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Linzgauer Jakobsweg

Rund 63 Kilometer von Meßkirch durch den Linzgau nach Konstanz: das Finale der Via Beuronensis — mit Kloster Wald, Überlingen und einer Schiffspassage über den Bodensee.

13. August 20267 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Meßkirch → Konstanz
  • Länge: 63,2 km (inklusive Schiffspassage)
  • Höhenmeter: ↗ 718 m / ↘ 920 m
  • Höchster Punkt: rund 724 m (bei Hohenbodman)
  • Dauer: 2–3 Tage (3 Etappen)
  • Besonderheit: Schiffspassage über den Bodensee (Überlingen → Wallhausen)
  • Wegzeichen: gelbes Strahlenbündel auf blauem Grund

Überblick

Der Linzgauer Jakobsweg führt von Meßkirch über Pfullendorf und Überlingen nach Konstanz — rund 63 Kilometer durch den Linzgau, das sanfte Hügelland zwischen dem oberen Donautal und dem Bodensee. Er ist der östliche Schlussabschnitt der Via Beuronensis, des Jakobsweg-Netzes zwischen Tübingen/Ulm und Konstanz, das von der Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft betreut wird.

Es ist ein Genussweg: kurze Distanz, wenig Höhenmeter, dafür große Stationen — das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Wald, die alte Reichsstadt Pfullendorf, Überlingen am See. Und ein Finale, das kein anderer deutscher Jakobsweg bietet: Die letzte Etappe beginnt mit einer Schiffspassage über den Bodensee.

Schon auf der ersten Etappe fällt eine Entscheidung: In Wald, am ehemaligen Zisterzienserinnenkloster, teilt sich die Via Beuronensis. Der Linzgauer bleibt östlich und zieht über Pfullendorf und Überlingen ans Nordufer — mit der Schiffspassage als Finale. Der Hegauer Jakobsweg schwenkt westlich über Stockach, den Bodanrück und Radolfzell zum Untersee und folgt dem Gnadensee nach Konstanz: rund acht Kilometer länger, deutlich mehr Höhenmeter und dafür die UNESCO-Klosterinsel Reichenau als Abstecher. Drei Tage brauchen beide, und beide enden am Konstanzer Münster.

Wie das gesamte Wegenetz ist auch dieser Abschnitt seit 2009 in Santiago de Compostela als Pilgerweg anerkannt — deine Stempel von hier zählen also bis nach Galicien.

Andere Namen

Der Weg ist nach dem Linzgau benannt, der Landschaft nördlich des Überlinger Sees. Gelegentlich liest du auch „Linzgauer Jakobusweg“; als Teil des Gesamtnetzes läuft er zudem unter dem Namen Via Beuronensis. Auf Englisch heißt der Weg Linzgau Way of St. James.

Für wen ideal — und für wen eher nicht

Ideal für Einsteiger und alle mit wenig Zeit: drei Tage, leichtes Gelände, gute Infrastruktur — und mit der Seequerung ein Abschluss, der im Gedächtnis bleibt. Auch perfekt als Finale für alle, die bereits auf der Via Beuronensis unterwegs sind.

Eher nicht dein Weg, wenn du Einsamkeit und wilde Natur suchst: Der Linzgau ist Kulturland mit spürbarem Asphalt- und Feldweganteil, und am Bodensee ist im Sommer viel Betrieb — die Uferorte sind in der Hochsaison voll und die Betten teuer. Die zweite Etappe ist zudem deutlich länger als die beiden anderen.

Streckenverlauf & Landschaft

Von Meßkirch — vor dessen Toren mit Campus Galli eine Klosterstadt nach mittelalterlichem Vorbild entsteht — führt der Weg durch Wälder und Wiesen nach Wald mit seinem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster und weiter nach Pfullendorf, dessen St.-Jakobus-Kirche schon im Namen zeigt, dass du hier richtig bist.

Dann übernimmt der Linzgau: Über Großschönach mit dem Ramsberg und vorbei am Aussichtsturm von Hohenbodman rollt das Hügelland sanft dem See entgegen, bis sich bei Überlingen der Bodensee öffnet. Die Schlussetappe beginnt auf dem Wasser: mit dem Schiff nach Wallhausen, dann am Ufer über Litzelstetten — mit Blick zur Blumeninsel Mainau — bis vor das Münster von Konstanz.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Betreiber beschreibt den Weg in drei Tagesetappen:

  1. Meßkirch → Pfullendorf — durch Wälder und über Wiesen, vorbei am Kloster Wald
  2. Pfullendorf → Überlingen — die längste Etappe: über Ramsberg und Hohenbodman hinab zum See
  3. Überlingen → Konstanz — die kürzeste und ungewöhnlichste: per Schiff nach Wallhausen, dann am Ufer nach Konstanz

Das Gelände ist leicht — keine nennenswerten Steigungen, viel Wirtschafts- und Waldweg, stellenweise Asphalt. Markiert ist nur in Richtung Konstanz (und damit Richtung Santiago); das Wegzeichen ist ein gelbes Strahlenbündel auf blauem Grund, dessen Fokuspunkt die Gehrichtung anzeigt. Auf Wiesenpassagen ist der Pfad nicht immer deutlich sichtbar — achte auf die Markierungen.

Mit dem Schiff über den See — und durch 600 Jahre Pilgergeschichte

Das Finale ist einzigartig: Von Überlingen setzt du mit dem kleinen Fährschiff der Personenschifffahrt Giess & Giess nach Wallhausen über. Das Schiff verkehrt saisonal (etwa April bis Oktober) — prüfe vorher den Fahrplan. Außerhalb der Saison nimmst du den Bus nach Meersburg, die Autofähre nach Konstanz-Staad und gehst die letzten rund 6 Kilometer am Ufer.

Dass Pilger hier unterwegs sind, ist dabei alles andere als neu: In Überlingen bestand spätestens seit dem 15. Jahrhundert eine Jakobusbruderschaft mit eigener Pilgerherberge; die St.-Jodok-Kirche wurde 1424 gestiftet und 1462 zur Kirche der Bruderschaft geweiht. Und in Konstanz war die Mauritiusrotunde am Münster mit ihrer Heilig-Grab-Nachbildung schon im Mittelalter selbst ein Pilgerziel.

Ein stiller Höhepunkt liegt auf der zweiten Etappe: die Klause St. Benedikt auf dem Ramsberg bei Großschönach, eine Einsiedelei der Erzabtei Beuron. Hier lebte ab 1993 Bruder Jakobus Kaffanke als Eremit — jener Mönch, der später die Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft gründete und die Via Beuronensis markieren ließ. Du gehst also buchstäblich an der Keimzelle des Weges vorbei.

Highlights am Weg

  • Campus Galli — Klosterstadt-Baustelle bei Meßkirch: Hier entsteht mit den Mitteln des 9. Jahrhunderts eine Klosterstadt nach dem St. Galler Klosterplan.
  • Kloster Wald — ehemaliges Zisterzienserinnenkloster (gegründet 1212) mit sehenswerter Klosterkirche.
  • Pfullendorf — Altstadt der ehemaligen Freien Reichsstadt mit St.-Jakobus-Kirche.
  • Klause St. Benedikt auf dem Ramsberg — Einsiedelei der Erzabtei Beuron, Keimzelle der Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft.
  • Aussichtsturm Hohenbodman — Rundblick über den Linzgau, den Überlinger See und bei klarem Wetter bis zu den Alpen.
  • Überlingen — Uferpromenade und St.-Jodok-Kirche der historischen Jakobusbruderschaft.
  • Bodensee-Passage — mit dem Schiff von Überlingen nach Wallhausen: das ungewöhnlichste Teilstück eines deutschen Jakobswegs.
  • Konstanzer Münster — mit der Mauritiusrotunde, einem Pilgerziel schon des Mittelalters — und Startpunkt des Schwabenwegs.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Meßkirch ist die Drehscheibe der Via Beuronensis: Hier enden der Beuroner Jakobsweg über Kloster Beuron und der flachere Hohenzollerische Jakobsweg über Sigmaringen — der Beuroner von Tübingen über Hechingen, der Hohenzollerische ab Hechingen. Der Linzgauer Jakobsweg ist ihre natürliche Fortsetzung Richtung See.

In Pfullendorf stößt außerdem der Habsthaler Jakobsweg dazu, der von Ulm über den Bussen — den „Heiligen Berg Oberschwabens“ — heranführt. Er ist der passende Anschluss für alle, die auf dem Jakobsweg Nürnberg–Ulm unterwegs waren und weiter Richtung Bodensee pilgern wollen.

Weiterpilgern?

Konstanz ist kein Endpunkt, sondern ein Tor: Direkt am Münster beginnt der Schwabenweg, der als Teil der Via Jacobi durch die Kantone Thurgau, Zürich und Schwyz zum Kloster Einsiedeln und weiter bis Genf führt.

Danach übernimmt Frankreich: ab Le Puy-en-Velay die Via Podiensis, ab den Pyrenäen der Camino Francés — von Konstanz bis Santiago liegen dann noch rund 2.300 Kilometer vor dir.

Vorbereitung & Praktisches

Der Weg ist grundsätzlich ganzjährig machbar, das Bodenseeklima ist mild. Entscheidend ist die Schiffspassage: Die Fähre Überlingen—Wallhausen verkehrt saisonal, außerhalb nimmst du die Variante über Meersburg. In der Hochsaison (Juli/August) solltest du Betten in Überlingen und Konstanz früh sichern.

Deinen Pilgerausweis bekommst du beim Pilgerbüro der Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft (via-beuronensis.de); Stempel liegen in vielen Kirchen aus. Ab 100 nachgewiesenen Kilometern stellt die Gemeinschaft kostenlos eine Pilgerurkunde aus — der Linzgauer allein bleibt mit gut 63 Kilometern darunter, in Kombination mit dem Weg ab Tübingen knackst du die Marke locker.

Drei Etappen lassen sich flexibel anpassen — am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Was dich der Weg kostet

Rechne mit 60—100 € pro Tag für Übernachtung und Verpflegung (Stand: August 2026). Im Binnenland (Meßkirch, Pfullendorf) ist es günstiger, die Bodenseeorte Überlingen und Konstanz sind in der Hochsaison deutlich teurer. Dazu kommt das kleine Ticket für die Schiffspassage.

Anreise

Meßkirch hat keinen Personenbahnhof — du reist per Bahn bis Sigmaringen oder Stockach und weiter mit dem Bus. Konstanz dagegen ist bestens angebunden: Bahn über Singen/Radolfzell, die Schweiz beginnt direkt hinter dem Bahnhof in Kreuzlingen, und der Flughafen Zürich ist gut eine Stunde entfernt.

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