Der schönste Auftakt zum Jakobsweg: 753 Kilometer von Le Puy-en-Velay über das einsame Aubrac-Hochland und das mittelalterliche Conques bis an den Fuß der Pyrenäen.
Die Via Podiensis ist der bekannteste der vier großen Jakobswege durch Frankreich – und für viele der schönste Weg überhaupt, um sich Santiago zu nähern. Sie beginnt in Le Puy-en-Velay, einer Stadt aus vulkanischem Fels, deren Kathedrale schon im Mittelalter Sammelpunkt der Pilger war. Von dort zieht der Weg quer durch das Zentralmassiv: über das raue Aubrac-Plateau, hinab in tiefe Flusstäler und durch das warme Quercy bis ins Vorland der Pyrenäen.
Anders als auf den spanischen Caminos bist du hier nicht in einem ständigen Pilgerstrom unterwegs. Du gehst durch ein lebendiges, ländliches Frankreich, vorbei an Bauernhöfen, Dorfbäckereien und kleinen romanischen Kirchen. Übernachtet wird meist in Gîtes d'étape, oft mit gemeinsamem Abendessen am großen Tisch. Der Weg endet in Saint-Jean-Pied-de-Port am Fuß der Pyrenäen – dort, wo der Camino Francés nach Spanien beginnt.
Je nach Sprache und Tradition trägt der Weg verschiedene Namen:
Der Zusatz „GR 65“ steht für den französischen Fernwanderweg (Grande Randonnée), dem der Camino fast durchgehend folgt.
Die Via Podiensis ist ideal, wenn du Ruhe, Natur und gutes Essen suchst und dich an einsameren Etappen nicht störst. Wer Frankreich, seine Küche und seine Dörfer mag, wird diesen Weg lieben. Auch erfahrene Pilger, die den Trubel des Camino Francés schon kennen, finden hier die Stille, die ihnen dort manchmal fehlt.
Weniger geeignet ist sie, wenn du wenig Zeit hast – die volle Strecke dauert rund einen Monat. Wer gar kein Französisch spricht, braucht etwas Mut, denn Englisch ist längst nicht überall selbstverständlich. Und wer das Gefühl eines großen, internationalen Pilgerstroms sucht, ist auf dem Camino Francés besser aufgehoben.
Grob lässt sich der Weg in drei Abschnitte teilen. Zuerst das Hochland: Von Le Puy steigt der Weg auf die Margeride und das Aubrac-Plateau, eine baumlose, weite Hochebene mit Kühen, Steinkreuzen und einsamen Hirtenhütten. Hier ist es rau, oft windig und im Frühjahr noch kühl.
Dann die Täler und Causses: Der Abstieg nach Conques und der Weg entlang von Lot und Célé führen durch warme Schluchten und mittelalterliche Orte. Es folgt das Quercy mit seinen Kalkhochflächen, Steineichen und der Stadt Cahors.
Zuletzt das Vorland der Pyrenäen: sanftere, grüne Hügel der Gascogne und des Béarn, durch die der Weg nach Saint-Jean-Pied-de-Port führt. Mit jedem Tag rücken die Berge näher.
Mit über 12.000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg ist die Via Podiensis kein flacher Spaziergang, aber auch kein Hochgebirge. Die Steigungen verteilen sich auf viele kleinere Anstiege; richtig fordernd sind vor allem der Auftakt ins Aubrac und einige Auf- und Abstiege in den Flusstälern.
Die meisten Pilger brauchen rund 27 bis 34 Tage für die Gesamtstrecke. Viele gehen den Weg auch in mehreren Etappen über verschiedene Jahre – ein beliebter erster Abschnitt ist Le Puy bis Conques (rund eine Woche). Der GR 65 ist durchgehend mit den rot-weißen Markierungen der Grande Randonnée ausgeschildert und kaum zu verfehlen.
Wenn die Via Podiensis ein Herz hat, dann liegt es zwischen dem Aubrac-Plateau und dem Dorf Conques. Das Aubrac überquerst du auf rund 1.300 Metern Höhe – eine weite, fast skandinavisch wirkende Hochebene. Viele Pilger brechen früh von der alten Domerie d'Aubrac auf, um die Ebene im Morgenlicht zu erleben; Versorgung gibt es hier nur punktuell.
Der lange Abstieg führt nach Conques, einem der schönsten Dörfer Frankreichs. Sein Herzstück ist die Abteikirche Sainte-Foy, ein Höhepunkt der romanischen Baukunst, deren Tympanon das Jüngste Gericht zeigt. Wer dort übernachtet, kann am Abend dem Orgelspiel und dem Pilgersegen beiwohnen – für viele der bewegendste Moment des ganzen Weges.
Die Via Podiensis ist ein vollständiger Weg für sich – viele Pilger gehen genau diese Strecke von Le Puy-en-Velay bis Saint-Jean-Pied-de-Port und beenden ihre Reise dort. Du kannst sie aber auch als ersten Teil einer längeren Pilgerfahrt sehen: In Saint-Jean-Pied-de-Port beginnt nahtlos der Camino Francés, der dich über die Pyrenäen und quer durch Nordspanien in rund 800 Kilometern bis nach Santiago de Compostela führt. Ob du in Saint-Jean endest oder gleich weiterziehst, bleibt ganz dir überlassen.
Die beste Zeit ist Mai bis Oktober; im Hochsommer kann das Quercy heiß werden, im Aubrac bleibt es bis ins Frühjahr kühl. Übernachtet wird vor allem in Gîtes d'étape, oft mit Halbpension (demi-pension) und gemeinsamem Abendessen – eine Reservierung am Vortag ist üblich und im Sommer ratsam.
Ein paar Brocken Französisch helfen enorm, gerade in den Dörfern. Hab etwas Bargeld dabei, weil kleine Gîtes nicht überall Karten nehmen. Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Créanciale), den du in Le Puy oder unterwegs bekommst und der zum Übernachten in vielen Herbergen nötig ist.
Frankreich ist teurer als Spanien. Rechne pro Tag grob mit 40–60 €, wenn du in Gîtes mit Halbpension schläfst. Ein Schlafplatz kostet meist 15–25 €, ein Abendessen oft noch einmal 15–20 €. Wer selbst kocht oder kommunale Unterkünfte nutzt, kommt günstiger weg; in Hotels und Chambres d'hôtes wird es deutlich teurer.
Startpunkt ist Le Puy-en-Velay. Von dort gehst du los; das Ziel Saint-Jean-Pied-de-Port erreichst du nach rund einem Monat. Wenn du nur einen Abschnitt gehst, steigst du an einem gut angebundenen Zwischenort wie Conques, Figeac oder Cahors ein.
![[PARENTHESE] - Moissac](https://ik.imagekit.io/camino/58a40dba6f8f-3a18ddba-3205-4d09-a883-0edef343d39f.jpg?tr=w-960,c-at_max,f-avif,q-85)

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