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Camino de las Asturias

Der vergessene Ur-Jakobsweg: rund 579 Kilometer von Pamplona am Südrand der Kantabrischen Berge entlang bis nach Oviedo – auf den Spuren der allerersten Pilger des 9. Jahrhunderts.

11. August 20268 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Pamplona → Oviedo
  • Länge: 578,8 km
  • Höhenmeter: ↗ 15.079 m / ↘ 15.277 m
  • Dauer: rund 21–26 Tage (offiziell 22 Etappen)
  • Markierung: lückenhaft – über weite Strecken dem weiß-roten GR-1 folgend, GPS-Tracks empfohlen
  • Andere Namen: Asturian Way, Ruta de las Asturias (Federación-Code ES48a)
  • Charakter: einsamer, historischer Gebirgs-Camino am Südrand der Kantabrischen Kordillere

Überblick

Der Camino de las Asturias ist so etwas wie der Ur-Jakobsweg: die Route, auf der die allerersten Pilger im 9. und 10. Jahrhundert nach Westen zogen, als die Ebenen Kastiliens noch unter maurischer Kontrolle standen und die Küste von Normannen bedroht war. Von Pamplona führt er durch Álava und dann immer am Südfuß der Kantabrischen Berge entlang – durch den Norden von Burgos, Palencia und León – über den Puerto de Tarna hinab nach Oviedo.

Damals war Oviedo Hauptstadt und heiliges Zentrum des christlichen Spaniens; das Ziel der Reise war der Salvador-Schrein, erst danach ging es weiter zum Apostelgrab. Heute ist die Route ein stiller, fordernder Gebirgsweg mit gut 15.000 Höhenmetern – nichts für die erste Pilgerreise, aber ein Traum für alle, die Geschichte und Einsamkeit suchen. In Oviedo übernimmt der Camino Primitivo bis Santiago.

Andere Namen

  • Spanisch: Camino de las Asturias, Ruta de las Asturias
  • Englisch: Asturian Way
  • Offiziell: ES48a im Wegenetz der spanischen Federación

Der Name kommt vom Ziel: Nicht Santiago, sondern das Königreich Asturien mit seiner Hauptstadt Oviedo war in der Frühzeit der Pilgerfahrt der sichere Hafen, auf den alle Wege zuliefen.

Für wen der Weg ideal ist – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du schon Camino-Erfahrung hast und das Gegenteil des Francés suchst: wochenlange Stille, Bergdörfer, in denen Pilger noch eine Seltenheit sind, und echte Geschichte unter den Füßen. Du gehst denselben Korridor wie die Pilger des 9. Jahrhunderts – und kommst wie sie über Oviedo nach Santiago.

Weniger geeignet für die erste Pilgerreise: Die Markierung ist lückenhaft, klassische Herbergen sind rar (meist Pensionen, Casas Rurales, Gemeindequartiere), und mit gut 15.000 Höhenmetern und Tagesetappen bis über 30 Kilometer ist der Weg konditionell fordernd. Ohne GPS-Track und etwas Spanisch wird es schwierig.

Streckenverlauf & Landschaft

Von Pamplona zieht der Weg durch das Burunda-Tal zwischen den Sierras von Aralar und Urbasa nach Salvatierra-Agurain, wo er auf den Camino Vasco del Interior trifft, und weiter über die Llanada Alavesa nach Vitoria-Gasteiz. Hinter Armiñón verlässt er die Vasco-Route und folgt dem Sendero Histórico GR-1 nach Westen – durch das alte Klosterland von Valdegovía, wo in den Kartularen von Valpuesta die ältesten Wörter des geschriebenen Spanisch überliefert sind.

Dann wird es einsam: die Hochtäler der Merindades in Nord-Burgos, der Ebro-Stausee bei Corconte, Reinosa nahe der Ebro-Quelle, die Montaña Palentina mit Brañosera – dem ältesten verbrieften Gemeinwesen Spaniens (Fuero von 824) – und die Bergtäler Nord-Leóns. Über den Puerto de Tarna (ca. 1.490 m) fällt der Weg ins asturische Nalón-Tal, durchquert den Naturpark Redes und erreicht über Langreo schließlich Oviedo.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Rund 579 Kilometer, gut 15.000 Höhenmeter, 21–26 Gehtage: Der Camino de las Asturias gehört zu den fordernsten Jakobswegen Spaniens. Die Federación teilt ihn in 22 offizielle Etappen zwischen etwa 20 und 32 Kilometern. Eine bewährte Grobgliederung:

  1. Pamplona → Salvatierra-Agurain (3 Etappen) – Burunda-Tal zwischen Aralar und Urbasa
  2. Salvatierra → Vitoria-Gasteiz (1 Etappe) – Llanada Alavesa, gemeinsam mit dem Camino Vasco del Interior
  3. Vitoria → Espejo (3 Etappen) – La Puebla de Arganzón, Salcedo, hinein nach Valdegovía
  4. Espejo → Torme (3 Etappen) – Bóveda, Paresotas, die Merindades von Nord-Burgos
  5. Torme → Corconte (2 Etappen) – Pedrosa de Valdeporres, Hochflächen am Ebro-Stausee
  6. Corconte → Reinosa (1 Etappe) – am Embalse del Ebro entlang, nahe der Ebro-Quelle
  7. Reinosa → Cervera de Pisuerga (2 Etappen) – Brañosera und die Montaña Palentina
  8. Cervera → Prioro (2 Etappen) – Camporredondo, Bergland von Fuentes Carrionas
  9. Prioro → Puerto de Tarna (2 Etappen) – Lois, stille Hochtäler Nord-Leóns
  10. Tarna → Oviedo (3 Etappen) – Nalón-Tal, Naturpark Redes, Rioseco, Langreo

Per devia Alavae – der Weg der allerersten Pilger

Die Chronisten des Mittelalters haben es schwarz auf weiß hinterlassen: „Per devia Alavae peregrini declinabant“ – die Pilger wichen über die Nebenwege Álavas aus, schreibt die Crónica Silense über das 9. und 10. Jahrhundert, als Normannenüberfälle die Küste und maurische Heerzüge die Meseta unsicher machten. Und König Alfonso X. hielt fest, dass „der französische Weg“ vor der Sicherung der heutigen Route über Álava und Asturien verlief. Zu den frühesten namentlich bekannten Reisenden gehören der Friese San Everando (um 813) und Bischof Gotescalco von Le Puy, der 950 als einer der allerersten dokumentierten Santiago-Pilger hier entlangzog.

Das Ziel hieß damals nicht nur Santiago, sondern zuerst Oviedo: Hauptstadt des christlichen Königreichs, mit den Reliquien der Cámara Santa. Ein alter Spruch bringt es auf den Punkt: „Wer nach Santiago geht und nicht zum Salvador, besucht den Diener und vergisst den Herrn.“ Von Oviedo aus folgten die Pilger dem heutigen Camino Primitivo – dem Weg, den schon König Alfonso II. gegangen war.

Dass es diese Route heute wieder gibt, ist Ehrenamtlichen zu verdanken: 2004 begannen Milán del Bosch und Alejandro Fernández Suárez von der Sociedad Cultural La Pegarata mit der Rekonstruktion, 2012 erschien ihr Buch „Las rutas transmontanas del Camino de Santiago“, und die Asociación de Amigos del Camino de las Asturias arbeitet an Beschilderung und der Anerkennung als Kulturgut. Am Weg zeugen Leprosenhospitäler, Pilgergräber und alte Pflasterstrecken von tausend Jahren Pilgergeschichte.

Highlights am Weg

  • Pamplona – Startpunkt am Schnittpunkt der großen Pilgerströme, Kathedrale und Altstadt
  • Vitoria-Gasteiz – mittelalterliche „Almendra“, Kathedrale Santa María
  • Valdegovía & Valpuesta – Klosterland des 9. Jahrhunderts; in Valpuesta stehen die ältesten Wörter des geschriebenen Spanisch
  • Las Merindades – einsame Hochtäler im Norden von Burgos
  • Reinosa & Embalse del Ebro – kurz hinter der Quelle des großen Flusses
  • Brañosera – ältestes verbrieftes Gemeinwesen Spaniens (Fuero von 824)
  • Montaña Palentina – Bärenland zwischen Cervera de Pisuerga und Fuentes Carrionas
  • Puerto de Tarna – ca. 1.490 m, der große Übergang nach Asturien
  • Parque Natural de Redes – UNESCO-Biosphärenreservat im oberen Nalón-Tal
  • Oviedo – Kathedrale mit Cámara Santa, präromanische Kirchen (UNESCO-Welterbe)

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Pamplona ist einer der großen Knoten des Pilgernetzes – entsprechend viele Wege führen zum Start des Camino de las Asturias:

  • Camino Francés – wer in Saint-Jean-Pied-de-Port oder Roncesvalles startet, erreicht Pamplona nach 2–3 Tagen und kann hier auf die Ur-Route abbiegen
  • Camino de Baztán – der stille Zubringer von Bayonne über das Baztán-Tal, endet direkt in Pamplona
  • Camino Aragonés – wer vom Somport kommt, wechselt in Puente la Reina bzw. Pamplona herüber

Unterwegs teilt sich der Weg zwischen Salvatierra-Agurain und Armiñón ein Stück mit dem Camino Vasco del Interior – wer mag, kann dort auch auf dessen Route Richtung Burgos wechseln.

Weiterpilgern?

Der Camino de las Asturias endet in Oviedo – genau dort, wo der Camino Primitivo beginnt, der älteste aller Jakobswege, der in rund zwei Wochen nach Santiago de Compostela führt. Historisch ist das die logische Fortsetzung: Ur-Weg bis Oviedo, Primitivo bis ans Apostelgrab. In Oviedo triffst du außerdem auf den Camino San Salvador aus León und die Oviedo-Schleife des Camino del Norte.

Vorbereitung & Praktisches

Die beste Zeit ist Mai bis Oktober – der Puerto de Tarna und die Hochlagen der Montaña Palentina können bis ins Frühjahr Schnee tragen. Im Hochsommer sind die Berge angenehm, die Täler heiß.

Klassische Pilgerherbergen gibt es nur vereinzelt; übernachtet wird meist in Pensionen, Casas Rurales und Gemeindeunterkünften – in kleinen Orten unbedingt vorab anrufen. Wie auf allen spanischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) für Stempel und Herbergen und am Ende die Compostela – am besten vorab online bestellen. Lade dir unbedingt den GPS-Track, die Markierung ist noch lückenhaft. Deine Etappen und Unterkünfte planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du beides gleich zusammen einteilst.

Was dich der Weg kostet

Das ländliche Nordspanien ist günstig, aber Herbergsschlafsäle sind selten: Rechne mit 45–65 € pro Tag für Pension oder Casa Rural plus Verpflegung (Stand: August 2026). Wo es Gemeinde- oder Pilgerquartiere gibt, sinkt das Budget deutlich.

Anreise

Startpunkt ist Pamplona – per Bahn (Renfe) und Fernbus bestens angebunden, eigener Flughafen; Alternativen sind Bilbao und Zaragoza. Wer pilgernd anreist, kommt über den Camino de Baztán aus Bayonne oder den Camino Francés aus Saint-Jean-Pied-de-Port nach Pamplona.

  • Bahn/Bus nach Pamplona: Renfe-Verbindungen aus Madrid und Barcelona (renfe.com), Fernbusse u. a. mit ALSA (alsa.es)
  • Rückreise ab Oviedo: Bahnhof mit Direktzügen nach Madrid, Flughafen Asturias (OVD) mit Busanbindung (renfe.com)
  • Etappeneinstiege: Vitoria-Gasteiz und Reinosa sind die besten Zwischenstarts mit Bahn-/Busanschluss

Wegträger

Die Route wird von der Asociación de Amigos del Camino de las Asturias und der Sociedad Cultural La Pegarata getragen, dokumentiert von der Asociación de Amigos del Camino de Santiago de Álava; die spanische Federación führt sie offiziell als Weg ES48a mit 22 Etappen und stellt GPS-Tracks bereit. Die Vereine arbeiten an durchgehender Beschilderung und an der Anerkennung der Route als Kulturgut (Bien de Interés Cultural).

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