Voralpiner Jakobsweg
Der Voralpine Jakobsweg führt dich in 255,7 km von Salzburg quer durch das bayerische Voralpenland bis auf den Wallfahrtsberg Hoher Peißenberg — nördlich der Alpen, immer mit der Bergkette im Blick. Es ist ein Weg der Klöster: In neun bis zwölf Tagen reihst du St. Zeno, Höglwörth, Urschalling, Weyarn, Reutberg, Dietramszell, Beuerberg, Bernried und Polling aneinander.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal — und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Gegründet 1125, aufgehoben 1817, wiederbelebt 1986
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Salzburg → Hohenpeißenberg (Hoher Peißenberg, 988 m)
- Länge: 255,7 km
- Höhenmeter: ↗ 2.737 m / ↘ 2.219 m
- Dauer: 9–12 Tage (12 offizielle Etappen)
- Wegzeichen: stilisierte gelbe Muschel auf blauem Grund, dazu regionale Wanderwegweiser
- Anschluss: auf dem Hohen Peißenberg übernimmt der Münchner Jakobsweg Richtung Bodensee
- Charakter: Klosterweg durchs dicht besiedelte Voralpenland — kulturreich, logistisch einfach, viel Asphalt
Überblick
Der Voralpine Jakobsweg ist der Klosterweg unter den deutschen Jakobswegen: 255,7 Kilometer von Salzburg nach Westen, immer nördlich der Alpen und immer mit der Bergkette am linken Bildrand — durch den Rupertiwinkel, den Chiemgau, das Inntal, das Tölzer Land und den Pfaffenwinkel. Kaum ein anderer Weg reiht so dicht so viele geistliche Orte aneinander: St. Zeno in Bad Reichenhall, das Seekloster Höglwörth, die Jakobuskirche von Urschalling, Weyarn, Reutberg, Dietramszell, Beuerberg, Bernried, Polling — und am Ende der Wallfahrtsberg Hoher Peißenberg, dessen Rundblick ihm den Beinamen „Bayerischer Rigi“ eingetragen hat.
Zugleich ist er ein ehrlicher Weg für Realisten: Das Voralpenland ist bewohnte, uralte Kulturlandschaft, kein Wildnisrevier — du gehst viel auf Asphalt, kreuzt Bundesstraßen und übernachtest im Gasthof statt in der Pilgerherberge. Dafür bist du nie weit von einer Bahnstation entfernt, die Etappen enden fast jeden Abend an einem Kloster mit Biergarten, und die Anschlüsse stimmen: Hinten übernimmt der Münchner Jakobsweg Richtung Bodensee, vorne bringt dich der Jakobsweg Österreich bis an den Start.
Andere Namen
Der Weg heißt offiziell Voralpiner Jakobsweg — benannt nach der Landschaft, nicht nach einer Stadt: Du bleibst nördlich der Alpen im bayerischen Voralpenland, die Bergkette immer im Süden im Blick. Im Buchhandel läuft er unter dem vollen Titel „Voralpiner Jakobsweg — von Salzburg zum Hohen Peißenberg". Am Ziel wartet eine bayerische Feinheit: Der Berg heißt Hoher Peißenberg, die Gemeinde an seinem Fuß Hohenpeißenberg — beides meint dasselbe Wegende, und beides steht auf Karten und Wegweisern. Vor Ort hörst du den großen Namen ohnehin selten: Dort ist es einfach „der Jakobsweg", in Bergen der „Jakobsweg-Bergen", und im Landkreis Rosenheim spricht man von den Südostbayerischen Jakobswegen — dem Wegenetz, das die Jakobusgemeinschaft Rohrdorf seit Jahrzehnten betreut und aus dem dieser Fernweg zusammengewachsen ist. Wenn du unterwegs fragst, nenn den nächsten Etappenort: Höglwörth, Urschalling, Weyarn, Reutberg — die kennt hier jeder.
Für wen ideal — und für wen eher nicht
Dieser Weg ist etwas für dich, wenn Kirchen und Klöster für dich kein Programmpunkt sind, sondern der Grund zu gehen. Kaum ein anderer Jakobsweg reiht so dicht so viele lebendige geistliche Orte aneinander: St. Zeno in Bad Reichenhall, Höglwörth, Urschalling, Rohrdorf, Wilparting, Weyarn, Reutberg, Dietramszell, Beuerberg, Bernried, Polling — und zum Schluss ein ganzer Wallfahrtsberg. 255,7 Kilometer in neun bis zwölf Tagen passen in einen normalen Urlaub, und logistisch ist das hier die einfachste Übung: Du bist nie weit von einem Bahnhof. Auch als erster langer Weg taugt er — 2.737 Höhenmeter Anstieg auf zwölf Tage verteilt sind harmlos, ein Pass kommt nicht vor, und wenn ein Tag nicht läuft, läuft die Regionalbahn.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Wildnis und Einsamkeit suchst. Das Voralpenland ist dicht besiedelt: Du kreuzt Bundesstraßen, passierst die Autobahnraststätte Irschenberg und gehst durch Orte wie Geretsried mit 24.000 Einwohnern. Vor allem aber: Der Untergrund ist hart. Der gängige GPS-Track weist von 261 Kilometern rund 165 als Asphalt aus, dazu gut 40 Kilometer befestigte Wege — Naturboden ist hier die Ausnahme, nicht die Regel. Nimm gut gedämpfte Schuhe und schneide die Tagesetappen eher kürzer. Und wer die Pilgergemeinschaft des Camino Francés sucht, findet sie hier nicht: Du bist meistens allein unterwegs, Herbergsleben im spanischen Sinn kennt dieser Weg nicht.
Streckenverlauf & Landschaft
Du startest in Salzburg und gehst durchs enge, dicht bebaute Talbecken der Saalach nach Bad Reichenhall — kein spektakulärer erster Tag, aber einer mit Bergkulisse ringsum und mit St. Zeno am Ende, der größten romanischen Kirche Altbayerns. Dort dreht der Weg nach Westen und lässt die Alpen links liegen — dort bleiben sie bis zum Schluss. Es folgen der Rupertiwinkel mit dem Seekloster Höglwörth auf seiner Halbinsel, die Salzstadt Traunstein und der Chiemgau: Zwischen Bergen und Übersee querst du die Weiße und die Tiroler Achen und läufst streckenweise auf der Trasse der alten Soleleitungen. Am Chiemsee-Südufer passierst du das Moor- und Torfmuseum und steigst hinauf nach Urschalling, wo die kleine romanische Jakobuskirche mit ihren mittelalterlichen Fresken steht.
Hinter dem Inntal bei Rohrdorf beginnt der schönste Abschnitt: über Berbling, eines der besterhaltenen Dorfensembles Oberbayerns, am Irschenberg vorbei — dort steht die Wallfahrtskirche Wilparting vor dem Mangfallgebirge — und hinab in die bewaldeten Steilhänge der Leitzach nach Weyarn. Dann das Tölzer Land: die Moore der Kirchsee-Filzen, die Klöster Reutberg und Dietramszell, dazwischen erst die Isar, dann die Loisach bei Beuerberg, die Osterseen und am Starnberger See das Kloster Bernried. Zum Schluss der Pfaffenwinkel: über Polling und Weilheim hinauf auf den Hohen Peißenberg — 988 Meter, Doppelkirche und ein Rundblick übers ganze Alpenpanorama, der dem Berg den Beinamen „Bayerischer Rigi" eingetragen hat. Ein besseres Wegende gibt es kaum.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Die klassische Einteilung sind zwölf Etappen für die 255,7 Kilometer — so steht es im einzigen Führer, den es zu diesem Weg gibt, und so führen ihn auch die Wegportale. Der Schnitt liegt bei gut 21 Kilometern, und fast jeder Abend endet an einem Kloster oder in einem Dorf mit Wirtshaus. Wer die Strecke in neun bis zehn Tagen gehen will, muss sich die Etappen selbst schneiden, denn die offiziellen Abschnitte lassen sich nicht sinnvoll paarweise zusammenlegen: Zwei zusammengelegte Etappen ergeben fast immer 40 Kilometer. Praktikabler ist es, die Übernachtung zu verschieben — etwa nach Teisendorf statt Höglwörth oder nach Seeshaupt statt Beuerberg. Schwierig ist hier nichts: kein Passübergang, keine ausgesetzte Stelle, und der höchste Punkt ist zugleich der Zielberg und der letzte Anstieg. Was dich fordert, ist nicht das Gelände — es ist der Asphalt.
- Salzburg → Bad Reichenhall — ca. 20 km — aus der Stadt durch das dicht bebaute Talbecken der Saalach, Grenzübertritt nach Bayern, hohe Bergkulisse ringsum. Dieses Stück ist mit dem Jakobsweg Österreich identisch.
- Bad Reichenhall → Höglwörth — ca. 15 km — kürzeste Etappe, Ziel ist das Augustiner-Chorherrenstift auf der Halbinsel im Höglwörther See.
- Höglwörth → Traunstein — ca. 25 km — über den Rupertiwinkel (Raum Teisendorf) in die Salzstadt an der Traun; Etappenziel ist der Stadtplatz von Traunstein (19.000 Einwohner, planmäßig ab dem 13. Jahrhundert angelegt, Reste der Stadtmauer, Brothausturm, Löwentor).
- Traunstein → Westerbuchberg — ca. 25 km — über Bergen mit der Jakobuskirche in Bernhaupten; hinter Bergen Überquerung der Weißen Achen, dann dem Klauser Bach entlang auf den Spuren ehemaliger Soleleitungen, zuletzt über die Tiroler Achen.
- Westerbuchberg → Rohrdorf — ca. 27 km — am Chiemsee-Südufer entlang, vorbei am Moor- und Torfmuseum und dem ehemaligen Torfbahnhof, dann St. Jakobus in Urschalling bei Prien, weiter ins Inntal nach Rohrdorf.
- Rohrdorf → Berbling — ca. 19 km — Übergang vom Inntal ins Mangfalltal; Berbling gilt als eines der besterhaltenen Dorfensembles Oberbayerns.
- Berbling → Weyarn — ca. 21 km — an der Autobahnraststätte Irschenberg vorbei (Wallfahrtskirche Wilparting!) hinunter zur Leitzach in bewaldeten Steilhängen, mehrfach bergauf und bergab, durch kleine Weiler nach Weyarn.
- Weyarn → Dietramszell — ca. 21 km — über Sachsenkam und Kloster Reutberg, durch das Naturschutzgebiet Kirchsee-Filzen zum ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Dietramszell.
- Dietramszell → Beuerberg — ca. 19 km — über die Isar, durch Geretsried (24.000 Einwohner), über die Loisach zum Kloster Beuerberg.
- Beuerberg → Bernried — ca. 21 km — durch die Osterseen- und Seeshaupt-Landschaft ans Südwestufer des Starnberger Sees zum Kloster Bernried.
- Bernried → Polling — 27,0 km (6:53 h, ↗ 180 m / ↘ 230 m) — vom Kloster Bernried zum Kloster Polling, über Dörfer, Barockkirchen und historische Kapellen, kurz vor dem Ziel Abstecher zu einer Jakobuskapelle von 1997.
- Polling → Hoher Peißenberg — ca. 16 km — über Weilheim in den Pfaffenwinkel und hinauf auf den Wallfahrtsberg (988 m) mit Doppelkirche und Wetterwarte.
Gegründet 1125, aufgehoben 1817, wiederbelebt 1986
Dieser Weg ist aus Urkunden gebaut. Fast jeder Etappenort trägt ein Gründungsdatum: St. Zeno um 810 von Erzbischof Arn von Salzburg, Polling 1065 als „monasterium et prepositura in villa Pollingen“, Beuerberg und Bernried 1121, Weyarn 1133 — und Höglwörth 1125, in den Quellen wörtlich der „conventus in Hegelberd sanctorum Petri et Pauli apostolorum“. Die stärkste Familie am Weg sind die Grafen von Falkenstein: Jakobus war ihr Hausheiliger, ihre Burgkapelle in Urschalling (1158–1200) trägt seinen Namen bis heute, und ihr Codex Falkensteinensis von 1166 — geschrieben, weil Siboto IV. fürchtete, von Barbarossas Italienzug nicht heimzukehren — ist das einzige erhaltene Traditionsbuch einer weltlichen Herrschaft der Stauferzeit. Die Pilger selbst blieben dagegen stumm: Von 35 bekannten spätmittelalterlichen Reiseberichten aus Bayern betreffen nur sechs eine Santiago-Fahrt; der früheste greifbare Name ist der Nürnberger Peter Rieter, Jahr 1428.
Dann kommt der Bruch, und er hat hier gleich zwei Daten. 1803 fegt die Säkularisation in einem einzigen Jahr fast die gesamte Infrastruktur des Weges hinweg: St. Zeno versteigert, Weyarn abgebrochen bis auf Kirche und Jakobskapelle, Dietramszell, Beuerberg, Bernried, Reutberg, Rottenbuch aufgelöst — und in Polling wird eine Bibliothek von 88.000 Bänden zerschlagen, der Großteil endet als Makulatur. Die Wallfahrt auf dem Hohen Peißenberg überlebt nur, weil die Bergkirche 1805 zur Pfarrkirche erklärt wird. Nur Höglwörth entgeht dem Jahr 1803, weil es zum Erzstift Salzburg gehört — und wird am 30. Juli 1817 aufgehoben, als letzte Säkularisationsmaßnahme Bayerns überhaupt. Du gehst hier buchstäblich durch das Kloster, mit dem das Klostersterben endete.
Die Wiederbelebung kam von einer Dorfpfarrei. 1986 gründete sich in Rohrdorf am Inn — dessen Pfarrkirche seit jeher dem Jakobus gehört — die Jakobusgemeinschaft Rohrdorf, seit 1995 unter der Nummer 40 im Pilgerregister der Xunta de Galicia und damit eine der ältesten Jakobusgemeinschaften im deutschsprachigen Raum; im Jahr 2000 weihte sie das Pilgerkreuz aus tschechischem Granit vor ihrer Kirche, und aus ihrem südostbayerischen Wegenetz wuchs die Linie zusammen, die erst 2023 zum ersten Mal als durchgehender Fernweg in einem Führer beschrieben wurde. Am Ziel empfängt dich dann der älteste Werbespruch des Weges, überliefert in der Gnadenkapelle auf dem Berg: „Wer Wunder, Gnad und Gutthat will, zu Peissenberg hier findt er vil!“
Highlights am Weg
- St. Zeno in Bad Reichenhall — um 810 von Erzbischof Arn gegründet, 1136 als Augustiner-Chorherrenstift bestätigt und bis heute die größte romanische Kirche Altbayerns; das Marmorportal von 1150–1200 schuf vermutlich ein Meister aus Piacenza.
- Kloster Höglwörth — 1125 von Erzbischof Konrad I. von Salzburg auf eine Insel im eigenen See gesetzt (heute eine Halbinsel); es entging der Säkularisation von 1803 und fiel erst am 30. Juli 1817 — als letztes Kloster Bayerns überhaupt.
- Die alte Soleleitung Reichenhall–Traunstein — 1617 bis 1619 von Hofbaumeister Hanns Reiffenstuel und seinem Sohn Simon gebaut: 31 Kilometer aus rund 9.000 gebohrten Fichtenstämmen, eine der ältesten Pipelines der Welt — und im Chiemgau streckenweise dein Weg.
- St. Jakobus in Urschalling — Burgkapelle der Grafen von Falkenstein (1158–1200), deren Hausheiliger Jakobus war; die gotischen Fresken um 1390 lagen bis 1927 unter Putz, und beim Trinitätsbild wird der Heilige Geist bis heute gelegentlich als Frau gedeutet.
- St. Jakobus in Rohrdorf am Inn — die Namenskirche der Jakobusgemeinschaft, 1769–1773 nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters Leonhard Matthäus Gießl erbaut; drinnen eine gotische Jakobusfigur um 1500 aus dem Umkreis des Meisters von Rabenden, davor das Pilgerkreuz aus tschechischem Granit, geweiht im Jahr 2000.
- Wallfahrtskirche Wilparting am Irschenberg — Grabkirche der iroschottischen Wandermönche Marinus und Anianus, die der Überlieferung nach 697 hier starben; seit über tausend Jahren Wallfahrtsort — und heute eines der meistfotografierten Motive Bayerns.
- Kloster Reutberg über dem Kirchsee — 1618 gegründet, seit 1651 Franziskanerinnen, Brauerei seit 1677 und seit dem 23. Oktober 1924 eine echte Brauereigenossenschaft, eine der letzten Bayerns; der Biergarten liegt direkt am Weg.
- Der Hohe Peißenberg — 988 Meter, seit 1514 Wallfahrtsberg, „Bayerischer Rigi" genannt, im 18. Jahrhundert Ziel von über 40.000 Wallfahrern im Jahr; oben eine Doppelkirche aus Gnadenkapelle und Barockkirche — und daneben die 1781 gegründete älteste Bergwetterwarte der Welt: Beten und Barometer auf demselben Gipfel.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der natürlichste Zubringer ist der Jakobsweg Österreich: von Wolfsthal an der slowakischen Grenze über Wien, den Donauraum und Linz quer durchs Land — bis genau in die Stadt, in der dieser Weg beginnt. Das erste Stück von Salzburg über die Saalach nach Bad Reichenhall gehen beide Wege sogar gemeinsam; erst dort trennen sie sich: Der Jakobsweg Österreich biegt nach Süden ins Saalachtal ab, über Unken und Lofer nach Tirol und über den Arlberg nach Rankweil — der Voralpine dreht nach Westen und bleibt nördlich der Alpen. Wer aus Österreich kommt, hat in Bad Reichenhall also die Wahl zwischen hochalpin und flach — und trifft am anderen Ende trotzdem wieder auf die große Linie Richtung Bodensee und Schweiz.
Die meisten reisen schlicht nach Salzburg an: Der Hauptbahnhof ist ein internationaler Knoten mit Direktzügen aus München, Wien, Innsbruck und Frankfurt, der Flughafen liegt 20 Minuten vom Zentrum, und von der Altstadt bist du in einer knappen Stunde zu Fuß aus der Stadt draußen. Der zweite, ganz andere Zugang führt übers Inntal: Bei Rohrdorf und Rosenheim kreuzt der Südostbayerische Jakobsweg, der von Altötting über Wasserburg und Rosenheim nach Kufstein zieht — wer dort unterwegs ist, wechselt bei Rohrdorf einfach auf den Voralpinen Jakobsweg und hängt die zweite Hälfte bis zum Hohen Peißenberg an.
Weiterpilgern?
Am Hohen Peißenberg endet dieser Weg nicht — er wird übergeben. Oben auf dem Wallfahrtsberg wartet der Münchner Jakobsweg, der von München über Schäftlarn, Andechs, den Ammersee, Wessobrunn und Rottenbuch heraufkommt und nach Westen weiterzieht: Steingaden mit der Wieskirche, Lechbruck, Marktoberdorf, Kempten, Weitnau, Scheidegg — bis Lindau oder Bregenz am Bodensee, noch rund 180 Kilometer oder sieben bis acht Etappen. Für viele ist genau das der Plan: Der Voralpine Jakobsweg ist die östliche Hälfte einer langen Linie quer durch Süddeutschland.
Am Bodensee übernimmt die Schweiz. Von Bregenz und Lindau führen die Wege über Einsiedeln auf die Via Jacobi bis Genf; dort schließt die Via Gebennensis nach Le Puy-en-Velay an, ab Le Puy die Via Podiensis über Conques und Cahors nach Saint-Jean-Pied-de-Port — und von dort trägt dich der Camino Francés bis Santiago de Compostela. Wer in Salzburg losgeht und wirklich durchläuft, hat vom Hohen Peißenberg noch gut 2.000 Kilometer vor sich. Es ist dieselbe Linie über den Bodensee, auf der süddeutsche Pilger seit dem Mittelalter nach Spanien gezogen sind.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist von April bis Oktober — genau die Spanne, die auch der Führer nennt. Mai, Juni und September sind ideal: lange Tage, offene Klostergasthöfe, blühende Moorwiesen und meist klare Sicht auf die Alpenkette. Der Hochsommer geht gut, gewittert im Voralpenland aber verlässlich am Nachmittag — brich früh auf und plane den Zielort nicht zu spät. Im Winter liegt auf den Höhen zwischen Irschenberg und Peißenberg Schnee, viele Gasthöfe haben Ruhetage, und die Wallfahrtskirchen öffnen oft nur zu Gottesdienstzeiten. Und nimm den Asphaltanteil ernst: Gut gedämpfte Schuhe sind auf diesem Weg wichtiger als Profil.
Markiert ist der Weg mit der stilisierten gelben Muschel auf blauem Grund — dem üblichen Zeichen der bayerischen Jakobswege, meist als Aufkleber oder Plakette an Wegweisern —, dazu regionale Wanderwegweiser. Die Beschilderung ist ordentlich, aber nicht lückenlos; im offenen Gelände und an Ortsausgängen werden die Abstände groß, also lade dir einen GPS-Track oder nimm den Führer mit. Übernachtet wird nicht in Herbergen spanischer Art, sondern in Gasthöfen, Pensionen, Privatzimmern und den Gästehäusern der Klöster: Bernried ist heute ein Bildungshaus der Missions-Benediktinerinnen, in Dietramszell und Reutberg leben bis heute Schwestern. Reserviere in der Hauptsaison und an Wochenenden ein bis zwei Tage im Voraus — in kleinen Orten wie Höglwörth, Westerbuchberg oder Berbling gibt es nur eine Handvoll Betten.
Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) für die Stempel unterwegs — in den Klöstern, Wallfahrtskirchen und Tourist-Informationen entlang der Strecke, unter anderem in Bad Endorf und Wasserburg. Bestell ihn am besten vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; er ist außerdem die Grundlage, wenn du später in Spanien die Compostela erhalten willst. Plane deine Tagesetappen vorher durch, weil die Unterkünfte hier klein und die Abstände unterschiedlich sind; am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 60 bis 90 € pro Tag — deutlich mehr als in Spanien, weil dir hier die günstigen Pilgerherbergen fehlen. Ein Doppelzimmer im bayerischen Landgasthof kostet je nach Region 45 bis 75 € pro Person mit Frühstück, ein Einzelzimmer selten unter 60 €; die Gästehäuser der Klöster liegen meist darunter — und sind oft ohnehin die schönste Wahl. Fürs Essen planst du 20 bis 30 € am Tag: Ein Wirtshausessen im Voralpenland liegt bei 15 bis 22 €, die Brotzeit im Klosterbiergarten deutlich darunter. Dazu kommen Einmalkosten — wenige Euro für den Pilgerausweis, rund 30 bis 60 € für An- und Rückreise per Bahn. Wer Privatzimmer und Klostergästehäuser mischt und im Supermarkt einkauft, drückt den Tag auf etwa 45 bis 55 € (alle Preise Stand: August 2026).
Anreise
Salzburg ist der bequemste Startpunkt, den ein Jakobsweg haben kann. Der Salzburger Hauptbahnhof liegt an der Westbahn und an der Strecke München–Wien: aus München bist du in gut anderthalb Stunden da, aus Wien in knapp drei, dazu gibt es Direktverbindungen aus Innsbruck, Zürich und Frankfurt; der Flughafen Salzburg liegt vier Kilometer vom Zentrum. Übernachte am Vorabend in der Stadt, hol dir am Morgen den ersten Stempel und geh die Saalach entlang los — die erste Etappe ist mit rund 20 Kilometern ein sanfter Einstieg.
Das Ende ist genauso unkompliziert. Hohenpeißenberg hat einen Haltepunkt an der Pfaffenwinkelbahn zwischen Weilheim und Schongau, und ab Weilheim fahren Regionalzüge im Takt nach München und Richtung Garmisch. Wer direkt weiterläuft, bucht gar nichts — die nächste Etappe Richtung Steingaden gehört bereits zum Münchner Jakobsweg.
- Anreise nach Salzburg: Fernverkehr aus München (ca. 1:30 h), Wien (ca. 2:30 h), Innsbruck und Zürich; Flughafen Salzburg 4 km vom Zentrum, Anbindung per Obus. Vom Hauptbahnhof zu Fuß rund 20 Minuten in die Altstadt.
- Rückreise ab Hohenpeißenberg: Pfaffenwinkelbahn ab Haltepunkt Hohenpeißenberg nach Weilheim (ca. 15 min), dort umsteigen nach München Hbf (ca. 45 min) oder Richtung Garmisch-Partenkirchen. Am Wochenende dünnerer Takt — vorher prüfen.
- Zwischeneinstieg: Traunstein, Prien am Chiemsee, Rosenheim, Holzkirchen und Weilheim liegen alle an Bahnstrecken mit Halbstunden- bis Stundentakt ab München oder Salzburg. Rosenheim/Rohrdorf teilt den Weg am natürlichsten: Salzburg–Rohrdorf und Rohrdorf–Hohenpeißenberg sind zwei Hälften von je fünf bis sechs Tagen.
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
Alles, was du für den Voralpiner Jakobsweg brauchst, direkt zu dir nach Hause.
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