Hunsrücker Jakobsweg
Der Hunsrücker Jakobsweg führt in 126 Kilometern von der Nahemündung in Bingen über den Hunsrück nach Trier, bis zur Abtei St. Matthias mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen. Er folgt fast schnurgerade einer Römerstraße, deren Strecke der Dichter Ausonius um 371 in seiner „Mosella“ beschrieb, und ist darum auch als Ausoniusweg bekannt. 6 Etappen, 2.160 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 595 Meter im Binger Wald; in Trier beginnen die Wege nach Frankreich.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Die erste Wegbeschreibung über den Hunsrück ist ein römisches Gedicht
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Bingen am Rhein an der Nahemündung / Abtei St. Matthias in Trier mit dem Apostelgrab
- Länge: 126,0 km
- Dauer: 6 Etappen, Ø 21 km; eine knappe Woche
- Höhenmeter: ↗ 2.160 m / ↘ 2.109 m
- Höchster Punkt: 595 m bei km 15,5 im Binger Wald am Ohligsberg; auf der Hochfläche hinter Horbruch noch einmal 594 m bei km 68,7
- Landschaft: Binger Wald, Hochflächen und Höhendörfer des Hunsrücks, Wald und Schiefer im Dhrontal, zum Schluss das Ruwertal und die Mosel
- Markierung: gelbe Jakobsmuschel seit 2013, dazu das weiße AU auf grünem Grund des Ausoniuswegs
- Jakobus-Spuren: die Römerstraße selbst, auf der man im Mittelalter nach Trier pilgerte, und am Ziel das Apostelgrab von St. Matthias
- Unterkunft: Gasthöfe, Pensionen und Ferienwohnungen; in den Hunsrückdörfern wenige Betten, Pilgerherbergen gibt es nicht
- Anschlusswege: in Bingen Jakobsweg Fulda – Bingen und Linksrheinischer Jakobsweg, in Trier Mosel-Camino, Eifel-Camino, Via Coloniensis, Trier – Le Puy und Trier – Vézelay
- Beste Zeit: Mai bis Oktober; im Hunsrück liegen Ende Oktober oft schon Nebel und Frost auf den Höhen
Überblick
Der Hunsrücker Jakobsweg ist der seltene Fall eines Weges, der seine eigene Wegbeschreibung mitbringt – und die ist gut 1.650 Jahre alt. Um 371 ging der Dichter Ausonius von Bingen nach Trier und schrieb darüber die „Mosella“. Auf derselben Römerstraße gehst du heute 126 Kilometer über den Hunsrück, fast schnurgerade, über Hochflächen, durch Höhendörfer und lange Wälder, bis du in Trier an Porta Nigra und Dom vorbei zum Apostelgrab von St. Matthias kommst.
Zum Pilgerweg wurde die Straße nicht erst durch die Muschel. Schon im Mittelalter pilgerte man auf ihr nach Trier, zum Heiligen Rock im Dom und zum Grab des Apostels Matthias. Den Namen Ausoniusstraße bekam sie im 20. Jahrhundert, als Jakobsweg ist sie seit 2013 mit der Muschel markiert. Ehrlich gesagt sind es vier Tage, an denen dir oft stundenlang niemand begegnet – genau dafür kommen die meisten.
Andere Namen
Der Weg heißt auch Ausoniusweg nach dem römischen Dichter, mit dem Wanderzeichen AU, und Via Ausonius. Bis Oktober 2026 war er bei uns der letzte Teil des Jakobswegs Fulda – Trier; heute endet der Jakobsweg Fulda – Bingen in Bingen, und dieser Weg übernimmt. Nicht verwechseln solltest du ihn mit dem Nahe-Glan-Camino, der ebenfalls in Bingen beginnt, aber die Nahe hinauf nach Tholey im Saarland führt.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du eine Pilgerwoche suchst, die sich wie Pilgern anfühlt: Stille, Wald, kleine Dörfer und am Ende ein Apostelgrab. Ideal auch als Fortsetzung, wenn du aus Fulda, Köln oder vom Rhein kommst und weiter nach Frankreich willst, denn in Trier beginnen die Wege nach Le Puy und Vézelay. Und ideal für alle, die Römer mögen: Römerstraße, Römerturm, Archäologiepark und am Ziel eine römische Kaiserstadt.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du spontan unterkommen willst: Die Dörfer sind klein, Gasthöfe haben Ruhetage, und zwischen Kirchberg und Fell gibt es kaum Läden. Nichts für dich, wenn du Pilgergemeinschaft suchst – Herbergen gibt es keine, Mitpilger triffst du selten. Und nichts für dich, wenn dich lange Geraden auf Forst- und Feldwegen langweilen: Die Römer bauten ihre Straßen, um anzukommen, nicht für Ausblicke.
Streckenverlauf & Landschaft
Bingen bis Kirchberg (km 0–48,2): Von der Nahemündung unterhalb von Burg Klopp geht es über Weiler (km 3,4) gleich kräftig bergauf in den Binger Wald. Bei km 15,5 erreichst du am Ohligsberg mit 595 Metern den höchsten Punkt des Weges, dann geht es über Dichtelbach (km 19,4) nach Rheinböllen (km 21,3). Auf der Römerstraße läufst du über Mutterschied (km 31,2) nach Simmern (km 36,4), der Kreisstadt mit dem Schinderhannesturm, und über Ohlweiler, Schönborn und Rödern nach Kirchberg (km 48,2), der ältesten Stadt des Hunsrücks.
Kirchberg bis Trier (km 48,2–126,0): Hinter Kirchberg liegt die Hochfläche. Über Niederweiler (km 58,7) und Horbruch (km 63,5) erreichst du bei km 68,7 noch einmal 594 Meter; Hochscheid, Gonzerath und der Archäologiepark Belginum liegen knapp abseits. Über Haag (km 83,3), Gräfendhron (km 87,9) und Berglicht (km 90,3) geht es hinab ins Dhrontal, über Talling und Büdlicherbrück (km 98,9) nach Fell (km 108,1). Durch Mertesdorf (km 113,7) und das Ruwertal kommst du an die Mosel und nach Trier: an der Porta Nigra (km 121,9) und am Dom (km 122,4) vorbei bis zur Abtei St. Matthias am Ende.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in 6 Etappen; die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 126,0 km kalibriert. Ein Tag ist kurz, zwei sind mit knapp 27 Kilometern lang und haben wenig Einkehr.
- Bingen am Rhein → Rheinböllen (21,3 km) — Der große Aufstieg: über Weiler in den Binger Wald, am Ohligsberg auf 595 Meter, dann hinunter nach Rheinböllen.
- Rheinböllen → Kirchberg (26,9 km) — Auf der Römerstraße über Mutterschied nach Simmern und weiter nach Kirchberg.
- Kirchberg → Horbruch (15,3 km) — Kurze Hochflächenetappe über Niederweiler; Quartiere vorab sichern.
- Horbruch → Berglicht (26,8 km) — Über die Hochfläche (594 m), an Belginum vorbei und über Haag hinab ins Dhrontal.
- Berglicht → Fell (17,8 km) — Wald, Schiefer und der letzte lange Abstieg über Büdlicherbrück.
- Fell → Trier St. Matthias (17,9 km) — Über Mertesdorf ins Ruwertal, an die Mosel und durch die Stadt zum Apostelgrab.
Fordernd sind der Aufstieg hinter Bingen – rund 500 Höhenmeter auf den ersten 15 Kilometern –, das stete Auf und Ab zwischen Gräfendhron und Fell und die Länge der Hunsrück-Tage ohne Einkehr. Der Untergrund ist meist gut: Forst- und Feldwege, kurze Asphaltstücke durch die Dörfer.
Die erste Wegbeschreibung über den Hunsrück ist ein römisches Gedicht
Um das Jahr 371 reiste der Dichter und Staatsbeamte Decimus Magnus Ausonius von Bingen nach Trier, damals Kaiserresidenz. Daraus wurde die „Mosella“, 483 Hexameter, das einzige erhaltene antike Gedicht, das ganz einem Fluss gewidmet ist. Es beginnt genau dort, wo dein Weg beginnt: „Transieram celerem nebuloso lumine Navam, addita miratus veteri nova moenia Vinco“ – „Ich hatte die schnelle Nahe überquert, bei nebligem Licht, und staunte über die neuen Mauern am alten Vincum.“ Vincum ist Bingen. Dann beschreibt Ausonius den Weg, den du drei Tage lang gehst: „nemorosa per avia solum, et nulla humani spectans vestigia cultus“ – allein durch waldige Wildnis, ohne eine Spur menschlichen Anbaus.
Er nennt sogar die Stationen. Dumnissus, das er „dürr“ nennt, ist das heutige Kirchberg, die älteste Stadt des Hunsrücks, mit Stadtrecht seit 1259; unter der spätgotischen Kirche St. Michael fanden Archäologen drei ältere Steinkirchen, die erste aus der Zeit um 700. Die Straße selbst war 5 bis 5,50 Meter breit, mit einer rund 80 Zentimeter starken Steinpackung, und ist auf der Tabula Peutingeriana eingezeichnet, der Kopie einer römischen Straßenkarte. Bei Wederath lag die Siedlung Belginum, deren Gräberfeld vom 4. Jahrhundert vor bis ins 4. Jahrhundert nach Christus belegt wurde; seit 2002 ist dort ein Archäologiepark.
Damit hast du einen Reiseführer, der gut 1.650 Jahre alt ist – und in einem Punkt stimmt er noch: Zwischen Kirchberg und Berglicht bist du oft allein im Wald.
Highlights am Weg
- Bingen am Rhein (Start) — Nahemündung mit Burg Klopp und der Basilika St. Martin; hier überquerte Ausonius die Nahe, und hier beginnt seine „Mosella“.
- Binger Wald (km 15,5) — mit 595 Metern am Ohligsberg der höchste Punkt des Weges, Buchen- und Fichtenwald bis Dichtelbach.
- Simmern (km 36,4) — Stadtrecht 1330 von Ludwig dem Bayern; im Schinderhannesturm saß ab Februar 1799 der Räuber Johannes Bückler und brach in der Nacht vom 19. auf den 20. August aus, hingerichtet wurde er 1803 in Mainz.
- Kirchberg (km 48,2) — das Dumnissus des Ausonius, älteste Stadt des Hunsrücks, mit Stadtrecht seit 1259 und Marktplatz mit Fachwerk.
- Archäologiepark Belginum (bei km 68,7, knapp abseits) — keltisch-römische Siedlung an der Römerstraße mit Gräberfeld aus acht Jahrhunderten.
- Trier (km 121,9–126,0) — Porta Nigra und Dom mit dem Heiligen Rock, seit 1986 UNESCO-Welterbe; am Ende die Abtei St. Matthias mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
In Bingen kommen zwei Wege an, die hier enden: der Jakobsweg Fulda – Bingen von Fulda über Frankfurt und Mainz und der Linksrheinische Jakobsweg aus Köln. Wer von dort kommt, wechselt in Bingen nur die Richtung und geht über den Hunsrück weiter nach Trier.
Wer hier startet, kommt mit dem Zug: Bingen liegt an der linken Rheinstrecke zwischen Mainz und Koblenz, mit Regionalzügen ab Mainz in gut einer halben Stunde.
Weiterpilgern?
Ja, und zwar nach Frankreich. Trier ist der große Knoten im Westen: Hier kommen außer dir der Mosel-Camino aus Koblenz, der Eifel-Camino aus Andernach und die Via Coloniensis aus Köln an, und von St. Matthias gehen zwei Wege weiter:
- Trier – Le Puy — über Metz, Toul, Langres und Cluny nach Le Puy-en-Velay, dort beginnt die Via Podiensis
- Trier – Vézelay — auf derselben Trasse bis hinter Vaucouleurs, dann nach Westen zur Basilika von Vézelay und auf die Via Lemovicensis
Bis Santiago bleiben dir von Trier aus noch rund 2.400 Kilometer. Wer in Trier aufhört, holt sich in St. Matthias den Pilgersegen und steht am Apostelgrab.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen deutschen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial): Er sammelt die Stempel aus Kirchen, Pfarrbüros und Gasthöfen. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. In Trier stellt das Pilgerbüro in der Dom-Information die Trierer Pilgerurkunde aus, wenn du zu Fuß die letzten 100 Kilometer nachweist – mit diesem Weg gelingt das. Mit der Camino Ninja App hast du Karte und Track offline dabei; am einfachsten planst du den Weg direkt in der App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Unterkunft. Bingen, Rheinböllen, Simmern, Kirchberg und Trier haben genug Betten. Horbruch, Haag und Berglicht sind Dörfer mit wenigen Zimmern, Gasthöfe haben Ruhetage. Buche die Hunsrück-Nächte vor dem Start.
Wasser und Wetter. Zwischen Kirchberg und Fell gibt es kaum Läden: Nimm zwei Liter und Proviant für den ganzen Tag mit. Die Hochflächen über 400 Metern sind windig und kühler als Rhein- und Moseltal.
Was dich der Weg kostet
Der Pilgerausweis kostet bei den Jakobusvereinen um 5 €, die Trierer Pilgerurkunde ebenfalls 5 € (Stand: Oktober 2026). Rechne in Pensionen und Gasthöfen mit 50 bis 85 € für das Einzelzimmer mit Frühstück, in Trier eher 80 bis 120 €; Jugendherbergen in Bingen und Trier liegen für Erwachsene meist zwischen 35 und 60 € mit Frühstück, dazu brauchst du eine DJH-Mitgliedschaft (Stand: Oktober 2026).
Als Tagesbudget sind 70 bis 100 € realistisch, im Hunsrück eher am unteren Rand. Für An- und Abreise deckt das Deutschlandticket für 63 € im Monat alle Regionalzüge ab, das Rheinland-Pfalz-Ticket kostet für einen Tag 30 € (Stand: Oktober 2026).
Anreise
Zum Start. Bingen hat zwei Bahnhöfe: Bingen (Rhein) Stadt nahe der Nahemündung und Bingen (Rhein) Hbf in Bingerbrück auf der anderen Naheseite. Regionalzüge fahren ab Mainz und Koblenz, ab Frankfurt bist du in gut einer Stunde da.
Unterwegs und vom Ziel. Im Hunsrück bist du auf Busse angewiesen, etwa ab Rheinböllen, Simmern und Kirchberg. Von Trier fahren Regionalzüge nach Koblenz, Saarbrücken und Luxemburg, der Flughafen Luxemburg ist der nächste.
- Bahn: bahn.de — Verbindungen nach Bingen, ab Trier, Deutschlandticket und Rheinland-Pfalz-Ticket
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
Alles, was du für den Hunsrücker Jakobsweg brauchst, direkt zu dir nach Hause.
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