Nahe-Glan-Camino (Nord-Variante) auf der Karte

Nahe-Glan-Camino (Nord-Variante)

Die Nord-Variante ist die Nahe-Route des Nahe-Glan-Camino: Am Disibodenberg bei Odernheim, wo Hildegard von Bingen fast vier Jahrzehnte lebte, verlässt sie die Glan-Route und läuft 94,9 Kilometer über die Höhen zwischen Nahe und Glan nach Idar-Oberstein, Birkenfeld und Nohfelden. In Tholey, beim ältesten urkundlich belegten Kloster Deutschlands, trifft sie wieder auf die Süd-Route. Sie ist kaum länger als der Hauptweg, aber höher, waldreicher und einsamer, mit der Felsenkirche von Oberstein als stärkstem Bild.

13. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Odernheim am Disibodenberg / Tholey im Saarland, wo die Nord-Variante wieder auf die Süd-Route trifft
  • Länge: 94,9 km
  • Dauer: 4 Etappen, mit Halt in Nohfelden 5
  • Höhenmeter: ↗ 1.594 m / ↘ 1.347 m
  • Höchster Punkt: 473 m bei km 75,7 zwischen Hoppstädten-Weiersbach und Nohfelden
  • Landschaft: Nahetal, Höhenrücken des Oberen Naheberglands, Wald und Hügel im nördlichen Saarland
  • Träger / Markierung: Teil des Nahe-Glan-Camino; abschnittsweise gemeinsam mit Saar-Hunsrück-Steig, Nahe-Steig und Naheweg (blaues N auf Weiß)
  • Jakobus-Spuren: kaum materielle; der Weg lebt von Klöstern und Kirchen am Anfang und am Ende, dem Disibodenberg und der Abtei St. Mauritius in Tholey
  • Unterkunft: Gasthöfe, Pensionen, Jugendherberge Idar-Oberstein; kaum Pilgerbetten
  • Anschlusswege: Nahe-Glan-Camino (Süd-Route) in Odernheim und Tholey; ab Tholey der Jakobsweg Saarbrücken bis Saarbrücken, dort Anschluss an den Jakobsweg Hornbach–Metz
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober; im Winter liegt auf den Höhen um 450 m oft Schnee
  • Vereine am Weg: ganzer Weg: St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e.V.

Überblick

Seit 2025 heißt der Pilgerweg von Bingen nach Tholey offiziell Nahe-Glan-Camino, und er hat zwei Arme. Der Hauptweg, die Süd-Route, folgt ab Odernheim dem Glan über Meisenheim, Kusel und St. Wendel. Die Nord-Variante bleibt an der Nahe und nimmt die Höhen: über Bad Sobernheim hinauf in die Dörfer des Oberen Naheberglands, hinunter nach Idar-Oberstein, über Birkenfeld und Nohfelden ins Saarland. Beide Arme treffen sich in Tholey wieder.

Rechnet man ab Bingen, ist die Nahe-Route nur gut zwei Kilometer länger als die Glan-Route. Der Unterschied liegt in der Höhe: fast 1.600 Meter Anstieg, oft im Wald. Dahinter steckt eine alte Linie, die keltisch-römische Straße von Mainz nach Metz, später Pilgerweg. Ein Stück davon liegt heute im Truppenübungsplatz Baumholder, um den der Weg einen Bogen macht. Du gehst eine römische Straße, nur dort, wo heute keine Panzer fahren.

Andere Namen

Die Nord-Variante heißt beim Verein Nahe-Route des Nahe-Glan-Camino, im Gegensatz zur Glan-Route, die auf Camino Ninja als Süd-Route geführt wird. Vor 2025 hieß er schlicht Jakobsweg Bingen–Tholey, großräumiger auch Jakobsweg Mainz–Metz. Auf Englisch heißt er Nahe-Glan Camino, northern variant.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist die Nord-Variante, wenn du einen ruhigen Mittelgebirgsweg für vier bis fünf Tage suchst, mit Bahnhöfen der Nahetalbahn in der Nähe, viel Wald und wenig Pilgerverkehr – oder wenn du von Bingen kommst und lieber die Felsenkirche sehen willst als das Glantal.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergen erwartest, in denen abends andere Pilger sitzen. Zwischen Meddersheim und Idar-Oberstein sind selbst Pensionsbetten dünn gesät. St. Wendel mit dem Wendalinusgrab liegt an der Süd-Route, nicht hier. Und zwischen Steinberg-Deckenhardt und Oberthal musst du mit morastigen Waldwegen rechnen – Forstwirtschaft und Feldspatabbau wühlen den Boden auf.

Streckenverlauf & Landschaft

Odernheim bis Idar-Oberstein (km 0–48,2): Am Fuß des Disibodenbergs, wo der Glan in die Nahe mündet, beginnt die Variante und folgt der Nahe flach über Staudernheim und Bad Sobernheim, dessen Ortskern rund einen Kilometer abseits liegt, nach Meddersheim. Dann der große Anstieg: in zehn Kilometern von 164 auf 400 Meter, hinauf nach Hundsbach. Über Sien, Oberreidenbach und Dickesbach geht es auf Wald- und Feldwegen über die Rücken, bis der Weg nach Nahbollenbach ins Nahetal abfällt.

Idar-Oberstein bis Tholey (km 48,2–94,9): Aus dem engen Tal steigst du wieder auf, über Kronweiler hinauf zum Rimsberg auf 458 Meter und hinüber nach Birkenfeld. Bei Hoppstädten-Weiersbach kommst du zurück an die junge Nahe, gehst ein Stück mit dem Naheweg und erreichst über den höchsten Punkt Nohfelden. Im Saarland folgen Walhausen, Steinberg-Deckenhardt auf 442 Metern und Oberthal, zuletzt die alte Bahntrasse Richtung Tholey; bei Oberthal liegen 400 m abseits die Ausgrabungen des römischen Vicus im Wareswald. Wo die Variante endet, ist die Abtei noch gut einen Kilometer entfernt, auf der Süd-Route.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Wir zeigen die Variante in 4 Etappen. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 94,9 km kalibriert. Wer kürzere Tage will, teilt die letzte Etappe in Nohfelden: 10,1 km ab Birkenfeld, dann 17,3 km bis Tholey.

  1. Odernheim → Sien (24,0 km) — flach an der Nahe, dann der steilste Anstieg; in Sien wenige Betten, vorab buchen.
  2. Sien → Idar-Oberstein (24,2 km) — über die Höhendörfer und lang bergab ins Tal.
  3. Idar-Oberstein → Birkenfeld (19,3 km) — kräftiger Aufstieg zum Rimsberg, danach Wald und Wiesen.
  4. Birkenfeld → Tholey (27,4 km) — über den höchsten Punkt ins Saarland.

Technisch ist nichts schwierig. Fordernd sind die Anstiege hinter Meddersheim und hinter Idar-Oberstein und die Höhendörfer ohne Café und Laden: Nimm Wasser und Proviant für den ganzen Tag mit.

Die Edelsteinstadt, der die Steine ausgingen

In Idar-Oberstein schliff man schon Anfang des 14. Jahrhunderts Achat, auf Sandsteinrädern, die der Idarbach antrieb. Im 16. Jahrhundert war die Gegend eine Edelsteinadresse von Rang, um 1660 kamen die Goldschmiede dazu. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts dann die Pointe: Die heimischen Achatvorkommen waren erschöpft. Idar schliff weiter, nur jetzt Steine aus Brasilien und Argentinien. Mit dem Rohachat kam, so erzählt man es, auch das Grillen nach Art der Gauchos – daraus wurde der Spießbraten. Das Deutsche Edelsteinmuseum in einer Villa von 1894 zeigt mehr als 10.000 Stücke.

Über allem hängt die Felsenkirche. Die Legende erzählt von zwei Brüdern auf Burg Bosselstein, Wyrich und Emich, die dieselbe Frau liebten; Wyrich stürzte Emich aus dem Fenster und musste zur Sühne an der Stelle eine Kapelle bauen, bei deren Weihe er am Altar tot zusammenbrach. Belegt ist der Bau 1482 bis 1484 unter Wirich IV. von Daun-Oberstein, in eine Felsnische hoch über dem Tal; 234 Stufen führen hinauf, seit 1980/81 durch einen Tunnel im Fels hinein. Die Nahe unten hat Idar-Oberstein dagegen versteckt: Seit 1986 fließt sie auf rund zwei Kilometern unter einer Schnellstraße, und 1988 gewann die Stadt einen Wettbewerb um „die konsequenteste Verschandelung eines historischen Stadtbildes“. Eine Stadt, die Steine aus Übersee schleift und ihren eigenen Fluss unter Beton legt – das muss man erst einmal schaffen.

Highlights am Weg

  • Disibodenberg (km 0) — Grab des irischen Mönchs Disibod (um 640 gekommen, 700 gestorben); 1112 zog Jutta von Sponheim mit der jungen Hildegard in die Klause, 1147 bis 1151 ging Hildegard mit ihren Schwestern auf den Rupertsberg bei Bingen.
  • Bad Sobernheim (km 7,2) — Stadtrecht 1292; hier wirkte 1915 bis 1925 der „Lehmpastor“ Emanuel Felke, an ihn erinnert der Barfußpfad von 1992.
  • Idar-Oberstein (km 48,2) — seit 1933 eine Stadt; Felsenkirche, Edelsteinmuseum, Weiherschleife. Ortsmitte gut 1 km abseits.
  • Birkenfeld (km 67,5) — von 1817 bis 1937 Hauptstadt einer Exklave des fernen Oldenburg.
  • Burg Nohfelden (km 77,6) — 1285 erbaut, der 20 m hohe Bergfried ist heute Aussichtsturm.
  • Abtei St. Mauritius, Tholey (gut 1 km hinter dem Ende) — erwähnt im Testament des Adalgisel Grimo vom 30. Dezember 634, seit 1950 wieder benediktinisch; seit 2020 leuchten im Chor drei Fenster von Gerhard Richter und im Schiff 29 Fenster der in Herat geborenen Mahbuba Maqsoodi.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Die meisten kommen aus Bingen, knapp 60 Kilometer auf der Süd-Route, und entscheiden sich am Disibodenberg für Glan oder Nahe. In Bingen treffen sich mehrere Wege:

Weiterpilgern?

In Tholey bist du zurück auf der Süd-Route, deren Ziel die Abtei ist. Wer weitergehen will, nimmt dort den Jakobsweg Saarbrücken: 45,7 Kilometer über Marpingen, Illingen und Holz bis zur Ludwigskirche in Saarbrücken. An der Alten Brücke trifft er auf den Jakobsweg von Speyer nach Metz, auf Camino Ninja der Jakobsweg Hornbach–Metz. So schließt sich der alte Gedanke dieser Straße: von Mainz nach Metz.

Vorbereitung & Praktisches

Pilgerausweis und App. Wie auf allen Jakobswegen in Deutschland lohnt sich ein Pilgerausweis (Credencial); die Compostela gibt es allerdings erst für die letzten 100 Kilometer nach Santiago. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; der Verein gibt ihn gegen eine Spende von 5 € aus (Stand: Oktober 2026). Weil die Betten weit auseinanderliegen, planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Jahreszeit und Unterkunft. Am schönsten ist der Weg von Mai bis Oktober; im Winter sind die Höhen kalt, viele Landgasthöfe haben Ruhetage. Reserviere vor allem für Sien. Läden findest du verlässlich nur in Bad Sobernheim, Idar-Oberstein, Birkenfeld und Nohfelden.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 60 bis 90 € am Tag (Stand: Oktober 2026), denn Spendenherbergen gibt es hier praktisch nicht. Die Jugendherberge Idar-Oberstein kostet mit Frühstück 27,30 bis 42,70 € pro Person und Nacht, ein Zimmer in Pension oder Gasthof meist 45 bis 80 € (Stand: Oktober 2026). Ein warmes Essen im Gasthof gibt es ab etwa 14 €.

Anreise

Hin und zurück. Die Nahetalbahn zwischen Bingen und Saarbrücken begleitet den Weg: Für den Start fährst du nach Staudernheim (km 4,3) und gehst zum Disibodenberg zurück. Unterwegs halten die Züge in Idar-Oberstein, Neubrücke bei Hoppstädten-Weiersbach und Türkismühle bei Nohfelden, du kannst also jederzeit abbrechen. Tholey hat keinen Bahnhof: Der Bus bringt dich nach St. Wendel, von dort fährt die Bahn.

  • Bahn: bahn.de — Nahetalbahn Bingen–Saarbrücken, Verbindungen ab Mainz und Frankfurt
  • Bus im Saarland: saarvv.de — Tholey nach St. Wendel

Partner

Partner für Nahe-Glan-Camino (Nord-Variante)

Camino Ninja arbeitet mit offiziellen Partnern zusammen. Für diesen Camino ist der Partner:

Camino Shop

Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel

Alles, was du für den Nahe-Glan-Camino (Nord-Variante) brauchst, direkt zu dir nach Hause.

Camino Shop besuchen