Hegauer Jakobsweg auf der Karte

Hegauer Jakobsweg

Der Hegauer Jakobsweg führt in 71,5 Kilometern von Kloster Wald nach Konstanz, als westliche Variante der Via Beuronensis zum Bodensee. Er läuft über Stockach, die Narrenstadt am Rand des Hegaus, hinunter nach Ludwigshafen und Bodman am Überlinger See, quert den Bodanrück am Mindelsee und folgt dem Gnadensee über Allensbach und Hegne zum Konstanzer Münster. Drei Etappen, 828 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 697 Meter im Wald zwischen Mindersdorf und Ursaul. In Konstanz beginnt die Via Jacobi durch die Schweiz.

13. August 202611 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Klosterkirche St. Bernhard in Kloster Wald / Konstanzer Münster
  • Länge: 71,5 km
  • Dauer: 3 Etappen, Ø rund 24 km; mit dem Abstecher über die Reichenau eher 4 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 828 m / ↘ 1.082 m
  • Höchster Punkt: 697 m bei km 17,9 im Wald zwischen Mindersdorf und Ursaul
  • Landschaft: Wald und Riedwiesen im Hinterland, das Westende des Überlinger Sees, der Moränenrücken des Bodanrück, Schilf am Gnadensee
  • Markierung: gelbe Muschel auf blauem Grund, nur Richtung Konstanz markiert
  • Jakobus-Spuren: das ehemalige Schottenkloster St. Jakob in Konstanz mit der Schottenkapelle von 1589, die Mauritiusrotunde am Münster als Station des Schwabenwegs
  • Unterkunft: Gasthöfe, Pensionen und Privatzimmer, das Gästehaus St. Elisabeth am Kloster Hegne; Pilgerherbergen mit Schlafsaal gibt es nicht
  • Anschlusswege: Linzgauer Jakobsweg (Abzweig in Wald, Ziel ebenfalls Konstanz), Via Jacobi und Lindau – Héricourt ab Konstanz
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober; im Hochsommer sind die Quartiere am See knapp
  • Pilgerpass / Urkunde: Pilgerausweis über die Jakobspilger-Gemeinschaft in Beuron; Pilgerurkunde ab 100 km auf der Via Beuronensis, kostenlos gegen Spende (Stand: Oktober 2026)

Überblick

Der Hegauer Jakobsweg beginnt bei Nonnen und endet bei einem Bischof, der selbst Pilger war. In Kloster Wald stiftete Burkard von Weckenstein 1212 ein Zisterzienserinnenkloster für seine beiden Schwestern, und die barocke Kirche, an der du losgehst, ließ 1698 eine Äbtissin namens Jakobe von Bodman neu bauen. Am Ziel steht die Mauritiusrotunde des Konstanzer Münsters, die Bischof Konrad um 940 nach seiner Wallfahrt nach Jerusalem als Abbild der Grabeskirche errichten ließ. Dazwischen liegen 71,5 Kilometer, und ziemlich genau in der Mitte gehst du durch Bodman, das Dorf, nach dem der ganze See heißt.

Der Weg ist der westliche von zwei Schlussabschnitten der Via Beuronensis, die ein Beuroner Mönch ab 2004 markieren ließ und die Santiago 2009 anerkannte. In Wald trennt er sich vom Linzgauer Jakobsweg und nimmt den längeren, stilleren Bogen über Stockach und den Bodanrück. Ehrlich gesagt ist er dabei kein Weg durch die Vulkanlandschaft, die sein Name verspricht: Die Kegel von Hohentwiel und Hohenhewen bleiben im Westen am Horizont, du siehst sie von den Höhen bei klarer Luft, betrittst sie aber nicht.

Andere Namen

Der Träger führt ihn als Abschnitt F der Via Beuronensis, „Kloster Wald – Stockach – Markelfingen – Konstanz“, im Alltag heißt er Hegauer Jakobsweg oder Hegauer Weg. Der Name ist historisch korrekter, als die Geologie vermuten lässt: Der mittelalterliche Gau Hegau reichte im Süden bis an den Überlinger See und bis Konstanz, Stockach lag an seinem Nordostrand. Auf Englisch liest man Hegau Way of St. James.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du die Via Beuronensis von Tübingen her gehst und am Ende lieber am Wasser ankommst als über die Höhen des Linzgaus. Ideal auch für ein verlängertes Wochenende: drei Tage, Bahn am Ziel, eine Welterbe-Insel als möglicher vierter Tag.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du dich ungern verläufst: Der Träger warnt selbst „Bitte die Schilder beachten, da überwachsene Graswege kaum zu finden sind!“, und die Waldpassagen der ersten Etappe gehören zu den schwierigsten Stücken der ganzen Via Beuronensis, was die Orientierung angeht. Und nichts für dich, wenn du Pilgergemeinschaft wie in Spanien erwartest: Du gehst meist allein und schläfst im Gasthof.

Streckenverlauf & Landschaft

Kloster Wald bis Stockach (km 0–25,7): Von der Klosterkirche geht es durch Wald und feuchte Wiesen nach Sentenhart (km 7,2) mit seiner Remigiuskirche und weiter nach Mindersdorf (km 15,9). Kurz danach erreichst du bei km 17,9 mit 697 Metern den höchsten Punkt, mitten im Wald, und steigst über Ursaul (km 20,0) ins Tal der Stockacher Aach hinab nach Stockach (km 25,7).

Stockach bis Konstanz (km 25,7–71,5): Hinter Stockach öffnet sich der See. In Ludwigshafen (km 32,4) mit der Annakapelle und in Bodman (km 35,8) stehst du am äußersten Westende des Überlinger Sees. Dann steigt der Weg auf den Bodanrück, über Liggeringen (km 41,3) mit der Georgskirche, am stillen Mindelsee vorbei hinunter nach Markelfingen (km 48,3) am Gnadensee. Radolfzell liegt rund zwei Kilometer westlich neben dem Weg. Am Hang über dem Ufer geht es nach Allensbach (km 55,5), zum Kloster Hegne (km 60,2) und am Rand des Wollmatinger Rieds über Wollmatingen nach Konstanz (km 71,5).

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Wir zeigen den Weg in 3 Etappen wie der Träger; Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 71,5 km kalibriert. Wer kürzere Tage will, teilt die zweite Etappe in Bodman oder hängt in Allensbach einen Tag für die Reichenau an.

  1. Kloster Wald → Stockach (25,7 km) — die einsamste Etappe, viel Wald, kaum Einkehr, über den höchsten Punkt des Weges; Privatzimmer gibt es in Mindersdorf.
  2. Stockach → Markelfingen (22,6 km) — hinunter an den Überlinger See nach Ludwigshafen und Bodman, dann der Anstieg auf den Bodanrück und vorbei am Mindelsee.
  3. Markelfingen → Konstanz (23,2 km) — am Hang über dem Gnadensee nach Allensbach, über Kloster Hegne und Wollmatingen zum Münster.

Technisch ist nichts schwierig: Feld-, Wald- und Graswege, zuletzt mehr Asphalt; der einzige spürbare Anstieg führt von Bodman auf den Bodanrück. Lästiger als jede Steigung sind im Sommer die Mücken in den Riedwiesen und auf dem Schlusstag die Baustellen der B33 zwischen Allensbach und Konstanz, die laut Träger bis 2035 dauern. Rückwärts ist der Weg nicht markiert.

Der Narr von Stockach fragte als Einziger nach dem Rückweg

Stockach, um 1150 als Stocka erwähnt und 1283 sicher als Stadt belegt, hat das berühmteste Gericht am Bodensee, und es besteht aus Narren. Die Überlieferung führt es auf Hans Kuony zurück, den Hofnarren Herzog Leopolds I. von Habsburg. Als der Herzog 1315 gegen die Eidgenossen zog, saß Kuony im Kriegsrat, und die Tschachtlan-Chronik legt ihm diesen Satz in den Mund: „Da hand ir all geratten wa ir in dasz land koment, aber keiner hat geratten wa ir her wider usz koment.“ Ihr habt alle beraten, wie ihr ins Land hineinkommt, aber keiner, wie ihr wieder herauskommt. Wenig später verlor Leopold die Schlacht am Morgarten am Ägerisee.

Herzog Albrecht der Weise soll dem Narren 1351 das Recht verliehen haben, in Stockach jährlich ein Gericht abzuhalten. Belegen lässt sich das nicht, die Chroniken gelten der Forschung hier nicht als verlässlich. Belegt ist das Wort Narrengericht zuerst 1661 in einem Stockacher Ratsprotokoll, 1687 schrieben die Narren ihre „Satzung und Ordnung“ nieder. Bis heute klagt das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken mit bis zu 21 Gerichtsnarren am Schmotzigen Dunschtig einen Politiker an; 2026 traf es Markus Söder, verurteilt zu zweieinhalb Eimern Wein, das sind 150 Liter.

Für Pilger hat Kuonys Satz eine zweite Pointe. Auf diesem Weg hat auch niemand an den Rückweg gedacht: Die Muscheln zeigen nur nach Konstanz und weiter nach Santiago. Praktisch heißt das: Wenn du in der Fasnet durch Stockach kommst, plane einen Tag ein, denn dann ist die ganze Stadt auf den Beinen.

Highlights am Weg

  • Kloster Wald (km 0) — 1212 gestiftet, 1806 aufgehoben, seit 1946 wieder von Benediktinerinnen bewohnt, die hier die Heimschule Kloster Wald für Mädchen führen; Kirche St. Bernhard von 1698.
  • Stockach (km 25,7) — Stadt der Grafen von Nellenburg, bis 1805 österreichisch, 1799 Schauplatz der Schlacht bei Stockach und Liptingen.
  • Ludwigshafen (km 32,4) — hieß bis 1826 Sernatingen, dann taufte Großherzog Ludwig den neuen Hafen nach sich selbst, und das Dorf übernahm den Namen.
  • Bodman (km 35,8) — im 9. Jahrhundert Königspfalz Potamico, in der Ludwig der Deutsche und Karl der Dicke residierten; aus Potamico wurde Bodan und daraus Bodensee. Über dem Ort der Frauenberg, wo die Burg der Herren von Bodman 1307 nach einem Blitzschlag abbrannte.
  • Mindelsee (bei km 45) — rund 115 Hektar, vor etwa 15.000 Jahren vom Rheingletscher ausgeschürft, seit dem 15. August 1938 Naturschutzgebiet, mit über 20 Orchideenarten.
  • Allensbach (km 55,5) — schon 724 in der Gründungsurkunde der Reichenau als Alaspach genannt; heute kennt man den Ort vor allem durch sein Institut für Demoskopie.
  • Kloster Hegne (km 60,2) — seit 1892 Haus der Kreuzschwestern; in der Krypta das Grab der Schwester Ulrika Nisch (1882–1913), die Papst Johannes Paul II. am 1. November 1987 seligsprach.
  • Wollmatinger Ried (zwischen Hegne und Konstanz) — 767 Hektar Ried zwischen Hegne, Reichenau-Damm und Seerhein, seit 1930 geschützt, seit 1976 Ramsar-Gebiet; im Herbst rasten hier 20.000 bis 40.000 Wasservögel.
  • Konstanzer Münster (km 71,5) — Mauritiusrotunde mit dem Heiligen Grab von etwa 1260, Tagungsort des Konzils von 1414 bis 1418, das hier 1415 Jan Hus verurteilte.

Die Reichenau-Schleife: ein Kloster, das älter ist als fast jeder Ort am Weg

Kein Ort am Hegauer Weg ist früher urkundlich fassbar als die Insel, an der er vorbeiführt: 724 gründete der Wanderbischof Pirmin auf der Reichenau ein Benediktinerkloster, Allensbach am Ufer gegenüber gehörte von Anfang an dazu. Walahfrid Strabo schrieb hier um 841 seinen Hortulus über den Klostergarten, seit 2000 ist die Klosterinsel UNESCO-Welterbe. Das Münster St. Maria und Markus bewahrt Gebeine des Evangelisten Markus und die Heilig-Blut-Reliquie, dazwischen liegen Gemüsefelder bis an die Kirchen von Oberzell und Niederzell.

Praktisch heißt das: Der Träger beschreibt ab Allensbach eine Variante über die Insel, in der Saison mit dem Fährschiff hinüber, zu Fuß zurück über den Damm, der 1838 aufgeschüttet und 1858 als feste Straße fertig wurde. Zwischen dem Reichenauer Yachthafen und der Kirche St. Martin in Wollmatingen ist das Stück in beide Richtungen markiert. Rechne mit einem zusätzlichen halben bis ganzen Tag und prüfe die Fährzeiten vorab.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Die meisten kommen zu Fuß aus dem Norden. Der Beuroner Jakobsweg führt von Tübingen über die Schwäbische Alb und die Erzabtei Beuron nach Meßkirch, dort beginnt der Linzgauer Jakobsweg, und nach dessen ersten gut neun Kilometern erreichst du Wald. Dort wählst du: östlich über Überlingen und mit dem Schiff, oder westlich über Stockach und den Bodanrück – beide enden am Münster.

Für einen direkten Start erreichst du Kloster Wald mit dem Bus aus der Umgebung; Stockach hat seit 1867 eine Bahnstrecke nach Radolfzell und taugt auch als Einstieg für die zweite Hälfte.

Weiterpilgern?

Ja, Konstanz ist eine Übergabe, kein Ende. Am Münster treffen sich mehrere Wege:

  • Via Jacobi — der Schweizer Hauptweg, als Schwabenweg durch den Thurgau zum Kloster Einsiedeln und weiter über den Brünig nach Genf, 447,3 Kilometer
  • Lindau – Héricourt — vom Bodensee den Hochrhein hinunter nach Basel und an die Burgundische Pforte
  • Oberschwäbischer Jakobsweg — kommt von Ulm über Ravensburg und die Fähre Meersburg–Konstanz an und endet ebenfalls hier

Bevor du losgehst: Westlich der Altstadt an der Schottenstraße stand das Schottenkloster St. Jakob, laut Überlieferung 1142 gegründet, ab 1220 belegt, 1529/30 abgerissen. Geblieben ist die Schottenkapelle St. Jakob von 1589.

Vorbereitung & Praktisches

Pilgerausweis und App. Wie auf allen deutschen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in Pilgerquartieren zu übernachten und am Ende in Santiago die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist: Die Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft verschickt ihn über ein Bestellformular auf via-beuronensis.de. Die Pilgerurkunde der Gemeinschaft gibt es ab 100 nachgewiesenen Kilometern auf der Via Beuronensis – mit 71,5 Kilometern allein bleibst du darunter, zusammen mit dem Beuroner Weg ab Tübingen kommst du weit darüber. Am einfachsten planst du den Weg in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Unterkunft. In Mindersdorf vermitteln Privatleute Zimmer, in Stockach bietet ein Gasthof laut Träger Pilgermenüs und Pilgerpreise, in Markelfingen gibt es Pilgerpreise und Stempel, in Hegne das Gästehaus St. Elisabeth am Kloster. Am See gilt der Hinweis des Trägers: In der Hochsaison sind Übernachtungen schwer zu finden – buche für Juli und August früh.

Was dich der Weg kostet

Die Pilgerurkunde der Jakobspilger-Gemeinschaft ist kostenlos, eine Spende ist willkommen (Stand: Oktober 2026). In Gasthöfen und Pensionen im Hinterland rechne grob mit 55 bis 85 € pro Nacht mit Frühstück, am Untersee und in Konstanz eher mit 80 bis 120 €.

Mit Unterkunft, Vesper und Abendessen liegst du bei 80 bis 120 € pro Tag. Ehrlich gesagt zahlst du hier Bodensee-Preise; dafür bringt dich am Ende der Zug in wenigen Stunden nach Hause.

Anreise

Zum Start. Kloster Wald hat keinen Bahnhof; Busse verbinden den Ort mit Pfullendorf, Meßkirch und Sigmaringen.

Vom Ziel. Konstanz ist Endbahnhof der Schwarzwaldbahn über Singen nach Offenburg und hat über Kreuzlingen Anschluss ans Schweizer Netz. Der Seehas fährt laut Träger halbstündlich zwischen Konstanz und Radolfzell und hält unterwegs auch in Hegne, Allensbach und Markelfingen – praktisch zum Einsteigen oder Abbrechen.

  • Bahn: bahn.de — Verbindungen nach Sigmaringen und Stockach sowie ab Konstanz
  • Infos: via-beuronensis.de — Etappen F1 bis F3, Pilgerausweis und Pilgerurkunde

Partner

Partner für Hegauer Jakobsweg

Camino Ninja arbeitet mit offiziellen Partnern zusammen. Für diesen Camino ist der Partner:

Camino Shop

Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel

Alles, was du für den Hegauer Jakobsweg brauchst, direkt zu dir nach Hause.

Camino Shop besuchen