Den Rhein entlang nach Süden: rund 239 Kilometer vom Kölner Dom über Bonn und Koblenz durch das Mittelrheintal nach Bingen – ein Jakobsweg durch eine der eindrucksvollsten Flusslandschaften Europas.
Der Linksrheinische Jakobsweg folgt dem linken Rheinufer von Köln über Bonn und Koblenz bis Bingen. Er wurde 2009 im Kloster Arnstein als Wiederbelebung des alten Jakobsweges von Köln nach Bingen ins Leben gerufen und schließt damit eine lange bestehende Lücke im Wegenetz Richtung Santiago de Compostela. Schon im Mittelalter nutzten Jakobs- und Rompilger die hier verlaufenden historischen Römerstraßen.
Der Weg ist für Fußpilger markiert, lässt sich dank der hervorragenden Anbindung an Bahn und Schiff aber auch in einzelnen Tagesetappen gehen. Im südlichen Teil verläuft er teilweise durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und folgt dort weitgehend dem RheinBurgenWeg sowie Teilen des Rheinhöhenwegs.
Ideal, wenn du eine landschaftlich reiche, gut erreichbare Pilgerstrecke in Deutschland suchst – mit großen Domen und Basiliken, Weinbergen, Burgen und dem berühmten Mittelrheintal. Dank der dichten Bahn- und Schiffsanbindung eignet sich der Weg gut für Etappenpilger und Einsteiger, die nicht gleich nach Spanien aufbrechen wollen.
Weniger geeignet, wenn du eine durchgängig flache Strecke erwartest: Im Mittelrheintal sammeln sich auf rund 239 Kilometern fast 4.800 Höhenmeter, und einzelne Abschnitte verlangen Trittsicherheit. Wer Stille und Wildnis sucht, sollte wissen, dass der Weg über weite Strecken durch dicht besiedeltes, verkehrsreiches Rheinland führt.
Vom Kölner Dom führt der Weg am linken Rheinufer südwärts über Wesseling nach Bonn mit seinem Münster. Weiter geht es über Niederbachem, Sinzig und Andernach nach Koblenz, wo der Rhein die Mosel aufnimmt.
Hinter Koblenz beginnt das eigentliche Mittelrheintal: Der Weg zieht über Rhens, Bad Salzig, Oberwesel und Bacharach durch Weinberge und über bewaldete Höhen hoch über dem Strom, vorbei an Burgen und Felsen, bis er in Bingen den Zusammenfluss von Rhein und Nahe erreicht. Auf dem Abschnitt vom Rolandsbogen bis Bingen verläuft er teilweise durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und auf dem RheinBurgenWeg.
Die Wegbetreuer schlagen 12 Tagesetappen zwischen rund 10 und 30 Kilometern vor – von Köln über Wesseling, Bonn, Niederbachem, Sinzig, Andernach, Koblenz, Rhens, Bad Salzig, Oberwesel, Bacharach und Trechtingshausen bis Bingen.
Der nördliche Teil entlang des Rheins ist überwiegend flach. Im Mittelrheintal wird es deutlich anspruchsvoller: Mit fast 4.800 Höhenmetern geht es immer wieder auf die Höhen über dem Tal und wieder hinab. Einzelne Passagen stufen die Betreuer als anspruchsvoll bis „alpin“ ein; für sie gibt es jeweils einfachere Alternativrouten. Markiert ist der Weg mit der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund; in Köln selbst ist er nicht markiert, weil Zeichen dort wiederholt entfernt wurden – hier hilft die Wegbeschreibung des Pilgerführers.
Der Linksrheinische Jakobsweg ist ein Weg von Gotteshaus zu Gotteshaus. Er beginnt am Kölner Dom und reiht große Kirchen wie auf einer Schnur auf: das Bonner Münster, die Basilika St. Kastor in Koblenz, die Liebfrauenkirche in Oberwesel und die Basilika St. Martin in Bingen. Dazwischen finden sich überall Spuren des Jakobus-Kultes – etwa in den romanischen Kirchen Kölns oder in der gotischen St. Jakobus-Kapelle in Koblenz, deren Türgriffe die Form der Pilgermuschel tragen. Die St. Jakobus-Kapelle in Koblenz ist im Juli und August sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.
In Koblenz trifft der Linksrheinische Jakobsweg auf den Mosel-Camino, der von hier rheinaufwärts der Mosel folgend nach Trier und weiter Richtung Frankreich führt. Auch sonst ist der Rhein ein Knotenpunkt im deutschen Jakobswegenetz: Im Raum Koblenz/Andernach bestehen Verbindungen zum Eifel-Camino und zum Lahn-Camino, sodass sich der Linksrheinische Jakobsweg gut mit anderen rheinischen Jakobswegen zu längeren Touren verknüpfen lässt.
Die beste Zeit ist Frühling bis Herbst. Als Pilgerführer dient das OutdoorHandbuch „Linksrheinischer Jakobsweg“ (Conrad Stein Verlag) mit Wegbeschreibung, Karten und GPS-Tracks. Einen regionalen Pilgerausweis gibt die St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz heraus. Wer mindestens die letzten 100 Kilometer geht, kann eine Pilgerurkunde erhalten. Übernachtet wird in Pensionen, Hotels und Privatunterkünften entlang der Strecke. Hinweis: Wegen der Erneuerung der Pfaffendorfer Brücke ist ein Bereich der 7. Etappe (Koblenz–Rhens) voraussichtlich bis Ende 2027 für Fußgänger gesperrt; es gibt eine ausgeschilderte Umleitung.
Deutschland ist teurer als Spanien. Rechne pro Tag grob mit 45–75 € (Pensionen, Hotels, Privatunterkünfte), plus Verpflegung (Stand: Juni 2026); einfache Quartiere und Selbstversorgung senken die Kosten.
Startpunkt ist Köln, Endpunkt Bingen – beide hervorragend ans Bahnnetz angebunden, und entlang des Rheins halten viele Züge.

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