Rund 181 Kilometer von Hof über Bayreuth nach Nürnberg: ein moderner Jakobusweg durch Frankenwald, Fränkische Schweiz und das Nürnberger Land – entlang der alten Reichsstraße Via Imperii.
Der Jakobsweg Oberfranken führt von Hof über Helmbrechts, Marktschorgast und Bayreuth nach Nürnberg – rund 181 Kilometer durch den Norden Bayerns. Sein Verlauf orientiert sich an der alten Handels- und Reichsstraße Via Imperii, die einst von der Ostsee über Leipzig nach Hof und weiter über Bayreuth nach Nürnberg und bis zur Adria führte; sie entspricht heute etwa der Bundesstraße B 2.
Eingeweiht wurde der Weg am Jakobustag, dem 25. Juli 2009, in Marktschorgast. Er nutzt bewusst vorhandene, gut beschilderte Wanderwege und ist durchgehend mit dem europäischen Muschelsymbol markiert – getragen von gleich vier Wandervereinen und abgestimmt mit der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft.
Ehrlich gesagt: Eine alte, nachweisbare Pilgertradition wie in Spanien oder Frankreich gibt es hier nicht. Die Initiatoren sprechen deshalb selbst lieber von „Jakobuswegen" als vom „Jakobsweg". Der Weg entsteht, wie sie sagen, unter den Füßen – wenn sich Menschen mit dem Fernziel Santiago auf ihn machen. Als Pilgersammelpunkt diente im Mittelalter die Kirche Nürnberg-St. Jakob.
Vor Ort werden bewusst die Begriffe „Jakobuswege" und „Jakobusweg von Hof über Bayreuth nach Nürnberg" verwendet.
Ideal, wenn du einen gut markierten, gut erreichbaren Jakobusweg in Deutschland suchst, mit abwechslungsreicher Mittelgebirgslandschaft und kulturellen Stationen wie Bayreuth und Nürnberg – und als Baustein einer größeren Reise quer durch Europa.
Weniger geeignet, wenn du eine jahrhundertealte Pilgertradition mit durchgehender Herbergsinfrastruktur wie in Spanien erwartest: Der Weg ist jung, die Übernachtungsmöglichkeiten sind stellenweise eingeschränkt, und das Reisen ist deutscher Preisstandard.
Der erste Abschnitt von Hof nach Bayreuth verläuft landschaftlich im Frankenwald; vom Weg aus sind oft die Gipfel des benachbarten Fichtelgebirges zu sehen. Hinter Marktschorgast überwindet die berühmte „Schiefe Ebene" den Steilabfall der Fränkischen Linie hinab ins Maintal.
Über Bayreuth und Creußen erreicht der Weg die Fränkische Schweiz mit ihren Burgen, Felsen und Tälern – über Pegnitz, Betzenstein und Gräfenberg. Am Ende führt er durch das Nürnberger Land über Kalchreuth nach Nürnberg. Vor Kalchreuth vereinigt er sich mit dem von Lichtenfels kommenden Jakobusweg.
Vor Ort ist der Weg in neun Etappen um die 20 Kilometer beschrieben – so, dass auch Gruppen Übernachtung und Zeit für die Stationen finden:
Mit gut 180 Kilometern und rund 2.350 Höhenmetern im Aufstieg ist der Weg moderat anspruchsvoll – Mittelgebirge mit stetigem Auf und Ab, höchster Punkt etwa 697 m. Leistungsfähige Pilger können die Etappen zu 30- oder 40-km-Tagen zusammenlegen, müssen dann aber mit eingeschränkten Übernachtungsmöglichkeiten rechnen.
Eine Besonderheit des Wegs ist, dass er nicht von einem einzigen Verein, sondern von einem Verbund gepflegt wird: Von Hof bis Bayreuth markiert der Frankenwaldverein (unter Mitwirkung örtlicher Vereine), von Bayreuth bis zur Quelle des Roten Mains der Fichtelgebirgsverein, danach der Fränkische Schweiz-Verein und etwa ab der Grenze zu Mittelfranken der Fränkische Albverein. Alle vier haben den Jakobusweg mit dem europäischen Muschelsymbol versehen und in ihr bestehendes, gut beschildertes Wegenetz aufgenommen. Eine zusätzliche Wanderkarte oder ein Pilgerführer ist trotzdem empfehlenswert.
Oberfranken ist heute nicht Endstation, sondern Durchgangsland. In Hof trifft von Nordosten der Jakobsweg Sachsen (Bautzen → Hof) ein – auch er folgt mit der Via Imperii einer alten Handelsstraße. Wer von dort kommt, geht in Hof nahtlos auf dem Jakobsweg Oberfranken weiter.
Am Ziel Nürnberg, dem „Jakobsknoten", schließt das süddeutsche Jakobswegenetz an: nach Westen Richtung Rothenburg, nach Südwesten Richtung Ulm (und weiter Richtung Bodensee und Schweiz) und nach Südosten Richtung Eichstätt. So lässt sich der Weg durch Oberfranken als Mittelstück einer langen Reise Richtung Santiago verstehen.
Die beste Zeit ist Frühling bis Herbst. Ausführliche Etappenbeschreibungen und Kurzfassungen zum Download stellt der Betreiber jakobus-oberfranken.de bereit; im Handel gibt es zudem gedruckte Pilgerführer. Da der Weg vorhandene, von den Wandervereinen gepflegte Routen nutzt, lohnt sich eine zusätzliche Wanderkarte oder Wander-App. Ein Pilgerausweis ist für Stempel sinnvoll; Pilgerstempelstellen sind ausgewiesen. Plane Übernachtungen voraus – das Quartiersnetz ist gut, stellenweise aber dünn.
Deutschland ist teurer als Spanien. Rechne pro Tag grob mit 45–75 € für Übernachtung in Pensionen und Gasthöfen, plus Verpflegung; einfache Quartiere und Selbstversorgung senken die Kosten.
Startpunkt ist Hof, Ziel ist Nürnberg – beide sind gut ans Bahnnetz angebunden.
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