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Ostbayerischer Jakobsweg

Von der böhmischen Grenze über Regensburg und Eichstätt bis nach Neresheim: 312,4 Kilometer und 6.337 Höhenmeter durch den Bayerischen Wald, an der Donau entlang und über den Fränkischen Jura. Der höhenmeterreichste deutsche Jakobsweg unseres Netzes — und der einzige, der durch das Welterbe Regensburg führt.

21. August 202621 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Všeruby / Neumarker Pass (Grenzübergang Eschlkam/Všeruby, 430 m) → Neresheim auf dem Härtsfeld (504 m)
  • Länge: 312,4 km — offiziell endet der Weg nach 273 km in Donauwörth; unsere Trasse läuft 39 km weiter bis zum Anschluss an den Jakobsweg Nürnberg–Ulm
  • Höhenmeter: ↗ 6.337 m / ↘ 6.263 m — 20,3 m pro Kilometer, mehr als der Camino Francés (17,9); 42,6 % davon liegen auf den ersten 90 km
  • Dauer: ca. 11–14 Tage (Hauptvariante 14 Etappen, sportliche Variante 11)
  • Höchster Punkt: 900 m — Kammüberschreitung am Hohen Bogen (km 21,8); der Schwarzriegel-Gipfel (1.079 m) bleibt 179 m über dem Weg
  • Tiefster Punkt: 326 m — Donauniederung bei Wörth an der Donau (km 90,8)
  • Wegzeichen: stilisierte gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund
  • Träger: Fränkische St. Jakobusgesellschaft Würzburg e.V. — Kontaktadresse in Eschlkam, dem ersten deutschen Ort am Weg
  • Eingeweiht: 16. Juli 2004 — gemeinsam von der fränkischen Jakobusgesellschaft, dem Bayerischen Wald-Verein und dem tschechischen Klub českých turistů
  • Zubringer: der Všeruby Way aus Prag endet genau am Startpunkt — zusammen 517 km von Prag bis Neresheim
  • Anschluss: in Neresheim übernimmt der Jakobsweg Nürnberg–Ulm (Restweg bis Ulm: 67,5 km); die letzten 13,7 km teilen sich beide Wege schon
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober — der 900-Meter-Kamm am Anfang ist keine Winteretappe

Überblick

Am Grenzübergang Eschlkam/Všeruby steht ein Jakobusstein — und er markiert die sauberste Übergabe unseres Netzes: An ihm endet der Všeruby Way aus Prag, und an ihm beginnt dieser Weg — auf einer Passhöhe, über die von 1948 bis 1990 niemand gehen durfte. Eingeweiht wurde er am 16. Juli 2004, gemeinsam von einer fränkischen Jakobusgesellschaft, einem bayerischen Wanderverein und dem tschechischen Touristenklub — und seine offizielle Beschreibung erklärt ihn in einem einzigen Satz: „Der ostbayerische Jakobsweg liegt geographisch gesehen genau auf der Luftlinie Prag – Regensburg – Augsburg – Bodensee.“ Ein Weg, der sich nicht über seinen Anfang definiert, sondern über den Weg davor — und über das Ziel weit dahinter.

Die Zahlen dazu: 312,4 Kilometer und 6.337 Höhenmeter — das sind 20,3 pro Kilometer, mehr als der Camino Francés (17,9) und mehr als jeder andere Weg unseres Netzes, der länger als 200 Kilometer ist und ganz oder überwiegend in Deutschland verläuft. Und noch eine Zahl, die kein anderer Weg hat: In unserem Netz aus 201 Routen führt genau ein einziger durch Regensburg — dieser. Er überquert die Donau auf der Steinernen Brücke, passiert den Dom direkt am Weg und die Schottenkirche St. Jakob wenige Minuten abseits; dasselbe Alleinstellungsmerkmal gilt für Eichstätt und den Donaudurchbruch bei Kelheim. Am Ende führt er direkt an Balthasar Neumanns Abteikirche von Neresheim vorbei und endet unmittelbar an der Trasse des Jakobswegs Nürnberg–Ulm. Ehrlich dazu: 42,6 Prozent aller Höhenmeter liegen auf den ersten 90 Kilometern — dieser Weg ist nicht schwer, er ist vorne schwer.

1948 geschlossen, 1990 geöffnet, 2004 eingeweiht — der junge Weg auf der alten Achse

Der Všerubský průsmyk, der Neumarker Pass, war Teil des Eisernen Vorhangs: 41 Jahre lang, von 1948 bis 1990, durfte hier niemand hinüber; seit 1996 erinnert in Všeruby ein Denkmal an die, die es trotzdem versuchten und starben. Dann ging es schnell — und in der falschen Reihenfolge, die eigentlich die richtige ist: 2003 wurde der tschechische Abschnitt an das europäische Jakobswegnetz angeschlossen, 2004 der bayerische Weg eingeweiht. Erst kam die Fortsetzung, dann der Anschluss. Heute steht am Grenzübergang der Jakobusstein, und acht Kilometer weiter, in Eschlkam, hat der erste deutsche Ort am Weg einen Kunstwanderweg „Grenzbegegnungen — Wege zwischen Ost und West“ und einen Pavillon, der „In der neuen Mitte Europas — Licht und Schatten“ heißt. Das ist die zivile Antwort auf einundvierzig Jahre geschlossenen Pass — und sie steht bei Kilometer 8,3.

Die offizielle Wegbeschreibung sagt: „Historisch gesehen folgt der Weg zunächst den uralten Verbindungswegen zwischen Böhmen und Bayern im Bereich der Further-Chamer Senke.“ Das stimmt — für zwanzig Kilometer. Dann tut der Weg das Gegenteil: Bei Kilometer 21,8 steht er auf 900 Metern, auf dem Kamm des Hohen Bogen, und die Überschreitung ist kein Kartenzufall, sondern offiziell dokumentiert — über denselben Kamm laufen auch der Goldsteig und der Baierweg, einer jener alten Handelswege von der Donau nach Furth im Wald. Die Händler nahmen die Senke. Der Pilgerweg nimmt den Berg. Und noch eine Ehrlichkeit zur schönen Luftlinie Prag–Regensburg–Augsburg–Bodensee: Unsere Trasse verlässt sie am Ende. Bei Kaisheim biegt sie nach Westen ab und wählt statt Augsburg den nächsten Jakobsweg — Neresheim, wo die Trasse nach Ulm direkt an ihrem Endpunkt vorbeiläuft.

Fünfzehn Kilometer hinter der Grenze steht in Neukirchen beim Heiligen Blut die barocke Wallfahrtskirche Mariä Geburt, und in ihrem Doppelaltar aus Augsburger Goldschmiedekunst sitzt — wörtlich belegt — „das böhmische mittelalterliche Gnadenbild“. Die Wallfahrt ist über 550 Jahre alt, das Wallfahrtsmuseum zeigt über 1.000 Original-Exponate, und das Blutwunder, dem der Ort seinen Namen verdankt, erzählen wir dir hier bewusst nicht aus — die Quellen geben die Details nicht her. Die Pointe brauchen sie auch nicht: Du kommst aus Böhmen, und das erste Heiligtum an deinem Weg ist ebenfalls von dort gekommen. Eine mittelalterliche Urkunde für den Weg selbst wirst du dagegen vergeblich suchen — er ist 2004 eingeweiht, eine moderne Verbindung entlang uralter Handelswege, und genau das sagen wir dir lieber, als etwas zu erfinden. Seine Jakobus-Bilanz ist kurz und reicht: Am Anfang ein Stein mit seinem Namen, in der Mitte seine Kirche — die Schottenkirche St. Jakob in Regensburg, die einzige Jakobskirche direkt an der Strecke. Mehr braucht ein Weg nicht.

Andere Namen

Offiziell heißt dieser Weg Ostbayerischer Jakobsweg — so wurde er am 16. Juli 2004 eingeweiht, und so führt ihn die Fränkische St. Jakobusgesellschaft Würzburg e.V. In der Literatur begegnet er dir aber meist als Teil seiner Gesamtstrecke: Der Pilgerführer von Hans J. Kolbinger (Tyrolia 2006, 204 Seiten, Karten 1:50.000) heißt „Auf dem Jakobsweg – von Prag über Regensburg und Eichstätt nach Donauwörth“, und genau so wird der Weg oft zitiert — als Prag–Donauwörth. Das ist kein Widerspruch, sondern Selbstbeschreibung: Er „setzt die tschechische Südvariante des Jakobsweges fort, welche von Prag“ kommt — auf tschechischer Seite ist das der Weg, den wir als Všeruby Way führen. Nicht verwechseln solltest du ihn mit seinem eigenen Doppelgänger: Es gibt einen zweiten Ostbayerischen Jakobsweg als Jakobus-Radpilgerweg, in fünf Etappen und über Cham — die Fußstrecke macht das nicht, Cham liegt gut 13 Kilometer neben ihr.

Zwei Kilometerzahlen aus anderen Quellen gehören eingeordnet: 273 km („Auf 273 km durchquert der Ostbayerische Jakobsweg den Freistaat Bayern“) und 279,18 km (bayerischer-wald.org) — beide meinen den Zuschnitt Eschlkam → Donauwörth, das offizielle Wegende. Unsere gemessenen 312,4 km beginnen direkt an der Grenze und laufen 39 Kilometer weiter: über Kaisheim und Harburg nach Neresheim, wo der Jakobsweg Nürnberg–Ulm vorbeikommt. Wer die offizielle Variante bis Donauwörth geht, findet sie unten bei den Etappen — beide Enden sind ehrliche Enden.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du Höhenmeter magst und deutsche Kulturgeschichte in Konzentration willst: das Welterbe Regensburg mit Steinerner Brücke, Dom und der einzigen Jakobskirche der Strecke, den Donaudurchbruch bei Kloster Weltenburg, die Walhalla direkt am Weg, die Bischofsstadt Eichstätt und zum Schluss Balthasar Neumanns Abteikirche in Neresheim — laut Dehio „erschütternd großartig“. Ideal auch, wenn du eine echte Fernwegkette suchst: Mit dem Všeruby Way zusammen sind es 517 Kilometer von Prag bis Neresheim, und von dort läuft das Netz über Ulm und Konstanz weiter bis Santiago. Und ideal, wenn dich Grenzgeschichte interessiert, die man anfassen kann — ein Jakobusstein auf einer 41 Jahre lang gesperrten Passhöhe, ein böhmisches Gnadenbild im ersten Wallfahrtsort, ein Kunstpavillon namens „In der neuen Mitte Europas“.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du einen gleichmäßigen Weg suchst: 42,6 Prozent aller Höhenmeter liegen auf den ersten 90 Kilometern, und die schwersten zwanzig Kilometer (km 40–60, 820 Meter Aufstieg) kommen am dritten Tag — danach wird der Weg mit 16,5 m/km fast sanft. Nichts für dich ist er auch, wenn du eine Herbergskette wie in Spanien erwartest: Du übernachtest in Gasthöfen und Pensionen, und zwischen Bad Kötzting und Wörth an der Donau liegen 58 Kilometer, in denen die größten Orte Dörfer sind — diese drei Nächte plant man vorher weg, nicht unterwegs. Und er ist nichts für dich, wenn du mittelalterliche Pilgerromantik mit Urkundenkette brauchst: Dieser Weg ist ein junger Weg auf alten Straßen, und er steht dazu.

Streckenverlauf & Landschaft

Du beginnst oben, auf dem Neumarker Pass — 430 Meter, Grenzübergang Eschlkam/Všeruby, am Jakobusstein. Die ersten zwanzig Kilometer folgen der Further-Chamer Senke, der niedrigsten Passage durchs Grenzgebirge, über Eschlkam und den Wallfahrtsort Neukirchen beim Heiligen Blut. Dann steigt der Weg auf den Kamm des Hohen Bogen: 900 Meter bei Kilometer 21,8, der höchste Punkt der ganzen Strecke — die fünf Gipfel des Höhenzugs, allen voran der Schwarzriegel mit 1.079 Metern, bleiben über dir. Es folgt der Vorwald: Bad Kötzting, Rattenberg, Konzell, die schwersten zwanzig Kilometer zwischen km 40 und 60 mit 820 Metern Aufstieg, die Gallner-Höhe (708 m) und bei km 76,3 der zweithöchste Punkt (725 m). Dann fällt der Weg in vierzehn Kilometern auf 326 Meter hinunter — an die Donau bei Wörth, den tiefsten Punkt und die Zäsur der Strecke.

Ab hier ist es ein anderer Weg. Dreißig flache Kilometer an der Donau, die Walhalla direkt neben dir, dann Donaustauf — und bei Kilometer 120 die Überquerung der Donau auf der Steinernen Brücke, mitten ins Welterbe von Regensburg: der Dom direkt am Weg, die Schottenkirche St. Jakob wenige Minuten abseits. Weiter über die Jurahöhen nach Kelheim, durch den Donaudurchbruch am Kloster Weltenburg (wenige Minuten abseits) und in den Naturpark Altmühltal; über die Hochfläche an der Wallfahrtskirche von Bettbrunn und am Römerkastell bei Pfünz vorbei nach Eichstätt ins Altmühltal. Dann westwärts: Neuburg an der Donau bleibt sechs Kilometer südlich liegen, in Kaisheim dreht die Trasse nach Westen, überquert bei Harburg die Wörnitz — die Burg 85 Meter über dem Weg —, streift den Südrand des Nördlinger Ries und steigt aufs Härtsfeld (597,8 m). In Neresheim läuft sie direkt an Balthasar Neumanns Abteikirche vorbei — „erschütternd großartig“, sagt der Dehio — und endet unmittelbar am Jakobsweg nach Ulm. Ein Weg, der an einem der großen Barockbauten Europas aufhört, in dem heute noch fünf Mönche leben.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Eine offizielle Etappenteilung gibt es für die Fußstrecke nicht — die Tourist-Infos halten drei Etappen-Flyer bereit, Kolbingers Führer arbeitet mit Karten 1:50.000. Die 14 Etappen unten sind unser Vorschlag, kalibriert auf die Trackmessung unserer Routendatenbank; ihre Summe ergibt exakt die 312,4 Kilometer und 6.337 Höhenmeter der Route — mehr Aufstieg, als der Kilimandscharo hoch ist (5.895 m). Der Trick der Planung: Die ersten fünf Tage müssen kürzer sein als die letzten neun. Bis Wörth an der Donau ist das ein Mittelgebirgsweg mit 29,7 Höhenmetern pro Kilometer, danach ein Flusstal- und Hochflächenweg mit 16,5 — wer stur 24 Kilometer pro Tag plant, läuft am dritten Tag 24 Kilometer mit 850 Höhenmetern und am zehnten 24 mit 229. Das ist derselbe Weg und nicht derselbe Tag.

  1. Všeruby/Grenzübergang → Neukirchen beim Heiligen Blut — ca. 15,6 km, ↗ 297 m — mit Absicht kurz: die meisten reisen über Furth im Wald an und müssen erst auf die Passhöhe. Start am Jakobusstein, genau dort, wo der Všeruby Way endet, über Eschlkam zum Wallfahrtsort mit dem böhmischen Gnadenbild.
  2. Neukirchen beim Heiligen Blut → Bad Kötzting — ca. 17,5 km, ↗ 547 m — der Kamm: bei km 21,8 der höchste Punkt des ganzen Weges, 900 m am Hohen Bogen, danach 470 Meter hinunter ins Regental.
  3. Bad Kötzting → Konzell — ca. 21,5 km, ↗ 850 m — die Königsetappe: 39,6 Höhenmeter pro Kilometer, der steilste Tag des Weges. Nach zwei Kilometern die Wallfahrtskirche Weißenregen (direkt am Track), dann über Neurandsberg und Rattenberg auf die Vorwaldhöhen; Konzell liegt direkt am Weg.
  4. Konzell → Haunkenzell — ca. 12,6 km, ↗ 415 m — der kürzeste Tag, und der mit der besten Aussicht: die Gallner-Höhe (707,8 m) bei km 59,9, danach 350 Höhenmeter hinunter nach Stallwang (direkt am Weg).
  5. Haunkenzell → Wörth an der Donau — ca. 23,8 km, ↗ 593 m — der letzte Gebirgstag: bei km 76,3 der zweithöchste Punkt (724,7 m), dann in vierzehn Kilometern hinunter auf 326 m — den tiefsten Punkt der ganzen Strecke, an die Donau.
  6. Wörth an der Donau → Regensburg — ca. 30,4 km, ↗ 487 m — die längste Etappe, flach am Fluss: bei km 108,3 die Walhalla (direkt am Weg), dann Donaustauf und die Überquerung der Donau auf der Steinernen Brücke — der Dom direkt am Weg, die Schottenkirche St. Jakob wenige Minuten abseits. Teilbar in Donaustauf (19,2 + 11,2 km).
  7. Regensburg → Kelheim — ca. 24,4 km, ↗ 466 m — aus dem Welterbe über Sinzing auf die Jurahöhen und hinunter an die Donau; die Befreiungshalle liegt wenige Minuten abseits.
  8. Kelheim → Altmannstein — ca. 22,7 km, ↗ 442 m — die Donaudurchbruch-Etappe: Kloster Weltenburg wenige Minuten abseits, danach hinein in den Naturpark Altmühltal.
  9. Altmannstein → Stammham — ca. 21,6 km, ↗ 395 m — über die Jurahochfläche; bei km 180,1 die Wallfahrtskirche St. Salvator in Bettbrunn (wenige Minuten abseits).
  10. Stammham → Eichstätt — ca. 24,5 km, ↗ 229 m — der flachste Tag des Weges (9,4 m/km): über Böhmfeld und Pfünz (das Römerkastell Vetoniana liegt 2,1 km oberhalb) ins Altmühltal; der Eichstätter Dom liegt direkt am Weg.
  11. Eichstätt → Rennertshofen — ca. 28,7 km, ↗ 484 m — hinauf aus dem Altmühltal und über die Jurahöhen; Bergen liegt direkt am Weg, Neuburg an der Donau bleibt knapp 6 km südlich liegen.
  12. Rennertshofen → Kaisheim — ca. 23,4 km, ↗ 324 m — über Neuhausen und Buchdorf zur alten Klosteranlage von Kaisheim. Hier fällt die Entscheidung: Donauwörth, das offizielle Wegende, liegt 5,5 km südlich.
  13. Kaisheim → Mönchsdeggingen — ca. 22,7 km, ↗ 400 m — westwärts ins Wörnitztal: die Burg Harburg steht 85 m über dem Weg, danach wieder hinauf und über Möggingen ins Riesrandland.
  14. Mönchsdeggingen → Neresheim — ca. 22,6 km, ↗ 411 m — die Übergabe-Etappe: ab km 298,1 ist die Trasse identisch mit dem Jakobsweg Nürnberg–Ulm. Über Christgarten und die Härtsfeld-Höhe (597,8 m) nach Neresheim — bei km 311,2 Balthasar Neumanns Abteikirche (direkt am Weg): hier abbiegen. Der Weg endet kurz dahinter, unmittelbar an der Trasse nach Ulm.

Wer schneller ist, legt die Etappen 1 und 2 zusammen (13 Tage: Všeruby → Bad Kötzting, 33 km mit 844 Höhenmetern und dem 900-Meter-Kamm — nur, wenn du trainiert anreist) oder geht die 11-Tage-Variante mit Etappen zwischen 22 und 33 Kilometern; deren härtester Tag, Bad Kötzting → Stallwang, hat 1.122 Höhenmeter auf 30,8 Kilometern und ist die schwerste Tagesleistung, die dieser Weg zulässt. Und wer den Weg so gehen will, wie er 2004 eingeweiht wurde, hört nach Etappe 12 auf und steigt von Kaisheim die 5,5 Kilometer nach Donauwörth hinunter: rund 272 Kilometer, das offizielle Ende — dort schließt der Bayerisch-Schwäbische Jakobusweg über Augsburg zum Bodensee an. Wer bis Neresheim weitergeht, steht dafür am Ende direkt am nächsten Jakobsweg und kann am Morgen ohne Umweg Richtung Ulm weiter.

Highlights am Weg

  • Jakobusstein am Grenzübergang Eschlkam/Všeruby (km 0) — der Weg beginnt nicht an einer Schranke, sondern an einem Stein mit dem Namen des Heiligen: genau am Endpunkt des Všeruby Way, auf einer Passhöhe, die von 1948 bis 1990 geschlossen war.
  • Neukirchen beim Heiligen Blut (km 15,6, direkt am Weg) — barocke Wallfahrtskirche Mariä Geburt: im Doppelaltar aus Augsburger Goldschmiedekunst das böhmische mittelalterliche Gnadenbild, über 550-jährige Wallfahrt, Franziskanerkloster mit großem Klostergarten, Wallfahrtsmuseum mit über 1.000 Original-Exponaten.
  • Hoher Bogen (km 21,8) — 900 m, der höchste Punkt des Weges: Kammüberschreitung eines acht Kilometer langen Höhenzugs mit fünf Gipfeln — der höchste, der Schwarzriegel (1.079 m), bleibt 179 Meter über dir. Sein Amphibolit „zählt zu den ältesten Gesteinen der Erde“, und über denselben Kamm laufen auch Goldsteig und Baierweg.
  • Gallner-Höhe (km 59,9) — 707,8 m, der Aussichtsrücken des Vorwalds; danach geht es 350 Höhenmeter hinunter nach Stallwang.
  • Wörth an der Donau (km 90,9) — 326 m, der tiefste Punkt: Ankunft an der Donau nach 2.701 Höhenmetern Gebirge — hier wechselt der Weg seinen Charakter.
  • Walhalla (km 108,3) — die Ruhmeshalle auf der Hangkante über dem Donautal, direkt neben einem Pilgerweg.
  • Steinerne Brücke, Regensburg (km 120,2–120,5) — hier überquert der Weg die Donau; dahinter das Welterbe mit dem Dom direkt am Weg.
  • Schottenkirche St. Jakob, Regensburg (km 122,4, wenige Minuten abseits) — die einzige Jakobskirche direkt an der Strecke. Eine ist wenig; diese eine ist genug.
  • Kelheim (km 145,7) — die Altstadt direkt am Weg, die Befreiungshalle wenige Minuten abseits.
  • Kloster Weltenburg (km 153,4, wenige Minuten abseits) — im Donaudurchbruch, den schon die offizielle Wegbeschreibung als Landschaftsmerkmal nennt.
  • Bettbrunn (km 180,1, wenige Minuten abseits) — die Wallfahrtskirche St. Salvator auf der Jurahochfläche.
  • Pfünz (km 208,1) — das Römerkastell Vetoniana liegt 2,1 km oberhalb des Ortes; die Route berührt hier die alte Limesstraße.
  • Eichstätt (km 214,4) — Bischofsstadt im Altmühltal: der Dom direkt am Weg, die Willibaldsburg einen guten halben Kilometer vom Track.
  • Burg Harburg (km 276,7) — die Burg direkt über dem Wörnitzübergang des Weges.
  • Nördlinger Ries und Christgarten (km 297–299) — der Weg streift den Südrand des Meteoritenkraters (Nördlingen gut 7 km ab) und passiert die Reste der Kartause Christgarten.
  • Abtei Neresheim (km 311,2, direkt am Weg) — das Schlussbild des Weges: 1095 von Graf Hartmann I. von Dillingen gegründet, seit 1106 Benediktinerkloster. Die Abteikirche ist ein Bau von Balthasar Neumann — Grundsteinlegung am 4. Juli 1750, drei Jahre bevor Neumann starb; benediziert 1777, vollendet erst 1792: 83 Meter lang, die Hauptkuppel 32 Meter hoch, darüber sieben Kuppelfresken von Martin Knoller (1770–1775), die zu den wichtigsten des späten Barock zählen. Der Dehio urteilt „erschütternd großartig“: „Die Barockarchitektur, nicht nur Deutschlands, sondern Europas, hat weniges, was sich mit ihm messen kann.“ Heute leben hier noch fünf Mönche der Beuroner Kongregation (Stand 2024). Hier abbiegen — kurz dahinter endet der Weg, unmittelbar an der Trasse nach Ulm.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der natürliche Zubringer ist der Všeruby Way: 204,8 Kilometer von Prag bis auf den Neumarker Pass — und er endet genau dort, wo dieser Weg beginnt. Wer die Kette komplett geht, hat 517 Kilometer von Prag bis Neresheim. Genau diese Kette meint der Weg auch selbst: Er „setzt die tschechische Südvariante des Jakobsweges fort, welche von Prag“ kommt — er definiert sich nicht über seinen Anfang, sondern über den Weg davor. Deshalb heißt Kolbingers Führer auch nicht „Eschlkam–Donauwörth“, sondern „von Prag über Regensburg und Eichstätt nach Donauwörth“.

Wer nicht zu Fuß aus Böhmen kommt, reist über Furth im Wald an: Bahnstation an der Linie Richtung Prag, knapp zehn Kilometer Luftlinie vom Startpunkt, aus Deutschland mit Umstieg in Schwandorf. Von dort bringen dich Bus oder Taxi nach Eschlkam (km 8,3 des Weges) oder direkt hinauf zum Grenzübergang. Wer nur einen Teil gehen will, hat mit Regensburg (km 121, ICE-Halt) und Eichstätt (km 214) zwei bequeme Zwischeneinstiege — der Weg zerfällt damit sauber in Gebirge, Donau und Jura.

Weiterpilgern?

Dieser Weg endet nicht in einem Ort, er endet an einem anderen Jakobsweg: Der Jakobsweg Nürnberg–Ulm läuft unmittelbar an seinem Endpunkt vorbei, und die letzten 13,7 Kilometer ab Christgarten teilen sich die beiden ohnehin. Neresheim ist dort Kilometer 152 — bis Ulm bleiben 67,5 Kilometer, gut zwei Tage. In Ulm hast du dann die volle Weiche: Der Oberschwäbische Jakobsweg führt 167,6 Kilometer weiter nach Konstanz, dort endet auch der Fränkisch-Schwäbische Jakobsweg aus Würzburg, und nach Südwesten zweigt Ulm – Pfullendorf ab. Ab Konstanz übernimmt die Via Jacobi durch die Schweiz nach Genf, dann die Via Gebennensis nach Le Puy, die Via Podiensis bis Saint-Jean-Pied-de-Port — und der Camino Francés nach Santiago. Wer am Jakobusstein losgeht, steht auf einer durchgehenden Kette bis ans Grab des Apostels.

Und die offizielle Alternative, ehrlich gesagt: Eingeweiht wurde der Weg 2004 als Strecke bis Donauwörth — dort mündet er in den Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg, der über Augsburg zum Bodensee führt. Donauwörth liegt fünfeinhalb Kilometer südlich unserer Trasse, kurz hinter Kaisheim. Wer dort aufhört, hat rund 272 Kilometer gegangen und nichts falsch gemacht — wer bis Neresheim weitergeht, hat 312,4 und steht am nächsten Morgen ohne Umweg auf dem Weg nach Ulm.

Vorbereitung & Praktisches

Die beste Zeit ist Mai bis Oktober. Der erste Abschnitt ist ein Mittelgebirgsweg über die Kämme des Bayerischen Waldes und des Vorwalds — der höchste Punkt liegt auf 900 Metern, und die schwersten zwanzig Kilometer (km 40–60, 820 Meter Aufstieg, 41 m/km) kommen am dritten Tag. Plane die ersten fünf Etappen bewusst kurz und nimm Stöcke mit: 6.337 Höhenmeter sind keine Zierde-Angabe. Ab Regensburg ist der Weg mit 16,5 Höhenmetern pro Kilometer deutlich sanfter und praktisch ganzjährig gehbar.

Markiert ist der Weg mit der stilisierten gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund — über die Qualität der Beschilderung liegen uns keine belastbaren Berichte vor, also nimm die Camino Ninja App mit — sie hat die komplette Route dieses Weges an Bord: Die Strecke wechselt vier Regierungsbezirke und am Ende das Bundesland, und die Schilder sind nicht überall aus derselben Hand. Die belastbarste Papierquelle ist Hans J. Kolbingers Führer „Auf dem Jakobsweg – von Prag über Regensburg und Eichstätt nach Donauwörth“ (Tyrolia 2006, 204 Seiten, Karten 1:50.000); dazu gibt es drei Etappen-Flyer in den Tourist-Infos. Der Träger sitzt übrigens nicht in Würzburg, sondern am Weg: Waldschmidtplatz 2, 93458 Eschlkam — benannt nach Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, dem in Eschlkam geborenen Bayerwalddichter. Der Weg wird von einem Platz aus verwaltet, der den Namen des Dichters trägt, der diese Landschaft literarisch erfunden hat.

Übernachtet wird in Gasthöfen und Pensionen — eine Pilgerherbergskette im spanischen Sinn gibt es auf deutschen Jakobswegen nicht, und dieser ist keine Ausnahme. Der eine Abschnitt, den du wirklich vorbuchen solltest, liegt zwischen Bad Kötzting (km 33) und Wörth an der Donau (km 91): 58 Kilometer, in denen Rattenberg, Konzell und Stallwang die größten Orte sind — und in denen 1.857 der 6.337 Höhenmeter des Weges stecken. Diese drei Nächte plant man vorher, nicht unterwegs. Und eine Ziel-Ehrlichkeit zum Schluss: In der Abtei Neresheim übernachtest du nicht — das Klostergästehaus ist seit 2021 geschlossen, es gibt ein Klostercafé, aber kein Pilgerbett; dein letztes Quartier planst du im Ort. Am einfachsten gelingt das alles direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Was dich der Weg kostet

Belastbare offizielle Preisangaben gibt es für diesen Weg nicht — was es gibt, sind Gasthöfe und Pensionen, und damit gilt hier der Rahmen der deutschen Jakobswege unseres Netzes: Rechne mit 45 bis 70 € pro Tag (Stand: August 2026) für ein Zimmer mit Frühstück plus Verpflegung, in Regensburg und Eichstätt eher am oberen Rand, in den Vorwald-Dörfern darunter. Für die 14 Etappen der Hauptvariante landest du damit grob bei 650 bis 1.000 € ohne An- und Abreise. Donativo-Herbergen und Gemeinschaftsquartiere sind die Ausnahme, nicht die Regel — kalkuliere sie als Glücksfall, nicht als Plan. Sparen kannst du am ehesten beim Essen: Die Etappenorte ab der Donau sind gewachsene Kleinstädte mit Supermarkt und Bäckerei, und wer mittags einkauft statt einkehrt, drückt den Tagessatz spürbar.

Anreise

Der Startbahnhof ist Furth im Wald, knapp zehn Kilometer Luftlinie vom Grenzübergang: Die Stadt liegt an der Bahnlinie Richtung Prag, aus Deutschland steigst du in Schwandorf um; weiter geht es mit Bus oder Taxi nach Eschlkam oder direkt auf die Passhöhe. Und weil du sowieso durch die Drachenstadt kommst, sag es dir ehrlich: Der Further Drachenstich — Deutschlands ältestes Volksschauspiel mit mehr als 500 Jahren Tradition — liegt 5,3 Kilometer neben dem Weg, samt dem 1. Deutschen Drachenmuseum und Tradinno, dem größten vierbeinigen Schreitroboter der Welt (fünf Meter hoch, sechzehn Meter lang, im Einsatz seit 2010). Gespielt wird im Hochsommer, 2026 vom 31. Juli bis 16. August — dafür verschiebt man einen Etappentag.

Die Rückreise vom Ziel braucht einen ehrlichen Hinweis: In Neresheim steht zwar ein Bahnhof, aber er gehört der Härtsfeld-Museumsbahn — verlass dich für die Heimreise nicht darauf, sondern prüfe vorab die Busverbindungen Richtung Aalen oder Nördlingen. Wer die offizielle Variante bis Donauwörth geht, endet dagegen direkt in einer Stadt mit Bahnanschluss. Unterwegs ist Regensburg (km 121) mit ICE-Halt der beste Ein- und Ausstieg, Eichstätt (km 214) der zweite. Und wer aus Prag zu Fuß kommt, braucht gar keine Anreise: Der Všeruby Way endet genau dort, wo dein erster Schritt beginnt.

  • Anreise zum Start: Bahnhof Furth im Wald (Linie Richtung Prag, aus Deutschland Umstieg in Schwandorf), weiter per Bus oder Taxi nach Eschlkam (km 8,3) oder zum Grenzübergang Eschlkam/Všeruby.
  • Rückreise: Neresheim hat nur den Museumsbahn-Bahnhof — Busverbindungen Richtung Aalen oder Nördlingen vorab prüfen; die offizielle Donauwörth-Variante endet direkt an einem Bahnhof.
  • Zwischeneinstieg: Regensburg Hbf (km 121, ICE) und Eichstätt (km 214) teilen den Weg in drei gut erreichbare Abschnitte: Gebirge, Donau, Jura.
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