Jakobsweg Fulda – Bingen
Der Jakobsweg Fulda – Bingen führt in 211,1 Kilometern vom Dom mit dem Grab des heiligen Bonifatius in Fulda an den Rhein. Im ersten Drittel folgt er durchs Kinzigtal der alten Handelsstraße Frankfurt–Leipzig, die Steinau an der Straße im Namen trägt, dann geht es über Frankfurt am Main, am Mainzer Dom vorbei und über Ingelheim nach Bingen an der Nahemündung. 10 Etappen, 1.529 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 444 Meter hinter Keutzelbuch; in Bingen schließt der Hunsrücker Jakobsweg nach Trier an.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Ein Toter zeigt den Weg – nur in Gegenrichtung
- 08Highlights am Weg
- 09Wenig Muscheln, viel Reich: was dieser Weg wirklich erzählt
- 10Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 11Weiterpilgern?
- 12Vorbereitung & Praktisches
- 13Was dich der Weg kostet
- 14Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Fuldaer Dom mit dem Bonifatiusgrab / Bingen am Rhein an der Nahemündung
- Länge: 211,1 km
- Dauer: 10 Etappen, Ø rund 21 km; mit einem Ruhetag in Frankfurt oder Mainz gut eineinhalb Wochen
- Höhenmeter: ↗ 1.529 m / ↘ 1.690 m
- Höchster Punkt: 444 m bei km 27,7 auf dem Rücken hinter Keutzelbuch, zwischen Flieden und Schlüchtern
- Landschaft: Kinzigtal zwischen Vogelsberg und Spessart, Wetterau-Rand, Stadtlandschaft Frankfurt und Main-Taunus, Weinhänge von Rheingau-Rand und Rheinhessen
- Träger / Markierung: Muschelzeichen der regionalen Jakobusvereine
- Jakobus-Spuren: wenige, dafür alte: die Abtei St. Jakob auf dem Mainzer Jakobsberg (1055–1802), dazu das Bonifatiusgrab am Start, das älter ist als die Jakobusverehrung in Santiago
- Unterkunft: Pensionen, Gasthöfe, Hotels und Jugendherbergen in den Städten; echte Pilgerherbergen gibt es so gut wie nicht
- Anschlusswege: Jakobsweg Vacha–Fulda–Würzburg in Fulda, Elisabethpfad 1 (Frankfurt – Marburg) in Frankfurt, Jakobsweg Mainz–Speyer in Mainz, in Bingen Hunsrücker Jakobsweg und Linksrheinischer Jakobsweg
- Beste Zeit: April bis Oktober; im Frühjahr blühen die Obstwiesen im Main-Taunus, im Herbst ist an Main und Rhein Weinlese
Überblick
Der Jakobsweg Fulda – Bingen beginnt an einem Grab, das älter ist als die Jakobusverehrung in Santiago: dem des Bonifatius, der am 5. Juni 754 bei Dokkum in Friesland erschlagen und im Kloster Fulda beigesetzt wurde. Von dort sind es 211,1 Kilometer bis an den Rhein, und sie sind erstaunlich verschieden. Erst Kinzigtal und Fachwerk, dann Großstadt um Frankfurt und Mainz, schließlich Weinberge und der Rhein bis zur Nahemündung in Bingen.
Gegangen wurde hier immer, nur nicht unter diesem Namen. Die Straße durchs Kinzigtal war die alte Fernhandelsroute Frankfurt–Leipzig, Teil der Via Regia, die 1252 erstmals als „strata regia“ in einer Urkunde steht; Santiago-Pilger aus Fulda, Frankfurt und Mainz sind für sie belegt. In Bingen ist der Weg nicht zu Ende, er wird übergeben: Der Hunsrücker Jakobsweg nimmt dich auf der alten Römerstraße mit nach Trier. Ehrlich gesagt ist das kein Weg der Jakobsmuscheln, sondern einer der Kaiser, Bischöfe und Märchensammler.
Andere Namen
In unserer Karte findest du den Weg als Fulda - Frankfurt - Bingen. Lange lief er bei uns als Jakobsweg Fulda – Trier oder Fulda–Mainz–Trier, so heißt die Gesamtstrecke auch in vielen Führern; seit Oktober 2026 führen wir das Stück ab Bingen als eigenen Weg, den Hunsrücker Jakobsweg. Für das hessische Stück liest man auch den historischen Namen Des Reiches Straße. Nicht verwechseln solltest du ihn mit der Bonifatius-Route von Mainz nach Fulda: Sie teilt sich mit dir am Main das Stück um Wicker und Weilbach, zieht dann aber über die Wetterau und den Vogelsberg.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du einen langen Weg in Deutschland suchst, den du in Stücken gehen kannst: Fast jeden Abend fährt eine Bahn zurück, die Kinzigtalbahn hält in nahezu jedem Etappenort, und ab Frankfurt bist du im Netz von S-Bahn und Regionalzügen. Ideal, wenn dich Geschichte mehr reizt als Gipfel, denn zwei Kaiserpfalzen und zwei Dome auf einer Strecke sind selten.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Pilgerherbergen und Pilgergemeinschaft erwartest: Du schläfst in Pensionen und Hotels, und Mitpilger triffst du selten. Nichts für dich, wenn dich Asphalt und Vorstadt stören – zwischen Langenselbold und Ingelheim gehst du drei Tage durch das dichteste Siedlungsgebiet der Republik, vorbei an Gewerbegebieten und Bahndämmen.
Streckenverlauf & Landschaft
Fulda bis Frankfurt (km 0–124,8): Vom Dom geht es nach Südwesten über Neuhof (km 14,3) und Flieden (km 20,0) auf den Rücken hinter Keutzelbuch, mit 444 Metern bei km 27,7 der höchste Punkt des Weges, und hinunter ins Kinzigtal. Dort reihen sich Schlüchtern (km 33,1), Steinau an der Straße (km 40,4), Bad Soden-Salmünster (km 51,4) und Wächtersbach (km 57,6) zwischen Vogelsberg im Norden und Spessart im Süden auf, bis die Barbarossastadt Gelnhausen (km 70,5) erreicht ist. Hinter Langenselbold (km 88,4) wird das Tal flach; Rothenbergen und Erlensee liegen knapp einen Kilometer abseits. Über Bruchköbel (km 100,0) und Mittelbuchen führt er an den Stadtrand von Frankfurt am Main (km 124,8); die Innenstadt liegt 0,7 Kilometer neben der Trasse.
Frankfurt bis Bingen (km 124,8–211,1): Südlich des Mains geht es über Niederrad (km 129,8) nach Höchst (km 137,6), dann durch das Main-Taunus-Vorland über Zeilsheim, Kriftel (km 145,1) und Weilbach (km 153,1) in den Weinort Wicker (km 156,8); Hochheim liegt 0,7 Kilometer abseits. In Mainz-Kastel (km 170,3) überquerst du den Rhein und gehst direkt am Mainzer Dom vorbei (km 171,9), dann über Gonsenheim westwärts nach Ingelheim (km 195,8) und Gau-Algesheim (km 200,3). Mit 80 Metern erreichst du kurz vor dem Ziel den tiefsten Punkt am Rhein, bevor der Weg in Bingen am Rhein an der Nahemündung endet, unterhalb von Burg Klopp und der Basilika St. Martin.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in 10 Etappen; die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 211,1 km kalibriert. Ein Tag ist kurz, einer ist mit knapp 30 Kilometern lang, dafür flach.
- Fulda → Flieden (20,0 km) — Aus der Barockstadt über Harmerz und Neuhof an die Kinzig-Wasserscheide.
- Flieden → Steinau an der Straße (20,4 km) — Über den Rücken bei Keutzelbuch, den höchsten Punkt, hinab nach Schlüchtern und weiter ins Grimm-Städtchen.
- Steinau an der Straße → Wächtersbach (17,2 km) — Das Kinzigtal entlang über Ahl und Bad Soden-Salmünster.
- Wächtersbach → Gelnhausen (12,9 km) — Halbtag; der Nachmittag gehört der Kaiserpfalz.
- Gelnhausen → Bruchköbel (29,5 km) — Lang, aber eben: über Nieder-Gründau und Langenselbold aus dem Tal hinaus.
- Bruchköbel → Frankfurt am Main (24,8 km) — Über Mittelbuchen durch Felder und Vororte an den Stadtrand.
- Frankfurt am Main → Kriftel (20,3 km) — Über den Main nach Niederrad, durch Höchst und Zeilsheim.
- Kriftel → Mainz-Kastel (25,2 km) — Durch Obstwiesen und Weinberge über Weilbach und Wicker an den Rhein.
- Mainz-Kastel → Ingelheim am Rhein (25,5 km) — Über den Rhein, am Dom vorbei, durch Gonsenheim, Budenheim und Heidesheim ins Rotweinstädtchen.
- Ingelheim am Rhein → Bingen am Rhein (15,3 km) — Über Gau-Algesheim und Kempten an die Nahemündung.
Fordernd ist vor allem der Auftakt: Zwischen Flieden und Schlüchtern steigst du auf den Rücken hinter Keutzelbuch, danach geht es bis zum Rhein fast nur noch bergab und flach. Zwischen Gelnhausen und Ingelheim läufst du viel auf Asphalt und Radwegen, Schuhe mit guter Dämpfung zahlen sich dort aus.
Ein Toter zeigt den Weg – nur in Gegenrichtung
Im Sommer 754 kam ein Leichenzug den Rhein herauf. Bonifatius, Erzbischof von Mainz, war am 5. Juni bei Dokkum erschlagen worden; sein Schüler Lullus ließ den Toten per Schiff nach Mainz bringen. Mainz hätte ihn gern behalten, doch Bonifatius hatte sich das Kloster als Grab gewünscht, das er 744 mit seinem Schüler Sturmius gegründet hatte. Also zog der Zug weiter, über Land, nach Fulda. Wie genau, weiß niemand: Die frühmittelalterlichen Quellen sind zu dünn, man nimmt an, dass er alte Römerstraßen nutzte.
Die Bonifatius-Route, im Sommer 2004 zur 1250-Jahr-Feier markiert, zeichnet diesen Trauerzug auf 172 Kilometern nach. Ihre erste Etappe läuft von Mainz über Hochheim und Wicker nach Weilbach – also genau dort, wo du am achten Tag gehst, nur in der Gegenrichtung. Danach trennen sich die Wege: Die Bonifatius-Route zieht über den Vogelsberg, du bist längst durchs Kinzigtal gekommen. Am Ende stehen beide an denselben zwei Orten, dem Mainzer Dom und der Gruft unter dem Fuldaer Hochaltar – nur dass du mit dem Grab beginnst und der Leichenzug damit endete.
Highlights am Weg
- Fuldaer Dom (Start) — 1704 bis 1712 von Johann Dientzenhofer gebaut, am 15. August 1712 geweiht, seit 1752 Kathedrale; in der Gruft unter dem Hochaltar liegt Bonifatius, dessen Gebeine am 1. November 819 in die Ratgar-Basilika kamen, einst die größte Basilika nördlich der Alpen.
- Steinau an der Straße (km 40,4) — Stadtrecht seit 4. Juli 1290, Jacob und Wilhelm Grimm verbrachten hier 1791 bis 1796 ihre Kindheit im Amtshaus von 1562, heute Brüder-Grimm-Haus; den Zusatz „an der Straße“ nach der Via Regia führt die Stadt offiziell seit 1975.
- Gelnhausen (km 70,5) — 1170 von Friedrich Barbarossa gegründet, Kaiserpfalz auf einer Kinziginsel, die besterhaltene der Stauferzeit; 1180 wurde hier Heinrich dem Löwen in Abwesenheit der Prozess gemacht.
- Frankfurt-Höchst (km 137,6) — Altstadt mit der karolingischen Justinuskirche, einer der ältesten Kirchen Deutschlands.
- Mainzer Dom (km 171,9) — direkt an der Trasse; hier war Bonifatius Erzbischof, hierher kam 754 sein Leichnam, bevor er nach Fulda zog.
- Ingelheim am Rhein (km 195,8) — Kaiserpfalz Karls des Großen, zwischen 780 und 800 gebaut; schon im September 774 war Karl hier, Ludwig der Fromme starb am 20. Juni 840 auf einer vorgelagerten Rheininsel; die Saalkirche von 997 steht noch.
- Bingen am Rhein (Ziel) — Nahemündung mit Burg Klopp und der Basilika St. Martin; hier beginnt der Hunsrücker Jakobsweg nach Trier.
Wenig Muscheln, viel Reich: was dieser Weg wirklich erzählt
Jakobus taucht auf diesem Weg selten auf, dafür an einer festen Stelle. Auf dem Mainzer Jakobsberg, wo heute die Zitadelle steht, gründete Erzbischof Bardo 1050 eine Benediktinerabtei, 1055 geweiht und dem Apostel Jakobus dem Älteren gewidmet; bis 1802 bestand sie, der Berg trägt ihren Patron bis heute. Die Trasse führt keine 300 Meter an ihm vorbei.
Sonst erzählt der Weg vom Reich. Die Kaiserpfalzen in Gelnhausen und Ingelheim liegen beide am Weg, Barbarossa hat die eine gegründet, Karl der Große die andere gebaut. Und zwischen ihnen liegt Steinau, wo die Brüder Grimm im Amtshaus aufwuchsen – an einer Straße, die damals Fürsten, Händler und Pilger gleichermaßen trug.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Die meisten kommen mit dem ICE nach Fulda und gehen am Dom los. Wer schon unterwegs ist, kommt aus dem Osten: Der Jakobsweg Vacha–Fulda–Würzburg führt von der Werrabrücke in Vacha über Fulda nach Süden, die ersten knapp fünf Kilometer ab dem Dom teilst du dir mit ihm. In Vacha endet die Via Regia aus Görlitz. In Fulda hast du dann die Wahl zwischen Würzburg und dem Rhein.
Auch mittendrin lässt sich gut einsteigen. In Frankfurt beginnt der Elisabethpfad 1 (Frankfurt – Marburg), in Mainz-Kastel und am Dom der Jakobsweg Mainz–Speyer – beide kannst du auch in Gegenrichtung als Zubringer nutzen.
Weiterpilgern?
Ja, und zwar über den Hunsrück nach Trier. In Bingen beginnt der Hunsrücker Jakobsweg: 126 Kilometer auf der alten Römerstraße, die der Dichter Ausonius um 371 in seiner „Mosella“ beschrieb, bis zum Apostelgrab von St. Matthias. Am selben Punkt kommt der Linksrheinische Jakobsweg aus Köln an, wer von dort kommt, geht mit dir weiter.
Von Trier aus führen Trier – Le Puy und Trier – Vézelay nach Frankreich. Bis Santiago bleiben dir von Bingen aus noch rund 2.500 Kilometer.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen deutschen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), auch wenn du hier kaum in Pilgerherbergen schläfst: Er sammelt die Stempel aus Domen, Pfarrbüros und Touristinformationen, und wer bis Santiago weitergeht, will diesen Weg darin haben. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. Mit der Camino Ninja App hast du Karte und Track offline dabei; am einfachsten planst du den Weg direkt in der App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Unterkunft. Die Auswahl ist groß, du solltest aber in Frankfurt und Mainz die Messetermine prüfen, denn dann verdoppeln sich die Preise. Im Kinzigtal sind die kleineren Orte schnell ausgebucht, wenn Feste sind – buche dort ein, zwei Tage voraus.
Wasser und Wetter. Bis Gelnhausen kommst du alle paar Kilometer durch einen Ort, danach erst recht. Im Sommer wird es im Main- und Rheintal heiß, nimm auf den Etappen 5 und 8 genug Wasser mit.
Was dich der Weg kostet
Der Pilgerausweis kostet bei den Jakobusvereinen um 5 € (Stand: Oktober 2026); teuer sind die Nächte. Rechne in Pensionen und Gasthöfen mit 50 bis 85 € für das Einzelzimmer mit Frühstück, in Frankfurt und Mainz eher 80 bis 130 €, an Messetagen mehr; Jugendherbergen in den Städten liegen für Erwachsene meist zwischen 35 und 60 € mit Frühstück, dazu brauchst du eine DJH-Mitgliedschaft (Stand: Oktober 2026).
Als Tagesbudget sind 70 bis 100 € realistisch. Sparen kannst du bei der Bahn: Das Deutschlandticket für 63 € im Monat deckt alle Regionalzüge auf dem Weg und für die Rückfahrt ab Bingen ab (Stand: Oktober 2026). Ehrlich gesagt kostet dich eine Woche hier etwa so viel wie zwei auf dem Camino Francés – dafür fährst du mit dem Zug heim.
Anreise
Zum Start. Fulda liegt an der ICE-Strecke Hamburg–Frankfurt–München; vom Bahnhof zum Dom gehst du eine Viertelstunde.
Unterwegs und vom Ziel. Bis Frankfurt begleitet dich die Kinzigtalbahn mit Halten in Neuhof, Flieden, Schlüchtern, Steinau, Bad Soden-Salmünster, Wächtersbach, Gelnhausen und Langenselbold; ab Frankfurt fahren S-Bahnen nach Höchst und Mainz, Regionalzüge über Ingelheim nach Bingen. Von Bingen fährst du in einer guten halben Stunde nach Mainz und in gut einer Stunde nach Frankfurt.
- Bahn: bahn.de — Verbindungen nach Fulda, ab Bingen und Deutschlandticket
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
Alles, was du für den Jakobsweg Fulda – Bingen brauchst, direkt zu dir nach Hause.
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