Epworth to Lincoln
72,7 Kilometer flaches Lincolnshire vom Geburtsort John Wesleys zur Kathedrale von Lincoln – ein junger Pilgerweg auf sehr alten Wegen.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Ein Grabstein als Kanzel, eine Kirche als Umzugskarton
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Epworth (Isle of Axholme, North Lincolnshire) → Lincoln Cathedral
- Länge: 72,7 km
- Etappen: 3 (der Träger geht ihn in 4 Tagen)
- Dauer: 3–4 Tage
- Schwierigkeit: leicht – Flachland, ein Hügel bei Gringley, ein steiler Schlussanstieg in Lincoln
- Träger: Lincoln Cathedral, Projekt „Journeys of Faith“; Route veröffentlicht vom British Pilgrimage Trust
- Markierung: keine durchgehende Wegmarkierung – GPX-Track und Pilgerführer sind Pflicht
- Beste Zeit: April bis Oktober (dann haben Old Rectory Epworth und Gainsborough Old Hall geöffnet)
Überblick
Bei Kilometer 23,5 siehst du dein Ziel. Vom Beacon Hill über Gringley on the Hill, dem einzigen Hügel dieses Weges, stehen an klaren Tagen die Türme der Kathedrale von Lincoln am Horizont – 49 Kilometer entfernt, zwei Tage Fußmarsch durch das Trent-Tal. Kaum eine Pilgerroute stellt ihr Ende so früh aus, und kaum eine hat ein so unfaires Finale: Nach 72 Kilometern Flachland führen die letzten 420 Meter über Steep Hill, römisches Pflaster mit bis zu 20 Prozent Steigung, direkt unter die Kathedrale, die von 1311 bis 1548 das höchste Bauwerk der Welt war.
Der Weg ist jung und die Strecke ist alt. 2016 schlug ein Gemeindemitglied namens Alan Wilson beim Erntedankessen im Chapter House der Kathedrale vor, Pilgerwege nach Lincoln anzulegen; im März 2019 wurde die Route ab Epworth zum ersten Mal begangen. Sie beginnt am Pfarrhaus, in dem John Wesley aufwuchs, quert bei West Stockwith die Trent, passiert die Halle, in der Separatisten und später Wesley predigten, und erreicht in Stow die Kirche, von der aus der Bischofssitz nach Lincoln umzog. Zu Jakobus führt sie nicht – zum Schrein des heiligen Hugh. Warum sie trotzdem für die Compostela zählen kann, steht weiter unten.
Andere Namen
Der Weg heißt schlicht Epworth to Lincoln. Er ist einer von fünf Wegen der Reihe Journeys of Faith, die die Kathedrale von Lincoln aufgebaut hat – die Geschwister starten in Louth, Boston, Navenby und Sempringham. Ein spanisch klingender Name existiert nicht, und das ist kein Versehen: Dieser Weg führt nicht zu Jakobus, sondern zum Schrein des heiligen Hugh von Lincoln. Wer ihn irgendwo als „Lincoln Camino“ findet, liest eine Erfindung von Reiseportalen.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du eine erste Mehrtagespilgerung ohne Bergaufstiege suchst, englische Kirchengeschichte magst – Angelsachsen, Wikinger, Separatisten und Methodisten stehen hier auf 72 Kilometern nebeneinander – oder die Kilometer sammeln willst, die dir später auf dem Camino Inglés ab A Coruña für die Compostela fehlen. Drei Tage, ein Rucksack, ein Ziel, das du unterwegs schon siehst: kompakter geht Pilgern kaum.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Höhenmeter, Aussicht und Wildnis suchst – das hier ist Marschland und Ackerebene. Und wenn du Herbergen, Pilgermenüs und abends Gesellschaft anderer Pilger erwartest, wirst du enttäuscht: Es gibt keine einzige Pilgerherberge, keine Wegmarkierung und meistens keine anderen Pilger. Du buchst Pubs und B&Bs wie auf einer normalen Wanderung und gehst dazwischen allein.
Streckenverlauf & Landschaft
Der Weg beginnt in Epworth mitten auf der Isle of Axholme – einer Insel, die keine mehr ist, seit der Niederländer Cornelius Vermuyden ab 1626 das Sumpfland trockenlegte, gegen den bewaffneten Widerstand der Bauern von Haxey. Nach 7,4 Kilometern erreichst du Haxey, nach 14,5 die Trent bei West Stockwith, wo Fluss, Idle und Chesterfield Canal zusammenkommen. Von dort steigt der Weg über Misterton auf den Beacon Hill von Gringley on the Hill (km 23,5) – der einzige Hügel, der den Namen verdient, mit Blick über das Trent-Tal bis Lincoln.
Danach zurück in die Ebene: über Beckingham nach Gainsborough (km 39,7) mit seiner spätmittelalterlichen Old Hall, dann durch Upton, Kexby und Willingham nach Stow (km 51,4), wo die größte angelsächsische Kirche der Gegend steht. Das letzte Drittel führt über Coates-by-Stow, Thorpe in the Fallows, North und South Carlton und Burton auf den Kalksteinrücken, auf dem Lincoln liegt – und endet auf Steep Hill, der römischen Trasse der Ermine Street, direkt unter der Kathedrale.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Technisch leicht: Feldwege, Treidelpfade, ruhige Landstraßen, kaum Steigung – die Routen-DB führt keine Höhendaten, Fremdquellen nennen rund 198 Höhenmeter im Aufstieg und 71 Meter als höchsten Punkt. Die Schwierigkeit liegt woanders: Es gibt keine durchgehende Markierung, ohne GPX-Track biegst du in den Feldern zwischen Beckingham und Gainsborough zuverlässig falsch ab. Nasse Wochen machen die Marschwege schwer, im Winter steht Wasser. Wir teilen die Strecke in drei Tage; der Träger geht sie in vier, mit einer zusätzlichen Nacht in Gainsborough. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 72,7 km kalibriert.
- Epworth → Gringley on the Hill (23,5 km) – Wesleys Pfarrhaus, das Hood-Dorf Haxey, dann über die Trent bei West Stockwith hinauf auf den einzigen echten Hügel des Weges, von dem du an klaren Tagen die Kathedrale siehst.
- Gringley on the Hill → Stow (27,9 km) – Die längste Etappe: hinunter ins Trent-Tal, durch Beckingham nach Gainsborough und über Upton, Kexby und Willingham zur sächsischen Mutterkirche von Lincolnshire.
- Stow → Lincoln (21,3 km) – Coates-by-Stow, Thorpe in the Fallows und die beiden Carltons, dann der Aufstieg über Burton in die Oberstadt und Steep Hill hinauf zur Kathedrale.
Ein Grabstein als Kanzel, eine Kirche als Umzugskarton
Am Sonntag, dem 6. Juni 1742, kam John Wesley in sein Heimatdorf zurück und bat den Kuraten von St Andrew's in Epworth, predigen zu dürfen. Der lehnte ab – Wesleys Tagebuch notiert trocken: „But he did not care to accept of my assistance.“ Also stellte sich Wesley nach dem Gottesdienst auf den Grabstein seines Vaters Samuel, drei Meter südlich des Chors, und predigte von dort: „I stood near the east end of the church, upon my father's tombstone, and cried, 'The kingdom of heaven is not meat and drink; but righteousness, and peace, and joy in the Holy Ghost.'“ Der Stein steht noch, eigenständig denkmalgeschützt, du kannst ihn anfassen. Der Junge, den seine Mutter nach dem Pfarrhausbrand von 1709 „a brand plucked from the burning“ nannte, war da seit 1726 Fellow des Lincoln College in Oxford – den Namen seines Zielorts trug er also schon im Titel.
Der zweite Anker dieses Weges ist ein Umzug. Stow Minster bei Kilometer 51,4 war um 975 die Hauptkirche des lincolnshireschen Teils der Diözese, 1053/54 von Leofric von Mercia und seiner Frau Godiva reich ausgestattet; am Chorbogen ist ein Langschiff eingeritzt, das älteste bekannte Wikinger-Graffito Englands. Bischof Remigius baute hier 1067 bis 1073 das Langhaus – und verlegte dann seinen Sitz nach Lincoln, wo er um 1072 die Fundamente der Kathedrale legte. Geweiht wurde sie am 11. Mai 1092; Remigius starb zwei Tage später. Wer von Stow nach Lincoln geht, geht die Strecke dieses Umzugs, von der Mutterkirche zur Tochter, die sie überstrahlte. Das Ziel ist der Schrein des heiligen Hugh, Bischof von 1186 bis 1200, 1220 heiliggesprochen als erster Kartäuser überhaupt – ein Wallfahrtsort, der drei Jahrhunderte lang fast so viele Pilger zog wie Canterbury.
Highlights am Weg
- Old Rectory, Epworth – das 1709 nach dem Brand in Backstein wiederaufgebaute Pfarrhaus, in dem Samuel und Susanna Wesley mit 19 Kindern lebten; seit 1954 Museum der Methodist Church, April bis Oktober Di/Mi/Do/Sa 10:30–15:30 Uhr geöffnet.
- Samuel Wesleys Grabstein an St Andrew's – der Stein, auf dem John Wesley am 6. Juni 1742 predigte, nachdem ihm die Kanzel verweigert worden war.
- Haxey – Schauplatz des Haxey Hood am 6. Januar, wahrscheinlich die älteste noch lebende Tradition Englands, zurückgeführt auf eine Landschenkung um 1359; der Fool eröffnet mit „Hoose agen hoose, toon agen toon, if a man meets a man knock 'im down, but doan't 'ot 'im.“
- West Stockwith – Kanalbecken am Zusammenfluss von Trent, Idle und Chesterfield Canal und einer der besten Plätze, um den Trent Aegir zu sehen, eine bis zu fünf Fuß hohe Gezeitenwelle, benannt nach dem nordischen Meeresgott Ægir.
- Beacon Hill, Gringley on the Hill – prähistorisches Hillfort, von dem die Kathedrale von Lincoln an klaren Tagen sichtbar ist.
- Gainsborough Old Hall – ab 1460 von Sir Thomas Burgh erbaut, mit der wohl vollständigsten mittelalterlichen Küche Englands. Richard III. war 1484 hier, Heinrich VIII. 1541 mit Katherine Howard, ab 1596 predigten hier die Separatisten um John Smyth – und in den 1750er Jahren John Wesley.
- Stow Minster – um 975 gegründet, Langhaus 1067–1073 von Remigius, am Chorbogen das älteste Wikinger-Graffito Englands; täglich ab 8:30 Uhr offen, Eintritt frei.
- Steep Hill, Lincoln – 420 Meter, bis zu 20 Prozent Gefälle, auf der römischen Trasse der Ermine Street; am Hang das Jew's House von etwa 1150.
- Lincoln Cathedral – Fundamente um 1072, geweiht am 11. Mai 1092; mit hölzernem Turmhelm 160 Meter hoch und damit von 1311 bis 1548 das höchste Bauwerk der Welt.
- Magna Carta im Lincoln Castle – eine der vier erhaltenen Originalausfertigungen von 1215, zusammen mit der Charter of the Forest von 1217; Lincoln ist der einzige Ort, an dem beide nebeneinander liegen.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Kein anderer Weg in unserer Karte kommt in Epworth an – dieser beginnt aus dem Nichts, in einem Ort ohne Bahnhof. Du fährst mit dem Zug nach Doncaster oder Scunthorpe und steigst in die Buslinie 399 von Hornsbys Bus & Coach, die über Belton nach Epworth fährt. Kommst du erst mittags an, lohnt eine erste Nacht in Epworth: Das Old Rectory hat nur an vier Tagen der Woche geöffnet, und dafür brauchst du einen Vormittag.
Wer den Weg in eine längere englische Pilgerreise einbaut, kombiniert ihn per Bahn mit den anderen englischen Routen: dem Walsingham Camino von London nach Little Walsingham, dem St James' Way England von Reading nach Southampton, dem Finchale Camino Inglés in Nordengland und der Via Francigena (England) von London nach Dover.
Weiterpilgern?
In Lincoln endet der Weg – zu Fuß endgültig. Kein Weg in unserer Karte setzt hier fort, und die vier Geschwisterrouten der Reihe führen alle ebenfalls nach Lincoln, nicht von dort weg. Lincoln ist Zielort, kein Knoten.
Interessant wird es, wenn du nach Santiago weiterdenkst. Die Confraternity of Saint James schreibt zur kurzen Variante des englischen Weges: „Even though the route from A Coruña is only 73 km to Santiago, you can still earn the Compostela if you have walked the remaining 27 km in your home country first and collected stamps in your credencial to prove it.“ Der British Pilgrimage Trust nennt als Schwelle 25 Kilometer in Großbritannien – die hast du mit 72,7 klar überschritten. Zwei Bedingungen: den Pilgerpass zweimal täglich stempeln lassen und die Anerkennung vorher mit der CSJ oder dem Pilgerbüro in Santiago klären, denn Epworth–Lincoln steht nicht auf der Liste der offiziell mit „Jacobean significance“ ausgezeichneten britischen Routen. Danach fliegst du nach A Coruña und gehst den Camino Inglés ab A Coruña; wer die volle Strecke will, startet in Ferrol auf dem Camino Inglés.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist April bis Oktober: Dann haben das Old Rectory in Epworth und Gainsborough Old Hall geöffnet, und die Marschwege sind begehbar. Im Winter steht auf der Isle of Axholme und im Trent-Tal Wasser – das Land liegt streckenweise unter dem Meeresspiegel, deshalb musste man es überhaupt entwässern. Wenn du am 6. Januar in Haxey bist, erlebst du den Haxey Hood, findest aber kaum ein Bett und garantiert keine trockenen Schuhe.
Einen Pilgerausweis brauchst du hier für kein Bett, aber du solltest einen dabeihaben. Der Pilgrim Passport des British Pilgrimage Trust kostet £6,50 (rund 7,50 Euro) inklusive Versand in Großbritannien und hat 156 Stempelfelder (Stand: September 2026); Stempel gibt es in Kirchen, Pubs, Cafés und Tourist Offices, und wo keiner da ist, genügt eine Unterschrift. Willst du die Kilometer später für die Compostela anrechnen lassen, brauchst du zusätzlich eine spanische Credencial – den BPT-Pass erkennt das Pilgerbüro nicht als Ersatz an – und die Zwei-Stempel-Regel pro Tag.
Pilgerherbergen gibt es keine – du buchst Pubs, B&Bs und Hotels, und zwar früh, denn zwischen Haxey und Gainsborough ist die Auswahl dünn. Markiert ist der Weg nicht, also lade dir den GPX-Track des British Pilgrimage Trust herunter und plane die Tage vorher statt unterwegs; am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Was dich der Weg kostet
Der Weg selbst kostet nichts, die Übernachtungen schon: Ohne Herbergsnetz zahlst du britische B&B- und Pub-Preise, realistisch £60 bis £100 pro Nacht im Doppelzimmer (rund 70 bis 115 Euro) und entsprechend mehr allein – ein Tagesbudget von £90 bis £130 (rund 105 bis 150 Euro) inklusive Verpflegung ist eine ehrliche Kalkulation, keine Listenangabe (Stand: September 2026). Nur Gainsborough und Lincoln haben ein größeres Angebot; Epworth kommt mit Pubs und Campingplätzen aus.
Dazu die Eintritte (Stand: September 2026): Lincoln Cathedral £12,95 (rund 15 Euro) für Erwachsene von Montag bis Samstag, £10,95 am Sonntag; Kinder bis 16 und Studierende zahlen nichts. Zum Gottesdienst, zum Gebet und zum Kerzenanzünden ist der Eintritt immer frei – „Entry for services and for prayer and to light candles will always be free of charge.“ Wer zum Evensong ankommt, geht also umsonst hinein und beendet den Weg, wie ihn die erste Pilgergruppe 2019 beendet hat. Stow Minster kostet nichts; für Gainsborough Old Hall (English Heritage) nennt die Website den Tagespreis nur im Buchungsschritt, online gibt es 15 Prozent Rabatt bei Buchung bis zum Vortag.
Anreise
Epworth hat keinen Bahnhof – der alte Haltepunkt „Haxey and Epworth“ ist stillgelegt. Du kommst per Zug bis Doncaster oder Scunthorpe und nimmst die Buslinie 399 (Hornsbys Bus & Coach) über Belton nach Epworth. Doncaster liegt an der East Coast Main Line und ist von London King's Cross, York, Leeds und Sheffield gut erreichbar.
Zurück ist es einfacher: Lincoln Central wird von LNER direkt von London King's Cross bedient. Wer den Weg teilen will, steigt an Gainsborough Lea Road aus, dem einzigen Bahnhof am Weg – bei Kilometer 39,7 an der Linie Doncaster–Lincoln, fast exakt in der Mitte.
- Zug nach Doncaster / Scunthorpe / Lincoln: LNER
- Bus 399 Doncaster/Scunthorpe – Epworth – Haxey: Hornsbys Bus & Coach, Fahrplan
- GPX-Track und Routenbeschreibung: British Pilgrimage Trust
- Pilgerführer „Journeys of Faith“: Lincoln Cathedral
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