Kinzigtäler Jakobsweg auf der Karte

Kinzigtäler Jakobsweg

Der Kinzigtäler Jakobsweg führt in 134,1 Kilometern von der Kinzigquelle bei Loßburg durch den mittleren Schwarzwald bis über den Rhein zum Straßburger Münster — vorbei an Klöstern, Fachwerkstädtchen und der Jakobuskapelle Wolfach. 1993 vom Hausacher Heimatforscher Kurt Klein eigenhändig markiert, verbindet er den Schwarzwald mit dem Badischen Jakobsweg und dem Elsass.

1. September 202610 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Loßburg (Jakobusstein) / Straßburg (Münster)
  • Länge: 134,1 km
  • Dauer: 5–6 Tage (klassische Betreiber-Einteilung: 7 Etappen)
  • Höhenmeter: ↗ 2.202 m / ↘ 2.728 m
  • Höchster / tiefster Punkt: 666 m (Loßburg) / 133 m (Rheinebene)
  • Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll — die Mitteletappen tragen die Höhenmeter
  • Markierung: durchgehend beschildert; betreut von den Kinzigtäler Jakobusfreunden mit Streckenpaten
  • Länder: Deutschland und Frankreich (Rheinübertritt Kehl–Straßburg)
  • Anschluss: bei Schutterwald an den Badischen Jakobsweg
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober

Überblick

Der Kinzigtäler Jakobsweg beginnt an einer Quelle und endet an einem Münster: 134,1 Kilometer von der Kinzigquelle bei Loßburg flussabwärts durch den mittleren Schwarzwald, hinaus in die Rheinebene und über die Brücke nach Straßburg. Unterwegs reiht der Weg auf, was das Tal zu bieten hat — das Benediktinerkloster Alpirsbach von 1095, das Wallfahrtskloster Wittichen, die Fachwerkstädte Haslach und Gengenbach und gleich zwei Jakobuskapellen, von denen eine die wohl bewegteste Geschichte aller Kapellen am deutschen Wegenetz hat.

Alt tut dieser Weg nicht, und das muss er auch nicht: Er wurde 1992 auf einer Santiago-Pilgerfahrt erdacht und 1993 von einem Hausacher Heimatforscher eigenhändig mit Farbtopf und Pinsel markiert — eine Graswurzel-Gründung ohne Amt und Diözese, die bis heute von ehrenamtlichen Streckenpaten getragen wird. Dass Kinzigtäler im Mittelalter tatsächlich nach Santiago zogen, ist trotzdem belegt; sie nahmen dieselbe Richtung: das Tal hinab, über den Rhein, nach Westen.

Andere Namen

Zwei Schreibweisen sind parallel im Umlauf: Kinzigtäler Jakobsweg und Kinzigtäler Jakobusweg — beide meinen dieselbe Route, der Trägerkreis selbst („Kinzigtäler Jakobusfreunde") nutzt meist die längere Form. Eine amtliche oder kirchliche Doppelbenennung gibt es nicht; der Name ist schlicht Geografie: Das Tal, durch das der Weg führt, hat ihn getauft — und die Kinzig entspringt direkt am Startpunkt.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist der Kinzigtäler Jakobsweg, wenn du eine knappe Woche hast und einen Mittelgebirgsweg suchst, der wirklich etwas aufreiht: Klöster, Kapellen, Fachwerkstädte, ein Fluss von der Quelle bis zur Mündungsebene — und am Ende ein Münster in einem anderen Land. Die dichte Bahn- und Busanbindung im Kinzigtal ist ein seltener Luxus: Du kannst jede Etappe einzeln gehen und abends zurückfahren, wenn du willst. Wer Gepäcktransfer mag, bekommt ihn hier sogar als buchbares Paket.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du flache Pilgerkilometer oder ein Herbergsnetz mit Gemeinschaftsschlafsälen erwartest: Die Mitteletappen bringen bis zu 800 Höhenmeter am Tag, und übernachtet wird in Gasthöfen und Pensionen — die einzige echte Pilgerherberge liegt in der evangelischen Kirche Schenkenzell. Und wer nur historisch verbriefte Trassen gehen will, sollte wissen: Der markierte Weg ist eine Gründung von 1993. Die Richtung stimmt trotzdem seit Jahrhunderten.

Streckenverlauf & Landschaft

Der Weg beginnt am Jakobusstein in Loßburg auf 666 Metern — dort, wo einst die 1409 erwähnte Jakobskirche stand, und dort, wo die Kinzig entspringt. Von hier folgt er dem Fluss konsequent bergab: durch Nadelwald und Wiesentäler an der Klosterkirche Alpirsbach vorbei, über Schenkenzell und das abgelegene Kloster Wittichen nach Wolfach, wo die Jakobuskapelle über dem Tal wacht. Die Mitteletappen sind das Herzstück und die Anstrengung zugleich: ständiges Auf und Ab über die Talflanken, mit den höchsten Tageswerten des ganzen Weges.

Ab Haslach öffnet sich das Tal zur Rheinebene: Reben statt Tannen, Fachwerk statt Forst, und mit Gengenbach eine der besterhaltenen mittelalterlichen Kleinstädte Badens — samt Jakobuskapelle auf dem Bergle, die auf den Grundmauern einer frühgeschichtlichen Kultstätte steht. Die letzten Etappen laufen flach durch die Ebene: über Offenburg-Land und Schutterwald, wo der Badische Jakobsweg kreuzt, nach Kehl an den Rhein — und über die Brücke nach Straßburg, wo das Münster den Schlusspunkt setzt.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Betreiber gliedert den Weg in sieben Etappen zwischen 15 und 23 Kilometern; sportliche Pilger legen die flachen Schlussetappen zusammen und sind in fünf bis sechs Tagen durch. Die Höhenmeter konzentrieren sich auf die Mitte: Die Etappen Schenkenzell–Wolfach und Wolfach–Haslach bringen jeweils rund 800 Meter Auf- und Abstieg, die letzten beiden Tage in der Rheinebene sind dagegen fast eben. Der Untergrund wechselt zwischen Wald- und Feldwegen und Ortsdurchquerungen auf Asphalt; feste Wanderschuhe reichen.

  1. Loßburg → Schenkenzell (16,5 km) — Start am Jakobusstein an der Kinzigquelle, vorbei an Alpirsbach mit der 1095 gegründeten Klosterkirche.
  2. Schenkenzell → Wolfach (23,2 km) — Die längste Etappe: über das Klarissenkloster Wittichen und St. Roman zur Jakobuskapelle Wolfach.
  3. Wolfach → Haslach (20,6 km) — Über Hausach mit dem Cruz de Ferro und Mühlenbach in die denkmalgeschützte Fachwerk-Altstadt von Haslach.
  4. Haslach → Zell am Harmersbach (16,5 km) — Über Steinach durch die sich öffnende Tallandschaft.
  5. Zell am Harmersbach → Gengenbach (15,6 km) — Ankunft in der mittelalterlichen Kleinstadt mit der Jakobuskapelle auf dem Bergle.
  6. Gengenbach → Schutterwald (19,3 km) — Entlang der Kinzig hinaus in die Rheinebene; hier trifft der Weg auf den Badischen Jakobsweg.
  7. Schutterwald → Straßburg (22,4 km) — Durch die Ebene nach Kehl an den Rhein und über die Brücke zum Straßburger Münster.

Mit Farbtopf und Pinsel: der handgemalte Jakobsweg

Die Gründungsgeschichte dieses Weges hat einen Namen und ein Werkzeug: Kurt Klein, Heimatforscher aus Hausach, brachte die Idee 1992 von einer Santiago-Pilgerfahrt mit — und griff dann selbst zu Farbtopf und Pinsel, um die Route zu markieren. Eröffnet wurde sie am 25. Juli 1993, dem Jakobustag, mit einem Gottesdienst in der Jakobuskapelle Wolfach; die Pilgersteine kamen Jahr für Jahr dazu, Loßburg 1993, Schenkenzell 1994, St. Roman 1997. Kein Amt, keine Diözese, kein Verein mit Satzung — nur Leute aus dem Tal, die bis heute als „Streckenpaten" dafür sorgen, dass jeder sein Tagesziel erreicht. Kleins Satz dazu ist das beste Motto, das ein Weg haben kann: „Wer sich auf den Jakobusweg begibt, stößt eine Türe auf, die er nie mehr ganz zu schließen vermag."

Dass die Richtung älter ist als die Markierung, zeigt die Jakobuskapelle Wolfach — die Kapelle, die zweimal verschwand und zweimal zurückkam. Der Legende nach hörten Hirten Gesang aus einer Tanne und fanden darin eine Jakobusstatue; die Kapelle, die daraus entstand, wurde 1540 zerstört. 1655 entdeckten spielende Kinder die Ruine und richteten heimlich einen Altar ein — erst dann folgte der Wiederaufbau, 1680 der heutige Bau mit drei Barockaltären der Bildhauerfamilie Schupp. Gewallfahrtet wird bis heute am 25. Juli, und wer außerhalb der Öffnungszeiten kommt, stempelt selbst: 30 bis 50 Pilger und Wanderer pro Woche tun das. Auch die Fernpilger-Tradition des Tals ist belegt — der Historiker Thomas Kopp dokumentierte schon 1982, dass Kinzigtäler einst nach Santiago zogen; wer sich die Reise nicht leisten konnte, ging ersatzweise zur Jakobuskapelle auf dem Gengenbacher Bergle.

Das jüngste Kapitel schließt den Kreis zum spanischen Vorbild: Seit 2019 steht oberhalb von Hausach ein Cruz de Ferro — der Nachbau des Eisenkreuzes von Foncebadón am Camino Francés, mit jährlichem Jakobusgottesdienst im Juli. Ein Camino-Wahrzeichen, das sich Schwarzwälder Pilgerfreunde ins eigene Tal geholt haben. Genau so funktioniert dieser Weg seit 1993: Was man an Santiago liebt, trägt man nach Hause — notfalls mit dem Pinsel.

Highlights am Weg

  • Kinzigquelle und Jakobusstein, Loßburg — der Fluss, der dem Weg den Namen gibt, entspringt direkt am Startpunkt; der Stein erinnert an die 1409 erwähnte Jakobskirche.
  • Klosterkirche Alpirsbach — Benediktinerkloster von 1095, romanische Basilika der Hirsauer Bauschule mit gotischem Kreuzgang; seit der Reformation evangelisch.
  • Kloster Wittichen — 1324 von der seligen Luitgard gegründet; die Graböffnung von 1629 löste eine bis heute anhaltende Wallfahrt aus.
  • Jakobuskapelle Wolfach — von Hirten gefunden, 1540 zerstört, 1655 von Kindern wiederentdeckt, 1680 neu gebaut; drei Barockaltäre der Familie Schupp und ein Selbststempel für Pilger.
  • Cruz de Ferro bei Hausach — seit 2019 der Schwarzwälder Nachbau des Eisenkreuzes vom Camino Francés.
  • Haslach — denkmalgeschützte Fachwerk-Altstadt im sich öffnenden Tal.
  • Gengenbach — eine der besterhaltenen mittelalterlichen Kleinstädte Badens; auf dem Bergle die Jakobuskapelle des 13. Jahrhunderts mit Pietà aus dem 14. Jahrhundert.
  • Rheinübertritt Kehl–Straßburg — zu Fuß über die Brücke, vom badischen Ufer direkt auf das Straßburger Münster zu.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der wichtigste Zubringer kommt vom Neckar: Wer auf dem Jakobsweg Rothenburg–Rottenburg in Rottenburg ankommt, geht auf dem beschilderten Anschlussweg über Horb weiter — er mündet exakt am Jakobusstein in Loßburg in den Kinzigtäler Jakobsweg. Diese Linie ist Teil der alten Route Rottenburg–Straßburg, auf der sich schon die mittelalterlichen Kinzigtäler Pilger den Gruppen Richtung Westen anschlossen.

Ohne Anschlussweg reist du direkt an: Loßburg liegt an der Bahnstrecke Freudenstadt–Horb mit Anschluss an die Gäubahn Richtung Stuttgart. Und das dichte Bus- und Bahnnetz im Kinzigtal — Alpirsbach, Wolfach, Hausach, Haslach, Gengenbach liegen alle an der Kinzigtalbahn — macht auch den Einstieg mitten im Weg leicht.

Weiterpilgern?

Bei Schutterwald triffst du auf den Badischen Jakobsweg, der von dort über Lahr und Rust bis Breisach am Rhein führt — und die Verbindung ist mehr als Nachbarschaft: Die Kinzigtäler Jakobusfreunde betreuen den 2007 eingeweihten Abschnitt Schutterwald–Rust gleich mit. Wer also im Schwarzwald bleiben und erst später über den Rhein wechseln will, biegt hier ab.

Die Hauptlinie führt über Straßburg weiter: Vom Münster laufen die elsässischen Jakobswege südwestwärts Richtung Burgund — eine eigene Camino-Ninja-Seite gibt es für diese Fortsetzung noch nicht, markiert ist sie trotzdem. Wer das große Ganze denkt, landet über Frankreich schließlich auf dem Camino Francés — die Türe, die dieser Weg aufstößt, schließt eben nicht mehr ganz.

Vorbereitung & Praktisches

Die beste Zeit ist Mai bis Oktober, am schönsten im Mai/Juni und im September — klassische Mittelgebirgssaison ohne die Hitzeprobleme südlicher Wege. Übernachtet wird in Gasthöfen, Pensionen und Hotels; die einzige klassische Pilgerherberge liegt in der evangelischen Kirche Schenkenzell. Buche in der Ferienzeit vor — das Kinzigtal ist auch Wanderregion, und die schönen Fachwerkstädte füllen sich am Wochenende.

Wie auf allen deutschen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um unterwegs zu stempeln — etwa in der Tourist-Info Wolfach, im Hotel „Krone", im Pfarramt St. Laurentius oder per Selbststempel direkt an der Jakobuskapelle. Bestell ihn vorab online, damit er rechtzeitig zum Start bei dir ist. Wer es bequem mag: Für den Weg gibt es ein buchbares Paket mit sechs Übernachtungen und Gepäcktransfer. Deine Etappen und die passenden Unterkünfte stellst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App zusammen.

Was dich der Weg kostet

Für Gasthof- und Pensionsübernachtungen mit Frühstück rechnest du im mittleren Schwarzwald mit 50 bis 75 Euro pro Person und Nacht, dazu 15 bis 25 Euro am Tag für Verpflegung — je nachdem, wie oft du in Gasthäusern isst statt aus dem Rucksack (Stand: September 2026). Die Pilgerherberge Schenkenzell und der Selbststempel an der Kapelle sind die günstigen Ausnahmen auf einem sonst pensionsgeprägten Weg.

Das organisierte Rundum-Paket (sechs Übernachtungen mit Frühstück, Gepäcktransfer, Karte) kostet ab 440 Euro im Doppelzimmer, rund 540 Euro im Einzelzimmer (Stand: September 2026). Damit liegt eine Woche Kinzigtal preislich etwa auf dem Niveau einer Woche Camino in Spanien mit Privatzimmern — nur ohne Flug.

Anreise

Zum Start: Loßburg erreichst du mit der Bahn über Freudenstadt oder Horb (Gäubahn-Anschluss Stuttgart). Wer aus dem Süden kommt, reist über Offenburg und die Kinzigtalbahn an, die praktisch alle Etappenorte des Weges bedient — ideal auch für Etappenwanderer.

Vom Ziel: Straßburg hat einen TGV-Bahnhof mit Fernverkehr in ganz Frankreich; zurück nach Deutschland geht es über Kehl (Rheintalbahn, dazu die grenzüberschreitende Straßenbahnlinie D über die Rheinbrücke) und Offenburg oder Karlsruhe.

  • Bahn zum Start: bahn.de — Loßburg über Freudenstadt/Horb (Gäubahn Stuttgart)
  • Kinzigtalbahn: Offenburg–Gengenbach–Haslach–Hausach–Wolfach–Alpirsbach–Freudenstadt — bedient fast alle Etappenorte
  • Vom Ziel: Gare de Strasbourg (TGV) oder Bahnhof Kehl; Tram D verbindet Straßburg und Kehl über den Rhein
  • Auto: Start Loßburg über die B294; Rückholung bequem per Kinzigtalbahn
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