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Via Lemovicensis Southern Variant

Die Südvariante der Via Lemovicensis führt 281,9 km von Vézelay über Nevers nach Gargilesse-Dampierre — mit dem Schrein der Bernadette von Lourdes und der Jerusalem-Rundkirche von Neuvy-Saint-Sépulchre.

11. August 20266 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Vézelay → Gargilesse-Dampierre
  • Länge: 281,9 km
  • Höhenmeter: ↗ 2.211 m / ↘ 2.325 m
  • Dauer: 10–13 Tage
  • Charakter: historische Südvariante der Via Lemovicensis — über Nevers
  • Markierung: GR 654 (weiß-rot) und Muschelzeichen
  • Schwierigkeit: leicht bis mittel — sanftes Hügelland, keine Gebirgspassagen
  • Anschluss: Via Lemovicensis (Hauptroute) in Gargilesse-Dampierre

Überblick

Gleich hinter Vézelay stellt dich die Via Lemovicensis vor ihre erste Entscheidung: nordwärts über Bourges — oder südwärts über Nevers? Die Southern Variant ist der südliche der beiden historischen Äste: 281,9 km von der Magdalenen-Basilika in Vézelay über die Loire bei Nevers bis ins Künstlerdorf Gargilesse-Dampierre, wo sich beide Wege wieder vereinen.

Beide Varianten sind alt, beide sind belegt — aber die Südroute hat zwei Trümpfe, die dem Nordast fehlen: das Heiligtum der Bernadette von Lourdes in Nevers und die Rundkirche von Neuvy-Saint-Sépulchre, eine Jerusalem-Kopie mitten im Berry. Dazu ist sie noch einmal stiller als der ohnehin stille Hauptweg.

Andere Namen

In Frankreich heißt der Ast Voie de Vézelay par Nevers — im Gegensatz zur Nordroute par Bourges. Auf unserer Karte findest du ihn als „Via Lemovicensis Southern Variant“, die Hauptroute als „Via Lemovicensis“.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal ist die Südvariante für dich, wenn du die Via Lemovicensis komplett gehen willst und dabei lieber an Bernadettes Schrein und der Grabeskirchen-Rotunde vorbeikommst als an der Kathedrale von Bourges — oder wenn du nur 10–13 Tage Zeit hast und ein in sich rundes Stück Frankreich suchst: Burgund, Loire, Berry, mit einem echten Pilgerziel in der Mitte.

Eher nichts für dich ist sie, wenn du unterwegs auf städtisches Leben zählst — zwischen Nevers und Gargilesse wird es sehr ländlich und sehr einsam — oder wenn dir die gotische Kathedrale von Bourges am Herzen liegt: Dann nimm die Hauptroute, beide Wege treffen sich ja wieder.

Streckenverlauf & Landschaft

Aus Vézelay geht es zunächst durch das grüne Vorland des Morvan: Weiler, Weiden, Hohlwege — und bei Bazoches das Schloss des Festungsbaumeisters Vauban. Über Corbigny und die alten Schmiedeorte des Nivernais senkt sich der Weg allmählich ins Loiretal, bis in Nevers die lange Brücke über die Loire wartet — der große Flussmoment dieser Variante.

Hinter der Loire wechselt das Bild: das Bocage des Berry — Heckenland, Weideland, stille Sträßchen — führt dich über das Weinstädtchen Châteaumeillant und die Rundkirche von Neuvy-Saint-Sépulchre bis ins romantische Tal der Creuse, wo Gargilesse-Dampierre als eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“ den Schlusspunkt setzt.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Die 281,9 km gehen sich bequem in 10 bis 13 Tagen; das Gelände ist sanftes Hügelland ohne lange Steigungen (↗ 2.211 m gesamt). Der Verlauf in vier großen Abschnitten:

  1. Vézelay → Corbigny (rund 45 km): Morvan-Vorland, Château de Bazoches — Vaubans Wohnsitz — und erste stille Herbergsdörfer.
  2. Corbigny → Nevers (rund 75 km): durch das Nivernais mit seinen alten Schmiedeorten hinab ins Loiretal, Ankunft an Bernadettes Kloster.
  3. Nevers → Châteaumeillant (rund 100 km): über die Loire und durch das Heckenland des Berry — der einsamste Teil der Variante.
  4. Châteaumeillant → Gargilesse-Dampierre (rund 60 km): zur Rundkirche von Neuvy-Saint-Sépulchre und ins Creuse-Tal — hier mündest du in die Hauptroute.

Nevers: Bei Bernadette von Lourdes

Der eigentliche Grund, diese Variante zu gehen, liegt auf halber Strecke. 1866 verließ Bernadette Soubirous — das Mädchen, dem in Lourdes die Muttergottes erschienen war — ihren Heimatort und trat in Nevers ins Kloster Saint-Gildard ein. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod 1879, mit 35 Jahren.

Bei der Exhumierung im Seligsprechungsprozess fand man ihren Leib unversehrt vor — seit 1925 ruht er in einem gläsernen Schrein in der Klosterkapelle. Das heutige Sanctuaire Sainte-Bernadette (Espace Bernadette) ist ein bedeutender Wallfahrtsort mit eigenem Gästehaus — als Jakobspilger übernachtest du hier, wo sonst Lourdes-Pilger einkehren. Ein stiller, eindrücklicher Ort, der dieser Variante ihren geistlichen Mittelpunkt gibt.

Neuvy-Saint-Sépulchre: Jerusalem im Berry

Kurz vor dem Ziel wartet ein Bauwerk, das es so in Frankreich kaum noch gibt: Die Basilika von Neuvy-Saint-Sépulchre ist eine romanische Rundkirche nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem — elf Säulen tragen die Rotunde, die dem Heiligen Grab nachempfunden ist. Gebaut wurde sie im 11. Jahrhundert, als Jerusalem für die meisten unerreichbar war: Wer nicht ins Heilige Land konnte, pilgerte hierher.

Am 15. Juli 1257 kamen die Chorherren von Neuvy zudem in den Besitz einiger Tropfen des „Kostbaren Blutes“ Christi und eines Fragments des Heiligen Grabes — die Reliquien machten den Ort endgültig zum Wallfahrtsziel. Heute gehört die Basilika zum UNESCO-Welterbe „Wege der Jakobspilger in Frankreich“, und das Umschreiten der Rotunde ist für Pilger ein kleines Jerusalem-Ritual am Jakobsweg.

Highlights am Weg

  • Vézelay — Basilika Sainte-Marie-Madeleine, Startpunkt mit Pilgersegen (UNESCO)
  • Château de Bazoches — Wohnschloss des Festungsbaumeisters Vauban im Morvan-Vorland
  • Nevers — Schrein der heiligen Bernadette, Herzogspalast, Fayence-Tradition und die Loire-Brücke
  • Bocage des Berry — Heckenland und stille Sträßchen, Frankreich wie aus der Zeit gefallen
  • Châteaumeillant — kleines AOC-Weinstädtchen mit gallischen Wurzeln
  • Neuvy-Saint-Sépulchre — Rundkirche nach Jerusalemer Vorbild mit Heilig-Blut-Reliquie (UNESCO)
  • Gargilesse-Dampierre — George Sands Künstlerdorf im Creuse-Tal, eines der „schönsten Dörfer Frankreichs“

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der Einstieg ist derselbe wie beim Hauptweg: Vézelay, der ewige Hügel Burgunds. Wer die Via Lemovicensis plant, entscheidet sich am besten schon vor dem Start für einen der beiden Äste — die Wege trennen sich gleich hinter dem Ort.

Die Südvariante funktioniert auch als eigenständige Pilgerreise von 10–13 Tagen: Start in Vézelay, Finale in Gargilesse-Dampierre, Rückreise über Argenton-sur-Creuse. Wer mag, hängt einfach die nächste Etappe der Hauptroute Richtung Limoges an.

Weiterpilgern?

In Gargilesse-Dampierre stehst du wieder auf der Via Lemovicensis: weiter über Saint-Léonard-de-Noblat, Limoges und Périgueux bis Saint-Jean-Pied-de-Port — und von dort auf dem Camino Francés nach Santiago de Compostela. Von Vézelay über Nevers gerechnet sind das rund 1.700 km — die Südvariante ist also kein Umweg, sondern ein vollwertiger Anfang des großen Weges.

Vorbereitung & Praktisches

Es gelten dieselben Spielregeln wie auf der Hauptroute: dünnes, aber herzliches Herbergsnetz aus Pilger-Refugien, accueils jacquaires und Gîtes d’étape — ein Anruf am Vortag ist üblich. Die Refugien der Wegvereinigung öffnen etwa von Mitte März bis Mitte Oktober; beste Monate sind Mai, Juni und September. Pilgerausweis nicht vergessen — Stempel gibt es in Vézelay, bei Bernadette in Nevers und in Neuvy.

Die Wegvereinigung „Amis et Pèlerins de Saint-Jacques de la Voie de Vézelay“ pflegt für den Nevers-Ast ein eigenes Etappen- und Unterkunftsverzeichnis. Zwischen Nevers und Châteaumeillant liegen die Quartiere am weitesten auseinander — diesen Abschnitt planst du am besten zuerst.

Was dich der Weg kostet

Rechne wie auf der Hauptroute mit 40–65 € pro Tag: Gîtes d’étape meist 15–25 € pro Nacht, accueils jacquaires oft auf Spendenbasis, Halbpension häufig 35–45 € (Stand: August 2026). Das Gästehaus des Bernadette-Heiligtums in Nevers ist eine bezahlbare und besondere Übernachtungsadresse.

Anreise

Nach Vézelay kommst du per Zug über Paris und Auxerre bis Sermizelles-Vézelay, dann Bus oder Taxi (10 km). Ab Gargilesse-Dampierre bringt dich der Bus ins nahe Argenton-sur-Creuse mit Bahnanschluss Richtung Paris (über Châteauroux). Unterwegs ist Nevers der beste Notausstieg: Direktzüge nach Paris in gut zwei Stunden.

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