Oberschwäbischer Jakobsweg
Von Ulm an der Donau durch das barocke „Himmelreich des Barocks“ an den Bodensee: 167,6 Kilometer über Biberach, Bad Waldsee, Weingarten und Ravensburg nach Meersburg und Konstanz – ein gut markierter, sanfter Jakobsweg als süddeutscher Auftakt der langen Reise nach Santiago.

- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Im Himmelreich des Barocks
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Ulm → Konstanz
- Länge: 167,6 km
- Etappen: 10 offizielle Etappen (Oberschwaben Tourismus)
- Höhenmeter: ↗ 2.232 m / ↘ 2.311 m
- Höchster Punkt: rund 661 m
- Dauer: rund 8–10 Tage
- Charakter: sanfter, gut markierter Zubringer durch das barocke Oberschwaben an den Bodensee
Überblick
Der Oberschwäbische Jakobsweg führt vom Münsterplatz in Ulm an der Donau über 167,6 Kilometer durch das westliche Oberschwaben bis zum Konstanzer Münster am Bodensee. Er orientiert sich an alten Römerstraßen und historischen Handelswegen und bewegt sich durch eine Landschaft, die stärker vom Barock geprägt ist als kaum eine andere Region Deutschlands.
Von Konstanz aus führt der Weg als Schwabenweg weiter in die Schweiz, der wiederum als Via Jacobi bis nach Genf führt. Wer mag, sieht Ulm–Konstanz damit als süddeutschen Auftakt einer langen Reise Richtung Westen – und kann von Genf aus auf der Via Turonensis oder Via Gebennensis bis nach Santiago weiterpilgern.
Andere Namen
Englisch: Upper Swabian Way of St. James
Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht
Ideal für alle, die einen ruhigen, gut erreichbaren Zubringer durch Süddeutschland suchen: mit barocken Kirchen, oberschwäbischen Städtchen und dem Bodensee als krönenden Abschluss. Die Höhenmeter sind moderat, die Etappen gut planbar – auch als erste Pilgererfahrung oder als Kurzpilgerreise von einer guten Woche ist der Weg bestens geeignet.
Weniger geeignet, wenn du große Berge oder weite Einsamkeit suchst: Der Weg verläuft durch Kulturlandschaft, Felder und Ortschaften, teils auch auf asphaltierten Abschnitten. Wer an Wildnis und Stille interessiert ist, wird hier nicht fündig – dafür findet er Kirchen, Klöster und Geschichte an jeder zweiten Biegung.
Streckenverlauf & Landschaft
Von Ulm folgt der Weg zunächst der Donau über Erbach und Oberdischingen, dann dem Flusslauf der Riß über Biberach an der Riß und die Wallfahrtskirche Steinhausen nach Bad Waldsee. Entlang der Schussen geht es weiter über Weingarten und Ravensburg bis Brochenzell, wo sich der Weg gabelt.
Die westliche Route – die Standard-Variante – führt über Markdorf nach Meersburg am Bodensee; von dort überquert man den See mit der Fähre nach Konstanz. Die Landschaft wechselt von der flachen Donauebene über sanfte Hügelkuppen und Moorwiesen bis hin zum Bodenseeufer: grün, still und reich an Sakralbauten.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Mit 167,6 Kilometern und rund 2.200 Höhenmetern ist der Oberschwäbische Jakobsweg überwiegend sanft – kein technisch anspruchsvoller Gebirgsweg, sondern ein entspannter Pilgerpfad durch Kulturlandschaft. Markiert ist er mit der gelben Muschel auf blauem Grund. Die 10 offiziellen Etappen (Oberschwaben Tourismus):
- Ulm → Oberdischingen – 21,3 km
- Oberdischingen → Äpfingen – 22,9 km
- Äpfingen → Biberach an der Riß – 13,0 km
- Biberach an der Riß → Steinhausen – 12,6 km
- Steinhausen → Bad Waldsee – 23,1 km
- Bad Waldsee → Weingarten – 19,2 km
- Weingarten → Ravensburg – 6,0 km
- Ravensburg → Brochenzell – 12,9 km
- Brochenzell → Markdorf – 15,0 km
- Markdorf → Konstanz – 12,2 km + Fähre (Meersburg–Konstanz)
Den Bodensee überquerst du nicht zu Fuß, sondern per Fähre: Von Meersburg fährt ganzjährig die Autofähre nach Konstanz (ca. 15 Minuten Überfahrt). Von April bis Oktober gibt es zusätzlich die Personenschifffahrt.
Im Himmelreich des Barocks
Oberschwaben trägt den Beinamen „Himmelreich des Barocks“ – und der Jakobsweg führt mittendurch. Kaum eine Route in Deutschland versammelt auf so engem Raum so viele Barockkirchen, Wallfahrtsorte und Klosterbauten. Teilweise ist der Wegverlauf identisch mit der Oberschwäbischen Barockstraße.
Das ist kein Zufall: Oberschwaben war im Mittelalter ein bedeutendes Pilgergebiet, und der Dominikaner Felix Fabri beschrieb im 15. Jahrhundert die Etappen von Ulm bis an den Bodensee als Teil seiner Pilgerfahrten. Wer heute diese Strecke geht, wandelt buchstäblich auf historischen Spuren – und findet in den Kirchen am Weg nicht nur Schönheit, sondern auch Stempel für den Pilgerausweis.
Highlights am Weg
- Ulmer Münster – Startpunkt mit dem höchsten Kirchturm der Welt (161 m); im Mittelalter zentraler Sammelplatz für Pilger aus dem Norden.
- Wallfahrtskirche Steinhausen – eine der schönsten Dorfbarockkirchen Deutschlands, auf dem Weg nicht zu übersehen.
- Bad Waldsee – Kurstadt mit historischem Kern; guter Etappenort nach der längsten Stage.
- Basilika Weingarten – imposanter Barockbau; daneben steht ein Metallmeilenstein, der die noch fehlenden Kilometer bis Santiago anzeigt: 2.400 km.
- Ravensburg – mittelalterliche Türme und Tore, lebendig und gut zu Fuß erkundbar.
- Meersburg & Fähre – das alte Städtchen am Seeufer, dann die Überfahrt nach Konstanz als einzigartiger Abschluss einer Etappe.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der große Zulauf kommt aus Franken: Der Jakobsweg Nürnberg–Ulm endet am Ulmer Münster – genau dort, wo der Oberschwäbische beginnt. Wer noch weiter östlich startet, kommt über Böhmen und die Oberpfalz auf dieselbe Achse.
In Konstanz übergibt der Weg an die Via Jacobi – die Schweizer Hauptlinie bringt dich über Einsiedeln nach Genf und weiter zur Via Gebennensis.
Weiterpilgern?
Der Oberschwäbische Jakobsweg endet am Konstanzer Münster. Von dort führt der Schwabenweg weiter durch die Ostschweiz, vorbei am Kloster Einsiedeln, und mündet in die Via Jacobi – die schweizerische Hauptachse von Konstanz bis nach Genf. Von Genf aus kannst du auf der Via Gebennensis oder Via Turonensis weiter nach Santiago pilgern. Wer Ulm–Konstanz als ersten Abschnitt begreift, hat die komplette Pilgerroute von Süddeutschland nach Santiago vor sich.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Reisezeit ist Frühling bis Herbst. Der Weg ist gut ausgeschildert und lässt sich ohne Vorerfahrung gehen. Getragen wird der Oberschwäbische Jakobsweg von der Stiftung Haus St. Jakobus – Schwäbische Jakobusgesellschaft (haus-st-jakobus.de), die auch eine Pilgerwegkarte herausgibt. Entlang der Route pflegt ein Team von Wegepatinnen und Wegepaten regelmäßig Beschilderung und Wegführung.
Stempel für den Pilgerausweis (Credencial) bekommst du unterwegs in vielen Kirchen, unter anderem an der Pforte des Ulmer Münsters, in der evangelischen Jakobus-Kirche in Grimmelfingen, in der Kirche St. Martinus in Erbach und im Cursillo-Haus St. Jakobus in Oberdischingen. Am besten besorgst du dir den Pilgerausweis vorab, zum Beispiel über den deutschen Pilgerverein.
Übernachtet wird in Pensionen, Gasthöfen und gelegentlich Pilgerquartieren. Echte Pilgerherbergen mit Schlafsaalstruktur sind auf dieser Strecke seltener als auf den spanischen Wegen. Am einfachsten planst du deine Etappen und findest passende Unterkünfte direkt in der Camino Ninja App.
Was dich der Weg kostet
Deutschland ist teurer als Spanien. Für Unterkunft in Pensionen und Gasthöfen rechne pro Nacht grob mit 50–90 €; wer gezielt günstigere Pilgerquartiere sucht, kann die Kosten deutlich senken. Hinzu kommen Verpflegung und kleinere Ausgaben.
Fähre Meersburg – Konstanz: Fußgänger zahlen 4,30 € (Einzelfahrt) bzw. 8,10 € (Hin- und Rückfahrt). Tickets gibt es am Ticketschalter im Hafen (9–19 Uhr) oder direkt an Bord. Bezahlung bar und per Karte möglich. (Stand: April 2026)
Anreise
Ulm ist ein großer Bahnknoten und aus ganz Deutschland direkt erreichbar. Nach Abschluss der Pilgerreise in Konstanz gibt es ebenfalls gute Bahnverbindungen zurück – inklusive Verbindungen über Zürich oder Stuttgart.
- Anreise nach Ulm: Deutsche Bahn für Verbindungen und Tickets.
- Rückreise ab Konstanz: Deutsche Bahn für Verbindungen ab Konstanz.
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