sie verschlossen. Der Rock liegt in einem Schrein, in einer klimatisierten Glasvitrine, denn aufhängen kann man ihn nicht mehr. Wann er das nächste Mal gezeigt wird, weiß niemand. Spekuliert wird über das Jahr 2033.
Die Frage, die bleibt: Was liegt in den Schreinen?
Ist das der Rock, den Jesus trug? Liegt in der Krypta wirklich der Apostel Matthias? Die ehrliche Antwort ist bemerkenswert, weil sie zum Teil von den Hütern selbst kommt.
Über den Heiligen Rock weiß man inzwischen viel und doch nicht das Entscheidende. Eine kirchliche Kommission hielt den Stoff 1890 für Leinen oder Baumwolle. Vor der Wallfahrt 1891 behandelte man das Gewebe mit einem pflanzlichen Klebstoff, der sich braun verfärbte, und das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Eine Untersuchung 1973 und 1974 konnte Herkunft und Alter nicht bestimmen. Die Textilrestauratorin Mechthild Flury-Lemberg fand Schichten aus Seidensatin, Tüll und Taft, auf die alte Fragmente geklebt sind. Der Kern besteht vermutlich aus Wolle. Wie alt sie ist, lässt sich nicht genau sagen.
Bei Matthias ist die Lage noch klarer. Die Abtei selbst schreibt, die historische Forschung bestreite das Vorhandensein von Matthiasreliquien in Trier. Der Landschaftsverband Rheinland hält die Echtheit für unwahrscheinlich und erinnert daran, dass der Fund von 1127 in eine Zeit fiel, in der Klöster und Bistümer um Macht und Ansehen stritten.
Und doch: Die Wallfahrten haben nie aufgehört. Die Bruderschaften gehen seit Jahrhunderten, durch Verbote, Kriege und Aufhebungen hindurch. Vielleicht liegt das daran, dass das Gehen selbst nie gefälscht sein kann. Was in den Schreinen liegt, weiß niemand sicher. Die vier oder neun Tage, die die Pilger dorthin gebraucht haben, sind echt.
Du kennst diese Frage vielleicht schon. Auch über das Grab in Santiago wird seit Langem gestritten, und eine der Vermutungen führt, wie du gelesen hast, zurück nach Trier. Wer an Reliquien glaubt, findet hier einen Apostel. Wer nicht daran glaubt, findet eine Stadt, in die seit neunhundert Jahren Menschen zu Fuß gehen, weil sie etwas suchen. Beides ist ein Grund, hier anzukommen.
Zwölf Säulen neben dem Dom
Neben dem Dom steht eine Kirche, deren Baumeister von weit her kamen. Erzbischof Theoderich von Wied begann um 1230 an der Stelle der alten konstantinischen Doppelkirche, die nach rund tausend Jahren baufällig geworden war, einen Neubau. Seine Baumeister und Künstler kamen aus der Champagne und der Île-de-France, wo man damals gerade die ersten großen gotischen Kathedralen baute.
Um 1243 war die Hälfte fertig, dann ging das Geld aus. Man sammelte im Erzbistum Köln, und der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden unterstützte die Kollekte mit einem Ablassbrief. Die Urkunde nennt die Kirche die Mutterkirche der trierischen Kirchenprovinz. Um 1260 war die Liebfrauenkirche vollendet. Zusammen mit der Elisabethkirche in Marburg gilt sie als die älteste gotische Kirche Deutschlands.
Ihr Grundriss beruht auf Quadraten, nur der Chor ragt heraus, und acht Kapellen umgeben den Bau. Getragen wird er von zwölf Säulen, und sie stehen für die zwölf Apostel. Am Westportal thront Maria, ihre Füße stehen auf einem Drachen. Links neben dem Portal steht eine Frauenfigur mit Kreuz und Kelch, Ecclesia, die Kirche. Gegenüber steht Synagoge mit verbundenen Augen, den Gesetzestafeln und einem zerbrochenen Zepter. Diese Gegenüberstellung von Kirche und Synagoge gehört zur Bildsprache des Mittelalters, und es lohnt sich, auch sie bewusst anzusehen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Liebfrauenkirche schwer zerstört. Am 8. März 1945 sammelte ein amerikanischer Militärkaplan, Frederick McDonald, hier Glasscherben auf. Fast sechzig Jahre später, 2003, machte der Künstler Peter Eichhorn daraus ein Glasbild, das heute in San Francisco hängt. So ist ein Stück dieser Kirche selbst auf Reisen gegangen.
Zwischen Liebfrauen und Dom liegt eine gemeinsame Vorhalle, das Paradies. Bis zur französischen Zeit zogen viele Prozessionen hindurch von einer Kirche zur anderen. 1803 wurden die beiden Kirchen getrennt, das Portal zum Dom wurde zugemauert. Erst 1959 öffnete man es wieder. Heute kannst du wieder von der einen Kirche in die andere gehen.
Der Mönch, der Pilger führte
Nun zu dem Mann, der für Pilger vielleicht die schönste Geschichte Triers geschrieben hat. Er hieß Simeon und wurde im späten zehnten Jahrhundert in Syrakus auf Sizilien geboren, das damals unter arabischer Herrschaft stand. Sein Vater war Grieche und früher Soldat in byzantinischen Diensten, seine Mutter stammte aus Kalabrien. Mit sieben Jahren schickte ihn der Vater nach Konstantinopel, damit er Griechisch lesen und schreiben lernte.
Als junger Mann ging Simeon nach Jerusalem zur Grabeskirche. Und dann blieb er sieben Jahre und tat dort genau das, was heute Freiwillige in Pilgerbüros tun: Er führte Pilger. Später diente er einem Einsiedler, der in einem Turm am Jordan lebte, und lernte von ihm das Leben in der Abgeschiedenheit. Zwei Jahre lebte er in einem Marienkloster in Bethlehem, dann ging er zum Katharinenkloster auf dem Sinai und wurde dort zum Diakon geweiht. Zwei Jahre lebte er allein in einer Höhle am Roten Meer, und jeden Sonntag brachte ihm ein Mönch Brot.
1026 schickte ihn sein Abt in einer Geldangelegenheit nach Rouen zum Herzog der Normandie, Richard dem Zweiten. Auf dem Nil überfielen Piraten sein Boot, und Simeon rettete sich schwimmend. Als er endlich in Rouen ankam, war der Herzog tot. Auf dem Rückweg schloss er sich in Antiochia einer Gruppe von rund 700 Pilgern an, unter ihnen der Abt Eberwin von Tholey. In Belgrad versperrten ungarische Beamte den Weg, die Gruppe musste über Rom zurück. Simeon besuchte Eberwin in Tholey und kam so nach Trier.
Dort traf er Erzbischof Poppo, einen Babenberger, seit 1016 Erzbischof von Trier. Poppo lud ihn ein, mit ihm ins Heilige Land zu pilgern. Von 1028 bis 1030 waren die beiden unterwegs, nach Jerusalem und zurück nach Trier. Ein Erzbischof pilgerte mit einem Mönch, der sieben Jahre lang Pilger in Jerusalem geführt hatte.
Eingeschlossen im Schwarzen Tor
Zurück in Trier wollte Simeon nicht mehr weiterziehen. Er wollte sich einschließen lassen, und Poppo gab ihm einen Ort dafür, der eigenartiger kaum sein könnte: das alte römische Nordtor der Stadt.
Das Tor war schon damals fast neunhundert Jahre alt. Die Römer hatten es um 170 begonnen, das hat man erst 2018 an Holzresten der Stadtmauer genau bestimmen können, deren Bäume 169 oder 170 gefällt worden waren. Rund 7.200 Quader aus Sandstein aus Kordel stecken in ihm, der größte wiegt bis zu sechs Tonnen. Fertig wurde es nie. Die Bohrungen für die Türangeln sind da, aber Torflügel wurden wohl nie eingebaut. Im Mittelalter brachen Diebe die eisernen Klammern und das Blei aus den Mauern, die Löcher siehst du bis heute. Wegen der dunklen Verwitterung des Steins nannte man es Porta Nigra, das Schwarze Tor.
Am 29. November 1030, am Fest des Apostels Andreas, schloss Poppo Simeon in einer Zelle hoch oben im Torturm ein. Was danach geschah, erzählt man in Trier mit Zügen einer Legende. Bald nach seiner Einschließung kam eine große Flut über die Gegend, und manche hielten den fremden Mönch im Turm für einen Zauberer. Sie bewarfen seine Zelle mit Steinen und zerbrachen ihr Fenster. Simeon betete und fastete, er lebte von Brot, Wasser und Bohnen. Er betete aufrecht stehend mit ausgebreiteten Armen, damit er nicht im Liegen einschlief. Von sich selbst sagte er, er sei für die Welt tot und begraben.
Am 1. Juni 1035 starb Simeon und wurde, wie er es gewünscht hatte, in seiner Zelle begraben. Schon im ersten Monat berichtete man von Wundern an seinem Grab, und man stellte eine Leiter auf, damit die Pilger hinaufsteigen konnten. Der Mann, der sein Leben lang Pilger geführt hatte, war selbst zum Ziel geworden. Abt Eberwin von Tholey, sein Weggefährte aus Antiochia, schrieb noch 1035 auf Poppos Bitte sein Leben auf. Poppo schickte den Bericht nach Rom, und Papst Benedikt der Neunte sprach Simeon heilig, nach manchen Angaben noch 1035, nach anderen 1042. Es gehört zu den ersten Heiligsprechungen durch einen Papst.
Poppo baute das Tor zu einer Kirche um, eigentlich zu zweien übereinander, oben für die Mönche, unten für das Volk, und gründete daneben ein Stift für Geistliche. Ein Teil der Stiftsgebäude geht auf das Jahr 1040 zurück, und darin ist heute das Stadtmuseum Simeonstift. Als Poppo am 16. Juni 1047 bei einer Besichtigung der Bauarbeiten am Dom starb, wurde er in seiner Simeonkirche begraben. Sein Grab wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört.
Die Kirche rettete das römische Tor. Andere römische Bauten dienten den Trierern als Steinbruch, das Tor nicht, weil es eine Kirche war. 1802 hob Napoleon Kirche und Stift auf, und bei seinem Besuch im Oktober 1804 befahl er, das Tor in seine römische Gestalt zurückzubauen. Eine Legende erzählt, die Trierer hätten ihn davon abgehalten, alles abzureißen. Von 1804 bis 1809 wurde das mittelalterliche Gebäude ausgekernt, die Preußen vollendeten die Arbeiten 1816 und 1817. Geblieben ist nur der untere Teil einer Apsis an der Ostseite. Sie ist das einzige sichtbare Zeichen dafür, dass hier eine Kirche stand, gebaut um das Grab eines Mönchs, der Pilger nach Jerusalem geführt hatte.
Sankt Jakob in der Fleischstraße
Und wo ist Jakobus in dieser Stadt der Apostel, Kaiser und Einsiedler? Er ist da, man muss ihn nur suchen.
Am 14. April 1239 schrieb Papst Gregor der Neunte an das Hospital Sankt Jakob in Trier, an seinen Meister und seine Brüder, und stellte es unter seinen Schutz. Die Sankt-Jakobus-Bruderschaft Trier, die es trug, gilt als die älteste Jakobusbruderschaft Deutschlands. Ihr Hospital in der Fleischstraße bestand, um arme und kranke Pilgrime auf ihrer Wallfahrt nach Rom oder San Jago de Compostella zu beherbergen und zu pflegen. Das Haus steht noch. Heute ist darin eine Kunstgalerie. Triers Jakobsherberge gibt es also noch, nur übernachten kannst du dort nicht mehr.
1803 wurde die Bruderschaft aufgelöst. Im Jahr darauf, 1804, wurden in Trier zahlreiche Hospitäler und Einrichtungen für Kranke und Bedürftige zu einer Stiftung zusammengelegt, den Vereinigten Hospitien, die bis heute besteht. 2003, genau zweihundert Jahre nach ihrer Auflösung, wurde die Jakobusbruderschaft als Verein neu gegründet. Heute stellt sie Pilgerausweise aus.
Am Hauptmarkt findest du Jakobus in Stein. An der Steipe, dem Festhaus der Trierer Bürger von um 1430, stehen vier Stadtpatrone, und ganz links steht er, neben Helena, Petrus und Paulus. Die Steipe brannte am 21. Dezember 1944 aus und wurde bis Juli 1970 originalgetreu wieder aufgebaut.
Hier muss man ehrlich sein. Dass Trierer nach Santiago zogen, wissen wir aus der Urkunde und aus dem Zweck ihres Hospitals. Welchen Weg sie nahmen, wissen wir nicht. Einen mittelalterlichen Beleg für einen Weg von Trier über Metz und Langres nach Süden gibt es nicht, und kein einziger namentlich bekannter Pilger ist für diese Linie verbürgt. Hermann Künig von Vach, der 1495 einen Pilgerführer nach Santiago schrieb, beschrieb Routen weiter im Westen. Die Wege, auf denen du heute gehst, sind neu. 1987 erklärte der Europarat die Jakobswege zur ersten europäischen Kulturroute und rief zu einheitlichen Wegzeichen auf. Ab 1999 rekonstruierte ein Projekt die Wege der Jakobspilger im Rheinland, aus dem die Via Coloniensis wurde. 2008 legten zwei Privatleute, Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter, die Trasse des Mosel-Camino, und im selben Jahr wurde der Eifel-Camino markiert. Die Wege sind jung, aber sie führen durch sehr altes Gelände, und an ihrem Ende steht eine Bruderschaft, die schon 1239 Pilger pflegte.
Niedergang und Wiederkehr
Die Geschichte Triers ist nicht nur eine Geschichte von Kaisern, Heiligen und Pilgern. Zwischen 1580 und 1596 wurden in Trier hunderte Frauen und Männer und einzelne Kinder als Hexen zum Tod verurteilt und hingerichtet. 1589 traf es sogar einen der Richter, den Schultheißen und Rektor der Universität, Dietrich Flade. 1633 kam der Jesuit Friedrich Spee nach Trier, der zu den mutigsten Kritikern dieser Prozesse gehörte. 1652 wurden sie endgültig verboten.
Die Kriege des siebzehnten Jahrhunderts setzten der Stadt zu, 1698 lebten hier nur noch 2.500 Menschen. Am 8. August 1794 nahmen die Truppen der Französischen Republik Trier ein. Das alte Kurfürstentum endete, die Universität von 1473 wurde 1797 aufgehoben, die Klöster und Stifte 1802. 1815 wurde Trier preußisch, und 1818 wurde hier Karl Marx geboren, dessen Geburtshaus seit 1947 ein Museum ist.
Im Dezember 1944 griffen alliierte Flugzeuge die Stadt an, am 19., 21. und 23. Dezember. Mindestens 420 Menschen starben, und im ganzen Krieg wurden 1.600 Häuser völlig zerstört. Am 2. März 1945 war Trier erobert. Die Steipe, an der Jakobus steht, brannte aus, ebenso die Konstantinbasilika. Dom und Liebfrauenkirche wurden schwer beschädigt.
Dann kam die Wiederkehr. Die Liebfrauenkirche war 1951 wieder aufgebaut, der Dom 1974 restauriert, die Steipe 1970. 1984 feierte die Stadt ihren zweitausendsten Geburtstag, und 1986 nahm die UNESCO die römischen Bauten, den Dom und die Liebfrauenkirche in die Liste des Welterbes auf. Die jüngere Geschichte kennt auch Schmerz. Am 1. Dezember 2020 tötete ein Mann bei einer Amokfahrt durch die Innenstadt sechs Menschen. Im Juli 2021 überflutete das Hochwasser den Stadtteil Ehrang, durch den der Mosel-Camino führt.
Heute leben in Trier gut 112.000 Menschen. Die Mönche von Sankt Matthias beten weiter in ihrer Basilika, die Bruderschaften kommen jedes Jahr wieder, und die Jakobusbruderschaft gibt Pilgerausweise aus, als sei sie nie fort gewesen.
Was Trier dir mitgibt
Trier ist eine Stadt der Tore. Das bekannteste steht im Norden und ist fast neunzehnhundert Jahre alt. Ein anderes ist eine Kirchentür im Süden, durch die du vielleicht gerade gekommen bist, und durch die andere gleich hinausgehen, nach Westen, nach Frankreich.
Bevor du gehst oder heimfährst, denk an ein paar Menschen aus dieser Stadt. Der erste ist ein Apostel, der nicht berufen war, sondern nachrückte, weil ein Platz frei wurde und das Los auf ihn fiel. Ob er wirklich hier liegt, weiß niemand, aber Menschen gehen seit Jahrhunderten zu ihm, und viele gehen danach den ganzen Weg zu Fuß zurück. Der zweite ist ein Mönch, der sein halbes Leben anderen den Weg nach Jerusalem gezeigt hat und am Ende in einem Stadttor blieb, an einem Ort, an dem alle vorbeimussten und er selbst nicht mehr weiterging. Die dritten haben keinen Namen: die Brüder des Hospitals in der Fleischstraße, die arme und kranke Pilger auf dem Weg nach Santiago aufnahmen und pflegten.
Vielleicht kommst du hier an und bist fertig. Dann bist du in guter Gesellschaft, bei achthundert Jahren Matthiaspilgern. Vielleicht gehst du von hier aus los. Dann hast du mehr als 2.000 Kilometer vor dir, und das erste Stück führt die Mosel hinauf nach Konz. Beides geht von derselben Tür aus. Das ist es, was ein Tor ausmacht: Man kann durch es hereinkommen, und man kann durch es hinausgehen.
Übernachten in Trier
Unterkünfte in Trier.
GeöffnetJugendherberge Trier
GeöffnetAbtei St. Matthias
GeöffnetReservierung möglichKolping Hostel Trier im Warsberger Hof
Angebote in Trier
Was du vor der nächsten Etappe im Ort findest.
- Geldautomat
- Café
- Tabak
- Arztpraxis
- Apotheke
- Brunnen
- Post
- Bahnhof
- Bushaltestelle
- Restaurant
Quelle: © OpenStreetMap contributors · aktualisiert April 2026




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