Via Gebennensis (Sallanches)
Dieser Zubringer beginnt am Portal der Collégiale Saint-Jacques in Sallanches, einer Kirche, die eine Rippe des Apostels Jakobus verwahrt, mit dem Mont Blanc im Rücken. Von dort führt er 73,6 Kilometer die Arve hinab durch das Faucigny, über Magland, Cluses und Bonneville nach Arthaz-Pont-Notre-Dame und Étrembières bei Annemasse. Am Fuß des Salève, an der Schweizer Grenze beim Pas de l'Échelle vorbei, steigt er über Collonges-sous-Salève nach Verrières. Dort, kurz vor Beaumont, trifft er auf die Via Gebennensis von Genf nach Le Puy-en-Velay.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Eine Rippe des Jakobus, und der Rest liegt 1.922 Kilometer weiter
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Sallanches, Collégiale Saint-Jacques (563 m) → Verrières bei Beaumont (666 m), Einmündung in die Via Gebennensis
- Länge: 73,6 km
- Dauer: 4 Etappen
- Höhenmeter: ↗ 674 m / ↘ 571 m
- Höchster Punkt: 666 m bei km 73,5, kurz vor dem Ziel am Hang des Salève
- Landschaft: das Arvetal unter dem Mont-Blanc-Massiv, Uferwege und Auwald, die Uhrmacherstadt Cluses, Kiesgruben-Seen bei Bonneville, Genfer Vorstädte, zuletzt der Hang des Salève mit Blick über Genf
- Markierung: gelber Pfeil auf blauem Grund ab dem Portal der Collégiale in Sallanches bis zur Einmündung in Verrières, dann Muschel und Rot-Weiß des GR 65
- Jakobus-Spuren: in Sallanches eine Jakobus-Kollegiatkirche mit Rippen-Reliquiar, Jakobusaltar, Jakobusfenster und Wandbildern aus seinem Leben; in Beaumont, 2,1 km hinter dem Ziel, eine große Jakobusstatue von 1998
- Unterkunft: Hotels und Accueils jacquaires, private Pilgergastgeber in Cluses, Thyez, Bonneville, Annemasse und Collonges-sous-Salève; Pilgerherbergen im spanischen Sinn gibt es nicht
- Anschlusswege: in Verrières die Via Gebennensis nach Le Puy-en-Velay (oder 13,4 km zurück nach Genf); Geschwister-Zubringer Via Gebennensis (Saint-Gingolph) und Via Gebennensis (Col du Petit-Saint-Bernard)
- Beste Zeit: April bis Oktober; der Weg bleibt im Tal und ist fast ganzjährig begehbar, bei Hochwasser der Arve aber nicht am Ufer
- Vereine am Weg: ganzer Weg: Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques
Überblick
Am 19. April 1840 brannte Sallanches ab: 268 von 273 Häusern, in drei Stunden. Es war der siebte Stadtbrand. König Karl Albert ließ die Stadt danach auf einem Schachbrettplan neu bauen. Mittendrin steht die Collégiale Saint-Jacques, und in ihr ein Reliquiar mit einer Rippe des Apostels. Du beginnst deinen Jakobsweg also bei einem Stück Jakobus und gehst zum Rest.
Der Weg ist die kürzeste Art, vom Mont Blanc nach Santiago aufzubrechen. Er folgt der Arve, dem Fluss, der aus den Gletschern von Chamonix kommt und in Genf in die Rhône fließt, durch das Faucigny, die alte Baronie mit den Hauptorten Cluses und Bonneville. Hinter Annemasse wechselt er an den Fuß des Salève, des Kalkbergs, den die Genfer ihren Balkon nennen. Nach vier Tagen stehst du über Genf, auf 666 Metern, und biegst auf die Via Gebennensis ein. Bis Le Puy sind es von dort noch rund 334 Kilometer.
Andere Namen
Via Gebennensis (Sallanches) ist ein Arbeitsname von Camino Ninja. In unserer Systematik heißen Zubringer nach dem Hauptweg, zu dem sie führen, mit ihrem Startpunkt in Klammern. Der Weg gehört also nicht zur Via Gebennensis selbst, die von Genf nach Le Puy läuft. Er bringt dich zu ihr.
Die Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques (ARA) nennt die Strecke „bretelle du Faucigny-Salève“, einen Verbindungsweg, der Pilger aus dem Arvetal in Verrières an den GR 65 bringt. Die Wegbeschreibung der Delegation Haute-Savoie heißt „Partir de Sallanches pour Saint-Jacques-de-Compostelle par le Faucigny et le Salève“, Stand Januar 2026, und rechnet ab Sallanches 1.922 Kilometer bis Santiago. Über weite Strecken ist der Weg identisch mit dem chemin des bords d'Arve, dem Uferweg von Chamonix nach Genf.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Dieser Weg ist ideal für dich, wenn du im Mont-Blanc-Gebiet wohnst oder Urlaub machst und von dort aus nach Santiago aufbrechen willst. Er passt auch, wenn du einen kurzen, flachen Einstieg suchst: vier Tage, kaum Steigungen, ein Bahnhof fast in jeder Etappe.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du unberührte Landschaft erwartest. Das Arvetal ist ein Industrie- und Verkehrstal: Autobahn, Bahnlinie, Gewerbegebiete, und zwischen Cluses und Bonneville musst du mehrmals Schnellstraßen und Gleise überqueren, bei Vougy die Voie rapide, vor Boringes die RD 903. Vier Kilometer gehst du auf der Véloroute Léman–Mont-Blanc, mit Radverkehr. Hinter Annemasse kommen die Genfer Vorstädte. Nichts für dich ist er auch, wenn du Schlafsäle mit anderen Pilgern suchst: Es gibt nur private Gastgeber, die du vorher anrufen musst, und kaum Pilger.
Streckenverlauf & Landschaft
Von Sallanches nach Bonneville (km 0–36,4): Die Markierung beginnt am Portal der Collégiale. Gleich hinter der Stadt überquerst du bei Saint-Martin (km 1,6) die Arve auf einer alten Steinbrücke, von der aus du den Mont Blanc in voller Breite siehst. Dann bleibst du am Fluss: auf Uferwegen und Dämmen über Luzier nach Magland (km 12,7), wo das Tal enger wird, und durch die Felsenge, die der Stadt Cluses (km 19,4) ihren Namen gab. Dahinter weitet sich das Tal, Thyez liegt knapp neben dem Weg, über Vougy erreichst du Bonneville (km 36,4), den alten Hauptort des Faucigny.
Von Bonneville nach Verrières (km 36,4–73,6): Hinter Bonneville führt der Weg zwischen Kiesgruben-Seen hindurch, wo einige Pfade in Sackgassen enden; folge der Markierung genau. Über Boringes (km 48,6) und Pilly kommst du nach Arthaz-Pont-Notre-Dame (km 54,5), dann bei Étrembières über die Arve an den Rand von Annemasse. Ab hier gehst du am Fuß des Salève nach Westen. Am Pas de l'Échelle (km 64,1) passierst du den Schweizer Zoll und siehst zum ersten Mal den Jet d'eau. Über Bossey und Collonges-sous-Salève (km 69,1) steigt der Weg zum Schluss gut 200 Meter an, durch La Montagnère hinauf nach Verrières.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Die vier Etappen sind ein Vorschlag von Camino Ninja, gelegt auf Orte mit Unterkunft. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 73,6 km kalibriert. Die letzte Etappe ist kurz; wer mag, geht am selben Tag auf der Via Gebennensis noch 2,1 Kilometer weiter bis Beaumont.
- Sallanches → Cluses (19,4 km) — über die Arve und am Fluss entlang durch Magland in die Felsenge von Cluses.
- Cluses → Bonneville (17,0 km) — durch das breite Tal, mit Straßen- und Bahnquerungen, in den alten Hauptort des Faucigny.
- Bonneville → Étrembières/Annemasse (22,6 km) — zwischen Kiesgruben-Seen und Wäldern über Boringes und Arthaz zur Arvebrücke von Étrembières; der Gastgeber in Annemasse holt dich ab.
- Étrembières → Verrières (14,6 km) — am Fuß des Salève entlang, am Pas de l'Échelle vorbei und hinauf zur Via Gebennensis.
Technisch schwierig ist nichts. Bei Hochwasser oder Sturm meide die Uferwege an der Arve.
Eine Rippe des Jakobus, und der Rest liegt 1.922 Kilometer weiter
Schon um 1178 nennt das Kartular von Cluny den Ort Sallanches. Am 2. Dezember 1389 erhob Papst Clemens VII. seine Kirche zur Kollegiatkirche, sie ist bis heute die einzige der Haute-Savoie. Sie ist dem heiligen Jakobus geweiht und besitzt ein Reliquiar mit einer Rippe des Apostels. Am 20. November 1669 zerstörte ein Brand den Vorgängerbau, 1688 stand der Neubau, den Außenbau von 1680 bis 1688 siehst du noch heute. Nach dem großen Brand von 1840 wurde das Innere erneuert. Die Trompe-l'Œil-Malereien begann der Piemontese Casimir Vicario; nach seinem Tod 1847 malten seine Schüler weiter. 1606 kam Franz von Sales als Bischof von Genf auf Pastoralbesuch.
Was du drinnen suchen solltest, zählt die ARA auf: Jakobusaltar, Jakobusfenster, Wandbilder mit dem Leben des Apostels, Chorgestühl, Retabel, Monstranz, Evangeliar und das Rippen-Reliquiar. Den ersten Stempel bekommst du im Pfarrhaus an der Place du Commissaire Chesney (Dienstag bis Freitag 15 bis 18:30 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr). Laut ARA sind es von hier 1.922 Kilometer bis zum Grab in Santiago. Und der Herausgeber der Wegbeschreibung, Henri Jarnier, gibt dir zum Abschied einen sachlichen Satz mit: „La qualité du balisage est suffisante aujourd'hui pour cheminer sans difficulté.“ Die Markierung reicht inzwischen, um ohne Schwierigkeiten zu gehen.
Highlights am Weg
- Collégiale Saint-Jacques, Sallanches (km 0) — Kollegiatkirche seit 1389, mit Rippen-Reliquiar des Apostels; seit 1986 als Monument historique eingetragen.
- Pont Saint-Martin (km 1,6) — urkundlich 1223 erwähnt, 1783 neu gebaut, seit 1934 Monument historique, seit 1974 nur noch für Fußgänger. Von hier siehst du das ganze Mont-Blanc-Massiv.
- Chessin bei Magland — Kapelle Notre-Dame-des-Anges von 1740; an drei Häusern sitzt die „clé des colporteurs“, das Zeichen der Wanderhändler, die im Winter aus dem Tal zogen.
- Cluses (km 19,4) — 1720 brachte Claude-Joseph Ballaloud die Uhrmacherei ins Tal, 1848 gründete Achille Benoit die königliche Uhrmacherschule. Aus dem Drehen winziger Schrauben wurde das Décolletage, die Präzisionsdreherei, die das Tal bis heute prägt; das Museum zeigt beides. Dazu die alte Arvebrücke aus dem 17. Jahrhundert und die Fontaine des Allobroges von 1791.
- Bonneville (km 36,4) — seit 1310 Hauptort der Baronie Faucigny. Die 44 Meter hohe Säule an der Brücke ehrt König Karl Felix, der die Arve eindeichen ließ; das Burgschloss der Herren von Faucigny aus dem 13. Jahrhundert war bis 1934 Gefängnis. Seit 2024 ziert ein Fresko mit Muschel die Unterführung.
- Fontaine Jules César bei Étrembières — eine Quelle des Salève; der Legende nach trank hier Caesar.
- Pas de l'Échelle (km 64,1) — der alte Saumpfad auf den Salève wird schon 1320 als „scalam de Munetier“ erwähnt, benannt nach den in den Fels gehauenen Stufen. Hier startet seit 1932 die Seilbahn auf den Berg.
- Salève — der „Balkon von Genf“. An seinen Felsrinnen Grande und Petite Varappe kletterten Genfer im späten 19. Jahrhundert so viel, dass das französische Wort für Klettern, „varappe“, nach ihnen benannt ist.
- Beaumont (2,1 km hinter dem Ziel, auf der Via Gebennensis) — Kirche Saint-Pierre mit einer großen Jakobusstatue von Estelle Briot, gesegnet am 28. Juli 1998.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Sallanches ist ein Startpunkt, kein Übergang: Kein anderer Weg aus Camino Ninja führt hierher. Zur Via Gebennensis führen in Camino Ninja zwei weitere Zubringer:
- Via Gebennensis (Saint-Gingolph) — vom Wallis am Südufer des Genfersees nach Genf
- Via Gebennensis (Col du Petit-Saint-Bernard) — vom Alpenpass an der italienischen Grenze durch Savoyen nach Yenne
Weiterpilgern?
In Verrières endet der Zubringer, und du stehst auf der Via Gebennensis, bei deren km 13,4. Du hast zwei Richtungen:
- Richtung Le Puy-en-Velay: 2,1 Kilometer bis Beaumont, dann über Savoyen und das Pilat-Massiv, insgesamt noch rund 334 Kilometer
- Richtung Genf: 13,4 Kilometer zurück zur Kathedrale Saint-Pierre, wo die Via Lugdunum nach Lyon beginnt und die Via Jacobi endet
Ab Le Puy führt die Via Podiensis nach Saint-Jean-Pied-de-Port, wo der Camino Francés über die Pyrenäen nach Santiago weitergeht.
Vorbereitung & Praktisches
Jahreszeit. Der Weg liegt im Tal und ist fast ganzjährig begehbar. Am schönsten sind Mai, Juni und September, wenn der Mont Blanc oft klar zu sehen ist.
Markierung und Wegbeschreibung. Du folgst dem gelben Pfeil auf blauem Grund, ab Verrières der Muschel und dem Rot-Weiß des GR 65. Die ARA-Delegation Haute-Savoie stellt eine Wegbeschreibung mit Karten, Unterkünften und Stempelstellen als PDF bereit, zu finden über chemins.compostelleenrhonealpes.fr. Als Wanderkarten nennt sie IGN Top 25 3530 ET, 3429 ET und 3430 OT.
Unterkunft und Ausweis. Übernachten kannst du in Hotels und bei Accueils jacquaires, privaten Pilgergastgebern gegen Spende: in Cluses, Thyez (drei Gastgeber, Abholung an der Pont des Chartreux), Bonneville, Annemasse (mit Abholung) und Collonges-sous-Salève. Melde dich immer ein bis zwei Tage vorher an. Am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst. Wie auf allen französischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Pilgerunterkünften zu übernachten und am Ende die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist.
Proviant. Einkaufen kannst du in Sallanches, Magland, Cluses, Vougy, Bonneville, Annemasse und Collonges; Contamine-sur-Arve und Arthaz liegen gut 500 Meter neben dem Weg.
Grenze. Am Pas de l'Échelle gehst du an der Schweizer Grenze entlang. Einen Ausweis solltest du dabeihaben; Franken brauchst du erst, wenn du nach Genf abbiegst.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 60 bis 100 € pro Tag für Zimmer, Abendessen und Frühstück; in Sallanches und in der Nähe von Genf sind Hotels teurer als in Cluses oder Bonneville (Camino-Ninja-Schätzung, Stand: Oktober 2026). Bei den Accueils jacquaires zahlst du mit einer Spende, die üblicherweise Abendessen und Frühstück einschließt. Für vier Etappen sind das zusammen rund 250 bis 400 €.
Anreise
- Anreise zum Start: Bahnhof Sallanches-Combloux-Megève an der Linie nach Saint-Gervais, mit dem Léman Express direkt ab Genf und Annemasse, mit TER und mit TGV aus Paris; von dort sind es wenige Minuten zur Collégiale.
- Zwischeneinstieg: Bahnhöfe in Cluses, Bonneville und Annemasse liegen am Weg oder nahe daran.
- Rückreise ab dem Ziel: Verrières und Beaumont haben keinen Bahnhof. Entweder gehst du auf der Via Gebennensis 13,4 Kilometer nach Genf, oder du fährst ab Saint-Julien-en-Genevois mit Bus oder Bahn nach Genf und Annemasse.
- Fahrpläne: ter.sncf.com, lemanexpress.ch
Partner
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