Sardegna da Olbia
135 Kilometer vom Flughafen zum Jakobuspatron: von der Granitbasilika San Simplicio in Olbia drei Tage hinauf ins Korkeichenland von Padru, über den Sattel bei Pedra Bianca auf 707 Meter und hinunter durch Sardiniens einziges UNESCO-Biosphärenreservat, dann drei Tage Küste — die Bohnenburg von Posada, die Dünen von Berchida und Capo Comino, die fünf Buchten von Bidderosa — bis zur Kuppelkirche San Giacomo Maggiore in Orosei. Sechs offizielle Etappen des Vereins, die ohne einen einzigen korrigierten Kilometer exakt auf unsere Streckenlänge aufgehen. Der Ostast des Cammino di Santu Jacu, in der Systematik von Camino Ninja Sardegna da Olbia.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Zweimal Jakobus — einmal davon als Ruine
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Olbia, Basilica di San Simplicio (Gallura) / Orosei, Chiesa di San Giacomo Maggiore (Baronia)
- Länge: 135,4 km
- Dauer: 6 Tage
- Höhenmeter: ↗ 1.817 m / ↘ 1.810 m
- Höchster Punkt: 707 m im Granitrücken hinter Padru; tiefster Punkt 0 m am Strand
- Etappen: 6 — die offiziellen Tappe des Trägers, deren Summe exakt unsere Streckenlänge ergibt
- Netz: Ostast des Cammino di Santu Jacu — „Sardegna da Olbia" ist unsere Bezeichnung, der Träger sagt „da Olbia a Orosei" und rechnet den Abschnitt zur Variante Nord
- Träger: Associazione Amici del Cammino di Santu Jacu APS, gegründet Dezember 2010
- Markierung: gelbe Pfeile mit Jakobsmuschel, im Nordosten zusätzlich blaue Aufkleber mit Muschel und Pfeil
- Jakobuskirchen: San Giacomo Apostolo und die Ruine Santu Iacu 'Ezzu' bei Siniscola, San Giacomo Maggiore in Orosei — Ortspatron, Fest am 25. Juli
- Kein Herbergsnetz: ein einziges Ostello (Siniscola), sonst B&B, Hotel, Gemeinde; Credenziale und Testimonium
- Anschlüsse Sardinien: Sardegna Nord (Start in Olbia), Sardegna da Orosei (Ziel in Orosei), Sardegna Centrale (Hauptachse)
- Beste Zeit: April bis Juni sowie September und Oktober; Hochsommer an der Küste heiß, teuer und voll
Überblick
Du landest mittags in Olbia und stehst nachmittags vor der granitenen Basilica di San Simplicio — praktischer beginnt kaum ein Pilgerweg in Europa. Dann verlässt du das Meer für drei Tage. Über Azzani steigst du ins Hinterland der Gallura: runde Granitköpfe, Steineichen und die rostroten Stämme geschälter Korkeichen, dazwischen Quellen, die man nicht einplant, sondern als Geschenk nimmt. In Padru, einem Dorf, das um 1700 entstand und erst 1996 eine eigene Gemeinde wurde, schläfst du zum ersten Mal. Der zweite Tag ist der einsamste und der höchste: hinauf zum Sattel bei Pedra Bianca, wo die Straße den Pass auf 620 Metern quert und der Weg noch weiter hinaufgeht, bis auf 707 Meter. Von oben siehst du bei klarem Wetter das Meer bei Posada, den Maccheronis-Stausee und den weißen Kalkrücken des Monte Albo — die ganze zweite Hälfte deines Weges auf einen Blick.
Dann kippt die Landschaft. Du fällst ins Tal des Rio Posada, durch den Parco di Tepilora, seit 2017 Sardiniens einziges UNESCO-Biosphärenreservat, nach Torpè, von dessen Ortsrand du gleichzeitig zurück zum Golf von Olbia und nach vorn zum Golf von Orosei schaust. Ab Posada mit seiner Bohnenburg auf dem Felsen bist du am Meer und bleibst dort: La Caletta, die langen Dünenstrände von Berchida und Capo Comino, Siniscola mit seinen zwei Jakobuskirchen, die fünf Buchten der Oasi di Bidderosa, die Ebene des Cedrino — und am Ende Orosei, wo die ziegelgedeckten Kuppeln von San Giacomo Maggiore über dem Basalthügel stehen und der Apostel nicht Randfigur ist, sondern Ortspatron.
Andere Namen
Auf Sardisch heißt Jakobus Santu Jacu, und so heißt auch das Wegenetz, zu dem dieser Abschnitt gehört: der Cammino di Santu Jacu, italienisch auch Cammino di Santiago in Sardegna. Der Trägerverein führt die Strecke in seinem eigenen Etappenführer schlicht als „da Olbia a Orosei" und rechnet sie zur Variante Nord Porto Torres – Orosei – Olbia; eine Reportage von 2017 nennt denselben Ast variante orientale. Als „Variante costiera" bezeichnet ihn dagegen keine Quelle — der Begriff wäre unsere Erfindung, also lassen wir ihn.
„Sardegna da Olbia" ist ebenfalls unsere Bezeichnung. Camino Ninja zerlegt die rund 1.600 Kilometer und 60 Etappen des sardischen Netzes in vier planbare Routen — Sardegna Centrale, Sardegna Nord, Sardegna da Orosei und diese hier. Der Verein kennt die vier Namen nicht. Wenn du unterwegs jemanden nach dem Weg fragst, sag „Cammino di Santu Jacu" — das versteht in Padru, Torpè und Orosei jeder.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du eine Woche Zeit hast und einen kompletten, in sich geschlossenen Weg willst: sechs Etappen, am Anfang ein Flughafen, am Ende eine Buslinie, die dich in zwei Stunden zum Flughafen zurückbringt. Wenn du Küste willst, aber nicht nur Küste — drei Tage Granit und Korkeichen, drei Tage Sand und Dünen. Wenn dich das Sardinien jenseits der Costa Smeralda interessiert: Dörfer mit 2.000 Einwohnern, eine Burg mit Bohnenlegende, ein Biosphärenreservat, in dem du morgens nur den Wind in den Korkeichen hörst. Und wenn du im Mai oder Oktober gehen willst, wenn auf dem Festland die Saison vorbei ist und hier gerade die richtige Temperatur herrscht.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du ein Herbergsnetz erwartest. Auf 135 Kilometern gibt es genau eine klassische Pilgerunterkunft, das Ostello Su Recreu in Siniscola; alles andere sind B&Bs, ein Hotel, gelegentlich die Gemeinde oder das Sanktuarium — und viele davon machen im Winter zu. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Nichts für dich ist er auch im Juli und August: Die Küste wird heiß, voll und teuer, aus einem 40-Euro-Zimmer wird ein 120-Euro-Zimmer. Und wer täglich andere Pilger treffen will, ist hier falsch — der Santu Jacu ist ein junger Weg mit dünnem Verkehr, du wirst tagelang niemanden sehen, der dasselbe vorhat wie du.
Streckenverlauf & Landschaft
Die erste Hälfte ist Bergland. Von Olbia geht es über Sporula, Trudda und Azzani in stetigem Anstieg in die Granit-Gallura: Felsköpfe, Macchia, Steineichenwald und die Korkeichen, die Padru bis heute ernähren. Der Monte Nieddu überragt das Dorf mit knapp 1.000 Metern, du bleibst darunter, aber nicht weit: Am zweiten Tag steigst du zum Sattel bei Pedra Bianca und über ihn hinaus auf 707 Meter, den höchsten Punkt des Weges, mit Blick über den Lago di Maccheronis bis zum Meer. Von hier fällst du über Concas ins Tal des Rio Posada und in die Baronia — und quer durch den Parco naturale regionale di Tepilora, dessen Wälder su Lidone und Usinavà zu einem Drittel auf dem Gemeindegebiet von Torpè liegen. Torpè selbst ist seit dem 12. Jahrhundert belegt, ein Granitdorf mit Nuraghe und Felsengräbern.
Die zweite Hälfte ist Küste. Ab Posada, der historischen Hauptstadt der Baronia unter ihrer Burg aus dem 13. Jahrhundert, läufst du auf Meereshöhe: San Giovanni di Posada, der Hafen La Caletta, dann die kilometerlangen Strände von Berchida und Capo Comino mit Dünen, Wacholder und Pinien, im Rücken der Kalkrücken des Monte Albo. Siniscola liegt ein Stück landeinwärts. Danach folgst du der Küste über Lupareddu, Cala Liberotto und Sos Alinos an der Oasi di Bidderosa vorbei — 860 Hektar Schutzgebiet, fünf Buchten, eine Lagune —, bis sich das Land in die Ebene des Cedrino öffnet und Orosei auf seinem Basalthügel erscheint. Untergrund: Forst- und Schotterpisten, Hirtenwege, Uferpfade, ab Posada Sand, Dünenpfade, Strandabschnitte und Stücke Küstenstraße.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Der Träger hat für diesen Abschnitt einen eigenen Etappenführer publiziert, zuletzt in der Ausgabe 2021, mit sechs Etappen. Ihre Summe ergibt exakt die 135,4 Kilometer unserer Streckendaten — ein Glücksfall, der bei Fernwegen selten vorkommt; wir mussten keinen einzigen Wert anpassen. Nur die Etappe nach Siniscola gibt der Verein selbst mit „circa 19" an, die anderen fünf sind glatt. Wer sechs Tage für zu wenig hält, kann die lange Auftaktetappe in Azzani teilen — dort gibt es sechs B&Bs, in Sporula und Trudda dagegen nichts.
- Olbia – Sporula – Trudda – Azzani – Padru (29,4 km) — Abschied vom Meer, Anstieg ins Korkeichenland; längste Etappe, teilbar in Azzani.
- Padru – Pedra Bianca (24,0 km) — der Bergtag: Sattel auf 620 m, höchster Punkt 707 m, wenig Ort, wenig Wasser.
- Pedra Bianca – Concas – Torpè (20,0 km) — Abstieg ins Tal des Rio Posada, Biosphärenreservat Tepilora, Nuraghe San Pietro.
- Torpè – Posada – San Giovanni – La Caletta – Siniscola (19,0 km) — Castello della Fava, erster Strand, Jakobuskirche und Jakobusruine bei Siniscola.
- Siniscola – Lupareddu – Cala Liberotto / Sos Alinos (26,0 km) — Berchida, Capo Comino, Dünen und Pinien; flach, aber Sand.
- Cala Liberotto – Sos Alinos – Sas Linnas Siccas – Orosei (17,0 km) — Oasi di Bidderosa, Cedrino-Ebene, Kuppeln von San Giacomo Maggiore.
Schwierigkeit: mittel, mit klarer Zweiteilung. Fast alle 1.817 Aufstiegsmeter stecken in den ersten drei Tagen zwischen Olbia und Torpè; ab Posada gehst du praktisch auf Meereshöhe. Alpin ist nichts, anstrengend werden die Bergetappen durch Länge, Steigung und Wasserknappheit im Granit — Etappe 2 ist der Tag, den du mit vollen Flaschen und früh beginnst. Die Küstenetappen täuschen im Höhenprofil: 26 Kilometer weicher Sand auf Etappe 5 zehren mehr als 500 Höhenmeter auf Schotter. Die gelben Pfeile und blauen Aufkleber stehen, aber nicht in spanischer Dichte; die GPS-Tracks des Vereins liegen frei auf Wikiloc unter dem Konto amicisantujacu, lade sie vor dem Start. Schatten gibt es an der Küste kaum, Zecken im Wald ab Mai.
Zweimal Jakobus — einmal davon als Ruine
Der Weg heißt nach Jakobus, aber er hält den Apostel lange zurück. In Olbia ist San Simplicio der Heilige, in Padru Sant'Elia, in Torpè die Madonna degli Angeli, in Posada Sant'Antonio Abate — vier Tage lang keine Muschel an einer Kirchentür, und genau das ehrlich zu sagen, ist stärker als eine erfundene Kette. Erst bei Siniscola taucht er auf, und zwar doppelt: Auf einem Schieferhügel steht San Giacomo Apostolo, 1870 gebaut, Fest am 1. Mai, dem Tag des jüngeren Jakobus. Und tiefer im Umland liegt unter dichtem Buschwerk Santu Iacu 'Ezzu', „der alte Jakob" — die Reste einer mittelalterlichen Kirche, die einmal Mittelpunkt einer eigenen Siedlung war und im 19. Jahrhundert aufgegeben wurde. Die Gemeinde führt beide in ihrem Kirchenverzeichnis, die eine als Gotteshaus, die andere als „rudere".
Von der Ruine bis zum Ziel sind es noch anderthalb Tage Küste, und dort steht dann der ältere Bruder: San Giacomo Maggiore in Orosei, seit dem 14. Jahrhundert belegt, ab dem 17. um- und ausgebaut und 1794 unter Rektor Ignazio Masala vollendet. Sie steht auf einem Basalthügel, die Barockfassade seltsam seitlich gestellt wie eine Kulisse zur Freitreppe, darüber eine Reihe ziegelgedeckter Kuppeln, an denen die sardischen Baumeister des 18. Jahrhunderts vorführten, was sie konnten. Jakobus ist hier nicht Nebenaltar, sondern Patron der Gemeinde, gefeiert am 25. Juli — an dem Tag, an dem in Santiago der Botafumeiro schwingt, steht in Orosei die ganze Stadt auf dem Kirchplatz.
Dass zwischen einer verfallenen und einer lebendigen Jakobuskirche 40 Kilometer Küste liegen, hat sich der Verein nicht ausgedacht. Es gibt sogar einen zweiten, lokalen Weg zwischen genau diesen beiden Kirchen, den Cammino di Santu Jacu in Baronia, rund 40 Kilometer über Irgoli und Onifai durchs Landesinnere — ein anderer Weg als deiner, aber derselbe Gedanke. Der Kult war vor den Pfeilen da. Der Cammino di Santu Jacu, 2009 als Idee entstanden, im Dezember 2010 als Verein gegründet und 2012 offiziell vorgestellt, hat nur die Spur wieder sichtbar gemacht, die zwischen dem alten und dem jungen Jakob schon lag.
Highlights am Weg
- Basilica di San Simplicio, Olbia — lombardische Romanik in einheimischem Granit, in fünf Bauphasen gewachsen, die älteste vor dem 11. Jahrhundert; bis 1839 Kathedrale, seit 1993 Basilica minor. Unter dem Altar die Holzbüste des Stadtpatrons, dessen 1614 gefundene Reliquien 2001 zurückkehrten.
- Korkeichenwälder um Padru — geschälte, rostrote Stämme zwischen Granit und Quellen; dazu die römische Stätte Santu Miali mit Villenresten und Nekropole.
- Sa Pedra Bianca — Passlage auf 620 m, Granitkuppen, Blick bis zum Meer, zum Maccheronis-Stausee und zum Monte Albo; der Weg steigt darüber hinaus auf 707 m.
- Parco di Tepilora — seit Juni 2017 als „Tepilora, Rio Posada e Montalbo" UNESCO-Biosphärenreservat, das einzige Sardiniens: 17 Gemeinden, rund 50.000 Menschen, endemische Amphibien und Reptilien. In derselben Region lebt der Canto a Tenore, der mehrstimmige Hirtengesang, ebenfalls UNESCO-gelistet.
- Nuraghe San Pietro bei Torpè — Hauptturm mit umgebenden Türmen; in der Nähe die Felsengräber Predas Ruias.
- Castello della Fava, Posada — Burg der Richter von Gallura aus dem 13. Jahrhundert, Grenzfestung zu Arborea, um 1380 aragonesisch, 1431 von Alfons V. an Nicolò Carroz vergeben. Zwanzig Minuten Aufstieg, Blick über das ganze Tal, in das du am Vortag heruntergekommen bist — und die Legende von der Taube, die mit den letzten Bohnen der Belagerten gemästet eine Belagerung beendete.
- Berchida und Capo Comino — die langen Dünenstrände von Siniscola, im Frühjahr und Herbst menschenleer.
- Santu Iacu 'Ezzu' und San Giacomo Apostolo, Siniscola — die überwachsene Ruine der mittelalterlichen Jakobuskirche und ihre Nachfolgerin von 1870 auf dem Schieferhügel.
- Oasi di Bidderosa — 860 Hektar, fünf Buchten von je einem Kilometer, Pinien und Korkeichen, die Lagune von Curcurica. Autos brauchen von Mai bis Oktober ein Kontingentticket, Fußgänger dürfen ganzjährig frei hinein.
- Chiesa di San Giacomo Maggiore, Orosei — Ortspatron, seit dem 14. Jahrhundert belegt, 1794 vollendet, seitliche Barockfassade, Kuppelreihe über dem Basalthügel; Fest am 25. Juli. Dazu die Altstadt Palathos Betzos und der Gefängnisturm Sa Prejone Etzza.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Die meisten kommen von oben oder vom Wasser: Olbia hat Flughafen und Fährhafen, und der Weg beginnt im Stadtgebiet an der Basilica di San Simplicio. Genau von diesem Punkt startet auch der zweite sardische Nordweg — Sardegna Nord führt von derselben Basilika westwärts durch die Gallura nach Porto Torres, dieser Weg südwärts an die Küste. Wer in Olbia landet, entscheidet am ersten Morgen zwischen Granit und Meer.
Wer schon auf der Insel unterwegs ist, kommt meist am anderen Ende an: Pilger, die Sardegna da Orosei von Porto Torres über Ozieri, Nuoro und Dorgali gegangen sind, stehen in Orosei — und hängen diesen Abschnitt in Gegenrichtung an, um in Olbia am Flughafen zu enden. Der Verein beschreibt seine Nordvariante ausdrücklich so: als Schleife Porto Torres – Orosei – Olbia, in beiden Richtungen begehbar. Und wer auf der Hauptachse Sardegna Centrale von Cagliari heraufkommt, wechselt bei Chilivani oder Ploaghe auf die Ostroute und erreicht Orosei so ebenfalls.
Weiterpilgern?
Ja, und ohne Bruch: In Orosei endet dieser Abschnitt genau dort, wo Sardegna da Orosei beginnt — 270,7 Kilometer über Dorgali, Oliena, Nuoro, Ozieri und Ploaghe nach Porto Torres an der Nordküste. Wer beides hintereinander geht, hat gut 400 Kilometer quer durch die Insel, Küste, Barbagia, Logudoro, und steht am Ende am Hafen der römischen Turris Libisonis. Ab Ploaghe teilen sich ohnehin alle sardischen Stränge das Finale: Dort trifft die Ostroute auf Sardegna Nord, bei Chilivani schließt Sardegna Centrale an, die 448,6 Kilometer lange Hauptachse von Cagliari herauf. Aus den vier Abschnitten baust du dir deine eigene Sardinien-Runde — der Santu Jacu ist ein Netz, keine Linie.
Und danach? Porto Torres ist Fährhafen, und von dort fährt die einzige Direktfähre Sardiniens nach Barcelona. Dort wartet der Camino Catalán über Montserrat und Lleida zum Ebro und weiter nach Westen. Der Verein hat den Anschluss von Anfang an so gedacht: Sardinien stand vier Jahrhunderte unter katalanisch-aragonesischer Herrschaft, der Weg zurück nach Spanien ist historisch gedeckt.
Vorbereitung & Praktisches
Die Saison läuft von April bis Juni und von September bis Oktober. Sardinien ist ganzjährig begehbar und an der Küste auch im Winter mild — aber die beiden Bergetappen wollen keinen Julinachmittag, und im Hochsommer sind die Küstenquartiere voll und doppelt so teuer. Ein Herbergsnetz gibt es nicht. Der Etappenführer des Vereins nennt für die sechs Etappen: das B&B Porto Romano in Olbia, das auch Credenziali ausgibt, sechs B&Bs in Azzani, drei in Padru dazu die Gemeinde, das B&B I Mari in Torpè mit Shuttle-Service, das Ostello Su Recreu mit 40 Betten und ein Hotel in Siniscola, in Orosei B&Bs, ein Hotel und Aufnahme im Sanktuarium. Viele B&Bs schließen im Winter — ruf am Vortag an; solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Am einfachsten planst du Etappen und Quartiere direkt in der Camino Ninja App.
Die Credenziale stellt die Associazione Amici del Cammino di Santu Jacu aus — bestell sie vor der Abreise oder hol sie im B&B Porto Romano; am Ende gibt es das Testimonium des sardischen Weges, nicht die Compostela. Die Markierung sind gelbe Pfeile mit Muschel und im Nordosten blaue Aufkleber — vorhanden, aber nicht lückenlos; die GPS-Tracks des Vereins liegen auf Wikiloc unter amicisantujacu, ohne Offline-Karte gehst du nicht los. Wasser ist das wichtigste Praxisthema: Zwischen Padru und Torpè bist du zwei Tage im dünn besiedelten Granit, zwei bis drei Liter ab Start, Quellen als Bonus, nicht als Plan. Sprache: Italienisch; Englisch in Olbia, an der Küste und in den B&Bs, in Padru und Torpè eher nicht — und wenn dir jemand sagt, du seist auf dem Weg zu Santu Jacu, meint er genau das, was du vorhast. Ausrüstung: Sonnenschutz und Hut für die schattenlose Küste, Schuhe, die Sand vertragen, Zeckenschutz für den Wald, Bargeld für die kleinen Orte.
Was dich der Weg kostet
Ehrlich gesagt hängt hier fast alles vom Kalender ab — der Verein veröffentlicht keine Preislisten, alle Beträge sind Richtwerte (Stand: September 2026). Ein Bett im Ostello Su Recreu liegt bei 20–30 €, ein B&B für eine Person im Doppelzimmer bei 30–50 €, das Doppelzimmer in B&B oder Hotel in der Nebensaison bei 60–90 € — und dasselbe Zimmer an der Küste im Juli und August bei 110–180 €. Ein Menü in der Trattoria kostet 22–35 €, Pizza oder ein einfaches Abendessen 10–18 €, Frühstück an der Bar 3–4 €, Selbstversorgung aus dem Supermarkt 10–15 € am Tag.
Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Ostello oder günstigem B&B und Selbstversorgung 45–65 €, mittel mit B&B und einem warmen Essen 70–100 €. Für sechs Etappen macht das grob 270–390 € sparsam und 420–600 € mittel, ohne Anreise und Ausrüstung. Die Credenziale kostet als Spende an den Verein wenige Euro. Der größte Einzelhebel ist die Reisezeit: Wer im Mai statt im August geht, halbiert die Unterkunftskosten an der Küste. Kirchen, Strände und die Ruine bei Siniscola kosten nichts, der Aufstieg zum Castello della Fava ein paar Euro.
Anreise
Zum Start (Olbia): Der Flughafen Olbia Costa Smeralda liegt rund 4 Kilometer vom Zentrum und wird von zahlreichen europäischen Flughäfen direkt angeflogen; ein Stadtbus bringt dich in wenigen Minuten zur Basilica di San Simplicio. Trenitalia verkauft unter dem Namen Olbia Airlink Zug und Bus aus ganz Sardinien zum Flughafen auf einem Ticket. Vom Fährhafen Isola Bianca bestehen Verbindungen nach Civitavecchia (ganzjährig täglich, 5:30 h am Tag), Livorno (6–7 h am Tag) und saisonal Genua (rund 10 h); Basistarife ohne Kabine ab etwa 22–45 € (Stand: September 2026). Bahn: Olbia liegt an der Strecke Golfo Aranci – Chilivani mit Anschluss nach Sassari und Cagliari.
Unterwegs: Die ARST-Linie 514 Olbia – San Teodoro – Siniscola – Orosei – Nuoro ist die Küstenachse und bedient fast alle Etappenorte — Posada, La Caletta, Siniscola, Cala Liberotto. Wenn dich eine Blase oder das Wetter stoppt, kommst du überall weg. Padru und Torpè haben eigene ARST-Verbindungen, aber fahrplanabhängig; Fahrscheine an Bars und Tabaccherie. Vom Ziel (Orosei): Orosei hat keinen Bahnhof. Dieselbe Linie 514 bringt dich in gut zwei Stunden zurück nach Olbia zum Flughafen oder in rund einer Stunde nach Nuoro, von wo Busse nach Cagliari und Sassari abgehen. Wer weiterpilgert, braucht gar nichts: Sardegna da Orosei beginnt vor der Kirchentür.
- Bahn Sardinien: trenitalia.com — Olbia, Olbia Airlink, Chilivani, Sassari
- Bus: arst.sardegna.it — Linie 514 Olbia – Siniscola – Orosei – Nuoro, Padru, Torpè
- Träger, Credenziale, GPX, Etappenführer: camminosantujacu.it — Associazione Amici del Cammino di Santu Jacu
- Fähre: grimaldi-lines.com — Livorno – Olbia, Porto Torres – Barcelona
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