Jakobsweg Südtirol auf der Karte

Jakobsweg Südtirol

295,4 Kilometer quer durch Südtirol, von der österreichischen Grenze bei Winnebach bis zum karolingischen Kloster St. Johann in Müstair: durchs Pustertal nach Kloster Neustift, das Eisacktal hinab, über die Rittner Hochfläche nach Bozen, über Eppan und Tisens nach Algund und den ganzen Vinschgau hinauf. 7.821 Höhenmeter Aufstieg, fünf Klöster, romanische Fresken aus einer einzigen Werkstatt — und ein Bischof, der 1142 am Anfang und in der Mitte dieses Wegs baute.

6. September 202614 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Staatsgrenze bei Winnebach/Prato alla Drava (Innichen, Südtirol) / Kloster St. Johann in Müstair (Graubünden, Schweiz)
  • Länge: 295,4 km
  • Dauer: 12–14 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 7.821 m / ↘ 7.675 m
  • Höchster Punkt: rund 1.500 m (Rittner Hochfläche bzw. Kloster Marienberg, 1.340 m)
  • Etappen: 13 (kalibriert auf die Gesamtlänge)
  • Länder: Italien (Südtirol) und Schweiz (Val Müstair), Grenze bei Taufers/Müstair
  • Träger: Pilgergemeinschaft Südtirol (Südtiroler Jakobsweg), Markierung mit Jakobs-Symbol auf Tontafeln und Wegweisern
  • Pilgerausweis: Jakobsgemeinschaft Tirol (Innsbruck) oder Confraternita di San Jacopo (Bozen)
  • Anschluss Osten: Jakobsweg Osttirol (endet an der Grenze bei Winnebach)
  • Abzweig Norden: Jakobsweg Brenner ab Kloster Neustift nach Innsbruck
  • Anschluss Westen: Jakobsweg Graubünden ab Müstair
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober

Überblick

Der Jakobsweg Südtirol ist die lange Ost-West-Achse durch das Land: 295,4 Kilometer von der Staatsgrenze bei Winnebach — dort, wo der Jakobsweg Osttirol ihn übergibt — bis zum Kloster Müstair auf der Schweizer Seite des Münstertals. Zuerst das Pustertal hinunter nach Bruneck und zum Kloster Neustift, dann das Eisacktal hinab nach Klausen, hinauf über Barbian auf die Rittner Hochfläche und steil nach Bozen, über die Weinhügel von Eppan und das Tisner Mittelgebirge nach Algund bei Meran — und dann den ganzen Vinschgau hinauf, an Waalen entlang, bis zur weißen Abtei Marienberg und über die Calven nach Müstair. 7.821 Höhenmeter Aufstieg sagen dir, dass dieser Weg das Tal meidet, wo er kann.

Er ist kein Weg der großen Legenden, sondern der belegten Steine. 769 gründet Herzog Tassilo in Innichen ein Kloster gegen die Slawen, 775 werden für Müstair die ersten Bauhölzer geschlagen, 1142 gründet Bischof Hartmann in Neustift ein Stift mit Pilgerspital und weiht im selben Jahr die Jakobskirche von Grissian, hundert Kilometer weiter westlich. Und um 1200 malt eine einzige Werkstatt die Fresken in Marienberg, Grissian und Söles — drei Kirchen, alle an dieser Strecke. Du gehst hier nicht auf einer erfundenen Pilgerroute. Du gehst die Route einer Malerwerkstatt ab.

Andere Namen

Offiziell heißt der Weg Südtiroler Jakobsweg, auf Italienisch Cammino di San Giacomo in Alto Adige. Er beginnt an der Staatsgrenze bei Winnebach und endet im Kloster St. Johann in Müstair; unterwegs, bei Kloster Neustift, zweigt sein Nordast über Sterzing zum Brenner ab, den wir bei Camino Ninja als Jakobsweg Brenner führen. Peter Lindenthal, dessen Führer der Standard für die Region ist, teilt den Weg in seinem Buchtitel in drei Stücke: „Innichen – Brixen – Brenner", „Brixen – Bozen – Salurn" und „Bozen – Meran – Glurns – Müstair" — der Salurner Ast nach Süden ist eine Variante, die wir hier nicht abbilden.

Jeder Ort hat zwei Namen, und beide stehen auf den Schildern: San Candido, Brunico, Novacella, Bressanone, Chiusa, Bolzano, Appiano, Tesimo, Lagundo, Silandro, Glorenza, Malles. Im Vinschgau kommt Rätoromanisch hinzu, sobald du die Grenze querst: Müstair heißt auf Deutsch Münster, das Tal Val Müstair.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du Kulturgeschichte in Bauwerken lesen willst und zwei Wochen Zeit hast. Kaum ein Alpenweg packt so viel Substanz auf seine Kilometer: die bedeutendste romanische Kirche der Ostalpen am ersten Tag, ein Augustinerstift von 1142 am vierten, ein Bischofsberg aus dem 6. Jahrhundert am fünften, romanische Fresken um 1200 in der Mitte, Europas höchstgelegene Benediktinerabtei kurz vor Schluss und ein UNESCO-Welterbe mit karolingischen Malereien am Ziel. Dazu ein Bahn- und Busnetz, das jede Etappe teilbar macht — die Pustertalbahn, die Brennerbahn und die Vinschgerbahn laufen fast durchgehend neben dir her.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du eine Herbergskette erwartest: Der Wegbetreiber schreibt selbst, dass es entlang des Südtiroler Jakobswegs keine Pilgerherbergen gibt. Du schläfst in Gasthöfen, Pensionen und Klostergästehäusern und zahlst Südtiroler Preise. Nichts für dich ist er auch, wenn du Asphalt hasst — im Pustertal und im Etschtal folgt der Weg über weite Strecken Radwegen zwischen Apfelplantagen, und das ist Kulturlandschaft im Wortsinn, aber eben auch Monokultur mit Hartbelag. Und die Markierung ist gut gemeint, aber nicht lückenlos; wer sich allein auf Wegweiser verlässt, steht irgendwann zwischen zwei Apfelreihen und rät. Solche Passagen plant man vorher ein, nicht unterwegs.

Streckenverlauf & Landschaft

Du startest an der Grenze bei Winnebach auf rund 1.130 Metern und bist nach fünf Kilometern in Innichen, dessen Stiftskirche als bedeutendster romanischer Sakralbau der Ostalpen gilt. Dann folgst du dem Pustertal westwärts — vorbei am Toblacher Feld, wo Drau und Rienz in entgegengesetzte Meere abfließen, über Welsberg und Olang nach Bruneck, weiter über Kiens und Vintl nach Mühlbach und hinauf nach Schabs, bis das Tal sich zum Eisacktal öffnet und das Kloster Neustift vor dir liegt. Hier trennen sich die Äste: nach Norden der Brenner, nach Westen dieser Weg. Du gehst durch Brixen mit Dom und Kreuzgang, über die Sonnenhänge von Feldthurns hinunter nach Klausen, unter dem Klosterfelsen von Säben.

Ab Klausen wird der Weg zum Höhenweg. Über Villanders, Dreikirchen und Barbian steigst du auf die Rittner Hochfläche, gehst über Lengstein, Unterinn und Oberbozen und fällst über den Virgl steil nach Bozen ab, wo Eisack und Etsch zusammenkommen. Über Frangart, Girlan und St. Pauls in Eppan wechselst du auf die westliche Talseite, gehst über Andrian und Sirmian hinauf nach Grissian und Tisens, hinunter nach Lana und über Marling nach Algund bei Meran. Dann öffnet sich der Vinschgau: ein trockenes Tal zwischen Texelgruppe und Ortler, das seine Felder seit Jahrhunderten über die Waale bewässert — schmale Kanäle mit Begleitpfaden, auf denen du schattig und fast eben gehst. Über Naturns, Kastelbell, Schlanders, Laas und Prad erreichst du Glurns, die kleinste Stadt Südtirols, und steigst hinauf zu Marienberg auf 1.340 Metern. Von dort geht es über Laatsch, Taufers im Münstertal und die Enge der Calven über die Staatsgrenze nach Müstair.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Wir teilen die Strecke in 13 Etappen, angelehnt an die offizielle Etappierung des Südtiroler Jakobswegs und exakt auf die Gesamtlänge von 295,4 km kalibriert. Die Spannweite ist groß, 15,7 bis 35,7 Kilometer: Die lange Etappe über den Ritten nach Eppan kannst du in Bozen problemlos teilen, die kurze nach Marienberg lässt dir Zeit für Glurns und die Churburg. Das Gelände wechselt ständig — Radwege im Tal, Waldsteige an den Hängen, Pflaster in den Altstädten, Waalwege im Vinschgau. Technisch ist nichts davon schwierig; anstrengend ist die Summe der Auf- und Abstiege, vor allem zwischen Klausen und Bozen.

  1. Winnebach – Innichen – Toblach – Welsberg (23,5 km) — von der Grenze zur Stiftskirche, über die Wasserscheide am Toblacher Feld ins Pustertal.
  2. Welsberg – Olang – Percha – Bruneck (18,9 km) — breites Tal, Obstwiesen, die Rienz als Begleiterin.
  3. Bruneck – Sonnenburg – Kiens – St. Sigmund – Vintl (22,5 km) — unteres Pustertal, viel Radweg.
  4. Vintl – Mühlbach – Schabs – Raas – Kloster Neustift (16,5 km) — hinauf auf die Terrasse von Schabs, hinunter zum Stift. Hier zweigt der Jakobsweg Brenner ab.
  5. Kloster Neustift – Brixen – Feldthurns – Klausen (19,0 km) — Dom, Kreuzgang, Sonnenhänge, Säben über der Stadt.
  6. Klausen – Villanders – Dreikirchen – Barbian – Unterinn am Ritten (29,4 km) — der große Anstieg auf die Rittner Hochfläche.
  7. Unterinn – Oberbozen – Bozen – Frangart – St. Pauls/Eppan (35,7 km) — Abstieg über den Virgl nach Bozen, dann in die Weinhügel; in Bozen gut teilbar.
  8. St. Pauls – Andrian – Sirmian – Grissian – Tisens (20,4 km) — Tisner Mittelgebirge mit der Jakobskirche von 1142.
  9. Tisens – Lana – Marling – Algund (19,8 km) — hinunter ins Etschtal und über den Marlinger Waalweg.
  10. Algund – Töll – Naturns – Kastelbell (25,5 km) — Einstieg in den Vinschgau, Waale und Apfelreihen.
  11. Kastelbell – Goldrain – Schlanders – Laas – Prad am Stilfserjoch (30,1 km) — der lange Vinschgautag mit Marmor von Laas.
  12. Prad – Lichtenberg – Glurns – Burgeis – Kloster Marienberg (15,7 km) — die kleinste Stadt Südtirols, dann hinauf zur weißen Abtei.
  13. Kloster Marienberg – Laatsch – Taufers im Münstertal – Müstair (18,4 km) — durch die Calven über die Grenze zum Kloster St. Johann.

Wer weniger Zeit hat, geht nur einen Teil — die Bahnhöfe in Innichen, Bruneck, Brixen, Klausen, Bozen, Meran, Naturns, Schlanders und Mals machen jeden Ein- und Ausstieg leicht. Und wer den Ritten scheut: Zwischen Klausen und Bozen fährt die Bahn durchs Tal in einer halben Stunde. Den Weg ehrlich zu gehen heißt hier aber oben zu bleiben.

Ein Bischof, ein Jahr, zwei Bauwerke

Im Jahr 1142 gründet Bischof Hartmann von Brixen mit dem Burggrafen Reginbert von Säben drei Kilometer vor seiner Stadt das Augustiner-Chorherrenstift Neustift — und zwar nicht irgendwo, sondern „am Schnittpunkt der wichtigen Nord-Süd-Verbindung über die Alpen und der Ost-West-Verkehrswege aus dem Pustertal". Daneben ein Spital, in dem „Reisende, Pilger, Kranke und Arme" versorgt wurden. Am 9. April 1143 bestätigt Papst Innozenz II. die Gründung. Im selben Jahr 1142, am 12. Mai, weiht derselbe Hartmann hundert Kilometer weiter westlich auf einem Hügel des Tisner Mittelgebirges eine kleine Kirche, die die Eheleute Rudolf und Atha gebaut haben: St. Jakob in Grissian, am alten Höhenweg zwischen Bozen und Meran. Ein Mann, ein Jahr, ein Pilgerspital am Anfang deines Weges und eine Jakobskirche in seiner Mitte. 1157 legt er in Brixen noch ein zweites Hospiz nach, „auf der Insel zum heiligen Kreuz". Sein Grab wurde selbst Wallfahrtsziel; seine Reliquien liegen heute in Neustift.

Die Kirche in Grissian steht noch, mit Fresken um 1200, die zu den bedeutendsten romanischen Malereien Südtirols zählen — und mit einer Handschrift, die du auf diesem Weg zweimal wiedersiehst. Die Fachleute rechnen sie der Marienberger Schule zu: Dieselbe Werkstatt malte um 1180 die Krypta von Kloster Marienberg im Vinschgau und um 1200 die Jakobskapelle von Söles bei Glurns, wenige Kilometer vor deinem Ziel. Drei Kirchen, eine Malerhand, alle drei an dieser Strecke. Das ist kein Zufall, sondern der Beweis, dass diese Verbindung im 12. Jahrhundert benutzt wurde — von Malern, Mönchen und Pilgern. Das Spital von Neustift wurde übrigens zwischen 1463 und 1557 geschlossen, weil „um 1500 die große mittelalterliche Pilgerbewegung bereits abgeklungen" war. Seither schläfst du hier im Gasthof. Die Kirchen aber sind geblieben.

Highlights am Weg

  • Stiftskirche Innichen — 769 von Tassilo III. gegründet, Neubau ab 1143, Weihe 1284; Kuppelfresken um 1280 mit der Schöpfungsgeschichte, Kreuzigungsgruppe um 1250. Der bedeutendste romanische Sakralbau der Ostalpen.
  • Toblacher Feld — die Wasserscheide: Die Drau fließt ins Schwarze Meer, die Rienz über die Etsch in die Adria.
  • Kloster Neustift — Augustiner-Chorherrenstift von 1142, größte Klosteranlage Tirols; Rokoko-Bibliothek, Wunderbrunnen von 1508, Weingut seit dem Gründungsjahr. Im Kreuzgang liegt Oswald von Wolkenstein begraben — der weitgereiste Dichter war in Jerusalem, Perpignan und Ceuta, aber nachweislich nie in Santiago.
  • Brixen — Dom und mittelalterlicher Kreuzgang, Bischofsstadt seit dem 10. Jahrhundert.
  • Kloster Säben über Klausen — Bischofssitz vom 6. Jahrhundert bis um 960, der „Heilige Berg Tirols"; seit 2024 betreuen Mönche aus Heiligenkreuz die Wallfahrt.
  • Rittner Hochfläche — Erdpyramiden, Blick auf den Schlern, und der steile Abstieg über den Virgl nach Bozen.
  • St. Jakob in Grissian — geweiht am 12. Mai 1142, Fresken um 1200, Jakobus-Skulptur von 1520.
  • Marlinger Waalweg — mit 12 km der längste Waalweg Südtirols, seit über 260 Jahren in Betrieb, kaum Steigung, viel Schatten.
  • Churburg in Schluderns — seit 1504 im Besitz der Grafen Trapp; über 50 vollständige Harnische, eine der größten privaten Rüstkammern der Welt.
  • Glurns — knapp 800 Einwohner, Stadt seit 1304, vollständig erhaltene Stadtmauer, Lauben aus dem 16. Jahrhundert.
  • St. Jakob in Söles — romanische Jakobskapelle bei Glurns, Fresken um 1200 vom Meister von Marienberg, 1499 in der Calvenschlacht abgebrannt.
  • Kloster Marienberg — auf 1.340 m die höchstgelegene Benediktinerabtei Europas; Krypta 1160 geweiht, Engelsfresken um 1180.
  • Kloster St. Johann in Müstair — Bauhölzer von 775, karolingische Fresken um 800 mit 135 Szenen und der ältesten bekannten Darstellung des Jüngsten Gerichts; UNESCO-Welterbe seit 1983.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Zu Fuß kommst du aus dem Osten, und die Übergabe ist auf den Meter genau: Der Jakobsweg Osttirol endet an der Staatsgrenze bei Winnebach, wo dieser Weg beginnt — 47,6 Kilometer von Lienz über Assling, Anras, Strassen und Sillian. Davor liegt der Jakobsweg Kärnten, 260,5 Kilometer der Drau entlang von Dravograd bis Lienz. Wer die ganze Kette geht, ist von der slowenischen Grenze bis Müstair rund einen Monat unterwegs.

Wer direkt anreist, hat es leicht: Innichen hat einen Bahnhof an der Pustertalbahn, erreichbar von Lienz im Osten und von Franzensfeste an der Brennerbahn im Westen. Viele steigen auch mitten im Weg ein — Brixen, Bozen und Meran liegen an Hauptbahnlinien, und der westliche Teil ab Kloster Neustift ist mit rund 214 Kilometern eine eigene Zehn-Tage-Reise.

Weiterpilgern?

Müstair ist kein Endpunkt, sondern eine Übergabe. Direkt am Kloster beginnt der Jakobsweg Graubünden, in der Schweiz als regionale Route Nr. 43 signalisiert: 19 Etappen über den Ofenpass nach Zernez, durchs Engadin, über Chur und Disentis bis zum Oberalppass. Neun thematische Wegmarken mit Bank und Stele begleiten dich, jede zu einem Lebensthema des Jakobus — und westwärts weist die stilisierte Muschel mit der Spitze nach Santiago. Vom Oberalppass geht es über Andermatt auf die Via Jacobi, die über Einsiedeln zum Genfersee führt, und weiter auf die Via Podiensis in Le Puy oder die Via Tolosana durch Südfrankreich.

Wer am Kloster Neustift lieber nach Norden will, nimmt den Jakobsweg Brenner: 94,8 Kilometer über Sterzing und den Brennerpass nach Innsbruck, wo der Jakobsweg Österreich Richtung Arlberg und Rankweil übernimmt. Beide Äste gehören zum selben offiziellen Weg — du entscheidest am Klostertor.

Vorbereitung & Praktisches

Die Saison läuft von Mai bis Oktober. Vorher liegt auf dem Ritten und am Marienberg noch Schnee, danach schließen die Museen: Marienberg zeigt seines nur von Mitte März bis 31. Oktober, das Gästehaus im Kloster Müstair ist im November geschlossen. Der Hochsommer im Etschtal ist heiß — der Pilger, der die Strecke 2017 ging, notierte bei 27 Grad, er nutze jeden Schatten und stecke die Hände in jeden Brunnen. Juni und September sind die klügere Wahl.

Plane deine Unterkünfte vorab. Eine Herbergskette wie in Spanien gibt es hier nicht; du übernachtest in Gasthöfen, Pensionen, Jugendherbergen und Klostergästehäusern — buchbar sind unter anderem das Bildungshaus Kloster Neustift und das Gästehaus im Kloster St. Johann in Müstair, dort mit Mahlzeiten aus dem Klostergarten, der Möglichkeit, am Stundengebet teilzunehmen, und der Val Müstair Guest Card für den öffentlichen Verkehr im Tal. Am einfachsten stellst du dir das Ganze direkt in der Camino Ninja App zusammen, in der du deine Etappen planst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Einen Pilgerausweis (Credencial) brauchst du hier nicht für ein Bett, aber für die Compostela in Santiago — und die Stempel sammelst du am besten von Anfang an. Ausgestellt wird er von der Jakobsgemeinschaft Tirol in Innsbruck (Mitgliedschaft 16 € im Jahr, Stand: September 2026) oder von der Confraternita di San Jacopo in Bozen. Verlässliche Stempelstellen sind die Klöster — Neustift, Marienberg, der Museumsshop in Müstair; anderswo hängt es an Öffnungszeiten. Und nimm den GPS-Track mit: Die Markierung mit Jakobs-Symbol ist da, aber nicht lückenlos.

Was dich der Weg kostet

Südtirol ist kein billiges Pilgerland. Ohne Herbergsnetz zahlst du Gasthof- oder Pensionspreise; Privatzimmer unter 50 € pro Nacht sind realistisch, in Bozen tut es auch die Jugendherberge. Mit Frühstück, einer warmen Mahlzeit und Verpflegung unterwegs landest du bei einem Tagesbudget von 55 bis 85 € (Stand: September 2026), je nachdem, wie oft du im Gasthaus isst. Die Mobilcard Südtirol — 22 € für einen Tag, 32 € für drei, 52 € für sieben Tage — gilt für den gesamten Nahverkehr des Landes inklusive PostAuto zwischen Mals und Müstair und rechnet sich, sobald du eine Etappe abkürzst oder Gepäck vorschickst.

Die Eintritte lohnen sich hier ausnahmsweise wirklich: Kloster Marienberg 5,50 €, Churburg Schluderns 12 € (nur mit Führung), Kloster Neustift mit Führungen Mo–Sa um 11:00 und 14:30 nach Anmeldung. In Müstair rechnest du in Franken: Kirchenführung CHF 10 (ca. 11 €), Museumsrundgang CHF 12 (ca. 13 €), Familienticket CHF 30 (ca. 32 €) — Euro werden zum Tageskurs angenommen (Stand: September 2026).

Anreise

Zum Start (Winnebach/Innichen): Innichen/San Candido liegt an der Pustertalbahn, die seit dem 1. Februar 2020 wieder durchgehend von Lienz herüberfährt; von Westen kommst du über die Brennerbahn bis Franzensfeste und steigst dort um. Winnebach ist die vorletzte Station vor der Grenze — oder du startest gleich in Innichen und lässt die fünf Grenzkilometer dem Jakobsweg Osttirol.

Vom Ziel (Müstair): Das PostAuto der Linie 811 (Engadin–Meran-Linie) fährt in beide Richtungen: nach Westen über den Ofenpass nach Zernez mit Anschluss an die Rhätische Bahn Richtung Chur und Zürich, nach Osten über Taufers und Glurns nach Mals, wo die Vinschgerbahn nach Meran und Bozen abfährt.

  • Bahn Südtirol: suedtirolmobil.info — Pustertalbahn, Brennerbahn, Vinschgerbahn, Mobilcard
  • Bahn Österreich/Italien: oebb.at (Lienz – Innichen), trenitalia.com (Brennerbahn)
  • PostAuto Schweiz: postauto.ch — Linie 811 Mals – Müstair – Ofenpass – Zernez
  • Bahnhöfe am Weg: Innichen, Toblach, Welsberg, Olang, Bruneck, Vintl, Mühlbach, Brixen, Klausen, Bozen, Meran, Algund, Naturns, Kastelbell, Schlanders, Laas, Mals
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