Jakobsweg Graz
136,0 Kilometer von der Jakobskirche in Thal bei Graz durch die UNESCO-Altstadt, das südoststeirische Hügelland und über die Mur nach Maribor und Malečnik. Der steirische Teil des Südösterreichischen Jakobswegs: sechs Etappen, höchster Punkt 528 Meter, kaum markiert — dafür eine Jakobskirche von 1152, ein Grenzübertritt, eine schwimmende Mühle und am Ziel eine Rebe, die über 400 Jahre alt ist und deren Ableger in Graz wächst.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Zwei Kirchen, eine Rebe und eine Urkunde in der falschen Stadt
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Thal bei Graz (Jakobskirche Kirchberg) / Malečnik bei Maribor (Slowenien)
- Länge: 136,0 km
- Dauer: 6–7 Tage
- Höhenmeter: ↗ 2.039 m / ↘ 2.196 m
- Höchster Punkt: 528 m im südoststeirischen Hügelland
- Etappen: 6 (Camino-Ninja-Systematik; Steiermark Tourismus teilt denselben Verlauf in 4 sehr lange Etappen)
- Richtung: West → Südost, von der Jakobskirche Thal durch Graz und die Mur hinunter nach Slowenien
- Länder: Österreich (Steiermark) und Slowenien
- Träger: keine durchgehende Trägerschaft; Wegbeschreibung nach Peter Lindenthal, steirischer Teil auch als „Grazer Jakobsweg" vermarktet
- Markierung: lückenhaft in der Steiermark, praktisch keine in Slowenien — GPS-Track Pflicht
- Anschluss Westen: Jakobsweg Weststeiermark beginnt an derselben Kirche in Thal
- Anschluss Süden: Camino Slovenia (Maribor) an der Drau nach Dravograd (in Arbeit), dort Jakobsweg Kärnten
- Beste Zeit: April bis Oktober, am schönsten Mai, Juni und September
Überblick
Der Jakobsweg Graz ist ein Weg, der in der Stadt beginnt, die ihm den Namen gibt, und nichts von Jakobus in ihr findet. 136,0 Kilometer von der Jakobskirche in Thal am westlichen Stadtrand durch die Grazer Altstadt, dann die Mur hinunter, durch das südoststeirische Hügelland und das Schwarzautal nach Mureck, über die Brücke nach Slowenien, durch die Weinhügel der Slovenske gorice nach Maribor und hinauf zur Wallfahrtskirche von Malečnik. Sechs Tage, höchster Punkt 528 Meter, zwei UNESCO-Welterbestätten in den ersten fünfzehn Kilometern und eine Staatsgrenze, die erst 1919 gezogen wurde und an der seit Dezember 2007 niemand mehr steht.
Er ist der steirische Abschnitt des Südösterreichischen Jakobswegs, den Peter Lindenthal aus Kirchenpatrozinien und alten Straßen rekonstruiert hat, und er ist ehrlich gesagt der am wenigsten erschlossene Jakobsweg Österreichs: einige Muscheln in der Steiermark, keine in Slowenien, keine Herbergen, Stempel nur, wenn im Pfarrhof jemand da ist. Was er dafür bietet, sind Kirchen mit Datum — St. Jakob in Enzelsdorf von 1152 mit einem Römerstein aus dem Jahr 100 in der Mauer, der Dom mit dem Landplagenbild von 1485, die Wallfahrtskirche über Malečnik, deren Gründungsurkunde von 1493 im Landesarchiv Graz liegt — und am Ziel die Stara trta, die älteste ertragtragende Weinrebe der Welt. Ein Ableger von ihr wächst in Graz. Start und Ziel dieses Weges sind botanisch verwandt.
Andere Namen
Dieser Weg hat drei Namen, und alle drei stimmen. Südösterreichischer Jakobsweg heißt er in der Fachliteratur — so nennt ihn Peter Lindenthal, auf dessen Forschung der ganze Verlauf von Graz über Slowenien, Kärnten und Osttirol bis Innsbruck zurückgeht; die Steiermark ist sein erstes Kapitel. Grazer Jakobsweg heißt er bei Steiermark Tourismus, der ihn als 132-Kilometer-Weg in vier Etappen von Thal nach Maribor führt. Und bei uns heißt er Jakobsweg Graz, weil die Landeshauptstadt die Klammer ist: Du beginnst an ihrem westlichen Rand, gehst mitten hindurch und dann die Mur hinunter bis zur Grenze.
Auf Slowenisch heißt der Jakobsweg Jakobova pot — das offizielle slowenische Netz mit seinen Ästen läuft allerdings weiter südlich über Ptuj und kennt in Maribor keinen Jakobsweg; was dort ankommt, ist die Marijina romarska pot, die Marien-Pilgerroute. Und nicht verwechseln: Der Jakobsweg Weststeiermark beginnt an derselben Jakobskirche in Thal — und geht dann in die andere Richtung, über die Koralpe nach Kärnten.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal ist dieser Weg, wenn du eine Woche Zeit hast, gern selbst navigierst und Lust auf eine Route hast, die dich in sechs Tagen von einem UNESCO-Welterbe über eine Staatsgrenze in ein Weinland bringt. Du gehst durch die Grazer Altstadt und durch Dörfer, in denen du der einzige Pilger des Monats bist; du bekommst Stadt, Auwald, Hügelland, Weinberge und wieder Stadt auf 136 Kilometern, dazu Buschenschänken mit Brettljause und einem Viertel Wein für unter 20 €. Wer nach der langen Kette aus dem Westen kommt, findet hier den entspannten Ausklang; wer die Kette Richtung Innsbruck gehen will, findet hier den Anfang.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du eine markierte Autobahn erwartest. Die Beschilderung ist in der Steiermark lückenhaft und in Slowenien so gut wie nicht vorhanden — ohne GPS-Track oder Führer stehst du regelmäßig an Abzweigungen und rätst. Pilgerherbergen gibt es keine, Stempel bekommst du nur, wenn zufällig jemand im Pfarrhof ist, Pilgergesellschaft praktisch nie. Und der Asphaltanteil ist hoch: Zwischen Graz und Fernitz gehst du weitgehend auf Rad- und Uferwegen an der Mur, und viele Verbindungen zwischen den Weilern des Hügellands sind befestigt. Wer die Camino-Francés-Erfahrung sucht — Herbergsbetten, Pilgermenü, abendliches Wiedersehen mit denselben Gesichtern — findet sie hier nicht.
Streckenverlauf & Landschaft
Der Weg beginnt am Thalersee westlich von Graz und dreht sofort ostwärts in die Stadt: vorbei an Schloss Eggenberg, seit 2010 Teil des UNESCO-Welterbes, über die Mur in die seit 1999 geschützte Altstadt, am Dom und am Fuß des Schlossbergs entlang und dann durch Jakomini hinaus nach Süden. Ab dort ist die Mur dein Leitfaden. Über Thondorf, Gössendorf und Fernitz führt der Weg durch das flache Murtal, verlässt es aber bald nach Osten in das südoststeirische Hügelland: Kulmberg, Siebing, Frannach, Glatzau — Weiler mit Kirchtürmen auf Kuppen, dazwischen Streuobst, Mais und Wald. Höher als 528 Meter kommst du nirgends, tiefer als 231 auch nicht.
Im Schwarzautal wird es weicher, dann geht es über St. Nikolai ob Draßling zurück an den Fluss. Bei Mureck überquerst du die Mur — und damit die Staatsgrenze. Auf slowenischer Seite steigt der Weg in die Slovenske gorice, ein Rebenhügelland aus lauter kleinen Kämmen und Gräben: Zgornja Velka, Vranji Vrh, Jareninski Dol, Gačnik. Hier sammeln sich die Höhenmeter, nie steil, aber unaufhörlich. Über Pernica erreichst du Maribor, gehst durch Lent an der Drau und steigst zum Schluss noch einmal hinauf nach Malečnik, wo die Wallfahrtskirche na Gorci über dem Tal steht.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir teilen die 136,0 Kilometer in sechs Etappen zwischen 18,5 und 27,0 Kilometern — eine Camino-Ninja-Systematik, kalibriert auf die exakte Länge unserer Route. Steiermark Tourismus schlägt für denselben Verlauf nur vier Etappen vor, davon eine mit 43,2 Kilometern; das ist sportlich gemeint, aber kein Vergnügen. Technisch ist nichts an diesem Weg schwierig: keine Passage über 528 Meter, kein ausgesetztes Gelände, gute Wege. Fordernd ist er anders — durch das ständige Auf und Ab der Slovenske gorice, durch den hohen Asphaltanteil und dadurch, dass du jede Abzweigung selbst finden musst.
- Thal (Jakobskirche) – Eggenberg – Graz-Jakomini (18,5 km) — Thalersee, Schloss Eggenberg, Mariahilf, Hauptplatz, Dom; der Stadttag.
- Graz-Jakomini – Gössendorf – Fernitz – Siebing (24,0 km) — Murufer, St. Jakob in Enzelsdorf, dann hinauf ins Hügelland.
- Siebing – Frannach – Glatzau – Wolfsberg im Schwarzautal (22,5 km) — Weiler auf Kuppen, Streuobst, Schwarzautal.
- Wolfsberg im Schwarzautal – St. Nikolai ob Draßling – Mureck (27,0 km) — die längste Etappe, Römerstein in der Kirchenwand, zurück an die Mur.
- Mureck – Zgornja Velka – Jareninski Dol (24,0 km) — Murbrücke, Grenzübertritt, hinein in die Slovenske gorice.
- Jareninski Dol – Pernica – Maribor – Malečnik (20,0 km) — Weinhügel, Lent an der Drau, Stara trta, Schlussanstieg zur Wallfahrtskirche.
Schwierigkeit: technisch gering, konditionell leicht bis mittel, navigatorisch anspruchsvoll. Die Steiermark markiert mit einzelnen Jakobsmuscheln, gelben Punkten und Strichen — nichts Durchgehendes —, Slowenien praktisch gar nicht. Bahnhöfe gibt es nur an den Enden: Graz und Maribor liegen an der Südbahn, dazwischen bist du auf Busse angewiesen. Wer abkürzen will, tut das am ehesten in Mureck, das mit dem Bus an Spielfeld-Straß und damit an die Bahn angebunden ist.
Zwei Kirchen, eine Rebe und eine Urkunde in der falschen Stadt
Der Grazer Dom ist dem heiligen Ägydius geweiht. In seiner Heiligenreihe kommt Jakobus nicht vor, auf seinen sieben Glocken auch nicht, und eine mittelalterliche Jakobskirche oder eine Grazer Jakobsbruderschaft hat die Recherche nirgends gefunden — ebenso wenig wie einen namentlich belegten Santiago-Pilger aus der Stadt. Der Jakobsweg Graz ist deshalb keine belegte mittelalterliche Pilgertrasse, sondern eine Rekonstruktion entlang alter Kirchenstandorte, und die Jakobus-Substanz liegt nicht in der Landeshauptstadt, sondern an ihren Rändern. Im Westen ist das Thal: 1322 erstmals als Pfarre erwähnt, seit 1994 die regenbogenfarbene Kirche des Ernst Fuchs, in der die Jakobsmuschel in mehreren Formen wiederkehrt. Im Süden ist es St. Jakob in Enzelsdorf bei Fernitz: 1152 erstmals urkundlich, damit einer der ältesten Kirchenbauten der Steiermark, mit einem römischen Inschriftenstein aus dem Jahr 100 in der Mauer und Jakobus auf dem Hochaltarbild. Zwei Kirchen, 20 Kilometer auseinander, und dazwischen eine Stadt, die dem Apostel keinen Altar gebaut hat. Sie hat dafür etwas anderes an die Domwand gemalt: Das Landplagenbild von 1485 zeigt Türken, Pest und Heuschrecken über der ältesten erhaltenen Ansicht von Graz, und die Inschrift lässt Gott selbst sprechen: „Darumb das du mich hast ungeert. So stirbt aus die ain teil des swert. Der andere der pestilenz stirbt, der drit tail des hungers verdirbt."
Dass dieser Weg trotzdem eine Klammer hat, merkst du erst am Ziel. Die Wallfahrtskirche na Gorci über Malečnik trägt an einem Strebepfeiler die Jahreszahl 1517; ihre erste urkundliche Erwähnung ist ein Pergament vom 12. Juli 1493 — und das liegt heute im Steiermärkischen Landesarchiv in Graz. Der Weg endet bei einer Kirche, deren Gründungsurkunde in seiner Startstadt aufbewahrt wird. Am 2. Juni 2023 hat Papst Franziskus dieses Heiligtum geistlich mit Santa Maria Maggiore in Rom verbunden. In der Mitte des Weges, in Wolfsberg im Schwarzautal, steht seit 2012 eine Orgel mit 20 Registern aus der Diözesan-Orgelwerkstatt Maribor — das Ziel hat der steirischen Etappenkirche ihr Instrument geliefert. Und in Lent an der Drau wächst die Stara trta, über 400 Jahre alt, Sorte Žametovka, laut Guinness-Buch die älteste ertragtragende Weinrebe der Welt; Ableger von ihr stehen in Ptuj, in Grad und in Graz. Jakobus hat diese beiden Städte nicht verbunden. Ein Pergament, eine Orgel und eine Rebe haben es getan.
Highlights am Weg
- Jakobskirche Thal — 1322 erstmals urkundlich, 1992 bis 1994 von Ernst Fuchs zum Gesamtkunstwerk umgebaut: Regenbogen-Dachstuhl, Kristallglasaltar, Jakobsmuscheln überall; der Startpunkt von zwei steirischen Jakobswegen.
- Arnold Schwarzenegger Museum, Thal — im Geburtshaus am Thalersee, wenige Gehminuten von der Jakobskirche.
- Schloss Eggenberg — seit 2010 UNESCO-Welterbe, ein Kalender aus Stein mit 365 Außenfenstern und 24 Prunkräumen.
- Grazer Altstadt — seit 1999 UNESCO-Welterbe; im Dom das Landplagenbild von 1485 mit der ältesten erhaltenen Ansicht der Stadt.
- Mariahilferkirche, Graz — 1607 bis 1611 nach Plänen von Giovanni Pietro de Pomis, der das Gnadenbild 1611 selbst malte und signierte.
- St. Jakob in Enzelsdorf (Fernitz-Mellach) — 1152 urkundlich, einer der ältesten Kirchenbauten der Steiermark, Römerstein aus dem Jahr 100 in der Mauer.
- Pfarrkirche Wolfsberg im Schwarzautal — 1269 genannt, barock umgebaut von Johann Georg Stengg; Orgel von 2012 aus der Diözesan-Orgelwerkstatt Maribor.
- St. Nikolai ob Draßling — 1419 genannt, romanische Baureste; in der Südwand ein Römerstein mit einem Mithras-Kopf zwischen zwei Löwen.
- Murecker Schiffsmühle — 1997 nach Originalvorgaben gebaut, die einzige schwimmende und funktionierende Mühle Mitteleuropas in traditioneller Bauweise.
- Grenzübertritt an der Mur — eine Grenze, die 1919 gezogen wurde, bis 1991 jugoslawisch war und seit dem 21. Dezember 2007 keine Kontrollen mehr kennt.
- Spodnji Jakobski Dol — das „Untere Jakobstal" nördlich von Pernica mit einer gotischen Jakobskirche aus dem 14. Jahrhundert, 1635 umgebaut; die einzige Jakobskirche des slowenischen Wegteils, ein kurzer Abstecher.
- Maribor, Lent und Stara trta — die Altstadt an der Drau, 2012 Europäische Kulturhauptstadt, und die älteste ertragtragende Weinrebe der Welt.
- Wallfahrtskirche na Gorci, Malečnik — Pergament von 1493, Bau 1517, seit 2. Juni 2023 mit Santa Maria Maggiore in Rom verbunden.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der übliche Weg hierher ist der Zug nach Graz Hauptbahnhof und von dort der Bus nach Thal: Linie 40 oder 65 nach Gösting, dort umsteigen in die Linie 48 Richtung Thal-Kirchberg, zusammen rund eine halbe Stunde, und du stehst vor der Jakobskirche. Wer will, geht die knapp acht Kilometer vom Hauptbahnhof auch zu Fuß hinaus — dann läuft man den ersten Tag allerdings zweimal, weil der Weg von Thal wieder in die Stadt zurückführt.
Für Pilger, die schon unterwegs sind, ist Thal eine Weiche. Der Jakobsweg Weststeiermark beginnt an genau derselben Kirche und zieht nach Westen über die Koralpe nach Lavamünd — die beiden Wege teilen sich den Startpunkt und trennen sich nach hundert Metern. Aus der Obersteiermark führt außerdem der zweitägige Anschlussweg des Vereins zur Förderung der steirischen Jakobswege von Seckau nach Geistthal heran — von dort erreichst du Thal über die ersten Etappen des Weststeiermark-Wegs in Gegenrichtung. Und umgekehrt lässt sich dieser Weg als Anfang denken: Er ist das erste Kapitel des Südösterreichischen Jakobswegs, und wer den ganzen Bogen bis Innsbruck gehen will, beginnt an der Kirche in Thal.
Weiterpilgern?
In Malečnik ist Schluss — aber nur für diesen Abschnitt. Ab Maribor führt der Abschnitt, den wir als Camino Slovenia (Maribor) führen, die Drau aufwärts über Ruše und Lovrenc na Pohorju Richtung Dravograd; er ist noch in Arbeit und noch nicht durchgehend beschrieben. In Dravograd übernimmt der Jakobsweg Kärnten und folgt der Drau 260 Kilometer weit bis Lienz, dann geht es auf dem Jakobsweg Osttirol und dem Jakobsweg Südtirol oder dem Jakobsweg Brenner weiter nach Westen — bis der Südösterreichische in Innsbruck in den Jakobsweg Österreich mündet und der wiederum in das europäische Netz nach Santiago.
Ehrlich gesagt: Der slowenische Abschnitt ab Maribor ist der am wenigsten erschlossene Teil der ganzen Kette. Das offizielle slowenische Jakobsweg-Netz hat in Maribor keinen Ast — nur die Marijina romarska pot, die Marien-Pilgerroute, endet hier. Wer weitergeht, plant selbst; wer die Schleife nicht will, nimmt ab Thal den Jakobsweg Weststeiermark, der in Lavamünd auf denselben Kärntner Weg trifft.
Vorbereitung & Praktisches
Die Saison läuft von April bis Oktober. Im Hochsommer wird das südoststeirische Hügelland heiß und schattenarm — Mai, Juni und September sind die besseren Monate, im September kommt die Weinlese dazu. Winterbegehungen sind möglich, aber dann sind viele Buschenschänken geschlossen, und in den dünn besiedelten Abschnitten zwischen Frannach und St. Nikolai ob Draßling wird es mit der Unterkunft eng.
Das Wichtigste zuerst: Nimm einen GPS-Track mit. Die Markierung ist in der Steiermark lückenhaft — einige Jakobsmuscheln, gelbe Punkte, Striche mit Richtungspfeil, aber nichts Durchgehendes — und im slowenischen Teil praktisch nicht vorhanden. Ohne Track oder Führer verlierst du jeden Tag Zeit. Übernachtet wird in Gasthöfen, Privatzimmern, Pensionen und — die regionale Spezialität — in Buschenschänken mit Gästezimmern; Pilgerherbergen im spanischen Sinn gibt es weder in der Steiermark noch in Slowenien, und im Hügelland ist Vorausbuchen Pflicht, nicht Empfehlung. Am einfachsten planst du das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Einen Pilgerausweis (Credencial) brauchst du auf diesem Weg nicht, um irgendwo hineinzukommen — es gibt schlicht keine Herbergen, die ihn verlangen. Wenn du die Kette bis Santiago weitergehen willst, besorg ihn dir trotzdem vorab: Stempel bekommst du in Pfarrhöfen und Gemeindeämtern, wenn du zu Bürozeiten vorbeikommst — Glückssache, aber jeder Stempel aus dieser Region ist später eine Geschichte wert. Reisepass oder Personalausweis gehören ins Gepäck: Der Grenzübertritt bei Mureck ist seit dem 21. Dezember 2007 kontrollfrei, aber 2015 und ab 2020 gab es zeitweise wieder Kontrollen.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 60 bis 90 € pro Tag — dieser Weg ist deutlich teurer als ein spanischer Camino, weil das Herbergsnetz fehlt. Ein Doppelzimmer mit Frühstück in Gasthof oder Buschenschank liegt bei 60 bis 100 €, ein Einzelzimmer bei 45 bis 70 €; in Graz und Maribor zahlst du Stadtpreise ab etwa 60 € und nach oben offen (Stand: September 2026). Dafür ist das Essen ein Argument: In den steirischen Buschenschänken bekommst du eine Brettljause und ein Viertel Wein für unter 20 €, und der Wein kostet dort, wo er wächst, deutlich weniger als in der Stadt. In Slowenien liegen die Preise etwas unter den österreichischen, gezahlt wird beiderseits in Euro.
Die Fixkosten sind klein: Die Rückfahrt von Maribor nach Graz kostet je nach Anbieter und Vorausbuchung etwa 5 bis 19 € (Stand: September 2026), die Kirchen kosten nichts, und die Stara trta schaut man sich von außen an. Zwei Sparhebel: Privatzimmer statt Hotels, und in Graz und Maribor jeweils nur eine Nacht.
Anreise
Zum Start (Thal): Graz Hauptbahnhof ist von überall gut erreichbar — Railjet aus Wien in rund 2:35 Stunden, aus Salzburg und München über Selzthal, seit Dezember 2025 aus Klagenfurt in 41 Minuten über die Koralmbahn, dazu der Flughafen Graz mit S-Bahn-Anschluss in die Stadt. Vom Hauptbahnhof fährst du mit Bus 40 oder 65 nach Gösting und weiter mit Bus 48 bis Thal-Kirchberg zur Jakobskirche.
Vom Ziel (Malečnik): Malečnik liegt im Stadtgebiet von Maribor, ein Stadtbus bringt dich zum Bahnhof. Von dort fahren direkte Züge über Spielfeld-Straß nach Graz Hauptbahnhof — Fahrzeit etwa 1:45 bis 2:00 Stunden, auf der alten Südbahnstrecke von 1838.
- Bahn Österreich: oebb.at — Wien/Salzburg/Klagenfurt – Graz Hbf; Maribor – Spielfeld-Straß – Graz
- Bahn Slowenien: potniski.sz.si — Slovenske železnice, Maribor – Graz
- Bus Steiermark: verbundlinie.at — Graz Hbf – Gösting – Thal-Kirchberg (Linien 40 oder 65 und 48); Mureck – Spielfeld-Straß
- Bahnhöfe am Weg: nur Graz und Maribor — dazwischen Busse
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