Via Lemovicensis auf der Karte

Via Lemovicensis

Die Via Lemovicensis, in Frankreich Voie de Vézelay, führt in 918 Kilometern von der Basilika Sainte-Marie-Madeleine in Vézelay quer durch die Mitte Frankreichs nach Saint-Jean-Pied-de-Port am Fuß der Pyrenäen. Sie ist eine der vier Straßen, die der Codex Calixtinus um 1140 beschreibt, und führt bis heute zu den drei Heiligtümern, die er den Vézelay-Pilgern ans Herz legte: Maria Magdalena in Vézelay, Leonhard in Saint-Léonard-de-Noblat und Front in Périgueux. Rechne mit rund 40 Etappen über Loire, Berry, Limousin, Périgord und die Kiefernwälder der Landes, ↗ 9.355 Meter, höchster Punkt 662 Meter bei Saint-Goussaud. In Saint-Jean-Pied-de-Port beginnt der Camino Francés.

11. August 202614 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Basilika Sainte-Marie-Madeleine in Vézelay / Porte Saint-Jacques in Saint-Jean-Pied-de-Port
  • Länge: 918 km (Hauptroute über Bourges)
  • Dauer: 43 Etappen in unserer Einteilung, Ø gut 21 km; zügig in 35 bis 38 Tagen
  • Höhenmeter: ↗ 9.355 m / ↘ 9.448 m
  • Höchster Punkt: 662 m bei km 351,5 in Saint-Goussaud, Monts d'Ambazac im Limousin; tiefster Punkt 12 m in der Garonne-Ebene hinter La Réole
  • Landschaft: Burgund, Loire, Ebenen des Berry, Granithügel des Limousin, Périgord, Kiefernwälder der Landes, zuletzt das Baskenland
  • Träger / Markierung: Amis et Pèlerins de Saint-Jacques de la Voie de Vézelay (gegründet 1999); Muschelzeichen, abschnittsweise die weiß-roten Zeichen des GR 654
  • Jakobus-Spuren: Codex Calixtinus um 1140; Grab des heiligen Leonhard mit Gefangenenketten; Kathedrale Saint-Front als Pilgerziel des Codex; UNESCO-Welterbe der Jakobswege in Frankreich seit 1998 in La Charité, Saint-Léonard, Périgueux, Bazas und Saint-Sever
  • Unterkunft: fünf Refugien der Wegvereinigung, davon drei auf der Hauptroute (Velles, Sorges, Saint-Ferme), dazu Gîtes d'étape, accueils jacquaires und Chambres d'hôtes
  • Anschlusswege: Via Lemovicensis Southern Variant (Vézelay–Gargilesse über Nevers), Via Turonensis ab Saint-Palais, Via Podiensis ab Harambeltz, Camino Francés ab Saint-Jean-Pied-de-Port
  • Beste Zeit: Mai, Juni und September; die Refugien öffnen ab dem 15. März

Überblick

Um 1140 zählt der Codex Calixtinus in seinem fünften Buch, dem ältesten Pilgerführer Europas, vier Straßen durch Frankreich auf. Über die zweite schreibt er: „Alia per Sanctam Mariam Magdalenam Viziliaci et per Sanctum Leonardum Lemovicensem et per urbem Petragoricensem pergit“ – eine andere führt über die heilige Maria Magdalena von Vézelay, den heiligen Leonhard im Limousin und die Stadt Périgueux. Nach dem Limousin, lateinisch Lemovicensis, trägt der Weg seinen Namen. Und alle drei Heiligtümer stehen nach fast 900 Jahren noch genau dort, wo der Codex sie hinschrieb: Der Satz, den man laut vorlesen möchte, ist also eigentlich eine Wegbeschreibung von 1140, die immer noch stimmt.

Von den vier großen französischen Wegen ist dieser der stillste. Während auf der Via Podiensis in der Saison täglich Hunderte aufbrechen, gehst du hier oft tagelang allein durch Frankreich in der Langfassung: von Burgund an die Loire, durch das Berry und das Limousin ins Périgord, über Dordogne und Garonne in die Landes und am Ende ins Baskenland. Ehrlich gesagt hat diese Stille einen Preis: Das Herbergsnetz ist dünner als in Spanien, und ohne ein paar Sätze Französisch wird es mühsam.

Andere Namen

In Frankreich heißt der Weg fast immer Voie de Vézelay oder Chemin de Vézelay, nach dem Startort; der lateinische Name Via Lemovicensis nach Limoges und dem Limousin stammt aus der Wegbeschreibung des Codex Calixtinus. Im Deutschen liest du auch Limousiner Weg oder Jakobsweg ab Vézelay. Den südlichen Ast über Nevers führen wir als eigene Seite, die Via Lemovicensis Southern Variant.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du sechs Wochen Zeit hast und den Jakobsweg suchst, wie er vor dem großen Boom war: kleine Refugien mit fünf oder sechs Betten, Abendessen am Familientisch, Dörfer, deren Kirche älter ist als alles andere im Ort. Ideal auch als zweite große Pilgerreise, wenn du den Camino Francés kennst und jetzt seine französische Vorgeschichte gehen willst.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Pilgergemeinschaft brauchst: Zwischen Bourges und Limoges kann es sein, dass du eine Woche lang keinen anderen Jakobspilger triffst. Nichts für dich, wenn du ohne Vorausplanung losgehen willst – viele Gîtes erwarten einen Anruf am Vortag, und in den Landes liegen bis zu 21 Kilometer Kiefernwald zwischen zwei Betten. Und nichts für dich, wenn du nur mit Englisch durchkommen möchtest: Im Berry und im Limousin ist Französisch die einzige Sprache am Abendtisch.

Streckenverlauf & Landschaft

Burgund, Loire und Berry (km 0–273,3): Von der Basilika geht es über Varzy (km 37,0) nach La Charité-sur-Loire (km 83,5) an die Loire; die Südvariante über Nevers zweigt schon in Vézelay ab. Durch die Ebenen des Berry erreichst du Bourges (km 145,7), Issoudun (km 186,2) und Châteauroux (km 221,2). Hinter Argenton-sur-Creuse (km 260,3) senkt sich der Weg ins Felstal der Creuse nach Gargilesse-Dampierre (km 273,3), wo die Südvariante wieder einmündet.

Limousin und Périgord (km 273,3–529,6): Über Éguzon und die Burgruine von Crozant kommst du ins Granitland: La Souterraine (km 317,3), Bénévent-l'Abbaye und hinauf nach Saint-Goussaud (km 351,6), zum höchsten Punkt. Es folgen Saint-Léonard-de-Noblat (km 387,9), Limoges (km 412,8) und Châlus (km 451,8); bei La Coquille beginnt das Périgord, über Thiviers erreichst du Périgueux (km 529,6).

Dordogne, Garonne, Landes und Baskenland (km 529,6–918): Die Isle abwärts über Saint-Astier und Mussidan – Neuvic bleibt 1,2 Kilometer, Le Fleix gut 4 Kilometer abseits – kommst du nach Sainte-Foy-la-Grande (km 613,5) an der Dordogne, durch das Entre-deux-Mers nach La Réole (km 660,7) an der Garonne und über Bazas in die Kiefernwälder der Landes bis Mont-de-Marsan (km 779,4). Über Saint-Sever, Orthez (km 844,5) und Sauveterre-de-Béarn erreichst du Saint-Palais (km 883,2), Ostabat und Saint-Jean-Pied-de-Port (km 918).

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 918 km kalibriert. Wir zeigen 43 Etappen; wer kräftig geht, legt kurze Tage wie Diors–Châteauroux oder Limoges–Aixe mit dem Folgetag zusammen.

  1. Vézelay → Asnois (17,6 km) — hinab vom Hügel ins Tal der Yonne.
  2. Asnois → Varzy (19,4 km) — Felder und Wälder des Nivernais.
  3. Varzy → Arbourse (25,6 km) — über Champlemy, lange Waldstücke.
  4. Arbourse → La Charité-sur-Loire (20,9 km) — hinab an die Loire.
  5. La Charité-sur-Loire → Couy (20,1 km) — über die Loire ins Berry.
  6. Couy → Sainte-Solange (26,4 km) — offene Ebene, Baugy zur Mittagspause.
  7. Sainte-Solange → Bourges (15,7 km) — kurzer Tag für die Kathedrale.
  8. Bourges → Villeneuve-sur-Cher (16,7 km) — an den Cher.
  9. Villeneuve-sur-Cher → Issoudun (23,8 km) — über Chârost am Arnon.
  10. Issoudun → Diors (21,7 km) — Felder des Berry.
  11. Diors → Châteauroux (13,3 km) — über Déols, kurzer Stadttag.
  12. Châteauroux → Velles (18,3 km) — Refugium der Wegvereinigung.
  13. Velles → Argenton-sur-Creuse (20,8 km) — hinab an die Creuse.
  14. Argenton-sur-Creuse → Gargilesse-Dampierre (13,0 km) — Treffpunkt mit der Südvariante.
  15. Gargilesse-Dampierre → Crozant (19,7 km) — über Éguzon zur Burgruine.
  16. Crozant → La Souterraine (24,3 km) — ins Granitland des Limousin.
  17. La Souterraine → Bénévent-l'Abbaye (21,9 km) — zur Abteikirche.
  18. Bénévent-l'Abbaye → Châtelus-le-Marcheix (18,1 km) — über Saint-Goussaud, 662 m.
  19. Châtelus-le-Marcheix → Saint-Léonard-de-Noblat (30,6 km) — lang; Les Billanges teilt den Tag.
  20. Saint-Léonard-de-Noblat → Limoges (24,9 km) — über Aureil in die Stadt.
  21. Limoges → Aixe-sur-Vienne (11,3 km) — halber Tag, Zeit für Limoges.
  22. Aixe-sur-Vienne → Châlus (27,7 km) — hügelig und waldreich.
  23. Châlus → La Coquille (17,2 km) — ins Périgord.
  24. La Coquille → Thiviers (18,0 km) — Städtchen der Gänseleber-Märkte.
  25. Thiviers → Sorges (18,8 km) — Trüffelland, Refugium.
  26. Sorges → Périgueux (23,8 km) — zu den Kuppeln von Saint-Front.
  27. Périgueux → Saint-Astier (23,3 km) — die Isle abwärts.
  28. Saint-Astier → Mussidan (26,6 km) — flaches Isle-Tal.
  29. Mussidan → Sainte-Foy-la-Grande (34,0 km) — die längste Etappe; teilbar in Monfaucon.
  30. Sainte-Foy-la-Grande → Saint-Ferme (28,0 km) — Weinberge, Refugium neben der Abtei.
  31. Saint-Ferme → La Réole (19,2 km) — hinab an die Garonne.
  32. La Réole → Auros (20,4 km) — tiefster Punkt des Weges.
  33. Auros → Bazas (16,4 km) — zur Kathedrale.
  34. Bazas → Captieux (17,8 km) — der Wald beginnt.
  35. Captieux → Bourriot (21,0 km) — 21 km Kiefern ohne Dorf.
  36. Bourriot → Roquefort (14,1 km) — weiter durch die Landes.
  37. Roquefort → Mont-de-Marsan (29,0 km) — Sandwege bis an die Midouze.
  38. Mont-de-Marsan → Saint-Sever (21,1 km) — über den Adour zur Abtei.
  39. Saint-Sever → Hagetmau (15,9 km) — Hügel der Chalosse.
  40. Hagetmau → Orthez (28,1 km) — ins Béarn.
  41. Orthez → Sauveterre-de-Béarn (23,7 km) — zur Brücke über den Gave.
  42. Sauveterre-de-Béarn → Ostabat (26,9 km) — ab Saint-Palais in Gesellschaft.
  43. Ostabat → Saint-Jean-Pied-de-Port (22,9 km) — zur Porte Saint-Jacques.

Technisch ist nichts schwierig: Feld- und Waldwege, kleine Asphaltsträßchen, die Höhenmeter häufen sich nur im Limousin und im Baskenland. Anstrengend sind die Länge, einzelne Tage über 28 Kilometer und die Landes, wo du Wasser und Proviant vorher planen musst.

Der Heilige mit den Ketten – wohin Befreite ihre Fesseln trugen

Kurz vor Limoges wartet einer der eigenartigsten Wallfahrtsorte Frankreichs. Leonhard, ein fränkischer Adliger des 6. Jahrhunderts, soll nach seiner Lebensbeschreibung aus dem 11. Jahrhundert vom König die Erlaubnis erhalten haben, Gefangene zu besuchen und freizulassen, die er dessen für würdig hielt. Zum Dank bekam er Land in Nobiliacum, dem heutigen Noblat. Wer ihn in Gefangenschaft anrief, dem zersprangen der Legende nach die Ketten – und die Befreiten trugen ihre Fesseln zu seinem Grab und hängten sie dort auf. Die Ketten stehen bis heute im Stadtwappen.

Berühmt machte ihn ein Fürst: Bohemund von Tarent, Kreuzfahrer und Fürst von Antiochia, kam 1103 nach drei Jahren aus der Gefangenschaft frei und schrieb seine Befreiung dem heiligen Leonhard zu. Zurück im Westen, zog er selbst nach Noblat und brachte reiche Gaben. Auch Richard Löwenherz, von 1192 bis 1194 Gefangener im Heiligen Römischen Reich, ließ der Überlieferung nach Kirche und Mauern erneuern. Der Codex Calixtinus machte den Besuch am Grab zur Pilgerpflicht und schimpfte nebenbei auf Mönche, die behaupteten, Leonhards Leib bei sich zu haben. Der Kult wanderte weit: Es ist derselbe Leonhard, dem in Bayern die Leonhardiritte gelten – dort wurden aus den Gefangenenketten kurzerhand Viehketten, und aus dem Patron der Häftlinge wurde der Patron der Pferde.

Die Stiftskirche mit ihrem 52 Meter hohen limousinischen Glockenturm stammt im Kern aus dem 11. und 12. Jahrhundert und gehört seit 1998 zum UNESCO-Welterbe. Über dem Grab im südlichen Querhaus hängt eine Gefangenenkette. Alle sieben Jahre tragen Saint-Léonard und Limoges ihre Reliquien in den Ostensions durch die Straßen, eine Tradition, die auf das Jahr 994 zurückgeht und seit 2013 immaterielles UNESCO-Kulturerbe ist; die letzten fanden 2023 statt, die nächsten folgen 2030. Und zur Pointe des Weges gehört, dass Richard Löwenherz ihn in Stücken kannte: 1190 sammelte er in Vézelay sein Kreuzzugsheer, 1199 starb er in Châlus, an Kilometer 452 – an einem Armbrustbolzen, nicht an einer Kette.

Highlights am Weg

  • Vézelay (km 0) — Abtei seit 858/859, Magdalenenreliquien 1058 vom Papst bestätigt, Basilika nach dem Brand von 1120 neu gebaut; Ostern 1146 rief hier Bernhard von Clairvaux zum Zweiten Kreuzzug auf. UNESCO-Welterbe seit 1979.
  • La Charité-sur-Loire (km 83,5) — Cluniazenser-Priorat, gestiftet 1059, im Mittelalter die zweitgrößte Kirche Frankreichs nach Cluny; seit 1998 Teil des UNESCO-Welterbes.
  • Bourges (km 145,7) — Kathedrale Saint-Étienne, begonnen 1195, ohne Querschiff, 37 Meter Gewölbehöhe und fünf Portale; UNESCO-Welterbe seit 1992.
  • Gargilesse-Dampierre (km 273,3) — eines der „Plus Beaux Villages de France“, mit der Villa Algira von George Sand.
  • Saint-Goussaud (km 351,6) — höchster Punkt, Totenleuchte des 12. Jahrhunderts; 1911 lebten hier 1.005 Menschen, heute 163.
  • Limoges (km 412,8) — die Stadt des Porzellans und des Emails; von der Abtei Saint-Martial blieb nach dem Abriss ab 1794 nur die Krypta, wiederentdeckt beim Bau einer Tiefgarage.
  • Châlus (km 451,8) — Burg Châlus-Chabrol, vor der Richard Löwenherz im März 1199 vom Armbrustbolzen getroffen wurde; er starb am 6. April 1199.
  • Périgueux (km 529,6) — Kathedrale Saint-Front mit fünf Kuppeln über griechischem Kreuz, Kathedrale seit 1669; 1575 warfen Hugenotten die Reliquien des heiligen Front in die Dordogne. Paul Abadie baute sie 1852 bis 1895 um – und dann Sacré-Cœur in Paris.
  • Bazas (km 697,5) — Kathedrale Saint-Jean-Baptiste, Grundstein 1233, 1561 von Calvinisten geplündert; die Bürger kauften die Fassade mit 10.000 Écus frei.
  • Saint-Sever (km 800,5) — Benediktinerabtei von 988 mit rund 150 Kapitellen; Heimat der Apokalypse von Saint-Sever aus dem 11. Jahrhundert.

Saint-Palais, Gibraltar, Ostabat: wo Frankreichs Wege zusammenlaufen

Nach 883 Kilometern auf eigener Spur bekommst du in Saint-Palais Gesellschaft: Ab hier läuft die Via Turonensis aus Paris und Tours mit. Drei Kilometer weiter, beim Weiler Gibraltar in der Gemeinde Uhart-Mixe, steht die Stèle de Gibraltar, eine baskische Scheibenstele, eingeweiht am 2. August 1964 von den Amis du Chemin de Saint-Jacques des Pyrénées-Atlantiques um den Historiker Clément Urrutibéhéty. Die Stele markiert die Stelle, an der die Wege aus Vézelay, Tours und Le Puy zusammenkommen; ab der Kapelle von Harambeltz gehst du auch auf der Trasse der Via Podiensis.

Harambeltz war ein Priorat-Hospiz des heiligen Nikolaus, in einer Urkunde von 1106 erwähnt und unabhängig von jedem Orden; nach der Aufhebung 1784 übernahmen vier Familien von Donaten die Kapelle und pflegen sie bis heute. In Ostabat, das der Codex als Treffpunkt dreier Straßen kennt, zählte die Steuerliste von 1350 68 Herdstellen, darunter etwa zwanzig Herbergen; nach der Pest waren es 1412 noch 37. Nach Wochen der Stille ist das Gewusel in Saint-Jean-Pied-de-Port dann ein kleiner Kulturschock.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Vézelay ist ein Sammelpunkt. Wer schon zu Fuß unterwegs ist, kommt meist auf einem dieser Zubringer auf den Hügel:

In Vézelay entscheidest du dich gleich am Anfang: Hauptroute über La Charité und Bourges oder die Via Lemovicensis Southern Variant über Nevers. Ein späterer Wechsel ist nicht vorgesehen – die beiden Äste laufen getrennt und treffen sich erst in Gargilesse-Dampierre an der Creuse, Kilometer 273, wieder. Ab dort gehst du mit allen Vézelay-Pilgern weiter.

Weiterpilgern?

Ja – die Via Lemovicensis ist ein Zubringer zum Camino. In Saint-Jean-Pied-de-Port stehst du am Start des Camino Francés, über die Pyrenäen nach Roncesvalles und in rund fünf weiteren Wochen nach Santiago de Compostela. Bei Sturm auf dem Pass nimmst du die Winterroute über Valcarlos; wer lieber an die Küste will, nimmt die Verbindung Saint-Jean-Pied-de-Port – Irun zum Camino del Norte.

Kurz vor dem Ziel münden außerdem die Voie de Piémont bei Bussunarits und die Voie de la Nive bei Saint-Jean-le-Vieux ein.

Vorbereitung & Praktisches

Pilgerausweis und App. Wie auf allen französischen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Herbergen zu übernachten und am Ende in Santiago die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; Mitglieder der Wegvereinigung bekommen ihn kostenlos, abholen kannst du ihn auch in deren Büro in Vézelay. Mit der Camino Ninja App hast du Karte und Track offline dabei; am einfachsten planst du den Weg direkt in der App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Unterkünfte. Auf der Hauptroute betreibt die Wegvereinigung drei Refugien: Velles (5 Plätze, 15. März bis 15. Oktober), Sorges und Saint-Ferme (je 6 Plätze, 15. März bis 31. Oktober), Einlass mit Credencial ab 16 Uhr. Sonst schläfst du in Gîtes d'étape, Chambres d'hôtes und bei accueils jacquaires, privaten Pilgerempfängen mit Abendessen am Familientisch. Ruf am Vortag an; das ist hier keine Höflichkeit, sondern Bedingung. Standardverzeichnis ist „Miam Miam Dodo – Voie de Vézelay“.

Jahreszeit. Mai, Juni und September sind ideal. Im Hochsommer werden Berry, Garonne-Ebene und Landes heiß; dann helfen frühe Starts. Im Winter sind viele Gîtes zu.

Was dich der Weg kostet

Frankreich ist teurer als Spanien. In den Refugien der Wegvereinigung zahlst du, was du kannst – „libre participation“ nach deinen Mitteln. Gîtes d'étape kosten meist 15 bis 25 € pro Nacht, Halbpension mit Abendessen und Frühstück liegt oft bei 35 bis 45 €, viele accueils jacquaires arbeiten auf Spendenbasis (Stand: Oktober 2026).

Rechne mit 40 bis 65 € pro Tag, je nachdem, wie oft du Halbpension nimmst und wie oft du selbst kochst; bei rund 40 Etappen kommen so 1.600 bis 2.600 € für den ganzen Weg zusammen, ohne Anreise (Stand: Oktober 2026). Zwischen den Städten ist die Dorfbäckerei oft der einzige Laden, und montags hat sie häufig zu.

Anreise

Nach Vézelay. Mit dem Zug über Paris und Auxerre bis Sermizelles-Vézelay, von dort die letzten rund 10 Kilometer mit Bus, Taxi oder zu Fuß als Einstimmung.

Vom Ziel. Von Saint-Jean-Pied-de-Port fährt der Regionalzug nach Bayonne, dort hast du TGV-Anschluss Richtung Paris; der nächste Flughafen ist Biarritz.

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