Linzgauer Jakobsweg
Der Linzgauer Jakobsweg führt in 63,2 Kilometern von Meßkirch nach Konstanz, über das Kloster Wald, die alte Reichsstadt Pfullendorf und das Hügelland des Linzgaus hinunter nach Überlingen am Bodensee. Dort steigst du aufs Schiff nach Wallhausen und gehst am Ufer über Litzelstetten zum Konstanzer Münster. Drei Etappen, 718 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 725 Meter bei Aftholderberg hinter Pfullendorf. Er ist das Schlussstück der Via Beuronensis, und in Konstanz übernimmt die Via Jacobi.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Durch Bethlehem nach Jerusalem: ein Jakobsweg der Heilig-Land-Pilger
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Meßkirch im Linzgau / Konstanzer Münster am Bodensee
- Länge: 63,2 km, die Schiffsüberfahrt von Überlingen nach Wallhausen eingerechnet
- Dauer: 3 Etappen wie beim Träger, Ø rund 21 km
- Höhenmeter: ↗ 718 m / ↘ 920 m
- Höchster Punkt: 725 m bei km 22,9 zwischen Aftholderberg und Großstadelhofen
- Landschaft: Wald und Riedwiesen zwischen Meßkirch und Pfullendorf, das Moränenhügelland des Linzgaus, zuletzt Überlinger See und Bodanrück
- Markierung: gelbe Muschel oder Strahlenbündel auf blauem Grund, der Brennpunkt zeigt die Gehrichtung, markiert nur Richtung Konstanz
- Jakobus-Spuren: Stadtpfarrkirche St. Jakob in Pfullendorf, St. Jodok in Überlingen als Kirche der einstigen Jakobusbruderschaft mit Fresken der Jakobuslegende, Heiliges Grab in der Mauritiusrotunde in Konstanz
- Unterkunft: Gasthöfe, Pensionen und Hotels; Pilgerherbergen mit Schlafsaal gibt es nicht
- Anschlusswege: Beuroner Jakobsweg in Meßkirch, Hegauer Jakobsweg ab Wald, Ulm – Pfullendorf in Pfullendorf, Via Jacobi ab Konstanz
- Beste Zeit: April bis Anfang Oktober, solange das Schiff fährt
- Pilgerpass / Urkunde: Pilgerausweis über die Jakobspilger-Gemeinschaft in Beuron; die kostenlose Pilgerurkunde gibt es ab 100 km auf der Via Beuronensis, also nur zusammen mit einem Zubringer (Stand: Oktober 2026)
Überblick
Der Linzgauer Jakobsweg ist ein Weg nach Santiago, der unterwegs durch Bethlehem kommt und in Jerusalem endet. Bethlehem ist ein Weiler im Wald bei Kilometer 13,1, und Jerusalem steht im Konstanzer Münster: Bischof Konrad ließ dort nach 940 die Grabeskirche im Maßstab 1:2 nachbauen. Dazwischen liegen 63,2 Kilometer durch den Linzgau, das Hügelland zwischen Donau und Bodensee, ein Kloster, eine alte Reichsstadt, eine Burgruine mit Eremit und eine halbe Stunde auf dem Schiff.
Als Jakobsweg ist er jung. Ab 2004 ließ der Beuroner Mönch Bruder Jakobus Kaffanke die Via Beuronensis markieren, 2009 erkannte Santiago das Netz als Pilgerweg an, und dieser Abschnitt ist sein letzter: Im Wikipedia-Artikel heißt er der „Normalweg ab Meßkirch bis Konstanz“, die östliche, kürzere Variante. Ehrlich gesagt ist er kein Weg für Einsamkeit und Wildnis, sondern Kulturland mit Feldwegen, Dorfstraßen und am See viel Betrieb – dafür hat er auf 63 Kilometern mehr Geschichte, als man ihm von der Landkarte her zutraut.
Andere Namen
Der Weg heißt nach seiner Landschaft Linzgauer Jakobsweg, gelegentlich Linzgauer Jakobusweg. Beim Träger ist er schlicht Abschnitt D der Via Beuronensis, mit den Etappen D1 bis D3. Auf Englisch liest man Linzgau Way of St. James.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du ein langes Wochenende hast und es mit einem Ende auf dem Wasser krönen willst. Ideal auch als Anschluss: Wer den Beuroner Jakobsweg in Meßkirch beendet, geht hier am nächsten Morgen einfach weiter, und wer in Konstanz in die Schweiz will, hat mit diesen drei Tagen den Übergang geschafft.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergen und Pilgergemeinschaft wie in Spanien suchst: Du schläfst im Gasthof und gehst oft allein. Nichts für dich, wenn du im Winter gehen willst – das Schiff von Überlingen fährt nur in der Saison, für 2026/27 gibt es keinen Winterfahrplan. Und nichts für dich mit dem Fahrrad: Laut Träger sind Teile der zweiten Etappe „nur zu Fuss zu gehen“.
Streckenverlauf & Landschaft
Meßkirch bis Pfullendorf (km 0–18,8): Von Meßkirch gehst du über Schnerkingen (km 1,4), wo an der Kapelle ein Pilgerstempel liegt, durch Wald und Riedwiesen nach Wald (km 9,2) mit dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster. Hier zweigt der Hegauer Jakobsweg nach Westen ab. Der Linzgauer bleibt östlich, geht durch den Waldweiler Bethlehem (km 13,1) und erreicht Pfullendorf (km 18,8) mit der Kirche St. Jakob.
Pfullendorf bis Konstanz (km 18,8–63,2): Hinter Pfullendorf steigt der Weg nach Aftholderberg (km 22,2) und kurz darauf auf seinen höchsten Punkt, 725 Meter bei km 22,9, bevor er an der Martinskapelle bei Großstadelhofen (km 24,0) wieder mit der Stadtvariante zusammenläuft. Über Kirnbach und Großschönach (km 29,0) mit dem Ramsberg geht es nach Taisersdorf (km 31,0); Herdwangen-Schönach liegt knapp einen Kilometer neben der Trasse. Über Hohenbodman (km 34,7) fällt das Land nach Owingen (km 37,7) und hinunter nach Überlingen (km 43,6) an den See. Das Schiff bringt dich nach Wallhausen (km 46,8) auf dem Bodanrück, von dort gehst du über Litzelstetten (km 53,6) mit Blick auf die Mainau, den Lorettosteig hinunter ans Ufer und über die Rheinbrücke zum Münster in Konstanz (km 63,2).
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in 3 Etappen wie die Jakobspilger-Gemeinschaft; Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 63,2 km kalibriert.
- Meßkirch → Pfullendorf (18,8 km) — Wald, Wiesen und Feuchtgebiete, über Kloster Wald und Bethlehem in die Reichsstadt.
- Pfullendorf → Überlingen (24,8 km) — die lange Etappe: über Aftholderberg auf den höchsten Punkt, am Ramsberg vorbei, über Hohenbodman und Owingen hinunter zum See; bis Owingen keine Einkaufsmöglichkeit.
- Überlingen → Konstanz (19,6 km) — rund drei Kilometer davon auf dem Schiff nach Wallhausen, danach am Bodanrück über Litzelstetten zum Münster.
Technisch schwierig ist nichts: Wald-, Feld- und Wiesenwege, dazu Ortsstraßen; auf Wiesen ist der Pfad nicht immer zu erkennen, achte dort auf die Zeichen. Bergab geht es mehr als bergauf, weil du vom Linzgau rund 200 Meter tiefer am See ankommst. Markiert ist nur Richtung Konstanz – wer rückwärts geht, braucht die Karte in der App.
Durch Bethlehem nach Jerusalem: ein Jakobsweg der Heilig-Land-Pilger
Die ältesten Pilger auf dieser Strecke wollten nicht nach Santiago, sondern nach Jerusalem. Rudolf von Pfullendorf, um 1100 als Graf von Ramsberg geboren, verlegte seinen Sitz 1155 nach Pfullendorf, brach 1180 ins Heilige Land auf und starb dort am 9. Januar 1181. Seine Tochter Ida wurde Urgroßmutter Rudolfs von Habsburg. Und Bischof Konrad von Konstanz baute nach seiner zweiten Jerusalemfahrt die Mauritiusrotunde, in der um 1260 das steinerne Heilige Grab entstand, für die, so Wikipedia, „Gläubige aus der Umgebung, die sich die weite Reise ins Heilige Land nicht leisten konnten“. Sie umrundeten das Grab dreimal und bekamen dafür Ablass; seit Konrad 1123 heiliggesprochen war, kamen noch mehr.
Jakobus kommt in Überlingen dazu. Der reiche Bürger Burkhart Hipp stiftete 1424 die Kirche St. Jodok, 1462 wurde sie als Kirche der Jakobusbruderschaft geweiht, die im 15. Jahrhundert eine Pilgerherberge unterhielt. An der Nordwand erzählen zwölf Fresken des späten 15. Jahrhunderts die Jakobuslegende mit dem Galgen- und dem Hühnerwunder – jener Geschichte, für die in Santo Domingo de la Calzada bis heute Hühner in der Kathedrale leben. Im 18. Jahrhundert wurden die Bilder übertüncht, um 1903 legte der Restaurator Victor Mezger sie wieder frei.
Praktisch heißt das: Plan in Überlingen eine Stunde für St. Jodok und das Münster ein, bevor du zum Landungsplatz gehst, und in Konstanz Zeit für die Rotunde hinter dem Münsterchor. Wer am Ende von Bethlehem nach Jerusalem gegangen ist, darf ruhig noch dreimal ums Grab laufen, bevor es Richtung Santiago weitergeht.
Highlights am Weg
- Kloster Wald (km 9,2) — 1212 von Burkard von Weckenstein für 55 Mark Silber gestiftet, für seine Schwestern Judintha und Ita; seit 1217 eigene Abtei, Barockbau unter Äbtissin Antonia von Falkenstein 1721–1727, 1806 an Hohenzollern-Sigmaringen; seit 1946 Heimschule mit Mädcheninternat, Gymnasium und Werkstätten.
- Pfullendorf (km 18,8) — Stadtrecht am 2. Juni 1220 von Friedrich II., Reichsstadt von 1282 bis 1803; St. Jakob, 1480/81 von Hans von Savoyen vollendet und 1750 barockisiert, die Wallfahrtskirche Maria Schray und das Obere Tor mit dem Turm von 1505.
- Ramsberg (km 29,0) — Burg der Grafen von Ramsberg und Pfullendorf aus dem 11. Jahrhundert, 1409 zur Hälfte an das Heilig-Geist-Spital Überlingen verkauft; Kapelle St. Wendelin mit Fresken von 1467, seit 1993 die Klause St. Benedikt, in der Bruder Jakobus Kaffanke als Eremit lebt.
- Hohenbodman (km 34,7) — Bergfried der Burg der Herren von Bodman, 1642 von Konrad Widerholts Truppen niedergebrannt, heute Aussichtsturm mit Blick über den Linzgau; St. Georgskapelle und eine uralte Linde.
- Überlingen (km 43,6) — Reichsstadt bis 1803, Münster St. Nikolaus, gebaut 1350 bis 1576, mit dem Hochaltar von Jörg Zürn aus den Jahren 1613 bis 1616; die Schwedenprozession erinnert an die Belagerung von 1634.
- Wallhausen (km 46,8) — 1187 als Villa Walarhusin erwähnt, als Barbarossa hier eine Urkunde ausstellte; der Hafen war bis in die 1950er Jahre Umschlagplatz für Holz und Granit, heute legt das Schiff aus Überlingen an.
- Konstanzer Münster (km 63,2) — das Ziel, mit Mauritiusrotunde und Heiligem Grab; im Münster beginnt die Via Jacobi.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Fast alle kommen aus dem Norden über die Via Beuronensis. In Meßkirch endet der Beuroner Jakobsweg von Tübingen über die Erzabtei Beuron, und der Linzgauer ist seine direkte Fortsetzung. In Pfullendorf stößt der Weg Ulm – Pfullendorf dazu, beim Träger Habsthaler Jakobsweg genannt; Wikipedia empfiehlt ausdrücklich, „in Pfullendorf vorzugsweise weiter auf dem Linzgauer Jakobsweg zum Bodensee“ zu gehen.
Die Alternative beginnt schon in Wald: Dort trennt sich der Hegauer Jakobsweg und läuft westlich über Stockach, Bodman und Allensbach nach Konstanz, mit 71,5 Kilometern länger und ohne Schiff. Beide Wege treffen sich am Münster wieder.
Weiterpilgern?
Ja, und Konstanz ist dafür gebaut. Am Münster beginnt die Via Jacobi, als Schwabenweg über Kreuzlingen durch den Thurgau nach Einsiedeln und weiter bis Genf; schon das Kloster Fischingen am Weg wurde 1138 als Unterkunft für Pilger von Konstanz nach Einsiedeln gegründet. Wer lieber am Wasser bleibt, nimmt den Weg Lindau – Héricourt den Hochrhein hinunter Richtung Basel und Burgundische Pforte. In Konstanz endet auch der Oberschwäbische Jakobsweg aus Ulm – hier treffen sich also vier deutsche Zubringer.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen deutschen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in Pilgerquartieren zu übernachten und am Ende in Santiago die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist: Die Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft verschickt ihn über ein Bestellformular auf via-beuronensis.de. Die Pilgerurkunde der Gemeinschaft gibt es erst ab 100 Kilometern auf der Via Beuronensis – mit 63,2 Kilometern kommst du allein nicht hin, zusammen mit dem Beuroner Jakobsweg locker. Am einfachsten planst du den Weg in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Das Schiff. Die Personenschifffahrt Giess & Giess fährt mit der MS Seegold von Überlingen, Steg 4, in rund 30 Minuten nach Wallhausen, 2026 vom 2. April bis 4. Oktober, neunmal am Tag. Der Träger schreibt dazu: „Ab 2025 gibt es im Winter keine Überquerung mehr, wurde leider eingestellt!“ Bei Nebel und Sturm kann eine Fahrt ausfallen. Außerhalb der Saison fährst du mit dem Bus nach Meersburg, nimmst die Fähre nach Konstanz-Staad und gehst die letzten rund 6 Kilometer am Ufer.
Unterkunft und Jahreszeit. Ein Herbergsnetz gibt es nicht; Pfullendorf und Überlingen haben Tourist-Informationen, die bei Zimmern helfen. Im Juli und August sind Überlingen und Konstanz voll, buche dort früh. Auf der zweiten Etappe nimm Proviant mit, bis Owingen gibt es nichts zu kaufen.
Was dich der Weg kostet
Das Schiff Überlingen–Wallhausen kostet 6 € einfach, mit Fahrrad 10 €, Hunde fahren gratis; Tickets gibt es nur an Bord und am BSB-Schalter in Überlingen, das Deutschland-Ticket gilt nicht. Die Fähre Meersburg–Konstanz kostet als Fußgänger 4,30 € (Stand: Oktober 2026). In Gasthöfen und Pensionen rechne grob mit 55 bis 90 € pro Nacht mit Frühstück, in Überlingen und Konstanz in der Saison mehr.
Mit Unterkunft, Vesper und Abendessen liegst du bei 80 bis 120 € pro Tag. Ehrlich gesagt ist das teurer als ein Tag in Spanien; dafür bist du nach drei Tagen mit dem Zug wieder zu Hause.
Anreise
Zum Start. Meßkirch hat seit 1954 keinen Personenzug mehr; du fährst mit der Bahn bis Sigmaringen oder Stockach und von dort mit dem Bus. Wer vom Beuroner Jakobsweg kommt, ist ohnehin schon da.
Vom Ziel. Konstanz hat Bahnverbindungen über Singen nach Stuttgart und mit der Schwarzwaldbahn nach Offenburg, über Kreuzlingen auch in die Schweiz; der Flughafen Zürich ist gut erreichbar. Überlingen liegt an der Bahn am Nordufer und taugt zum Abbrechen nach der zweiten Etappe.
- Bahn: bahn.de — Verbindungen nach Sigmaringen, Stockach, Überlingen und ab Konstanz
- Schiff: personenschifffahrt-bodensee.de — Fahrplan und Preise Überlingen–Wallhausen
- Infos: via-beuronensis.de — Etappen D1 bis D3, Pilgerausweis und Urkunde
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