Cammino Toscana auf der Karte

Cammino Toscana

174,8 Kilometer, 8 Etappen, 327 Meter höchster Punkt: Der Cammino Toscana — beim Träger Cammino di San Jacopo in Toscana — führt von der Piazza della Signoria in Firenze parallel zur römischen Via Cassia nach Prato, über den Monteferrato nach Pistoia, wo seit 1144 ein Knochensplitter des Apostels liegt und die Stadt „Santiago minore" heißt, durch die Burgdörfer der Valdinievole nach Collodi, über die Hügel von Petrognano in die Piana di Lucca, unter den 460 Bögen des Acquedotto Nottolini nach Pisa und durch die Küstenpinien nach Livorno, an die Kirche San Jacopo in Acquaviva über der Bucht, aus der Pilger jahrhundertelang nach Spanien in See stachen. Träger: Comunità Toscana „Il Pellegrino" mit Pistoia und 17 Gemeinden. Ehrlich gesagt: Die Linie ist von 2020, die Beschilderung endet in Lucca, die erste Etappe ist Asphalt — und die Fähre Livorno–Barcelona fährt nicht mehr.

8. September 202621 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Firenze (Piazza della Signoria) / Livorno (Hafen, Chiesa di San Jacopo in Acquaviva)
  • Länge: 174,8 km
  • Dauer: 8 Etappen (Camino-Ninja-Einteilung), 7–9 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 2.020 m / ↘ 2.081 m — fast alles in zwei Stücken: Monteferrato und die Hügel hinter Collodi
  • Höchster Punkt: 327 m bei Petrognano (km 90,7); tiefster Punkt −2 m in der Pisaner Ebene (km 143,5)
  • Etappen: 8 — Camino-Ninja-Systematik auf unseren Wegpunkten; der Träger schneidet in sechs Etappen mit sieben Kathedralen: Firenze–Prato–Pistoia–Pescia–Lucca–Pisa–Livorno
  • Landschaft: Florentiner Ebene, Bisenzio und Monteferrato, Valdinievole mit Thermen und Burgdörfern, Hügel über der Piana di Lucca, Aquäduktebene, Serchio-Enge bei Ripafratta, Arno-Mündung, Küstenpinien bis Livorno
  • Träger: Comunità Toscana „Il Pellegrino" (Firenze), Comune di Pistoia als capofila, Kooperationsvereinbarung von 17 Gemeinden, gefördert von der Regione Toscana; Trassierung Nedo Ferrari. Der Name „Cammino Toscana" ist Camino-Ninja-Systematik, der Trägername steht im Untertitel
  • Markierung: „una conchiglia stilizzata a nove scanalature, di colore giallo su fondo blu" — neunrippige Muschel, gelb auf blau, dazu gelbe Pfeile Richtung Santiago und orange Richtung Rom; rund 800 Zeichen Firenze–Lucca (Dezember 2024), danach GPX
  • Jakobus-Spuren: Reliquie und Cappella di San Jacopo in der Cattedrale di San Zeno, Pistoia (1144/1145); Altare argenteo di San Jacopo (1287–1456); Kilometerstein Pistoia–Santiago 2.505 km; San Jacopo in Acquaviva, Livorno (1163)
  • Unterkunft: Donativo-Herbergen in Serravalle Pistoiese, Lammari und Pistoia (Accoglienza Pellegrina); sonst Hotels, B&Bs und Pfarrquartiere in allen Etappenstädten — Firenze, Lucca und Pisa mit Tourismuspreisen
  • Zubringer und Anschluss: Start am Ziel der Via degli Dei; in Lucca Kreuzung mit der Via Francigena (Italien)
  • Beste Zeit: April bis Juni, September bis Oktober; 25. Juli für das Fest in Pistoia und Livorno

Überblick

Dieser Weg endet dort, wo zwei Pilger vor 880 Jahren an Land gingen. Anfang Juli 1144 brachten die Pistoieser Mediovillano und Tebaldo aus Compostela eine Reliquie des Apostels heim — Erzbischof Diego Gelmírez hatte im Grab eine Haarlocke greifen wollen, „con la ciocca venne via anche un piccolo frammento osseo": Mit der Locke kam ein Knochensplitter. Am 25. Juli 1145 wurde die Kapelle in der Cattedrale di San Zeno geweiht, und Pistoia hieß von da an „Santiago minore". Genau dahin führt der Cammino Toscana, und dann weiter ans Meer: von der Piazza della Signoria in Firenze parallel zur römischen Via Cassia nach Prato, über den Monteferrato nach Pistoia mit Silberaltar und Kilometerstein, durch die Burgdörfer der Valdinievole über Montecatini Terme nach Pescia und Collodi, wo Carlo Lorenzini seinen Künstlernamen fand, über die Hügel von Petrognano — 327 Meter, der höchste Punkt — hinunter in die Piana di Lucca, durch die Stadtmauern von Lucca, fünf Kilometer schnurgerade unter den 460 Bögen des Acquedotto Nottolini, durch die Serchio-Enge von Ripafratta auf die Piazza dei Miracoli in Pisa und durch die Küstenpinien nach Livorno, an die Kirche San Jacopo in Acquaviva über der Bucht, aus der Pilger jahrhundertelang nach Spanien in See stachen.

Ehrlich gesagt: Der Kult ist alt, die Linie ist jung. Pistoias Stadtrat beschloss die Trasse am 24. November 2020, die 800 Schilder kamen im Dezember 2024 — und sie reichen von Firenze bis Lucca, die 65 Kilometer danach gehst du mit GPX. Die erste Etappe ist überwiegend Asphalt, die Ebenen sind besiedelt, und Pilgerherbergen auf Spendenbasis kennen wir nur drei. Der Name „Cammino Toscana" ist unsere Camino-Ninja-Systematik, damit der Weg im Netz nicht mit den vielen anderen San-Jacopo-Wegen Italiens verwechselt wird — der Träger sagt Cammino di San Jacopo in Toscana. Und die Fähre Livorno–Barcelona, mit der der Träger den Seeweg nach Spanien wiederaufnehmen wollte, fährt nicht mehr. Was es dafür gibt: sieben Kathedralstädte, einen Bahnhof an jedem Etappenort, den einzigen Kilometerstein des Camino de Santiago in Italien — und am Ende eine Bucht, in der die Ankunft von 1144 jedes Jahr am 25. Juli um 21:30 Uhr nachgespielt wird. Du gehst den Heimweg der beiden rückwärts.

Andere Namen

Cammino Toscana ist Camino-Ninja-Systematik: In unserem Netz ist er der toskanische Jakobsweg, und wir wollten ihn nicht mit den vielen anderen San-Jacopo-Wegen Italiens verwechseln lassen. Der Träger nennt ihn Cammino di San Jacopo in Toscana, kurz Cammino di San Jacopo — „Jacopo" ist die toskanische Form von Giacomo, also Jakobus, und in Pistoia sagt niemand „San Giacomo". Das Standardwerk trägt den vollen Titel: Nedo Ferrari, „Il Cammino di San Jacopo in Toscana" (Nuove Esperienze Editore). In der Werbung der Regione Toscana heißt er einer der zehn Cammini di Toscana, neben Via Francigena, Via di Francesco, Via Lauretana, Via Romea Strata und anderen; Pilgerberichte nennen ihn „il Santiago d'Italia".

Für das Stück zwischen Lucca und Pisa hörst du unterwegs einen zweiten Namen: Via degli Acquedotti, weil der Weg dort dem Aquädukt von Lorenzo Nottolini folgt — die Confraternita di San Giacomo führt ihre Begehung genau so: „Il cammino di San Jacopo in Toscana da Firenze a Lucca e la Via degli Acquedotti da Lucca a Pisa". Zwischen Pescia und Collodi läuft er als Via della Fiaba, Märchenweg, wegen Pinocchio. Und Pistoia selbst trägt drei Ehrentitel aus dem Mittelalter, die seit 2019 wieder amtlich klingen: Santiago minore, Compostela d'Italia, seconda Compostela. Vier Längen musst du aushalten: 170, 172,5 und 174 Kilometer in den Fremdquellen, 174,8 in unseren Streckendaten — alle belegt, alle anders gemessen; wir führen unsere.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du Kunstgeschichte in Gehgeschwindigkeit willst: sieben Kathedralstädte in acht Tagen, ein Silberaltar mit 169 Jahren Bauzeit, an dem der junge Brunelleschi mitgearbeitet haben soll, eine Reliquie mit Namen der Überbringer, ein Aquädukt, unter dem du fünf Kilometer geradeaus gehst, und zum Schluss der Schiefe Turm nicht als Abstecher, sondern mitten auf der Route. Ideal, wenn du Logistik ohne Nerven willst: Jeder Etappenort hat einen Bahnhof, du kannst jederzeit aussteigen, abkürzen oder einen Ruhetag einlegen, ohne den Faden zu verlieren. Ideal für Francigena-Pilger, die in Lucca abbiegen wollen, und für alle, die am 25. Juli in Pistoia die Giostra dell'Orso und abends in Livorno die Landung von 1144 sehen wollen. Und ideal für Einsteiger: 2.020 Höhenmeter auf 174,8 Kilometern, zwei Hügeltage, sonst Ebene.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Einsamkeit und Naturpfade suchst: Die erste Etappe ist „mostly flat terrain on asphalt roads", und die Ebenen zwischen Firenze und Pistoia und rund um Pisa sind dicht besiedelt — die Zersiedelung war genau das Problem, das der Trassierer Nedo Ferrari umgehen musste, und er konnte es nicht überall. Nichts für dich, wenn du dich auf Schilder verlassen willst: Die 800 Zeichen von 2024 enden in Lucca, danach brauchst du den Track. Nichts für dich, wenn du Albergue-Dichte wie in Spanien erwartest — drei Donativo-Herbergen kennen wir, der Rest ist Beherbergungsmarkt, und Firenze, Lucca und Pisa nehmen Tourismuspreise; solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs. Und im Juli und August sind die Ebenen heiß und schattenlos — die 35,6 Kilometer nach Livorno sind bei 35 Grad kein Vergnügen.

Streckenverlauf & Landschaft

Firenze bis Pistoia: Der Weg beginnt mitten in Firenze an der Piazza della Signoria, arbeitet sich zehn Kilometer aus der Stadt heraus zu den Medici-Villen von Castello und läuft dann flach und oft asphaltiert parallel zur römischen Via Cassia über Sesto Fiorentino und Colle di Sotto nach Prato. Hinter Prato wird es zum ersten Mal grün: Der Weg folgt dem Ufer des Bisenzio, streift das Schutzgebiet Monteferrato — die erste Portion Höhenmeter — und läuft über Figline, Montemurlo, Montale und Chiesina Montalese nach Pistoia: Kathedrale, Reliquie, Silberaltar, Kilometerstein, alles rund um die Piazza del Duomo.

Pistoia bis Livorno: Danach öffnet sich die Valdinievole. Über Pontelungo und Stazione Masotti steigt der Weg zum Burgdorf Serravalle Pistoiese auf 165 Meter, fällt über Pieve a Nievole in die Thermenebene von Montecatini Terme und klettert dann zu den Burgdörfern Buggiano Castello und Uzzano Castello, ehe er über Pescia nach Collodi kommt. Hinter Collodi folgt der einzige richtige Bergtag: über San Gennaro und Petrognano auf 327 Meter, den höchsten Punkt der Strecke, dann über Tofori und Sant'Andrea in Caprile in sechs Kilometern fast 300 Meter hinunter nach San Colombano in die Piana di Lucca, über Lammari und Monte San Quirico in die Stadtmauern von Lucca. Ab hier ist es Wasser und Ebene: die Bögen des Acquedotto Nottolini, Gattaiola, Meati, Cerasomma, die Enge zwischen Monti Pisani und Serchio bei Ripafratta, Pontasserchio, Tre Ponti und die Pisaner Schwemmebene, in der die Route bei Kilometer 143,5 auf minus zwei Meter absinkt. Nach Pisa kommen 35,6 Kilometer Küste: die Basilika San Piero a Grado in der Arno-Mündung, die Pinien von Tirrenia und zuletzt der Hafen von Livorno mit San Jacopo in Acquaviva über ihrer kleinen Bucht. Untergrund: Asphalt und Radwege in den Ebenen, alte Steinpflasterwege in der Valdinievole, Feldwege am Aquädukt, Küstenradweg zum Schluss.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Wir teilen die 174,8 Kilometer in acht Etappen von durchschnittlich 21,9 Kilometern — Camino-Ninja-Systematik; der Träger schneidet in sechs Etappen zwischen seinen sieben Kathedralen, und zwei davon sind sportlich: Pistoia–Pescia mit 29,5 Kilometern über die Hügelkette und Pisa–Livorno mit 35,6. Unsere Einteilung entschärft die erste, die zweite lassen wir stehen — sie ist flach. Jede Etappengrenze unten ist ein Wegpunkt unserer Streckendaten, jede Kilometerzahl die Differenz zweier Punkte, die Summe exakt die 174,8 Kilometer unserer Route. Wer neun Tage will, teilt die letzte Etappe in Tirrenia (19,4 + 16,2).

  1. Firenze – Prato (27,1 km) — von der Piazza della Signoria zu den Medici-Villen von Castello, über Sesto Fiorentino und Colle di Sotto; flach, viel Asphalt.
  2. Prato – Pistoia (27,8 km) — Bisenzio-Ufer, Monteferrato, Figline, Montemurlo, Montale, Chiesina Montalese, Cattedrale di San Zeno.
  3. Pistoia – Montecatini Terme (19,9 km) — Pontelungo, Stazione Masotti, Burgdorf Serravalle Pistoiese (Donativo-Herberge), Pieve a Nievole, Thermenstadt.
  4. Montecatini Terme – Collodi (13,5 km) — der kurze Tag: Buggiano Castello, Uzzano Castello, Pescia, Villa Garzoni.
  5. Collodi – Lucca (20,8 km) — der Höhentag: San Gennaro, Petrognano (327 m), Tofori, Sant'Andrea in Caprile, Abstieg nach San Colombano, Lammari (Donativo-Herberge), Monte San Quirico, Stadtmauern.
  6. Lucca – Pontasserchio (17,4 km) — unter dem Acquedotto Nottolini, Gattaiola, Meati, Cerasomma, Ripafratta, Serchio.
  7. Pontasserchio – Pisa (12,7 km) — Tre Ponti, Pisaner Ebene, Piazza dei Miracoli; halber Tag mit Zeit für Dom und Turm.
  8. Pisa – Livorno (35,6 km) — San Piero a Grado, Küstenpinien von Tirrenia, Livorno, Hafen und San Jacopo in Acquaviva.

Technisch ist nichts schwierig: Radwege, Steinpflaster, Feldwege, kaum Fels. Die 2.020 Höhenmeter stecken fast komplett in den Etappen 2 und 5; alles andere ist Ebene, teils unter Meereshöhe. Anstrengend ist etwas anderes: Asphalt und Ortsdurchgänge auf der ersten Etappe, Hitze und Schattenlosigkeit im Sommer, die 35,6 Kilometer zum Schluss, und die Bettensuche in Collodi und Pontasserchio, die klein sind. Sonnenschutz, zwei Liter Wasser, GPX ab Lucca — und die Zugfahrpläne für den Fall, dass ein Tag zu lang wird.

Die Hand im Sarkophag

Als Bischof Atto von Pistoia — Vallombrosaner-Abt, Bischof von 1134 bis 1153 — in Compostela um eine Reliquie des Apostels bitten ließ, vermittelte der Kleriker Ranieri, und Erzbischof Diego Gelmírez öffnete das Grab. Die Überlieferung erzählt die Szene präzise: „L'arcivescovo Didaco […] introdusse la mano nel sarcofago con l'intenzione di staccare una ciocca di capelli; con la ciocca venne via anche un piccolo frammento osseo." Er wollte eine Haarlocke, es kam ein Knochensplitter des Schädels mit. Zwei Pistoieser Pilger, Mediovillano und Tebaldo, brachten beides Anfang Juli 1144 nach Hause; ihre Namen und die Übergabe stehen auf einem Basrelief des 14. Jahrhunderts an der Domfassade. Am 25. Juli 1145 wurde die Cappella di San Jacopo in San Zeno geweiht, und Pistoia war Wallfahrtsstation — neben Rom und Jerusalem, sagen die Toskaner, „Santiago minore" sagt die Stadt. Ob die Reliquie 1143 oder 1144 kam, ob von Gelmírez oder seinem Nachfolger Pedro Elías, diskutiert die Forschung bis heute; das Reliquiar mit der tempelförmigen Kapsel des frühen 17. Jahrhunderts steht in der Kathedrale, und das ist der Punkt: Kein anderer italienischer Jakobsweg hat zwei Santiago-Pilger des 12. Jahrhunderts mit Namen, Auftrag und Rückweg.

Der Kult baute dann 169 Jahre an einem Altar. Der Altare argenteo di San Jacopo „fu realizzato fra il 1287 e il 1456 da alcuni degli orafi più valenti del tempo" — Andrea di Jacopo d'Ognabene, Giglio Pisano, Piero d'Arrigo Tedesco, und in den Jahren 1400 und 1401 die Werkstatt, in der ein junger Filippo Brunelleschi saß, dem man die Büsten der Propheten Jeremia und Jesaja zuschreibt. Sechs Jahre nach Baubeginn kam der Einbruch: „Nel 1293 l'altare subì il sacrilego furto da parte di Vanni Fucci", ein schwarzer Guelfe aus Pistoia, der mit einer Bande in den Dom eindrang und die Kapelle plünderte. Dante hat ihn dafür im Inferno, Canto XXIV, bei den Dieben untergebracht — der Jakobus-Kult von Pistoia hat nicht nur einen Silberaltar hervorgebracht, sondern auch einen Insassen der Hölle. Gegenüber steht seit 1277 das Ospedale del Ceppo, benannt nach dem ausgehöhlten Baumstumpf, in dem die Spenden für die Armen gesammelt wurden, mit dem Terrakottafries der Werke der Barmherzigkeit von Santi Buglioni (1525–1529). Und an der Ecke Piazza del Duomo / Via degli Orafi steht seit dem 23. November 2019 ein Geschenk der Xunta de Galicia: ein Kilometerstein des Camino de Santiago, „il primo e unico cippo chilometrico del Cammino di Santiago in Italia", 2.505 Kilometer bis zum Apostelgrab.

Das Ende des Weges ist der Anfang der Geschichte. San Jacopo in Acquaviva in Livorno, 1163 erstmals sicher beurkundet, war Raststation für Pilger, die „per secoli si imbarcavano dalla cala naturale dietro la chiesa per Santiago de Compostela" — jahrhundertelang aus der natürlichen Bucht hinter der Kirche nach Santiago aufbrachen; 1367 kamen die Päpste Urban V. und Gregor XI. vorbei, 1760 bis 1762 wurde die Kirche neu gebaut und dabei um 90 Grad gedreht, die Krypta ist seit 2013/14 wieder zugänglich. Hier landeten Mediovillano und Tebaldo mit ihrer Reliquie, und hier spielt die Associazione Vivi San Jacopo jedes Jahr am 25. Juli um 21:30 Uhr die Ankunft von 1144 nach — nach einer Messe, in der die Credenziali übergeben werden. Der Weg selbst ist eine Verwaltungsleistung: Trassiert von Nedo Ferrari auf der antiken Via Cassia, einstimmig beschlossen im Stadtrat von Pistoia am 24. November 2020, in Firenze am 14. Dezember 2020, getragen von 17 Gemeinden, beschildert im Dezember 2024 für rund 100.000 Euro. Kein wiederentdeckter Altweg, das sagen wir dazu — aber ein 880 Jahre alter Kult, an dessen beiden Enden man heute noch stehen kann. Wer von Firenze nach Livorno geht, läuft den Heimweg der beiden Pilger rückwärts ab. Bis an die Bucht.

Highlights am Weg

  • Piazza della Signoria, Firenze — offizieller Start; der Florentiner Abschnitt führt zehn Kilometer hinaus zu den Medici-Villen von Castello.
  • Monteferrato — Schutzgebiet über dem Bisenzio, die ersten Höhenmeter des Weges und das erste Grün nach der Florentiner Ebene.
  • Cattedrale di San Zeno, Pistoia — seit 1144 die Reliquie des Apostels, Kapelle geweiht am 25. Juli 1145; der Altare argenteo di San Jacopo, gebaut 1287–1456, 1293 von Vanni Fucci geplündert; an der Fassade das Basrelief mit Mediovillano und Tebaldo.
  • Battistero, Pistoia — Ausgabestelle des Testimoniums „Jacopea" ab 50 Fußkilometern.
  • Kilometerstein Pistoia — Geschenk der Xunta de Galicia vom 23. November 2019, Ecke Piazza del Duomo / Via degli Orafi: 2.505 km bis Santiago.
  • Ospedale del Ceppo, Pistoia — 1277 gegründet, Loggia von 1502, glasierter Terrakottafries von Santi Buglioni 1525–1529 mit den Werken der Barmherzigkeit.
  • Serravalle Pistoiese — Burgdorf auf 165 m mit Donativo-Herberge der Accoglienza Pellegrina, der einzige Hügel zwischen Pistoia und der Valdinievole.
  • Buggiano Castello und Uzzano Castello — zwei Burgdörfer auf 141 und 201 m über der Thermenebene von Montecatini.
  • Collodi — der Ort, dessen Namen Carlo Lorenzini als Pseudonym nahm; Villa Garzoni und Parco di Pinocchio am Weg, der hier Via della Fiaba heißt.
  • Petrognano — 327 m, höchster Punkt der Strecke, danach fast 300 Meter Abstieg in sechs Kilometern in die Piana di Lucca.
  • Cattedrale di San Martino, Lucca — Etappenziel und der Wegeknoten der Toskana: Via Francigena, Via Matildica del Volto Santo und Cammino di Santa Giulia kreuzen hier.
  • Acquedotto Nottolini — 3,2 km, 460 Backsteinbögen von rund 12 m Höhe, gebaut 1822–1833 von Lorenzo Nottolini, mit den dorischen Tempietti von San Concordio und Guamo; „rettilineo di circa 5 km sotto gli archi".
  • Piazza dei Miracoli, Pisa — Dom, Baptisterium und Schiefer Turm mitten auf der Route.
  • Basilica di San Piero a Grado — romanische Basilika in der Arno-Mündungsebene am Beginn der letzten Etappe.
  • San Jacopo in Acquaviva, Livorno — Ziel; 1163 beurkundet, Neubau 1760–1762, Krypta seit 2013/14 offen; aus der Bucht dahinter brachen Pilger nach Santiago auf, jedes Jahr am 25. Juli nachgespielt.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der Start liegt an einem der großen Wanderknoten Italiens. Wer die Via degli Dei von Bologna über den Apennin nach Firenze geht — 133 Kilometer über die Kämme der Etrusker und Römer —, kommt genau dort an, wo dieser Weg beginnt: an der Piazza della Signoria. Aus dem Norden ist das die naheliegende Verkettung: erst über die Berge nach Florenz, dann quer durch die Toskana ans Meer. Der zweite Zugang ist Lucca, Kilometer 109,1, wo die Via Francigena (Italien) kreuzt: Wer aus Frankreich, der Schweiz oder der Poebene nach Rom unterwegs ist, kann hier abbiegen und statt südostwärts nach Rom westwärts nach Pisa und Livorno gehen — oder den Cammino Toscana nur bis Lucca nehmen und dann auf der Francigena weiter nach Süden. In Pistoia laufen außerdem Via Romea Strata und Via Romea Germanica durch; beide haben bei uns noch keine Seite, sind aber der Grund, warum sich die Stadt selbst als „snodo dei pellegrini", als Pilgerknoten, bezeichnet.

Wer nur einzelne Etappen gehen will, nutzt die Bahn: Firenze, Prato, Pistoia, Montecatini Terme, Pescia und Lucca liegen an der Linie Firenze–Viareggio, Pisa und Livorno an der Ferrovia Leopolda — kein anderer Jakobsweg Italiens hat an jedem Etappenort einen Bahnhof. Die Credenziale gibt der Träger heraus, die Comunità Toscana „Il Pellegrino"; anerkannt werden auch die Credenziali der Confraternita di San Jacopo di Compostella. Sie kostet 4 € (Stand: September 2026), bestell sie vorab oder hol sie in Pistoia. Wer mindestens 50 Kilometer zu Fuß nachweist, bekommt im Battistero an der Piazza del Duomo das lateinische Testimonium Jacopea.

Weiterpilgern?

In Livorno endet der Weg am Wasser, und das ist Absicht: Von der Bucht hinter San Jacopo in Acquaviva stachen Pilger jahrhundertelang nach Spanien in See, und der Träger will diesen Faden wieder aufnehmen — per Schiff nach Barcelona, über Montserrat auf den Camino Catalán und zuletzt auf den Camino Francés. Nur: Die Passagierfähre Livorno–Barcelona fährt nicht mehr, „Attualmente questa rotta non è più servita da traghetti" — Grimaldi Lines bedient ab Livorno heute nur Palermo und Olbia. Wer den Seeweg trotzdem will, fährt mit dem Zug nach Genova und nimmt dort die GNV nach Barcelona, ab rund 36 € (Stand: September 2026); von Montserrat bis zum Apostelgrab sind es dann noch etwa 1.100 Kilometer.

Zwei Alternativen liegen näher. Die Fähre Livorno–Olbia fährt, und in Olbia beginnt Sardegna da Olbia, ein Glied des Camino Maltés, der von Malta über Sizilien und Sardinien nach Katalonien führt — der historische Seeweg, nur mit Zwischenstopp. Und zu Land führt der Weg zurück nach Lucca: Ab dort trägt dich die Via Francigena (Italien) über Altopascio, San Miniato und Siena nach Rom, wo die Via Francigena del Sud übernimmt. Lucca ist der Knoten, an dem du entscheidest, ob du nach Westen ans Meer oder nach Süden zum Petrusgrab willst. Von Lucca zweigen auch die Via Matildica del Volto Santo und der Cammino di Santa Giulia ab, ab Pistoia die Via Romea Strata und die Via Romea Germanica — eigene Seiten haben wir für diese vier nicht. Die ersten 174,8 Kilometer hast du dann hinter dir, und einen Knochensplitter gesehen, der schon einmal aus Santiago kam.

Vorbereitung & Praktisches

Beste Zeit: April bis Juni und September bis Oktober. Juli und August sind in der Florentiner und Pisaner Ebene heiß und schattenlos — wer trotzdem im Sommer geht, startet vor Sonnenaufgang und teilt die letzte Etappe in Tirrenia. Der 25. Juli hat allerdings ein Argument: In Pistoia wird am Vorabend der Statue des Heiligen an der Domfassade eine rote Mantellina umgelegt, am Festtag reiten die Stadtviertel die Giostra dell'Orso, und in Livorno spielt die Associazione Vivi San Jacopo um 21:30 Uhr am Wasser die Ankunft der Reliquie nach. Markierung und Navigation: „una conchiglia stilizzata a nove scanalature, di colore giallo su fondo blu", dazu gelbe Pfeile Richtung Santiago und orange Richtung Rom; rund 800 Zeichen in acht Typen zwischen Firenze und Lucca, montiert im Dezember 2024. Für die 65 Kilometer danach gilt: Lade den GPX-Track herunter und plane Etappen und Quartiere am einfachsten direkt in der Camino Ninja App. Pilgerausweis: Credenziale des Trägers (4 €) oder der Confraternita di San Jacopo di Compostella; Stempel in Kirchen, Herbergen, Gemeindebüros und Läden — Massa e Cozzile hat einen eigenen „punto timbro", in Pistoia stempelt die Bottega „L'Acqua Cheta"; Testimonium Jacopea ab 50 Fußkilometern im Battistero von Pistoia. Sprache: Italienisch, Englisch in den Städten. Wasser: Brunnen in jedem Ort, dazwischen in den Ebenen lange Stücke ohne Schatten.

Unterkunft: Echte Pilgerherbergen auf Spendenbasis kennen wir drei — Serravalle Pistoiese (km 65,8), Lammari (km 101,1) und Pistoia, betrieben von den freiwilligen Hospitaleros der Accoglienza Pellegrina; ein Pilger berichtet, er habe alle Nächte bis Livorno auf Donativo-Basis unterbringen können, in Pfarrhäusern und bei Privatleuten. Verlass dich nicht darauf: Firenze, Prato, Pistoia, Montecatini Terme, Pescia, Lucca, Pisa und Livorno haben Hotels, B&Bs und Pfarrquartiere, Collodi und Pontasserchio sind klein — dort vorher buchen, und in Firenze, Lucca und Pisa früh. Versorgung: unproblematisch, Supermärkte, Bars und Bahnhofsgastronomie in allen Etappenorten. Packliste: Sonnenschutz, zwei Liter Wasser, leichte Schuhe für Asphalt und Steinpflaster, Offline-Karten, Powerbank, Credenziale, Bargeld für die Donativo-Kassen.

Was dich der Weg kostet

Die wegspezifischen Posten sind klein: Credenziale 4 €, der offizielle Führer von Nedo Ferrari 18 €, beides als Kit 21 € (Stand: September 2026); das Testimonium Jacopea in Pistoia gibt es gegen Nachweis. Bei den Betten wird es zweigeteilt. In den drei Donativo-Herbergen zahlst du, was du kannst und willst — Pilgerpraxis sind 10–15 € pro Nacht, damit die Häuser weiterbestehen. Der Rest ist toskanischer Beherbergungsmarkt: Pfarrquartiere und einfache B&Bs in Prato, Montecatini, Pescia und Livorno nach allgemeiner Größenordnung 35–60 € pro Person, Hotels in Firenze, Lucca und Pisa in der Saison 90–150 € und mehr, kurzfristig deutlich darüber. Eintritte: Kathedralen frei, Museo dell'Opera del Duomo und Battistero in Pisa kostenpflichtig, Turm extra, Villa Garzoni und Parco di Pinocchio in Collodi kostenpflichtig; ein Caffè am Tresen in der Toskana um 1,30 €.

Realistisches Tagesbudget: 30–45 € sparsam mit Donativo-Herberge oder Pfarrquartier, Supermarkt und Bahnhofsbar; 70–100 € mittel mit B&B und einem Abendessen in der Trattoria; 150–220 € komfortabel mit Hotel in Firenze, Lucca und Pisa. Für acht Etappen sind das grob 250–400 € sparsam vor Ort, plus Credenziale, Anreise und die Rückfahrt Livorno–Firenze mit dem Regionalzug. Zwei Sparhebel: die Donativo-Herbergen früh anfragen — und die drei großen Städte auf den Etappenanfang legen, damit du dort nicht übernachten musst, sondern nur ankommst, schaust und weitergehst.

Anreise

Zum Start (Firenze): Firenze Santa Maria Novella ist mit Hochgeschwindigkeitszügen aus Mailand, Bologna und Rom erreichbar, aus Deutschland über München–Verona–Bologna; der Flughafen Firenze-Peretola liegt am Stadtrand, Pisa International ist per Zug in gut einer Stunde da. Der Weg beginnt an der Piazza della Signoria, fünfzehn Minuten zu Fuß vom Bahnhof. Wer den Zubringer läuft, kommt auf der Via degli Dei aus Bologna.

Unterwegs und vom Ziel (Livorno): Die Linie Firenze–Prato–Pistoia–Montecatini Terme–Pescia–Lucca–Viareggio, deren Abschnitt Lucca–Firenze zwischen 1848 und 1859 eröffnet wurde, bedient die ersten fünf Etappenorte; die 97 Kilometer lange Ferrovia Leopolda Firenze–Pisa–Livorno fährt seit dem 12. Juni 1848 durchgehend, ihr erster Abschnitt Pisa–Livorno ging schon am 13. März 1844 in Betrieb — der Weg lässt sich an jedem Etappenort beginnen oder beenden, Teilungspunkt Lucca: 109,1 Kilometer davor, 65,7 danach. Livorno Centrale liegt an der Leopolda und an der Küstenbahn nach Rom: Pisa in 20 Minuten, Firenze in rund 1,5 Stunden, der Flughafen Pisa ist die naheliegende Abreise. Nach Spanien fährt ab Livorno keine Passagierfähre mehr — der Hafen für Barcelona ist Genova (GNV), ab Livorno fahren Grimaldi nach Olbia und Palermo.

  • Bahn Italien: trenitalia.com — Firenze, Prato, Pistoia, Montecatini Terme, Pescia, Lucca, Pisa, Livorno
  • Bahn ab/nach Deutschland: bahn.de — München–Verona–Bologna–Firenze
  • Träger, Etappen, Credenziale, Unterkünfte: ilcamminodisanjacopo.it — Comunità Toscana „Il Pellegrino"
  • Donativo-Herbergen: accoglienzapellegrina.org — Serravalle Pistoiese, Lammari, Pistoia
  • Cammini di Toscana: regione.toscana.it — das regionale Wegenetz
  • Fähre Genova–Barcelona: gnv.it — der praktikable Seeweg nach Spanien
  • Fähre Livorno–Olbia: grimaldi-lines.com — Anschluss Sardegna da Olbia
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