Camino Lubuska auf der Karte

Camino Lubuska

283,7 Kilometer in zwölf Etappen von Murowana Goślina bei Poznań bis an die Oder in Frankfurt: ein flacher, waldreicher Zwei-Wochen-Camino durch Großpolen und das Lebuser Seenland, entstanden als deutsch-polnisches Projekt. Zwei Jakobskirchen, ein Marienbild, das ein König 1671 persönlich zurückbrachte, eine Abtei, die bis auf die Fundamente abgetragen wurde — und am Ende die einzige Brücke, über die ein polnischer Jakobsweg nach Deutschland führt.

6. September 202615 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Murowana Goślina, Jakobskirche / Frankfurt (Oder), Stadtbrücke von Słubice
  • Länge: 283,7 km
  • Dauer: 12 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 1.177 m / ↘ 1.233 m
  • Höchster Punkt: 153 m; tiefster Punkt 21 m an der Oder
  • Etappen: 12 (offizielle Gliederung des Trägers, Kilometer auf unsere Route kalibriert)
  • Richtung: Ost → West, von Großpolen ins Lebuser Land
  • Entstehung: 2005–2007 als deutsch-polnisches Projekt
  • Markierung: gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund und gelbe Pfeile; streckenweise parallel zum E11
  • Jakobskirchen: Murowana Goślina (1406 erwähnt) und Ośno Lubuskie (1298); Ostroróg trug das Patrozinium früher
  • Anschluss Osten: Murowana Goślina ist Kreuzungspunkt von Camino Polaco und Camino Wielkopolska
  • Anschluss Westen: in Frankfurt (Oder) das brandenburgische Wegenetz — Berlin, Bad Wilsnack, Via Imperii nach Leipzig
  • Beste Zeit: Mai bis September

Überblick

Der Camino Lubuska ist Polens Weg nach Westen. Du beginnst in Murowana Goślina, keine dreißig Kilometer nördlich von Poznań, an einer Jakobskirche, deren Pfarrei aus dem 12. Jahrhundert stammt, und gehst durch Großpolen, wie es im Buch steht: Felder, Alleen, Gutsdörfer, ein alter Postweg, die Kollegiatkirche von Szamotuły, die Warta bei Wronki. Ab Sieraków ändert sich alles — der Weg taucht in die Seenplatte zwischen Międzychód und Pszczew ein und kommt bis Międzyrzecz kaum wieder heraus: Kiefernwald, Buchen, Sand, Wasser. Der westliche Teil ist der stillste. Święty Wojciech, wo nach der Überlieferung 1003 die ersten Märtyrer Polens starben; Bledzew, wo eine ganze Zisterzienserabtei spurlos verschwunden ist; Ośno Lubuskie mit Mauerring und Jakobskirche von 1298. Dann wird das Land flacher und flacher, bis du in Słubice an der Oder stehst — und über die Stadtbrücke nach Frankfurt gehst.

Was den Weg trägt, ist seine Grenzlage in jedem Sinn: Er entstand zwischen 2005 und 2007 als deutsch-polnisches Projekt, er verbindet die Zisterzienser aus der Niederlausitz mit den Bischöfen von Poznań, und er ist der einzige polnische Jakobsweg, der über eine offene Landesgrenze führt. Dazu kommt in Rokitno eine Geschichte, wie sie kein anderer Weg hat — ein Marienbild von vierzig mal siebenundzwanzig Zentimetern, das ein polnischer König 1671 nach Warschau holte und persönlich zurückbrachte. Ehrlich gesagt ist das hier aber kein Weg für Spontane: Es gibt kein Herbergsnetz, sieben der zwölf Etappen sind länger als zwanzig Kilometer, und du wirst oft der einzige Pilger im Ort sein. Wer das mag, findet zwei Wochen Ruhe, Wasser und Geschichte — eine Zugstunde von Berlin entfernt.

Andere Namen

Auf Polnisch heißt der Weg Lubuska Droga św. Jakuba, kurz Droga Lubuska; auf Deutsch Lebuser Jakobsweg oder Jakobsweg des Lebuser Landes — ein durchgesetzter deutscher Standardname existiert nicht. Weil der polnische Endpunkt Słubice heißt, findest du die Route in Übersichten mal als „Murowana Goślina – Słubice", mal als „Murowana Goślina – Frankfurt (Oder)" und gelegentlich als „Gniezno – Słubice", weil manche Kartenportale den Zubringer aus Gnesen mitzählen. Gemeint ist immer derselbe Weg.

Bei den Zahlen musst du sortieren. Der Träger nennt rund 250 Kilometer, seine zwölf Etappenangaben summieren sich aber nur auf 196 — ein Rechenwert, kein Messwert. GPS-Portale kommen mit allen Varianten auf über 350 Kilometer, weil sie die Alternativen über Wartosław und Łagów mitzählen. Unsere Route misst 283,7 Kilometer ohne Varianten; die Etappen unten sind darauf kalibriert, wobei die Kilometer der Etappen 8 und 9 hochgerechnet sind, weil für sie keine GPS-Messung vorliegt. Und zur Höhe: Der Weg steigt auf 284 Kilometern insgesamt 1.177 Meter — das ist weniger als eine einzige Alpenetappe.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist dieser Weg, wenn du einen echten Zwei-Wochen-Camino willst, ohne nach Spanien zu fliegen — von Berlin bist du mit dem Zug in gut einer Stunde am Ziel und in gut drei Stunden am Start, und beide Enden liegen an derselben Bahnmagistrale. Ideal, wenn du Wasser und Wald magst: Ab Sieraków läufst du tagelang durch Seenlandschaft, und im Hochsommer ist ein See nach 25 Kilometern Sandweg mehr wert als jede Herberge. Ideal auch, wenn dich deutsch-polnische Geschichte interessiert — dieser Weg ist voll davon, von den Zisterziensern aus Dobrilugk bis zur Doppelstadt an der Oder. Und ideal, wenn du flach gehen willst.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du ein Herbergsnetz brauchst — es gibt keins, du planst jede Nacht einzeln, und die Nächte in Bledzew und Święty Wojciech sind die schwierigsten des Weges. Nichts für dich auch, wenn du Etappen unter zwanzig Kilometern erwartest: Sieben der zwölf liegen darüber, die längste bei 33,3 Kilometern. Wer auf Pilgergesellschaft hofft, wird enttäuscht — der Weg ist auch nach fast zwanzig Jahren wenig begangen. Und wer Höhenmeter als Erlebnis braucht, ist hier falsch: Es gibt nichts zu steigen.

Streckenverlauf & Landschaft

Der Weg gliedert sich in drei Teile. Großpolen: Von Murowana Goślina folgst du einem historischen Postweg über Mściszewo und Łukowo nach Oborniki am Zusammenfluss von Warta und Wełna — am ersten Tag durch das Naturschutzgebiet Śnieżycowy Jar, die Märzenbecher-Schlucht, im März und April ein weißer Waldboden. Über Objezierze mit seinem klassizistischen Palais erreichst du Szamotuły mit Kollegiatkirche und Halszka-Turm, über Ostroróg, wo die Kirche einst dem heiligen Jakobus geweiht war, Wronki an der Warta und über Biezdrowo Sieraków. Das Seenland: Ab Sieraków taucht der Weg in die Międzychód-Sieraków-Seenplatte ein — Kiefernwald, Sander, Seen, Dörfer, die man von der Straße aus nie sehen würde. Międzychód, Pszczew zwischen seinen Seen, einst Besitz der Posener Bischöfe, dann Rokitno mit der Basilika und Międzyrzecz mit der Ruine der Piastenburg.

Das Lebuser Land: Über Święty Wojciech an der Obra kommst du nach Bledzew, wo die Zisterzienserabtei stand, über Lubniewice zwischen drei Seen nach Sulęcin am Rand des Łagów-Seengebiets, weiter nach Ośno Lubuskie mit seinem fast vollständig erhaltenen Mauerring und zum Bahnknoten Rzepin. Der letzte Tag wird flacher und flacher, bis du bei Słubice an der Oder stehst. Über die Stadtbrücke: Frankfurt, Marienkirche, Ende.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Träger gliedert den Weg in zwölf Etappen; wir übernehmen die Gliederung und kalibrieren die Kilometer auf die exakte Länge unserer Route. Die Etappen 8 und 9 sind hochgerechnet, weil für sie keine GPS-Messung veröffentlicht ist. Tipp: Teile Etappe 9 in Lubniewice — dann hast du dreizehn Tage, keine Etappe über 29 Kilometer und übernachtest an einem der schönsten Orte des Westteils.

  1. Murowana Goślina – Mściszewo – Łukowo – Oborniki (16,8 km) — Jakobskirche, historischer Postweg, Märzenbecher-Schlucht Śnieżycowy Jar.
  2. Oborniki – Objezierze – Szamotuły (19,8 km) — Warta und Wełna, Palais Objezierze, Kollegiatkirche und Halszka-Turm.
  3. Szamotuły – Ostroróg – Wronki (25,9 km) — ehemalige Jakobskirche Ostroróg, Klosterstadt an der Warta.
  4. Wronki – Biezdrowo – Sieraków (27,4 km) — Barockkirche Biezdrowo, Opaliński-Schloss und Sarkophage.
  5. Sieraków – Międzychód (18,6 km) — Einstieg in die Seenplatte, Kiefernwald und Wasser.
  6. Międzychód – Pszczew (22,7 km) — Pszczew-Seen, alter Bischofsbesitz.
  7. Pszczew – Rokitno – Międzyrzecz (28,6 km) — Basilika von Rokitno, Ruine der Piastenburg.
  8. Międzyrzecz – Święty Wojciech – Bledzew (23,2 km) — Holzkirche der Fünf Brüder Märtyrer, verschwundene Zisterzienserabtei.
  9. Bledzew – Lubniewice – Sulęcin (33,3 km) — längste Etappe; Schlösser und drei Seen in Lubniewice, teilbar.
  10. Sulęcin – Ośno Lubuskie (27,2 km) — Łagów-Seengebiet, Mauerring und Jakobskirche von 1298.
  11. Ośno Lubuskie – Rzepin (15,2 km) — kurzer Tag zum Bahnknoten.
  12. Rzepin – Słubice – Frankfurt (Oder) (25,0 km) — flaches Oderland, Stadtbrücke, Marienkirche.

Schwierigkeit: leicht bis mittel — nicht wegen des Geländes, sondern wegen der Etappenlängen und der dünnen Infrastruktur. Untergrund: Waldwege, Sandpisten, Feldwege und Seeuferpfade, streckenweise auf dem Europäischen Fernwanderweg E11; Asphalt grob ein Drittel, im großpolnischen Ostteil mehr als im waldigen Westen. Das eigentliche Thema dieser Route ist Sand: nach Trockenheit weich und zäh, nach Regen voller Pfützen. Wer 25 Kilometer am Tag mit Gepäck geht und Unterkünfte vorab organisiert, kommt problemlos durch.

Das Bild, das ein König zurückbrachte

In der Basilika von Rokitno hängt ein Marienbild von vierzig mal siebenundzwanzig Zentimetern, gemalt im frühen 16. Jahrhundert auf Lindenholz, Maria auf vergoldetem Grund. Es hat ein Detail, das man erst sieht, wenn man nah herangeht: Ein Ohr der Muttergottes liegt frei. Deshalb heißt sie hier „die geduldig Zuhörende", Matka Boża Cierpliwie Słuchająca. Das Bild kam nicht aus Rokitno. Abt Kazimierz Jan Opaliński brachte es 1669 aus dem Zisterzienserkloster Bledzew hierher — aus jener Abtei, an der du zwei Tage später vorbeikommst und von der nichts mehr steht. 1670 erklärte eine theologische Kommission das Bild für wundertätig. Ein Jahr später ließ König Michał Korybut Wiśniowiecki es nach Warschau holen. Als die Friedensverhandlungen bei Lublin gelangen, schrieb er den Erfolg dem Bild zu, ließ einen weißen Adler mit der Inschrift „Da pacem Domine in diebus nostris" — „Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen" — daraufsetzen, stellte es in die Kapelle des Königsschlosses und ließ es am 21. November 1671 nach Rokitno zurückbringen.

Seither ist Rokitno der Wallfahrtsort des Lebuser Landes. 1971 wurde die Madonna Patronin der Diözese Zielona Góra-Gorzów, 1989 krönte Primas Józef Glemp das Bild vor 120.000 Pilgern, 2001 wurde die Kirche Basilica minor, und 2024 erklärte Polen die Anlage zum Pomnik Historii, zum nationalen Geschichtsdenkmal. Die Pointe des Weges liegt aber in Bledzew, dem Herkunftsort: Zisterzienser aus dem niederlausitzischen Dobrilugk hatten sich hier nach 1407 endgültig niedergelassen, Preußen löste das Kloster zum 31. Dezember 1835 auf und versteigerte 1842 die Gebäude mit der Auflage, alles einschließlich der Kirche bis auf die Fundamente abzutragen; 1843 war der Komplex weg, die Steine steckten in den Häusern des Dorfes. Was überlebte, war das kleine Bild — weil ein Abt es sechs Generationen vorher in ein Dorf zwölf Kilometer weiter gebracht hatte. Ehrlich gesagt ist Rokitno der einzige Ort dieses Weges mit echter Pilgerinfrastruktur; nutze ihn.

Highlights am Weg

  • Jakobskirche Murowana Goślina — Pfarrei aus dem 12. Jahrhundert, 1406 erstmals urkundlich; spätgotisches Langhaus, Barockchor von 1717, der Pompeo Ferrari zugeschrieben wird; Renaissance-Grabplatte der Urszula Potulicka († 1575). Startpunkt und Kreuzung zweier Jakobswege.
  • Śnieżycowy Jar — Märzenbecher-Naturschutzgebiet am ersten Tag; im März und April ein weißer Waldboden.
  • Szamotuły — spätgotische Kollegiatkirche und der Halszka-Turm des Górka-Schlosses, benannt nach Elżbieta Ostrogska (1539–1582), der reichsten Erbin Polens, die hier der Überlieferung nach hinter einem schwarzen Schleier festgehalten wurde — Legende mit historischem Kern.
  • Ostroróg — die Kirche trug einst das Jakobuspatrozinium; Stammsitz der Familie, aus der der Reformpublizist Jan Ostroróg (1436–1501) stammte.
  • Sieraków — Schlossmuseum der Opaliński und die ehemalige Bernhardinerkirche mit den Zinnsarkophagen der Familie in der Krypta; Tor zur Seenplatte.
  • Rokitno — Basilika der „geduldig Zuhörenden": Bild aus dem frühen 16. Jahrhundert, 1669 aus Bledzew, 1671 vom König zurückgebracht, Pomnik Historii seit 2024. Pilgerhaus.
  • Międzyrzecz — Ruine der Piastenburg und das Museum mit einer der bedeutendsten Sammlungen barocker Sargporträts Polens.
  • Święty Wojciech — Holzkirche von 1768 über dem vermuteten Ort, an dem in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1003 die Fünf Brüder Märtyrer Benedykt, Jan, Izaak, Mateusz und Krystyn starben, die ersten Heiligen Polens; Ausgrabungen fanden Bestattungen ab dem 11. Jahrhundert. Ob der Mordort hier oder in Kazimierz Biskupi lag, ist bis heute strittig.
  • Bledzew — die Abtei, die es nicht mehr gibt: Zisterzienser aus Dobrilugk seit den 1230er Jahren, ab 1407 in Bledzew, 1458 Stadtrecht, 1835 aufgelöst, 1842/43 bis auf die Fundamente abgetragen.
  • Lubniewice — Neues Schloss von 1909 und Altes Schloss, drei Seen, ein Park dazwischen.
  • Jakobskirche Ośno Lubuskie — gegründet 1298, 1538 evangelisch, seit 1895 wieder katholische Pfarrei; Patronatsfest am 25. Juli; dazu ein fast vollständig erhaltener mittelalterlicher Mauerring der „Maiglöckchenstadt".
  • Frankfurt (Oder) und Słubice — St. Marienkirche mit drei zwölf Meter hohen mittelalterlichen Chorfenstern, Rathaus ab 1253, Lennépark von 1845; in Słubice die Aussichtsplattform des Collegium Polonicum über beide Städte und die Oder.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Murowana Goślina ist ein Knoten, kein Anfang. Hier laufen zwei Wege zusammen: Aus dem Nordosten kommt das Camino Polaco von Olsztyn über Toruń nach Gniezno — der Camino Lubuska versteht sich ausdrücklich als dessen natürliche Fortsetzung nach Westen. Und quer dazu verläuft der Camino Wielkopolska, 282 Kilometer von Mogilno über Poznań nach Głogów, 2006 eingerichtet als Rekonstruktion eines schon 1563 erwähnten Pilgerpfads; die Jakobskirche von Murowana Goślina zählt zu seinen Stationen. Keiner der beiden Wege endet hier — sie kreuzen sich.

Praktisch heißt das: Wer aus Gnesen oder Thorn kommt, geht einfach weiter nach Westen. Wer aus Poznań kommt, steigt hier ein — Murowana Goślina liegt an der Regionalbahn nach Wągrowiec, eine gute halbe Stunde vom Hauptbahnhof. Und wer den Weg als eigenständige Zwei-Wochen-Tour plant, fährt oder fliegt nach Poznań und steht eine Stunde später an der Jakobskirche.

Weiterpilgern?

Nach Westen übernimmt in Frankfurt (Oder) das brandenburgische Wegenetz, und es verzweigt sich in drei Richtungen: eine Nordroute über Fürstenwalde und Müncheberg nach Bernau und weiter zum Wallfahrtsort Bad Wilsnack, eine Südroute nach Berlin und die Via Imperii, die von Szczecin über Berlin nach Leipzig führt und deren Leipziger Abschnitt seit Frühjahr 2015 durchgehend ausgeschildert ist. Ehrlich gesagt musst du hier eine Verwechslung vermeiden: Der Weg von Frankfurt nach Leipzig ist nicht die Via Regia — die verläuft weiter südlich über Görlitz. Erst in Leipzig triffst du auf die Via Regia, den Ökumenischen Pilgerweg, der von Görlitz über Erfurt nach Vacha und weiter Richtung Rhein führt.

Nach Osten führt der Weg zurück über Murowana Goślina auf das Camino Polaco nach Gniezno, Toruń und Olsztyn — oder auf den Camino Wielkopolska nach Poznań und Głogów, von wo das Netz weiter zur Via Regia Polska und nach Zgorzelec reicht. Wer die Oder entlang nach Norden denkt, findet mit dem Camino Pomorska den pommerschen Strang Richtung Szczecin. Der Camino Lubuska ist damit kein Endstück, sondern das Bindeglied zwischen dem polnischen Netz und den deutschen Wegen nach Westen.

Vorbereitung & Praktisches

Die beste Zeit ist Mai bis September; der April lohnt für den Märzenbecher-Wald am ersten Tag, ist aber nass, und im Oktober schließen viele Agroturystyka-Betriebe. Ein Herbergsnetz gibt es nicht. Du kombinierst Pfarrhäuser (plebania — vorab anrufen; realistische Chancen in Murowana Goślina, Rokitno und Ośno Lubuskie), das Pilgerhaus des Sanktuariums Rokitno, Agroturystyka im Seengebiet zwischen Sieraków und Pszczew, Pensionen und Hotels in den Städten von Oborniki bis Frankfurt sowie Campingplätze an den Seen von Sieraków, Pszczew und Lubniewice. Die schwierigsten Nächte sind Bledzew und Święty Wojciech — plane Etappe 8 und 9 zuerst. Faustregel: zwei bis drei Tage im Voraus buchen, in der Ferienzeit im Seengebiet mehr. Deine Etappen und Quartiere planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App.

Den Pilgerausweis bekommst du über den Trägerverein auf camino.net.pl, auf deutscher Seite bei den St.-Jakobus-Gesellschaften. Stempel gibt es in Murowana Goślina, Szamotuły, Sieraków, in der Basilika Rokitno, in Międzyrzecz, Ośno Lubuskie und in Słubice oder Frankfurt. Die Markierung — gelbe Muschel auf blauem Grund plus Pfeile — läuft streckenweise parallel zum E11, was hilft und verwirrt zugleich; GPX und KML gibt es auf camino.net.pl, die App „Camino w Polsce" hat Offline-Karte, Kirchen und Unterkünfte. Auf 284 Kilometern mit dünner Beschilderung ist das Pflichtausrüstung. Sprache: Polnisch; in Poznań und im Grenzraum kommst du mit Deutsch und Englisch weit, in den Dörfern des Lebuser Landes kaum. Für den Grenzübertritt gehst du einfach über die Stadtbrücke — Personalausweis mitnehmen, stichprobenhafte Kontrollen sind möglich. Packliste: Zeckenschutz, Mückenmittel für das Seengebiet im Juni und Juli, Badesachen, Wasser für 30 Kilometer, Bargeld in Złoty und Euro für den letzten Tag.

Was dich der Weg kostet

Ehrlich gesagt ist der Camino Lubuska auf polnischer Seite ein günstiger Weg — die Zahlen hier sind Marktschätzungen, keine abgefragten Einzelpreise (Stand: September 2026, rund 4,25 Złoty pro Euro). Eine Nacht im Pfarrhaus kostet auf Spendenbasis etwa 30–60 PLN (7–14 €), das Pilgerhaus Rokitno 50–90 PLN (12–21 €), eine Agroturystyka mit Frühstück 90–160 PLN (21–38 €), ein Doppelzimmer in Pension oder Hotel 190–330 PLN (45–78 €), ein Zeltplatz 30–50 PLN. Ein Mittagessen in Milchbar oder Gasthaus liegt bei 25–45 PLN, ein Abendessen bei 45–85 PLN, Selbstversorgung am Tag bei 30–55 PLN. Die letzte Nacht in Frankfurt (Oder) liegt auf deutschem Preisniveau — rechne mit 55–95 € und sprenge damit jedes polnische Tagesbudget.

Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Zelt oder Pfarrhaus und Selbstversorgung 80–130 PLN (19–31 €), mittel mit Agroturystyka und einem warmen Essen 170–250 PLN (40–59 €), komfortabel mit Hotel und Restaurant 300–450 PLN (70–106 €). Für zwölf Tage macht das grob 235–375 € (ca. 1.000–1.600 PLN) sparsam, 495–705 € (ca. 2.200–3.100 PLN) mittel und 845–1.270 € (ca. 3.700–5.500 PLN) komfortabel, jeweils ohne Anreise und ohne die teurere letzte Nacht. Fixkosten: Pilgerausweis 15–25 PLN (4–6 €) (Stand: September 2026). Kirchen, Basilika und Burgruine kosten nichts.

Anreise

Zum Start (Murowana Goślina): Der Ort liegt rund 25 Kilometer nördlich von Poznań an der Bahnstrecke Poznań–Wągrowiec; Regionalzüge fahren mehrfach täglich, Fahrzeit ab Poznań Główny etwa 30–40 Minuten. Nach Poznań kommst du mit dem EC Berlin–Warszawa (ab Berlin Hbf rund 2:45 h), mit PKP Intercity aus Warschau (rund 2:30 h) oder über den Flughafen Poznań-Ławica.

Unterwegs: Bahnanschluss haben Oborniki, Szamotuły, Wronki, Międzychód, Międzyrzecz und Rzepin — die Route lässt sich problemlos in zwei Hälften teilen.

Vom Ziel (Frankfurt/Oder): Frankfurt liegt an der Hauptstrecke Berlin–Poznań–Warszawa; nach Berlin Hbf brauchst du mit dem RE1 rund 1:15 h. Słubice selbst hat keinen relevanten Bahnanschluss — der Bahnhof der Region ist Rzepin auf Etappe 11, Knoten Richtung Poznań, Warschau, Szczecin und Wrocław. Weil beide Enden an derselben Magistrale liegen, ist die Rückreise zum Start ein Kinderspiel: Frankfurt (Oder) → Poznań dauert mit dem Regionalzug über Rzepin rund 2:30–3 Stunden.

  • Bahn Deutschland: bahn.de — Berlin, Frankfurt (Oder), Poznań
  • Bahn Polen: intercity.pl — Poznań, Rzepin, Międzyrzecz
  • Träger, GPX, App, Pilgerausweis: camino.net.pl — Droga Lubuska
  • Sanktuarium Rokitno: rokitno.org — Pilgerhaus, Gottesdienste, Geschichte des Bildes

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