Jakobsweg Rothenburg–Speyer
Von Riemenschneiders Heilig-Blut-Altar in Rothenburg ob der Tauber zur größten romanischen Kirche der Welt: 184,6 Kilometer über die frühgeschichtliche Hohe Straße, siebzig Kilometer Jagsttal, Bad Wimpfen und den Kraichgau bis an den Rhein — neun Etappen, 1.588 Höhenmeter im Anstieg, fast durchgehend mit Bahnanschluss.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Grabhügel, Ritter, Kaiser — ein Weg entlang seiner Gräber
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Rothenburg ob der Tauber, St. Jakob / Speyer, Kaiserdom
- Länge: 184,6 km
- Dauer: 9 Etappen, Ø 20,5 km (Camino-Ninja-Teilung); der Träger gibt keine verbindliche Etappenliste vor
- Höhenmeter: ↗ 1.588 m / ↘ 1.906 m — du steigst unterm Strich ab, von der fränkischen Hochfläche an den Rhein
- Höchster Punkt: 487 m bei km 13,3 auf der Hohenloher Ebene zwischen Schöngras und Schrozberg; tiefster Punkt 94 m bei km 181,4 in der Rheinebene vor Speyer
- Etappen: 9 — Camino-Ninja-Systematik; teilbar an acht Bahnhöfen zwischen Rothenburg und Sinsheim
- Landschaft: Hohenloher Ebene (Hohe Straße), Jagsttal mit Muschelkalkhängen, Neckarknie bei Bad Wimpfen, Kraichgau-Lösshügel, Rheinebene
- Träger: Jakobusinitiative Mühlhausen (Kraichgau), gefördert von Land Baden-Württemberg und Kommunen; Markierung durch Wegewarte des Schwäbischen Albvereins, des Odenwaldklubs und ehrenamtliche Wegepaten
- Markierung: gelbes Strahlenbündel (stilisierte Muschel) auf blauem Grund — der Brennpunkt der Strahlen zeigt die Gehrichtung
- Jakobus-Spuren: St. Jakob Rothenburg (Zwölfbotenaltar 1466 mit Pilgerlegenden); Jakobusfigur in Ailringen, Jakobuskirche Hohebach; Jakobus-Skulptur von 1269/70 in der Ritterstiftskirche Bad Wimpfen und Jakobusbruderschaft bis ins 17. Jahrhundert; Pilgerbruderschaft 1451 in Reilingen; Jakobusbruderschaft Speyer mit Siegeln von 1418 und 1516; Speyerer Jakobspilger (Bronze 1990)
- Unterkunft: keine Herbergskette — Privatzimmer, Gasthöfe, Hotels aus dem Quartierverzeichnis des Trägers; klösterliche Gästehäuser in Schöntal und Bad Wimpfen
- Anschlusswege: Mittelfränkischer Jakobsweg als Zubringer; bis Erpfersweiler (km 24,5) gemeinsam mit dem Jakobsweg Rothenburg–Rottenburg; ab Kloster Schöntal die Nordroute über Mosbach nach Sinsheim; ab Speyer Pfälzer Nordroute oder Pfälzer Südroute nach Hornbach
- Anschluss Santiago: Speyer – Hornbach – Metz – Vézelay; alternativ über Straßburg nach Vézelay oder Le Puy
- Beste Zeit: April bis Oktober, ideal Mai/Juni und September; die Hohenloher Ebene ist im Hochsommer schattenlos
Überblick
Dieser Weg beginnt an einem Altar und endet an einer Gruft. In Rothenburg ob der Tauber steht in St. Jakob der Heilig-Blut-Altar, den Tilman Riemenschneider 1500 bis 1505 schnitt; in Speyer liegen in der Krypta des Kaiserdoms vier Kaiser und vier Könige des Reichs, von Konrad II. bis Albrecht I. Dazwischen: 184,6 Kilometer, die sich in drei Landschaften teilen. Zuerst die Hohe Straße über die Hohenloher Ebene — ein Höhenweg, den schon Händler der Hallstattzeit gingen und der 1501 auf der Etzlaub-Karte als Fernverbindung Prag–Paris steht. Dann siebzig Kilometer Jagsttal mit Wallfahrtskapellen, einer Stauferburg, dem Zisterzienserkloster Schöntal und der Mündung bei Jagstfeld. Und zuletzt der Kraichgau, das „Land der 1000 Hügel“, bis er bei Rot in die Rheinebene ausläuft und der Dom am Horizont erscheint, lange bevor du dort bist.
Ehrlich gesagt ist dieser Weg jung: Erst im September 2009 eröffnete ihn Bischof Karl-Heinz Wiesemann, geschaffen hat ihn die Jakobusinitiative Mühlhausen, ein Verein aus dem Kraichgau, der ihn bis heute mit Quartierverzeichnis und ehrenamtlichen Wegewarten betreibt. Der Träger selbst nennt ihn „einen der letzten Lückenschlüsse in Baden-Württemberg“ — das Teilstück einer Achse Prag – Nürnberg – Rothenburg – Speyer – Metz – Vézelay. Was alt ist, sind die Spuren am Weg: die Jakobusbruderschaft in Bad Wimpfen, die Pilger im Ritterstift und im Spital aufnahm, die Bruderschaft von 1451 an der Burg Wersau bei Reilingen, die Speyerer Bruderschaft mit Siegeln von 1418 und 1516, die Hospize unterhielt. Du gehst also einen neu markierten Weg durch ein sehr altes Pilgerland — mit Bahnhöfen an acht Etappenorten, ohne Herbergskette und meist allein.
Andere Namen
Der Träger nennt ihn Jakobsweg Rothenburg ob der Tauber – Speyer, der Pilgerführer von Renate Florl Der Jakobsweg von Rothenburg ob der Tauber bis zum Kaiserdom in Speyer. Zur Unterscheidung von der Nordroute ab Kloster Schöntal heißt diese Linie beim Träger Hauptroute; wegen ihrer ersten Hälfte hörst du auch „der Weg über die Hohe Straße“. Wir nennen ihn Jakobsweg Rothenburg–Speyer, nach Start und Ziel.
Eine Zahl zur Einordnung: Der Träger-Flyer gibt 183,7 Kilometer an, unsere Streckendaten 184,6 — die Differenz entsteht durch Ortsdurchquerungen und Trackaufnahme und ist normal. Wir rechnen durchgehend mit 184,6 Kilometern. Und eine Warnung: Im Netz kursiert eine Etappenbeschreibung, die den Weg über Bruchsal und Philippsburg führt. Das ist ein anderer Weg — dieser hier geht von Sinsheim über Mühlhausen, Malsch und Reilingen nach Speyer.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du eine Woche bis zehn Tage hast und einen Weg von Anfang bis Ende gehen willst, mit einem Ziel, das den Namen verdient: der Kaiserdom zu Speyer ist die größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Ideal, wenn du Geschichte lieber in Stein als in Vitrinen magst — Riemenschneider-Altar, Stauferburg Krautheim, das Grab des Götz von Berlichingen in Schöntal, die Kaiserpfalz von Bad Wimpfen, die Kaisergräber. Ideal, wenn du sanfte Höhenmeter willst: 1.588 Meter aufwärts auf neun Tage verteilt, zwischen 94 und 487 Metern, in vielen kleinen Wellen. Und ideal, wenn du dir den Ausstieg offenhalten willst — acht Bahnhöfe liegen am Weg.
Ehrlich gesagt ist er nichts für dich, wenn du eine Herbergskette erwartest: Du buchst Privatzimmer, Gasthöfe und Hotels aus dem Quartierverzeichnis, und du buchst vor. Nichts für dich, wenn du Panorama brauchst — Hochflächen, Flusstal, Lösshügel, schön, aber unspektakulär. Nichts für dich, wenn du Pilgergesellschaft suchst: St. Jakob in Rothenburg zählt rund 1.000 Pilgerbesuche im Jahr, auf sechs Wege verteilt, und auf der Hohenloher Ebene begegnest du an manchen Tagen niemandem. Und nichts für dich, wenn du im Hochsommer Schatten brauchst oder spontan abbrechen willst — zwischen Sinsheim und Speyer liegen 43,6 Kilometer ohne Bahnhof am Weg.
Streckenverlauf & Landschaft
Du startest an St. Jakob in Rothenburg, verlässt die Stadt über die Tauber und steigst auf die Hohenloher Ebene. Über Brundorf, Enzenweiler und Schöngras erreichst du bei Kilometer 13,3 mit 487 Metern den höchsten Punkt des Weges — er sieht aus wie ein Feldweg zwischen Äckern, und genau das ist die Hohe Straße: ein Höhenweg, der die sumpfigen Täler meidet, gesäumt von Grabhügeln der Hallstattzeit. Der Träger nennt die Ebene „eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch“ — weit, dünn besiedelt, alte Bauernhöfe, Blicke bis zum Horizont. Nach Schrozberg mit Wasserschloss bleibst du oben bis Erpfersweiler, wo sich der Weg nach Rottenburg trennt, dann Herrentierbach, Simmetshausen, Geroldshausen — und bei Buchenbach und Heimhausen der erste echte Abstieg, rund 150 Meter hinunter an die Jagst.
Im Jagsttal bleibst du siebzig Kilometer: Mulfingen, Ailringen, Hohebach, Dörzbach, Klepsau, Krautheim auf seinem Sporn, Altkrautheim, Marlach, Westernhausen, Kloster Schöntal, Berlichingen, Jagsthausen, Widdern, Möckmühl, Züttlingen, Neudenau, Herbolzheim — Muschelkalkhänge, Streuobst, Mühlen, immer wieder eine Kapelle am Wegrand, oben am Talrand Burgen. Bei Jagstfeld (km 112,7) mündet die Jagst in den Neckar, und der Weg steigt hinauf auf den Bergsporn von Bad Wimpfen. Danach wird das Land weich: der Kraichgau über Bad Rappenau, Grombach, Sinsheim, Angelbachtal, Mühlhausen und die Letzenbergkapelle über Malsch. Ab Rot (km 164,9) ist es flach — Rheinebene, alte Kaiserstraße, Reilingen, Altlußheim, die Rheinbrücke und Speyer. Untergrund: Feld- und Waldwege, Talpfade im Muschelkalk, die bei Nässe rutschig werden, Ortsasphalt; 1.588 Höhenmeter auf, 1.906 ab.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir teilen den Weg in 9 Etappen mit einem Schnitt von 20,5 Kilometern — Camino-Ninja-Systematik; der Träger gibt keine verbindliche Etappenliste vor, üblich sind acht bis zehn Tage. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf die 184,6 Kilometer unserer Streckendaten kalibriert. Schwierigkeit: gering bis mittel — 8,6 Höhenmeter pro Kilometer, keine langen Anstiege; die Herausforderung sind Hitze und fehlender Schatten auf der Ebene, die 24,8 Kilometer der fünften Etappe und die Bahnlücke am Ende.
- Rothenburg ob der Tauber – Schrozberg (18,6 km) — St. Jakob; Brundorf, Enzenweiler, Schöngras; höchster Punkt 487 m bei km 13,3; Schrozberg mit Wasserschloss, Stadtkirche 1614–1618, Bahnhof.
- Schrozberg – Mulfingen (21,2 km) — Erpfersweiler (km 24,5, Trennung vom Weg nach Rottenburg), Herrentierbach, Simmetshausen, Geroldshausen; Abstieg über Buchenbach und Heimhausen ins Jagsttal; Wallfahrtskapelle St. Anna von 1510.
- Mulfingen – Krautheim (16,4 km) — Ailringen (Jakobusfigur in St. Martin), Hohebach (Jakobuskirche), Dörzbach (drei Muscheln im Wappen, St. Wendel zum Stein), Klepsau; Aufstieg zur Stauferburg. Kürzeste Etappe.
- Krautheim – Jagsthausen (21,3 km) — Altkrautheim, Altdorf, Marlach, Westernhausen, Halsberg; Kloster Schöntal (km 72,1, Abzweig der Nordroute); Berlichingen; Götzenburg Jagsthausen.
- Jagsthausen – Neudenau (24,8 km) — Olnhausen, Widdern, Ruchsen, Möckmühl (km 90,0, Burg, Bahnhof), Züttlingen, Siglingen, Deitingen (Gangolfskapelle). Längste Etappe, teilbar in Möckmühl (12,5 + 12,3 km).
- Neudenau – Bad Rappenau (19,2 km) — Herbolzheim, Willenbacher Hof, Jagstfeld (km 112,7, Jagstmündung), Wimpfen im Tal (Ritterstiftskirche St. Peter), Bad Wimpfen (km 116,3, Kaiserpfalz, Blauer Turm); Kurpark Bad Rappenau.
- Bad Rappenau – Sinsheim (19,5 km) — Babstadt, Grombach, längerer Waldabschnitt, Steinsfurt (Blick zur Burg Steinsberg), Sinsheim mit Stift Sunnisheim; hier mündet die Nordroute wieder ein.
- Sinsheim – Rot (23,9 km) — Dühren, Angelbachtal, Mühlhausen (km 155,0, Sitz der Jakobusinitiative), Rettigheim (Jakobusstatue), Malsch und Malschenberg (Letzenbergkapelle, 247 m); Abstieg in die Rheinebene.
- Rot – Speyer (19,7 km) — Sankt Leon-Rot, Reilingen (alte Kaiserstraße, Pilgerbruderschaft 1451), Neulußheim, Altlußheim (alter Fährplatz), Lußhof, Rheinbrücke; Kaiserdom.
Die Prüfsteine sind zwei: die ersten beiden Tage auf der Ebene, wo es zwischen den Weilern lange keinen Laden und keinen Schatten gibt — Wasser in Rothenburg und Schrozberg auffüllen —, und die letzten beiden Tage, die du als Block planen musst, weil zwischen Sinsheim und Speyer kein Bahnhof am Weg liegt. Wer die fünfte Etappe teilen will, tut das in Möckmühl. Die Muschelkalk-Steige im Jagsttal sind bei Regen glatt, Stöcke helfen. Hunde, Bären, Höhenangst: Fehlanzeige.
Variante für den mittleren Teil: Zwischen Kloster Schöntal (km 72,1) und Sinsheim (km 141,0) kannst du statt der 68,9 Kilometer über Möckmühl, Neudenau und Bad Wimpfen die Nordroute gehen — 78,7 Kilometer durch den Odenwald über Adelsheim und Mosbach, vier Etappen, zusätzlich mit einem gelben Punkt markiert. Sie ist stiller und waldreicher, hat aber weniger Betten und kein Bad Wimpfen; beim ersten Mal empfehlen wir den Hauptweg.
Grabhügel, Ritter, Kaiser — ein Weg entlang seiner Gräber
Es klingt düster, ist aber der rote Faden: Dieser Weg erzählt seine Geschichte an Gräbern. Die ältesten liegen gleich am Anfang — die Grabhügel der Hallstattzeit entlang der Hohen Straße, aufgeschüttet zwischen 800 und 500 vor Christus von Menschen, die an diesem Höhenweg lebten, weil er trocken war und weit sah. Bei Dörzbach fand man 1936 in der Marderhöhle unter der Kapelle St. Wendel zum Stein Skelette, Schmuck und eine keltische Silbermünze von etwa 500 vor Christus — eine Quellkultstätte, über die die Christen um 1511 ihre Kapelle setzten, gestiftet als Gelübde von Ursula von Berlichingen.
Deren Familie stellt das berühmteste Grab am Weg. Götz von Berlichingen, der Ritter mit der eisernen Hand, liegt seit dem 23. Juli 1562 im Ostflügel des Kreuzgangs von Kloster Schöntal — und du gehst tags zuvor an den Orten seiner Legende vorbei: der Stauferburg Krautheim, wo er 1516 einem kurmainzischen Amtmann zurief, „he soldt mich hinden leckhenn“, wie er selbst in seiner Lebensbeschreibung festhielt, bevor Goethe 1773 den derberen Satz daraus machte; der Götzenburg in Jagsthausen, seinem Stammsitz, wo die Burgfestspiele Goethes Stück bis heute spielen; und Möckmühl, wo ihn 1519 der Schwäbische Bund belagerte und gefangen nahm. Dazwischen die Totenkirchen-Dichte des Jagsttals: die Gangolfskapelle bei Neudenau mit ihrem Jüngsten Gericht des 14. Jahrhunderts, die Ritterstiftskirche von Wimpfen im Tal mit der Jakobus-Skulptur von 1269/70.
Ehrlich gesagt endet der Weg dann mit dem größten Grab von allen. In der Krypta des Speyerer Doms, mit 850 Quadratmetern die größte romanische Säulenhalle Europas, liegen Konrad II., der um 1025 zu bauen begann, seine Nachfolger Heinrich III., IV. und V., dazu die Könige Philipp von Schwaben, Rudolf von Habsburg, Adolf von Nassau und Albrecht I. — acht Herrscher des Reichs unter 42 Kreuzgratgewölben. Und draußen am Geschirrplatz steht seit 1990 der Speyerer Jakobspilger aus Bronze, ein Geschenk von Bischof Anton Schlembach zur 2000-Jahr-Feier der Stadt: mit dem Rücken zum Dom, den Blick nach Westen. Richtung Santiago. Von den Gräbern weg, weiter.
Highlights am Weg
- St. Jakob, Rothenburg ob der Tauber — Bauzeit 1311–1484, Weihe 1485; Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider (1500–1505, Vertrag 15. April 1501); Zwölfbotenaltar von Friedrich Herlin (1466) mit dem Galgen- und Hühnerwunder der Jakobslegende und der ältesten Ansicht der Stadt, 1582 übermalt und 1922 freigelegt. April–September 10–18 Uhr.
- Die Hohe Straße — frühgeschichtlicher Höhenweg zwischen Jagst und Kocher, gesäumt von Grabhügeln der Hallstattzeit, auf der Etzlaub-Karte von 1501 als Fernweg Prag–Paris verzeichnet; bei km 13,3 der höchste Punkt des Weges, 487 m.
- Wallfahrtskapelle St. Anna, Mulfingen — 1510 erbaut; nach Heilungen 1597/98 überregionale Wallfahrtsstätte. Zwischen Mulfingen und Schöntal verlaufen die „Pfade der Stille“.
- St. Wendel zum Stein, Dörzbach — spätgotische Kapelle von 1511–1515 an einer zehn Meter hohen Kalksinterwand, gestiftet von Ursula von Berlichingen; darunter Höhlen mit Funden um 500 v. Chr.; Dörzbach trägt drei rote Muscheln im Wappen.
- Burg Krautheim — Stauferburg von etwa 1200–1220, erbaut von Wolfrad I. von Krautheim, eine der besterhaltenen ihrer Art; Burgmuseum im Palas; Schauplatz von Götz von Berlichingens Wort von 1516.
- Kloster Schöntal — Zisterzienser, 1153 als Tochter Maulbronns gegründet, 1157 ins Tal verlegt, 1418 reichsunmittelbar; barocke Hallenkirche mit Doppelturmfassade unter Abt Benedikt Knittel (1683–1732) nach Plänen von Leonhard Dientzenhofer; Grab des Götz von Berlichingen († 1562) im Kreuzgang; Ordenssaal; heute Bildungshaus und Gästehaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Innenräume nur mit Führung (6,50 € pro Person, Stand September 2026).
- Götzenburg Jagsthausen — Stammsitz der Berlichingen, heute Schlosshotel und Spielstätte der Burgfestspiele mit Goethes „Götz“.
- Burg Möckmühl — Götz war hier Vogt Herzog Ulrichs von Württemberg; 1519 Belagerung durch den Schwäbischen Bund und Gefangennahme; Altstadt, Bahnhof an der Frankenbahn.
- Gangolfskapelle, Neudenau-Deitingen — 1276 erstmals erwähnt, Turm nach 1230; Fresken des 14./15. Jahrhunderts mit Jüngstem Gericht; Pferdewallfahrten urkundlich 1497 und 1501, 1808 eingestellt, 1923 neu begründet.
- Bad Wimpfen — Kreuzungspunkt der Pilgerstraßen von Köln nach Rom und nach Santiago; Jakobusbruderschaft vom 15. bis ins 17. Jahrhundert, Jakobusreliquie im Dominikanerkloster; Ritterstiftskirche St. Peter (10.–13. Jh.) mit Jakobus-Skulptur von 1269/70 und Kreuzgang der schwäbischen Gotik, täglich geöffnet; staufische Kaiserpfalz; Blauer Turm um 1170, 58 m, mit Deutschlands ältester ununterbrochener Türmertradition (3 €, Stand September 2026). Pilgerstempel im Kloster, im Hotel am Rosengarten und in der Tourist-Info.
- Bad Rappenau — Salzfund 1822 in 191,60 m Tiefe, Ludwigssaline 1823, Salinenbetrieb bis 1973; heute Kurpark und Wasserschloss.
- Stift Sunnisheim, Sinsheim — um 1000 von Graf Otto von Worms auf dem Michaelsberg gegründet, zwischen 1092 und 1100 Benediktinerkloster, 1496 Kollegiatstift, 1565 durch Kurfürst Friedrich III. aufgelöst; Dachstuhl dendrochronologisch 1233; seit 2011 Kulturzentrum. Wer mag: Technik Museum Sinsheim (25 €).
- Letzenbergkapelle über Malsch — Wallfahrtsort schon 1296 urkundlich; heutige neuromanische Oktogonkapelle „Sieben Schmerzen Mariens“ ab 4. Mai 1902, Kreuzweg von 1883; 247 m hoch, rund 75 m über dem Ort.
- Reilingen und Altlußheim — alte Kaiserstraße; an der Burg Wersau 1451 eine Bruderschaft zur Unterstützung der Pilger; in Altlußheim setzten Pilger mit der Fähre über den Rhein, eine Karte von 1548 zeigt Fährhafen, Kapelle und Hochkreuz.
- Kaiserdom zu Speyer — Baubeginn um 1025/1030 unter Konrad II., Weihe 1061, Umbau unter Heinrich IV. bis um 1106; 134 m lang, 33 m hoch, die größte erhaltene romanische Kirche der Welt; Krypta mit 850 m² und den Kaisergräbern; UNESCO-Welterbe seit 1981; vor dem Westbau der Domnapf mit 1.580 Litern Fassungsvermögen. Der Dom ist eintrittsfrei, für Krypta, Kaisersaal und Turm gibt es Tickets (Stand September 2026).
- Der Speyerer Jakobspilger — überlebensgroße Bronze von Martin Mayer, 1990 von Bischof Anton Schlembach zur 2000-Jahr-Feier gestiftet, am Geschirrplatz an der Maximilianstraße; die Jakobsgasse führte einst zur Kirche St. Jakobus, vor 1296 Pfarrkirche, 1689 zerstört.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Rothenburg ist ein Knoten, kein Anfang. Wer aus Osten kommt, geht auf dem Mittelfränkischen Jakobsweg 89,4 Kilometer von Stein bei Nürnberg bis vor die Tür von St. Jakob in Rothenburg — und läuft hier einfach weiter; davor liegt der Oberfränkische Jakobsweg aus Hof und dahinter Böhmen, sodass der Träger von der Achse Prag – Nürnberg – Rothenburg – Speyer spricht. Aus Würzburg kommt der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg nach Rothenburg, der weiter nach Ulm führt.
In Rothenburg fällt dann die Richtungsentscheidung, allerdings erst nach 24,5 Kilometern: Bis Erpfersweiler ist dieser Weg identisch mit dem Jakobsweg Rothenburg–Rottenburg, der von dort nach Süden über Schwäbisch Hall und Tübingen an den Neckar abbiegt, während du auf der Hohen Straße nach Westen bleibst. Und am Kloster Schöntal, nach 72 Kilometern, teilt sich der Weg noch einmal: Die Nordroute geht durch den Odenwald über Adelsheim und Mosbach, mit einem gelben Punkt zusätzlich markiert, und trifft in Sinsheim wieder auf diesen Weg.
Weiterpilgern?
Ja — Speyer ist eine Drehscheibe. Vom Dom führen zwei markierte Wege des Pfälzerwald-Vereins nach Westen zum Kloster Hornbach an der französischen Grenze, und beide sind bei uns beschrieben:
- Pfälzer Nordroute — rund 148 Kilometer am Speyerbach aufwärts, über Neustadt an der Weinstraße und den Pfälzerwald nach Hornbach.
- Pfälzer Südroute — 146,3 Kilometer durch die Rheinebene, über die Weinstraße und den Wasgau nach Hornbach; wer nur ein langes Wochenende hat, geht ihren ersten Teil als Jakobsweg Speyer–Bad Bergzabern.
- Von Hornbach weiter auf dem Jakobsweg Hornbach – Metz, 142,8 Kilometer bis zur Kathedrale — und von Metz Richtung Vézelay.
Die zweite Linie, die der Träger nennt, geht über Straßburg nach Vézelay oder Le Puy; prüfe vor der Planung, welche Abschnitte im Elsass aktuell markiert sind. Und wer rheinaufwärts denkt: Der Jakobsweg Mainz–Speyer endet dort, wo du ankommst — drei Kaiserdome auf einem Weg.
Vorbereitung & Praktisches
Beste Zeit: April bis Oktober, ideal Mai/Juni und September. Die Hohenloher Ebene ist offen und im Hochsommer ohne Schatten, die Muschelkalk-Steige im Jagsttal werden bei Nässe rutschig; im Winter sind viele Quartiere und praktisch alle Museen geschlossen. Markierung und Navigation: gelbes Strahlenbündel auf blauem Grund, der Brennpunkt zeigt die Gehrichtung — und ab Kloster Schöntal darauf achten, dass du nicht dem gelben Punkt der Nordroute folgst. Die Markierung ist ehrenamtlich gepflegt, überwiegend zuverlässig, nicht lückenlos; nimm einen Track mit. Deine Etappen und Unterkünfte planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du die Tagesstrecken zusammenstellst und passende Betten gleich mit einplanst.
Pilgerausweis: Der Weg hat keinen eigenen. Nimm einen Pilgerausweis (Credencial) einer Jakobusgesellschaft mit — die Fränkische St. Jakobus-Gesellschaft in Würzburg oder das Pilgerzentrum St. Jakob in Nürnberg geben ihn aus, für den westlichen Teil auch die St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland. Stempel bekommst du in Kirchen, Rathäusern, Tourist-Infos und vielen Quartieren; einzelne Häuser verlangen die Vorlage des Ausweises. Pilgerführer: Renate Florl, *Der Jakobsweg von Rothenburg ob der Tauber bis zum Kaiserdom in Speyer* (ISBN 978-3-9812350-5-0), mit Geleitwort des Bischofs; 12 € bei Abholung in der Gemeinde Mühlhausen, 14 € mit Versand (Stand September 2026).
Unterkunft: Eine Herbergskette gibt es nicht. Die Jakobusinitiative führt online ein Quartierverzeichnis über rund 30 Kommunen — Privatzimmer, Gasthöfe, Hotels, Jugendherbergen, viele mit Pilgerstempel. Klösterlich schläfst du im Bildungshaus Kloster Schöntal und im Gästehaus Kloster Bad Wimpfen; für Speyer ist keine Pilgerherberge belegt, plane dort ein normales Quartier. Buche vor — die Orte sind klein, in Jagsthausen zur Festspielzeit und in Bad Wimpfen an Wochenenden besonders. Innenräume: Kloster Schöntal nur mit Führung, viele Dorfkirchen nur zu Gottesdienstzeiten, die Ritterstiftskirche in Wimpfen im Tal dagegen täglich offen. Wasser und Bargeld: auf der Ebene lange keine Versorgung, in kleinen Gasthöfen keine Kartenzahlung.
Was dich der Weg kostet
Ehrlich gesagt ist das ein Weg ohne Herbergspreise, aber mit fairen Landgasthöfen. Belegt sind (Stand September 2026): Quartierverzeichnis des Trägers 25–30 € für ein einfaches Privatzimmer bis 70 € und mehr für ein Hotel-Doppelzimmer mit Frühstück; Pensionen und Hotels in Bad Wimpfen ab 45–60 €; das Schlosshotel Götzenburg in Jagsthausen ab rund 150 € als Ausnahme — die Gemeinde führt daneben einfachere Quartiere. Pilgerführer 12 € (14 € mit Versand). Eintritte: Kaiserdom frei, Krypta und Turm mit Ticket; Blauer Turm Bad Wimpfen 3 €; Führung Kloster Schöntal 6,50 € pro Person; Technik Museum Sinsheim 25 €. Essen: Einkauf für Frühstück und unterwegs 8–12 € am Tag, Abendessen im Gasthof 15–25 €.
Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Privatzimmer und Selbstversorgung 40–55 €, mittel mit Gasthof oder Pension, Frühstück und warmem Abendessen 65–90 €, komfortabel mit Hotel und allen Besichtigungen 110–150 €. Für die neun Etappen rechne grob 360–500 € sparsam und 590–810 € mittel; Bahn-Anreise nach Rothenburg und Rückreise ab Speyer kommen dazu — mit Deutschland-Ticket praktisch inklusive.
Anreise
Zum Start (Rothenburg ob der Tauber): Mit der Bahn über Steinach (b Rothenburg o d Tauber) an der Strecke Würzburg – Ansbach – Nürnberg; von Steinach bringt dich die Regionalbahn in wenigen Minuten nach Rothenburg. Aus Nürnberg und Würzburg ist das je eine Verbindung mit einem Umstieg. Vom Bahnhof sind es zehn Minuten zu Fuß in die Altstadt zu St. Jakob.
Unterwegs und vom Ziel (Speyer): Bahnhöfe am Weg — Schrozberg (Tauberbahn Crailsheim – Bad Mergentheim), Möckmühl (Frankenbahn), Bad Friedrichshall-Jagstfeld, Bad Wimpfen, Bad Rappenau, Steinsfurt und Sinsheim (Elsenztalbahn). Achtung: Zwischen Sinsheim und Speyer liegt kein Bahnhof am Weg; Mühlhausen, Malsch, St. Leon-Rot und Reilingen hängen am Bus, die nächsten Bahnhöfe sind Wiesloch-Walldorf und Hockenheim. Speyer Hauptbahnhof liegt an der S-Bahn RheinNeckar nach Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe, von dort ICE in alle Richtungen; vom Dom zum Bahnhof gehst du eine Viertelstunde.
- Bahn: bahn.de — Deutsche Bahn, Steinach – Rothenburg, S-Bahn RheinNeckar ab Speyer
- Träger: jakobsweg-rothenburg-speyer.de — Jakobusinitiative Mühlhausen, Quartierverzeichnis, Wegbeschreibung
- Pilgerführer: muehlhausen-kraichgau.de — Renate Florl, Bestellung über die Gemeinde
- Kloster Schöntal: kloster-schoental.de — Führungen, Gästehaus
- Bad Wimpfen: badwimpfen.de — Pilgerstempel, Ritterstiftskirche, Blauer Turm
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