Cammino di San Tommaso auf der Karte

Cammino di San Tommaso

319 Kilometer von einem Apostelgrab zum anderen: vom Petersplatz in Rom durch die Castelli Romani nach Subiaco, in einer Etappe tausend Höhenmeter hinauf in die Monti Simbruini, über die Marsica und die Hochebene von Ovindoli, an der Freskenkapelle von Bominaco und dem Volto Santo von Manoppello vorbei, entlang der Maiella hinunter an die Adria nach Ortona, wo seit 1258 die Gebeine des Apostels Thomas liegen. 16 Etappen, 8.194 Meter Aufstieg, sieben Schutzgebiete, kein Herbergsnetz — und kein Jakobsweg, sondern ein Thomasweg, 2013 nach der Pilgerfahrt einer Schwedin des 14. Jahrhunderts angelegt.

6. September 202618 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Rom, Piazza San Pietro / Ortona, Cattedrale-Basilica di San Tommaso Apostolo
  • Länge: 318,7 km
  • Dauer: 16 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 8.194 m / ↘ 8.197 m
  • Höchster Punkt: 1.749 m an der Flanke des Monte Autore; tiefster Punkt 12 m in Ortona
  • Etappen: 16 (offizielle Gliederung des Trägers, Kilometer auf unsere Streckendaten kalibriert)
  • Regionen: Latium und Abruzzen — Castelli Romani, Monti Simbruini, Marsica, Altipiano delle Rocche, Valle Subequana, Maiella, Colline Teatine
  • Träger: Associazione Cammino di San Tommaso, Ortona; Weg angelegt 2013
  • Markierung: weiß-rote CAI-Streifen und Fähnchen mit dem Wegelogo, Holzpfosten mit Aluschildern
  • Kein Jakobsweg: Apostelweg zu Thomas — Credenziale und Testimonium des Trägers, keine Compostela
  • Anschluss Rom: Via Francigena (Italien), Via Francigena del Sud, Cammino di Francesco
  • Kreuzung Subiaco: Cammino di San Benedetto
  • Beste Zeit: April bis Juni und September bis Oktober; erster Maisonntag = Perdono di San Tommaso in Ortona

Überblick

Du beginnst unter der Kuppel des Petersdoms und kommst in der Krypta einer Kathedrale an der Adria an — dazwischen liegen 318,7 Kilometer, zwei Regionen und sieben Schutzgebiete. Der Träger nennt den Weg selbstbewusst „l'unico itinerario al mondo che collega le spoglie di due Apostoli", den einzigen Weg der Welt, der die Gebeine zweier Apostel verbindet, und das stimmt so wohl auch. Du verlässt Rom durch den Parco dell'Appia Antica, steigst in die Castelli Romani, erreichst über Genazzano mit seinem schwebenden Gnadenbild Subiaco, wo Benedikt in einer Höhle wohnte und tausend Jahre später das erste Buch Italiens gedruckt wurde — und dann wird es ernst: zehn Kilometer, tausend Höhenmeter, hinauf nach Livata. Über die Buchenwälder der Monti Simbruini und den Abstieg nach Tagliacozzo kommst du in die Marsica, steigst noch einmal auf den Altipiano delle Rocche mit Ovindoli und Rocca di Mezzo, fällst in die Valle Subequana zur Freskenkapelle von Bominaco und zum Krieger von Capestrano, gehst an der Ostflanke der Maiella vorbei am Volto Santo von Manoppello — und dann liegt die Adria vor dir, mit einer Weinfontäne auf den letzten Kilometern.

Der Weg ist jung und alt zugleich. Angelegt hat ihn 2013 die Associazione Cammino di San Tommaso, als Nachvollzug einer Pilgerfahrt, die Birgitta von Schweden zwischen 1365 und 1368 nach Ortona führte; belegt ist die Zielwallfahrt zum Thomasgrab seit den Ablässen des 14. Jahrhunderts, nicht dieser konkrete Verlauf — das sagen wir so, wie es ist. Ehrlich gesagt ist es kein Jakobsweg und kein Spaziergang: 8.194 Meter Aufstieg, die kürzeste Etappe ist die härteste, ein Herbergsnetz gibt es nicht, und in den Bergdörfern der Marsica hilft dir Englisch selten. Dafür gehst du zwei Wochen lang durch ein Italien, das kaum jemand kennt, und kommst an einer Kathedrale an, die 1943 gesprengt und 1949 neu geweiht wurde. Von Petrus zu Thomas — der Weg beginnt an einem Grab und endet an einem anderen.

Andere Namen

Italienisch heißt der Weg schlicht Cammino di San Tommaso; auf Deutsch findest du gelegentlich Thomasweg, meist aber den italienischen Namen, auch auf den deutschsprachigen Tourenportalen. Weil er zwei Apostelgräber verbindet, wird er manchmal als Via Sacra Roma–Ortona angesprochen — eine beschreibende Sammelbezeichnung, kein zweiter offizieller Wegname: Der Träger selbst verwendet ausschließlich „Cammino di San Tommaso". Und eine Klarstellung gleich vorweg, weil sie oft verwechselt wird: Das ist kein Jakobsweg. Am Ende steht keine Compostela, sondern das Testimonium des Trägers und das Grab eines anderen Apostels. Wer hier geht, geht von Petrus zu Thomas.

Bei den Zahlen musst du wissen: Der Träger nennt rund 316 Kilometer, die Portale schwanken zwischen 300 und 320, GPS-Tracks summieren auf 327,6 — unsere Route misst 318,7 Kilometer, und darauf sind die 16 offiziellen Etappen unten proportional kalibriert. Der Verein bietet außerdem eine MTB-Variante mit 372 Kilometern in sieben Etappen an; eine Reitvariante ist in Entwicklung. Die Etappen 14 bis 16 werden vom Träger über San Martino sulla Marrucina und Crecchio geführt, manche GPS-Sammlungen splitten dieselbe Linie über Pretoro und Orsogna — es ist derselbe Korridor, wir folgen den Trägerzielen.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist dieser Weg, wenn du einen Apostelweg willst, der nicht nach Santiago führt, und dafür zwei Wochen am Stück hast — an einem Apostelgrab losgehen, an einem anderen ankommen, das gibt es nur hier. Ideal, wenn du Berge magst: sieben Schutzgebiete, tausend Höhenmeter in einer Etappe, eine Hochebene auf 1.300 Metern und der Gran Sasso als Kulisse. Ideal, wenn du Kunst suchst, die kaum jemand kennt — der Oratorio von Bominaco ist ein europäischer Rang für sich, und du brauchst einen Schlüssel dafür. Und ideal, wenn du am Meer ankommen willst: Der Weg endet an der Adria, und auf den letzten Kilometern steht ein Fass, aus dem Wein läuft.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du ein Herbergsnetz erwartest — es gibt keins, du planst auf Pfarreien, Klöster, Agriturismi und B&Bs, und du planst sie vorher, nicht unterwegs; in manchen Bergdörfern gibt es genau eine Adresse. Nichts für dich auch, wenn du wenig Kondition mitbringst: 8.194 Höhenmeter auf 318,7 Kilometern, Etappen bis 29 Kilometer, das ist Bergwandern mit Gepäck. Wer auf Englisch angewiesen ist, kommt in den Dörfern der Marsica und der Valle Subequana kaum durch — ein paar Sätze Italienisch sind hier Ausrüstung, kein Luxus. Und wer eine Compostela oder den Anschluss ans Jakobsweg-Netz braucht: falscher Weg.

Streckenverlauf & Landschaft

Du startest auf der Piazza San Pietro und gehst durch den Parco dell'Appia Antica aus Rom hinaus, hinauf in die Castelli Romani — Castel Gandolfo, Albano Laziale, Nemi. Über Artena, Valmontone und Cave erreichst du Genazzano mit dem Marienheiligtum der Augustiner, dann durch die Monti Prenestini nach Subiaco mit Benedikts Klöstern. Von hier wird es ernst: zehn Kilometer, tausend Höhenmeter, hinauf nach Livata. Danach läuft der Weg auf über 1.400 Metern durch die Buchenwälder der Monti Simbruini und streift die Flanke des Monte Autore — dort liegt mit 1.749 Metern der höchste Punkt der Strecke. Der Abstieg nach Tagliacozzo bringt dich in die Marsica, das ehemalige Seebecken des Fucino, wo 1268 die Staufer untergingen.

Über Scurcola Marsicana und Massa d'Albe — mit der Römerstadt Alba Fucens am Fuß des 2.487 Meter hohen Monte Velino — steigt der Weg noch einmal in den Parco Sirente-Velino und auf den Altipiano delle Rocche mit Ovindoli und Rocca di Mezzo: Almen, Karstmulden, weite Sicht, die höchstgelegene bewohnte Passage der Strecke. Danach fällt er in die Valle Subequana ab, über Fontecchio, Bominaco und Capestrano, mit dem Gran Sasso als Kulisse. Der letzte Abschnitt gehört der Maiella: von Pescosansonesco durch das Pescara-Tal nach Manoppello, dann an der Ostflanke des Nationalparks über Serramonacesca, Pretoro und Rapino — und dann fällt die Landschaft in die Weinhügel der Colline Teatine ab, über Orsogna und Crecchio, bis in Ortona die Adria vor dir liegt. Zwischen Bergpass und Meer liegen keine drei Tage.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Träger gliedert den Weg in 16 Tappe, und wir übernehmen diese Gliederung. Die Kilometerwerte sind proportional auf die 318,7 Kilometer unserer Streckendaten kalibriert — der Verein nennt rund 316, GPS-Tracks summieren auf gut 327; für einen Bergweg eine normale Streuung. Die Summe ist exakt, die Einzelwerte sind auf wenige hundert Meter genau.

  1. Roma (Piazza San Pietro) – Castel Gandolfo – Albano Laziale (29,2 km) — Appia Antica, Castelli Romani; lang, aber flach.
  2. Albano Laziale – Nemi – Artena (27,2 km) — Nemisee, Monti Lepini im Blick.
  3. Artena – Valmontone – Cave – Genazzano (18,3 km) — Marienheiligtum der Augustiner am Ziel.
  4. Genazzano – Olevano Romano – Roiate – Affile – Subiaco (26,3 km) — Monti Prenestini, Aniene-Tal, Benedikts Klöster.
  5. Subiaco – Livata (10,2 km) — die kürzeste und härteste Etappe: rund tausend Höhenmeter am Stück durch Buchenwald.
  6. Livata – Campo Rotondo (17,0 km) — Monti Simbruini, höchster Punkt 1.749 m an der Flanke des Monte Autore.
  7. Campo Rotondo – Petrella Liri – Verrecchie – Tagliacozzo (16,3 km) — Abstieg in die Marsica, Piazza dell'Obelisco.
  8. Tagliacozzo – Scurcola Marsicana – Magliano De'Marsi – Massa d'Albe (19,3 km) — Schlachtfeld von 1268, Alba Fucens, Monte Velino.
  9. Massa d'Albe – Ovindoli – Rovere – Rocca di Mezzo (24,5 km) — Aufstieg auf den Altipiano delle Rocche, Parco Sirente-Velino.
  10. Rocca di Mezzo – Terranera – Pagliare – Fontecchio (15,0 km) — Abstieg in die Valle Subequana.
  11. Fontecchio – Bominaco – Caporciano – Civitaretenga – Capestrano (22,9 km) — Oratorio di San Pellegrino, Safranland, Castello Piccolomini.
  12. Capestrano – Pescosansonesco (15,5 km) — Gran-Sasso-Blick, verlassener alter Ortskern Pescosansonesco Vecchio.
  13. Pescosansonesco – Torre de' Passeri – Scafa – Lettomanoppello – Manoppello (21,0 km) — Pescara-Tal, Basilica del Volto Santo.
  14. Manoppello – Serramonacesca – Pretoro – Rapino – San Martino sulla Marrucina (19,0 km) — San Liberatore a Maiella, Ostflanke des Nationalparks.
  15. San Martino sulla Marrucina – Filetto – Orsogna – Crecchio (18,5 km) — Colline Teatine, Castello Ducale.
  16. Crecchio – Caldari – Ortona (18,5 km) — Weinhügel, Fontana del Vino, Kathedrale über dem Hafen.

Schwierigkeit: anspruchsvoll — nicht wegen der Technik, sondern wegen der Höhenmeter und ihrer Verteilung. 8.194 Meter Aufstieg und 8.197 Meter Abstieg konzentrieren sich auf wenige Tage: Die kürzeste Etappe ist die härteste — Subiaco → Livata, gut zehn Kilometer, fast alles bergauf —, Etappe 9 auf die Hochebene und Etappe 4 nach Subiaco kosten ähnlich viel Kraft, die Etappen 1, 2 und 16 sind lang, aber flach. Untergrund: Sentieri, Forst- und Karrenwege, Hirtenpfade, in den Talpassagen Nebenstraßen und Ortsdurchfahrten. Markiert nach CAI-Standard — weiß-rote Streifen, Fähnchen mit dem Wegelogo, Holzpfosten —, in den Abruzzen zuverlässig, in den Dörfern des Latiums stellenweise dünner: GPS-Track mitnehmen. Fast der gesamte Weg liegt oberhalb von 500 Metern; auf Livata, Campo Rotondo und dem Altipiano delle Rocche kann bis in den April Altschnee liegen, in der Marsica gibt es lange Abschnitte ohne Trinkstelle. Wasser ab Start, Zeckenschutz für die Buchenwälder.

Zwei Apostelgräber und eine schwedische Pilgerin

Am 6. September 1258 liefen drei Galeeren aus Ortona in den Heimathafen ein. Sie gehörten zur Flotte des Admirals Filippo Chinardo im Dienst Manfreds von Tarent, ihr Anführer hieß Leone — die Quellen nennen ihn nur „il navarca Leone", einen Nachnamen kennen wir nicht —, und an Bord lagen Gebeine, die der Überlieferung nach seit dem Jahr 72 unterwegs waren: vom Martyrium in Mylapore in Indien über Edessa, wohin ein Kaufmann sie um 232 gebracht hatte, und die Insel Chios, wohin sie um 1146 vor den Türken geflüchtet worden waren. Mitgekommen war die Grabplatte selbst, ein Stein mit der griechischen Inschrift „o osios thomas", paläografisch ins 3. bis 5. Jahrhundert datiert, mit zwei Grablöchern nach Art frühchristlicher Märtyrergräber. Eine Untersuchung von 1984 ergab: ein Mann zwischen 50 und 70, mit einer Gesichtsverletzung durch eine scharfe Klinge kurz vor oder nach dem Tod. Ob das Thomas ist, entscheidet die Wissenschaft nicht — aber seit jenem September liegt er in Ortona, und seit dem Ablass, den Innozenz VI. zwischen 1359 und 1362 für den Besuch am 6. September gewährte, kommen Pilger. Sixtus IV. verlegte den Termin 1479 auf den ersten Maisonntag, ausdrücklich, damit die Pilger es leichter haben; heute dauert der Perdono di San Tommaso elf Tage.

Die berühmteste von ihnen kam zwischen 1365 und 1368: Birgitta von Schweden, Mitpatronin Europas, mit dem schwedischen Bischof Thomas Joansson, ihrer Tochter und einer römischen Adligen. Vor der Porta Caldari hielt sie ein Unwetter auf, sie wartete bis zum Morgen — ein Obelisk markiert heute die Stelle. Am Grab empfing sie laut ihren Revelationes die Offenbarung „le reliquie di san Tommaso mio apostolo sono in Ortona", und der Apostel selbst soll ihr versprochen haben: „Ti darò il tesoro desiderato ormai a lungo." Ein Fingerfragment löste sich, ohne dass jemand den Schrein berührte; sie nahm es mit, heute liegt es in Santa Croce in Gerusalemme in Rom. Ehrlich gesagt ist der Weg, den du gehst, keine mittelalterliche Trasse, sondern eine Rekonstruktion von 2013 — die Associazione Cammino di San Tommaso hat ihn ausdrücklich Birgittas Reise nachgezeichnet. Belegt ist die Wallfahrt zum Ziel, nicht jede Wegbiegung. Aber eine Frau des 14. Jahrhunderts ist diese Strecke wirklich gegangen, von Rom an die Adria, und du gehst ihr hinterher.

Highlights am Weg

  • Piazza San Pietro, Rom — Start am Petrusgrab, erster Stempel in die Credenziale; hinaus durch den Parco dell'Appia Antica.
  • Genazzano — Santuario della Madre del Buon Consiglio der Augustiner; das Gnadenbild misst nur 31 × 42,5 cm und scheint frei vor der Wand zu schweben, der Überlieferung nach kam es am 25. April 1467 in einer weißen Wolke aus dem albanischen Scutari; Benedikt XIV. nahm die Anrufung 1753 in die Lauretanische Litanei auf.
  • Subiaco — Sacro Speco und Santa Scolastica, Benedikts Höhle und das älteste durchgehend bewohnte Benediktinerkloster Italiens; hier druckten Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz 1465 das erste in Italien gedruckte Buch.
  • Monti Simbruini — Buchenwälder über 1.400 Metern; an der Flanke des Monte Autore liegt mit 1.749 m der höchste Punkt des Weges.
  • Tagliacozzo — Piazza dell'Obelisco; in der Ebene davor endete am 23. August 1268 mit der Niederlage Konradins von Schwaben die Stauferherrschaft in Italien; Dante nennt die Schlacht in der Divina Commedia.
  • Alba Fucens bei Massa d'Albe — römische Kolonie am Fuß des Monte Velino (2.487 m).
  • Altipiano delle Rocche — Ovindoli und Rocca di Mezzo im Parco Sirente-Velino, die höchstgelegene bewohnte Passage der Strecke.
  • Oratorio di San Pellegrino, Bominaco — gebaut 1263 unter Abt Teodino, 18,7 × 5,6 Meter, restlos freskiert mit Kindheit Christi, Passion, Weltgericht und einem Kalenderzyklus; seit 1902 Nationaldenkmal, im Volksmund „die Sixtinische Kapelle der Abruzzen"; nebenan die romanische Santa Maria Assunta und ein Klosterhostel mit Safran-Museum.
  • Capestrano — Heimat des Kriegers von Capestrano, den der Bauer Michele Castagna am 28. September 1934 aus seinem Acker holte: 2,09 Meter, 6. Jahrhundert v. Chr., mit südpikenischer Inschrift; das Original steht in Chieti, im Castello Piccolomini wacht eine lebensgroße Kopie.
  • Manoppello — Basilica del Volto Santo: der Schleier mit dem Antlitz Christi, der Überlieferung nach 1506 von einem unbekannten Pilger gebracht; Benedikt XVI. besuchte ihn im September 2006 und erhob die Kirche zur Basilica minor.
  • Abbazia di San Liberatore a Maiella, Serramonacesca — bedeutendste Benediktinerabtei der Abruzzen, Mosaikboden um 1200, erstmals verlässlich unter Abt Bertario (856–883) belegt; die berühmte Gründungsurkunde Karls des Großen von 798 ist eine Fälschung des 12. Jahrhunderts.
  • Crecchio — Castello Ducale mit langobardischem Kern und aragonesischen Türmen; hier schlief König Vittorio Emanuele III. in der Nacht vom 9. auf den 10. September 1943 auf der Flucht nach Brindisi, ein Zimmer trägt bis heute seine Einrichtung; heute Museo dell'Abruzzo Bizantino ed Altomedievale.
  • Fontana del Vino, Caldari di Ortona — seit Oktober 2016 läuft aus einem umgebauten Fass der Cantina Dora Sarchese kostenlos Montepulciano d'Abruzzo, nach dem Vorbild der Weinfontäne von Bodegas Irache am Camino Francés; Aufschrift „Bevi vino, ché non sai donde sei venuto: sii lieto, perché non sai dove andrai".
  • Ortona — Cattedrale-Basilica di San Tommaso Apostolo, 1127 geweiht, am 21. Dezember 1943 gesprengt, Kuppel 1946 wiederaufgebaut, am 5. September 1949 neu konsekriert; Krypta mit Reliquienschrein, Silberbüste und der Grabplatte aus Chios; oberhalb der Stadt der Moro River Canadian War Cemetery mit 1.615 Gräbern aus der Schlacht von Ortona.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Die meisten kommen zu Fuß aus dem Norden: Die Via Francigena (Italien) endet am Petersplatz — und genau dort beginnt dieser Weg. Wer die Francigena vom Großen Sankt Bernhard oder von Canterbury her gegangen ist, biegt in Rom also nahtlos nach Osten ab statt nach Süden. Dasselbe gilt für den Cammino di Francesco, der in seiner Südrichtung von Assisi über Rieti nach Rom führt und ebenfalls am Petersdom ankommt. Rom ist damit ein echter Vier-Wege-Knoten: Francigena aus dem Norden, Franziskusweg aus Umbrien, Francigena del Sud nach Apulien — und der Thomasweg an die Adria.

Der zweite Zubringer liegt mitten auf der Strecke: In Subiaco, am Ende der vierten Etappe, kreuzt der Cammino di San Benedetto, der von Norcia über Subiaco nach Montecassino führt. Wer von Norcia kommt, kann hier die Richtung wechseln und statt nach Süden zur Adria gehen — Subiaco ist der einzige echte Wegkreuz-Punkt zwischen Rom und Ortona. Und wer nur die Abruzzen will, steigt in Tagliacozzo ein: Der Bahnhof an der Linie Rom–Pescara liegt am Ende der siebten Etappe, und ab hier liegen die stärksten Landschaften des Weges vor dir.

Weiterpilgern?

Ortona ist ein Endpunkt, kein Durchgangsort — der Weg hört am Apostelgrab auf, so wie er am Apostelgrab begonnen hat. Wer trotzdem weiter will, fährt zurück nach Rom und steigt dort um: Von der Piazza San Pietro führt die Via Francigena del Sud über Latium und Kampanien bis nach Santa Maria di Leuca an der Südspitze Apuliens; wer nach Norden will, nimmt die Via Francigena (Italien) Richtung Toskana und Alpen. In Subiaco kannst du ohne Rückweg auf den Cammino di San Benedetto wechseln — nordwärts nach Norcia oder südwärts nach Montecassino; wer beide Apostel- und Benediktswege kombiniert, hat aus Rom, Subiaco und Montecassino ein Dreieck.

Von Ortona selbst führt außerdem die Costa dei Trabocchi nach Süden — der Küstenradweg auf der alten Adria-Bahntrasse, vorbei an den hölzernen Fischerplattformen, die der Küste den Namen geben. Kein Pilgerweg, aber ein schöner Ausklang, wenn du nach zwei Wochen Berg noch ein paar flache Tage am Meer willst.

Vorbereitung & Praktisches

Die Saison läuft von April bis Juni und von September bis Oktober. Im Hochsommer sind Talpassagen und Küste heiß, im Winter liegt auf Livata, Campo Rotondo und dem Altipiano delle Rocche Schnee, oft bis in den April. Der schönste Termin zum Ankommen ist der erste Maisonntag: Dann feiert Ortona den Perdono di San Tommaso, das Ablassfest, das auf Sixtus IV. und das Jahr 1479 zurückgeht; die zweite Möglichkeit ist der 21. Dezember, der Thomastag. Ein Herbergsnetz gibt es nicht. Der Träger führt eine laufend aktualisierte Unterkunftsliste für Inhaber der Credenziale — Pfarrhäuser, Klöster, Ostelli wie das Convento-Ostello Sant'Antonio da Padova in Bominaco, Agriturismi, B&Bs und kleine Hotels. In den Bergdörfern gibt es oft genau eine Adresse, und die will vorher angerufen werden; solche Lücken plant man vorab weg, nicht unterwegs. Deine Etappen und Quartiere planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App.

Diesen Weg gehst du nicht mit einer spanischen Credencial: Die Credenziale forderst du bei der Associazione Cammino di San Tommaso an, wer den Weg vollständig geht, bekommt in Ortona das Testimonium — beides gegen Spende oder eine kleine Schutzgebühr; eine Compostela gibt es nicht und kann es nicht geben. Die Markierung nach CAI-Standard ist in den Abruzzen gut, im Latium unregelmäßiger — lade die GPS-Tracks des Vereins. Öffnungszeiten, die deinen Tagesplan bestimmen: Der Oratorio di San Pellegrino in Bominaco ist verschlossen, der Schlüssel liegt beim Custode — ruf vorher an, wer unangemeldet um 18 Uhr ankommt, steht vor der Tür; die Kathedrale in Ortona ist täglich 7:00–12:30 und 15:00–19:00 Uhr geöffnet, im Sommer nachmittags 16:00–20:00 (Stand: September 2026). Ausrüstung: bergtaugliche Schuhe mit Profil, Regen- und Windschutz auch im Sommer — auf 1.700 Metern schlägt das Wetter um —, Wasser für trinkstellenfreie Abschnitte in der Marsica, Zeckenschutz für die Buchenwälder. Sprache: Italienisch; in Rom und an der Küste kommst du mit Englisch durch, in den Bergdörfern praktisch nicht.

Was dich der Weg kostet

Ehrlich gesagt ist Italien kein billiges Pilgerland, und weil es auf diesem Weg kaum klassische Pilgerherbergen gibt, zahlst du meist normale Übernachtungspreise — die folgenden Zahlen sind Richtwerte, keine abgefragten Einzelpreise (Stand: September 2026). Eine Nacht in Pfarrei, Kloster oder Ostello gegen Spende kostet etwa 10–25 €, ein Bettplatz mit fester Rate 20–35 €, B&B oder Agriturismo für eine Person 35–60 €, ein Hotelzimmer in Rom, Pescara oder Ortona 60–110 €. Ein Pranzo in der Trattoria liegt bei 12–20 €, Pizza mit Getränk am Abend bei 10–15 €, Selbstversorgung aus dem Alimentari bei 8–14 € am Tag.

Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Pfarrei oder Ostello und Selbstversorgung 30–45 €, mittel mit B&B und einem warmen Essen 55–80 €, komfortabel 90–130 €. Für 16 Etappen macht das grob 500–720 € sparsam und 880–1.280 € mittel, ohne Anreise, Ausrüstung und Ruhetage. Credenziale und Testimonium kosten wenige Euro Schutzgebühr. Klöster, Kirchen und die Weinfontäne in Caldari kosten nichts — Letztere drückt den Schnitt der letzten Etappe angenehm.

Anreise

Zum Start (Rom): Roma Termini ist per Hochgeschwindigkeitszug an ganz Italien angebunden, dazu Nachtzüge und Fernbusse. Von den Flughäfen Fiumicino — Leonardo Express nach Termini in 32 Minuten — und Ciampino bist du in unter einer Stunde in der Stadt. Zur Piazza San Pietro fährst du mit der Metro A bis Ottaviano oder mit dem Regionalzug bis Roma San Pietro.

Unterwegs: Tagliacozzo liegt an der Bahnlinie Rom–Sulmona–Pescara, Torre de' Passeri, Scafa und Manoppello ebenfalls — ideale Ein- und Ausstiege für Teilstücke. Die Bergdörfer der Simbruini und des Altipiano sind nur per Bus erreichbar; TUA-Fahrpläne vorab prüfen.

Vom Ziel (Ortona): Ortona liegt an der Adria-Bahnlinie Bologna–Pescara–Bari mit Regionalzügen von Trenitalia und TUA. Achtung: Der Bahnhof liegt unten am Hafen, die Altstadt mit der Kathedrale oben auf dem Kliff — das letzte Stück ist ein kurzer, steiler Anstieg oder ein Stadtbus. Nach Pescara Centrale sind es 20–30 Minuten; von dort Fernverbindungen nach Rom (rund 3,5–4,5 Stunden über Sulmona oder per Bus), Bologna, Mailand, Bari und Lecce sowie der Flughafen Pescara.

  • Bahn Italien: trenitalia.com — Roma, Tagliacozzo, Manoppello, Ortona, Pescara
  • Träger, Credenziale, Testimonium, GPS: camminodisantommaso.org — Associazione Cammino di San Tommaso
  • Kathedrale und Reliquien: tommasoapostolo.it — Öffnungszeiten, Perdono, Geschichte der Translation
  • Achtung: Oratorio di San Pellegrino in Bominaco nur mit Schlüssel vom Custode — vorher anrufen
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