Jakobsweg Weststeiermark auf der Karte

Jakobsweg Weststeiermark

161,3 Kilometer von Graz über die Ernst-Fuchs-Kirche in Thal, die Hundertwasser-Kirche in Bärnbach und das Lipizzanergestüt Piber hinauf auf die Koralpe und hinunter nach Lavamünd an der Drau. 5.011 Höhenmeter Aufstieg, ein Gipfelkreuz auf 2.140 Metern, vier Jakobskirchen — und ein Zug, der seit Dezember 2025 in 41 Minuten unter dem Berg durchfährt, über den du zwei Tage brauchst.

6. September 202615 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Graz (offizieller Start: Jakobskirche Thal) / Lavamünd (Kärnten)
  • Länge: 161,3 km
  • Dauer: 9 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 5.011 m / ↘ 5.023 m
  • Höchster Punkt: 2.140 m, Gipfelkreuz des Großen Speikkogels auf der Koralpe
  • Etappen: 9 (der Trägerverein zählt 8 Etappen ab Thal, Camino Ninja stellt den Zubringer von Graz voran)
  • Richtung: Ost → West, von der Mur über die Koralpe an die Drau
  • Träger: Verein zur Förderung der steirischen Jakobswege, gegründet 2009, Sitz Bärnbach
  • Eröffnet: 25. Juli 2010, am Jakobitag
  • Markierung: durchgehend, dazu Pilgersteine mit den Restkilometern nach Santiago an jedem Etappenstart und an jeder Kirche
  • Anschluss Osten: Jakobsweg Graz beginnt an derselben Jakobskirche in Thal und läuft Richtung Maribor
  • Anschluss Westen: Jakobsweg Kärnten ab Lavamünd
  • Beste Zeit: Juli bis Anfang September (Koralpen-Haus erst ab 1. Juli offen)

Überblick

Der Jakobsweg Weststeiermark ist der Weg, auf dem die österreichische Ost-West-Achse ihren höchsten Punkt erreicht. 161,3 Kilometer von Graz an der Mur bis Lavamünd an der Drau, und dazwischen liegt die Koralpe: 5.011 Höhenmeter Aufstieg auf neun Tage, ein Gipfelkreuz auf 2.140 Metern und ein Schutzhaus auf 1.966 Metern als Etappenziel. Der Weg beginnt harmlos — Schloss Eggenberg, die Jakobskirche von Thal, Hügelland über St. Pankrazen und Geistthal — und wird von Bärnbach an mit jedem Tag steiler, bis du am siebten Tag mit 1.189 Höhenmetern auf dem Kamm stehst und auf der einen Seite in die Steiermark, auf der anderen nach Kärnten schaust.

Was diesen Weg von anderen Bergwegen unterscheidet, ist seine Kirchendichte auf kleinem Raum: vier Jakobskirchen in Thal, Geistthal, Freiland und Soboth, dazu eine romanische Pfarrkirche in Piber, deren erster Beleg aus dem Jahr 1066 stammt, die Wallfahrtskirche Maria Lankowitz mit einer bis auf das Jahr datierten Gründungslegende — und zwei Kirchen, die zwei der eigenwilligsten Künstler Österreichs gebaut haben: Ernst Fuchs in Thal, Friedensreich Hundertwasser in Bärnbach. Der Verein zur Förderung der steirischen Jakobswege hat den Weg 2009 aus dieser Kette gemacht und ihn am 25. Juli 2010 eröffnet, dem Jakobitag. Ein Datum, das niemand zufällig wählt.

Andere Namen

Auf den Wegweisern des Vereins und auf dem Titel des Wanderführers heißt er Weststeirischer Jakobsweg; Camino Ninja und die Tourismusregionen führen ihn als Jakobsweg Weststeiermark — gemeint ist derselbe Weg. Beide Namen sagen nur, wo er verläuft, nicht, was er ist: Formal ist er der markierte weststeirische Abschnitt des Südösterreichischen Jakobswegs, jener Ost-West-Achse, die Peter Lindenthal aus Kirchenpatrozinien und alten Handelsstraßen rekonstruiert hat und die von Graz über Slowenien, Kärnten, Osttirol und Südtirol bis Innsbruck reicht.

Auf den Karten der Region begegnen dir außerdem die Lipizzanerheimat und das Schilcherland — Marketingnamen der Tourismusverbände für das Gebiet um Piber und Köflach beziehungsweise für das Weinland um Deutschlandsberg. Sie bezeichnen keine Wege, aber du wirst sie öfter lesen als das Wort Jakobsweg. Und eine Kleinigkeit zum Start: Die Jakobskirche steht im Ortsteil Kirchberg der Gemeinde Thal; die Bushaltestelle heißt Thal-Kirchberg, die Kirche Pfarrkirche Thal. Beides ist dasselbe Fleckchen.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist dieser Weg, wenn du echte Berge willst statt Flusspromenaden. 5.011 Höhenmeter auf 161,3 Kilometer ist ein Schnitt, den viele deutlich längere Jakobswege nicht erreichen, und die Königsetappe über den Großen Speikkogel ist ein alpiner Tag, wie er auf keinem anderen Jakobsweg Österreichs vorkommt. Du bist überwiegend allein unterwegs, schläfst in Gasthöfen und auf Bauernhöfen statt in Massenlagern, und du bekommst auf neun Tagen eine kulturelle Dichte, die man dieser Ecke nicht zutraut: eine Ernst-Fuchs-Kirche, eine Hundertwasser-Kirche, ein Lipizzanergestüt, eine romanische Pfarrkirche von 1066 und ein UNESCO-Welterbe gleich am ersten Kilometer.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsleben und Pilgergemeinschaft suchst. Pilgerherbergen im spanischen Sinn gibt es hier keine — du buchst Zimmer, und du buchst sie vorher, weil in Modriach oder auf der Koralpe niemand auf Laufkundschaft wartet. Die Saison ist eng: Das Koralpen-Haus, dein Etappenziel am siebten Tag, öffnet erst am 1. Juli, die Dreieckhütte auf dem Abstieg schließt um den 10. September. Wer im Mai oder Oktober losgeht, hat kein Pilgerabenteuer, sondern ein Logistikproblem. Und wenn dich Asphalt stört: Zwischen St. Pankrazen und Geistthal und auf der Freiland-Schleife gehst du längere Abschnitte auf Gemeindestraßen. Solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.

Streckenverlauf & Landschaft

Der Weg macht in neun Tagen drei völlig verschiedene Landschaften durch. Von Graz gehst du über Eggenberg — vorbei am Welterbe-Schloss mit seinen 365 Fenstern — hinaus nach Thal, wo der offizielle Weg an der Jakobskirche beginnt. Dann folgt steirisches Hügelland: Schloss Plankenwarth, die spätromanische Kirche von Stiwoll mit einer der ältesten Glocken der Steiermark, Wald- und Wiesenwege über St. Pankrazen und Geistthal. Ab Bärnbach bist du im ehemaligen Braunkohlerevier von Voitsberg, einer Industrielandschaft, die sich in Museen und bunte Kirchtürme verwandelt hat. Über Piber, Köflach und Maria Lankowitz steigt der Weg ins Schilcherland und wird spürbar steiler.

Ab Edelschrott kippt der Charakter endgültig. Du gehst über Modriach und den Herzogberg auf über 1.100 Meter, dann über St. Oswald im Freiland nach Osterwitz — und am siebten Tag hinauf auf die Koralpe: über die Trahütter Hütte, steil zur Weinebene und dann auf dem Kamm zum Gipfelkreuz des Großen Speikkogels. Hier oben ist der Weg reines Almgelände, ein breiter Rücken ohne Bäume, mit der Steiermark auf der einen und Kärnten auf der anderen Seite. Der Abstieg zieht sich über den Jauksattel und die Dreieckhütte nach Soboth hinunter, dann durch Wald und über Höfe an der Grenze zum Lavanttal — bis der Weg in Lavamünd auf 342 Meter fällt, dort, wo die Lavant in die Drau mündet.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Trägerverein teilt den Weg in acht Etappen ab Thal (zusammen 151,3 km, mit der Variante über die Jakobskirche Freiland). Camino Ninja stellt den zehn Kilometer langen Zubringer von Graz voran und kommt damit auf neun Tage und 161,3 km — die Rechnung geht ohne Rundung auf, die offiziellen Etappenkilometer bleiben unangetastet. Die Tagesstrecken schwanken erheblich, von 10,0 bis 26,6 Kilometern; anspruchsvoll ist der Weg nicht wegen der Kilometer, sondern wegen der Höhenmeter und der Versorgungslage in der zweiten Hälfte.

  1. Graz – Eggenberg – Thal (Jakobskirche) (10,0 km) — Stadtausgang, Schloss Eggenberg, Asphalt; am Ende die Ernst-Fuchs-Kirche.
  2. Thal – Plankenwarth – Stiwoll – St. Pankrazen (20,3 km) — Wald- und Feldwege, ↗ 581 m, Barbaraglocke in Stiwoll.
  3. St. Pankrazen – Geistthal – Bärnbach (26,6 km) — die längste Etappe, ↗ 606 m / ↘ 932 m; Start auf Asphalt, dann Höhenwege mit Blick zur Koralpe, Jakobskirche Geistthal.
  4. Bärnbach – Piber – Köflach – Maria Lankowitz – Edelschrott (15,5 km) — die dichteste Kulturetappe: Hundertwasser, Lipizzaner, Wallfahrtskirche.
  5. Edelschrott – Modriach (12,7 km) — die kürzeste Etappe, ↗ 560 m, hinauf auf 1.101 m.
  6. Modriach – St. Oswald im Freiland – Osterwitz (21,5 km) — die Schleife über die Jakobskirche Freiland, ↗ 775 m; die Direktvariante misst 12,0 km und lässt eine der vier Jakobskirchen aus.
  7. Osterwitz – Weinebene – Großer Speikkogel – Koralpenschutzhaus (16,7 km) — die Königsetappe, ↗ 1.189 m, rund 7 Stunden, Gipfelkreuz auf 2.140 m.
  8. Koralpenschutzhaus – Jauksattel – Dreieckhütte – Soboth (17,7 km) — Almgelände auf der Landesgrenze, ↘ 1.078 m, Waldabstieg zur Jakobskirche Soboth.
  9. Soboth – Rabenstein – Lavamünd (20,3 km) — ↘ 1.242 m, keine Einkehr auf der ganzen Strecke, am Ende der tiefste Punkt des Weges an der Drau.

Schwierigkeit: technisch mittel, konditionell anspruchsvoll. Die Etappen 7 und 8 sind Bergwege in offenem Almgelände und bei Nebel oder Gewitter kein Ort für Experimente; alles davor ist Hügelland, alles danach Wald. Wer die Koralpe nicht will, hat keine Talvariante — der Weg führt über den Kamm oder gar nicht. Bahnhöfe gibt es unterwegs nicht; abkürzen kannst du nur per Bus ab Köflach oder Deutschlandsberg, was den Weg zu einem Stück macht, das man am besten in einem geht.

Vier Jakobskirchen und eine Kirche für die Nichtglaubenden

Einen namentlich belegten Santiago-Pilger aus der Weststeiermark hat die Recherche nicht gefunden — keine Muschel auf einer Grabplatte, keine Bruderschaft, kein Testament. Was dieser Weg stattdessen hat, ist eine Kette von Kirchen, deren Daten sich wie eine Urkundenreihe lesen: Piber 1066 als älteste, Freiland 1188, Geistthal um 1245, Thal 1322, Soboth 1545. Und einen Vorgang, der lauter spricht als jede Pilgerbiografie: Die Kirche von Freiland war ursprünglich dem heiligen Leonhard geweiht und wurde im 16. Jahrhundert auf Jakobus den Älteren umgeweiht. Eine Pfarre wechselt ihren Patron nicht aus Laune. Sie tut es, wenn die Leute, die durch das Tal kommen, nach einem anderen Heiligen fragen. Der Verein hat diese Kette 2009 aufgegriffen und den Weg entlang der vier Jakobskirchen gelegt; dass er ihn am 25. Juli 2010 eröffnete, am Fest des Apostels, gehört zur selben Logik.

Die auffälligste Kirche am Weg ist allerdings keine Jakobskirche. St. Barbara in Bärnbach ist die Kirche der Bergleute — Barbara ist ihre Patronin, und Bärnbach war Braunkohlestadt, mit einer Glashütte, die seit 1805 arbeitet. Pfarrer Friedrich Zeck sah 1981 in Graz eine Hundertwasser-Ausstellung, traf den Künstler 1984, und der sagte zu und verzichtete auf sein Honorar. 1987 und 1988 wurde die Nachkriegskirche umgebaut, am 2. Juli 1988 der goldene Zwiebelturm aufgesetzt, am 4. September geweiht. Um die Kirche führt ein Prozessionsweg mit zwölf Toren für die Religionen und Weltanschauungen der Erde — christlich, jüdisch, islamisch, hinduistisch, buddhistisch, shintoistisch, und eines ausdrücklich für die Nichtglaubenden. Ein Pilgerweg, der an einem Tor für die Ungläubigen vorbeiführt, hat verstanden, was Gehen bedeutet. Am Start in Thal hat Ernst Fuchs es zwanzig Kilometer vorher schon gesagt, als er zwischen 1992 und 1994 seine regenbogenfarbene Jakobskirche mit dem Kristallglasaltar baute: „Man muss schon von weitem erkennen: Dies ist ein heiliger Ort."

Highlights am Weg

  • Schloss Eggenberg, Graz — seit 2010 UNESCO-Welterbe, ein Kalender aus Stein: 365 Außenfenster, 52 Fenster im Prunkgeschoss, 24 Prunkräume.
  • Jakobskirche Thal — 1322 erstmals urkundlich, 1992 bis 1994 von Ernst Fuchs zum Gesamtkunstwerk umgebaut: regenbogenfarbener Dachstuhl, Kristallglasaltar, Jakobsmuscheln überall.
  • Arnold Schwarzenegger Museum, Thal — im Geburtshaus, seit 2011; der Pilgerweg beginnt ein paar hundert Meter vom bekanntesten Steirer der Welt entfernt.
  • Barbaraglocke in Stiwoll — in der spätromanischen Kirche, laut Verein eine der ältesten Glocken der Steiermark.
  • Jakobskirche Geistthal — um 1245 erstmals urkundlich, die zweite der vier Jakobskirchen.
  • Hundertwasser-Kirche St. Barbara, Bärnbach — 1987/88 umgestaltet, goldener Zwiebelturm, zwölf Tore für die Weltreligionen, eines für die Nichtglaubenden.
  • Stoelzle Glas-Center mit Glasmuseum, Bärnbach — Glashütte seit 1805, die erste, die mit Braunkohle heizte; Eintritt 8,00 € (Stand: September 2026).
  • Lipizzanergestüt Piber — seit 1920 hier, das einzige Gestüt mit Stuten aller 17 klassischen Stutenfamilien; Eintritt 19,00 €, mit Führung 24,00 € (Stand: September 2026).
  • Pfarrkirche St. Andreas, Piber — 1066 erstmals als Pfarre erwähnt, romanischer Bau des frühen 13. Jahrhunderts, Fresken des frühen 15. Jahrhunderts; der älteste Beleg am Weg.
  • Wallfahrtskirche Maria Lankowitz — zweitgrößte Marienwallfahrt der Steiermark; Gnadenbild seit 1455 auf dem Hochaltar, heute Franziskanerkloster.
  • Jakobskirche Freiland — 1188 urkundlich, im 16. Jahrhundert von Leonhard auf Jakobus umgeweiht, Jakobusfigur über dem Hochaltar.
  • Großer Speikkogel, 2.140 m — Gipfelkreuz auf der Koralpe, höchster Punkt des Weges — und der ganzen Kette von Graz bis zu den Pyrenäen.
  • Jakobskirche Soboth — 1545 urkundlich, Weiheinschrift 1704; die letzte der vier Jakobskirchen, am Sobothpass auf 1.347 m.
  • Lavamünd — Mündung der Lavant in die Drau, tiefster Punkt auf 342 m und Übergabe an den Jakobsweg Kärnten.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der einfachste Zubringer ist die Bahn: Graz Hauptbahnhof ist von Wien, Salzburg, Linz und München direkt erreichbar, seit Dezember 2025 auch von Klagenfurt in 41 Minuten — und von dort läufst du auf unserer Variante einfach los. Wenn du am offiziellen Start an der Jakobskirche Thal beginnen willst, nimmst du ab Graz Hauptbahnhof den Bus 40 oder 65 nach Gösting und dort den Bus 48 Richtung Thal-Kirchberg; mit dem Auto über die B67 und die Thalerstraße, Parkplätze an der Kirche.

Wer schon länger unterwegs ist, hat zwei Anschlüsse. Aus der Obersteiermark führt ein zweitägiger Anschlussweg des Vereins von Seckau über das Gleinalmschutzhaus nach Geistthal — damit steigst du direkt in die dritte Etappe ein und lässt Graz und Thal aus. Und der Jakobsweg Graz beginnt an genau derselben Kirche in Thal und zieht in die Gegenrichtung nach Südosten durch Graz und die Mur hinunter nach Maribor. Thal ist deshalb kein Endpunkt, sondern eine Weiche: Von dieser einen Kirche gehen zwei steirische Jakobswege ab, und wer den Grazer Weg rückwärts gegangen ist, macht hier einfach weiter.

Weiterpilgern?

In Lavamünd endet der Weg nicht, er wird übergeben. An der Drau triffst du auf den Jakobsweg Kärnten, der aus dem slowenischen Dravograd kommt und Lavamünd nach acht Kilometern erreicht — von dort folgt er der Drau 250 Kilometer weit flussaufwärts durch Jauntal, Rosental und Drautal bis Lienz. Dort übernimmt der Jakobsweg Osttirol bis zur Staatsgrenze bei Winnebach, dann der Jakobsweg Südtirol über Bruneck und Brixen bis Müstair; wer bei Kloster Neustift nach Norden abbiegt, geht auf dem Jakobsweg Brenner nach Innsbruck und weiter auf dem Jakobsweg Österreich Richtung Arlberg und Schweiz, wo die Via Jacobi beginnt.

Von dort führen die Via Podiensis und die Via Tolosana durch Frankreich nach Spanien. Die 161 Kilometer durch die Weststeiermark sind, nüchtern betrachtet, ein kleines Stück dieser Kette. Sie sind aber das Stück, auf dem du über 2.000 Meter kommst — höher als der Arlbergpass auf dem Jakobsweg Österreich, höher als der Brenner, höher als der Somport in den Pyrenäen.

Vorbereitung & Praktisches

Die Saison ist enger, als die meisten denken. Die ersten Etappen sind laut Verein von März bis November begehbar, die Koralpen-Etappe nur von Juni bis Oktober — und das Koralpen-Haus auf 1.966 Metern, dein Quartier am siebten Abend, ist erst vom 1. Juli bis 31. Oktober bewirtschaftet (23 Betten, 2021 neu eröffnet). Die Dreieckhütte auf dem Abstieg schließt um den 10. September, die Trahütter Hütte ist nur von Juni bis September offen. Wer den ganzen Weg am Stück gehen will, hat realistisch ein Fenster von Juli bis Anfang September; der Wanderführer im Conrad Stein Verlag nennt Anfang Juni bis Ende September, abhängig von den Hütten.

Übernachtet wird in pilgerfreundlichen Gasthöfen, auf Bauernhöfen, in Frühstückspensionen und zwei Schutzhäusern — Pilgerherbergen im spanischen Sinn gibt es auf diesem Weg nicht. Der Verein schreibt es auf jeder einzelnen Etappenseite: „Die Quartiere unbedingt frühzeitig reservieren!" Das ist kein Standardsatz, sondern in Modriach, Osterwitz und auf der Koralpe schlicht die Wahrheit. Plane außerdem zwei Versorgungslücken ein: Auf der achten Etappe gibt es nach dem 10. September keine bewirtschaftete Hütte mehr, und auf der letzten Etappe zwischen Soboth und Lavamünd ist auf 20,3 Kilometern weder ein Geschäft noch ein Gasthaus. Deine Etappen und die passenden Quartiere stellst du am einfachsten direkt in der Camino Ninja App zusammen, weil sich dabei die beiden Engstellen — Koralpen-Haus und Soboth — gleich mitplanen lassen.

Einen Pilgerausweis bekommst du beim Verein zur Förderung der steirischen Jakobswege gegen einen kleinen Beitrag, ebenso im Pfarramt Thal (Donnerstag 8–12 Uhr). Stempelstellen sind dicht gesät — allein zwischen Bärnbach und Edelschrott sind es sieben. Und pack für die Koralpe alpine Ausrüstung ein: Der Kamm ist baumlos, das Wetter dreht schnell, und zwischen Weinebene und Koralpen-Haus gibt es keinen Unterstand.

Was dich der Weg kostet

Österreich ist nicht Spanien: Rechne mit einem Tagesbudget von 60 bis 90 €, wenn du in Gasthöfen und Pensionen schläfst und einmal am Tag warm isst (Stand: September 2026). In den beiden Schutzhäusern kommst du im Lager günstiger weg, Alpenvereinsmitglieder zusätzlich ermäßigt. Für die Reservierungen brauchst du kein Buchungsportal — die meisten Quartiere nehmen Anrufe entgegen, und der Verein listet die Telefonnummern auf seinen Etappenseiten.

Dazu kommen Eintritte, die man auf diesem Weg tatsächlich zahlen will: Lipizzanergestüt Piber 19,00 € für die selbständige Besichtigung, 24,00 € mit Führung; Glasmuseum Bärnbach 8,00 €; der Wanderführer „Weststeirischer Jakobsweg" von Reinhard Dippelreither 12,90 € (alle Preise Stand: September 2026). Die Kirchen — Thal, Bärnbach, Piber, Maria Lankowitz, Freiland, Soboth — kosten nichts, und sie sind der eigentliche Grund, warum dieser Weg existiert.

Anreise

Zum Start (Graz): Graz Hauptbahnhof erreichst du mit der ÖBB direkt aus Wien, Salzburg, Linz und München; seit der Eröffnung der Koralmbahn am 14. Dezember 2025 auch aus Klagenfurt in rund 41 Minuten. Zum offiziellen Startpunkt in Thal fährst du ab Hauptbahnhof mit Bus 40 oder 65 nach Gösting und weiter mit Bus 48 bis Thal-Kirchberg.

Vom Ziel (Lavamünd): ÖBB-Postbusse bringen dich nach Wolfsberg (Linie 5471, über St. Paul), nach Bleiburg (Linie 5420) und Richtung Völkermarkt (Linie 5364); für kurze Wege gibt es das Anrufsammeltaxi GO-Mobil Lavamünd. Der neue Fernverkehrsbahnhof Lavanttal in St. Paul im Lavanttal liegt wenige Kilometer entfernt — von dort bist du in gut 40 Minuten zurück in Graz oder in Klagenfurt. Die Pointe des Weges liegt genau hier: Du bist zwei Tage über die Koralpe gestiegen, und der Zug fährt in unter einer Stunde darunter durch.

  • Bahn Österreich: oebb.at — Wien/Salzburg/Klagenfurt – Graz Hbf; Bahnhof Lavanttal – Graz/Klagenfurt
  • Bus Steiermark: verbundlinie.at — Graz Hbf – Gösting – Thal-Kirchberg (Linien 40 oder 65 und 48)
  • Bus Kärnten: kaerntner-linien.at — Lavamünd – Wolfsberg/Bleiburg/Völkermarkt (Postbus 5471, 5420, 5364)
  • Achtung: kein Bahnhof am Weg zwischen Graz und Lavamünd — abkürzen nur per Bus ab Köflach oder Deutschlandsberg
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