Sardegna Nord
268 Kilometer von Meer zu Meer, mit der Insel dazwischen: von der Granitbasilika in Olbia durch die Gallura nach Luogosanto, wo alle sieben Jahre eine Heilige Pforte aufgeht, über die Granitstadt Tempio Pausania und die Anglona mit ihren Felsengräbern und romanischen Landkirchen zur gestreiften Basilika von Saccargia, nach Sassari und hinunter zum Hafen von Porto Torres, wo der sardische Jakobsweg an die Schiffe Richtung Spanien übergibt. 13 Etappen, 5.105 Meter Aufstieg, ein einziges Jakobus-Patrozinium am Weg — und tagelang kein zweiter Pilger. Der Nordstrang des Cammino di Santu Jacu.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Alle sieben Jahre geht in Luogosanto eine Tür auf
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Olbia, Basilica di San Simplicio (Gallura) / Porto Torres, Basilica di San Gavino (Golfo dell'Asinara)
- Länge: 268,3 km
- Dauer: 13 Tage
- Höhenmeter: ↗ 5.105 m / ↘ 5.106 m
- Höchster Punkt: 690 m im Gallura-Bergland zwischen Luogosanto und Tempio Pausania; tiefster Punkt 1 m an der Küste
- Etappen: 13 (Camino-Ninja-Einteilung; der Träger spricht von „circa 10 tappe", veröffentlicht aber keine Kilometerliste)
- Netz: Nordroute des Cammino di Santu Jacu — „Sardegna Nord" ist unsere Bezeichnung, der Träger sagt Cammino del Nord oder variante gallurese
- Markierung: gelbe Pfeile, stellenweise mit Muschelsymbol
- Jakobuskirche: San Giacomo di Taniga zwischen Sassari und Sorso — das einzige Jakobus-Patrozinium direkt am Weg
- Kein Herbergsnetz: B&B, Agriturismi, Gemeindeunterkünfte, referenti des Vereins; Credenziale und Testimonium
- Anschlüsse Sardinien: Sardegna da Olbia (Start), Sardegna da Orosei und Sardegna Centrale (gemeinsames Finale ab Ploaghe)
- Anschluss Spanien: Direktfähre Porto Torres – Barcelona, dort der Camino Catalán
- Beste Zeit: April bis Juni und September bis Anfang November; Hochsommer im Landesinneren zu heiß
Überblick
Du startest am Meer und endest am Meer, aber dazwischen liegt die Insel. Von der granitenen Basilica di San Simplicio in Olbia gehst du landeinwärts in die Gallura: Granit, Macchia, Korkeichen, verstreute Gehöfte, die Gigantengräber von Arzachena. In Luogosanto steht eine Basilika, deren Heilige Pforte nur alle sieben Jahre aufgeht — 2026 ist so ein Jahr. Über das Bergland auf 690 Meter, an Aggius und der Granitwüste der Valle della Luna vorbei erreichst du Tempio Pausania, die Stadt aus Stein, und fällst ins Coghinas-Tal in die Anglona: Tafelberge, Felsengräber aus dem 4. Jahrtausend v. Chr., romanische Landkirchen, ein versteinerter Wald, Dörfer mit ein paar hundert Einwohnern. In Ploaghe triffst du auf die anderen sardischen Stränge, gehst an der gestreiften Basilika von Saccargia vorbei nach Sassari, der zweitgrößten Stadt der Insel, und durch die Weinberge der Romangia hinunter zum Hafen von Porto Torres, wo die einzige Direktfähre Sardiniens nach Barcelona ablegt.
Der Weg trägt den Namen des Apostels in der Sprache der Insel: Santu Jacu ist Sankt Jakob auf Sardisch, und der Jakobus, dem die Sarden folgen, ist ein eigener — Schutzherr gegen den Blitz und Spender der Wegzehrung für einen guten Tod, nicht der Maurentöter Nordspaniens. Ehrlich gesagt kommt er auf diesem Abschnitt kaum vor: Olbia gehört San Simplicio, Tempio San Pietro, Luogosanto der Muttergottes, Sassari San Nicola, Porto Torres San Gavino; das eine echte Jakobus-Patrozinium am Weg ist die gotische Kirche von Taniga, drei Kilometer vor Sassari. Der Weg ist jung — Idee 2009, Verein 2010, Anerkennung durch die Region 2012 —, das Netz umfasst rund 1.600 Kilometer, und ein Herbergsnetz gibt es nicht. Wer hier geht, navigiert selbst, kauft am Vorabend ein und begegnet tagelang keinem zweiten Pilger. Dafür sieht er ein Sardinien, das die Costa Smeralda nie zu Gesicht bekommt.
Andere Namen
Der Träger führt diesen Abschnitt nicht unter einem eigenen Wegnamen. In den Publikationen des Vereins und seines Umfelds heißt er Cammino del Nord oder variante gallurese, meist einfach beschreibend Olbia–Porto Torres. Sardegna Nord ist unsere Camino-Ninja-Bezeichnung, damit du die vier sardischen Stränge auseinanderhalten kannst — auf Wegweisern und in den Unterlagen des Vereins wirst du sie nicht finden. Der Netzname selbst ist sardisch: Cammino di Santu Jacu, Santu Jacu ist Sankt Jakob; nicht San Giacomo, wie es auf Italienisch hieße. Auf Deutsch sagst du „Sardischer Jakobsweg", auf Spanisch begegnet dir gelegentlich Camino de Santiago en Cerdeña.
Bei den Zahlen musst du wissen: Der Träger nennt für diesen Strang „circa 10 tappe" und beschreibt ihn als „abbastanza impegnativa specie nella parte montuosa" — ziemlich fordernd, besonders im bergigen Teil —, veröffentlicht aber keine Kilometerliste. Unsere Route misst 268,3 Kilometer, und die 13 Etappen unten sind an den Wegpunkten unserer Streckendaten kalibriert, keine Trägerangaben. Auch die Netzlänge schwankt je nach Zählung: Für die Zentralachse Cagliari–Porto Torres kursieren 430, 460 und 470 Kilometer. Wir halten uns an das, was unser Track misst.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal ist dieser Weg, wenn du Sardinien abseits der Strände sehen willst und Einsamkeit nicht als Mangel empfindest: Granitdörfer, Korkeichenwälder, Anglona-Hügel, Gräber aus dem 4. Jahrtausend v. Chr., eine Basilika von 1116 — und tagelang kein zweiter Pilger. Ideal, wenn du gern selbst navigierst, gern italienisch radebrechst und beim Wort „Herberge" nicht automatisch an ein Bett mit Stempel denkst. Ideal, wenn du die Reihenfolge magst: Berge zuerst, Meer zum Schluss. Und ideal, wenn du zwischen September 2026 und September 2027 unterwegs bist — dann kommst du in Luogosanto durch eine Tür, die sonst sechs Jahre lang geschlossen bleibt.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du die Infrastruktur des Camino Francés erwartest: kein durchgehendes Herbergsnetz, keine Pilgermenü-Kultur, keine Schlange am Stempelkissen. Die gelben Pfeile stehen zuverlässig, aber nicht lückenlos — Erfahrungsberichte vom Netz sagen offen, dass Markierungen „gelegentlich verschwinden". Verpflegung kaufst du am Vorabend, Wasserstellen sind rar, und der Asphaltanteil ist streckenweise beträchtlich. Im Hochsommer ist das Landesinnere zwischen Bortigiadas und Chiaramonti schlicht zu heiß, im Winter vieles saisonal geschlossen. Und wenn du eine Compostela willst: Die bekommst du in Santiago — hier gibt es das Testimonium des sardischen Weges.
Streckenverlauf & Landschaft
Von Olbia geht es landeinwärts in die Gallura: Granit, Macchia, Korkeichen, verstreute stazzi — die einzeln stehenden Gehöfte dieser Region. Über Sant'Antonio di Gallura und Arzachena mit seinen nuraghischen Gräbern erreichst du Luogosanto, dann steigt der Weg ins Bergland zwischen Luogosanto und Tempio Pausania, wo der höchste Punkt bei 690 Metern liegt, im Blickfeld des Monte Limbara. Aggius auf 515 Metern und die Granitwüste der Valle della Luna markieren die landschaftliche Mitte des ersten Wegdrittels; Tempio ist die Stadt aus Stein, mit Kork, Granit und einer Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert.
Ab Bortigiadas fällt die Route ins Coghinas-Tal und wechselt in die Anglona — eine Landschaft aus Kalk- und Trachyt-Tafelbergen, weit weniger schroff als die Gallura, dafür archäologisch dicht: Sedini, Bulzi, Perfugas, Laerru, Martis, Chiaramonti, Dörfer mit wenigen hundert bis wenigen tausend Einwohnern, dazwischen romanische Landkirchen, Felsengräber und ein versteinerter Wald. In Ploaghe triffst du auf die anderen sardischen Stränge; von dort führt eine gemeinsame Schlussetappe über die Hügel des Logudoro und des Coros, an Saccargia vorbei nach Sassari. Das letzte Stück durch die Romangia über Sorso ist Küstenland — Weinberge, Pinien, Strand — und dann der Hafen von Porto Torres.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Der Träger spricht für die Gallura-Route von „rund zehn Etappen" und nennt sie „ziemlich fordernd, besonders im bergigen Teil", veröffentlicht aber keine Kilometerliste. Wir teilen die 268,3 Kilometer in 13 Etappen — gut 20 Kilometer am Tag, der Maßstab, den der Verein auf dem benachbarten Nordast anlegt; die Kilometer sind an den Wegpunkten unserer Streckendaten kalibriert und summieren sich exakt, die Einzelwerte sind auf wenige Kilometer genau. Die längste Etappe, Ploaghe → Sassari, lässt sich in Codrongianos an der Basilika von Saccargia sauber halbieren — dann sind es 14 Tage. Die kürzeste, Aggius → Tempio Pausania, ist Absicht: zwei Museen in Aggius und ein Altstadtkern aus Granit in Tempio füllen den Rest des Tages besser als weitere Kilometer.
- Olbia – Teggia de Sambene – Sant'Antonio di Gallura (22,5 km) — Abschied vom Meer, Granit und Macchia der Gallura.
- Sant'Antonio di Gallura – Arzachena (17,0 km) — Gigantengrab Coddu Vecchiu, Nuraghe La Prisgiona.
- Arzachena – Bassacutena – Luogosanto (24,0 km) — Basilika mit der Heiligen Pforte von 1227.
- Luogosanto – Aggius (24,5 km) — höchster Punkt 690 m im Gallura-Bergland, Monte Limbara im Blick.
- Aggius – Tempio Pausania (11,5 km) — Halbtag: Valle della Luna, Museen, Granitstadt.
- Tempio Pausania – Figaruia – Bortigiadas (14,5 km) — Korkeichen, Abstieg zum Coghinas.
- Bortigiadas – Giuncana – Longareddu – Santa Maria Coghinas (25,5 km) — Coghinas-Tal, Burgruine Casteldoria, Thermalquellen; keine Läden in den Weilern.
- Santa Maria Coghinas – Sedini – Bulzi (17,5 km) — domus de janas La Rocca, San Pietro delle Immagini.
- Bulzi – Perfugas – Laerru – Martis (19,0 km) — Brunnentempel, größtes Retabel Sardiniens, versteinerter Wald.
- Martis – Chiaramonti (13,0 km) — Castello dei Doria.
- Chiaramonti – Ploaghe (22,5 km) — Knoten des Netzes, Kathedrale von 1090 bis 1503.
- Ploaghe – Codrongianos – Florinas – Cargeghe – Ossi – Sassari (29,0 km) — Saccargia, Logudoro-Hügel; längste Etappe, teilbar in Codrongianos.
- Sassari – San Giacomo di Taniga – Sorso – Porto Torres (27,8 km) — Jakobuskirche, Romangia-Weinberge, Basilica di San Gavino, Hafen.
Schwierigkeit: mittel — nicht wegen alpiner Passagen, sondern wegen des ständigen Auf und Ab: über 5.100 Höhenmeter auf 268 Kilometern, keine Etappe ist alpin, aber kaum eine flach. Untergrund: überwiegend Schotterpiste, Hirtenweg und Nebenstraße; Trittsicherheit brauchst du nirgends, gute Sohlen für lange Asphaltstücke schon — der Straßenanteil ist streckenweise erheblich. Die gelben Pfeile stehen zuverlässig, aber nicht lückenlos, GPX-Track ist Pflicht. Wasser: Verlässliche Quellen sind rar, in den Weilern zwischen Bortigiadas und Santa Maria Coghinas gibt es keinen Laden — zwei Liter ab Start, Verpflegung am Vorabend. Bäche können nach Regen im Weg stehen. Der Hochsommer ist im Landesinneren zu heiß; ab Mai auf Zecken achten.
Alle sieben Jahre geht in Luogosanto eine Tür auf
Im Jahr 1227 erhob Papst Honorius III. die Kirche der Franziskaner in Luogosanto zur Basilica minor und stattete sie mit einer Porta Santa aus — einer Heiligen Pforte, wie sie sonst Rom, Santiago und wenige andere Orte haben. Die Regel ist seither dieselbe: Die Tür wird nur alle sieben Jahre geöffnet, um Mariä Geburt am 8. September, und bleibt dann ein ganzes Jahr offen. Die Zählung der Festa Manna di Gaddura, des großen Festes der Gallura, ist dabei nie abgerissen: Am 7. September 2026 um 19:15 Uhr öffnet Bischof Roberto Fornaciari die Pforte zur 798. Ausgabe — rechne zurück, und du landest in den 1220er Jahren, exakt bei der päpstlichen Erhebung. Am 8. September folgt das Ritual „Lu Caracolu" mit der Fahnenübergabe, im Mai kommen die Kranken, im Juni eine nächtliche Fußwallfahrt aus Calangianus. Die Marienstatue wurde der Legende nach an einem Strand bei Arzachena gefunden; die Kirche bewahrt die Reliquien der Eremiten Trano und Nicola, das Bronzeportal von Luca Luchetti erzählt in drei Reliefs ihre Geschichte. Wer diesen Weg zwischen Herbst 2026 und Herbst 2027 geht, kommt auf Etappe 3 durch ein Heiliges Tor, das danach bis 2033 geschlossen bleibt.
Ehrlich gesagt ist das Heilige Jahr von Luogosanto der stärkste datierte Beleg dieser ganzen Route — und er hat mit Jakobus nichts zu tun. Das Netz wurde entlang der Orte gebaut, deren Patron San Giacomo ist, aber in Gallura und Anglona ist genau dieses Patrozinium die Ausnahme: Olbia gehört San Simplicio, gestorben am 15. Mai 304 unter Diokletian; Porto Torres den Märtyrern Gavino, Proto und Gianuario, für 303/304 überliefert — derselbe Verfolgungssturm an beiden Enden des Weges, 268 Kilometer auseinander. Die eine echte Jakobuskirche liegt drei Kilometer vor Sassari an der Straße nach Sorso: San Giacomo di Taniga, weißer Kalkstein, italienische Gotik der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, letzter Rest des seit 1112 bezeugten Dorfes Taniga. Und der Jakobus, dem die Insel folgt, ist ohnehin ein eigener: Auf Sardinien gilt Santu Jacu als Schutzherr gegen den Blitz und als Spender der Wegzehrung für einen guten Tod. Der Weg heißt nach einem Heiligen, den die Insel sich selbst zurechtgelegt hat — und führt an einer Tür vorbei, die älter ist als jeder Pilgerpfad hier.
Highlights am Weg
- Basilica di San Simplicio, Olbia — in drei Phasen zwischen spätem 11. und frühem 12. Jahrhundert aus Gallura-Granit gebaut, 33 Meter lang, über einer Nekropole mit rund 450 Gräbern, das imposanteste romanische Bauwerk der Insel; der Namenspatron starb am 15. Mai 304.
- Arzachena — Gigantengrab Coddu Vecchiu und Nuraghe La Prisgiona, die dichteste Konzentration nuraghischer Grabarchitektur der Nordinsel.
- Basilica di Nostra Signora di Luogosanto — 1227 von Honorius III. zur Basilica minor erhoben, Porta Santa alle sieben Jahre, 798. Festa Manna di Gaddura 2026; Bronzeportal von Luca Luchetti.
- Aggius — 515 Meter, Bandiera Arancione des Touring Club; Ethnografiemuseum MEOC, Museo del Banditismo zur Banditengeschichte des 19. Jahrhunderts, Freiluftmuseum AAAperto, Wollteppiche — und die Granitwüste der Valle della Luna.
- Tempio Pausania — die „città di pietra" der Gallura am Fuß des Monte Limbara: Kathedrale San Pietro Apostolo aus dem frühen 13. Jahrhundert, San Francesco von 1543–48 als erstes Renaissance-Zeugnis der Insel, Heilquellen Rinaggiu, Karneval mit Re Giorgio und rund 100.000 Besuchern.
- Casteldoria, Santa Maria Coghinas — Burgruine der Doria über dem Coghinas-Tal, Thermalquellen.
- La Rocca, Sedini — domus de janas aus dem 4./3. Jahrtausend v. Chr., aus einem einzigen Felsblock gearbeitet, mitten in der Hauptstraße; später Gefängnis, Stall, Laden, Parteibüro und Wohnhaus, heute Museum. Die sardischen domus de janas sind seit 2025 UNESCO-Welterbe.
- San Pietro delle Immagini, Bulzi — romanische Landkirche von 1110–1120 in zweifarbigem Mauerwerk, frei zwischen Wiesen und Felsen; ihre hölzerne Kreuzabnahme-Gruppe des frühen 13. Jahrhunderts ist das einzige Werk ihrer Art auf Sardinien, heute in San Sebastiano in Bulzi.
- Perfugas — nuraghischer Brunnentempel Predio Canopoli, archäologisch-paläobotanisches Museum; in Santa Maria degli Angeli das größte Retabel Sardiniens, 54 Tafeln aus dem späten 16. Jahrhundert.
- Foresta pietrificata di Carrucana, Martis — versteinerter Wald auf rund 1.000 Quadratmetern, mit Opal, Chalcedon und Quarz in den Stämmen; dazu San Pantaleo aus dem 13./14. Jahrhundert und der 15-Meter-Wasserfall Triulintas.
- Castello dei Doria, Chiaramonti — Burg der Familie, deren Name auf Brancaleone Doria zurückgeht, den Mann der Eleonora d'Arborea; im 14. Jahrhundert zwischen Arborea und Aragón umkämpft, unter Aragón zur Kirche umgebaut.
- San Pietro Apostolo, Ploaghe — von 1090 bis 1503 Kathedrale der Diözese Ploaghe, bis heute Titularbistum; Trinitätsgemälde des Florentiners Baccio Gorini.
- Santissima Trinità di Saccargia, Codrongianos — am 5. Oktober 1116 geweiht, von Giudice Costantino I. von Torres gestiftet, den Kamaldulensern anvertraut; gestreift aus schwarzem Basalt und weißem Kalkstein, pisanische Romanik. Der schönste Bau am Weg.
- San Giacomo di Taniga — die gotische Kalksteinkirche zwischen Sassari und Sorso, letzter Rest des seit 1112 bezeugten Dorfes Taniga, das eine echte Jakobus-Patrozinium direkt an der Strecke.
- Cattedrale di San Nicola, Sassari — Barockfassade von über 30 Metern, die mächtigste Sardiniens, über einem Bau, der 1441 mit dem Bischofssitz von Porto Torres kam; dazu die Discesa dei Candelieri am 14. August, seit 2013 UNESCO-anerkannt, und die Cavalcata Sarda im Mai.
- Basilica di San Gavino, Porto Torres — größte romanische Kirche Sardiniens, 1080 geweiht, mit zwei Apsiden und ohne Hauptportal in der Achse, 22 Säulen; die Reliquien der drei Märtyrer wurden 1614 gefunden. Dahinter der Hafen des antiken Turris Libisonis.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der häufigste Einstieg ist der einfachste: Flughafen oder Fährhafen Olbia, ein paar hundert Meter zur Basilica di San Simplicio, und los. Genau deshalb ist Olbia auch der Startpunkt des zweiten sardischen Nordwegs — vom selben Punkt aus führt der Küstenweg Sardegna da Olbia südwärts nach Orosei statt westwärts durch die Gallura. Wer in Olbia landet, hat die Wahl zwischen Meer und Granit und trifft die Entscheidung am ersten Morgen.
Wer schon länger auf Sardinien unterwegs ist, steigt in Ploaghe oder Sassari ein oder um: Dort mündet dieser Weg in dieselbe Schlussetappe, die auch Sardegna Centrale von Cagliari her und Sardegna da Orosei von der Ostküste her benutzen. Von Sassari ist Ploaghe mit dem Regionalzug in gut zwanzig Minuten erreicht. Und wer den Weg umgekehrt gehen will — von Porto Torres nach Olbia — kann das ohne Weiteres: Der Verein beschreibt seine Routen in beiden Richtungen.
Weiterpilgern?
Porto Torres ist Ziel und Sprungbrett zugleich. Der Träger versteht den Hafen ausdrücklich als den Punkt, an dem der sardische Weg „ideell an den Camino de Compostela anschließt" — hier legten die Schiffe Richtung Iberien ab, und hier legen sie es bis heute: Von Porto Torres fährt die einzige Direktfähre Sardiniens nach Barcelona. Dort wartet der Camino Catalán, der über Montserrat und Lleida zum Ebro und weiter nach Westen führt — ein Weg, der nicht in einer Kathedrale endet, sondern an einer Kaikante.
Konkret heißt das: Von der Stazione Marittima in Porto Torres fährt Grimaldi Lines ganzjährig nach Barcelona, rund 12 Stunden über das Mittelmeer, je nach Saison ein- bis mehrmals pro Woche (Stand: September 2026, Fahrtage vorher prüfen). In Barcelona übernehmen der Camino de Barcelona über Montserrat und der Camino Catalán über Lleida – so wird aus dem sardischen Ziel die nächste Etappe des Camino Maltés nach Santiago.
Wer auf der Insel bleiben will, hat drei Anschlüsse, alle über dieselbe Schlussetappe in Gegenrichtung: Sardegna Centrale, die Hauptachse des Netzes, von Porto Torres quer über die Insel bis Cagliari; Sardegna da Orosei über Ozieri, Nuoro und Dorgali an die Ostküste; und von dort der Küstenweg Sardegna da Olbia zurück nach Olbia, mit dem sich die große Nordschleife schließt. Gehst du alle vier Stränge, hast du Sardinien einmal umrundet und einmal durchquert.
Vorbereitung & Praktisches
Die Saison läuft von April bis Juni und von September bis Anfang November: Der Frühling gibt dir blühende Macchia und volle Bäche, der Herbst warmes Licht und ruhige Dörfer. Der Hochsommer ist im Landesinneren zwischen Bortigiadas und Chiaramonti schlicht zu heiß, im Winter ist vieles saisonal geschlossen — ein Pilgerbericht vom Netz beschreibt Häuser, die „schlecht gegen Kälte gerüstet" sind. Ein Herbergsnetz gibt es nicht. Übernachtet wird in B&B, Agriturismi, Gemeindeunterkünften und bei den referenti des Vereins — ehrenamtlichen Ansprechpartnern, die es für jede Etappe gibt. Ruf am Vortag an, gerade zwischen Bortigiadas und Chiaramonti; solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Deine Etappen und Quartiere planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App.
Die Credenziale stellt die Associazione Amici del Cammino di Santu Jacu aus — bestell sie rechtzeitig vor der Abreise, sie öffnet dir die Pilgerkonditionen der Unterkünfte; am Ende gibt es das Testimonium des sardischen Weges, nicht die Compostela. Die Markierung sind gelbe Pfeile, stellenweise mit Muschelsymbol — zuverlässig, aber nicht lückenlos; lade die frei verfügbaren GPX-Tracks des Netzes, bevor du startest. Wasser und Verpflegung planst du am Vorabend: Verlässliche Quellen sind rar, in Weilern wie Giuncana oder Longareddu gibt es keinen Laden. Sprache: Italienisch, in der Gallura auch Gallurese, in Sassari Sassarese; Englisch in Olbia und Sassari, auf dem Land selten. Ausrüstung: Sohlen für Asphalt und Schotter, Sonnenschutz, zwei Liter Wasserkapazität, Zeckenschutz für Macchia und Weiden.
Was dich der Weg kostet
Ehrlich gesagt ist Sardinien kein Billigziel, aber abseits der Costa Smeralda auch kein teures — der Verein veröffentlicht keine Preislisten, alle Beträge sind Richtwerte (Stand: September 2026). Ein Doppelzimmer im B&B liegt in Gallura und Anglona meist bei 60–90 €, ein einfaches Agriturismo mit Halbpension bei 55–80 € pro Person; Gemeindeunterkünfte und Pilgerbetten bei den referenti laufen häufig auf Spendenbasis, etwa 10–20 €. Ein Menü in einer Dorftrattoria kostet 15–25 €, Brot, Käse und Wurst für unterwegs 6–10 €.
Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Pilgerbett oder Gemeindeunterkunft und Selbstversorgung 30–45 €, mittel mit B&B oder Agriturismo und einem warmen Essen 45–70 €. Für 13 Etappen macht das grob 400–580 € sparsam und 590–910 € mittel, ohne Anreise und Ausrüstung. Die Credenziale kostet als Vereinsbeitrag wenige Euro. Wer im Juli und August unterwegs ist, zahlt an der Küste — Olbia, Sorso, Porto Torres — deutlich mehr als im Frühjahr; im Landesinneren ändert sich wenig. Kirchen und Basiliken kosten nichts, La Rocca in Sedini und die Museen in Aggius ein paar Euro.
Anreise
Zum Start (Olbia): Der Flughafen Olbia Costa Smeralda liegt rund 4 Kilometer vom Zentrum und wird von zahlreichen europäischen Flughäfen direkt angeflogen; ein Stadtbus bringt dich in wenigen Minuten zur Basilica di San Simplicio, wo der Weg beginnt. Vom Fährhafen Isola Bianca bestehen Verbindungen zum italienischen Festland, unter anderem nach Civitavecchia, Livorno und Genua.
Unterwegs: Tempio Pausania, Ploaghe und Sassari haben Bahnanschluss, die Dörfer der Gallura und der Anglona bedient ARST per Bus — Fahrscheine an Bars und Tabaccherie, Tarife nach Kilometerzonen. Ein- und Ausstiege für Teilstücke sind also möglich, aber fahrplanabhängig; prüfe die Verbindungen vorab.
Vom Ziel (Porto Torres): Porto Torres liegt an der Bahnstrecke nach Sassari, rund 20 Minuten; von Sassari geht es weiter nach Olbia oder Cagliari. Der nächste Flughafen ist Alghero-Fertilia, rund 40 Kilometer entfernt; Olbia ist mit Bahn und Bus in etwa drei Stunden erreichbar. Wer nicht fliegen will, nimmt die Fähre: Von Porto Torres verkehren Schiffe nach Genua und — als einzige Direktverbindung Sardiniens — nach Barcelona.
- Bahn Sardinien: trenitalia.com — Porto Torres, Sassari, Ploaghe, Chilivani, Olbia
- Bus: arst.sardegna.it — Gallura- und Anglona-Dörfer
- Credenziale, GPX, referenti: camminosantujacu.it — Associazione Amici del Cammino di Santu Jacu
- Fähre: grimaldi-lines.com — Porto Torres – Barcelona, Porto Torres – Genua
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