Oberschwäbischer Jakobsweg
Der Oberschwäbische Jakobsweg führt in 167,6 Kilometern vom Münsterplatz in Ulm an der Donau zum Konstanzer Münster am Bodensee. Unterwegs liegen die Simultankirche von Biberach, die Wallfahrtskirche Steinhausen, die Basilika Weingarten und die Türme von Ravensburg, über weite Strecken auf der Spur der Oberschwäbischen Barockstraße. Acht Etappen, 2.232 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 661 Meter zwischen Oberessendorf und Bad Waldsee, am Ende die Autofähre von Meersburg nach Konstanz. Markiert wurde der Weg 1996 und 1997, in Konstanz übernimmt die Via Jacobi.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Die schönste Dorfkirche der Welt hat ihren Abt das Amt gekostet
- 08Highlights am Weg
- 09Felix Fabri und die Nonnen, die im Kopf nach Santiago gingen
- 10Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 11Weiterpilgern?
- 12Vorbereitung & Praktisches
- 13Was dich der Weg kostet
- 14Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Münsterplatz in Ulm / Konstanzer Münster am Bodensee
- Länge: 167,6 km, die Überfahrt mit der Fähre Meersburg–Konstanz eingerechnet
- Dauer: 8 Etappen, Ø rund 21 km; wer kürzer gehen will, plant 9 bis 10 Tage
- Höhenmeter: ↗ 2.232 m / ↘ 2.311 m
- Höchster Punkt: 661 m bei km 85,1, zwischen Oberessendorf und Bad Waldsee
- Landschaft: Donauebene, das Tal der Riß, Moränenhügel und Moore Oberschwabens, das Schussental, zuletzt Obstwiesen und Weinberge über dem Bodensee
- Träger / Markierung: Stiftung Haus St. Jakobus – Schwäbische Jakobusgesellschaft in Oberdischingen mit ehrenamtlichen Wegepaten; gelbe Muschel auf blauem Grund
- Jakobus-Spuren: Jakobuskirche Grimmelfingen, Haus St. Jakobus in Oberdischingen, Pfarrkirche St. Jakobus in Brochenzell, Santiago-Kilometersteine in Weingarten, Brochenzell und Markdorf, das Heilige Grab der Mauritiusrotunde in Konstanz
- Unterkunft: Pilgerbetten im Haus St. Jakobus, sonst Gasthöfe, Pensionen, Hotels und Jugendherbergen; Schlafsäle wie in Spanien gibt es kaum
- Anschlusswege: Jakobsweg Nürnberg–Ulm und Fränkisch-Schwäbischer Jakobsweg in Ulm, Ulm – Pfullendorf ab Oberdischingen, Via Jacobi und Lindau – Héricourt ab Konstanz
- Beste Zeit: Mai bis Oktober; im Frühjahr blühen die Obstwiesen am See, im Mai oder Juni fällt der Blutritt in Weingarten auf den Freitag nach Christi Himmelfahrt
- Pilgerpass: kostenlos beim Haus St. Jakobus in Oberdischingen (Stand: Oktober 2026)
Überblick
Der Oberschwäbische Jakobsweg beginnt unter dem Kirchturm, der bis 2025 der höchste der Welt war, und endet an einer Kapelle, die einem Grab in Jerusalem nachgebaut ist. Dazwischen liegen 167,6 Kilometer durch ein Land, in dem fast jedes Dorf eine Kirche hat, die anderswo eine Stadt schmücken würde. Das Ulmer Münster misst 161,53 Meter, sein Grundstein wurde am 30. Juni 1377 gelegt, vollendet war der Turm erst am 31. Mai 1890. In Konstanz ließ Bischof Konrad um 940 die Mauritiusrotunde als Abbild der Grabeskirche bauen. Du gehst also von der Gotik, die 513 Jahre für einen Turm brauchte, zu einer Rotunde, deren Vorbild 3.000 Kilometer weiter östlich steht – und biegst dort nach Westen ab.
Als moderner Pilgerweg ist er jung. Im Sommer 1996 markierten das Staatliche Seminar für schulpraktische Ausbildung in Meckenbeuren und die St.-Jakobus-Gesellschaft auf Anregung des Europarats den Abschnitt von Bad Waldsee nach Meersburg, 1997 wurde die Lücke von Ulm nach Bad Waldsee geschlossen und der Weg ökumenisch gesegnet. Die Farben der Muschel sind kein Zufall: „Blau und Gelb sind die Farben Europas“. Ehrlich gesagt ist er ein Weg durch Kulturlandschaft, mit Feldwegen, Dorfstraßen und einigen Kilometern Asphalt – die großen Momente liegen in Kirchen, nicht auf Gipfeln.
Andere Namen
Offiziell heißt er Oberschwäbischer Jakobsweg, oft auch Jakobsweg Ulm–Konstanz. Auf Englisch liest man Upper Swabian Way of St. James. Nicht verwechseln solltest du ihn mit dem Oberschwäbischen Pilgerweg, einem eigenen Rundwegenetz, das ebenfalls vom Haus St. Jakobus betreut wird. In der Schweiz heißt die Fortsetzung ab Konstanz Schwabenweg – weil im Mittelalter vor allem schwäbische Pilger diesen Weg nach Einsiedeln nahmen.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du einen Jakobsweg vor der Haustür suchst, mit Bahnhof am Start und am Ziel und Etappenorten, an denen du jederzeit aussteigen kannst. Ideal, wenn dich Barock, Klöster und Reichsstädte mehr reizen als Gipfel: Zwischen Biberach und Weingarten stehen auf 54 Kilometern drei der bedeutendsten Kirchenbauten Süddeutschlands. Und ideal als erster Pilgerweg, weil die Höhenmeter moderat sind und keine Etappe technisch schwierig ist.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Pilgergemeinschaft wie auf dem Camino Francés erwartest: Du gehst hier oft tagelang allein, und abends sitzt du eher am Stammtisch eines Gasthofs als im Schlafsaal einer Herberge. Nichts für dich, wenn du mit 15 € pro Nacht rechnest – außer im Haus St. Jakobus zahlst du Pensions- und Hotelpreise. Und nichts für dich, wenn du Stille und Wildnis suchst: Der Weg quert Bundesstraßen, Gewerbegebiete am Rand von Biberach und Ravensburg und das dicht besiedelte Bodenseehinterland.
Streckenverlauf & Landschaft
Ulm bis Biberach (km 0–56,1): Vom Münsterplatz verlässt du Ulm nach Südwesten über Grimmelfingen (km 7,1) mit seiner evangelischen Jakobuskirche und folgst der Donauebene nach Erbach (km 13,9) und Oberdischingen (km 21,1), wo das Haus St. Jakobus auf dem Kapellenberg steht. Über Ersingen und Rißtissen (km 26,4), wo die Römer um 45 nach Christus ein Kastell an der Rißfurt bauten, geht es das Tal der Riß hinauf, über Schemmerberg und Äpfingen (km 43,2) nach Biberach an der Riß (km 56,1). Maselheim liegt rund 2 km abseits der Trasse.
Biberach bis Konstanz (km 56,1–167,6): Hinter Biberach wird das Land hügelig: Über Muttensweiler erreichst du Steinhausen (km 68,2); das Kloster Bad Schussenried bleibt gut 2 km westlich liegen. Durch Wald und Moor über Oberessendorf (km 81,1) und den höchsten Punkt des Weges kommst du nach Bad Waldsee (km 90,7) mit seinem Stadtsee, dann über Bolanden ins Schussental nach Weingarten (km 110,2) und Ravensburg (km 116,5); Bergatreute und Baienfurt liegen knapp 2 km neben dem Weg. Über Oberzell, Ettenkirch und Hepbach geht es durch Obstwiesen nach Markdorf (km 146,0) und hinunter nach Meersburg (km 158,0). Die letzten Kilometer sind Wasser: Die Fähre bringt dich nach Konstanz-Staad, von dort gehst du am Ufer zum Konstanzer Münster (km 167,6).
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in 8 Etappen mit Tagen zwischen 16 und 25 Kilometern; Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 167,6 km kalibriert, die Fährüberfahrt eingerechnet. Oberschwaben Tourismus teilt den Weg in 10 kürzere Etappen und übernachtet zusätzlich in Biberach und Ravensburg – beides gute Orte, wenn du langsamer gehen willst.
- Ulm → Oberdischingen (21,1 km) — durch Grimmelfingen und Erbach die Donau entlang, Ziel ist das Pilgerhaus auf dem Kapellenberg.
- Oberdischingen → Äpfingen (22,1 km) — flach über Rißtissen und Schemmerberg das Rißtal hinauf; Äpfingen ist klein, Betten vorher reservieren.
- Äpfingen → Steinhausen (25,0 km) — über Mettenberg nach Biberach mit der Simultankirche St. Martin, dann ins Hügelland zur Wallfahrtskirche; alternativ übernachtest du in Biberach.
- Steinhausen → Bad Waldsee (22,5 km) — die einsamste Etappe, durch Wald und Moor über Oberessendorf und den höchsten Punkt auf 661 Metern.
- Bad Waldsee → Weingarten (19,5 km) — über Bolanden hinunter ins Schussental zur Basilika.
- Weingarten → Meckenbeuren (19,8 km) — durch die Altstadt von Ravensburg und über Oberzell nach Brochenzell; die Gemeinde Meckenbeuren liegt gut 1 km abseits der Trasse.
- Meckenbeuren → Markdorf (16,0 km) — über Ettenkirch und Hepbach durch Obstwiesen, mit ersten Blicken auf den See und die Alpen.
- Markdorf → Konstanz (21,6 km) — über Stetten hinunter nach Meersburg, mit der Fähre über den Bodensee und am Ufer zum Münster.
Der Untergrund ist überwiegend Feld-, Wald- und Wirtschaftsweg, dazu Ortsdurchgänge und einige Kilometer Nebenstraße. Steile Anstiege gibt es kaum, eher viele kurze Wellen. Anstrengend wird es eher durch die Länge der Tage ohne Einkehr zwischen Steinhausen und Bad Waldsee und durch Nässe: Die Moorwege um Oberessendorf sind nach Regen schlammig.
Die schönste Dorfkirche der Welt hat ihren Abt das Amt gekostet
Bei Kilometer 68,2 steht mitten zwischen Wiesen die Wallfahrtskirche Steinhausen, oft „die schönste Dorfkirche der Welt“ genannt. Abt Didacus Ströbele vom Reichsstift Schussenried ließ sie von 1728 bis 1733 von Dominikus Zimmermann bauen und stuckieren, sein Bruder Johann Baptist Zimmermann malte 1731 mit zwei Söhnen das Deckenfresko. Genehmigt waren 9.000 Gulden. Was am Ende auf der Rechnung stand, entschieden andere: Nach einer Visitation 1733 wurde der Abt „abgesetzt und in das Kloster Allerheiligen im Schwarzwald verbannt“. Er starb 1748 im Exil, mit einer Pension seines alten Klosters von 500 Gulden im Jahr. Wenn du unter dem Fresko stehst, siehst du, wofür er es riskiert hat; das Gnadenbild im Zentrum wird hier seit etwa 1415 verehrt.
Steinhausen ist der Schlüssel zu diesem Weg. Über weite Strecken folgt er der Oberschwäbischen Barockstraße, die seit 1966 als rund 500 Kilometer lange Ferienstraße die Klöster und Kirchen zwischen Donau und Bodensee verbindet. Bei Kilometer 110,2 kommt die zweite Pointe: Die Basilika Weingarten wurde 1715 bis 1724 gebaut, 102 Meter lang, die Kuppel 67 Meter hoch, bewusst auf etwa die halben Maße des Petersdoms angelegt – das größte barocke Kirchenbauwerk Deutschlands. Dort steht ein metallener Wegweiser: noch rund 2.400 Kilometer bis Santiago. Die Schilder zählen mit: In Brochenzell sind es noch 2.379, in Markdorf 2.364 Kilometer.
Praktisch heißt das: Plane in Steinhausen, Weingarten und Biberach Zeit für Kirchenbesuche ein, nicht nur für den Stempel. Gottesdienstzeiten und Konzerte schränken Besichtigungen ein, und in Weingarten ist am Freitag nach Christi Himmelfahrt Ausnahmezustand: Beim Blutritt ziehen rund 1.800 Reiter mit der Heilig-Blut-Reliquie durch die Felder – 2024 waren es 1.779, seit 2022 dürfen auch Frauen mitreiten. Die Reliquie kam der Überlieferung nach 1094 durch Judith von Flandern ins Kloster, der Ritt ist seit 1529 schriftlich belegt und gilt als größte Reiterprozession Europas. An diesem Tag sind die Betten in Weingarten und Ravensburg lange vorher vergeben.
Highlights am Weg
- Ulmer Münster (km 0) — 161,53 Meter, bis 2025 höchster Kirchturm der Welt, heute höchster Kirchturm Deutschlands, bis zur Galerie auf 143 Metern sind es 768 Stufen; beim Bildersturm am 19. Juni 1531 wurden über 60 Altäre entfernt. Stempel an der Pforte.
- Oberdischingen (km 21,1) — die barocke Herrengasse des „Malefizschenks“ Franz Ludwig Schenk von Castell, der hier ein Zuchthaus betrieb und 1788 die Diebin Elisabetha Gaßner hinrichten ließ; dazu die Dreifaltigkeitskapelle von 1712 und das Haus St. Jakobus von 1794.
- Rißtissen (km 26,4) — Römerkastell um 45 nach Christus, Schloss der Stauffenberg, römische Steine in der Kirchenmauer.
- St. Martin in Biberach (km 56,1) — seit dem 13. August 1548 von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt, bis heute: das Schiff gehört beiden, der Chor bleibt katholisch.
- Wallfahrtskirche Steinhausen (km 68,2) — Dominikus Zimmermanns Meisterwerk von 1728 bis 1733.
- Bad Waldsee (km 90,7) — gotisches Rathaus von 1426 bis 1428, Stiftskirche St. Peter, Stadtsee aus der letzten Eiszeit; verehrt wird hier die Mystikerin Elisabeth Achler, der „Guten Beth“ (1386–1420).
- Basilika Weingarten (km 110,2) — Welfenkloster seit 1056, Heilig-Blut-Reliquie, Barockbasilika mit der Orgel von Joseph Gabler.
- Ravensburg (km 116,5) — Reichsstadt der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, mit dem 51 Meter hohen Mehlsack und der Liebfrauenkirche von 1340 bis 1380.
- St. Jakobus in Brochenzell (Etappe 6) — die Jakobuskirche neben dem Humpisschloss, laut Wegweiser noch 2.379 Kilometer bis Santiago.
- Markdorf (km 146,0) — gotische Stadtpfarrkirche St. Nikolaus von 1370, Sommerschloss der Konstanzer Fürstbischöfe, Obertor von 1534; Stempel im gelben Kasten.
- Meersburg (km 158,0) — die Alte Burg, in der Annette von Droste-Hülshoff am 24. Mai 1848 starb, und das Neue Schloss der Fürstbischöfe.
- Konstanzer Münster (km 167,6) — Mauritiusrotunde mit dem Heiligen Grab von etwa 1260, das Pilger traditionell dreimal umrundeten; 1414 bis 1418 Tagungsort des Konzils, 1417 Wahl Papst Martins V.
Felix Fabri und die Nonnen, die im Kopf nach Santiago gingen
Der berühmteste Pilger dieses Weges ist keinen Schritt davon gegangen – jedenfalls nicht nach Santiago. Felix Fabri, um 1438 in Zürich geboren, lebte von 1468 bis zu seinem Tod 1502 als Dominikaner und Prediger in Ulm. Er war 1467 in Aachen, 1476 in Rom und zweimal im Heiligen Land, 1480 und 1483/84; sein „Evagatorium“ über die zweite Reise nannte er selbst die „weitschweifigste und abwechslungsreichste und dazu unterhaltsamste Mischung“. 1492 schrieb er für Dominikanerinnen „Die Sionpilger“: eine geistliche Pilgerfahrt nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela, die man Tag für Tag im Kloster nachgehen konnte, ohne es je zu verlassen. Fabri hielt auch fest, was Jakobspilger sangen – die Antiphonen „O beate Jacobe“ und „Ecce ego mitto“.
Die Jakobusverehrung in Ulm ist noch älter: 1181 entstand dort eine Jakobuskapelle, die am Ende der Reformationszeit um 1538 abging. Den Legendenkern liefert der Liber Sancti Jacobi des 12. Jahrhunderts, nach dem Jakobus Karl dem Großen erschien und ihm den Weg nach Galicien wies. Namentlich belegte Santiagopilger auf genau dieser Trasse kennen wir dagegen nicht; den Verlauf hat der Pilgerforscher Wolfgang Lipp aus vielen Quellen rekonstruiert. Ehrlich gesagt ist der Weg also eine gut begründete Rekonstruktion – und Fabris Sionpilger sind eine gute Erinnerung daran, dass Pilgern schon vor 500 Jahren auch im Kopf begann.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Ulm ist ein Knoten: Hier enden zwei Jakobswege aus Franken, und der Oberschwäbische nimmt beide auf.
- Jakobsweg Nürnberg–Ulm — rund 220 Kilometer von der Kaiserburg durchs Altmühltal und über die Schwäbische Alb zum Ulmer Münster
- Fränkisch-Schwäbischer Jakobsweg — von Würzburg über Rothenburg ob der Tauber nach Ulm
Wer nicht über Oberschwaben will, kann bei Oberdischingen abzweigen: Dort beginnt die Route Ulm – Pfullendorf der Via Beuronensis über den Bussen und Bad Saulgau nach Pfullendorf, von wo der Linzgauer Jakobsweg über Überlingen ebenfalls nach Konstanz führt.
Weiterpilgern?
Ja, und zwar in zwei Richtungen. In Konstanz beginnt die Via Jacobi, der Schweizer Hauptweg: als Schwabenweg durch den Thurgau nach Einsiedeln, weiter über den Brünig nach Genf und dort auf die Via Gebennensis nach Le Puy. Wer am Wasser bleiben will, nimmt den Weg Lindau – Héricourt, der schon ab Stetten über Meersburg und die Fähre mit dir läuft und von Konstanz den Hochrhein hinunter nach Basel und in die Burgundische Pforte führt.
In Konstanz kommen außerdem zwei Schwesterwege an, die den Bodensee von Westen her erreichen:
- Linzgauer Jakobsweg — von Meßkirch über Pfullendorf und Überlingen, mit dem Schiff nach Wallhausen
- Hegauer Jakobsweg — vom Kloster Wald über Stockach und Radolfzell am Gnadensee entlang
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in Pilgerquartieren zu übernachten und am Ende in Santiago die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; das Haus St. Jakobus in Oberdischingen stellt ihn kostenlos aus und freut sich über eine Spende (Stand: Oktober 2026). Stempel gibt es an der Pforte des Ulmer Münsters, in der Jakobuskirche Grimmelfingen, in St. Martinus in Erbach, im Haus St. Jakobus und in Markdorf im gelben Kasten. Am einfachsten planst du den Weg in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Unterkunft. Das einzige echte Pilgerhaus am Weg ist das Haus St. Jakobus in Oberdischingen: bezogene Betten, Schlafsack nicht nötig, Ankunft ab 15 Uhr. Sonst schläfst du in Gasthöfen, Pensionen und Hotels, in Ravensburg und Konstanz auch in Jugendherbergen. In kleinen Etappenorten wie Äpfingen, Steinhausen und Oberessendorf gibt es nur wenige Betten – reserviere dort einen Tag vorher, am Bodensee im Sommer deutlich früher.
Jahreszeit. Mai bis Oktober ist die beste Zeit. Im April und November ist es oft nass, die Moorwege werden dann schwer.
Was dich der Weg kostet
Im Haus St. Jakobus zahlst du mit Pilgerausweis 25 € pro Nacht im Doppel- oder Dreibettzimmer, 35 € im Einzelzimmer, Frühstück 7,50 €, warmes Abendessen 12,50 € (Stand: Oktober 2026); das Haus schreibt, dass die Übernachtung für Pilger „nicht an den Kosten scheitern“ soll. In Gasthöfen und Pensionen rechne grob mit 50 bis 90 € pro Nacht, in Meersburg und Konstanz eher am oberen Ende.
Die Fähre Meersburg–Konstanz kostet für Fußgänger 4,30 € einfach, Tickets gibt es von etwa 9 bis 19 Uhr am Schalter im Hafen (Stand: Oktober 2026). Mit Unterkunft, Frühstück, Vesper und einem Abendessen im Gasthof rechne mit 80 bis 120 € pro Tag. Ehrlich gesagt ist das mehr als das Doppelte eines Tages in Spanien – dafür sparst du Flug und Anreise.
Anreise
Zum Start. Ulm Hauptbahnhof ist ICE-Knoten mit direkten Verbindungen aus Stuttgart, München, Frankfurt und Berlin; vom Bahnhof sind es wenige Minuten zu Fuß zum Münsterplatz.
Vom Ziel. Konstanz hat Bahnverbindungen über Singen nach Stuttgart und mit der Schwarzwaldbahn nach Offenburg, über Kreuzlingen auch in die Schweiz. Die Fähre zwischen Meersburg und Konstanz-Staad fährt tagsüber alle 15 Minuten; Biberach, Bad Waldsee, Ravensburg und Markdorf taugen mit Zug oder Bus zum Abbrechen.
- Bahn: bahn.de — Verbindungen nach Ulm und ab Konstanz
- Fähre: stadtwerke-konstanz.de — Fahrplan und Tarife der Fähre Konstanz–Meersburg
- Träger: haus-st-jakobus.de — Pilgerausweis, Pilgerbetten und Wegeinformation
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