Jakobsweg Rothenburg–Speyer (Nordroute) auf der Karte

Jakobsweg Rothenburg–Speyer (Nordroute)

Die offizielle Variante des Jakobswegs Rothenburg–Speyer: 78,7 Kilometer vom Kloster Schöntal durch den Odenwald über Adelsheim, Mosbach und Neckarbischofsheim nach Sinsheim, wo sie wieder auf den Hauptweg trifft. Vier Etappen, 1.045 Höhenmeter im Anstieg, markiert mit dem gelben Strahlenbündel plus gelbem Punkt — und mit der Gutleutkapelle in Mosbach, an deren Wänden mittelalterliche Pilger ihre Muscheln einritzten.

16. September 202615 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Kloster Schöntal (Jagsttal) / Sinsheim, Stift Sunnisheim
  • Länge: 78,7 km
  • Dauer: 4 Etappen, Ø 19,7 km (Camino-Ninja-Teilung); die Etappe Adelsheim–Mosbach ist mit 27,5 km die Prüfung
  • Höhenmeter: ↗ 1.045 m / ↘ 1.107 m — pro Kilometer welliger als der Hauptweg, obwohl die Gipfel niedriger liegen
  • Höchster Punkt: 358 m bei km 8,5 auf der Hochfläche zwischen Oberkessach und Hergenstadt; tiefster Punkt 137 m bei km 48,1 am Neckar bei Neckarelz
  • Etappen: 4 — Camino-Ninja-Systematik; Bahnhöfe in Adelsheim, Mosbach-Neckarelz, Obrigheim, Aglasterhausen, Neckarbischofsheim und Sinsheim
  • Landschaft: Hochfläche zwischen Jagst und Kessach, Odenwaldrand mit langen Waldabschnitten, Neckartal bei Mosbach, Schwarzbachtal, offener Kraichgau
  • Träger: Jakobusinitiative Mühlhausen (Kraichgau) als Variante des Jakobswegs Rothenburg–Speyer; Wegepflege durch ehrenamtliche Wegewarte, unter anderem des Odenwaldklubs
  • Markierung: gelbes Strahlenbündel auf blauem Grund wie der Hauptweg — plus ein gelber Punkt, der die Nordroute kennzeichnet
  • Jakobus-Spuren: Jakobskirche Adelsheim (1489, über 60 Epitaphe); Gutleutkapelle Mosbach mit Jakobus im Pilgergewand (Fresken 1496) und eingeritzten Muschel- und Aachenhornzeichen mittelalterlicher Pilger; Totenkirche Neckarbischofsheim, 1348 ans Stift Wimpfen gekommen
  • Unterkunft: keine Herbergskette; Gästehaus Kloster Schöntal am Start, danach Gasthöfe, Pensionen und Hotels — weniger Betten als auf dem Hauptweg, vorbuchen
  • Anschlusswege: Abzweig vom Jakobsweg Rothenburg–Speyer bei km 72,1, Wiedereintritt in Sinsheim bei dessen km 141,0; Zubringer nach Rothenburg ist der Mittelfränkische Jakobsweg
  • Anschluss Santiago: über Sinsheim und Speyer auf die Pfälzer Nordroute oder Pfälzer Südroute nach Hornbach, weiter nach Metz und Vézelay
  • Beste Zeit: April bis Oktober, ideal Mai/Juni und September; die Waldwege zwischen Adelsheim und Mosbach sind bei Nässe lehmig

Überblick

Das ist kein eigener Weg, sondern eine Entscheidung. Nach 72 Kilometern auf dem Jakobsweg von Rothenburg nach Speyer stehst du am Zisterzienserkloster Schöntal im Jagsttal, und der Träger sagt dazu nur einen Satz: „Vom Kloster Schöntal aus ist es auch möglich, eine Nordroute durch den Odenwald nach Sinsheim zu nehmen.“ Der Hauptweg bleibt an der Jagst und geht über Möckmühl und Bad Wimpfen; die Nordroute steigt aus dem Tal auf die Hochfläche, wendet sich bei Adelsheim nach Westen in den Odenwaldrand, erreicht bei Mosbach den Neckar und läuft durch das Schwarzbachtal und den Kraichgau nach Sinsheim, wo beide Linien wieder eins werden. 78,7 Kilometer, vier Etappen, 1.045 Höhenmeter hinauf — welliger pro Kilometer als der Hauptweg, waldreicher, leerer.

Ehrlich gesagt hat die Nordroute weniger von allem, was der Hauptweg reichlich hat: weniger Betten, weniger Bahnhöfe, weniger große Namen — kein Bad Wimpfen, keine Kaiserpfalz. Dafür hat sie einen Ort, den der Hauptweg nicht bieten kann. In der Gutleutkapelle am Ostrand von Mosbach, gebaut 1430 bis 1440 als Leprosenhaus, zeigt ein Freskenzyklus von 1496 den Apostel Jakobus im Pilgergewand mit Muschel — und in die Wände darunter haben mittelalterliche Pilger ihre eigenen Zeichen geritzt, Muscheln und Aachenhörner, die Abzeichen ihrer Wallfahrten. Kein Denkmal, das jemand später gesetzt hat, sondern die Spur derer, die hier wirklich durchkamen. Dazu die Jakobskirche von 1489 in Adelsheim mit über sechzig Grabmälern und die Totenkirche von Neckarbischofsheim mit Fresken aus der Zeit um 1350. Wer den Hauptweg kennt, findet hier die zweite Runde; wer zum ersten Mal von Rothenburg nach Speyer geht, sollte es wissen, bevor er am Kloster abbiegt.

Andere Namen

Der Träger, die Jakobusinitiative Mühlhausen, nennt sie offiziell Nordroute — als Gegenstück zur Hauptroute über Bad Wimpfen. Du liest auch Nordroute durch den Odenwald, Odenwald-Variante oder Jakobsweg Schöntal – Sinsheim. Wir führen sie als Jakobsweg Rothenburg–Speyer (Nordroute), weil sie genau das ist: die Variante eines Weges, keine eigene Linie.

Eine Zahl zur Einordnung: Der Träger-Flyer gibt für die Nordroute 73,7 Kilometer ab Schöntal an, unsere Streckendaten 78,7 — der Unterschied liegt in Ortsdurchquerungen und Trackaufnahme. Wir rechnen durchgehend mit 78,7 Kilometern. Und nicht verwechseln: Die Pfälzer Nordroute ist ein anderer Weg — sie beginnt erst in Speyer.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du den Hauptweg schon gegangen bist und beim zweiten Mal etwas anderes sehen willst. Ideal, wenn dich Pilgerspuren mehr reizen als Kaiserpfalzen — die Ritzungen in der Gutleutkapelle sind das Anfassbarste, was der ganze Weg von Rothenburg nach Speyer an mittelalterlichem Pilgern zu bieten hat. Ideal, wenn du Ruhe suchst: Auf der Hochfläche zwischen Schöntal und Adelsheim und im Wald zwischen Lindengrund und Waldmühlbach begegnest du an manchen Tagen niemandem. Ideal, wenn du vier Tage hast und ein abgeschlossenes Stück willst, mit Bahnhof in Reichweite am Anfang und Bahnhof am Ende. Und ideal, wenn du Fachwerk magst — Mosbach, Helmstadt und Neckarbischofsheim liefern es in Serie.

Ehrlich gesagt ist sie nichts für dich, wenn du zum ersten Mal von Rothenburg nach Speyer gehst: Dann nimm den Hauptweg, er ist besser mit Betten und Bahn versorgt und hat mit dem Jagsttal und Bad Wimpfen die stärkeren Höhepunkte. Nichts für dich, wenn du jeden Abend ein Quartier in Gehweite brauchst — die Etappe Adelsheim–Mosbach hat 27,5 Kilometer, davon über zehn ohne Ort. Nichts für dich, wenn du kurze Tage willst: Drei der vier Etappen liegen zwischen 17 und 28 Kilometern. Und nichts für dich, wenn du schwere Themen meiden willst — in Neckarelz liegt eine KZ-Gedenkstätte direkt am Weg, und die Stollen des Rüstungsprojekts, für das das Lager entstand, liegen bei Obrigheim, das du zwei Kilometer später durchquerst.

Streckenverlauf & Landschaft

Die Nordroute beginnt am Kloster Schöntal unten im Jagsttal und steigt sofort heraus: über Rossach und Oberkessach auf die Hochfläche zwischen Jagst und Kessach, wo bei Kilometer 8,5 mit 358 Metern der höchste Punkt der Variante liegt — kein Gipfel, nur offenes Land und Himmel, der leiseste Abschnitt der ganzen Strecke. Über Hergenstadt kommst du hinunter nach Adelsheim mit seiner Jakobskirche. Ab hier wendet sich der Weg nach Westen und nimmt den Charakter des Odenwaldrands an: Lindengrund, dann ein langer Waldabschnitt ohne einen einzigen Ort bis Waldmühlbach, weiter Billigheim mit seinem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster, Sulzbach, Bergfeld — mehr Wald, mehr Einsamkeit, weniger Aussicht als oben auf der Hochfläche.

Dann fällt der Weg 150 Meter hinunter nach Mosbach an den Neckar: Fachwerkaltstadt, Stiftskirche, Gutleutkapelle. Über Neckarelz — mit 137 Metern bei Kilometer 48,1 der tiefste Punkt — und Obrigheim folgst du kurz dem Fluss, biegst dann ins Schwarzbachtal ab: Asbach, Daudenzell, Aglasterhausen, Helmstadt. Ab Neckarbischofsheim öffnet sich der Kraichgau, Lösshügel, Streuobst, weite Sicht, und in gut neun Kilometern bist du in Sinsheim — dort, wo der Hauptweg von Bad Rappenau her einläuft und das Stift Sunnisheim auf dem Michaelsberg beide Linien empfängt. Untergrund: Feld- und Waldwege, bei Nässe lehmig, Ortsasphalt; 1.045 Höhenmeter auf, 1.107 ab.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Wir teilen die Nordroute in 4 Etappen mit einem Schnitt von 19,7 Kilometern — Camino-Ninja-Systematik, angelehnt an die Orte mit Betten und Bahn. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf die 78,7 Kilometer unserer Streckendaten kalibriert. Schwierigkeit: mittel — 13,3 Höhenmeter pro Kilometer, keine langen Anstiege, aber die zweite Etappe ist lang und versorgungsarm, und die Bettendichte zwingt zum Vorbuchen.

  1. Kloster Schöntal – Adelsheim (15,3 km) — Rossach, Oberkessach; höchster Punkt 358 m bei km 8,5; Hergenstadt; Jakobskirche Adelsheim (1489). Kurz genug für den Nachmittag nach einer Klosterführung.
  2. Adelsheim – Mosbach (27,5 km) — Lindengrund (km 18,3), dann über zehn Kilometer ohne Ort bis Waldmühlbach (km 28,8); Billigheim, Sulzbach, Bergfeld; Abstieg nach Mosbach: Gutleutkapelle, Stiftskirche St. Juliana, Fachwerkaltstadt. Längste Etappe, Wasser und Proviant für den ganzen Tag.
  3. Mosbach – Aglasterhausen (17,1 km) — Neckarelz (km 47,6, KZ-Gedenkstätte, tiefster Punkt 137 m), Obrigheim; Schwarzbachtal über Asbach und Daudenzell; Aglasterhausen, Endbahnhof der S 51 aus Heidelberg.
  4. Aglasterhausen – Sinsheim (18,8 km) — Helmstadt (Kuckucksbrücke, Rabanstraße, Rabanschloss), Neckarbischofsheim (km 69,1, Totenkirche); offener Kraichgau; Sinsheim, Stift Sunnisheim — Wiedervereinigung mit dem Hauptweg.

Der Prüfstein ist der zweite Tag: 27,5 Kilometer, dazwischen der Odenwaldrand ohne Laden, ohne Gasthaus, bei Regen lehmig. Starte früh, pack für den ganzen Tag ein, und wenn du in Mosbach ankommst, gönn dir dort den halben Ruhetag — die Stadt hat ihn verdient. Wer die Etappe entschärfen will, schläft in Billigheim und teilt sie in 17,3 und 10,2 Kilometer. Der dritte Tag ist kurz, aber inhaltlich schwer; die Gedenkstätte in Neckarelz öffnet nur sonntags von Februar bis November — leg die Etappe auf einen Sonntag, wenn du hinein willst.

Eingeritzte Muscheln: der Beweis an der Wand

Auf den meisten Jakobswegen erzählt man dir, dass hier einmal Pilger gingen. In Mosbach kannst du es sehen. Die Gutleutkapelle am östlichen Stadtrand entstand 1430 bis 1440 als Kirche eines Leprosenhauses — einer ummauerten Siedlung für die „guten Leute“, wie man die Aussätzigen beschönigend nannte, vor der Stadt an der Durchgangsstraße, wo sie um Almosen bitten konnten. 1496 malte jemand die Nordwand aus: die Passion Christi in zwölf Szenen, die Verherrlichung in vier weiteren, von Verrat und Verhaftung bis Auferstehung und Himmelfahrt. Und darin steht Jakobus im Pilgergewand, kenntlich an der Muschel. Wer ihn malte, wusste, wer hier vorbeikam.

Das Entscheidende aber steht nicht auf der Wand, sondern darin: eingeritzte Muscheln und Aachenhörner, die Abzeichen der Santiago- und der Aachenpilger, von Hand in den Putz gekratzt — die Unterschrift von Menschen, die hier rasteten, beteten, weiterzogen. Kein Bischof hat sie gestiftet, kein Verein hat sie aufgestellt. Ehrlich gesagt sind sie der stärkste Beleg für das mittelalterliche Pilgern auf dem ganzen Weg von Rothenburg nach Speyer, stärker als jede Bruderschaftsurkunde, weil sie von den Pilgern selbst stammen. Namen kennen wir keine; die Zeichen genügen.

Mosbach hat noch ein zweites Kapitel Kirchengeschichte, das zur Nordroute passt, weil es von Trennung und Wiedervereinigung handelt. Die Stiftskirche St. Juliana — das Kloster geht der Überlieferung nach auf Pirminius um 736 zurück, urkundlich ist es 825, 976 gab Kaiser Otto II. das reichsunmittelbare Kloster an das Hochstift Worms — wurde nach der Religionsdeklaration von 1705 im Jahr 1708 durch eine Mauer geteilt: der Chor den Katholiken, das Langhaus den Reformierten, eine Kirche, zwei Gemeinden, dreihundert Jahre lang. 2007 wurde die Mauer geöffnet, am 27. Juli 2008 gingen die Türen zwischen beiden Teilen zum ersten Mal auf. Du kommst als Pilger auf einer Variante hierher, die sich am Kloster vom Hauptweg getrennt hat und in Sinsheim wieder mit ihm eins wird. Mosbach liegt genau in der Mitte.

Highlights am Weg

  • Kloster Schöntal — Zisterzienser, 1153 als Tochter Maulbronns gegründet, 1157 ins Tal verlegt; barocke Hallenkirche mit Doppelturmfassade unter Abt Benedikt Knittel (1683–1732); Grab des Götz von Berlichingen († 1562) im Ostflügel des Kreuzgangs; Ordenssaal. Innen nur mit Führung, 6,50 € pro Person (Stand September 2026); Gästehaus des Bildungshauses.
  • Die Hochfläche bei Oberkessach — höchster Punkt der Nordroute, 358 m bei km 8,5; kein Bauwerk, kein Museum, nur Land und Himmel.
  • Jakobskirche Adelsheim — 1489 von Martin von Adelsheim, kurmainzischer Amtmann, an Stelle eines romanischen Vorgängers erbaut; Grablege der Herren von Adelsheim mit über 60 Epitaphen des 14. bis 18. Jahrhunderts; Ölberggruppe von 1495 an der Außenwand, Lindenholz-Kruzifix des 15. Jahrhunderts, Kanzel von 1650; ausdrücklich als Station des Jakobswegs geführt.
  • Billigheim — Trägerkommune des Weges, geprägt vom ehemaligen Zisterzienserinnenkloster; einziger Ort mit Betten zwischen Adelsheim und Mosbach.
  • Gutleutkapelle Mosbach — 1430–1440 als Kapelle eines Leprosenhauses; Freskenzyklus von 1496 mit Jakobus im Pilgergewand; eingeritzte Muschel- und Aachenhornzeichen mittelalterlicher Pilger.
  • Stiftskirche St. Juliana, Mosbach — Kloster der Überlieferung nach 736 von Pirminius gegründet, 825 urkundlich, 976 an Worms; Kirchenneubau ab 1370; Simultankirche mit Trennmauer von 1708, 2007 geöffnet, Türen seit 27. Juli 2008 offen.
  • Fachwerkstadt Mosbach — Station der Deutschen Fachwerkstraße mit dem Palmschen Haus als Wahrzeichen; der Ort für den halben Ruhetag.
  • KZ-Gedenkstätte Neckarelz — in der ehemaligen Clemens-Brentano-Schule; Außenlager ab Frühjahr 1944 für das Geheimprojekt „Goldfisch“, die Verlagerung der Daimler-Benz-Flugmotorenfertigung in die Gipsstollen bei Obrigheim, rund 5.000 Zwangsarbeiter; Gedenktafel französischer Überlebender 1953. Februar–November sonntags 14–17 Uhr, 3,50 € (Stand September 2026). Kein Highlight — ein Ort, den man ernst nimmt.
  • Aglasterhausen — Endbahnhof der S 51, stündlich von Heidelberg über Neckargemünd und Meckesheim; die Strecke weiter nach Obrigheim wurde 1971 stillgelegt.
  • Helmstadt — Einzug über die Kuckucksbrücke, durch die Rabanstraße mit historischen Fachwerkhäusern, vorbei an Rathaus und Rabanschloss; lohnender Abstecher zum „Dom des Kraichgaus“ in Waibstadt.
  • Totenkirche Neckarbischofsheim — seit dem 14. Jahrhundert Pfarrkirche, 1330 erstmals urkundlich, Bauteile des 11./12. Jahrhunderts, Dachwerk 1364 und 1405; 1348 Patronat ans Stift Wimpfen; über 40 Grabdenkmäler der Herren von Helmstatt, Fresken zwischen 1350 und 1375; seit 1698 „Totenkirche“ genannt; eines der wichtigsten Kulturdenkmale des Kraichgaus.
  • Stift Sunnisheim, Sinsheim — um 1000 von Graf Otto von Worms auf dem Michaelsberg gegründet, zwischen 1092 und 1100 Benediktinerkloster, 1496 Kollegiatstift, 1565 aufgelöst; Dachstuhl 1233; seit 2011 Kulturzentrum — der Punkt, an dem die Nordroute wieder Hauptweg wird.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Die Nordroute ist ein Abzweig, kein Anfang. Fast alle, die sie gehen, kommen auf dem Jakobsweg Rothenburg–Speyer aus Rothenburg ob der Tauber — 72,1 Kilometer über die Hohe Straße und durch das Jagsttal — und stehen am Kloster Schöntal vor der Wahl; wer noch weiter östlich startet, hat davor den Mittelfränkischen Jakobsweg in den Beinen. Die Markierung macht die Entscheidung leicht: Beide Linien tragen das gelbe Strahlenbündel auf Blau, aber nur die Nordroute hat zusätzlich einen gelben Punkt. Folgst du ab Schöntal dem Punkt, bist du richtig.

Wer die Nordroute als eigene Tour gehen will, hat es am Start etwas schwerer: Kloster Schöntal hat keinen Bahnhof, der nächste praktikable Anschluss ist Möckmühl an der Frankenbahn, von dort Bus oder Taxi ins Jagsttal. Einfacher ist der Einstieg in Adelsheim: Der Bahnhof Adelsheim Nord hängt an der S-Bahn RheinNeckar. Das kostet dich die erste Etappe und den höchsten Punkt, spart aber den Umweg.

Weiterpilgern?

In Sinsheim endet die Nordroute — der Weg nicht. Von hier sind es noch 43,6 Kilometer auf dem Jakobsweg Rothenburg–Speyer bis zum Kaiserdom: über Dühren, Angelbachtal, Mühlhausen — den Sitz der Jakobusinitiative, die diesen Weg geschaffen hat —, Rettigheim mit seiner Jakobusstatue, die Letzenbergkapelle über Malsch, dann St. Leon-Rot, Reilingen auf der alten Kaiserstraße und über den Rhein nach Speyer. Zwei Etappen, und du stehst vor der größten romanischen Kirche der Welt.

Wer die andere Hälfte nachholen will: Der Hauptweg zwischen Schöntal und Sinsheim führt über Jagsthausen, Möckmühl, Neudenau und vor allem Bad Wimpfen mit Kaiserpfalz, Blauem Turm und der Ritterstiftskirche mit ihrer Jakobus-Skulptur von 1269/70 — 68,9 Kilometer, drei bis vier Tage, ein guter Grund für eine zweite Runde. Und ab Speyer geht es weiter nach Westen: auf der Pfälzer Nordroute oder der Pfälzer Südroute zum Kloster Hornbach, von dort auf dem Jakobsweg Hornbach – Metz nach Frankreich und Richtung Vézelay.

Vorbereitung & Praktisches

Beste Zeit: April bis Oktober, ideal Mai/Juni und September. Die Waldwege zwischen Adelsheim und Mosbach sind bei Nässe lehmig; im Hochsommer ist der Wald dagegen ein Vorteil gegenüber den offenen Hochflächen des Hauptwegs. Markierung und Navigation: gelbes Strahlenbündel auf blauem Grund, der Brennpunkt zeigt die Gehrichtung, dazu der gelbe Punkt — achte ab Kloster Schöntal darauf, sonst landest du auf dem Hauptweg. Die Pflege liegt bei ehrenamtlichen Wegewarten, unter anderem des Odenwaldklubs; nimm einen Track mit. Deine Etappen und Unterkünfte planst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du die Tagesstrecken zusammenstellst und passende Betten gleich mit einplanst.

Pilgerausweis: kein wegeigener Pass — nimm einen Pilgerausweis (Credencial) einer Jakobusgesellschaft mit; Stempel gibt es in Kirchen, Rathäusern und Quartieren. Pilgerführer: derselbe wie für den Hauptweg, Renate Florl, *Der Jakobsweg von Rothenburg ob der Tauber bis zum Kaiserdom in Speyer* (ISBN 978-3-9812350-5-0), 12 € bei Abholung in Mühlhausen, 14 € mit Versand (Stand September 2026); dazu der Flyer der Jakobusinitiative, der die Nordroute mit eigener Ortsliste führt.

Unterkunft: Das Quartierverzeichnis der Jakobusinitiative führt die Nordroute-Orte getrennt — Adelsheim, Billigheim, Obrigheim, Mosbach, Aglasterhausen, Helmstadt-Bargen, Neckarbischofsheim, Sinsheim. Keine Herbergskette; am Start das Gästehaus des Bildungshauses Kloster Schöntal, danach Gasthöfe, Pensionen, Hotels. Die Bettendichte ist geringer als auf dem Hauptweg — buche vor, besonders für Adelsheim und Billigheim. Versorgung: Auf der zweiten Etappe zwischen Lindengrund und Waldmühlbach gibt es über zehn Kilometer keinen Ort, kauf in Adelsheim für den ganzen Tag ein. Innenräume: Kloster Schöntal nur mit Führung, die Gedenkstätte Neckarelz nur sonntags, Jakobskirche Adelsheim, Gutleutkapelle und Totenkirche teils nur zu bestimmten Zeiten oder auf Anfrage — frag vorab bei den Gemeinden.

Was dich der Weg kostet

Ehrlich gesagt kostet die Nordroute dasselbe wie der Hauptweg, nur mit weniger Auswahl. Belegt sind (Stand September 2026): Pensionen und Hotels in Mosbach ab 40–61 €, für die kleineren Orte die Spannen des Quartierverzeichnisses von 25–30 € für ein einfaches Privatzimmer bis 70 € und mehr für ein Hotel-Doppelzimmer mit Frühstück. Pilgerführer 12 € (14 € mit Versand). Eintritte: Führung Kloster Schöntal 6,50 € pro Person, KZ-Gedenkstätte Neckarelz 3,50 €; für Jakobskirche, Gutleutkapelle und Totenkirche sind keine regulären Eintritte belegt. Essen: Selbstverpflegung 8–12 € am Tag, Abendessen im Gasthof 15–25 € — und auf der Nordroute lohnt der Einkauf im Voraus mehr als auf dem Hauptweg, die Dörfer sind kleiner, die Läden schließen früher.

Realistisches Tagesbudget: sparsam mit Privatzimmer und Selbstversorgung 40–55 €, mittel mit Gasthof, Frühstück und warmem Abendessen 65–90 €, komfortabel mit Hotel in Mosbach und allen Besichtigungen 100–140 €. Für die vier Etappen rechne grob 160–220 € sparsam und 260–360 € mittel; An- und Abreise kommen dazu — mit Deutschland-Ticket praktisch inklusive.

Anreise

Zum Start (Kloster Schöntal): kein Bahnhof. Die meisten erreichen das Kloster zu Fuß, als Etappenziel des Hauptwegs aus Rothenburg. Sonst mit der Frankenbahn nach Möckmühl und von dort mit Bus oder Taxi ins Jagsttal. Alternativer Einstieg: Adelsheim Nord an der S-Bahn RheinNeckar, dann beginnst du bei Kilometer 15,3 an der Jakobskirche.

Unterwegs und vom Ziel (Sinsheim): Bahnhöfe am Weg — Adelsheim Nord (S-Bahn RheinNeckar), Mosbach-Neckarelz (Knoten Neckartal- und Madonnenlandbahn), Obrigheim (Neckartalbahn), Aglasterhausen (Endbahnhof S 51, stündlich ab Heidelberg, montags bis freitags 5–24 Uhr), Neckarbischofsheim Nord (Krebsbachtalbahn, eingeschränkter Takt — vorher prüfen). Damit lässt sich die Nordroute in zwei Wochenenden zerlegen: Schöntal–Mosbach und Mosbach–Sinsheim. Sinsheim (Elsenz) Hauptbahnhof liegt an der Elsenztalbahn nach Heidelberg und Heilbronn; der Haltepunkt Sinsheim Museum/Arena liegt am Technik Museum.

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