Trier – Vézelay auf der Karte

Trier – Vézelay

Der Weg von Trier nach Vézelay führt in 507,8 Kilometern und 22 Etappen von der Apostelgrabkirche St. Matthias über Metz, Toul, Clairvaux und die Weinberge von Chablis auf den Hügel von Vézelay, wo die Via Lemovicensis beginnt.

11. September 202614 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Trier, St. Matthias (Deutschland) → Vézelay (Burgund, Frankreich)
  • Länge: 507,8 km
  • Höhenmeter: 6.115 m im Aufstieg, 5.996 m im Abstieg
  • Höchster Punkt: 404 m auf dem Saargau bei Borg (km 35,1)
  • Etappen: 22
  • Dauer: 3–4 Wochen
  • Schwierigkeit: mittel – sanftes Profil, aber lange Tage und dünne Infrastruktur hinter Vaucouleurs
  • Markierung: blaue Europamuschel auf gelbem Grund bis zur Grenze, gelbe Muschel auf blauem Grund durch Lothringen; ab Chalaines keine durchgehende Jakobsweg-Markierung
  • Beste Zeit: April bis Mitte November

Überblick

Dieser Weg beginnt an einem Apostelgrab und endet an einem Anfang. In Trier liegt Matthias, der einzige Apostel, der nördlich der Alpen begraben ist – seine Reliquien wurden 1127 aufgefunden, und noch heute kommen jedes Jahr rund 180 Fußwallfahrten an seiner Basilika an. In Vézelay beginnt laut dem Codex Calixtinus des 12. Jahrhunderts die Via Lemovicensis, einer der vier großen Wege durch Frankreich: „three saints are to be venerated on the route: Saint Mary Magdalene at Vézelay, Saint Leonard at Noblat, Saint Front at Périgueux.“ Zwischen den beiden Enden liegen 507,8 Kilometer – und ein Weg, der selbst keinen mittelalterlichen Namen trägt. Er ist die moderne Verbindung zweier sehr alter Orte.

Was er dafür hat, ist Dichte. Bei Kilometer 47,6 gehst du durch Schengen, wo 1985 auf einem Moselschiff die Binnengrenzen Europas abgeschafft wurden. Bei 210 stehst du vor dem Tor, durch das Jeanne d'Arc 1429 nach Chinon aufbrach. Bei 326 vor Bernhards Abtei Clairvaux, bei 314 unter de Gaulles 44 Meter hohem Kreuz, bei 354 in Renoirs Dorf, bei 485 vor Höhlenmalereien, die älter sind als jede Kirche am Weg. Und am Dorfbrunnen von Chalaines, nach 209 gemeinsamen Kilometern mit dem Weg nach Le Puy, entscheidest du dich: links nach Süden, rechts nach Vézelay. Ab dort bist du markierungslos unterwegs – und ziemlich allein.

Andere Namen

Einen französischen Wegnamen gibt es für diese Trasse nicht, und das sagen wir lieber gleich. Der lothringische Vereinsweg heißt Chemin Lorrain oder Voie de Lorraine und führt von Apach nach Langres, nicht nach Vézelay; die burgundische Bruderschaft betreut den Chemin des Hongrois und den Chemin des Abbayes nach Vézelay, beide aus ganz anderer Richtung. Was du hier gehst, ist die Vézelay-Variante, die sich in Chalaines vom Chemin des Allemands löst, und die Trasse des Pilgerführers „Jakobsweg Trier – Vézelay“ von Martin Simon und Ingrid Retterath. Auf Französisch begegnet dir am ehesten der Radfernweg V56 „Saint-Jacques à vélo via Vézelay“, der ebenfalls Metz mit Vézelay verbindet – auf eigener Strecke, für Räder. „Trier – Vézelay“ ist der Name, unter dem wir den Weg führen, kein Vereinstitel.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist für dich, wenn du lange Strecke ohne Rummel willst und Geschichte nicht als Kulisse, sondern als Argument magst. Du startest an der einzigen Apostelgrabstätte nördlich der Alpen und kommst drei Wochen später oben in Vézelay an; dazwischen liegen eine Sprachgrenze, drei alte Bistümer, zwei Weinbaugebiete, ein Zisterzienser-Mutterkloster und die stillsten Hochflächen Ostfrankreichs. Wer Übergänge mag, bekommt hier eine ganze Kette davon.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du dich auf Markierungen verlassen willst. Ab Kilometer 209 gibt es keine durchgehende Muschelkette mehr, sondern Führer, GPS und gelegentlich einen GR-Balken. Auch die Pilgerinfrastruktur ist dünn: In Lothringen bekommst du die Adressen der ehrenamtlichen Gastgeber nur über die Tourismusbüros und nur gegen Vorlage der Credencial, weiter westlich buchst du normale Gîtes und Chambres d'hôtes – und in Weilern wie Échenay oder Bouzancourt musst du vorher telefonieren, ob überhaupt jemand ein Bett hat. Wer abends um sechs in eine Herberge fallen will, ist auf dem Camino Francés besser aufgehoben.

Streckenverlauf & Landschaft

Die ersten fünfzig Kilometer sind ein Aufstieg aus dem Moseltal auf den Saargau und wieder hinunter: Konz, Tawern, Merzkirchen, bei Borg der höchste Punkt der ganzen Route mit 404 Metern – mehr wird es auf 507,8 Kilometern nicht. Dann Perl, Schengen und die Grenze, und der Weg wird französisch: Sierck-les-Bains unter seiner Herzogsburg, das leere Hügelland der Trois Frontières, Kédange, Vigy – und Metz, dessen Kathedrale die Franzosen „Lanterne du Bon Dieu“ nennen. Von dort folgt der Weg zwei Tage lang der Mosel südwärts durch Ars, Pagny und Dieulouard bis Toul, wo an Saint-Étienne der zweitgrößte Kreuzgang Frankreichs steht.

Hinter Toul wechselt der Weg ins Maastal nach Vaucouleurs – und dann kommt der Bruch. In Chalaines trennt sich die Trasse vom Weg nach Le Puy und dreht nach Westen: über die dünn besiedelte Ornois-Hochfläche nach Gondrecourt und Joinville, durch die Wälder der Haute-Marne an Colombey-les-Deux-Églises vorbei nach Clairvaux. Ab hier wird es weinig und sanft: die Côte des Bar mit Essoyes und Les Riceys, dann das Burgund mit Tonnerre, Chablis und Auxerre. Die letzten beiden Tage führen an Yonne und Cure entlang durch Kalkfelsen und Grotten, bis Vézelay auf seinem Hügel auftaucht – du siehst die Basilika lange, bevor du oben bist.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

22 Etappen mit durchschnittlich 23,1 Kilometern. Das Profil ist gnädig: 6.115 Höhenmeter auf 507,8 Kilometern sind zwölf Meter pro Kilometer, und nach dem Saargau am zweiten Tag kommt nichts mehr, was den Namen Anstieg verdient. Anstrengend sind nicht die Berge, sondern die Abstände zwischen den Orten – vor allem auf der Ornois-Hochfläche und in der Haute-Marne, wo du mit viel Wald und wenig Einkehr rechnen musst; Échenay und Bouzancourt sind Weiler, dort gibt es ein Quartier nur nach Absprache, sonst teilst du anders. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 507,8 km kalibriert.

  1. Trier → Merzkirchen (26,2 km) – Von St. Matthias durch das Konzer Moseltal hinauf auf den Saargau.
  2. Merzkirchen → Sierck-les-Bains (24,8 km) – Über den höchsten Punkt der Route bei Borg (404 m), dann Perl, Schengen und die Grenze.
  3. Sierck-les-Bains → Kédange-sur-Canner (23,2 km) – Weg vom Fluss, hinein in die stille Hügelwelt des Pays des Trois Frontières.
  4. Kédange-sur-Canner → Vigy (17,7 km) – Kurzer Tag durch Felder und Streuobst.
  5. Vigy → Metz (18,3 km) – Sanfter Anmarsch auf die Kathedrale und die Place Saint-Jacques.
  6. Metz → Pagny-sur-Moselle (23,3 km) – Der Mosel entlang südwärts an den Weinhängen von Ars vorbei.
  7. Pagny-sur-Moselle → Saint-Georges (26,2 km) – Über Norroy, Montauville und Jezainville nach Dieulouard; Quartiere auch in Pont-à-Mousson.
  8. Saint-Georges → Toul (28,7 km) – Längste Etappe: über Liverdun und Villey-Saint-Étienne in die Bischofsstadt.
  9. Toul → Vaucouleurs (21,6 km) – Vom Moseltal ins Maastal, ins Land der Jeanne d'Arc; in Chalaines die Gabelung.
  10. Vaucouleurs → Gondrecourt-le-Château (21,2 km) – Der Weg schwenkt nach Westen, die Markierung bleibt zurück.
  11. Gondrecourt-le-Château → Échenay (23,3 km) – Über die dünn besiedelte Ornois-Hochfläche; Quartier vorher klären.
  12. Échenay → Joinville (15,7 km) – Kurzer Tag ins Marnetal, mit Zeit für die Josefsreliquie in Notre-Dame.
  13. Joinville → Bouzancourt (27,3 km) – Durch Wälder und Weiler der Haute-Marne; Weiler-Etappe, Alternative über Ambonville.
  14. Bouzancourt → Clairvaux (28,8 km) – Vorbei am Croix de Lorraine in Colombey-les-Deux-Églises hinunter in Bernhards Tal.
  15. Clairvaux → Essoyes (27,5 km) – Von der Abtei in die Côte des Bar, über Champignol-lez-Mondeville zu Renoirs Dorf.
  16. Essoyes → Les Riceys (17,5 km) – Kurzer Weintag durch die südlichste Champagne.
  17. Les Riceys → Étourvy (22,2 km) – Über Bagneux-la-Fosse und Bragelogne an die Grenze zum Burgund.
  18. Étourvy → Tonnerre (19,5 km) – Hinunter ins Armançon-Tal zum Hôtel-Dieu und zur Fosse Dionne.
  19. Tonnerre → Chablis (17,3 km) – Über Collan durch die Grand-Cru-Hänge am Serein.
  20. Chablis → Auxerre (24,0 km) – Über Beine und Venoy in die alte Bischofsstadt an der Yonne.
  21. Auxerre → Bessy-sur-Cure (28,5 km) – Yonne und Cure aufwärts durch Cravant und Accolay.
  22. Bessy-sur-Cure → Vézelay (25,0 km) – An den Grotten von Arcy vorbei über Saint-Moré und Asquins hinauf zur Basilika.

Von Bernhards Tal zu Bernhards Kanzel

1115 zog ein 25-Jähriger mit zwölf Mönchen in ein Tal, das die Leute Wermuttal nannten, und nannte es um: Clara Vallis, helles Tal. Bernhard von Clairvaux machte daraus die fruchtbarste Abtei seines Ordens – 83 Tochterklöster, eine Bibliothek von 1.788 Bänden – und sich selbst zur lautesten Stimme Europas. Am 31. März 1146 stand er 181,5 Kilometer weiter westlich auf dem Hügel von Vézelay und predigte den Zweiten Kreuzzug; König Ludwig VII. und Eleonore von Aquitanien nahmen das Kreuz, der Stoff für die Kreuze ging aus, und Bernhard zerriss der Überlieferung nach seine eigene Kutte. An Papst Eugen III. schrieb er danach zufrieden: „Cities and castles are now empty.“ Die letzten sieben Etappen dieses Weges laufen genau diese Strecke – von Bernhards Kloster zu Bernhards Kanzel, in seiner Richtung. Clairvaux selbst hat die längere Geschichte: 1791 aufgehoben, von 1808 bis 2023 Zentralgefängnis, seit der Schließung ein Ort, den man wieder besichtigen darf – nur in Führungen zu festen Zeiten, mit Reservierung.

Dass dieser Weg keine eigene Urkunde hat, heißt nicht, dass ihm die Belege fehlen; sie liegen nur an den Rändern. In Metz heißt der zentrale Platz bis heute Place Saint-Jacques, nach einer Jakobskirche, die 1574 abgerissen wurde; ein Jakobsbrunnen stand dort seit 1498. In Joinville liegt die einzige Josefsreliquie Frankreichs, ein grauer Hanfgürtel, den Jean de Joinville, der Chronist Ludwigs des Heiligen, 1248 aus dem Heiligen Land mitbrachte – auf dem beiliegenden Pergament stand: „Hic est cingulus quo cingebatur Joseph, sponsus Mariae“. Und die Gabelung, die diesen Weg vom Chemin des Allemands trennt, beschreibt die St. Jakobusbruderschaft Trier so nüchtern, wie es nur ein Weg verdient, den man selbst finden muss: „Hier teilt sich in dem kleinen lothringischen Dörfchen Chalaines, einige Kilometer vor Vaucoleurs, am Dorfbrunnen der Weg.“ 209 Kilometer gemeinsam, dann entscheidet ein Brunnen.

Highlights am Weg

  • St. Matthias, Trier (km 0) – die einzige Apostelgrabstätte nördlich der Alpen; Reliquien 1127 aufgefunden, rund 180 Fußwallfahrten im Jahr. In der Stadtbibliothek der Codex Egberti von 977–993, UNESCO-Weltdokumentenerbe.
  • Schengen (km 47,6) – am 14. Juni 1985 an Bord der MS Princesse Marie-Astrid unterzeichnet; das Schiff kam 2021 ins Dorf zurück, das Europäische Museum eröffnete im Juni 2025 neu.
  • Château des ducs de Lorraine, Sierck-les-Bains (km 51,0) – 1067 erstmals urkundlich, Residenz der lothringischen Herzöge, 1673 auf Befehl Louvois' geschleift.
  • Kathedrale Saint-Étienne, Metz (km 110,2) – die „Lanterne du Bon Dieu“ mit Fenstern von Marc Chagall; daneben die Place Saint-Jacques mit ihrer abgerissenen Jakobskirche.
  • Kathedrale Saint-Étienne, Toul (km 188,4) – 1221 bis 1496 gebaut, Querhausfenster 22 Meter hoch, zweitgrößter Kreuzgang Frankreichs.
  • Porte de France, Vaucouleurs (km 210,0) – durch dieses Tor verließ Jeanne d'Arc am 23. Februar 1429 die Stadt Richtung Chinon, nachdem Hauptmann Robert de Baudricourt sie im Jahr zuvor abgewiesen hatte.
  • Notre-Dame, Joinville (km 270,2) – die Ceinture de Saint-Joseph, 1248 von Jean de Joinville mitgebracht, in einem Reliquiar von 1868.
  • Croix de Lorraine, Colombey-les-Deux-Églises (km 314,2) – 44,3 Meter, 950 Tonnen bretonischer Granit, eingeweiht am 18. Juni 1972; das Mémorial daneben eröffneten Sarkozy und Merkel am 11. Oktober 2008.
  • Abtei Clairvaux (km 326,3) – 1115 von Bernhard gegründet, 83 Tochterklöster, von 1808 bis 2023 Gefängnis; Besuch nur mit Führung (Stand: September 2026).
  • Du Côté des Renoir, Essoyes (km 353,8) – Renoirs Haus von 1896, sein Atelier von 1906, sein Grab auf dem Dorffriedhof; Eintritt 12 Euro (Stand: September 2026).
  • Les Riceys (km 371,3) – 866 Hektar Reben, die einzige Gemeinde der Champagne mit drei AOC und drei Kirchen, weil sie einst zu drei Bistümern gehörte.
  • Hôtel-Dieu, Tonnerre (km 413,0) – 1293 von Marguerite de Bourgogne gestiftet, Krankensaal 96 Meter lang, 150 Jahre älter als die Hospices de Beaune; daneben die Fosse Dionne, deren Siphon 360 Meter weit und 61 Meter tief erforscht ist.
  • Chablis (km 430,3) – 4.870 Hektar Chardonnay auf Kimméridgien-Kalk; den Weinbau brachten ab 1118 die Zisterzienser von Pontigny, Bernhards Ordensbrüder.
  • Krypten von Auxerre (km 454,3) – die karolingische Krypta von Saint-Germain mit Pilgerumgang und in der Kathedrale der „Christ à cheval“, ein reitender Christus, einzigartig in Europa.
  • Grande Grotte, Arcy-sur-Cure (km 485,5) – 1990 entdeckte Wandmalereien, nach neuer Kalibrierung rund 33.000 Jahre alt.
  • Basilika Sainte-Marie-Madeleine, Vézelay (km 507,8) – UNESCO-Welterbe, Magdalenenreliquien seit 882, Kreuzzugspredigt 1146, Aufbruch von Richard Löwenherz und Philipp II. 1190; Ausgangspunkt der Via Lemovicensis.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Trier ist einer der großen Knoten des deutschen Jakobswegnetzes, und fast niemand kommt hier ohne Vorgeschichte an. Aus dem Norden läuft die Via Coloniensis von Köln heran (241,8 km), aus dem Osten der Hunsrücker Jakobsweg (126 km ab Bingen, wo der Jakobsweg Fulda – Bingen anschließt), und moselaufwärts folgt der Mosel-Camino von Koblenz (157,1 km). Alle drei enden an St. Matthias – dort, wo dieser Weg beginnt.

Einer teilt sich dort nur: Bis Chalaines vor Vaucouleurs, 209 Kilometer weit, bist du auf derselben Trasse unterwegs wie der Trier – Le Puy, der Chemin des Allemands. Am Dorfbrunnen entscheidest du: nach Süden über Domrémy nach Le Puy und weiter auf die Via Podiensis – oder nach Westen nach Vézelay.

Weiterpilgern?

In Vézelay endet dieser Weg nicht, er übergibt. Vor der Basilika beginnt die Via Lemovicensis, die Voie de Vézelay: 918,0 Kilometer bis Saint-Jean-Pied-de-Port über den Nordast via Bourges. Wer lieber über Nevers geht, nimmt die Via Lemovicensis Southern Variant (281,9 km bis Gargilesse-Dampierre, wo sich beide Äste wieder treffen). Ab Saint-Jean-Pied-de-Port bringt dich der Camino Francés nach Santiago – von Trier aus sind das zusammen rund 2.200 Kilometer.

In Vézelay kommt außerdem der Gy – Vézelay (212,2 km) aus Richtung Franche-Comté und Schweiz an. Wenn du oben am Hügel Pilgern begegnest, die aus der anderen Richtung kommen: Das sind sie.

Vorbereitung & Praktisches

Die wichtigste Vorbereitung ist die Orientierung. Bis zur Grenze führt dich die blaue Europamuschel auf gelbem Grund, durch Lothringen die gelbe Muschel auf blauem Grund – aber die lothringische Markierung zielt auf Langres, nicht auf Vézelay. Ab Chalaines gehst du 299 Kilometer ohne eigene Beschilderung. Nimm den Pilgerführer von Martin Simon und Ingrid Retterath (3. Auflage 2021, mit GPS-Tracks) und lade dir die Route vorher aufs Handy; am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Auf französischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial) – hier aus einem sehr praktischen Grund: Die lothringischen Jakobusfreunde geben die Adressen ihrer ehrenamtlichen Gastgeber, der accueils jacquaires, nur über die Tourismusbüros und nur gegen Vorlage der Credencial heraus; zentrale Anlaufstelle ist die Maison du Tourisme in Toul. Die St. Jakobusbruderschaft Trier stellt den Ausweis aus, persönlich in der Dom-Information oder per Post. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist.

Geh zwischen April und Mitte November und reserviere voraus, wo du kannst – in der Haute-Marne und im Ornois liegen die Dörfer weit auseinander, und wer abends ohne Zusage ankommt, hat ein Problem. Für Clairvaux planst du extra: Die Abtei kann man nur in Führungen zu festen Zeiten besuchen, und die musst du vorher reservieren. Am Ziel nimmt dich das Centre d'accueil Sainte-Madeleine der Fraternités de Jérusalem auf, ganzjährig, ausdrücklich für Pilger.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 45 bis 70 Euro am Tag, je nachdem, wie viel du selbst kochst. Eine Pilgerherberge im spanischen Sinn gibt es auf dieser Route nicht durchgehend: In Lothringen zahlst du bei den ehrenamtlichen Gastgebern meist nur eine Spende, im Rest der Strecke buchst du Gîtes d'étape und Chambres d'hôtes zu normalen französischen Preisen. Am Ziel hat das Centre d'accueil Sainte-Madeleine in Vézelay 39 Einzelzimmer und 18 Bettplätze im Schlafsaal – Selbstversorgung möglich, Mahlzeiten auf Vorbestellung (Stand: September 2026).

Dazu kommen die festen Posten: der Pilgerführer 16,90 Euro, der lothringische Vereinsführer mit Unterkunftsliste 10 Euro (plus 6 Euro Porto ins Ausland), die Credencial 5 Euro Spende zuzüglich Porto. Und die Eintritte, wenn du sie mitnimmst: Abtei Clairvaux 9,50 Euro (Kombiführung 14 Euro, nur nach Reservierung), Du Côté des Renoir in Essoyes 12 Euro; die Grotten von Arcy-sur-Cure und der Hôtel-Dieu in Tonnerre verlangen ebenfalls Eintritt (alle Preise Stand: September 2026).

Anreise

Trier Hauptbahnhof erreichst du mit der Deutschen Bahn aus Koblenz, Köln, Saarbrücken und Luxemburg; von dort sind es zu Fuß knapp drei Kilometer bis St. Matthias. Wer unterwegs ein- oder aussteigen will, hat auf den ersten 200 Kilometern gute Karten: Perl, Sierck-les-Bains, Metz, Pagny-sur-Moselle, Pont-à-Mousson und Toul liegen alle an der Bahn. Zwischen Toul und Tonnerre wird es dünn – das ist der Abschnitt, den du am Stück planen solltest.

Am Ziel liegt der nächste Bahnhof Sermizelles-Vézelay unten im Tal an der TER-Linie Richtung Auxerre und Avallon. Er ist unbesetzt, es gibt nur einen Automaten; Auskunft und Buchung laufen über Mobigo. Nach Vézelay hinauf sind es Bus, Taxi oder rund eine Stunde zu Fuß.

  • Trier Hbf: Deutsche Bahn; stündliche Regionalbahnen Trier–Perl (RB 82) entlang der Obermosel
  • Grenzverkehr Trier–Metz: derzeit nur zwei Zugpaare samstags, sonntags und feiertags (RE 16); die durchgehende Verbindung ist auf frühestens 2027 verschoben (Stand: September 2026)
  • Metz, Pagny-sur-Moselle, Pont-à-Mousson, Toul: TER Grand Est
  • Tonnerre, Auxerre, Sermizelles-Vézelay: TER Bourgogne-Franche-Comté; Auskunft Mobigo +33 3 80 11 29 29

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