Camino del Norte via Oviedo – Der Umweg über die heilige Stadt
Der Camino del Norte via Oviedo verlässt den Küstenweg am Abzweig rund drei Kilometer hinter Villaviciosa, steigt über die Hügel des Sariego ins Binnenland und erreicht über Pola de Siero und die Brücke von Colloto die Kathedrale San Salvador in Oviedo. Von dort führt er nicht in die Berge wie der Camino Primitivo, sondern über Llanera und Corvera zurück an die Küste nach Avilés, wo du wieder auf dem Camino del Norte stehst. 69,7 Kilometer, drei Etappen, 986 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 406 Meter. Ein Umweg, der zurückkommt – und unterwegs die Stadt mitnimmt, wegen der Pilger seit dem 11. Jahrhundert die Küste verlassen.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Der Umweg mit Rückweg: warum Pilger für den Salvador die Küste verließen
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Abzweig vom Camino del Norte rund 3 km hinter Villaviciosa / Avilés, wo du wieder auf den Camino del Norte triffst
- Länge: 69,7 km, davon 40,3 km bis Oviedo und 29,4 km von Oviedo bis Avilés
- Dauer: 3 Etappen; mit Ruhetag in Oviedo 4 Tage
- Höhenmeter: ↗ 986 m / ↘ 994 m
- Höchster Punkt: 406 m bei km 7,3 zwischen Arbazal und Valvidares
- Landschaft: Apfelwiesen und Eichenwald im Hügelland von Villaviciosa und Sariego, die Ebene von Siero, Stadtdurchquerung Oviedo, dann Weiden, Gewerbegebiete und Vororte bis an die Ría von Avilés
- Träger / Markierung: gelbe Pfeile und Muschelsteine des asturischen Jakobswegnetzes; in Oviedo Bronzemuscheln im Pflaster
- Jakobus-Spuren: Pilgerhospital San Pedro in Pola de Siero von 1141, die Apostelsäulen der Cámara Santa in Oviedo, die romanische Kirche Santiago de Arlós in Llanera, das Hospital des Pedro Solís in Avilés
- Unterkunft: Pilgerherbergen in Pola de Siero, Oviedo und Avilés, eine kleine Klosterherberge in Valdediós als Abstecher; dazwischen Hostales und Pensionen
- Anschlusswege: Camino del Norte am Start und am Ziel, in Oviedo Camino Primitivo, Camino San Salvador und Camino de las Asturias
- Beste Zeit: Mai bis Oktober; Herbergen ganzjährig geöffnet, Regen in Asturien zu jeder Jahreszeit
Überblick
Wer auf dem Camino del Norte durch Asturien geht, kommt kurz hinter Villaviciosa an eine Gabelung. Geradeaus geht es an der Küste nach Gijón, links ins Binnenland nach Oviedo. Die meisten, die links abbiegen, bleiben danach in den Bergen und gehen den Camino Primitivo. Dieser Weg macht etwas anderes: Er holt sich die Kathedrale San Salvador ab und bringt dich in einer weiteren Etappe nach Avilés zurück ans Meer. Der Umweg ist hier kein Abschied von der Küste. Er ist ein Ausflug mit Rückweg.
Historisch ist das kein Konstrukt. Die Xacopedia beschreibt genau diese Verbindung: Von Oviedo, ab der Kirche Santullano, führt ein Weg über Llanera und Corvera nach Avilés, und manche Pilger zogen ihn nach dem Besuch der Reliquien in Oviedo dem schweren Primitivo vor. Avilés war seit dem 12. Jahrhundert der wichtigste Hafen Asturiens, „el principal embarcadero de Asturias“, an dem Pilger aus Nord- und Nordwesteuropa an Land gingen. Ehrlich gesagt ist der zweite Tag auch der unspektakulärste: Zwischen Oviedo und Avilés gehst du durch den Ballungsraum des Dreiecks Oviedo–Gijón–Avilés, mit Straßen, Gewerbe und Vororten.
Andere Namen
Einen festen Namen hat der Weg nicht. In spanischen Führern heißt der Abschnitt bis Oviedo meist Variante por Oviedo oder Camino del Norte por Oviedo; die Fortsetzung nach Avilés taucht als Verbindung Oviedo–Avilés auf, im Englischen ist vom Oviedo detour die Rede. Nicht verwechseln mit dem Camino Primitivo, den man in Galicien schlicht Camino de Oviedo nennt: Der beginnt zwar in derselben Kathedrale, geht aber nach Westen ins Gebirge und nicht zurück ans Meer.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du den Camino del Norte gehst und Oviedo nicht auslassen willst, ohne deshalb die Küste aufzugeben. Ideal, wenn du einen Ruhetag in einer echten Stadt suchst: Kathedrale, Cámara Santa, präromanische Kirchen des 9. Jahrhunderts, Sidrerías. Und ideal, wenn dich die Ruhe des Hinterlands nach Tagen voller Strandorte reizt.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du die schönste Strecke suchst: Der erste Tag ist ländlich und schön, der dritte führt über Kilometer durch Vororte, Industrie und an Schnellstraßen entlang. Nichts für dich, wenn du Kilometer sparen willst – du machst einen Bogen ins Land und kommst an fast derselben Küste wieder heraus. Und nichts für dich, wenn du ohnehin auf den Primitivo willst: Dann endet dein Weg in Oviedo, und die zweite Hälfte dieser Seite brauchst du nicht.
Streckenverlauf & Landschaft
Abzweig bis Oviedo (km 0–40,3): Hinter Villaviciosa trennt sich der Weg von der Küstenroute und steigt über La Fontana und Ambás in die Hügel. Bei km 7,3 erreichst du zwischen Arbazal und Valvidares mit 406 Metern den höchsten Punkt; unten im Tal liegt Valdediós mit dem Kloster, knapp zwei Kilometer abseits. Über Figares, Pedrosa und La Vega läufst du in die Ebene von Pola de Siero (km 23,2). Danach wird es flacher und städtischer: El Berrón, Meres mit der romanischen Kirche San Martín de Argüelles, Granda und die alte Brücke von Colloto über den Nora, bevor du durch die Außenbezirke ins Zentrum von Oviedo kommst.
Oviedo bis Avilés (km 40,3–69,6): Aus Oviedo hinaus geht es über Cuyences und Llaviada nach Cayés und Ables, durch das Gemeindegebiet von Llanera (km 51,5). Hinter La Miranda fällt der Weg von knapp 200 Metern hinunter nach El Llano und Cancienes (km 62,3), durch Corvera de Asturias und La Rozona erreichst du auf 12 Metern Avilés. Landschaftlich wechseln sich Wiesen und Eukalyptus mit Siedlungsband ab; die Altstadt von Avilés mit ihren Arkaden ist der Lohn am Ende.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in 3 Etappen; Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 69,7 km kalibriert. Wer in Villaviciosa übernachtet, rechnet für den ersten Tag die gut drei Kilometer bis zum Abzweig dazu. Die dritte Etappe ist lang; teilen kannst du sie in Llanera, wo es Hostales gibt.
- Abzweig bei Villaviciosa → Pola de Siero (23,2 km) — der Bergtag: Anstieg auf 406 m, dann Hügel, Wiesen und Weiler; Abstecher nach Valdediós möglich.
- Pola de Siero → Oviedo (17,1 km) — flach und kurz, über El Berrón und die Brücke von Colloto in die Stadt; Zeit für die Kathedrale.
- Oviedo → Avilés (29,4 km) — über Cayés und Llanera, dann bergab nach Cancienes und Corvera, viel Asphalt und Siedlung bis Avilés.
Technisch ist nichts schwierig. Die Steigung des ersten Morgens ist kurz und kräftig, danach läuft es in sanften Wellen. Anstrengend ist der Untergrund: Ein großer Teil liegt auf Asphalt, und nach Regen sind die Feldwege im Sariego schlammig.
Der Umweg mit Rückweg: warum Pilger für den Salvador die Küste verließen
Der alte Salvador-Spruch, wer nach Santiago gehe und nicht zum Salvador, besuche den Diener und lasse den Herrn aus, bringt Pilger seit dem Mittelalter dazu, nach Oviedo abzubiegen. Auf diesem Weg zeigt sich eine andere Seite davon: Wer für den Salvador die Küste verließ, musste nicht für immer ins Gebirge. Die Xacopedia nennt einen namentlich bekannten Pilger, der genau so ging: Jakub Sobieski, der Vater des späteren polnischen Königs Johann III., wich 1611 vom Küstenweg nach Oviedo ab und setzte seine Reise danach über Ribadeo fort, also wieder an der Küste. Rund 120 Jahre davor, 1489, hatte der armenische Bischof Martyr von Arzendjan den ersten Bericht über die nördliche Route geschrieben.
Die Logik ist die eines Hafens. Avilés erhielt 1085 von Alfons VI. ein Stadtrecht, das Alfons VII. 1155 bestätigte; die Abschrift von 1155 gilt als ältester erhaltener Beleg der asturischen Sprache und liegt seit 2009 im Stadtarchiv. Über diesen Hafen kamen seit dem 12. Jahrhundert Pilger aus Nordeuropa ins Land, über die Straße durch Llanera erreichten sie Oviedo – und auf demselben Weg ging es zurück zur Küste. Was dir heute als Schleife erscheint, war einmal die Straße zwischen der Hauptstadt und ihrem Hafen.
Die meisten Wege führen nach Oviedo. Dieser führt auch wieder hinaus. Und ganz am Ende wartet noch eine Übergabe der anderen Art – in der Kirche der Franziskaner von Avilés liegt laut Xacopedia Pedro Menéndez de Avilés, 1519 hier geboren, der am 8. September 1565 San Agustín in Florida gründete, die älteste durchgehend bewohnte europäische Stadt der heutigen USA. Ein Seefahrer aus dem Pilgerhafen.
Highlights am Weg
- Valdediós (Abstecher bei km 5,9) — San Salvador, das „Conventín“, laut Inschrift „SUB ERA DCCCCXXX“ geweiht, also 892, von sieben Bischöfen; daneben das Zisterzienserkloster Santa María, am 27. November 1200 von Alfons IX. gegründet, Kirche 1218 bis um 1225 gebaut, 1835 aufgehoben, heute mit kleiner Pilgerherberge.
- Pola de Siero (km 23,2) — Marktstadt mit Hospital San Pedro von 1141, laut Xacopedia „probablemente la hospedería más antigua del Camino de Santiago por la costa“, gestiftet von María Ordóñez; Stadtrecht unter Alfons X., wirksam erst 1310.
- Brücke von Colloto (km 36,0) — 36,6 Meter lang, zwei Bögen über den Nora, „römisch“ genannt, ihr Alter ist umstritten; seit 2003 Bien de Interés Cultural.
- Oviedo (km 40,3) — Kathedrale San Salvador mit der Cámara Santa; dazu San Julián de los Prados, Santullano genannt, unter Alfons II. zwischen 791 und 842 gebaut, wo die Straße nach Avilés beginnt; Welterbe seit 1985, erweitert 1998.
- Santiago de Arlós (Llanera) — romanische Kirche des 12. Jahrhunderts mit Jakobus-Patrozinium, laut Xacopedia am Weg im Gemeindegebiet Llanera.
- Avilés (km 69,6) — Altstadt mit Arkaden, seit 1955 geschütztes Ensemble; Pilgerherberge Pedro Solís, benannt nach dem Stifter eines Hospitals des 16. Jahrhunderts.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Fast alle kommen auf dem Camino del Norte von Osten, über Ribadesella und Villaviciosa. Die Entscheidung fällt am Abzweig hinter Villaviciosa: geradeaus zur Küste nach Gijón oder links nach Oviedo. Geplant wird ab Villaviciosa, weil dort die Betten sind.
Den zweiten Teil, Oviedo–Avilés, nutzen auch Pilger, die aus dem Süden in Oviedo ankommen und von dort lieber an der Küste als im Gebirge weitergehen wollen:
- Camino San Salvador — von León über das Kantabrische Gebirge zur Kathedrale von Oviedo
- Camino de las Asturias — von Pamplona am Fuß der Berge entlang nach Oviedo
Weiterpilgern?
In Avilés bist du zurück auf dem Camino del Norte. Er führt weiter nach Westen an die wilde Küste Westasturiens, über Luarca und Ribadeo nach Galicien; bei Arzúa mündet er in den Camino Francés und erreicht Santiago. Llanera liegt laut Xacopedia 321 Kilometer vor Santiago.
Wer in Oviedo merkt, dass ihn die Berge mehr reizen als das Meer, wechselt dort auf den Camino Primitivo. Laut Xacopedia ist die Linie über Oviedo ab Villaviciosa sogar kürzer: 355 Kilometer bis Santiago, über Gijón sind es 377.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen spanischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Herbergen zu übernachten und am Ende die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. Hol dir in der Kathedrale von Oviedo einen Stempel; mit der Credencial ist der Eintritt für Pilger ermäßigt. Die Etappen planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Unterkunft. Die Pilgerherberge von Pola de Siero liegt am Ortsausgang direkt am Weg, wird vom örtlichen Pilgerverein betreut, hat 24 Plätze und ist ganzjährig offen. In Oviedo gibt es die Herberge El Salvador, in Avilés die Herberge Pedro Solís am Rand der Altstadt. Zwischen Oviedo und Avilés solltest du nicht mit einer Pilgerherberge rechnen; wer die Etappe teilt, schläft in Llanera im Hostal.
Jahreszeit. Asturien ist grün, weil es regnet – auch im Sommer. Regenjacke und Gamaschen gehören ins Gepäck, die Feldwege der ersten Etappe werden schnell matschig. Im Juli und August ist Oviedo voll, die Herbergen am Norte füllen sich mittags.
Was dich der Weg kostet
Die Herbergen sind günstig: Pola de Siero 10 €, El Salvador in Oviedo 7,50 €, Pedro Solís in Avilés 10 € (Stand: Oktober 2026). Ein Hostal in Avilés beginnt bei rund 35 € fürs Einzel- und 45 € fürs Doppelzimmer. Credencial und Compostela kosten nichts oder eine kleine Spende.
Rechne mit 30 bis 45 € pro Tag mit Herberge, Bar-Frühstück und Menú del día, mit Hostal 55 bis 75 €. Ehrlich gesagt kostet dich der Ruhetag in Oviedo mehr als jede Etappe – die Sidrerías der Calle Gascona sind schuld.
Anreise
Zum Start. Villaviciosa erreichst du mit ALSA-Bussen ab Oviedo und Gijón. Der Flughafen Asturias liegt nahe Avilés, Fernzüge kommen in Oviedo an; seit Ende 2023 fährt der AVE von Madrid durch die neuen Pajares-Tunnel in gut drei Stunden.
Vom Ziel. Avilés hat Nahverkehrszüge der Renfe nach Oviedo und Gijón und Busse zum Flughafen. Wer in Avilés aufhört, ist mit dem Zug schnell zurück in Oviedo.
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
Alles, was du für den Camino del Norte via Oviedo – Der Umweg über die heilige Stadt brauchst, direkt zu dir nach Hause.
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