Orte

Ort am Jakobsweg

Rapperswil-Jona

Switzerland

Unterkünfte
21
Caminos
3
Höhe
415 m

In Rapperswil gehst du über den See: Ein Holzsteg von 841 Metern führt dorthin, wo von 1358 bis 1878 die Pilgerbrücke nach Einsiedeln stand. In der Altstadt betreiben Freiwillige eine Pilgerherberge mit zwölf Betten für 25 Franken, nur gegen Bargeld und nur für eine Nacht. Hier treffen drei Jakobswege zusammen, und morgen wartet Einsiedeln.

Aktuell in Rapperswil (Stand: Oktober 2026)

  • Pilgerherberge schließt am 31. Oktober: Die Saison läuft vom 1. April bis 31. Oktober. Von November bis März ist das Telefon nicht besetzt, das Kontaktformular auf pilgerherberge.ch funktioniert aber das ganze Jahr.
  • Holzsteg mit Pilzbefall: Ein Pilz zersetzt die Eichenpfähle des Stegs nach Hurden. Die Sanierung soll 4,1 bis 6,9 Millionen Franken kosten, bis Ende 2026 will der Stadtrat einen Planungskredit vorlegen. Eine Sperrung ist bisher nicht angekündigt.
  • Schloss am 1. November zu: An Allerheiligen ist das Schlossmuseum geschlossen.

Wie lange bleiben?

Ein Nachmittag reicht, und mehr lässt die Herberge auch nicht zu. Sie nimmt Pilger nur für eine Nacht auf und öffnet um 16 Uhr. Wenn du früh ankommst, schaffst du die Altstadt mit Schloss, Stadtkirche und Rosengärten, und am Abend gehst du noch auf den Steg. Wer mehr sehen will, plant den Schlossbesuch: Das Museum ist montags zu.

Rapperswil in Ninja-Zahlen

  • 841 Meter lang ist der Holzsteg nach Hurden, der längste Holzsteg der Schweiz.
  • 74,8 Kilometer hinter Konstanz liegt Rapperswil. Bis Einsiedeln sind es noch 16,9.
  • 520 Jahre, von 1358 bis 1878, gingen Pilger hier auf einer Holzbrücke über den Zürichsee. Dann kam der Seedamm, und die Brücke wurde abgerissen.
  • 3 Jakobswege kommen in Rapperswil zusammen: die Via Jacobi aus Konstanz, die Via Jacobi aus Bregenz und der Schaffhauser-Zürcher Weg.
  • 25 Franken (ca. 27 €) kostet das Bett in der Pilgerherberge mit Pilgerpass (Stand: Oktober 2026). Bar, in Franken.

Ankommen: zum ersten Mal am See

Von Steg kommst du über Büel und Blattenbach, siehst dabei schon den Zürichsee unter dir und gehst um Rüti herum hinunter nach Rapperswil. Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel, oben thront das Schloss, unten am Hafen beginnt der Steg. Rapperswil ist mit Jona seit 2007 eine Gemeinde und ein S-Bahn-Knoten, an schönen Tagen kommen viele Ausflügler aus Zürich.

Kurz erzählt: eine Stadt an der Brücke

Die Grafen von Rapperswil gründeten die Stadt in den Jahren nach 1220, an der Verkehrsachse zum Gotthard. 1229 wird sie zum ersten Mal erwähnt. 1350 zerstörten die Zürcher Stadt und Burg, 1354 kaufte Herzog Albrecht II. von Habsburg die Herrschaft und baute beides wieder auf. Sein Sohn Rudolf IV. ließ 1358 bis 1360 eine hölzerne Brücke über den See schlagen. Sie machte Rapperswil zum Tor nach Einsiedeln.

Danach wechselte die Stadt oft die Seiten: 1415 Reichsstadt, dann wieder habsburgisch, ab 1464 unter dem Schutz der Innerschweizer Orte. 1606 kamen die Kapuziner, 1803 der Kanton St. Gallen. 1870 mietete der polnische Graf Władysław Broel-Plater das Schloss und gründete ein polnisches Nationalmuseum.

Der Steg: über den See wie die Pilger

Für dich ist der Steg das Herz von Rapperswil. Schon in der Bronzezeit gab es hier Brücken über den See, die Archäologen haben Pfähle aus vier Jahrtausenden gefunden. Die mittelalterliche Brücke war 1,45 Kilometer lang und stand auf 564 Eichenpfählen. Die Bretter lagen absichtlich lose auf, damit ein Sturm sie wegtragen konnte, ohne die ganze Brücke zu zerstören. Für die Pilger war das ein wackeliges Vergnügen.

1878 wurde der Seedamm für Bahn und Straße fertig, die alte Brücke wurde abgebrochen. 123 Jahre lang mussten Pilger über den Damm, neben den Autos. Am 6. April 2001 wurde der neue Holzsteg eröffnet, fast an derselben Stelle wie die alte Brücke. Seither gehst du wieder über das Wasser nach Einsiedeln, an dem kleinen Heilig Hüsli vorbei, das schon im Mittelalter für die Pilger auf der Brücke stand.

Vom Hafen zum Schloss: was du sehen solltest

Die Altstadt ist klein, alles liegt in wenigen Minuten Fußweg.

  • Holzsteg Rapperswil–Hurden: 841 Meter Eichenholz auf 233 Pfählen, eröffnet 2001. Er ersetzt die Pilgerbrücke von 1358 fast an derselben Stelle, und die Via Jacobi führt vom Hafen direkt darüber. Er ist jederzeit begehbar und kostet nichts. Geh am Abend hinaus. Morgen früh gehst du ihn dann noch einmal, diesmal mit Rucksack.
  • Heilig Hüsli: Das kleine Steinhaus auf einem Sockel im See ist eine Brückenkapelle. Ein hölzernes Bethäuschen wird 1485 zum ersten Mal erwähnt, der heutige Steinbau stammt von 1551. Pilger auf der alten Brücke beteten hier. Nach 1878 stand die Kapelle allein im See, seit 2001 kommst du über den Steg wieder hin. Innen siehst du nur durch das Gitter auf der Ostseite.
  • Liebfrauenkapelle Hurden: Die Kapelle von 1497 stand am Ende der alten Brücke auf der Schwyzer Seite. Weil der Weg später auf die Landseite von Hurden verlegt wurde, gehen die meisten Pilger heute daran vorbei. Für den Abstecher verlässt du nach dem Steg bei den Infotafeln zum Naturschutzgebiet Frauenwinkel den markierten Weg nach links Richtung See und folgst dem Schild zum Restaurant Rössli. Die Kapelle ist offen.
  • Schloss Rapperswil: Die Burg der Grafen von Rapperswil aus dem frühen 13. Jahrhundert ist seit 2024 ein Geschichtsmuseum über mehr als 700 Jahre, mit Schwerpunkt auf Habsburgern und Polen. Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Eintritt 14 Franken (ca. 15 €). Auf der Terrasse steht die polnische Freiheitssäule.
  • Stadtpfarrkirche St. Johann: Gleich neben dem Schloss. Der Bau geht auf eine romanische Kirche um 1220 zurück, nach einem Brand wurde sie bis 1885 neu aufgebaut. Daneben steht die Liebfrauenkapelle von 1489 mit Blick auf die Bucht. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
  • Kapuzinerkloster: Am Endingerhorn, die schlichte Kirche ist von 1606. Heute lebt hier eine ökumenische Gemeinschaft in franziskanischer Spiritualität, das „Kloster zum Mitleben“. Wer länger bleiben will, kann für einige Tage mitleben. Die Gruftkapelle gegenüber der Kirche ließ ein Abt von Einsiedeln bauen.
  • Rosengärten: Rapperswil nennt sich Rosenstadt, und von Mai bis Oktober blühen über 20.000 Rosen. Der Garten am Schlossberg und der Duftrosengarten auf dem Dach des Parkhauses Schanz sind ganzjährig zugänglich, die Rosennamen dort stehen auch in Blindenschrift.

Essen und Trinken

Die Herberge bietet keine Mahlzeiten, aber eine kleine Kochnische mit Doppelkochplatte. Ein kleiner Supermarkt ist zu Fuß erreichbar. Am Hauptplatz und am Hafen gibt es viele Restaurants, die auf Ausflügler aus Zürich eingestellt sind. Eine Spezialität, die man hier gegessen haben muss, haben wir nicht gefunden.

Ehrlich gesagt

  • Die Herberge ist streng. Nur eine Nacht, nur zwölf Betten, nur Bargeld in Franken, Ankunft zwischen 16 und 19 Uhr, keine Mahlzeiten. Im Winter ist sie zu.
  • Das Polenmuseum ist nicht mehr im Schloss. Es musste 2022 ausziehen und arbeitet seither nur noch in reduzierter Form. Ältere Reiseführer stimmen hier nicht mehr.
  • Die Jugendherberge liegt draußen. Sie ist in Busskirch, laut Zürich Tourismus 20 bis 30 Minuten zu Fuß von der Altstadt.
  • Der Steg ist krank. Ein Pilz frisst die Pfähle. Noch ist er offen, aber in den nächsten Jahren kommen Bauarbeiten.
  • Am Wochenende wird es voll. Rapperswil ist ein Ausflugsziel für Zürich.

Wo Pilger schlafen

Die Pilgerherberge Rapperswil liegt an der Seestrasse 5 in der Altstadt, nach eigener Angabe nahe dem ehemaligen Pilgerhospiz der Stadt. Ehemalige Jakobspilger haben sie gegründet, heute trägt sie ein Verein mit rund 200 Mitgliedern, und etwa 40 Freiwillige wechseln sich als Hospitaleros ab. Ein Schlafraum mit zwölf Betten, zwei Duschen, ein Aufenthaltsraum, WLAN. Mit Pilgerpass zahlst du 25 Franken (ca. 27 €), ohne 35 Franken einschließlich eines neuen Passes, Kinder bis 16 zahlen 15 Franken. Einen Schlafsack kannst du für 3 Franken mieten (Stand: Oktober 2026). Geöffnet ist vom 1. April bis 31. Oktober, Ankunft zwischen 16 und 19 Uhr. Wer später kommt, ruft beim Hospitalero an. Reservierung online, die Bestätigung kommt innerhalb von zwölf Stunden per Mail.

Daneben gibt es die Jugendherberge Rapperswil-Jona in Busskirch und einige Privatzimmer in Jona, etwa bei Erika Iten. Eine Donativo- oder Pfarrherberge gibt es in Rapperswil nicht.

Ninja-Tipps

  • Bargeld mitbringen: In der Herberge kannst du nur bar in Franken zahlen. Hol vorher Geld.
  • Eine Münze ins Heilig Hüsli: Pilger werfen eine Münze durch das Gitter auf der Ostseite der Kapelle.
  • Abstecher zur Kapelle in Hurden: Nach dem Steg links Richtung See, Schild „Rössli“. Wenige Minuten, und du stehst am alten Ende der Pilgerbrücke.
  • Schloss und Museum haben verschiedene Ruhetage: Das Schloss ist montags zu, das Stadtmuseum montags und dienstags. Im Stadtmuseum befindet sich übrigens der originale Altar aus dem Heilig Hüsli.
  • Spam-Ordner prüfen: Die Bestätigung der Herberge kommt per Mail und landet gern im Spam.

Wenn es regnet

Im Oktober regnet es am Zürichsee an etwa zehn Tagen (MeteoSchweiz-Normwerte 1991–2020, Station Wädenswil).

  • Schloss Rapperswil: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, 14 Franken (ca. 15 €).
  • Stadtmuseum Rapperswil-Jona: im Breny-Haus von 1492 am Herrenberg, mit Wohnturm von 1355. Mittwoch bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr, 6 Franken (ca. 6,40 €).

Praktische Tipps für Pilger

  • Bahn: Rapperswil ist S-Bahn-Knoten mit Verbindungen nach Zürich und mit dem Voralpen-Express nach St. Gallen und Luzern.
  • Pilgerpass: Wer keinen hat, bekommt einen in der Herberge, er ist im Preis von 35 Franken enthalten.
  • Weitere Wege: Hier enden die Via Jacobi aus Bregenz und der Schaffhauser-Zürcher Weg. Ab Rapperswil gehen alle gemeinsam auf der Via Jacobi weiter nach Einsiedeln.

Weiter: über den See und den Etzel nach Einsiedeln

Bis Einsiedeln sind es 16,9 Kilometer, und die haben es in sich. Vom Hafen gehst du über den Steg nach Hurden und weiter nach Pfäffikon. Dahinter beginnt ein steiler Aufstieg durch Hohlwege über Luegeten zum Etzelpass. Bei St. Meinrad auf 947 Metern hatte der heilige Meinrad der Legende nach seine erste Zelle. Die Kapelle von 1698 erzählt in Fresken seine Geschichte, und das Gasthaus hat ein Wirtshausschild mit Meinrad und den Raben. Danach geht es hinunter zur Teufelsbrücke bei Egg, wo 1493 Paracelsus geboren wurde, und weiter nach Einsiedeln. Ein großer Teil der Etappe verläuft auf Straßen.

Morgen erwartet dich

Einsiedeln ist das Ziel, auf das dieser Weg seit Konstanz zuläuft. Ein Kloster, das seit 934 an derselben Stelle steht, eine Schwarze Madonna in einer Kapelle mitten in der Kirche und jeden Nachmittag um 16.30 Uhr das Salve Regina der Mönche. Wenn du morgen früh aufbrichst, bist du rechtzeitig da.

Tiefer eintauchen: Viertausend Jahre über den See

Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Rapperswil erfahren willst. Etwa vier Minuten Lesezeit.

Die engste Stelle

Zwischen Rapperswil und Hurden ist der Zürichsee schmal und seicht. Wer von Norden nach Süden wollte, musste hier über das Wasser. Das wussten schon die Menschen der Bronzezeit. Archäologen haben im seichten Wasser Reste von Brücken gefunden, die ältesten aus der Zeit um 1700 vor Christus. Weitere stammen aus der Eisenzeit, aus der Römerzeit unter Kaiser Mark Aurel und aus dem frühen Mittelalter. Die Fundstellen gehören heute zum Welterbe der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen.

Eine Stadt am Übergang

Um 1220 bauten die Grafen von Rapperswil auf der Halbinsel ihre Burg und daneben eine Stadt. Sie lag an der Verkehrsachse zum Gotthard. 1350 zerstörten die Zürcher Stadt und Burg. Vier Jahre später kaufte Herzog Albrecht der Zweite von Habsburg die Herrschaft und ließ beides wieder aufbauen. Sein Sohn, Herzog Rudolf der Vierte, tat dann das Entscheidende: Zwischen 1358 und 1360 ließ er eine hölzerne Brücke über den See bauen, rund eineinhalb Kilometer lang, auf 564 Eichenpfählen. Vorher hatten Fähren die Menschen übergesetzt.

Lose Bretter

Die Brücke war ein Teil des Pilgerwegs nach Einsiedeln und weiter nach Santiago. Sie war nicht bequem. Die Bretter waren nicht festgenagelt, sondern lagen lose auf den Balken. Das hatte einen Grund: Wenn ein Sturm über den See fegte, sollte er die Bretter mitnehmen und nicht die ganze Brücke. Für die Pilger hieß das, auf wackelnden Planken über das Wasser zu gehen. Auf halbem Weg stand eine kleine Kapelle, das Heilig Hüsli. 1485 wird es zum ersten Mal erwähnt, damals noch aus Holz, 1551 wurde es aus Stein neu gebaut. Dort konnte man beten, bevor man weiterging.

Der Damm und die stille Kapelle

Gut fünfhundert Jahre hielt die Brücke. 1878 wurde der Seedamm fertig, auf dem Eisenbahn und Straße über den See laufen. Die alte Brücke wurde nicht mehr gebraucht und abgerissen. Das Heilig Hüsli blieb stehen, allein im Wasser, ohne Weg dorthin. Pilger gingen jetzt über den Damm, neben den Zügen.

Der neue Steg

Mehr als hundert Jahre später entstand die Idee, wieder einen Fußweg über das Wasser zu bauen. Im August 2000 rammten die Bauleute die ersten Pfähle in den Seegrund, am 6. April 2001 wurde der neue Holzsteg eröffnet: 841 Meter lang, aus Eichenholz, fast an derselben Stelle wie die alte Brücke. Seither erreichst du auch das Heilig Hüsli wieder. Als dieser Text entstand, im Herbst 2026, hatte ein Pilz die Eichenpfähle befallen, und die Stadt plante die Sanierung. Auch der neue Steg braucht also Pflege, wie die Brücke vor ihm.

Was Rapperswil dir mitgibt

Du gehst morgen früh über einen See, den Menschen seit viertausend Jahren an dieser Stelle überqueren. Einen Tag vor Einsiedeln liegt das Wasser zwischen dir und dem Ziel, und du gehst darüber.

Übernachten in Rapperswil-Jona

Unterkünfte in Rapperswil-Jona.

Alle 21 Unterkünfte ansehen