Ort am Jakobsweg
Fischingen
Switzerland
- Unterkünfte
- 2
- Camino
- 1
- Höhe
- 613 m
Fischingen ist ein Kloster für müde Füße: 1138 wurde es gegründet, um Pilger zwischen Konstanz und Einsiedeln zu beherbergen, und im Altar der heiligen Idda gibt es eine Öffnung für schmerzende Pilgerfüße. Vom 3. bis 8. November 2026 feiert das Kloster Iddas 800. Todestag. Morgen früh gibt es den Pilgersegen, danach geht es aufs Hörnli.
Aktuell in Fischingen (Stand: Oktober 2026)
- 800. Todestag der heiligen Idda, 3. bis 8. November: Festgottesdienst am Dienstag, 3. November, um 10 Uhr, Vorträge in der Klosterbibliothek am Freitag, 6. November, ab 14 Uhr, Festgottesdienst mit Bischof Beat Grögli am Sonntag, 8. November, um 10 Uhr. Wer in dieser Woche kommt, sollte das Bett früh anfragen.
- Berggasthaus Hörnli ab 1. November mit Winterzeiten: Mittwoch und Donnerstag 9 bis 16 Uhr, Freitag und Samstag 9 bis 18 Uhr, Sonntag 9 bis 17 Uhr. Für Montag und Dienstag sind keine Zeiten angegeben, rechne damit, dass zu ist.
Wie lange bleiben?
Ein Nachmittag reicht, aber nimm den Morgen mit. Das Dorf selbst ist schnell gesehen. Was Fischingen ausmacht, ist der Klosteralltag: Vesper am Abend, Komplet vor dem Schlafen, Laudes und Pilgersegen am Morgen. Wer am frühen Nachmittag ankommt, schafft Kirche, Iddakapelle und Klosterbrauerei und ist abends beim Chorgebet. Einen Ruhetag würden wir hier nur einlegen, wenn du Kloster und Stille suchst, denn im Dorf gibt es wenig mehr.
Fischingen in Ninja-Zahlen
- 1138 wurde das Kloster gegründet, ausdrücklich als Unterkunft für Pilger auf dem Weg nach Einsiedeln. Du bist also nicht zufällig hier.
- 42,8 Kilometer hinter Konstanz liegt Fischingen, ziemlich genau auf halbem Weg nach Einsiedeln.
- 800 Jahre ist es 2026 her, dass die heilige Idda gestorben sein soll, am 3. November 1226.
- 7.30 Uhr ist der Pilgersegen in der Iddakapelle, an vier Tagen der Woche.
- 10,3 Kilometer sind es bis Steg, mit dem Hörnli auf über 1.100 Metern dazwischen.
Ankommen: durch den Wald zum Kloster
Hinter Sirnach geht der Weg in sanftem Auf und Ab, an Oberwangen mit seiner Kapelle vorbei. Die letzten rund zwei Kilometer führen durch Wald, und dann stehst du im engen Murgtal vor einem Kloster, das für ein Dorf dieser Größe viel zu groß wirkt. Fischingen ist die südlichste Gemeinde im Thurgau. Das Kloster liegt auf einer Geländeterrasse über dem Straßendorf und bestimmt alles.
Kurz erzählt: gebaut für Pilger
Bischof Ulrich II. von Konstanz gründete das Kloster um 1138 als Herberge für Pilger zwischen Konstanz und Einsiedeln. Benediktiner aus Petershausen besiedelten es. Seine große Zeit kam im Barock: 1685 bis 1687 entstand die heutige Klosterkirche, 1705 bis 1708 die Iddakapelle, 1753 der Psallierchor. 1848 hob der Kanton Thurgau das Kloster auf, die Gebäude wurden an eine Textilfabrik verkauft, später zog ein Kinderheim ein. Erst 1977 kamen wieder Benediktiner. Heute leben die Mönche im Südflügel, der Rest des Hauses ist Hotel, Seminarhaus, Brauerei und Pilgerherberge.
Idda und der Fuß im Altar
Die heilige Idda ist der Grund, warum hier seit Jahrhunderten Pilger einkehren. Die Legende erzählt, dass ein Rabe ihren Ehering stahl. Ihr eifersüchtiger Mann, ein Graf von Toggenburg, glaubte an Ehebruch und stieß sie aus dem Burgfenster. Sie überlebte, lebte als Einsiedlerin, und ein Hirsch mit Lichtern im Geweih soll ihr den Weg zur Messe nach Fischingen gezeigt haben. Am 3. November 1226 soll sie gestorben sein.
Historisch ist das schwer zu halten. Vor dem 15. Jahrhundert ist kein Idda-Kult in Fischingen belegt, und das Schweizerische Nationalmuseum hält die Legende für eine Erfindung, die das Kloster bekannter machen sollte. Für dich als Pilger zählt etwas anderes: Seit 1496 hat Idda ein großes Grab, und in ihrem Grabaltar gibt es eine Öffnung, in die Pilger ihre schmerzenden Füße stecken. Der Schmerz soll vergehen. Ein Pilger schrieb einmal, seine Blasen seien geblieben, aber die Ruhe des Raums habe ihm neuen Mut gegeben.
Vom Altar zur Brauerei: was du sehen solltest
Alles liegt im Kloster oder direkt daneben, du musst nicht weit laufen.
- Klosterkirche: 1685 bis 1687 gebaut, mit einem farbigen Chorgitter und vier Orgeln. Für Pilger ist sie das Ziel des Tages: Hier feiern die Mönche sonntags um 10.30 Uhr und montags und samstags um 7.30 Uhr die Messe. Geöffnet ist sie im Sommer von 7 bis 20.30 Uhr, im Winter bis 19 Uhr, der Eintritt ist frei.
- Iddakapelle: Ein weißer Zentralbau mit rosa Lisenen und hoher Kuppel, 1705 bis 1708 gebaut und einer der schönsten Zentralbauten im Bodenseeraum. Hier liegt das Iddagrab mit der Öffnung für die Füße, und hier gibt es dienstags, mittwochs, donnerstags und sonntags um 7.30 Uhr den Pilgersegen.
- Katharinakapelle: Die kleine Kapelle von 1635 ist der Ort des Chorgebets. Die Mönche beten öffentlich, du kannst dich einfach dazusetzen: Laudes um 7 Uhr, Sext um 11.45 Uhr, Vesper um 17.45 Uhr (samstags 16 Uhr), Komplet um 19.30 Uhr. Wer den Tag in Fischingen mit der Komplet beendet, schläft anders.
- Brauerei Pilgrim: Die einzige Klosterbrauerei der Schweiz, mit rund 15 Bieren. Der Shop hat von Oktober bis März dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr offen, von April bis September zusätzlich sonntags von 12 bis 16.30 Uhr. Montags ist zu. Führungen mit Verkostung gibt es jeden ersten Samstag im Monat.
- Kirche St. Anna in Au: Gut zwei Kilometer weiter am Weg, erstmals 1275 erwähnt, mit einem barocken Seitenaltar, der Idda zeigt. Wer morgens losgeht, kommt hier als Erstes vorbei.
Essen und Trinken
Das Klosterrestaurant hat täglich von 9 bis 23 Uhr geöffnet, warme Küche à la carte abends bis 21 Uhr (Stand: Oktober 2026). Bei großen Gruppen und Seminaren kann es voll werden, eine Reservierung ist sinnvoll. Der Klosterladen ist täglich von 7 bis 20 Uhr offen. Einen Lebensmittelladen im Dorf haben wir nicht gefunden. Denk an Proviant für den Aufstieg zum Hörnli.
Ehrlich gesagt
- Der Pilgerpreis ist ein Geheimnis. Weder Preis noch Bettenzahl der Pilgerherberge stehen irgendwo öffentlich. Ruf vorher an.
- Das Kloster ist auch ein Seminarbetrieb. Hotelzimmer ab 142 Franken, Bankette, Wildabende. An manchen Tagen sind die Gruppen lauter als die Mönche.
- Kein Dorfladen. Den Proviant für morgen kaufst du besser unterwegs.
- Das Kinderheim gehört zur Geschichte. Im Kinderheim St. Iddazell wurden bis in die 1970er-Jahre Kinder geschlagen, gedemütigt und missbraucht. Kloster und Verein haben sich 2014 entschuldigt. Du wirst im Haus nicht viel davon sehen, aber es gehört dazu.
Wo Pilger schlafen
Die Pilgerherberge ist im Kloster Fischingen selbst, im Mehrbettenraum „Jakobus“. Um die Pilger kümmert sich die Benediktinergemeinschaft: Ankunft, Bett, Essen, Gebet und Segen. Das Kloster nennt die Übernachtung „kostengünstig“, ohne einen Preis anzugeben. Pilger sind mit oder ohne Pilgerpass willkommen. Melde dich vorher an: +41 71 978 72 20. Die Rezeption ist von 6.30 bis 20.30 Uhr besetzt.
Das Schwendi Stübli im Weiler Schwendi bei Au hatte früher ein Matratzenlager, geöffnet von Mai bis Oktober. Die einzigen Angaben dazu stammen von etwa 2007, ob es heute noch Pilger aufnimmt, haben wir nicht bestätigen können.
Ninja-Tipps
- Komplet am Abend, Segen am Morgen: Um 19.30 Uhr endet der Tag der Mönche mit der Komplet, um 7.30 Uhr gibt es (dienstags, mittwochs, donnerstags und sonntags) den Pilgersegen. Danach bist du gegen Mittag am Hörnli.
- Fuß in den Altar: Die Öffnung im Iddagrab ist kein Museumsstück, Pilger nutzen sie bis heute. Probier es.
- Kein Brauereibesuch am Montag: Der Shop hat montags zu, im Winter auch sonntags.
- Dienstag ist ein schlechter Tag für das Hörnli: Für das Berggasthaus sind montags und dienstags keine Öffnungszeiten angegeben, und in Steg hat der Landgasthof dienstags bis donnerstags Ruhetag. Nimm Essen mit.
- Mittwochabend Zazen: Im oberen Chor der Klosterkirche wird mittwochs von 19.50 bis 21 Uhr still meditiert, kostenlos und ohne Anmeldung.
Wenn es regnet
Im Oktober regnet es in der Gegend an etwa zehn Tagen (MeteoSchweiz-Normwerte 1991–2020 für Zürich und St. Gallen). Das Kloster ist dann ein guter Ort, um nass anzukommen.
- Klosterkirche und Iddakapelle: im Winter 7 bis 19 Uhr, im Sommer bis 20.30 Uhr.
- Chorgebet in der Katharinakapelle: Vesper um 17.45 Uhr, Komplet um 19.30 Uhr.
- Brauerei-Shop Pilgrim: von Oktober bis März dienstags bis freitags 13 bis 17 Uhr, samstags 10 bis 16 Uhr.
- Klosterrestaurant: täglich 9 bis 23 Uhr.
Praktische Tipps für Pilger
- Bus: Das Postauto 734 fährt etwa stündlich von Wil zur Endstation „Fischingen Kloster“.
- Stempel: Frag an der Rezeption danach.
- Kloster auf Zeit: Männer können drei bis acht Tage mit den Mönchen leben, in der Regel für 90 Franken am Tag. Das ist kein touristisches Angebot, sondern ein Mitleben.
Weiter: übers Hörnli nach Steg
Bis Steg sind es 10,3 Kilometer, aber es ist der erste echte Berg der Via Jacobi. Vom Kloster geht es über die Murg und am Aubach entlang nach Au mit der Kirche St. Anna. Dann wird es steil: eine lange Treppe, Wiesen, eine Alpstraße in den Wald und das steile Eggholz hinauf zum Weiler Allenwinden auf gut 900 Metern. Am Dreiländerstein von 1640, wo Zürich, St. Gallen und Thurgau aufeinandertreffen, verlässt du den Thurgau. Bald danach erreichst du das Hörnli mit 360-Grad-Blick auf Säntis und Alpen und mit einem Berggasthaus. Danach geht es gut eine Stunde lang über den Tanzplatz hinunter nach Steg.
Morgen erwartet dich
Steg im Tösstal ist das Dorf, in dem der Berg aufhört und die Bahn anfängt. Hier bist du zum ersten Mal im Kanton Zürich, und die S-Bahn fährt jede halbe Stunde. Wer weitergehen will, hat von Steg aus einen flachen Weg über die Orte Wald und Rüti nach Rapperswil.
Tiefer eintauchen: Ein Kloster, gebaut für den Weg
Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Fischingen erfahren willst. Etwa vier Minuten Lesezeit.
Eine Herberge zwischen See und Madonna
Um das Jahr 1138 gründete Bischof Ulrich der Zweite von Konstanz in einem engen Tal am Fuß des Hörnli ein Kloster. Der Zweck stand von Anfang an fest: Pilger auf dem Weg vom Bodensee nach Einsiedeln sollten hier ein Dach, ein Essen und ein Gebet finden. Mönche aus dem Konstanzer Kloster Petershausen kamen ins Murgtal. Fischingen ist also nicht ein Kloster, an dem zufällig ein Pilgerweg vorbeiführt, sondern eines, das für diesen Weg gebaut wurde.
Idda, die Frau aus dem Fenster
Berühmt wurde Fischingen durch eine Frau, von der man nicht weiß, ob es sie gab. Die Legende erzählt von Idda, einer Gräfin aus dem Toggenburg. Ein Rabe trug ihren Ehering davon, ein Jäger fand ihn. Ihr eifersüchtiger Mann ließ den Jäger töten und stieß seine Frau aus dem Burgfenster. Sie fiel und überlebte. Danach lebte sie als Einsiedlerin, und wenn sie zur Messe nach Fischingen ging, soll ihr ein Hirsch mit brennenden Lichtern im Geweih vorausgegangen sein. Als ihr Tod gilt der 3. November 1226.
Das Schweizerische Nationalmuseum ist nüchtern: Vor dem fünfzehnten Jahrhundert findet sich keine Spur eines Idda-Kults in Fischingen, und die Legende wurde wohl erfunden, um das Kloster anziehender zu machen. 1496 bekam Idda ein großes Grab. 1724 bestätigte Papst Benedikt der Dreizehnte die Verehrung für das Bistum Konstanz.
Barock und Bankrott
Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert ging es dem Kloster gut. Die Äbte bauten eine neue Kirche, dann die Iddakapelle mit ihrer hohen Kuppel, halb italienisch, halb süddeutsch. Ein Teil der Pläne blieb unvollendet, weil das Geld ausging. Am 27. Juni 1848 hob der Große Rat des Kantons Thurgau das Kloster auf. Die Gebäude wurden an eine Textilfabrik verkauft, dann zog eine Gewerbeschule ein, und 1879 kaufte ein katholischer Verein die Anlage für ein Waisenhaus.
Das dunkle Kapitel
Aus dem Waisenhaus wurde das Kinderheim St. Iddazell, ab 1943 geleitet von Benediktinern aus Engelberg. Ein Untersuchungsbericht von 2014 hat bestätigt, dass dort bis in die 1970er-Jahre Kinder geschlagen, gedemütigt und sexuell missbraucht wurden. Das Heim schloss 1976. Die Klöster Engelberg und Fischingen und der Verein Kloster Fischingen haben sich entschuldigt und Geld für die Betroffenen bereitgestellt. Wer hier um Segen bittet, steht in einem Haus, in dem auch Unrecht geschah.
Die Mönche kommen zurück
1973 strich die Schweiz das Klosterverbot aus ihrer Verfassung. 1977 zogen wieder Benediktiner nach Fischingen, ein kleiner Konvent im Südflügel. Sie beten mehrmals am Tag, öffentlich, und sie haben sich wieder der Aufgabe angenommen, für die das Haus gegründet wurde: Pilger aufnehmen, ihnen ein Bett geben, mit ihnen beten und sie am Morgen segnen.
Was Fischingen dir mitgibt
Du kommst mit müden Füßen an einem Ort an, der vor fast neunhundert Jahren genau dafür gebaut wurde. Ob es Idda gab, weiß niemand. Aber dass Pilger hier ihre Füße in einen Altar stecken, ist wahr. Und morgen früh, nach dem Segen, wartet der Berg.
Übernachten in Fischingen
Unterkünfte in Fischingen.
GeöffnetReservierung möglichSchwendi Stübli
GeöffnetReservierung möglichHotel Kloster Fischingen