Ort am Jakobsweg
Märstetten
Switzerland
- Unterkünfte
- 4
- Camino
- 1
- Höhe
- 425 m
Märstetten ist für viele der erste Abend auf der Via Jacobi: 14 Kilometer hinter Konstanz steht eine Jakobskirche von 1155 am alten Pilgerweg nach Einsiedeln. Freiwillige betreiben hier seit 2003 eine Pilgerherberge mit zehn Betten für 25 Franken. Schlafsack mitbringen, Frühstück selbst organisieren.
Aktuell in Märstetten (Stand: Oktober 2026)
- Herberge ab 1. November nur auf Anruf: Die Pilgerherberge ist von April bis Oktober besetzt. Im Winter ist sie offiziell geschlossen, du kannst aber über die Telefonnummer an der Haustür trotzdem eine Übernachtung vereinbaren. Ruf am besten vorher an: +41 77 512 58 31.
Märstetten in Ninja-Zahlen
- 14,1 Kilometer hinter Konstanz liegt Märstetten. Für einen ersten Tag ist das genau richtig, für die Beine wie für den Kopf.
- 1155 wird Märstetten zum ersten Mal erwähnt, in einer Urkunde, in der auch die Kirche vorkommt.
- 6.508 Übernachtungen hat die Pilgerherberge zwischen 2003 und Juni 2023 gezählt. Das sind gut 300 Pilger pro Jahr, im Schnitt also fast jeden Saisontag einer.
- 25 Franken (ca. 27 €) kostet ein Bett in der Herberge (Stand: Oktober 2026).
Ankommen: der erste Abend nach Konstanz
Von Kreuzlingen steigt der Weg über Schwaderloh auf gut 550 Meter, läuft nach Ellighausen und Lippoldswilen und kommt beim Weiler Ruberbaum an. Das letzte Stück führt durch ein Bachtobel hinunter ins Dorf. Märstetten liegt am Fuß des Ottenbergs, zwischen Reben und Thurtal, mit Riegelhäusern um zwei alte Dorfplätze. Das Ortsbild steht im Bundesinventar ISOS.
Wichtig für die Orientierung: Kirche, Herberge und Laden liegen im Dorfkern, der Bahnhof rund einen Kilometer weiter südlich. Manche Etappenbeschreibungen enden am Bahnhof. Wenn du hier schläfst, bleib oben im Dorf.
Kurz erzählt: eine Kirche am alten Pilgerweg
Märstetten war über Jahrhunderte ein Bauerndorf mit Obst, Wein und Vieh. 1155 tauchen Hof und Kirche in einer Urkunde auf, später gehörten sie dem Konstanzer Domstift. Davon erzählt das Hohe Haus mitten im Dorf: 1613 ließ der Konstanzer Domherr Salomon Buchhorner es als Zehnthaus bauen. 1529 wurde das Dorf reformiert. Von 1594 bis 1795 durften die Katholiken die Kirche wieder für die Messe mitbenutzen.
Für Pilger zählt vor allem die Kirche. Sie trägt das Patrozinium des heiligen Jakobus, und die Kunstdenkmäler-Inventare beschreiben sie als „an dem ehemaligen Pilgerweg Konstanz–Einsiedeln gelegen“. Du gehst hier also nicht nur einen markierten Wanderweg, sondern einen alten Pilgerweg.
Die Jakobskirche: was du sehen solltest
Märstetten ist klein, und alles Sehenswerte liegt dicht beieinander im Dorfkern.
- Reformierte Kirche St. Jakob: Ein Turmchor aus dem 13. oder 14. Jahrhundert mit Rippengewölbe, 1487 bis 1489 nach Westen verlängert. Am Chorbogen ist ein spätgotisches Jüngstes Gericht zu sehen, das 1975 unter dem Putz wieder zum Vorschein kam. Dazu ein Taufstein von 1590, eine Kanzel von 1790 und am Turm eine Sonnenuhr, die 1808 gemalt wurde. Auf dem Friedhof steht eine Glocke von 1683 aus einer Konstanzer Gießerei. Für dich ist die Kirche aus zwei Gründen wichtig: Sie ist Jakobus geweiht, und hier liegt der Pilgerstempel. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.
- Hohes Haus, Trotte und Kehlhof: Das Hohe Haus von 1613 ist das Zehnthaus des Konstanzer Domstifts. Gegenüber steht die Trotte mit gemalten Ecksäulen, daneben der Alte Kehlhof mit der Jahreszahl 1488. Zusammen zeigen sie, wem das Dorf gehörte und wohin die Abgaben gingen: nach Konstanz, wo du heute Morgen losgegangen bist. Innen sind die Häuser nicht öffentlich zugänglich, aber von außen schnell gesehen.
Essen und Trinken
Viel Auswahl gibt es nicht, und am Wochenende wird es dünn. Der Volg an der Bahnhofstrasse hat werktags von 6 bis 21 Uhr und samstags von 7 bis 19.30 Uhr offen. Die Bäckerei Sonne Beck öffnet werktags um 6 Uhr und sonntags von 8 bis 11 Uhr und hat ein kleines Frühstücksangebot. Das Café Kanapee an der Bahnhofstrasse ist nur montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr offen (Stand: Oktober 2026).
Am verlässlichsten ist die Herbergsküche: im Volg einkaufen, oben kochen.
Ehrlich gesagt
- Der Bahnhof liegt einen Kilometer vom Dorf entfernt. Wer mit dem Zug anreist oder abreist, läuft diesen Kilometer zusätzlich.
- Samstagabend und Sonntag sieht es mau aus. Café zu, Volg sonntags vermutlich zu. Kauf am Samstag rechtzeitig ein.
- Ohne Schlafsack geht in der Herberge nichts. Wolldecken gibt es, einen Leihschlafsack nur im Ausnahmefall.
- Ab November ist es eine Herberge auf Anruf. Wer im Winter einfach vor der Tür steht, muss erst telefonieren.
Wo Pilger schlafen
Die Pilgerherberge Märstetten an der Hubstrasse 2 liegt mitten im Dorfkern. Es ist eine kleine, alte Wohnung mit zehn Betten in zwei Zimmern und voll eingerichteter Küche. Ein Bett kostet 25 Franken (ca. 27 €), Kinder bis 16 zahlen 12 Franken (Stand: Oktober 2026). Ein Frühstück gibt es nicht, und du brauchst einen eigenen Schlafsack. Getragen wird das Haus seit 2003 von einem Team Freiwilliger, ohne eigenen Verein und seit 2012 ohne Zuschüsse. Nach eigener Darstellung war es die erste Herberge dieser Art am Jakobsweg durch die Schweiz. Von April bis Oktober empfängt dich ab 17 Uhr jemand auf Abruf, der Name hängt an der Haustür. Reservieren musst du nicht, sie wird aber sehr empfohlen.
Außerdem gibt es ein paar Privatzimmer in Bauernhöfen rund um das Dorf, etwa auf Brenners Erlebnishof ab 55 Franken pro Person (ca. 59 €). Eine weitere Pilgerherberge gibt es in Märstetten nicht.
Ninja-Tipps
- Stempel auch ohne Übernachtung: Der Pilgerstempel liegt in der Jakobskirche im Schrank unter der Treppe.
- Frühstück beim Bäcker: Die Herberge hat keins, der Sonne Beck öffnet werktags um 6 Uhr.
- Im Dorf bleiben: Die Herberge ist im Kern, nicht am Bahnhof. Geh nicht erst hinunter zur Station.
- Saisonstart mit Gottesdienst: Jedes Frühjahr eröffnet das Herbergsteam die Saison mit einem Gottesdienst in der Jakobskirche, in den letzten Jahren Ende März.
- Wasser in Affeltrangen auffüllen: Auf dem Weg nach Tobel und weiter nach Fischingen gibt es lange Stücke ohne Brunnen. Einer steht beim Hof in Affeltrangen, der nächste erst in Oberwangen.
Praktische Tipps für Pilger
- Bahn: Der Bahnhof Märstetten liegt an der Linie Winterthur–Weinfelden–Romanshorn, mit der S24 und der S30.
- Weinfelden: Die Kleinstadt liegt rund drei Kilometer neben dem Weg und ist mit dem Zug eine Station entfernt, falls du etwas brauchst, das es im Dorf nicht gibt.
- Sonntag: Bäckerei von 8 bis 11 Uhr, sonst wenig. Einkauf am Samstag einplanen.
Weiter: über die Thur nach Tobel
Von Märstetten sind es 12,5 Kilometer bis Tobel, eine leichte Etappe auf Asphalt und Feldwegen. Gleich hinter dem Dorf überquerst du die Bahnlinie und die Thur und kommst nach Amlikon. Dann geht es durch das Lättebachtal über Hünikon und Maltbach hinauf nach Kaltenbrunnen. Dort steht eine kleine St.-Jakobs-Kapelle, und mit rund 544 Metern ist es der höchste Punkt des Tages. Wer mag, nimmt die Variante über Lommis mit seiner Jakobskirche.
Morgen erwartet dich
In Tobel steht ein Barockbau, der mehr Leben hinter sich hat als die meisten Klöster: erst Johanniterkomturei, dann 162 Jahre lang Gefängnis, heute ein Kulturort. Die Johanniter haben hier einst geschwächte Pilger auf dem Weg nach Einsiedeln versorgt. In Tobel endet außerdem der Thurgauer Klosterweg, du bekommst also vielleicht Gesellschaft.
Tiefer eintauchen: Ein Dorf, das Konstanz gehörte
Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Märstetten erfahren willst. Etwa drei Minuten Lesezeit.
Ein Hof, eine Kirche, ein Domstift
Im Jahr 1155 taucht Märstetten zum ersten Mal in einer Urkunde auf, und schon damals ist von einem Hof und einer Kirche die Rede. Wahrscheinlich steht die Kirche dort, wo vorher die Burg der Herren von Märstetten stand, auf dem Hügel über dem Dorf. Im dreizehnten Jahrhundert kamen Hof und Kirche an das Domstift Konstanz. Damit gehörte das Dorf, das du am ersten Abend erreichst, genau der Stadt, aus der du am Morgen aufgebrochen bist.
Das Haus des Domherrn
Wie eng diese Bindung war, siehst du am Hohen Haus. 1613 ließ es der Konstanzer Domherr Salomon Buchhorner als Zehnthaus bauen. Hier wurde gesammelt, was die Bauern abgeben mussten, und wenige Jahre später kam eine Gerichtsstube mit getäfelten Wänden dazu. Gegenüber steht die Trotte, in der die Trauben gepresst wurden. Bis ins neunzehnte Jahrhundert lebte Märstetten vor allem von Obst, Wein und Vieh. Erst 1855 kam die Bahnlinie, und sie blieb unten im Tal, einen Kilometer vom Dorf entfernt.
Eine Kirche für zwei Konfessionen
1529 setzte sich in Märstetten die Reformation durch. Doch die Geschichte blieb verwickelt: Von 1594 bis 1795 durfte in der Kirche wieder die katholische Messe gefeiert werden, im Wechsel mit dem reformierten Gottesdienst. Zwei Konfessionen teilten sich einen Raum, zwei Jahrhunderte lang. Das Jüngste Gericht über dem Chorbogen, das du heute siehst, lag lange unter dem Putz. Erst bei der Restaurierung 1975 kam es wieder ans Licht.
Jakobus am Weg nach Einsiedeln
Die Kirche ist dem heiligen Jakobus geweiht, und sie liegt an dem alten Pilgerweg von Konstanz nach Einsiedeln. Wer vom Bodensee nach Einsiedeln wollte, kam hier vorbei.
Die Wohnung für Pilger
2003 taten sich ein paar Leute aus dem Dorf zusammen und richteten in einer alten Mietwohnung eine Herberge ein. Sie gründeten keinen Verein, sie machten es einfach. Seither haben Freiwillige jeden Abend der Saison bereitgestanden, Schlüssel übergeben und Pilger begrüßt, in den ersten zwanzig Jahren mehr als sechseinhalbtausend Mal. Die meisten Gäste kommen aus Deutschland und gehen bis Einsiedeln. Wenige gehen bis Santiago. Für alle ist Märstetten der erste Abend.
Übernachten in Märstetten
Unterkünfte in Märstetten.
GeöffnetPilgerherberge Märstetten
GeöffnetBrenners Erlebnishof Märstetten
GeöffnetReservierung möglichGasthaus Haldenhof
