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Lindau – Héricourt

Der Jakobsweg Lindau – Héricourt ist die flache Nordroute durch die Schweiz: 316,5 Kilometer von der Lindauer Insel über Konstanz und Basel durch die Burgundische Pforte nach Frankreich — rund 250 davon an einem Ufer, bei nur 3.353 Höhenmetern Anstieg. Unterwegs liegen zwei Konzilsstädte, der Rheinfall und der Rhein, in den Konstanz 1415 die Asche von Jan Hus streuen ließ — du folgst ihm 190 Kilometer.

1. Juli 202622 Min. Lesezeit
Lindau – Héricourt
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Lindau (Bodensee-Insel, Bayern) → Héricourt (Haute-Saône, Frankreich) — Deutschland, Schweiz und Frankreich in einem einzigen Weg
  • Länge: 316,5 km — rund 250 davon an einem Ufer: Bodensee, Untersee, Hochrhein
  • Höhenmeter: ↗ 3.353 m / ↘ 3.402 m — 10,6 Meter Anstieg pro Kilometer, einer der flachsten langen Jakobswege Mitteleuropas
  • Dauer: 14–15 Etappen à ca. 13–30 km in 3 Abschnitten (Bodensee, Hochrhein, Sundgau & Burgundische Pforte) — jeder Abschnitt bahnerreichbar
  • Verlauf: Lindau > Konstanz > Basel > Héricourt — Bodensee-Nordufer mit Fähre Meersburg–Konstanz, dann 190 km Hochrhein, dann durch die Burgundische Pforte
  • Wegzeichen: am Hochrhein durchgehend als ViaRhenana (Schweizer Wanderland-Route 60, offiziell „leicht“) — ein Kulturwanderweg, keine Muschel; am Bodensee Uferwege, im Sundgau lückenhaft: mit der Camino Ninja App bist du sicher
  • Zubringer: der Münchner Jakobsweg endet in Lindau, der Oberschwäbische Jakobsweg in Konstanz — beide übergeben direkt an diesen Weg
  • Anschluss: in Konstanz zweigt die Via Jacobi nach Süden ab, in Basel der Baslerweg; ab Héricourt führt die Linie weiter Richtung Beaune und Vézelay
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober — im Winter fährt die Fähre eingeschränkt, und der Untersee hat viele Nebeltage
  • Charakter: Fluss- und Städteweg ohne Pilgerherbergsnetz: drei Länder, zwei Währungen, drei Preisniveaus — und an fast jedem Hochrhein-Etappenort ein Bahnhof

Überblick

Dieser Weg hat keinen Markennamen, keinen Trägerverein und keine Gründungsurkunde — er hat etwas Besseres: Wasser. Rund 250 seiner 316,5 Kilometer liegen an einem Ufer, erst am Bodensee, dann am Hochrhein. Er ist die nördliche Alternative zur Via Jacobi: In Konstanz biegt alles, was nach Einsiedeln und Genf will, nach Süden ab — du bleibst am Fluss. Und dieser Fluss trägt Geschichte: Am 6. Juli 1415 verbrannte das Konstanzer Konzil Jan Hus, und „seine Asche streuten die Henker in den Rhein“. Du gehst 190 Kilometer hinter dieser Asche her.

Unsere Routen-Datenbank fasst den Weg in eine Zeile: „Lindau > Konstanz > Basel > Héricourt“. Das heißt konkret: von der Lindauer Insel am Nordufer des Bodensees zur Fähre Meersburg–Konstanz, dann den Hochrhein hinunter — Stein am Rhein, Schaffhausen mit dem Rheinfall, das Verenagrab in Bad Zurzach, Bad Säckingen, Rheinfelden — bis Basel, wo du auf der Mittleren Brücke den Rhein überquerst und liegen lässt, und schließlich durch den Sundgau und die Burgundische Pforte nach Héricourt. Die zweite Zahl der Datenbank ist die eigentliche Einladung: ↗ 3.353 Höhenmeter auf 316,5 Kilometern sind 10,6 Meter Anstieg pro Kilometer — dieser Weg ist, in Zahlen, einer der flachsten langen Jakobswege Mitteleuropas.

Die Anmarschroute, die zum Pilgerweg wurde

Dieser Weg verbindet die beiden Städte, in denen die Kirche des 15. Jahrhunderts ihre größten Versammlungen abhielt — und er verbindet sie mit dem Fluss, den beide benutzten. Konstanz, 1414 bis 1418: 50.000 bis 70.000 Konzilsbesucher drängen sich in einer Stadt mit 6.000 Einwohnern; fremde Bäcker backen auf fahrbaren Öfen, ein Papst wird gewählt, ein Geleitbrief wird gebrochen. Am 6. Juli 1415 verurteilt die 15. Sitzung im Münster Jan Hus, nachmittags brennt er vor der Stadtmauer, und dann kommt der Satz, der diesen Weg zusammenhält: „seine Asche streuten die Henker in den Rhein.“ Genau dieser Rhein ist deine Route für die nächsten 190 Kilometer. Und an ihrem Ende, in Basel, tagt von 1431 bis 1449 das nächste Konzil, wählt 1439 mit Felix V. den bisher letzten Gegenpapst der Geschichte — und hinterlässt der Stadt 1460 ihre Universität, die älteste der Schweiz. Zwei Konzilien, ein Fluss, zwei Wochen zu Fuß.

Am Ostrand von Basel, wo dieser Weg über die Birs in die Stadt kommt, steht der beste Beleg, den er hat: St. Jakob an der Birs. Die Kapelle am Flussübergang der alten Straße vom Elsass über Basel zum Hauenstein war „dem hl. Jakob, dem Patron der Reisenden“ geweiht — ein „kleines Gebethaus für Reisende zu Bitte und Dank vor und nach der Überquerung“, nach Hochwasserschäden 1414 neu gebaut. Das ist kein Marketing, das ist eine Bauakte: Jakobus als Reisenden-Patron, an einer Furt, an der Elsass-Achse. Dreißig Jahre nach dem Neubau, am 26. August 1444, starben im Garten des Siechenhauses daneben 1.484 von 1.500 Eidgenossen„bis auf 16 Flüchtige“. Und jetzt die Ehrlichkeit, die dieser Weg verdient: Eine Jakobus-Patrozinienkette am Hochrhein gibt es nicht, einen namentlich belegten Santiago-Pilger dieser Linie auch nicht, und einen durchgehenden Wegnamen samt Trägerverein ebenso wenig. Belegt ist ein uralter Fernstraßen-Korridor voller Wallfahrtsorte — als Santiago-Route ist er eine moderne, plausible Setzung. Wir sagen dir das lieber, als dir eine Urkunde zu erfinden.

Dass diese Achse trotzdem eine Geschichtsträchtigkeit hat, die kaum ein markierter Weg erreicht, zeigt ihr Endpunkt. Héricourt, 13. November 1474: „die erste militärische Auseinandersetzung in den Burgunderkriegen“. 18.000 Mann — Eidgenossen, habsburgische Truppen und die Niedere Vereinigung, also Basel, Kolmar, Straßburg und Schlettstadt — schlagen 12.000 Burgunder; über 3.000 Burgunder fallen, am 17. November kapituliert die Stadt. Das Heer war von Basel und vom Oberrhein aus angerückt, auf genau der Linie, der du folgst. Du gehst die Anmarschroute — 550 Jahre später, mit Rucksack statt Spieß. Am Ziel wirst du dafür weitergereicht: In Héricourt stehen zwei Kirchen namens Saint-Christophe, eine katholische und eine lutherische, und in Belfort trägt die Kathedrale denselben Namen — an der Sprachgrenze übergibt Jakobus an Christophorus, den anderen Patron der Reisenden. Und eine letzte Klammer: Lindau wurde 1528 evangelisch, Héricourt 1565 lutherisch, im nahen Montbéliard entstand 1601–1607 die „erste lutherische Kirche Frankreichs“ — dazwischen liegt das Basler Münster, in dem 1536 Erasmus von Rotterdam beigesetzt wurde, ein katholischer Priester in einer protestantisch gewordenen Kirche. Ein Jakobsweg von Protestanten zu Protestanten, mit einem Katholikengrab in der Mitte — der Weg braucht keine Legende, er hat Pointen.

Andere Namen

Hier zuerst die Ehrlichkeit: Dieser Weg hat keinen eingeführten Markennamen. In unserer Routen-Datenbank heißt er nach seinen Endpunkten — Lindau – Héricourt, mit dem Zusatz „Lindau > Konstanz > Basel > Héricourt“ —, und ein Trägerverein, der die Gesamtlinie betreut, ist nicht belegbar. Was er stattdessen hat, sind amtliche Namen für seine Teilstücke: Die 190 Kilometer von Kreuzlingen nach Basel sind die schweizerische ViaRhenana, Wanderland-Route 60 — ein durchmarkierter Kulturwanderweg (keine Jakobsmuschel!), der „entlang des Hochrheins“ durch sechs Kantone „bis zur Schifflände nahe der Mittleren Rheinbrücke von Basel“ führt. Nach ihr richtest du dich in der Praxis. Das Bodensee-Nordufer läuft auf regionalen Uferwegen bis zur Fähre Meersburg–Konstanz, und ab Basel folgst du der historischen Fernstraßen-Achse durch den Sundgau. Zwei Verwechslungen solltest du kennen: Der Schwabenweg führt von Konstanz nach Einsiedeln, die Via Jacobi von Rorschach über Einsiedeln und den Jurasüdfuss nach Genf — beide biegen dort nach Süden ab, wo dieser Weg stur nach Westen geht. Wer dir also erzählt, die Route Konstanz–Basel sei „der Jakobsweg durch die Schweiz“, verwechselt sie mit dem großen Bruder.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du lange Tage magst, aber keine Steigungen suchst: 10,6 Höhenmeter pro Kilometer sind fast nichts, und drei Viertel der Strecke liegen an einem Ufer. Ideal auch, wenn du Städte nicht als Störung empfindest, sondern als Programm — Konstanz, Schaffhausen und Basel sind drei europäische Schwergewichte in zwei Wochen, alle direkt auf der Trasse. Und ideal, wenn du gern mit einem Fahrplan in der Tasche gehst: Am Hochrhein hält an fast jedem Etappenort ein Zug oder ein Schiff — du kannst jeden Tag aussteigen und jeden Tag wieder einsteigen.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsromantik suchst: Es gibt kein Pilgerherbergsnetz, du schläfst in Gasthöfen, Hotels, Jugendherbergen und Chambres d'hôtes — und zwischen Konstanz und Basel zu Schweizer Preisen. Nichts für dich ist er auch, wenn dich Asphalt nervt: Die Uferwege am Bodensee und Hochrhein sind vielerorts befestigt und werden mit Radfahrern geteilt. Und er ist nichts für dich, wenn du eine durchgehend markierte, historisch verbriefte Pilgertrasse erwartest — ab Basel führst du dich mit Karte und Camino Ninja App selbst, und die Gesamtlinie ist eine moderne Setzung auf einem uralten Fernstraßen-Korridor. Beides ist wahr, und wir sagen es dir vorher: Solche Lücken plant man am Schreibtisch weg, nicht unterwegs.

Streckenverlauf & Landschaft

Der See. Lindau, dessen Insel 882 zum ersten Mal in einer St. Galler Schenkungsurkunde auftaucht, entlässt dich auf den Uferweg nach Westen: Wasserburg, Nonnenhorn, Kressbronn, Langenargen mit dem maurisch überformten Schloss Montfort, dann Friedrichshafen, wo sich am 2. Juli 1900 der 128 Meter lange LZ 1 zum ersten Mal vom Wasser hob. In Meersburg — Deutschlands älteste bewohnte Burg, seit 1526 Zuflucht der aus dem reformierten Konstanz geflohenen Bischöfe — steigst du auf die Fähre, und eine Viertelstunde später stehst du in Konstanz vor dem Münster, in dem das Konzil tagte. Zwanzig Schritte daneben liegt die Mauritiusrotunde: Bischof Konrad von Konstanz, der im 10. Jahrhundert dreimal nach Jerusalem pilgerte, ließ sie nach 940 als 1:2-Nachbildung der Grabeskirche bauen — für alle, die sich die weite Reise nicht leisten konnten. Heute ist sie „Station auf drei Teilstrecken des Jakobsweges“, und hier fällt die Entscheidung: Die Via Jacobi biegt nach Süden ab, du bleibst am Wasser.

Der Fluss und das Tor. Ab Kreuzlingen folgst du dem Untersee und dem Hochrhein, meist auf der Schweizer Seite — eine Kette von Städtchen, die alle von einer einzigen Sache lebten: dem Übergang. Stein am Rhein, wohin das Kloster St. Georgen um 1005 eigens „an die Strassen- und Wasserkreuzung“ verlegt wurde; Diessenhofen, dessen Brückenzölle bis 1848 die wichtigste Einnahme der Stadt waren; Schaffhausen, das überhaupt nur existiert, weil der Rheinfall — 23 Meter hoch, 373 Kubikmeter pro Sekunde — die Wasserstraße unterbrach und alle Waren umgeladen werden mussten; die Klosterinsel Rheinau, das 32-Hektar-Städtchen Kaiserstuhl, das Verenagrab in Bad Zurzach, Europas längste gedeckte Holzbrücke (203,7 m) in Bad Säckingen, Rheinfelden mit der „ältesten Brücke zwischen Konstanz und Strassburg“ — und schließlich Basel, wo die Mittlere Brücke (Erstnennung 1225, gesichert 1244) bis 1879 „die unterste feste Brücke bis zur Mündung“ war: von hier bis zur Nordsee kein fester Übergang. Dann lässt du den Rhein liegen. Es folgen die Karpfenweiher des Sundgaus, die Zisterzienser schon im 12. Jahrhundert anlegten, und die Burgundische Pforte, ein rund 30 Kilometer weiter flacher Sattel auf 400 Metern zwischen Vogesen und Jura, durch den die europäische Hauptwasserscheide läuft. Du merkst nichts von einem Pass — aber hinter dieser unscheinbaren Schwelle fließt kein Tropfen mehr in den Rhein.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

15 Etappen in drei Abschnitten — Bodensee, Hochrhein, Sundgau & Burgundische Pforte. Nach unserer Routen-Datenbank sind es 316,5 Kilometer mit 3.353 Aufstiegs- und 3.402 Abstiegsmetern; die Etappen-km unten sind rekonstruierte Näherungswerte und tragen deshalb „ca.“. Der Hochrhein-Abschnitt deckt sich mit der ViaRhenana und ist offiziell als „leicht“ eingestuft — die reale Schwierigkeit dieses Wegs liegt nicht im Gelände, sondern in der Logistik der letzten drei Tage: Zwischen Basel und Héricourt gibt es Dörfer ohne ein einziges Bett. Die gute Nachricht steht auf der anderen Seite der Rechnung: Bis Basel hält an fast jedem Etappenort ein Zug oder ein Schiff, du kannst diesen Weg tageweise gehen, abbrechen und wieder aufnehmen wie kaum einen zweiten. Wer 14 statt 15 Tage hat, legt die beiden kürzesten Flusstage zusammen. Und fürs letzte Drittel gilt: Dein Etappenziel bestimmt nicht deine Kondition, sondern die Frage, wo ein Quartier steht.

Abschnitt 1 — Bodensee: Lindau → Konstanz (Etappen 1–2, ca. 50 km — flaches Uferland mit Fähre Meersburg–Konstanz; Bahn: Lindau, Friedrichshafen, Konstanz)

  1. Lindau → Friedrichshafen — ca. 22 km — Seeuferweg über Wasserburg, Nonnenhorn, Kressbronn und Langenargen (Schloss Montfort); flach, teils Radweg-Asphalt. Friedrichshafen ist Messe- und Zeppelinstadt — vorbuchen.
  2. Friedrichshafen → Konstanz — ca. 28 km (inkl. Fähre) — über Immenstaad und Hagnau nach Meersburg (Deutschlands älteste bewohnte Burg), dann Fähre nach Konstanz-Staad und Uferweg in die Konzilstadt. Die Fähre nimmt dir 4,5 km Gehstrecke ab.

Abschnitt 2 — Hochrhein: Konstanz → Basel (Etappen 3–11, ca. 176 km — Kernstück am Fluss, weite Teile im ViaRhenana-Korridor; zwischen Rheinfall und Waldshut läuft unsere Trasse übers Rafzerfeld; an fast jedem Etappenort ein Bahnhof)

  1. Konstanz → Steckborn — ca. 21 km — über Tägerwilen, Gottlieben und Ermatingen am Untersee entlang; sehr flach. Steckborn hat wenige Betten — Alternativen Berlingen oder Mammern.
  2. Steckborn → Stein am Rhein — ca. 17 km — kurzer, schöner Tag über Mammern und Eschenz; das Postkartenstädtchen nimmt Tagesgast-Preise — früh buchen.
  3. Stein am Rhein → Schaffhausen — ca. 21 km — Diessenhofen (gedeckte Holzbrücke von 1816), Kloster St. Katharinental, Kloster Paradies. Schaffhausen hat eine Jugendherberge.
  4. Schaffhausen → Rafz — ca. 17 km — die Rheinfall-Etappe bei Neuhausen; danach verlässt unsere Trasse den Rhein und wechselt über Lottstetten ins Rafzerfeld. Rafz hat S-Bahn-Anschluss nach Zürich als Rückfallebene.
  5. Rafz → Waldshut — ca. 30 km — über Wil ZH und das offene Ackerland des Rafzerfelds zurück an den Hochrhein; langer, flacher Tag ohne Quartier unterwegs — Proviant einpacken, notfalls per Bahn teilen.
  6. Waldshut → Laufenburg — ca. 18 km — am deutschen Ufer über Dogern und Albbruck; Laufenburg gibt es beidseits der Grenze — die deutsche Seite ist günstiger.
  7. Laufenburg → Bad Säckingen — ca. 13 km — kürzeste Etappe, mit Absicht: Fridolinsmünster, Silberschrein und die 203,7 Meter lange gedeckte Holzbrücke wollen Zeit.
  8. Bad Säckingen → Rheinfelden — ca. 20 km — Stein AG, Mumpf, Wallbach; am Ziel „die älteste Brücke zwischen Konstanz und Strassburg“ und eine Johanniterkommende von 1212.
  9. Rheinfelden → Basel — ca. 19 km — Augusta Raurica (gegründet 44 v. Chr.), Pratteln, Muttenz, St. Jakob an der Birs — dann über die Mittlere Brücke in die Altstadt.

Abschnitt 3 — Sundgau & Burgundische Pforte: Basel → Héricourt (Etappen 12–15, ca. 87 km — dünnste Infrastruktur des Wegs, Quartiere vorplanen; Bahn: Basel, Delle, Héricourt)

  1. Basel → Oltingue — ca. 21 km — Grenzübertritt nach Frankreich, dann über Neuwiller und Hagenthal-le-Bas in die Sundgau-Hügel. Die Dörfer dazwischen haben fast keine Betten — diesen Tag plant man vorher, nicht unterwegs.
  2. Oltingue → Réchésy — ca. 28 km — über das Städtchen Ferrette, Durlinsdorf und Liebsdorf durchs Weiherland des Sundgaus, unmerklich über die europäische Hauptwasserscheide; langer, welliger Tag mit dünnem Quartierangebot.
  3. Réchésy → Delle — ca. 11 km — kurzer Puffertag: Delle, der wichtigste Grenzbahnhof zwischen Frankreich und dem Schweizer Jura, ist der letzte sichere Quartier- und Bahnanker vor dem Finale.
  4. Delle → Héricourt — ca. 27 km — über Fesches-le-Châtel, Nommay und Châtenois-les-Forges durch das Vorland von Belfort ins Lizaine-Tal; Ankunft zwischen den beiden Saint-Christophe-Kirchen von Héricourt.

Die Kontrollsumme dieser Rekonstruktion liegt bei rund 313 Kilometern — unsere Trackmessung sagt 316,5, die Differenz sind Stadtdurchquerungen und Uferschleifen. Wer 14 Etappen will, legt die 9 und die 10 zusammen (ca. 33 flache Kilometer). Und merk dir den Rhythmus dieses Wegs: Die Etappen 1–11 sind Wasserweg — flach, gut versorgt, jederzeit per Bahn oder Schiff abbrechbar. Die Etappen 12–15 sind ein anderes Buch: dünnere Infrastruktur, kaum Beschilderung, längere Tage. Wer knapp Zeit hat, kürzt am See — und spart nicht im Sundgau.

Highlights am Weg

  • Lindauer Insel — Hafen mit Löwe und Leuchtturm, Altstadt einer Reichsstadt (bestätigt 1274/75); erstmals erwähnt 882 in einer St. Galler Schenkungsurkunde, evangelisch seit 1528. Dein Kilometer null liegt im Wasser.
  • Meersburg, Altes Schloss — die älteste vollständig erhaltene und bewohnte Burg Deutschlands; ab 1526 Residenz der Konstanzer Bischöfe, die vor der Reformation über den See zogen. Annette von Droste-Hülshoff starb hier 1848. Direkt an der Fähre.
  • Konstanzer Münster mit Mauritiusrotunde — Sitzungsort des Konzils von 1414–1418; die Rotunde ließ Bischof Konrad (dreimal Jerusalem-Pilger) nach 940 als 1:2-Nachbildung der Grabeskirche bauen, mit dem Heilig-Grab-Häuschen von um 1260 und den zwölf Aposteln — „Station auf drei Teilstrecken des Jakobsweges“.
  • Hussenstein, Konstanz — der Findling mit der goldenen Inschrift „Johannes Hus“ am mittelalterlichen Richtplatz, seit 1862. Hier brannte am 6. Juli 1415 der Scheiterhaufen; die Asche ging in deinen Fluss.
  • Kloster St. Georgen, Stein am Rhein — um 1005 gezielt „an die Strassen- und Wasserkreuzung“ verlegt, am 5. Juli 1525 aufgehoben; heute eine der besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen der Schweiz.
  • Gedeckte Holzbrücke Diessenhofen — 1816 eröffnet; die Brücken- und Durchgangszölle waren bis 1848 die wichtigste Einnahmequelle der Stadt. Der ganze Hochrhein war ein Zollhaus mit Aussicht.
  • Rheinfall bei Neuhausen — 23 Meter hoch, 150 Meter breit, 373 Kubikmeter Wasser pro Sekunde; der Grund, warum es Schaffhausen gibt: Hier musste jede Ware umgeladen werden.
  • Münster zu Allerheiligen, Schaffhausen — 1049 gestiftet, den ersten Altar weihte Papst Leo IX. persönlich am 22. November 1049; heute der größte romanische Sakralbau der Schweiz. Dazu der Munot (1563–1585) über der Erkerstadt.
  • Kloster Rheinau — um 778 auf der Rheininsel gegründet, Grab des irischen Mönchs Fintan († 878), barocke Klosterkirche von 1710; 1862 aufgehoben, heute Musikinsel.
  • Verenamünster, Bad Zurzach — in der Krypta das Grab der heiligen Verena, seit dem Mittelalter Ziel einer überregionalen Wallfahrt; die Zurzacher Messe hatte ihren Höhepunkt jeweils am Verenatag, dem 1. September — die letzte Ledermesse fand 1855 statt, erledigt von der Eisenbahn.
  • Fridolinsmünster und Holzbrücke, Bad Säckingen — das Grab des irischen Wanderheiligen Fridolin, dessen Silberschrein jährlich in Prozession getragen wird und der mit Wanderstab und Bibel auf der Fahne des Kantons Glarus geht; dazu mit 203,7 Metern die längste gedeckte Holzbrücke Europas.
  • Rheinfelden — „die älteste Brücke zwischen Konstanz und Strassburg“ (12. Jahrhundert), Johanniterkommende seit 1212: Der Orden, dessen Geschäft Pilger und Kranke waren, saß 600 Jahre an diesem Übergang.
  • Augusta Raurica bei Augst — Römerstadt von 44 v. Chr. mit Theater für über 10.000 Zuschauer; der Silberschatz von Kaiseraugst (352 n. Chr.): 58 Kilo Silber, 270 Objekte.
  • St. Jakob an der Birs, Basel — die 1414 neu gebaute Jakobskapelle für Reisende am Flussübergang — und das Schlachtfeld vom 26. August 1444, auf dem 1.484 von 1.500 Eidgenossen fielen, „bis auf 16 Flüchtige“.
  • Basler Münster und Mittlere Brücke — Münsterweihe am 11. Oktober 1019 vor Kaiser Heinrich II., Galluspforte (1150/1170), Konzil 1431–1449, Erasmus-Grab von 1536; die Mittlere Brücke (Erstnennung 1225, gesichert 1244) blieb bis 1879 Basels einziger Rheinübergang — und war die unterste feste Brücke vor dem Meer.
  • Héricourt — zwei Saint-Christophe-Kirchen (der ältere Kirchturm aus dem 11./12. Jahrhundert, die lutherische Gemeinde seit 1887 im eigenen Bau), Reste des Château mit der Grosse Tour — und das Schlachtfeld vom 13. November 1474, mit dem die Burgunderkriege begannen. Von 1525 bis zur Revolution war das Städtchen württembergisch: Du endest in Frankreich, aber vor schwäbischer Kulisse.
  • Abstecher, klar als solche benannt: die Insel Reichenau ab Konstanz (UNESCO-Welterbe seit 2000, drei romanische Kirchen); Mariastein ab Basel (nach Einsiedeln der zweitwichtigste Wallfahrtsort der Schweiz, Gnadenkapelle über 59 Stufen im Fels); Belfort ab Héricourt (Vaubans Zitadelle, Bartholdis 22-Meter-Löwe, Kathedrale Saint-Christophe).

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der eine echte Zubringer endet exakt an deinem Startpunkt: Der Münchner Jakobsweg kommt aus dem Voralpenland und endet in Lindau — wer ihn zu Fuß beendet, wechselt nicht den Ort, sondern nur die Landschaft: raus aus dem Hügelland, rein an den See. Der zweite trifft dich am zweiten Tag: Der Oberschwäbische Jakobsweg läuft 159 Kilometer vom Ulmer Münsterplatz zum Konstanzer Münster und benutzt dieselbe Fähre Meersburg–Konstanz wie du. Aus dem weiteren Umland speisen Hegauer, Linzgauer und Beuroner Jakobsweg den Bodenseeraum — Konstanz ist als Einstieg also genauso legitim wie Lindau, kostet aber die beiden schönsten Uferabende.

Und jetzt eine Korrektur, die dir Umwege spart: Der Jakobsweg Österreich endet nicht am Bodensee, sondern in Rankweil im Vorarlberger Rheintal — dort übernimmt der Appenzeller Weg Richtung Süden, in die Berge, nicht an den See. Wer aus Wien oder Innsbruck kommt und diesen Weg hier gehen will, nimmt entweder die Via Jacobi Bregenz ans Schweizer Ufer und setzt per Schiff oder Bahn nach Lindau über — oder steigt gleich in den Zug: Lindau-Reutin ist seit Dezember 2020 Fernverkehrshalt, mit direkten Zügen aus München, Zürich und (über Bregenz) aus Wien.

Weiterpilgern?

Héricourt ist kein Ziel, Héricourt ist eine Weiche — und du bist nicht der einzige, der hier ankommt: Die Route Rottenburg – Freiburg – Héricourt endet am selben Punkt, nur kommt sie über den Schwarzwald statt über den Hochrhein. Hier sammelt sich, was aus Süddeutschland nach Burgund will. Ab Héricourt führt die Linie weiter nach Westen durch die Franche-Comté Richtung Beaune und Gy und mündet in die Via Lemovicensis, die von Vézelay zu den Pyrenäen zieht — dort übernimmt der Camino Francés. Wer stattdessen über Le Puy will, zielt auf die Via Podiensis, an deren Startpunkt auch die Via Gebennensis aus Genf ankommt.

Du musst aber gar nicht bis Héricourt gehen, um weiterzukommen — Basel ist der eigentliche Verteiler: Wer dort in die Schweiz hinein statt nach Frankreich hinaus will, nimmt den Baslerweg nach Bern, den Drei-Seen-Weg nach Payerne oder den Verbindungsweg Mariastein – Willisau, der am zweitwichtigsten Wallfahrtsort der Schweiz beginnt. Und die größte Weiche von allen liegt ganz am Anfang: In Konstanz startet die Via Jacobi über Einsiedeln und den Jurasüdfuss nach Genf. Zwei Wege, ein Münster, zwei völlig verschiedene Wochen — der eine steigt, der andere fließt.

Vorbereitung & Praktisches

Drei Länder in zwei Wochen heißt: Ausweis immer griffbereit (Schengen ja — Kontrollen an der Basler Grenze sind trotzdem möglich), zwei Währungen (Euro in Deutschland und Frankreich, Franken in der Schweiz) und drei Preisniveaus. Die Karte funktioniert fast überall, aber für Fähre, Kollektenkörbe und Dorfläden gehört Kleingeld in beiden Währungen in die Tasche. Sprachlich trägt dich Deutsch bis Basel — ab dem Sundgau brauchst du Französisch oder Geduld. Und plane die Rückreise ab Héricourt vorher: Das ist eine Kleinstadt, kein Verkehrsknoten.

Quartier ist die eigentliche Planungsaufgabe. Es gibt kein Pilgerherbergsnetz: Du buchst Gasthöfe, Hotels, Jugendherbergen (Schaffhausen und Basel sind gut versorgt) und in Frankreich Chambres d'hôtes und Gîtes. Am See und in den Schweizer Städtchen ist die Bettenlage im Sommer und an Wochenenden knapp — Stein am Rhein, Rheinau und Eglisau sind die kritischen Punkte, Rheinau praktisch ohne eigenes Angebot. Ab Basel wird es dünn: Zwischen Altkirch und Héricourt liegen Dörfer ohne jedes Bett. Am einfachsten planst du diese Tage direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und die Unterkünfte gleich mit einplanst.

Ausrüstung und Timing: Der Weg ist flach, aber hart im Untergrund — viel Asphalt und befestigter Radweg. Eingelaufene Schuhe mit Dämpfung sind hier wichtiger als Trittsicherheit. Trinkwasser ist kein Thema: Brunnen und Läden gibt es reichlich, und Leitungswasser ist am ganzen Hochrhein selbstverständlich. Beste Zeit ist Mai bis Oktober: Im Frühjahr ist der Rheinfall am mächtigsten, im Herbst sind die Rebhänge bei Eglisau und Meersburg der Grund, überhaupt zu gehen; im Winter fährt die Fähre eingeschränkt, und der Untersee hat viele Nebeltage. Ein unterschätztes Detail: An heißen Sommertagen ist der Bodensee-Radweg voll — der frühe Aufbruch lohnt dann nicht wegen der Hitze, sondern wegen der Klingeln.

Was dich der Weg kostet

Vorweg die Ehrlichkeit: Dieser Weg hat keinen Betreiber, also gibt es auch keine Pilgertarife — alle Werte hier sind Schätzkorridore aus Erfahrungs- und Recherchewerten (Stand: August 2026), in zwei Währungen, weil das Preisniveau zweimal springt. Deutschland (Lindau bis Konstanz, ca. 2 Tage): Gasthof-Doppelzimmer 80–120 €, Einzelzimmer 60–95 €, Jugendherberge 30–45 €, Tagesgericht 14–20 €. Schweiz (Konstanz bis Basel, ca. 10 Tage) — die teuerste Zone des Wegs: Jugendherberge im Mehrbettzimmer CHF 45–65, einfaches Hotel-Doppelzimmer CHF 130–200, Hauptgang im Restaurant CHF 24–35, Supermarkt-Tagesbedarf CHF 15–22. Der beste Spartrick steht am anderen Ufer: In Bad Säckingen, Laufenburg (D) oder Rheinfelden (D) zahlst du für das Gleiche spürbar weniger — der Rhein ist hier auch eine Preisgrenze. Frankreich (Basel bis Héricourt, ca. 3 Tage): Chambre d'hôtes 55–85 € inkl. Frühstück, Hotel 65–95 €, Menu du jour 15–22 €. Als Tagesbudget rechnest du 45–75 € in Deutschland, CHF 80–130 (rund 85–140 €) in der Schweiz und 40–70 € in Frankreich — für die ganzen 316,5 Kilometer in 15 Tagen also grob 1.000–1.700 €, konsequent auf der deutschen Rheinseite deutlich darunter. Feste Kleinposten: die Fähre Meersburg–Konstanz kostet als Fußgänger rund 4–5 €, Museen wie Allerheiligen, St. Georgen oder Augusta Raurica je CHF 8–15, ein Bahn-Etappensprung in der Schweiz CHF 10–30. Und der teuerste Anfängerfehler dieses Wegs ist Flaschenwasser zu Schweizer Preisen — die Brunnen sind gratis.

Anreise

Nach Lindau: Der Startpunkt ist so gut angebunden, wie es nur geht, seit Lindau-Reutin Fernverkehrshalt ist — seit Dezember 2020 fahren täglich sechs schnelle Verbindungen Richtung München und Zürich (ECE/EC), dazu Regionalzüge und ein Westbahn-Zugpaar aus Wien über Innsbruck und Bregenz. Der alte Kopfbahnhof Lindau-Insel liegt zwei Minuten vom Hafen, wo die erste Etappe losläuft. Die nächsten Flughäfen sind Friedrichshafen (ca. 25 km), Memmingen, Zürich (Direktzug) und München. Wer den Münchner Jakobsweg zu Fuß beendet hat, braucht keine Anreise, sondern nur eine Nacht.

Zurück von Héricourt: Die Stadt hat einen eigenen Bahnhof an der Linie Dole–Belfort, und zehn Kilometer entfernt liegt der TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard — von dort bist du in wenigen Stunden in Paris, Straßburg oder wieder in Basel. Die zweite, hübschere Variante läuft über die Schweiz: Ab Delle, dem wichtigsten Grenzbahnhof zwischen Frankreich und dem Schweizer Jura, fahren seit der Streckenreaktivierung von 2018 wieder Züge über Delémont nach Basel. Und unterwegs gilt der große Vorteil dieses Wegs: Am Hochrhein hält an fast jedem Etappenort ein Zug — du kannst überall ein- und aussteigen.

  • Anreise zum Start: ECE/EC nach Lindau-Reutin ab München oder Zürich (je ca. 6 Verbindungen täglich), Westbahn aus Wien über Bregenz; Kopfbahnhof Lindau-Insel direkt am Hafen. Flughäfen: Friedrichshafen, Memmingen, Zürich, München.
  • Fähre unterwegs: Die Autofähre Meersburg–Konstanz fährt tagsüber alle 15 Minuten und ist Teil der Etappe 2; Bodensee-Kursschiffe verbinden Lindau, Friedrichshafen, Meersburg und Konstanz saisonal.
  • Unterwegs aussteigen: Bahnhalte an fast jedem Hochrhein-Etappenort (Thurgau, Schaffhausen, Zürcher Unterland, Aargau, Fricktal) — der Weg ist tageweise begehbar.
  • Rückreise: ab Héricourt (Linie Dole–Belfort) oder ab dem TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard (ca. 10 km) nach Paris, Straßburg oder Basel.
  • Alternative über die Schweiz: ab Delle über Delémont nach Basel (Strecke Belfort–Delle seit Dezember 2018 wieder in Betrieb).
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