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Ulm – Pfullendorf

Rund 97 Kilometer von der Donau bei Ulm über den Heiligen Berg Oberschwabens nach Pfullendorf: die Beuroner Variante durch Oberschwaben — mit dem Bussen, Kloster Habsthal und Anschluss an den Linzgauer Jakobsweg Richtung Bodensee.

13. August 20267 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Oberdischingen bei Ulm → Pfullendorf
  • Länge: 96,6 km
  • Höhenmeter: ↗ 864 m / ↘ 716 m
  • Dauer: 3–4 Tage
  • Markierung: gelbes Strahlenbündel auf blauem Grund — nur Richtung Santiago
  • Netz: Route E der Via Beuronensis („Habsthaler Jakobsweg“)

Überblick

Zwischen Ulm und dem Bodensee spannt sich das Wegenetz der Via Beuronensis — und diese Route ist sein östlicher Zubringer: Von Oberdischingen an der Donau führt sie über den Bussen, den Heiligen Berg Oberschwabens, durch Bad Saulgau und am Kloster Habsthal vorbei nach Pfullendorf, wo der Linzgauer Jakobsweg Richtung Konstanz übernimmt.

Der Betreiber nennt sie Habsthaler Jakobsweg, nach dem stillen Benediktinerinnenkloster kurz vor dem Ziel. Es ist klassisches Oberschwaben: Wallfahrtskirchen und Klöster in Serie, Donautal, Wald und weites Hügelland — und mit dem Bussen ein Aussichtspunkt, der bei klarer Sicht bis zu den Alpen reicht.

In 3–4 Tagen ist die Strecke gut zu gehen, die 864 Anstiegsmeter verteilen sich moderat. Wer am Ulmer Münster starten will: Die klassische Auftakt-Etappe des Betreibers führt in einem Tag von Ulm donauaufwärts nach Oberdischingen, wo unsere Route beginnt — samt Pilgerherberge.

Andere Namen

Offiziell ist der Weg die Route E der Via Beuronensis, vom Betreiber Habsthaler Jakobsweg genannt; auf unserer Karte läuft er als Ulm – Pfullendorf, und viele Pilger sagen schlicht Beuroner Variante. Die namensgebende Kernstrecke des Netzes ist der Beuroner Jakobsweg von Tübingen nach Meßkirch.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du barocke Frömmigkeit, Klöster und stille Feldwege magst: Auf keiner anderen Variante des Netzes reihen sich Wallfahrtskirche, drei Klöster und ein Heiliger Berg so dicht. Auch praktisch: Mit 3–4 Tagen passt der Weg in ein verlängertes Wochenende, und als Zubringer verlängert er deine Bodensee-Pilgerreise um ein echtes Stück Oberschwaben.

Eher nicht dein Weg, wenn du alpine Dramatik oder volle Pilger-Infrastruktur suchst: Es gibt einzelne echte Herbergen und Klosterbetten, aber keine spanische Dichte — und die Markierung verlangt stellenweise Aufmerksamkeit. Einsamkeit solltest du mögen: Hier pilgert es sich oft mutterseelenallein.

Streckenverlauf & Landschaft

Von Oberdischingen folgt der Weg zunächst flach der jungen Donau flussaufwärts — über Öpfingen und Rottenacker nach Munderkingen, das sich in eine enge Donauschleife schmiegt. Dann steigt das Land an: Durch Wälder und Dörfer geht es hinauf zum Bussen (767 m), dessen Wallfahrtskirche du schon von weitem siehst.

Nach dem Abstieg über Dürmentingen erreichst du Bad Saulgau, dann wird es klösterlich: Sießen, Habsthal — dazwischen Wälder, Weiher und oberschwäbisches Hügelland. Das Finale führt über Levertsweiler nach Pfullendorf, die alte Reichsstadt über dem Linzgau, direkt zur Pfarrkirche St. Jakob.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Rechne mit 3–4 Tagesetappen — sportlich in drei, gemütlich in vier Tagen (die klassische Betreiber-Einteilung kennt fünf kurze Abschnitte, einzelne davon lassen sich gut zusammenlegen oder abkürzen). Das Gelände ist moderat: ein einziger nennenswerter Anstieg, der zum Bussen.

  1. Oberdischingen → Munderkingen — flach an der Donau flussaufwärts, über die Nepomuk-Brücke bei Öpfingen und Rottenacker zur Stadtkirche St. Dionysius
  2. Munderkingen → Bussen — viele Waldwege über Uigendorf und Aderzhofen, zum Schluss der steile Anstieg zur Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg
  3. Bussen → Bad Saulgau — netto bergab über Göffingen und Dürmentingen mit seiner Lorettokapelle samt Kreuzweg ins Thermalstädtchen
  4. Bad Saulgau → Kloster Habsthal — die längste Etappe — vorbei am Franziskanerinnenkloster Sießen, über Friedberg und Rosna; Abstecher zur Bruder-Klaus-Kapelle möglich
  5. Kloster Habsthal → Pfullendorf — über Levertsweiler, durch Wälder und ein Feuchtbiotop; in St. Jakob wartet der Pilgerstempel

Markiert ist der Weg mit dem gelben Strahlenbündel auf blauem Grund — der Fokuspunkt zeigt die Gehrichtung, markiert wird nur Richtung Santiago. Ehrlich gesagt: Zwischen Rottenacker und Munderkingen ist die Beschilderung dünn, und vereinzelt hängen Zeichen verdreht. Nimm den GPS-Track mit, am besten direkt in der Camino Ninja App.

Über den Heiligen Berg: Bussen und Kloster Habsthal

Der Bussen ist der spirituelle Höhepunkt des Weges — im Wortsinn. Der „Heilige Berg Oberschwabens“ ist seit vorgeschichtlicher Zeit Kultort, schon die Kelten opferten hier oben. Die Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist stammt von 1516, die Marienwallfahrt zu ihrer Pietà ist seit 1521 belegt — und bei klarer Sicht reicht der Blick über 100 Kilometer Alpenkette, von Füssen bis zum Säntis. Daneben: die Ruine der Reichsburg, 1633 im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen zerstört.

Kurz vor dem Ziel dann das Gegenstück in Moll: das Kloster Habsthal, 1259 von Beginen aus Mengen gegründet, seit 1892 von Benediktinerinnen bewohnt — heute leben noch zwei Schwestern dort. Die Barockkirche St. Stephan überrascht mit einem Deckenfresko von Gottfried Bernhard Göz und Stuck von Joseph Anton Feuchtmayer; übernachten kannst du im Kloster auch.

Und unterwegs liegt noch ein dritter besonderer Ort: das Franziskanerinnenkloster Sießen bei Bad Saulgau, Wirkungsstätte von Schwester Maria Innocentia Hummel — deren Zeichnungen als Hummel-Figuren weltberühmt wurden. Pilgerzimmer gibt es auf Anfrage.

Highlights am Weg

  • Donautal bei Munderkingen — die junge Donau in engen Schleifen, mit der Nepomuk-Brücke bei Öpfingen
  • Bussen (767 m) — Heiliger Berg Oberschwabens: Wallfahrtskirche von 1516, Alpenblick bis zum Säntis, Burgruine
  • Dürmentingen — Lorettokapelle mit Kreuzweg aus zwölf Stationen
  • Bad Saulgau — Thermalstadt mit der Stadtpfarrkirche St. Johannes
  • Kloster Sießen — Franziskanerinnen, Heimat der Hummel-Figuren
  • Kloster Habsthal — Benediktinerinnenkloster von 1259 mit barocker Klosterkirche St. Stephan
  • Pfullendorf — alte Reichsstadt mit der Pilgerkirche St. Jakob und Stempel zum Finale

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der natürliche Zulauf kommt aus Franken: Der Jakobsweg Nürnberg–Ulm endet am Ulmer Münster — von dort bringt dich die klassische Auftakt-Etappe donauaufwärts nach Oberdischingen, und du bist auf dieser Route.

Ab Ulm hast du außerdem die Wahl der Richtung: Der Oberschwäbische Jakobsweg zieht östlich über Biberach und Weingarten nach Konstanz — diese Route hier ist die westliche, klösterlich-stillere Alternative über den Bussen.

Weiterpilgern?

In Pfullendorf triffst du auf den Linzgauer Jakobsweg, der dich über Überlingen — samt Schiffspassage über den Bodensee — nach Konstanz bringt. Praktischer Nebeneffekt: Zusammen knackt ihr die 100-Kilometer-Marke, ab der die Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft ihr Testimonium ausstellt.

Ab Konstanz folgt die Via Jacobi durch die Schweiz über Einsiedeln nach Genf, dann die Via Gebennensis nach Le Puy-en-Velay, die Via Podiensis an die Pyrenäen — und der Camino Francés bis Santiago de Compostela.

Vorbereitung & Praktisches

Beste Zeit ist Frühjahr bis Herbst; im Winter sind Wald- und Feldwege mitunter matschig. Die Unterkunftslage ist besser als auf vielen deutschen Wegen, aber punktuell: Pilgerherberge in Oberdischingen, Pilgerzimmer im Kloster Sießen (auf Anfrage), Übernachtung im Kloster Habsthal, Privatzimmer und Gasthöfe in Munderkingen, Bad Saulgau und Pfullendorf. Vorher anrufen lohnt sich — gerade bei den Klöstern.

Einen Pilgerausweis bekommst du über das Pilgerbüro der Erzabtei Beuron oder direkt bei der Touristinfo Pfullendorf; Stempel gibt es in den Kirchen und Klöstern am Weg, zum Abschluss in St. Jakob Pfullendorf. Ab 100 Kilometern nachgewiesener Strecke stellt die Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft kostenlos ihre Pilgerurkunde aus.

Die Etappen lassen sich flexibel schneiden — am einfachsten planst du sie direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 60–100 € pro Tag (Stand: August 2026): Klosterzimmer und Pilgerherberge sind günstig (oft Spende oder 20–40 €), Gasthöfe und Pensionen liegen bei 50–90 € fürs Zimmer. Bad Saulgau als Thermalstadt hat auch gehobenere Optionen.

Sparen kannst du mit den Kloster- und Herbergsbetten und Vesper aus dem Dorfladen — Einkehr unterwegs ist dünn gesät, ein Proviant-Plan für die Waldetappen gehört dazu.

Anreise

Zum Start: Ab Ulm Hauptbahnhof bringt dich die Donautalbahn Richtung Sigmaringen nach Ehingen (Donau); von dort ist Oberdischingen per Bus oder zu Fuß erreichbar. Wer die klassische Auftakt-Etappe geht, startet direkt am Ulmer Münster. Auch Munderkingen hat einen eigenen Bahnhalt — praktisch für einen späteren Einstieg.

Zurück von Pfullendorf: Die Stadt hat keinen regulären Bahnanschluss — Busse fahren u. a. nach Überlingen, Mengen und Sigmaringen zu den nächsten Bahnhöfen; an Sommer-Wochenenden verkehrt saisonal die „Räuberbahn“ Richtung Aulendorf. Oder du pilgerst einfach weiter Richtung Bodensee.

  • Bahn: bahn.de — Donautalbahn Ulm → Ehingen/Munderkingen; Rückreise über Sigmaringen oder Überlingen
  • Betreiber-Infos: via-beuronensis.de — Etappen, Herbergen und Pilgerbüro der Via Beuronensis
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