Jakobsweg Saarbrücken auf der Karte

Jakobsweg Saarbrücken

Der Jakobsweg Saarbrücken verlängert den Nahe-Glan-Camino von der Abtei Tholey bis an die Saar: 45,7 Kilometer über Marpingen, Illingen und Göttelborn, durch den Saarkohlenwald hinunter an die Saar und über die Alte Brücke bis zur Ludwigskirche. Er ist das Schlussstück des 2010 eröffneten Jakobswegs St. Wendel–Saarbrücken, gedacht als Endstück einer Pilgerachse Mainz–Metz. Unterwegs liegen das älteste urkundlich belegte Kloster auf deutschem Boden, das „deutsche Lourdes“ und ein Förderturm, dessen Schacht nur sechs Jahre genutzt wurde. Zwei Tage reichen.

13. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Ortsrand von Tholey, Ankunftspunkt des Nahe-Glan-Camino / Ludwigskirche am Ludwigsplatz in Alt-Saarbrücken
  • Länge: 45,7 km
  • Dauer: 2 Etappen
  • Höhenmeter: ↗ 630 m / ↘ 821 m
  • Höchster Punkt: 424 m bei km 26,4, zwischen Göttelborn und Holz
  • Landschaft: Schaumberg-Land, Buchenwälder, alte Bergbaudörfer, der Saarkohlenwald
  • Träger / Markierung: 2010 auf Initiative der Jakobusgesellschaft angelegt; der Weg nutzt bestehende Wanderwege wie den Naheweg mit dem blauen N
  • Jakobus-Spuren: die Pfarrkirche St. Jakob in Alt-Saarbrücken, Erbin eines Jakobusaltars von 1356
  • Unterkunft: Jugendherbergen in Tholey und Saarbrücken, sonst Gasthöfe und Hotels
  • Anschlusswege: Nahe-Glan-Camino (Süd-Route) und Nahe-Glan-Camino (Nord-Variante) in Tholey; Richtung Metz der Jakobsweg Hornbach – Metz
  • Beste Zeit: April bis Oktober
  • Vereine am Weg: ganzer Weg: St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e.V.

Überblick

Beide Arme des Nahe-Glan-Camino enden in Tholey, an der Abtei, die die Jakobusgesellschaft das „kleine Santiago“ des Nahe-Glan-Camino nennt. Dieser Weg nimmt dich dort in Empfang und bringt dich in zwei Tagen an die Saar. Er ist das Schlussstück des Jakobswegs St. Wendel–Saarbrücken, den Pilger vom 22. bis 24. Oktober 2010 in einer dreitägigen Staffelwanderung eröffneten, unter dem Motto „Wendelinus und Jakobus machen sich auf den Weg …“.

Auf 46 Kilometern wechselt das Saarland dreimal das Gesicht: erst Klosterland, dann Marienwallfahrt in Marpingen, dann Kohlerevier um Illingen und Göttelborn, zuletzt ein Wald, den man vor den Toren der Landeshauptstadt wieder verwildern lässt. Am Ende stehst du vor der barocken Ludwigskirche. Ein Kloster aus dem Jahr 634 am Start, ein Förderturm von 1994 in der Mitte: Dazwischen liegen 1.360 Jahre und keine 25 Kilometer.

Andere Namen

Bei der Eröffnung hieß die Strecke Jakobsweg St. Wendel–Saarbrücken; die Jakobusgesellschaft beschreibt sie als Endstück des Jakobswegs Mainz–Metz. Weil der Abschnitt bis Tholey heute zum Nahe-Glan-Camino gehört, führt die Camino-Ninja-Karte den Rest als eigenen Weg: Jakobsweg Saarbrücken. Unterwegs folgst du Abschnitten älterer Wanderwege, etwa dem Schaumberg-Wanderweg und dem Naheweg.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist der Weg für alle, die den Nahe-Glan-Camino nicht in Tholey enden lassen wollen, sondern an einem Bahnhof mit ICE und TGV. Er eignet sich für ein Pilgerwochenende, für Einsteiger und für alle, die Industriekultur so spannend finden wie Kirchen.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Stille am Stück suchst: Zwischen Illingen und Saarbrücken kreuzt du die A 8, gehst ein Stück entlang der A 1 und hörst im Saarkohlenwald oft den Verkehr. Nichts für dich, wenn du Pilgerherbergen erwartest, es gibt keine. Und nichts für dich, wenn du im Grünen ankommen willst: Die letzten Kilometer ab Malstatt führen durch die Stadt.

Streckenverlauf & Landschaft

Tholey bis Illingen (km 0–17,4): Von der Abtei St. Mauritius führt der Weg über den Kupferberg nach Marpingen, vorbei an der Kirche Maria Himmelfahrt und hinauf in den Härtelwald zur Quellenkapelle. Durch Buchenwald und an alten Gräbern vorbei geht es auf die Höhe bei Urexweiler, das rund einen Kilometer neben dem Weg bleibt. Auf einem geteerten Höhenweg, einer ehemaligen Römerstraße, erreichst du Hüttigweiler und Illingen mit seiner barocken Pfarrkirche St. Stephan.

Illingen bis Saarbrücken (km 17,4–45,7): Hinauf zur Bergkapelle, durch das Merchtal nach Merchweiler, unter der A 8 hindurch nach Göttelborn mit seinem Förderturm. Kurz vor Holz liegt der höchste Punkt. Dann taucht der Weg in den Saarkohlenwald ein, durch das Steinbachtal, am Forsthaus Neuhaus und am Naturfreundehaus Kirschheck vorbei, bis zum Rastpfuhl. Parallel zur Lebacher Straße geht es bergab durch Malstatt an die Saar, am nördlichen Ufer entlang bis zur Alten Brücke, über den Fluss und durch Alt-Saarbrücken zur Ludwigskirche am Ludwigsplatz.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Zwei Etappen genügen. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 45,7 km kalibriert:

  1. Tholey → Illingen (17,4 km) — Marpingen, Härtelwald und die Römerstraße auf der Höhe.
  2. Illingen → Saarbrücken (Ludwigskirche) (28,3 km) — Göttelborn, höchster Punkt bei km 26,4, dann lange bergab durch den Saarkohlenwald, durch Malstatt an die Saar und über die Alte Brücke zur Ludwigskirche.

Technisch ist nichts schwierig. Die zweite Etappe zieht sich: Zwischen Holz und Malstatt liegen gut 15 Kilometer Wald ohne Ort und ohne Einkehr, nimm Wasser und Proviant mit.

Der Graf, der sein Santiago-Gelübde gegen einen Altar tauschte

Im Jahr 1356 steckte Graf Johann II. von Saarbrücken in einer Klemme. Er hatte gelobt, nach Santiago de Compostela zu pilgern, und war nie losgegangen. Papst Innozenz VI. erlaubte ihm, das Gelübde umzuwandeln: Statt der Reise stiftete der Graf einen Altar für den Apostel Jakobus den Älteren in der Kapelle seiner Burg.

Die Kapelle wurde 1466 abgerissen, die neue übernahm zwei Jahre später das Jakobus-Patrozinium, und von dort wanderte es weiter in die heutige Pfarrkirche St. Jakob in Alt-Saarbrücken, gebaut 1885 bis 1887. Dort endete 2010 auch die Eröffnungswanderung dieses Weges. Die Jakobskirche der Stadt verdankt ihren Namen also einem Pilger, der nie aufbrach. Du machst es umgekehrt: Du gehst los, und der Altar wartet schon.

Highlights am Weg

  • Abtei Tholey (km 1,3) — im Testament des Adalgisel Grimo vom 30. Dezember 634 erwähnt; seit 2020 leuchten im Chor drei Fenster von Gerhard Richter.
  • Marpingen (km 5,8) — am 3. Juli 1876 sahen drei achtjährige Mädchen im Härtelwald eine Marienerscheinung. Preußen schickte im Kulturkampf Soldaten, rund 60 Menschen wurden verletzt. 1889 schrieb Margaretha Kunz, eine der drei, es sei „eine einzige große Lüge“ gewesen; die Pilger kamen trotzdem.
  • Göttelborn — Kohle ist hier seit 1446 belegt. Der 90 Meter hohe Förderturm wurde 1994 fertig und galt beim Bau als höchster der Welt; im Jahr 2000 schloss die Grube.
  • Saarkohlenwald — seit 1997 dürfen hier 1.011 Hektar als „Urwald vor den Toren der Stadt“ wieder wild werden.
  • Alte Brücke und Ludwigskirche — über die Brücke, gebaut 1546 bis 1549, nachdem Kaiser Karl V. tagelang wegen Hochwassers nicht über die Saar kam, gehst du heute zu Fuß über den Fluss. Dahinter wartet das Ziel: die Ludwigskirche, die Friedrich Joachim Stengel 1762 bis 1775 als Barockkirche am Ludwigsplatz baute.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Fast alle kommen zu Fuß an, über einen der beiden Arme des Nahe-Glan-Camino von Bingen am Rhein:

Wer nur diese Strecke gehen will, beginnt an der Abtei Tholey.

Weiterpilgern?

In Saarbrücken endet die Karte, nicht der Weg. Schon 2010 sollte er an der Alten Brücke auf den Jakobsweg Speyer–Metz treffen, und über genau diese Brücke führt heute auch unsere Karte. Hier beginnt der Nordweg dieser Strecke; er führt über die Grenze und erreicht bei Cocheren am Hérapel den Südweg; von dort sind es noch 72 Kilometer bis zur Kathedrale von Metz. Unser Jakobsweg Hornbach – Metz zeichnet allerdings den Südweg über Sarreguemines nach, und seine Trasse kommt diesem Weg nicht näher als rund acht Kilometer. Den Nordweg aus Saarbrücken musst du also bis zum Hérapel selbst planen.

Vorbereitung & Praktisches

Pilgerausweis und App. Wie auf allen Jakobswegen empfiehlt sich ein Pilgerausweis (Credencial); Stempel bekommst du in Pfarrbüros, an der Abtei und in vielen Gasthöfen. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. Eine Compostela gibt es für diesen Weg nicht, sie zählt erst die letzten 100 Kilometer vor Santiago. Am einfachsten gelingt die Planung direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Markierung und Unterkunft. Die Beschilderung stammt von 2010 und folgt zum Teil bestehenden Wanderwegen; lade dir den Track herunter. In Tholey gibt es eine Jugendherberge und das Gästehaus der Abtei, in Illingen Gasthöfe und Hotels, in Saarbrücken die Europa-Jugendherberge und viele Hotels.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 60 bis 90 € am Tag (Stand: Oktober 2026). Die Jugendherbergen in Tholey und Saarbrücken verlangen pro Person und Nacht mit Frühstück 33,80 € im Mehrbettzimmer und 42,20 € im Doppelzimmer, allein im Zimmer 57,20 €; bleibst du nur eine Nacht, kommen 5 € dazu (Stand: Oktober 2026). Gasthöfe und Hotels liegen meist bei 60 bis 90 € für ein Einzelzimmer mit Frühstück (Stand: Oktober 2026). Abtei, Kirchen und Saarkohlenwald kosten keinen Eintritt.

Anreise

Zum Start (Tholey): Tholey hat keinen Bahnhof. Nächster Bahnhof ist St. Wendel an der Nahetalbahn zwischen Mainz und Saarbrücken; von dort fährst du mit dem Bus oder Taxi gut zehn Kilometer nach Tholey.

Unterwegs: Illingen hat einen Bahnhof, praktisch, wenn du den Weg teilen oder nur eine Etappe gehen willst.

Vom Ziel (Ludwigskirche): Bis zum Hauptbahnhof sind es zu Fuß rund 1,5 Kilometer; in der Innenstadt fahren Saarbahn und Busse. Von dort fahren ICE und TGV nach Frankfurt, Mannheim und Paris, Regionalzüge nach Metz.

  • Bahn Deutschland: bahn.de — St. Wendel, Illingen, Saarbrücken
  • Bus und Saarbahn im Saarland: saarvv.de

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