Jakobsweg Sachsen-Anhalt
436,1 Kilometer durch das Herz Deutschlands: Der Jakobsweg Sachsen-Anhalt führt in 20 Etappen von Bad Wilsnack über Havelberg, Tangermünde, Stendal, Magdeburg, den Harznordrand und das Mansfelder Land bis Freyburg im Saale-Unstrut-Weinland — vorbei an Kirchen und Klöstern von St. Jacobi in Stendal über den Magdeburger Dom bis Kloster Helfta. 2005 aus der Taufe gehoben, schließt er die Lücke zwischen Ostsee und Via Regia.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 031243 verbrieft, 1959 gesprengt, 2005 wiedereröffnet
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Bad Wilsnack → Freyburg (Unstrut) nach der Camino-Ninja-Karte; Trägerbeschilderung Vehlen (Grenze zu Brandenburg) → Eckartsberga (Grenze zu Thüringen)
- Länge: 436,1 km (Camino-Ninja-Karte); der Träger nennt für Vehlen–Eckartsberga ca. 370 km
- Etappen: 20 (12–29 km); der Träger empfiehlt 18 Tagestouren (10–28 km)
- Dauer: ca. 3 Wochen
- Schwierigkeit: leicht bis mittel — flache Elb- und Bördeabschnitte, welliges Harzvorland
- Markierung: gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund — die geschlossene Seite zeigt in Gehrichtung; in Ortschaften teils sehr dezent
- Stationen: 32 evangelische und katholische Kirchen und Klöster mit Pilgerstempel
- Anschlüsse: Norden Baltisch-Mitteldeutscher Weg (Bad Wilsnack) · Süden Via Regia Deutschland (Freyburg) · Westen Braunschweiger Jakobsweg (Magdeburg)
Überblick
Der Jakobsweg Sachsen-Anhalt führt nach der Camino-Ninja-Karte über 436,1 Kilometer von Bad Wilsnack in Brandenburg bis Freyburg (Unstrut) im Süden des Landes; vom Träger beschildert ist er ab Vehlen bis Eckartsberga an der thüringischen Grenze — und sammelt dazwischen ein, was dieses Land an Bausubstanz zu bieten hat: 32 Kirchen und Klöster, vom ältesten Backsteinbau Norddeutschlands in Jerichow über den Magdeburger Dom — die erste von Anfang an gotisch geplante Kathedrale auf deutschem Boden — bis zu Quedlinburg, Kloster Helfta und dem Naumburger Dom. Erst macht er einen Haken nach Norden in die Altmark, zu den Hansestädten Tangermünde und Stendal, dann zieht er südwärts durch Börde, Harzvorland und das Weinland an Saale und Unstrut.
Dieser Weg tut nicht so, als wäre er alt: 2005 wurde er „aus der Taufe gehoben“, auf Initiative der Fränkischen St. Jakobusgesellschaft, die eine durchgehende Verbindung Berlin–Santiago wollte — Sachsen-Anhalt war das fehlende Mittelstück. Alt sind dafür seine Zeugen: das Jakobus-Patrozinium in Magdeburg, verbrieft 1243, und St. Jacobi in Stendal mit seiner Bauinschrift von 1340. Der Präsident des Trägervereins hat dem Weg seinen Satz mitgegeben: „In der christlichen Bedeutung erweist sich das heutige Pilgern als Beten mit den Füßen.“ Von Magdeburg bis Santiago sind es 2.900 Kilometer — hier gehst du die ersten 436.
1243 verbrieft, 1959 gesprengt, 2005 wiedereröffnet
Magdeburg hatte eine Jakobskirche, und ihre Geschichte ist die Geschichte dieses Weges im Zeitraffer: Sankt-Jakobi, begonnen zwischen 1213 und 1230 unter dem Dombaumeister-Erzbischof Albrecht von Käfernburg, erstmals verbrieft am 13. Mai 1243, das Schiff 1381 erneuert — sechshundert Jahre Stadtkirche an der Straße, die bis heute Jakobstraße heißt. Am 16. Januar 1945 brannte sie im schwersten Luftangriff auf Magdeburg aus, 1959 sprengte die DDR die Ruine. Geblieben sind ein Straßenname und ein Bronzemodell am Gehweg. Und 46 Jahre nach der Sprengung lief wieder ein Jakobsweg durch dieselbe Straße.
Der zweite Zeuge steht in Stendal und trägt sein Datum als Bauinschrift: „Am Osterfest 1340 nach Christi Geburt hat mich der Provisor Deneke Noye errichtet.“ In St. Jacobi steht Jakobus als Pilger mit Stab und Hut vor dem Kanzelfuß — und die Kirche nahm ihre Pilgertradition „in den 1980er Jahren“ wieder auf: in der DDR, zwanzig Jahre bevor irgendjemand einen Weg beschilderte. Beendet hatte das Wallfahren hier ausgerechnet die Reformation — Kloster Helfta 1542 säkularisiert, die Wilsnacker Wunderhostien 1552 vom eigenen Pfarrer verbrannt —, und der Weg führt mitten durch Lutherstadt Eisleben. Heute ist er ein ökumenischer Weg. Das wäre 1552 undenkbar gewesen.
Zur Ehrlichkeit dieses Weges gehört, was er nicht hat: keinen namentlich belegten Santiago-Pilger aus dem Land, keine Pilgerzeichen-Funde an seinen Stationen, nicht einmal einen Wikipedia-Artikel. Er ist keine wiederentdeckte Trasse, sondern gebaute Infrastruktur mit sauberem Verwaltungsnarrativ: 2001 begleitete der Magdeburger Priester Willi Kraning eine Pilgergruppe nach Santiago und gründete danach die Arbeitsgruppe, 2002 ging Pfarrer Roland Jourdan den spanischen Weg, 2005 wurde der Weg eröffnet und der Verein gegründet, seit 2014 führt das „Samstagspilgern“ jeden Sommer Etappe für Etappe durchs Land. Kein Kronzeuge — aber 32 Zeugen aus Stein. Das ist stärker als jede erfundene Kontinuität.
Andere Namen
Der Träger schreibt ihn Jakobusweg Sachsen-Anhalt — mit „us“, nach dem Apostel. Genauso oft findest du Jakobsweg Sachsen-Anhalt oder St. Jakobus-Pilgerweg Sachsen-Anhalt; der Wanderverband des Landes führt ihn schlicht als St. Jakobus-Pilgerweg. Gemeint ist immer derselbe Weg, dieselbe Muschel, dieselben 32 Stationen. Einen historischen Namen hat die Route nicht — als eigene Route existierte sie nie: Die Idee kam von außen, von der Fränkischen St. Jakobusgesellschaft, die eine durchgehende Verbindung von Berlin nach Santiago suchte, und zwischen Brandenburg und Thüringen fehlte das Mittelstück. Sachsen-Anhalt hat diese Lücke 2005 geschlossen. Wer den mittelalterlichen Namen dieses Weges sucht, findet keinen — er ist jung, und er sagt das selbst. Nicht zu verwechseln ist er übrigens mit dem Jakobsweg Sachsen: Das ist der Nachbarweg ab Bautzen, ein Bundesland und eine Via Regia weiter östlich.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn dich Bausubstanz mehr lockt als Bergpanorama: 436 Kilometer, 32 Kirchen und Klöster, dazwischen Elbauen, Börde und Harzvorland — die Dichte an Romanik und Gotik pro Tagesetappe ist in Deutschland kaum zu überbieten. Du gehst überwiegend auf Wander- und Radwegen, die Etappen liegen zwischen 12 und 29 Kilometern, und fast jede beginnt oder endet an einem Bahnhof. Genau dafür gibt es seit 2014 das Samstagspilgern: rund 20 Kilometer pro Samstag, Treffpunkt 9 Uhr am Ortsbahnhof, mit erfahrener Begleitung — wer den Weg nicht am Stück gehen will, geht ihn eben an 18 Samstagen.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du die Infrastruktur spanischer Wege erwartest: Das Herbergsnetz ist, wie es die Wegbeschreibungen selbst nennen, „noch locker geknüpft“ — Unterkünfte laufen über Kirchengemeinden und Tourist-Informationen, nicht über eine Albergue-Kette, und du telefonierst vorher. Auch die Markierung will Aufmerksamkeit: In den Ortschaften sind es teils kleine aufgemalte Muscheln an Bäumen und Steinen. Und wer Höhenmeter sucht, sucht falsch — zwischen Elbe und Börde gehst du weite, flache, offene Strecken mit wenig Schatten. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.
Streckenverlauf & Landschaft
Die Camino-Ninja-Route beginnt in Bad Wilsnack, dem großen Wallfahrtsort des Spätmittelalters knapp jenseits der Landesgrenze, und folgt zuerst der Elbe: über Havelberg und Werben durch die flache Niederung der Altmark nach Arneburg und in die Hansestädte Tangermünde und Stendal mit dem Jakobus-Patrozinium von St. Jacobi. Die Beschilderung des Trägers beginnt dagegen in Vehlen und erreicht Tangermünde über Jerichow am Ostufer der Elbe. Ab Stendal zieht der Weg südwärts, folgt der Elbniederung über Cobbel und Angern nach Wolmirstedt und erreicht über Hohenwarthe Magdeburg — seine wichtigste Kreuzung.
Ab Magdeburg wechselt die Landschaft dreimal grundlegend. Zuerst die Magdeburger Börde: Schwarzerde, Horizont bis zum Rand, kaum Schatten — schnelle Kilometer, aber du brauchst Wasser und einen Hut. Dann der Harznordrand zwischen Huysburg, Halberstadt, Quedlinburg, Gernrode und Ballenstedt, wo es wellig wird und die Etappen kürzer, weil an jeder Ecke ein Kloster steht. Zuletzt das Mansfelder Land mit seinen Bergbauspuren, das geflutete Braunkohlerevier am Geiseltalsee — und das Weinland an Saale und Unstrut: Freyburg, Naumburg, Eckartsberga. Der Weg hört an der thüringischen Grenze auf, weil dort das Bundesland endet. Weiter geht es trotzdem.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Die Camino-Ninja-Karte führt diesen Weg über 436,1 Kilometer von Bad Wilsnack bis Freyburg (Unstrut); wir teilen ihn in 20 Etappen zwischen 12 und 29 Kilometern, realistisch also rund drei Wochen (Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 436,1 km kalibriert). Der Träger beschildert eine etwas andere Linie: ab Vehlen über Jerichow und weiter über Naumburg bis Eckartsberga, mit rund 370 Kilometern und 18 empfohlenen Tagestouren von 10 bis 28 Kilometern, die sich mit einem Stadttag in Magdeburg und Abstechern zu Huysburg, Konradsburg und Helfta auf 409 Kilometer summieren. Technisch ist nichts schwierig; die einzigen nennenswerten Anstiege warten am Huy und am Harzrand. Höhenmeter gibt der Träger nicht an — verlass dich aufs Höhenprofil in der App statt auf gerundete Werte aus dritter Hand.
- Bad Wilsnack → Havelberg — ca. 20,7 km — vom spätmittelalterlichen Wallfahrtsort der Wunderhostien über Legde, Lennewitz und Neuwerben nach Havelberg an der Havel.
- Havelberg → Hohenberg-Krusemark — ca. 28,6 km — über Räbel und Werben durch die flache Elbniederung der Altmark, dann über Berge, Rosenhof und Kirch-Polkritz; lang und flach.
- Hohenberg-Krusemark → Tangermünde — ca. 23,1 km — über Groß Ellingen nach Arneburg über der Elbe, dann Billberge, Storkau und Hämerten bis in die Hansestadt Tangermünde.
- Tangermünde → Stendal — ca. 12,2 km — kurzer Tag über Miltern in die Hansestadt Stendal mit St. Jacobi — Zeit für beide Altstädte.
- Stendal → Cobbel — ca. 29,2 km — die längste Etappe: über Heeren und Grobleben südwärts, flach und wenig besiedelt am Rand der Elbniederung.
- Cobbel → Angern — ca. 18,9 km — über Wiesental und Rogätz durch Kiefernwald und Elbauen.
- Angern → Wolmirstedt — ca. 19,2 km — über Mose nach Wolmirstedt, wo das Bodelschwingh-Haus Pilger aufnimmt.
- Wolmirstedt → Magdeburg — ca. 22,9 km — über Glindenberg und Hohenwarthe am Wasserstraßenkreuz in die Landeshauptstadt und zum Dom.
- Magdeburg → Schönebeck (Elbe) — ca. 18,8 km — über Randau elbaufwärts in die Salzstadt Schönebeck-Salzelmen; genau diese Etappe eröffnete am 15. März 2014 das Samstagspilgern.
- Schönebeck (Elbe) → Atzendorf — ca. 23,7 km — über Eggersdorf, Großmühlingen und Eickendorf hinaus in die Magdeburger Börde: offener Ackerhorizont, wenig Schatten, viel Himmel.
- Atzendorf → Egeln — ca. 17,8 km — über Unseburg, Wolmirsleben und Tarthun zur Wasserburg Egeln.
- Egeln → Kloster Gröningen — ca. 19,1 km — über Hakeborn und Dalldorf zur ehemaligen Klosteranlage Gröningen an der Bode.
- Kloster Gröningen → Halberstadt — ca. 25,6 km — über Nienhagen und Schwanebeck hinauf auf den Huy-Rücken, wo das Benediktinerkloster Huysburg steht, dann hinab in die Domstadt Halberstadt; auf dem Huy liegt der höchste Punkt des Weges.
- Halberstadt → Quedlinburg — ca. 20,4 km — vom Domschatz zum Welterbe-Fachwerk: zwei der dichtesten Altstädte am Weg.
- Quedlinburg → Meisdorf — ca. 25,2 km — am Harznordrand über Bad Suderode, Gernrode mit der ottonischen Stiftskirche St. Cyriakus und Ballenstedt.
- Meisdorf → Hettstedt — ca. 24,4 km — die welligste Etappe: über Ulzigerode, Alterode, Sylda und Walbeck ins Mansfelder Land.
- Hettstedt → Lutherstadt Eisleben — ca. 18,1 km — durch die Bergbaulandschaft über Klostermansfeld, Benndorf und Helbra nach Eisleben; das Zisterzienserinnenkloster Helfta liegt am Stadtrand.
- Lutherstadt Eisleben → Querfurt — ca. 27,1 km — über Holzzelle, Rothenschirmbach, Osterhausen und Gatterstädt zur mächtigen Burg Querfurt.
- Querfurt → Mücheln — ca. 26,0 km — über die Querfurter Platte, Steigra und Schnellroda ins ehemalige Braunkohlerevier am Geiseltalsee, wo Tagebau zu Seenlandschaft geworden ist.
- Mücheln → Freyburg (Unstrut) — ca. 15,1 km — über Zeuchfeld ins Saale-Unstrut-Weinland; in Freyburg endet die Camino-Ninja-Route, und die Via Regia übernimmt — die Trägerbeschilderung führt noch über Naumburg bis Eckartsberga.
Der Verein selbst empfiehlt, „mit zwei kürzeren Etappen zu beginnen“ und das Tempo selbst zu bestimmen — und weil fast jede Etappe an einem Bahnhof beginnt oder endet (Tangermünde, Stendal, Wolmirstedt, Magdeburg, Schönebeck, Halberstadt, Quedlinburg, Hettstedt, Eisleben, Querfurt, Naumburg), funktioniert der Weg auch wochen- oder samstagsweise. Die Stationskette des Trägers beginnt übrigens erst bei Großwulkow hinter dem Trägerstart Vehlen; wer der Camino-Ninja-Route ab Bad Wilsnack folgt, trifft in Tangermünde auf die beschilderte Linie.
Highlights am Weg
- Kloster Jerichow — 1144 gegründet, 1172 vollendet: der älteste Backsteinbau Norddeutschlands, errichtet von Prämonstratensern aus dem Magdeburger Liebfrauenstift.
- St. Jacobi in Stendal — Bauinschrift von 1340, mittelalterliche Chorfenster, und vor dem Kanzelfuß steht Jakobus als Pilger mit Stab und Hut. Die Pilgertradition wurde hier schon in den 1980er Jahren wieder aufgenommen — in der DDR.
- Magdeburger Dom — Otto I. gründete hier 937 das Mauritiuskloster; nach dem Stadtbrand von 1207 entstand die erste von Anfang an gotisch konzipierte Kathedrale auf deutschem Boden, geweiht 1363, fertig erst 1520.
- Jakobstraße in Magdeburg — hier stand Sankt-Jakobi, verbrieft am 13. Mai 1243, ausgebrannt 1945, gesprengt 1959. Heute erinnert ein Bronzemodell an der Straße daran.
- Kloster Huysburg — Benediktinerkloster auf dem Huy-Rücken, der erste echte Anstieg des Weges.
- Quedlinburg — Fachwerk-Altstadt unterhalb der Stiftskirche, eine der dichtesten historischen Städte Deutschlands.
- Stiftskirche St. Cyriakus, Gernrode — ottonischer Bau am Harznordrand, eines der ältesten erhaltenen Zeugnisse der Romanik in Deutschland.
- Kloster Helfta — unter Äbtissin Gertrud von Hackeborn „Perle und Krone der deutschen Frauenklöster“, Heimat dreier Mystikerinnen; 1542 säkularisiert, seit dem 13. August 1999 wieder von Zisterzienserinnen bewohnt.
- Burg Querfurt — eine der größten Burganlagen Mitteldeutschlands, hoch über der Querfurter Platte.
- Naumburger Dom — mit den berühmten Stifterfiguren des Naumburger Meisters; daneben das Saale-Unstrut-Weinland mit den Terrassen um Freyburg.
- Eckartsburg über Eckartsberga — das Ziel an der thüringischen Grenze: Hier endet die Beschilderung — und die Via Regia übernimmt.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der natürlichste Zulauf kommt von Norden, und er ist eine echte Übergabe: Der Baltisch-Mitteldeutscher Weg führt in acht Etappen von Rostock nach Bad Wilsnack — und endet genau dort, wo die Camino-Ninja-Route dieses Weges beginnt. Wer von der Ostsee kommt, wechselt also nicht irgendwo im Feld die Route, sondern an einem der größten Wallfahrtsorte des spätmittelalterlichen Nordeuropas: In Wilsnack fand man 1383 die drei angeblich unversehrten Wunderhostien, 1384 stellte Papst Urban VI. den Ablassbrief aus, ab 1396 kursierten Wilsnacker Pilgerzeichen in ganz Europa. Bad Wilsnack ist zudem Sammelpunkt der „Wege nach Wilsnack“ — auch der Pilgerweg aus Berlin mündet dort ein.
Von überall sonst hilft die Bahn: Magdeburg, Stendal, Halberstadt, Quedlinburg, Eisleben und Naumburg haben Bahnanschluss, und weil fast jede Etappe an einem Bahnhof beginnt oder endet, steigst du an fast jedem Punkt ein statt nur am Anfang. Genau darauf baut das Samstagspilgern: rund 20 Kilometer pro Samstag, Treffpunkt 9 Uhr am Ortsbahnhof, seit 2014.
Weiterpilgern?
In Eckartsberga endet die Beschilderung, nicht der Weg — und die Fortsetzung hat schon eine Etappe früher begonnen: In Freyburg (Unstrut) trifft dein Weg auf den Ökumenischen Pilgerweg, die Via Regia Deutschland, die von Görlitz über Leipzig, Naumburg und Erfurt bis Vacha führt. Die letzten beiden Tagesetappen laufen in ihrem Korridor — wenn deine Muschel endet, gehst du einfach westwärts weiter, nur unter anderem Namen. Von Vacha aus trägt das mitteldeutsche Netz die Kette weiter Richtung Rhein und Frankreich, bis irgendwann der Camino Francés übernimmt.
Die zweite Möglichkeit liegt genau in der Mitte deines Weges: Am Magdeburger Dom beginnt der Braunschweiger Jakobsweg — 264,4 Kilometer auf dem mittelalterlichen Hellweg über Braunschweig und Hildesheim bis zum Welterbe Corvey, wo der Westfälischer Jakobsweg übernimmt. Magdeburg ist also keine Durchgangsstation, sondern eine Weiche: südwärts nach Eckartsberga oder westwärts an die Weser. Nur eines gehört zur ehrlichen Auskunft: Die Via Imperii berührt diesen Weg nicht direkt — sie kreuzt erst über die Via Regia bei Leipzig.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist April bis Oktober. Im Sommer ist die Börde zwischen Schönebeck und Kloster Gröningen offen und schattenlos — dort willst du früh los und Wasser dabeihaben. Der Harznordrand ist im Frühjahr und Herbst am schönsten, und die Weinterrassen an Saale und Unstrut lohnen besonders den September.
Bei der Unterkunft brauchst du Vorlauf: Das Herbergsnetz ist „noch locker geknüpft“ — keine Albergue-Kette, sondern Kirchengemeinden, Gemeindehäuser und Tourist-Informationen, dazu einzelne echte Pilgerquartiere wie das Pfarramt in Jerichow (Spendenbasis) oder das Bodelschwingh-Haus in Wolmirstedt. Ruf vorher an, lege die Etappenenden an Bahnhöfe und halte einen Plan B bereit. Mit der Camino Ninja App bist du auf der sicheren Seite — sie hat die komplette Route an Bord, und du stellst dir deine Etappen zusammen und planst passende Unterkünfte gleich mit ein.
Den Pilgerausweis (Credencial) brauchst du hier wirklich — die kirchlichen Quartiere öffnen für Pilger mit gültigem Ausweis, und gestempelt wird an den 32 Stationen; bestell ihn vorab online. Die Markierung ist die gelbe Muschel auf blauem Grund, deren geschlossene Seite in Gehrichtung zeigt — in den Ortschaften achte auf kleine aufgemalte Muscheln an Bäumen und Steinen, die Markierung ist dort teils sehr dezent. Wer Papier mag: Der Wanderverband verlegt einen Wanderführer mit 35 Karten im Maßstab 1:50.000, und der offizielle GPX-Track steht beim Verein zum Download.
Was dich der Weg kostet
Dieser Weg ist günstig — nicht weil alles billig wäre, sondern weil die kirchlichen Quartiere es sind: Das Pfarramt in Jerichow nimmt Pilger auf Spendenbasis auf, das Bodelschwingh-Haus in Wolmirstedt hat Einzelzimmer für kleines Geld, und die Gemeindehäuser entlang der 32 Stationen arbeiten ähnlich. Realistisch kalkulierst du 35 bis 55 Euro am Tag, wenn du kirchlich schläfst und im Supermarkt einkaufst; mit Hotel und Restaurant eher 70 bis 100 (Stand: August 2026). Einmalig kommen Pilgerausweis und der Wanderführer des Wanderverbands dazu. Und rechne die Bahnfahrten ein, wenn du wochenweise pilgerst — dafür sparst du jeden Gepäcktransport, weil du ohnehin am Bahnhof anfängst.
Anreise
Der Träger-Startpunkt Vehlen liegt im Landkreis Stendal, direkt an der brandenburgischen Grenze. Am praktikabelsten reist du über Stendal an (ICE- und Regionalhalt an der Strecke Berlin–Hannover) und legst die letzten Kilometer regional zurück — oder du kommst gleich zu Fuß: Der Baltisch-Mitteldeutscher Weg bringt dich von Rostock nach Bad Wilsnack, wo die Camino-Ninja-Route dieses Weges beginnt.
Der Endpunkt Eckartsberga hängt an Naumburg (Saale) — ICE-Halt an der Strecke Berlin–München. Wer weitergeht, braucht ohnehin keinen Zug: Die Via Regia Deutschland führt von hier über Erfurt und Eisenach weiter nach Vacha. Dazwischen gilt: Fast jede Etappe beginnt oder endet an einem Bahnhof — der Weg ist wie gemacht für Abschnittspilger.
- Anreise zum Start: Bahn bis Stendal (ICE Berlin–Hannover), weiter regional Richtung Havelberg; zu Fuß über Bad Wilsnack.
- Unterwegs ein-/aussteigen: Bahnhöfe u. a. in Tangermünde, Stendal, Wolmirstedt, Magdeburg, Schönebeck, Halberstadt, Quedlinburg, Hettstedt, Eisleben, Querfurt und Naumburg.
- Rückreise: Eckartsberga → Naumburg (Saale) Hbf (ICE Berlin–München); Fahrpläne unter bahn.de.
- Flughäfen: Leipzig/Halle (nahe Ziel), Berlin BER (nahe Start).
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