Breisach – Schauenberg
33,6 Kilometer, ein Fluss, eine Staatsgrenze und 235 Höhenmeter, von denen fast alle auf den letzten vier Kilometern warten: Der Zubringer Breisach – Schauenberg bringt dich vom Ende des Badischen Jakobswegs über den Rhein, durch die achteckige Vauban-Festung Neuf-Brisach, die Ludwig XIV. 1699 als Ersatz für das verlorene Breisach bauen ließ, durch die Hardt-Ebene über Sundhoffen und die Weindörfer Hattstatt und Gueberschwihr hinauf zur Wallfahrtskapelle Notre-Dame du Schauenberg auf 393 Metern — urkundlich seit 1441, Kaplanei-Stiftung 1483, weil „von vil cristglöubigen menschen" schon damals zu viele kamen. Oben triffst du auf die Voie d'Alsace. Ehrlich gesagt: 29 der 33,6 Kilometer sind flach, es gibt keine Herberge, und die Jakobus-Spuren liegen in Rouffach, vier Kilometer neben dem Ziel. Aber der Weg tut, was ein Zubringer tun soll — er verbindet zwei Netze, in ein bis zwei Tagen.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Der Kredit, der Passierschein und der Berg, der von selbst zum Wallfahrtsort wurde
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Breisach am Rhein, Stephansmünster (Deutschland) / Wallfahrtskapelle Notre-Dame du Schauenberg oberhalb Pfaffenheim und Gueberschwihr (Elsass)
- Länge: 33,6 km
- Dauer: 2 Etappen à 16,8 km (Camino-Ninja-Teilung) — oder ein langer Tag
- Höhenmeter: ↗ 235 m / ↘ 36 m — 29 Kilometer eben, der Anstieg liegt auf den letzten vier
- Höchster Punkt: 393 m am Schauenberg (km 33,3); tiefster Punkt 188 m in der Rheinebene (km 13,9)
- Etappen: 2 — Camino-Ninja-Systematik; die Träger zerlegen den Zubringer nicht in Tagesetappen
- Landschaft: Rheinauen, Vauban-Festungsstadt, Hardt- und Riedebene, elsässische Weinberge, Vogesenvorwald
- Träger: Badische St. Jakobusgesellschaft e.V. (Breisach-Oberrimsingen) und Association des Amis de Saint-Jacques en Alsace (1998); Markierung im Elsass durch den Club Vosgien
- Markierung: gelbe Strahlenmuschel auf blauem Grund; im Elsass das Compostela-Logo auf den Schildern des Club Vosgien — Zielangaben nur vereinzelt
- Jakobus-Spuren: keine auf der Strecke selbst; in Rouffach, 4 km neben dem Ziel, Jakobus-Kaplan 1442 und der Pilger Tiebelt Ber 1481
- Unterkunft: keine Pilgerherberge; Hotels und Chambres d'hôtes in Breisach, Colmar, Hattstatt, Gueberschwihr, Pfaffenheim, Rouffach
- Anschlusswege: Voie d'Alsace am Schauenberg; Badischer Jakobsweg endet in Breisach; Rottenburg – Freiburg – Héricourt über Freiburg
- Anschluss Santiago: ja — über die Voie d'Alsace nach Héricourt und die französischen Hauptrouten
- Beste Zeit: März bis November; im Hochsommer früh los, die Ebene hat keinen Schatten
Überblick
Dieser Weg trägt keinen Heiligennamen und keinen Landschaftsnamen, sondern die Namen seiner beiden Enden — und beide Enden sind Grenzen. Am Anfang der Rhein: Bis zum 5. Februar 1945 fuhr hier ein Zug nach Colmar, dann wurde die Brücke gesprengt und die Strecke nie wieder eröffnet; heute gehst du über die Straßenbrücke von 1962, seit 2025 Julius-Leber-Brücke, und stehst nach 6,3 Kilometern in Neuf-Brisach — der Stadt, die Ludwig XIV. 1699 als Ersatz bauen ließ, weil er im Frieden von Rijswijk Breisach hatte abgeben müssen. Ein Vertrag machte aus einer Stadt zwei; du gehst sie in anderthalb Stunden ab. Dann die Ebene: Wolfgantzen, Sundhoffen, Herrlisheim, Felder bis zum Horizont, tiefster Punkt 188 Meter. Und am Ende der Berg: ab Hattstatt die Reben, in Gueberschwihr der rosa Glockenturm von Saint-Pantaléon aus dem 12. Jahrhundert, dann vier Kilometer Wald hinauf zur Kapelle Notre-Dame du Schauenberg auf 393 Metern, wo die ganze elsässische Ebene unter dir liegt und die Voie d'Alsace vorbeiführt.
Ehrlich gesagt ist das ein Zubringer, kein Fernweg: 33,6 Kilometer, davon 29 flach, keine Herberge, kein Jakobus-Patrozinium am Weg. Aber der Berg, auf dem er endet, weiß seit 1441, was Pilger sind. Die Kaplanei-Urkunde von 1483 begründet die Stiftung eines eigenen Priesters nicht mit einem Wunder, sondern mit Verkehr: „Als von ettwas vergangnen ziten bitzhar von vil cristglöubigen menschen, zu löuffe und andacht in und zu unser lieben frowen magt Marien capellen genant in dem Schowenberg…" — seit einiger Zeit kommen so viele, dass es einen Priester braucht. Der Schauenberg wurde nicht zum Wallfahrtsort erklärt; er wurde einer, und die Verwaltung zog nach. Genau dorthin bringt dich dieser Weg.
Andere Namen
Auf Französisch gehört der Abschnitt zum Chemin de Saint-Jacques de Compostelle en Alsace; die deutschsprachige Pilgerliteratur nennt ihn den Zubringerweg von Breisach — der maßgebliche Führer von Ursula und Heribert Kopp und Hans-Jörg Bahmüller trägt ihn im Titel: „Der Jakobsweg im Elsass. Speyer – Wissembourg – Thann, mit den Zubringerwegen von Kehl und Breisach".
Zwei Namen solltest du auseinanderhalten, weil sie fast gleich klingen und 6,3 Kilometer auseinanderliegen: Breisach am Rhein, die deutsche Stadt auf dem Münsterfelsen des rechten Ufers, erstmals genannt in einem Edikt Kaiser Valentinians I. vom 30. August 369, und Neuf-Brisach, deutsch Neubreisach, Vaubans achteckige Festungsstadt auf dem linken Ufer, Grundstein 18. Oktober 1699, seit 2008 UNESCO-Welterbe. Der Weg beginnt in der einen und ist nach 6,3 Kilometern in der anderen. Und der Berg am Ziel hieß schon um 1334 „Schowenberg", lange bevor jemand dort eine Kapelle baute.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du einen Übergang brauchst und keinen Umweg willst: Dieser Weg hat genau eine Aufgabe — dich vom Ende des Badischen Jakobswegs oder vom Bahnhof Breisach auf die elsässische Route zu bringen — und erledigt sie in 33,6 Kilometern. Ideal, wenn du Grenzen zu Fuß magst: Der Rheinübergang gleich am Anfang ist der Moment, den du von diesem Weg behalten wirst, und Neuf-Brisach ist das schönste Stück Festungsgeometrie, das ein Jakobsweg zu bieten hat. Ideal für alle, die einen kurzen, planbaren Pilgergang mit einem echten Ziel suchen: Am Ende steht keine Bushaltestelle, sondern eine Kapelle, zu der die Dörfer der Ebene seit dem 17. Jahrhundert in Prozession hinaufgehen.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Höhenmeter und Aussicht suchst: 29 der 33,6 Kilometer sind flach, und ein Wanderer, der die Strecke aufgezeichnet hat, sagt es so: „Trotz keinerlei Steigungen auf dieser Etappe ist sie doch leicht anspruchsvoll, da es lange geradeaus geht." Nichts für dich, wenn du Herbergen brauchst — es gibt keine, und am Ziel ist keine Übernachtung dokumentiert: Kaffee, Essen, Terrasse ja, Bett nein. Nichts für dich, wenn du Jakobus am Weg suchst: Die Kirchen heißen Sainte-Colombe und Saint-Pantaléon, die Jakobus-Spuren liegen in Rouffach, vier Kilometer neben dem Ziel. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.
Streckenverlauf & Landschaft
Du startest in Breisach am Rhein unter dem Stephansmünster — Baubeginn um 1185, innen Martin Schongauers „Jüngstes Gericht" auf 145 Quadratmetern und der Hochaltar des Meisters HL von 1523–1526 — und gehst als Erstes über den Rhein: die Julius-Leber-Brücke, 282,8 Meter Stahl, Verkehrsübergabe 1. Dezember 1962. Jenseits Volgelsheim mit dem Rheinhafen, dann nach 6,3 Kilometern Neuf-Brisach: acht Bastionen, Halbmonde, drei erhaltene Tore, ein Achteck, das Ludwig XIV. aus drei Entwürfen Vaubans auswählte; die Werke waren 1702 fertig. Danach wird es weit: Über Wolfgantzen und Sundhoffen ziehst du durch die Hardt- und Riedlandschaft westlich des Rheins, Felder, Waldstücke, Wassergräben, der tiefste Punkt bei 188 Metern mitten in der Ebene.
Ab Herrlisheim-près-Colmar rücken die Vogesen näher, in Hattstatt (206 m) beginnen die Reben — die Église Sainte-Colombe hat Arkaden aus dem 11. Jahrhundert —, in Gueberschwihr (268 m) steht der romanische Glockenturm von Saint-Pantaléon aus rosa Sandstein, zweites Viertel des 12. Jahrhunderts, und unten im Dorf das Couvent Saint-Marc, dessen Schwestern die Kapelle auf dem Berg betreuen. Dann holt der Weg auf den letzten vier Kilometern alle Höhenmeter auf einmal nach: durch die Weinberge, in den Wald, vorbei an der romanischen Chapelle Saint-Léonard, an einer tausendjährigen Edelkastanie mit 5,45 Metern Stammumfang und am Teufelsstein, hinauf auf 393 Meter, wo Notre-Dame du Schauenberg auf einem schmalen Felsband sitzt. Untergrund: Asphalt und Feldweg in der Ebene, Weinbergwege, zuletzt Waldpfad. Wasser in jedem Dorf, Schatten in der Ebene kaum.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir teilen den Weg in 2 Etappen à 16,8 Kilometer — Camino-Ninja-Systematik, denn die Träger führen den Zubringer als Verbindung, nicht als Fernweg, und publizieren keine Tagesetappen. Die Teilung geht exakt auf: Sundhoffen liegt bei Kilometer 16,8, genau in der Mitte. Die Kilometer sind aus unserer Wegpunktkette berechnet und summieren sich auf die 33,6 Kilometer unserer Streckendaten. Schwierigkeit: gering — 235 Höhenmeter, davon rund 190 auf den letzten vier Kilometern; die Ebene fordert nicht die Beine, sondern die Geduld.
- Breisach am Rhein – Sundhoffen (16,8 km) — Stephansmünster, Julius-Leber-Brücke, Volgelsheim, Neuf-Brisach, Wolfgantzen; eben, Feldweg und Straße.
- Sundhoffen – Schauenberg (16,8 km) — Herrlisheim-près-Colmar, Hattstatt, Gueberschwihr; flach bis Hattstatt, dann rund 190 Höhenmeter durch Reben und Wald zur Kapelle auf 393 m.
Wer schnell geht, macht die 33,6 Kilometer an einem Tag: um acht in Breisach los, am frühen Abend an der Kapelle — aber der Schlussanstieg nach dreißig flachen Kilometern ist härter, als das Profil aussieht. Wer die Weindörfer mitnehmen will, hängt eine dritte kurze Etappe an: Breisach–Sundhoffen 16,8, Sundhoffen–Hattstatt 12,6, Hattstatt–Schauenberg 4,2. Trittsicherheit brauchst du nur im Waldstück am Ende; in der Ebene ähneln sich die Feldwege, und die Wegweiser sind selten — der GPS-Track gehört ins Gepäck.
Der Kredit, der Passierschein und der Berg, der von selbst zum Wallfahrtsort wurde
Vier Kilometer neben dem Ziel liegt Rouffach, und in dessen Stadtarchiv hat der Historiker Gérard Michel nachgesehen, was von den Santiago-Pilgern dieser Gegend geblieben ist. Die Almosenbücher verzeichnen unzählige Durchreisende, fast nie mit Ziel. Zwei Namen bleiben. 1481 nimmt der Bürger Tiebelt Ber bei der Pfarrkirche fünf Livres Stebler Kredit auf, um „zu dem lieben appostel Sant Jacob" zu ziehen, und regelt vorher den Fall, „da sach wer das er uff der selben fart von tods wegen abgieng und nit wider herheim keme" — falls er auf der Fahrt stürbe und nicht heimkäme. 1619 beantragt Hans Jacob Seilberger aus Hessen beim Rouffacher Magistrat ein Zertifikat, um „nach St. Jacob zu ziehen", und bekommt es mit Auflage: „doch das er aus dieser wolfarth nit etwas böses erlerne und ein gemeiner Landtbetler werde". Der eine brauchte einen Kredit, der andere einen Passierschein mit Benimm-Klausel. Pilgern war hier kein frommes Bild, sondern ein finanzielles und ordnungspolitisches Ereignis — und schon 1442 führt das Steuerverzeichnis der Stadt einen „Cappelanus sancti Jacobi infra muros", einen Jakobus-Kaplan innerhalb der Mauern. Ehrlich gesagt: Das ist alles Rouffach, nicht der Weg. Auf den 33,6 Kilometern selbst gibt es kein Jakobus-Patrozinium und keinen Muschelfund, und ob Compostela-Pilger genau diese Linie gingen, sagt keine Urkunde. Hans von Waltheym kam 1474 durch Breisach — aber sein Ziel war die Provence.
Was der Weg dafür hat, ist ein Ziel, das nicht erklärt, sondern gewachsen ist. Um 1334 heißt der Berg „Schowenberg", ein Flurname. 1441 taucht die Marienkapelle im Verzeichnis des Bistums Basel auf, 1471 ist ein Pfleger namens Jöselin Hebsame bezeugt, und 1483 stiftet die Gemeinde Pfaffenheim eine Kaplanei — mit der Begründung, dass der Altar „bitzhar eins eignen priesters gemanglet", bisher eines eigenen Priesters gemangelt habe, bei so viel Zulauf. Die Legenden kamen später: der Eremit Ulrich um 1400 und das strahlende Licht über der Höhe; die Landgräfin Anne von Sachsen, 1446 geheilt, was allerdings erst franziskanische Texte des späten 18. Jahrhunderts erzählen und Abbé Litzler 1870 aufschrieb; der Teufelsstein, den der Böse 1515 auf die Kapelle schleuderte und der weich wurde. 1590 ließ der Bischof untersuchen, wohin „das recht und alt Maria bildt" verschwunden war; 1695 weihte man den Neubau, 1704 kamen die Rekollekten aus Rouffach, 1712 gab es hundert Tage Ablass. 1793 verkaufte die Revolution die Kapelle als Nationalgut; am 3. September 1811 kehrte das Gnadenbild zurück, und am selben Tag stürzte Anna-Maria Schlitzweck vom Felsen und blieb unverletzt — aktenkundig. 1823 ließ Elisabeth Muller aus Pfaffenheim ihre Krücken zurück. 1992 wurde die Madonna gestohlen, seit 2000 ist die Kapelle Monument historique.
Und das ist die Pointe für dich als Pilger: Die letzten Kilometer dieses Jakobswegs sind eine Strecke, die die Dörfer der Ebene ohnehin gehen. Rouffach zog 1709 wegen Dauerregens hinauf, Westhalten gegen eine Epidemie, Gueberschwihr über den Kreuzweg seit dem 17. Jahrhundert, Pfaffenheim um 1930 neunmal im Jahr — und Hattstatt, dein Wegpunkt bei Kilometer 29,4, steht in derselben Prozessionsliste. Du kommst mit der Muschel, sie kommen mit dem Kreuz, der Weg ist derselbe. Am Anfang steht eine Stadt, die ein Friedensvertrag 1697 verdoppelt hat, und eine Brücke, über die seit 1945 kein Zug mehr fährt; am Ende ein Berg, den niemand zum Wallfahrtsort ernannt hat. Dazwischen 33,6 Kilometer, die du zu Fuß gehst, weil man seit achtzig Jahren nicht mehr anders über diesen Rhein kommt.
Highlights am Weg
- Breisach am Rhein, Stephansmünster — Baubeginn um 1185, vollendet um 1230; Schongauers „Jüngstes Gericht" auf 145 m², Hochaltar des Meisters HL (1523–1526), Silberschrein der Stadtpatrone Gervasius und Protasius von 1496 für 1.500 Gulden; erste Nennung der Stadt 369, Freie Reichsstadt 1273, „Europastadt" nach dem Referendum von 1950 mit 96 Prozent.
- Julius-Leber-Brücke — Straßenbrücke von 1962, 282,8 m, seit 2025 nach dem Widerstandskämpfer benannt; die Eisenbahnbrücke von 1878 wurde am 4./5. Februar 1945 gesprengt und nie ersetzt.
- Neuf-Brisach — Vaubans Idealfestung im Achteck, Grundstein 18. Oktober 1699, Werke 1702 fertig, drei Tore erhalten; UNESCO-Welterbe seit 2008 — gebaut als Ersatz für das 1697 verlorene Breisach.
- Sundhoffen — Kilometer 16,8, die exakte Mitte des Weges; Bus nach Colmar.
- Hattstatt, Église Sainte-Colombe — Arkaden aus dem 11. Jahrhundert, Taufstein 15. Jh., Hochaltar aus dem Kloster Unterlinden; Monument historique seit 1984; Prozessionsort zum Schauenberg.
- Gueberschwihr, Saint-Pantaléon — romanischer Glockenturm aus rosa Sandstein, zweites Viertel des 12. Jahrhunderts, geschützt seit 1841; Couvent Saint-Marc, Startpunkt der Voie-d'Alsace-Etappe nach Guebwiller.
- Aufstieg zum Schauenberg — Chapelle Saint-Léonard (12. Jh.), tausendjährige Edelkastanie mit 5,45 m Umfang, 2008 von einer Windhose zerrissen und weiter grün; der Teufelsstein mit seinen Kratzspuren.
- Notre-Dame du Schauenberg — Wallfahrtskapelle auf 393 m, Flurname 1334, Kapelle 1441, Kaplanei 1483, Neubau geweiht 11. Juli 1695, Rekollekten 1704, Wiedereröffnung 3. September 1811, Monument historique 2000; geöffnet 10–20 Uhr, Eintritt frei, Terrasse mit Blick über die Ebene.
- Rouffach — 4 km neben dem Ziel: Jakobus-Kaplan 1442, die Pilger Tiebelt Ber 1481 und Hans Jacob Seilberger 1619 im Stadtarchiv; Bahnhof.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Fast alle kommen von Norden oder Osten. In Breisach endet der Badische Jakobsweg, der auf rund 320 Kilometern und 17 Etappen von Laudenbach an der hessischen Grenze über Heidelberg, Baden-Baden und Offenburg die Rheinebene herunterläuft — gelbe Muschel auf blauem Grund bis vor das Münster. Aus dem Neckarraum kommt der Jakobsweg Rottenburg – Freiburg – Héricourt nach Freiburg; auf unserer Karte quert er den Rhein weiter südlich bei Fessenheim, aber von Freiburg führt eine dokumentierte Teilstrecke von 30,4 Kilometern über den Tuniberg und Oberrimsingen — Pilgerstempel im Christophorus-Jugendwerk, wo auch die Badische St. Jakobusgesellschaft sitzt — nach Breisach. Wer weiter nördlich über den Rhein will, nimmt den Kinzigtäler Jakobusweg nach Kehl und Straßburg.
Ohne Fernweg geht es genauso einfach: Die Linie S1 der Breisgau-S-Bahn fährt halbstündlich von Freiburg Hauptbahnhof nach Breisach, knapp eine halbe Stunde. Danach fährt kein Zug weiter — die Strecke über den Rhein nach Colmar endete 1945. Genau deshalb beginnt dieser Weg, wo er beginnt: am Ufer, zu Fuß.
Weiterpilgern?
Ja — der Schauenberg ist Ziel und Anschlussstelle in einem. Oben triffst du auf die Voie d'Alsace, den Chemin de Saint-Jacques de Compostelle en Alsace, eingeweiht am 25. Juli 2003, dem Jakobstag; auf unserer Karte läuft er von Bad Bergzabern über Wissembourg, Straßburg und Kaysersberg nach Héricourt. Die Etappe, die hier vorbeikommt, heißt Couvent Saint-Marc – Guebwiller, 16,9 Kilometer, und beginnt im Kloster unten in Gueberschwihr — demselben Konvent, dessen Schwestern die Kapelle betreuen. Sie führt über Soultzmatt und die Chapelle Sainte-Marie du Val de Pâtre nach Guebwiller, dessen Église Saint-Léger (1200–1230) zu den größten spätromanischen Bauten des Elsass zählt, dann weiter über Thann nach Belfort und Héricourt.
Ab Héricourt geht es durch die Burgundische Pforte nach Westen, nach Beaune und ins Burgund, und von dort auf eine der französischen Hauptrouten — die Via Lemovicensis über Vézelay oder die Via Podiensis ab Le Puy — und schließlich auf den Camino Francés nach Santiago. Wer nur einen Tag hat, geht vom Schauenberg hinunter nach Pfaffenheim oder Rouffach zum Zug und weiß, dass die nächsten 275 Kilometer bis Héricourt markiert sind.
Vorbereitung & Praktisches
Beste Zeit: März bis November. Die Ebene ist im Hochsommer schattenlos und heiß — der Anstieg zum Schauenberg am Nachmittag im Juli ist keine gute Idee, früh losgehen lohnt. Im Winter ist der Weg begehbar, aber die Gastronomie in den Weindörfern hat unregelmäßig geöffnet. Markierung und Navigation: auf der deutschen Seite die gelbe Strahlenmuschel auf blauem Grund, im Elsass das Compostela-Logo auf den Schildern des Club Vosgien, an manchen Kreuzungen mit der Restdistanz nach Santiago. Ehrlich dazugesagt: Wegweiser mit Zielangaben sind nur vereinzelt vorhanden, und in der Ebene ähneln sich die Feldwege — nimm den GPS-Track mit; am einfachsten planst du das direkt in der Camino Ninja App zusammen mit Etappen und Unterkünften. Credencial: kostenlos bei der Association des Amis de Saint-Jacques en Alsace; Stempel in Breisach im Christophorus-Jugendwerk Oberrimsingen, in der Kapelle fragen. Grenze: Schengen, Personalausweis reicht — mitnehmen trotzdem. Sprache: Deutsch und Französisch, im Elsass oft beides.
Unterkunft: Keine Pilgerherberge auf den 33,6 Kilometern. Hotels in Breisach; Chambres d'hôtes und Hotels in Hattstatt, Gueberschwihr, Pfaffenheim und Rouffach; Colmar per Bus von Sundhoffen. Am Ziel selbst ist keine Übernachtung dokumentiert — die Kapelle bewirtet Gäste und Gruppen von 10 bis 20 Uhr, wer dort schlafen will, fragt vorher an (Telefon 03 89 49 35 33). Verpflegung: Läden und Bäckereien in Breisach, Neuf-Brisach, Sundhoffen und den Weindörfern; Winstubs in Hattstatt und Gueberschwihr; Terrasse an der Kapelle. Packliste: leichte Schuhe für Asphalt und Feldweg, Sonnenschutz und Kopfbedeckung für die Ebene, zwei Liter Wasser, Regenschutz, Offline-Karte; Stöcke nur für den Schluss.
Was dich der Weg kostet
Ehrlich gesagt kostet der Weg selbst nichts: Eintritt in die Kapelle frei, Credencial kostenlos. Alle Beträge Stand: September 2026, Euro auf beiden Seiten. Belegt sind: Schauenberg 0 €, Credencial 0 €; zum Vergleich weiter südlich auf der Voie d'Alsace die Benediktinerinnen von Bellemagny mit 30 € für Abendessen, Bett und Frühstück und die Empfangsstelle Ferrette mit 20 € — solche kirchlichen Häuser gibt es auf unseren 33,6 Kilometern nicht. Richtwerte: Chambre d'hôtes im Weindorf 65–95 €, Doppelzimmer 80–130 €, einfaches Hotel in Breisach 80–120 €, Menü in der Winstub 20–35 €, Mittagsmenü 15–22 €. Bahn: Freiburg–Breisach im RVF-Tarif, Colmar–Rouffach per TER — Preise über bahn.de und ter.sncf.com prüfen.
Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Selbstversorgung und einfachem Zimmer 60–90 €, mittel mit Chambre d'hôtes und Winstub 100–150 €. Am günstigsten ist der Weg an einem Tag: S-Bahn hin, TER zurück, ein Essen auf der Terrasse der Kapelle — dann bleibt es bei Fahrkarten und Verpflegung.
Anreise
Zum Start (Breisach): Bahnhof Breisach am Ende der Breisacher Bahn; Linie S1 der Breisgau-S-Bahn halbstündlich von Freiburg (Breisgau) Hbf, rund 25–30 Minuten, seit 2019 elektrifiziert. Freiburg liegt an der Rheintalbahn mit ICE-Halt. Vom Bahnhof Breisach sind es wenige Minuten zum Münster und zum Rhein. Aus dem Elsass: Bus 826 / R026 Colmar – Neuf-Brisach – Breisach im RVF-Verbund.
Unterwegs und vom Ziel (Schauenberg): Bus von Sundhoffen und Neuf-Brisach nach Colmar. Am Schauenberg gibt es keinen Bahnhof — zu Fuß hinunter nach Pfaffenheim etwa eine Stunde, nach Rouffach etwa anderthalb; von beiden fährt der TER auf der Linie Colmar – Rouffach – Mulhouse. Zurück nach Deutschland über Colmar und den Bus 826 nach Breisach, dort die S1 nach Freiburg; Freiburg – Colmar dauert so rund 1,5–2 Stunden. Auto: Waldstraße bis 300 m unterhalb der Kapelle, Parkplatz.
- Bahn Deutschland: bahn.de — Freiburg (Breisgau) Hbf – Breisach, Linie S1
- Bahn Frankreich: ter.sncf.com — TER Colmar – Rouffach – Mulhouse
- Bus über den Rhein: rvf.de — Linie 826 / R026 Breisach – Neuf-Brisach – Colmar
- Träger Elsass: saint-jacques-alsace.org — Association des Amis de Saint-Jacques en Alsace, Credencial
- Träger Baden: badische-jakobusgesellschaft.de — Badische St. Jakobusgesellschaft e.V., Breisach-Oberrimsingen
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