Via Lemovicensis Southern Variant
Die Via Lemovicensis Southern Variant ist der südliche der beiden Äste, in die sich der Jakobsweg ab Vézelay für gut zwei Wochen teilt: 281,9 Kilometer über Corbigny, Nevers, Saint-Amand-Montrond und La Châtre bis Gargilesse-Dampierre an der Creuse, wo sie wieder in die Hauptroute über Bourges mündet. Unterwegs liegen das Kloster Saint-Gildard in Nevers, in dem Bernadette Soubirous seit 1925 im gläsernen Schrein ruht, und die Rotunde von Neuvy-Saint-Sépulchre, eine Kopie der Grabeskirche von Jerusalem. Das Gelände ist sanft, ↗ 2.211 Meter auf der ganzen Strecke, der höchste Punkt liegt bei nur 341 Metern. Rechne mit 13 bis 15 Etappen durch Burgund, das Nivernais und das Berry.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07„Ich bin hierher gekommen, um mich zu verbergen“ – Bernadette in Nevers
- 08Neuvy-Saint-Sépulchre: Jerusalem, nachgebaut im Berry
- 09Highlights am Weg
- 10Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 11Weiterpilgern?
- 12Vorbereitung & Praktisches
- 13Was dich der Weg kostet
- 14Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Basilika Sainte-Marie-Madeleine in Vézelay / Gargilesse-Dampierre im Tal der Creuse, Einmündung in die Hauptroute der Via Lemovicensis
- Länge: 281,9 km
- Dauer: 15 Etappen in unserer Einteilung, Ø knapp 19 km; zügig in 12 bis 13 Tagen
- Höhenmeter: ↗ 2.211 m / ↘ 2.325 m
- Höchster Punkt: 341 m bei km 54,7, zwischen Saint-Révérien und Sancenay im Nivernais
- Landschaft: Weiden und Hohlwege am Rand des Morvan, Wälder des Nivernais, Loire und Allier bei Nevers, Heckenland des Berry, zuletzt das felsige Tal der Creuse
- Träger / Markierung: Amis et Pèlerins de Saint-Jacques de la Voie de Vézelay (gegründet 1999); Muschelzeichen der Jakobswege, abschnittsweise weiß-rote GR-Zeichen
- Jakobus-Spuren: Codex Calixtinus um 1140 mit dem Weg über Vézelay; Jakobusstatue in der Kathedrale von Nevers; Rotunde von Neuvy-Saint-Sépulchre als Teil des UNESCO-Welterbes der Jakobswege in Frankreich (1998)
- Unterkunft: Gîtes d'étape, accueils jacquaires auf Spendenbasis, zwei Refugien der Wegvereinigung in Ainay-le-Château und Bouzais, das Pilgerhaus des Bernadette-Heiligtums in Nevers
- Anschlusswege: Via Lemovicensis (Hauptroute über Bourges, ab Gargilesse gemeinsam), Zubringer nach Vézelay: Voie de Sens, Via Campaniensis, Gy – Vézelay, Trier – Vézelay
- Beste Zeit: Mai, Juni und September; die Refugien der Wegvereinigung öffnen vom 15. März bis 15. Oktober
Überblick
Hinter Vézelay stehst du vor einer Entscheidung, die der Codex Calixtinus noch nicht kannte: nördlich über Bourges oder südlich über Nevers. Die Hauptroute nimmt die Kathedrale von Bourges, die Southern Variant nimmt zwei Orte, an denen man Jerusalem und Lourdes näher ist als erwartet. In Nevers liegt Bernadette Soubirous, die Seherin von Lourdes, die 1866 ins Kloster Saint-Gildard kam und Lourdes nie wiedersah. Und in Neuvy-Saint-Sépulchre steht eine Rundkirche, die ein Herr aus dem Berry nach seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land der Grabeskirche nachbauen ließ. Der Satz, den man auf diesem Weg laut vorlesen möchte: Du gehst nach Santiago und kommst unterwegs an Lourdes und Jerusalem vorbei, ohne Frankreichs Mitte zu verlassen.
Dazwischen liegt das Frankreich, das in Reiseführern meist zwischen zwei Kapiteln verschwindet: das Nivernais mit seinen Waldrücken und den Ankerschmieden von Guérigny, das Berry mit Hecken, Rinderweiden und Dörfern, in denen die Bäckerei der letzte Laden ist. Ehrlich gesagt ist das Herbergsnetz dünn, und der Weg verlangt, dass du am Vortag anrufst und ein paar Sätze Französisch sprichst. Dafür wirst du in Sancoins oder Le Châtelet nicht als Kundschaft begrüßt, sondern als Ereignis.
Andere Namen
In Frankreich heißt der Ast Voie de Vézelay par Nevers oder variante sud de la Voie de Vézelay, im Gegensatz zur Hauptroute par Bourges. Der lateinische Name Via Lemovicensis nach Limoges gilt für das ganze Wegesystem; wir führen den Nevers-Ast als Via Lemovicensis Southern Variant, im Deutschen liest du auch Südvariante oder Nevers-Variante der Via Lemovicensis.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du die Via Lemovicensis ganz gehen willst und dir eine gotische Kathedrale weniger bedeutet als ein Ort wie Saint-Gildard, an dem Menschen seit hundert Jahren still vor einem Glasschrein sitzen. Ideal auch als abgeschlossene Pilgerreise von gut zwei Wochen: Burgund, Loire und Berry, ohne Gebirge, mit einer echten Wallfahrtsstadt in der Mitte und einem der schönsten Dörfer Frankreichs am Ende.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsgespräche und Pilgerkolonnen suchst: Zwischen Nevers und La Châtre kann es passieren, dass du tagelang keinen anderen Jakobspilger triffst. Nichts für dich, wenn du ohne Planung losgehen willst; in Apremont, Le Châtelet oder Saint-Révérien gibt es nur eine Handvoll Betten, und viele Gîtes wollen am Vortag wissen, dass du kommst. Und nichts für dich, wenn du im Juli und August Schatten brauchst: Das Heckenland des Berry ist offen, die Sträßchen sind asphaltiert, und Dorfbrunnen sind seltener als Kirchtürme.
Streckenverlauf & Landschaft
Burgund und Nivernais (km 0–101,9): Von der Basilika steigst du hinab nach Saint-Père mit seiner gotischen Liebfrauenkirche, quert bei Pierre-Perthuis die Schlucht der Cure und gehst über Bazoches (km 15,2), wo Vauban sein Schloss hatte, durch Weiden und Hohlwege am Westrand des Morvan nach Corbigny (km 35,3). Danach wird es waldiger: über Saint-Révérien (km 53,8) und den höchsten Punkt bei km 54,7 nach Prémery (km 71,2) mit seiner Stiftskirche und durch die Wälder der alten Schmiedegegend nach Guérigny (km 87,9). Über Chantemerle erreichst du Nevers (km 101,9) an der Loire.
Loire, Allier und Berry (km 101,9–281,9): Hinter Nevers geht es über die Loire, am Allier entlang über Gimouille und Cuffy nach Apremont-sur-Allier (km 117,6) und durch das Bocage nach Sancoins (km 134,8). Über Ainay-le-Château (km 163,0) mit seinem Mauerring und Charenton-du-Cher kommst du nach Saint-Amand-Montrond (km 182,2) am Cher; Orval bleibt 0,7 Kilometer neben dem Weg. Dann beginnt das eigentliche Berry: Bouzais, Loye-sur-Arnon, Le Châtelet (km 209,0), das Weinstädtchen Châteaumeillant (km 221,7), La Châtre (km 240,2) im Land George Sands. Montgivray und das Schloss Sarzay liegen jeweils gut einen Kilometer abseits. Über Neuvy-Saint-Sépulchre (km 258,5) und Cluis (km 266,9) senkt sich der Weg ins Tal der Creuse nach Gargilesse-Dampierre (km 281,9).
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 281,9 km kalibriert. Wir zeigen 15 eher kurze Etappen, damit Nevers einen halben Tag für Saint-Gildard bekommt; wer zügiger geht, legt Prémery–Nevers (30,7 km) und Nevers–Sancoins (32,9 km) zu je einem Tag zusammen.
- Vézelay → Bazoches (15,2 km) — hinab nach Saint-Père, über die Cure bei Pierre-Perthuis, Ankunft am Schloss Vaubans.
- Bazoches → Corbigny (20,1 km) — Weiden und Hohlwege am Rand des Morvan, über Vignes-le-Haut und Anthien.
- Corbigny → Saint-Révérien (18,5 km) — über Chitry-les-Mines und Guipy hinauf ins Nivernais.
- Saint-Révérien → Prémery (17,4 km) — gleich zu Beginn der höchste Punkt mit 341 m, dann Wald und Weiler.
- Prémery → Guérigny (16,7 km) — durch die Waldgegend der alten Schmieden, wenig Einkehr.
- Guérigny → Nevers (14,0 km) — kurzer Tag, der Rest gehört Saint-Gildard und der Altstadt.
- Nevers → Apremont-sur-Allier (15,7 km) — über die Loire, am Allier entlang ins Dorf der Steinbrecher.
- Apremont-sur-Allier → Sancoins (17,2 km) — über Grossouvre durchs Bocage zum Viehmarktstädtchen.
- Sancoins → Ainay-le-Château (28,2 km) — die längste Etappe, still und mit wenigen Dörfern; am Ziel ein Refugium der Wegvereinigung.
- Ainay-le-Château → Saint-Amand-Montrond (19,2 km) — über Charenton-du-Cher an den Cher, erste Stadt seit Nevers.
- Saint-Amand-Montrond → Le Châtelet (26,8 km) — über Bouzais mit dem zweiten Refugium und Loye-sur-Arnon ins Berry.
- Le Châtelet → Châteaumeillant (12,7 km) — kurzer Tag ins Weinstädtchen, Zeit für den Gris.
- Châteaumeillant → La Châtre (18,5 km) — über Néret und Fontenay ins Land George Sands.
- La Châtre → Neuvy-Saint-Sépulchre (18,3 km) — Hügel und Hecken, am Ziel die Rotunde.
- Neuvy-Saint-Sépulchre → Gargilesse-Dampierre (23,4 km) — über Cluis und Les Minières hinab ins Tal der Creuse.
Technisch ist nichts schwierig: Feldwege, Waldwege und viele kleine Asphaltsträßchen, auf 281,9 Kilometern nur 2.211 Höhenmeter bergauf. Anstrengend sind die Abstände zwischen Bäckerei und Bett, vor allem zwischen Sancoins und Ainay-le-Château und auf den Hochflächen des Nivernais.
„Ich bin hierher gekommen, um mich zu verbergen“ – Bernadette in Nevers
Am 4. Juli 1866 verließ Bernadette Soubirous Lourdes, am 7. Juli kam sie im Mutterhaus der Sœurs de la Charité in Saint-Gildard an. Acht Jahre zuvor hatte die Müllerstochter in der Grotte von Massabielle ihre Erscheinungen gehabt, inzwischen pilgerten Tausende zu der Grotte – und die junge Frau, um die sich alles drehte, ging gut 500 Kilometer Luftlinie weit weg nach Norden. Ihr eigener Satz dazu, wie ihn das Heiligtum von Lourdes überliefert: „Je suis venue ici pour me cacher“ – ich bin hierher gekommen, um mich zu verbergen. Und: „À Lourdes, ma mission est finie.“ Als Schwester Marie-Bernard legte sie 1867 die Profess ab, arbeitete in der Krankenstube und in der Sakristei und starb am 16. April 1879 mit 35 Jahren. Nach Lourdes ist sie nie zurückgekehrt.
Die Geschichte danach ist die, wegen der heute rund 200.000 Menschen im Jahr nach Nevers kommen. Im Seligsprechungsverfahren wurde ihr Leib dreimal exhumiert, 1909, 1919 und 1925; seit 1925 liegt er in einem gläsernen Schrein in der Kapelle von Saint-Gildard, Gesicht und Hände mit einer dünnen Wachsschicht überzogen. Seliggesprochen wurde sie 1925, heiliggesprochen am 8. Dezember 1933. Lourdes zieht bis heute Millionen an – und auf der Südvariante kommst du an der Frau vorbei, die Lourdes verlassen hat, um ihre Ruhe zu haben.
Praktisch heißt das: Plane Nevers als halben Ruhetag. Die Kapelle ist täglich von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet, für Gäste des Hauses bis 22 Uhr. Das Espace Bernadette in der Rue Saint-Gildard 34 hat 60 Zimmer für 130 Personen und einen eigenen Gîte d'étape mit 15 Plätzen; als Jakobspilger schläfst du dort, wo sonst Lourdes-Gruppen einkehren, und bekommst deinen Stempel gleich mit.
Neuvy-Saint-Sépulchre: Jerusalem, nachgebaut im Berry
Die Grabeskirche von Jerusalem hatte Kalif al-Hakim 1009 zerstören lassen; als Pilger aus dem Abendland sie im 11. Jahrhundert besuchten, war sie eine Baustelle. Einer von ihnen war Eudes de Déols, Herr von Châteauroux. Nach seiner Rückkehr ließ er in Neuvy eine Kirche nach dem Vorbild des Heiligen Grabes errichten, gebaut im 11. und 12. Jahrhundert: eine Rotunde von 19,45 Metern Durchmesser, getragen von elf Säulen – zwölf Apostel minus Judas. Wer nicht nach Jerusalem konnte, ging nach Neuvy.
1257 brachte Kardinal Eudes de Châteauroux, päpstlicher Legat und Vertrauter Ludwigs des Heiligen, zwei Tropfen vom Blut Christi und ein Stück vom Heiligen Grab nach Neuvy; seither wird die Reliquie am Ostermontag in einer Prozession getragen. Prosper Mérimée setzte die Kirche 1840 auf die erste Liste der Monuments historiques, Viollet-le-Duc restaurierte sie, Pius X. erhob sie 1910 zur Basilika, und seit 1998 gehört sie zum UNESCO-Welterbe der Jakobswege in Frankreich. Der Zugang ist frei. Geh einmal langsam im Umgang um die Säulen herum: Es ist der kürzeste Rundweg am ganzen Jakobsweg.
Highlights am Weg
- Vézelay (km 0) — Basilika Sainte-Marie-Madeleine, seit 1979 UNESCO-Welterbe; 1146 rief Bernhard von Clairvaux hier zum Zweiten Kreuzzug auf. Pilgersegen in der Morgenmesse.
- Pierre-Perthuis (km 7,8) — zwei Brücken übereinander über die Schlucht der Cure, dazu der durchlöcherte Fels, der dem Ort den Namen gab.
- Bazoches (km 15,2) — Schloss, das Vauban 1675 mit der Belohnung Ludwigs XIV. für die Einnahme von Maastricht (1673) kaufte; in der Dorfkirche liegt er seit 1707 begraben, sein Herz brachte Napoleon 1808 in den Invalidendom.
- Guérigny (km 87,9) — Forges royales de la Chaussade: Pierre Babaud de La Chaussade schmiedete hier Anker und Ketten für die Kriegsmarine, 1781 kaufte der Staat das Werk, erst 1971 erlosch das Feuer. Schiffsanker aus dem Wald, Hunderte Kilometer vom nächsten Meer.
- Nevers (km 101,9) — Saint-Gildard mit dem Schrein Bernadettes; Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte mit romanischem und gotischem Chor an beiden Enden, einem Baptisterium des 6. Jahrhunderts und nach der Bombennacht vom 16. Juli 1944 zwischen 1976 und 2009 neu verglast: 130 Fenster, 1.052 Quadratmeter zeitgenössische Glaskunst.
- Apremont-sur-Allier (km 117,6) — einst Steinbrecherdorf, dessen Kalkstein auf Flachbooten über Allier und Loire zur Kathedrale von Orléans fuhr; was du heute siehst, ließ der Industrielle Eugène Schneider ab 1930 im mittelalterlichen Stil des Berry neu aufbauen.
- Ainay-le-Château (km 163,0) — Städtchen hinter mittelalterlichen Mauern und Toren, mit Refugium der Wegvereinigung.
- Châteaumeillant (km 221,7) — Weinort mit Wurzeln bis in gallische Zeit; seit 1965 VDQS, seit dem 22. November 2010 AOC, berühmt für den blassen Gris aus Gamay.
- Neuvy-Saint-Sépulchre (km 258,5) — die Rotunde nach dem Vorbild der Grabeskirche, UNESCO-Welterbe.
- Gargilesse-Dampierre (km 281,9) — eines der „Plus Beaux Villages de France“ an der Creuse, romanische Kirche des 12. Jahrhunderts mit Krypta-Fresken aus dem 13. und 16. Jahrhundert, die Villa Algira, George Sands Zweitwohnsitz, ein Geschenk ihres Gefährten Alexandre Manceau.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der Weg beginnt dort, wo sich die Zubringer aus dem Norden und Osten sammeln: auf dem Hügel von Vézelay. Wer schon zu Fuß unterwegs ist, kommt meist auf einem dieser Wege:
- Voie de Sens — aus dem Pariser Becken über Sens nach Vézelay
- Via Campaniensis — aus der Champagne
- Gy – Vézelay — aus der Franche-Comté, über Saint-Père hinauf nach Vézelay, auf dem ersten Stück unserer Variante in Gegenrichtung
- Trier – Vézelay — der lange Weg aus Deutschland über Lothringen
Wer in Vézelay neu anfängt, entscheidet am Ortsausgang: Die Via Lemovicensis über La Charité-sur-Loire und Bourges oder die Südvariante über Nevers. Beide Äste treffen sich an der Creuse wieder; welcher es wird, ist eine Frage von Kathedrale oder Kloster.
Weiterpilgern?
Ja, und zwar ohne Umsteigen. In Gargilesse-Dampierre stehst du wieder auf der Via Lemovicensis, die ab hier gemeinsam mit den Bourges-Pilgern über Saint-Léonard-de-Noblat, Limoges und Périgueux ins Baskenland führt. Der Codex Calixtinus beschreibt um 1140 genau diese Fortsetzung: „Alia per Sanctam Mariam Magdalenam Viziliaci et per Sanctum Leonardum Lemovicensem et per urbem Petragoricensem pergit“ – ein anderer Weg führt über die heilige Maria Magdalena von Vézelay, den heiligen Leonhard im Limousin und die Stadt Périgueux.
Bei Ostabat trifft die Lemovicensis auf die Via Podiensis und die Via Turonensis, in Saint-Jean-Pied-de-Port beginnt der Camino Francés nach Santiago. Wer nur die Südvariante geht, fährt von Gargilesse über Argenton-sur-Creuse mit dem Zug nach Hause und kommt im nächsten Jahr genau hierher zurück.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen französischen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Herbergen zu übernachten und am Ende in Santiago die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; Mitglieder der Wegvereinigung bekommen ihn kostenlos, abholen kannst du ihn auch in deren Büro in Vézelay. Mit der Camino Ninja App hast du Karte und Track offline dabei; am einfachsten planst du den Weg direkt in der App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.
Unterkünfte. Die Wegvereinigung betreibt auf diesem Ast zwei Refugien, in Ainay-le-Château und Bouzais, je fünf Plätze, geöffnet vom 15. März bis 15. Oktober, Einlass für Pilger mit Credencial ab 16 Uhr. Sonst schläfst du in Gîtes d'étape, Chambres d'hôtes und bei accueils jacquaires, privaten Pilgerempfängen mit Abendessen am Familientisch. Ruf am Vortag an; in den kleinen Orten zwischen Corbigny und Prémery und zwischen Saint-Amand und Châteaumeillant ist das keine Höflichkeit, sondern Bedingung. Standardverzeichnis: „Miam Miam Dodo – Voie de Vézelay“.
Jahreszeit und Sprache. Mai, Juni und September sind ideal, im Winter sind viele Gîtes geschlossen. Ein paar Sätze Französisch sind auf diesem Ast keine Zierde, sondern dein wichtigstes Ausrüstungsstück.
Was dich der Weg kostet
Frankreich ist teurer als Spanien. In den Refugien der Wegvereinigung zahlst du, was du kannst – „libre participation“ nach deinen Mitteln und den erhaltenen Leistungen. Gîtes d'étape liegen meist bei 15 bis 25 € pro Nacht, Halbpension mit Abendessen und Frühstück bei 35 bis 45 €, accueils jacquaires arbeiten oft auf Spendenbasis (Stand: Oktober 2026). Im Espace Bernadette in Nevers beginnen die Zimmer bei 36,85 € mit Frühstück (Stand: Oktober 2026).
Rechne mit 40 bis 65 € pro Tag, je nachdem, wie oft du Halbpension nimmst und wie oft du selbst kochst. Supermärkte gibt es nur in den Städtchen; dazwischen ist die Dorfbäckerei oft der einzige Laden, und montags hat sie zu.
Anreise
Nach Vézelay. Mit dem Zug über Paris und Auxerre bis Sermizelles-Vézelay, von dort die letzten rund 10 Kilometer mit Bus, Taxi oder zu Fuß.
Unterwegs. Nevers ist der beste Ein- und Ausstieg: Direktzüge nach Paris-Bercy in gut zwei Stunden.
Vom Ziel. Gargilesse-Dampierre hat keinen Bahnhof; das nächste Bahnstädtchen ist Argenton-sur-Creuse, gut 10 Kilometer entfernt, mit Zügen über Châteauroux nach Paris-Austerlitz. Für die letzte Strecke brauchst du Taxi, Rufbus oder einen freundlichen Gastgeber.
- Bahn: sncf-connect.com — Verbindungen nach Sermizelles-Vézelay, Nevers und Argenton-sur-Creuse
- Wegvereinigung: vezelay-compostelle.eu — Refugien, Credencial, Führer
- Nevers: sainte-bernadette-soubirous-nevers.com — Heiligtum und Pilgerunterkunft Espace Bernadette
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