Orte

Ort am Jakobsweg

Tobel-Tägerschen

Switzerland

Unterkünfte
2
Caminos
2
Höhe
528 m

Tobel ist ein Ort der Verwandlungen: Die Johanniter versorgten hier ab dem 13. Jahrhundert Pilger auf dem Weg nach Einsiedeln, danach war ihre Komturei 162 Jahre lang ein Gefängnis, heute ist sie ein Kulturort. Hier endet der Thurgauer Klosterweg. Betten gibt es wenige, also reservieren.

Tobel in Ninja-Zahlen

  • 26,6 Kilometer hinter Konstanz liegt Tobel, am Ende deines zweiten Tages, wenn du in Märstetten geschlafen hast.
  • 1228 werden die Johanniter in Tobel zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
  • 162 Jahre, von 1811 bis 1973, saßen in den Mauern der Komturei Gefangene. Länger, als die Johanniter den Barockbau selbst bewohnt haben.
  • Zwei Wege treffen sich hier: Die Via Jacobi läuft durch, der Thurgauer Klosterweg endet.
  • 16,2 Kilometer sind es bis Fischingen, mit dem ersten richtigen Wald der Via Jacobi kurz vor dem Ziel.

Ankommen: am Rand von Tobel

Von Märstetten kommst du über die Thur, durch das Lättebachtal und über Kaltenbrunnen mit seiner kleinen St.-Jakobs-Kapelle. Kurz vorher öffnet sich der Blick nach Affeltrangen und Tobel, und in der Ferne steht schon das Hörnli, über das dich der Weg nach Fischingen führt. Der Weg umgeht Affeltrangen und berührt Tobel nur am Westrand beim Hof Flüügenegg. Komturei, Kirche und Dorfkern liegen etwas abseits. Der Abstecher lohnt sich.

Tobel ist ein altes Haufendorf mit Bauernhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Auf der Anhöhe stehen Kirche, Wehrturm und Komturei beieinander. Seit 1999 bildet Tobel mit dem Nachbardorf Tägerschen eine Gemeinde.

Kurz erzählt: Ritter, Häftlinge, Künstler

Die Grafen von Toggenburg holten im 13. Jahrhundert den Johanniterorden nach Tobel. Eine Legende sagt, die Stiftung sei eine Sühne für einen Brudermord in der Grafenfamilie gewesen. Das Bundesinventar ISOS widerspricht: Die Komturei sei ein Bollwerk gegen das Kloster St. Gallen gewesen. 1228 ist sie erstmals belegt. Die Ordensleute bauten einen Wehrturm und erweiterten ihren Besitz Schritt für Schritt. Johann Caspar Bagnato baute ihnen von 1744 bis 1747 den Barockbau, den du heute siehst.

Lange konnten die Johanniter ihn nicht genießen. 1807 übernahm der Kanton Thurgau die Anlage, 1811 zog eine Zucht- und Arbeitsanstalt ein. Erst 1973 wurde das Gefängnis aufgelöst, und die Gefängnisanbauten wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen. Seit 2006 kümmert sich eine Stiftung um das Haus und füllt es mit Ausstellungen, Märkten und Festen.

Johanniter und Pilger

Für dich ist das Wichtigste an Tobel, dass die Komturei am Jakobsweg lag. Die Johanniter waren ein Spitalorden, und hier pflegten sie kranke und geschwächte Pilger auf dem Weg nach Einsiedeln. In einem Herrschaftsplan von 1745 heißt der Weg Richtung Hörnli ausdrücklich „Pilgerweg“, und das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz führt ihn bis heute unter diesem Namen. Du gehst also auf einer Trasse, die schon vor fast 300 Jahren als Pilgerweg kartiert war.

Das Bild hat sich gedreht: Früher kamen Pilger nach Tobel, weil hier jemand für sie sorgte. Heute sind die Betten knapp, und wer kommt, sollte sich vorher anmelden.

Die Komturei: was du sehen solltest

Tobel ist klein. Das meiste siehst du auf einem kurzen Rundgang vom Weg aus.

  • Komturei Tobel: Der Barockbau von Johann Caspar Bagnato wurde 1744 bis 1747 errichtet. Fast 600 Jahre Ordensgeschichte, 162 Jahre Gefängnis und ein ehrenamtlich getragener Kulturbetrieb stecken in diesen Mauern. Die Stiftung zeigt Ausstellungen auf dem ganzen Areal, 2026 etwa „Kipppunkt Komturei Tobel“ mit 27 Kunstschaffenden. Die Komtureibeiz ist nach Stellenanzeigen von 2025 von Mai bis Dezember an zwei bis drei Tagen pro Woche geöffnet. Feste Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden. Frag vorher an: 071 917 24 82, info@komturei.ch.
  • Katholische Pfarrkirche St. Johann: 1706 neben dem alten Wehrturm der Johanniter gebaut, der seit 1717 als Glockenturm dient. Die Kirche ist den beiden Johannes geweiht, dem Täufer und dem Evangelisten, wie es sich für einen Johanniterort gehört. Im Chor sitzen drei Ornamentfenster von 1893. Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.

Essen und Trinken

Hier musst du planen. Einen Laden haben wir in Tobel nicht gefunden. Es gibt das Restaurant Eisenbahn beim Bahnhof, dessen Öffnungszeiten wir nicht kennen, und die Komtureibeiz, die vor allem für Anlässe offen ist. Kauf in Märstetten ein, bevor du losgehst. Ein Pilger, der 2015 an einem Sonntag unterwegs war, fand zwischen Märstetten und Münchwilen keine einzige offene Einkehr.

Ehrlich gesagt

  • Der Weg streift Tobel nur. Komturei und Kirche sind ein kleiner Abstecher vom Weg. Wer nicht hinschaut, ist durch, ohne sie gesehen zu haben.
  • Kein Laden. Proviant musst du mitbringen.
  • Wenige Betten. Es gibt keine Pilgerherberge, nur ein paar Privatzimmer. Ohne Reservierung kann es eng werden.
  • Die Etappe zieht sich. Zwischen Märstetten und Fischingen läufst du viel auf Asphalt und Flurwegen, ein Wanderer nannte das Stück „etwas monoton“. Das schöne Waldstück kommt erst kurz vor Fischingen.

Wo Pilger schlafen

Eine Pilgerherberge im engeren Sinn hat Tobel nicht. Es gibt nur Privatzimmer, und die sind knapp.

Bei Familie Rupp in der Mühle 2 schläfst du nahe dem Bahnhof Tobel-Affeltrangen in Privatzimmern mit Frühstück. Die Gemeinde nennt 30 bis 50 Franken pro Nacht (ca. 32 bis 54 €). Über die Zahl der Betten sind sich die Listen nicht einig, ruf also vorher an: +41 76 595 41 49.

Der Homestay Thürn liegt im Weiler Türn, südlich von Tobel direkt am Weg nach Fischingen, und hat nur ein bis drei Betten. Die Gemeinde führt ihn als Pilgerunterkunft. Zum Preis gibt es widersprüchliche Angaben, frag beim Anruf danach: +41 76 443 48 53.

Ninja-Tipps

  • Abstecher ins Dorf: Der Weg berührt Tobel nur am Westrand beim Hof Flüügenegg. Wer die Komturei sehen will, muss ihn kurz verlassen.
  • Thürn verkürzt den nächsten Tag: Wer dort schläft, hat morgen ein Stück weniger bis Fischingen.
  • Kein Bett frei? Die S10 fährt vom Bahnhof Tobel-Affeltrangen jede halbe Stunde nach Wil und Weinfelden. Am Morgen fährst du zurück und gehst weiter.
  • Wasser in Affeltrangen: Beim Hof in Affeltrangen gibt es einen Brunnen, der nächste kommt erst in Oberwangen.
  • Kapelle mit Pilgerempore: In St. Margarethen, ein paar Kilometer weiter, führt eine Außentreppe an der Kapelle auf die Empore, wo früher Pilger übernachteten.

Praktische Tipps für Pilger

  • Bahn: Tobel hat zwei Bahnhöfe an der Linie Wil–Weinfelden: Tobel-Affeltrangen (Halt auf Verlangen) und Tägerschen. Die S10 fährt im Halbstundentakt.
  • Thurgauer Klosterweg: Wer auf dem Thurgauer Klosterweg aus Blumberg kommt, ist hier am Ziel und kann direkt auf die Via Jacobi Richtung Einsiedeln wechseln.
  • Stempel: Eine Stempelstelle in Tobel haben wir nicht gefunden. Frag bei deiner Unterkunft danach.

Weiter: auf dem alten Pilgerweg nach Fischingen

Bis Fischingen sind es 16,2 Kilometer. Vom Hof Flüügenegg geht es über Wiesen nach Süden, durch den Kaa-Wald und an Türn und Stocke vorbei nach St. Margarethen. Dort steht die Kapelle St. Margaretha aus dem 17. Jahrhundert mit ihrer Pilgerempore, beim alten Wegkreuz, an dem sich mehrere historische Wege trafen. In Münchwilen kommst du am ehemaligen Pilgergasthof „Zum Engel“ vorbei, in Sirnach läufst du an der Murg entlang, in Oberwangen steht die Barockkapelle St. Martin auf dem Hügel. Die letzten rund zwei Kilometer führen durch Wald hinauf zum Kloster.

Morgen erwartet dich

In Fischingen liegt die heilige Idda, und in ihrem Altar ist ein Loch, in das müde Pilger seit Jahrhunderten ihren Fuß stecken. Nach dem Tag von Tobel her weißt du, warum. Vom 3. bis 8. November 2026 feiert das Kloster Iddas 800. Todestag.

Tiefer eintauchen: Die drei Leben der Komturei

Ein kurzer Text, falls du noch mehr über Tobel erfahren willst. Etwa drei Minuten Lesezeit.

Ein Orden auf dem Hügel

Im Jahr 1228 taucht Tobel in den Urkunden auf, als Niederlassung der Johanniter. Gerufen hatten sie die Grafen von Toggenburg, die mächtigsten Herren der Gegend. Warum, darüber gibt es zwei Geschichten. Die eine ist eine Legende: Ein Graf habe seinen Bruder getötet und das Haus zur Sühne gestiftet. Die andere erzählt das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder, und sie ist nüchterner. Die Komturei sei ein Bollwerk gewesen, gegen das mächtige Kloster St. Gallen. Die Ordensleute bauten einen Wehrturm. Er steht noch und trägt heute die Glocken.

Ritter, die Pilger pflegten

Die Johanniter waren Ritter und Krankenpfleger zugleich. Ihr Orden war im Heiligen Land entstanden, um Pilger zu versorgen. In Tobel taten sie das, was sie überall taten: Sie nahmen Kranke auf und halfen denen, die auf dem Weg nach Einsiedeln schwach geworden waren. Der Weg nach Süden, über das Hörnli, hieß in den Akten der Herrschaft schlicht der Pilgerweg.

Die Komturei wurde reich. Um 1500 gehörten ihr Grund und Gericht im Nachbardorf Tägerschen. Die Reformation vertrieb die Johanniter 1529 für drei Jahre, dann kamen sie zurück. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts leisteten sie sich einen Neubau. Der Baumeister Johann Caspar Bagnato, der in der ganzen Bodenseegegend für Orden und Fürsten baute, baute ihnen zwischen 1744 und 1747 das barocke Haus.

Ein Gefängnis für den Kanton

Sechzig Jahre später war der Orden am Ende. 1807 übernahm der neue Kanton Thurgau die Anlage, und 1811 machte er daraus eine Zucht- und Arbeitsanstalt für Männer und Frauen. Die Gefangenen arbeiteten auf dem Gutshof. Hundertzweiundsechzig Jahre lang blieb das so. Als die Anstalt 1973 aufgelöst wurde, riss man die Gefängnisbauten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ab, auch einen älteren Flügel der Komturei.

Ein Haus, das wieder offen ist

1986 zog auch der Gutsbetrieb aus. 2006 gründete sich eine Stiftung, um es zu erhalten und wieder zu beleben. Heute zeigen Künstler ihre Arbeiten in den Räumen, im Advent gibt es einen Weihnachtsmarkt, und von Mai bis Dezember öffnet an einigen Tagen die Beiz.

Wenn du an Tobel vorbeigehst, gehst du an einem Haus vorbei, das Pilger gepflegt, Menschen eingesperrt und Kunst gezeigt hat. Der Weg darunter ist geblieben.

Übernachten in Tobel-Tägerschen

Unterkünfte in Tobel-Tägerschen.

Alle 2 Unterkünfte ansehen