Via Adresca auf der Karte

Via Adresca

Die Via Adresca zweigt bei Gillonnay in der Isère von der Via Gebennensis ab und führt in 222,2 Kilometern nach Le Puy-en-Velay, aber nicht auf dem direkten Weg. Sie geht erst nach Süden über das Plateau de Chambaran zum Mutterhaus der Antoniter in Saint-Antoine-l'Abbaye, quert bei La Roche-de-Glun die Rhône und steigt dann durch das protestantische Hochland des Vivarais auf 1.284 Meter. In Le Puy beginnt die Via Podiensis.

12. Oktober 202614 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Gillonnay (Isère), Abzweig von der Via Gebennensis → Le Puy-en-Velay (Haute-Loire), Ausgangspunkt der Via Podiensis
  • Länge: 222,2 km
  • Dauer: 11 Etappen, ca. 10–12 Tage
  • Höhenmeter: ↗ 4.149 m / ↘ 3.958 m
  • Höchster Punkt: 1.284 m bei km 190,0 auf dem Plateau vor Saint-Front; der tiefste liegt mit 112 m im Rhônetal bei La Roche-de-Glun
  • Landschaft: Bièvre-Ebene und Wald von Chambaran, Hügel der Drôme des Collines, Rhônetal, Kastanienhänge des Vivarais, Weiden auf über 1.000 Metern, am Ende die Vulkankegel von Le Puy
  • Markierung: Chemin vert (grüner Weg) im Farbsystem der ARA
  • Jakobus-Spuren: wenige am Weg selbst; dafür Saint-Antoine-l'Abbaye, das Mutterhaus der Antoniter, und am Ziel die Kathedrale von Le Puy mit dem täglichen Pilgersegen
  • Unterkunft: Gîtes, Chambres d'hôtes, kleine Hotels und Accueils jacquaires (Pilgerfamilien gegen Spende); in den Hochlanddörfern oft nur ein Haus
  • Anschlusswege: Via Rhodana (gemeinsam ab La Roche-de-Glun bis hinter Châteaubourg, dann weiter nach Arles), Via Rhodana (Lyon) (endet in La Roche-de-Glun), Via Gebennensis (Abzweig bei Gillonnay, letzte rund 10 km gemeinsam), in Le Puy Via Podiensis und Trier – Le Puy; in Le Puy kommt außerdem die Via Adresca (Montélimar) von Montélimar über Aubenas an
  • Beste Zeit: Ende Mai bis Juni und September; das Hochplateau ist im Winter verschneit
  • Vereine am Weg: ganzer Weg: Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques

Überblick

Von Gillonnay nach Le Puy-en-Velay geht die Via Gebennensis in rund 177 Kilometern nach Westen. Die Via Adresca braucht für dieselbe Aufgabe 222,2 Kilometer, weil sie erst einmal nach Süden läuft. Sie nimmt den Umweg nicht aus Versehen. Er führt über das bewaldete Plateau de Chambaran nach Saint-Antoine-l'Abbaye, wo um 1095 der Orden der Antoniter entstand, und bei La Roche-de-Glun an die Rhône. Erst dort, nach knapp 90 Kilometern, dreht der Weg nach Westen und steigt aus dem Rhônetal auf 112 Metern in das Hochland des Vivarais.

Die zweite Hälfte gehört den Hugenotten. Vernoux mit einem der größten protestantischen Tempel Frankreichs, Chalencon mit der Kanzel der verbotenen Gottesdienste, Saint-Agrève, das in den Religionskriegen zweimal geschleift wurde. Am Ende steht Le Puy-en-Velay, die Stadt der Schwarzen Madonna, von der aus Bischof Godescalc um 950 nach Santiago aufbrach. Du gehst also vom Mutterhaus eines katholischen Spitalordens durch das Land der Untergrundkirche zur berühmtesten Marienkathedrale Frankreichs. Der Weg ist ein Umweg, und genau dafür gehst du ihn.

Andere Namen

Via Adresca ist der Name, den die Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques (auch Compostelle en Rhône-Alpes) diesem Weg gegeben hat. In ihrem Farbsystem ist er der Chemin vert, der grüne Weg, neben dem blauen Chemin bleu der Via Rhodana; beide stehen in einem gemeinsamen Führer, den Pilger kurz „Bleu & Vert“ nennen. Manche Führer behandeln ihn als Variante der Via Gebennensis. Woher das Wort „Adresca“ kommt, haben wir nicht verlässlich belegen können, deshalb deuten wir es nicht.

Zur Einteilung: Der Verein beschreibt die Via Rhodana mit zwei Startpunkten, Gillonnay – Arles und Lyon – Arles. In Camino Ninja ist das gemeinsame Stück ab La Roche-de-Glun die Via Rhodana. Der Zulauf von Gillonnay über Saint-Antoine ist Teil der Via Adresca, der Zulauf von Lyon am Fluss entlang ist die Via Rhodana (Lyon). Die Via Adresca beginnt deshalb bei uns in Gillonnay und nicht erst gegenüber von Valence.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn du auf der Via Gebennensis aus Genf kommst, nach Le Puy willst und zwei Dinge sehen möchtest, die die Hauptroute auslässt: Saint-Antoine-l'Abbaye und das Vivarais. Und er passt, wenn du dich noch nicht zwischen Le Puy und dem Mittelmeer entschieden hast: In La Roche-de-Glun kannst du auf die Via Rhodana nach Arles wechseln.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du flache Etappen erwartest. Die ersten vier Tage sind hügelig, ab Saint-Péray steigst du fast 1.000 Meter netto bis Saint-Agrève, und insgesamt kommen über 4.100 Höhenmeter zusammen. Nichts für dich ist er auch, wenn du Pilgergemeinschaft suchst: Herbergen im spanischen Sinn gibt es nicht, die Dörfer sind klein, und manche Etappenorte haben nur ein oder zwei Häuser zum Übernachten.

Streckenverlauf & Landschaft

Der Weg verlässt die Via Gebennensis in der Ebene der Bièvre bei Gillonnay, unterhalb von La Côte-Saint-André. Über Brézins und Marnans mit seiner romanischen Kirche steigst du nach Roybon (km 25,4) und in den Forêt de Chambaran, ein stilles Waldplateau auf rund 600 Metern. Danach geht es hinunter nach Saint-Antoine-l'Abbaye (km 40,0), weiter über das Burgdorf Montmiral und Saint-Ange durch die Hügel der Drôme des Collines, an Peyrins vorbei (der Ort liegt rund 1 km neben der Trasse) in die Ebene, die sich zur Rhône öffnet. In La Roche-de-Glun (km 86,9) überquerst du den Fluss. Ab hier gehst du gut sechs Kilometer gemeinsam mit der Via Rhodana, bis hinter Châteaubourg am rechten Ufer.

Bei Saint-Péray (km 98,2), unter der Burgruine von Crussol, trennen sich die Wege: Die Via Rhodana bleibt im Tal, die Via Adresca steigt über Fringuet und Ponsoye auf das Plateau de Vernoux, vorbei am Weiler Herbasse (km 115,9), nach Vernoux-en-Vivarais (km 123,4). Dann geht es hinab und wieder hinauf nach Chalencon auf seinem Felssporn über dem Eyrieux, über Saint-Julien-Labrousse, Nonières und Le Pouzat nach Saint-Agrève (km 163,9) auf über 1.000 Metern. Über Saint-Romain-du-Désert und Les Vastres wechselst du bei Petit Freydier vom Einzugsgebiet der Rhône in das der Loire, erreichst Fay-sur-Lignon und vor Saint-Front bei km 190,0 den höchsten Punkt. Durch Weiden geht es abwärts nach Saint-Germain-Laprade, wo die Via Gebennensis wieder dazukommt, und mit ihr die letzten knapp zehn Kilometer nach Le Puy.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Die elf Etappen unten sind ein Vorschlag von Camino Ninja, gelegt auf Orte mit Unterkunft. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 222,2 km kalibriert. Technisch ist nichts schwierig, aber es geht oft bergauf und bergab. Die fünfte Etappe ist absichtlich kurz: Sie lässt dir Zeit für Valence auf der anderen Rhône-Seite oder für den Aufstieg nach Crussol. Wer die zehnte zu lang findet, übernachtet in Saint-Front (9,4 km ab Fay, dann 20,1 km bis Saint-Germain-Laprade).

  1. Gillonnay → Roybon (25,4 km) — durch die Bièvre-Ebene über Brézins und Marnans an den Rand des Plateau de Chambaran; die meisten Höhenmeter kommen am Ende.
  2. Roybon → Saint-Antoine-l'Abbaye (14,6 km) — durch den Forêt de Chambaran, dann hinab zur Abtei; kurz, damit du Zeit für Kirche und Museum hast.
  3. Saint-Antoine-l'Abbaye → Peyrins (23,9 km) — über Montmiral und Saint-Ange durch die Drôme des Collines; Peyrins liegt rund 1 km neben der Trasse.
  4. Peyrins → La Roche-de-Glun (23,0 km) — hinunter in die Ebene und an die Rhône; ab hier kannst du auf die Via Rhodana nach Arles wechseln.
  5. La Roche-de-Glun → Saint-Péray (11,3 km) — über die Rhône, gemeinsam mit der Via Rhodana an Châteaubourg vorbei nach Saint-Péray unter der Burg Crussol.
  6. Saint-Péray → Vernoux-en-Vivarais (25,2 km) — der steilste Einstieg: aus dem Rhônetal über Fringuet und Ponsoye auf das Plateau de Vernoux, vorbei an Herbasse.
  7. Vernoux-en-Vivarais → Nonières (22,9 km) — über Chalencon auf seinem Felssporn und Saint-Julien-Labrousse in die Berge der Haute-Ardèche.
  8. Nonières → Saint-Agrève (17,6 km) — über Le Pouzat und Beauvert hinauf nach Saint-Agrève am Mont Chiniac.
  9. Saint-Agrève → Fay-sur-Lignon (18,9 km) — über Saint-Romain-du-Désert und Les Vastres auf das Plateau, bei Petit Freydier über den 45. Breitengrad und die Wasserscheide.
  10. Fay-sur-Lignon → Saint-Germain-Laprade (29,5 km) — der lange Tag: über den höchsten Punkt (1.284 m) nach Saint-Front und durch Weiden hinab ins Becken von Le Puy.
  11. Saint-Germain-Laprade → Le Puy-en-Velay (9,9 km) — kurzer Einlauf mit der Via Gebennensis über Brives-Charensac und Aiguilhe zur Kathedrale.

Ein Orden gegen das Feuer im Brot

Die Geschichte von Saint-Antoine beginnt mit einem Diebstahl, oder mit einer frommen Überführung, je nachdem, wen man fragt. Um 1074 soll der Ritter Jocelin de Châteauneuf Reliquien des Wüstenvaters Antonius aus dem Orient in die Dauphiné gebracht haben. 1088 ließen sich Benediktiner aus Montmajour bei Arles bei ihnen nieder, und am 20. März 1119 weihte Papst Calixt II. die erste Kirche, also der Papst, auf dessen Namen der Codex Calixtinus läuft. Um 1200 betete hier der heilige Hugo von Lincoln, der älteste namentlich bekannte Besucher.

Um 1095 entstand daneben etwas Folgenreicheres. Der Adlige Gaston de Valloire gründete mit seinem Sohn eine Laienbruderschaft für die Kranken, die am „feu de Saint-Antoine“ litten, dem Antoniusfeuer: Brennen in den Gliedern, Krämpfe, schwarz absterbende Finger und Füße. Die Ursache kannte niemand. Es war Mutterkorn, ein Pilz im Roggen, und den Zusammenhang erkannte erst 1597 die Medizinische Fakultät in Marburg. Bis dahin hatten die Brüder im blauen Tau-Kreuz, ihrem Zeichen seit 1175, ein Netz gespannt, das im 15. Jahrhundert rund 370 Spitäler umfasste, auch im deutschen Sprachraum: Memmingen ab 1214, Höchst am Main ab 1441, Isenheim im Elsass. Für das Spital in Isenheim malte Matthias Grünewald zwischen 1512 und 1516 den Isenheimer Altar, vor den man die Kranken brachte.

1289 vertrieben die Antoniter die Benediktiner, 1297 erhob Papst Bonifatius VIII. das Haus zur Abtei. Die Reliquien wollte Montmajour trotzdem nicht hergeben, und nach einer bis heute umstrittenen Überlieferung lagen sie ab dem 9. Januar 1490 in Arles. Wenn du in La Roche-de-Glun auf die Via Rhodana wechselst, gehst du also zur zweiten Adresse desselben Heiligen. Der Orden selbst verschwand, als die Medizin ihm die Patienten nahm: Am 17. Dezember 1776 verfügte Papst Pius VI. die Aufnahme in den Malteserorden. Geblieben sind die Abteikirche und ein Detail, das man nicht erfindet: Antoniter durften ihre Schweine frei durch die Städte laufen lassen, mit einem Glöckchen am Hals. Der Orden, der gegen ein Gift im täglichen Brot kämpfte, finanzierte sich zum Teil mit frei laufendem Schweinefleisch.

Highlights am Weg

  • Marnans — Kirche Saint-Pierre aus dem 11. und 12. Jahrhundert, schon auf der Denkmalliste von 1846.
  • Roybon — Dorf im Wald von Chambaran mit einer kleinen Freiheitsstatue: die „Liberté“ nach Auguste Bartholdi auf dem 1906 eingeweihten Denkmal für Mathias Saint-Romme. Ein Center Parcs mit 1.000 Cottages sollte in den Wald; nach Prozessen seit 2007 wurde er 2020 aufgegeben.
  • Saint-Antoine-l'Abbaye — eines der „Plus beaux villages de France“; gotische Abteikirche, gebaut von etwa 1208 bis ins 15. Jahrhundert, Portal eines burgundischen Ateliers von 1460 bis 1465, Kirchenschatz und Museum des Départements im ehemaligen Noviziat.
  • Montmiral — Burgdorf mit einem Donjon aus dem 12. Jahrhundert, seit 1927 Monument historique; im November 1533 kam König Franz I. zur Jagd.
  • La Roche-de-Glun — seit dem Bau der Staustufe eine Insel in der Rhône, mit dem Haus, das man Diane de Poitiers zuschreibt; 1342 erhielten die Bewohner eine Freiheitscharta der Dauphins.
  • Vernoux-en-Vivarais — der Tempel von 1824 bis 1826, einer der größten protestantischen Tempel Frankreichs; der katholische Glockenturm ist mit 51 Metern das höchste Bauwerk der Ardèche. 1851 stimmte der Kanton als einziger ländlicher Kanton Frankreichs mehrheitlich gegen Louis-Napoléon Bonaparte.
  • Chalencon — einst eine der zwölf Baronien des Vivarais, im 16. Jahrhundert im Besitz von Diane de Poitiers; Stadttor, Mauerreste, Blick bis Vercors und Cevennen, seit 2005 „village de caractère“.
  • Saint-Agrève — benannt nach Bischof Agrève, der 602 starb; 1289 erste Freiheiten, in den Religionskriegen zweimal zerstört.
  • Saint-Michel d'Aiguilhe — Kapelle auf einem 82 Meter hohen Vulkanschlot, 961 geweiht, über 268 Stufen erreichbar.
  • Le Puy-en-Velay — Kathedrale Notre-Dame mit der Schwarzen Madonna, seit 1998 als Teil der Jakobswege in Frankreich UNESCO-Welterbe; jeden Morgen Pilgersegen.

Hier hieß das Gebirge „Désert“

Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 durften Protestanten in Frankreich keine Gottesdienste mehr feiern. Sie feierten sie trotzdem, im Freien und heimlich, und nannten diese Zeit den „Désert“, die Wüste. Im Vivarais war die Wüste ein Gebirge. In Chalencon steht bis heute die tragbare „chaire du désert“, die Kanzel, die man zwischen 1685 und 1787 zu den versteckten Versammlungen trug. In Vernoux war der erste Tempel schon 1683 zerstört worden, nachdem die „dragons du Roi“ Protestanten bei Herbasse niedergemacht hatten. Durch diesen Weiler kommst du bei km 115,9.

Am 12. Dezember 1745 wurde der junge Prediger Mathieu Majal, genannt Désubas, bei Saint-Agrève verhaftet und nach Vernoux gebracht. Rund 3.000 Menschen kamen, um seine Freilassung zu fordern, und die Soldaten schossen in die Menge; die Quellen nennen 33 oder 42 Tote. Désubas wurde Anfang Februar 1746 in Montpellier gehängt, er war 25 Jahre alt. Erst das Toleranzedikt von 1787 beendete die Zeit der Wüste. Ein Dorf auf deinem Weg heißt übrigens Saint-Romain-du-Désert; ob der Name mit den Hugenotten zu tun hat, ist nicht belegt, aber er passt. Am zweiten Abend stehst du im Mutterhaus eines Ordens mit 370 Spitälern, am siebten Tag neben der Kanzel einer Kirche, die es offiziell nicht gab.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Die meisten kommen zu Fuß aus Genf. Auf der Via Gebennensis erreichst du Gillonnay nach 170,1 Kilometern; dort zweigt die Via Adresca ab. Von Genf bis Le Puy sind das zusammen rund 392 Kilometer, gut 45 mehr als auf der direkten Via Gebennensis. Wer aus Lyon kommt, etwa nach der Via Lugdunum aus Genf, kann die Via Rhodana (Lyon) am Fluss entlang bis La Roche-de-Glun gehen und dort bei km 86,9 in die Via Adresca einsteigen. Umgekehrt ist La Roche-de-Glun die Weiche nach Süden: Von dort führt die Via Rhodana in 239,8 Kilometern nach Arles; von Gillonnay bis Arles sind es so rund 328 Kilometer, von Genf aus rund 498.

Weiterpilgern?

In Le Puy-en-Velay endet die Via Adresca, und hier beginnt die Via Podiensis, der bekannteste Jakobsweg Frankreichs. Am selben Ort enden auch die Via Gebennensis und der Weg Trier – Le Puy. Bischof Godescalc von Le Puy gilt als „le premier pèlerin français attesté à se rendre à Saint-Jacques-de-Compostelle“, um 950. Ab Le Puy führt dich die Via Podiensis über Conques, Cahors und Moissac nach Saint-Jean-Pied-de-Port, wo der Camino Francés über die Pyrenäen nach Santiago weitergeht. Wer in La Roche-de-Glun doch das Mittelmeer gewählt hat, kommt über die Via Rhodana nach Arles und dort auf die Via Tolosana.

Vorbereitung & Praktisches

Die beste Zeit sind Ende Mai bis Juni und September. Auf dem Plateau de Chambaran gibt es auf langen Strecken weder Laden noch Brunnen, nimm Wasser für den ganzen Tag mit. Zwischen Saint-Agrève und Saint-Front liegst du auf 1.000 bis 1.300 Metern; dort weht im Winter die Burle, ein kalter Wind, der Schnee zu hohen Verwehungen auftürmt, und viele Unterkünfte öffnen erst im Frühjahr. Nimm Stöcke mit, die Abstiege ins Vivarais sind steinig.

Neben Gîtes, Chambres d'hôtes und kleinen Hotels gibt es die Accueils jacquaires: Familien, die Pilger gegen Spende aufnehmen, oft mit Abendessen. Ihre Adressen stehen im gemeinsamen Führer von Via Rhodana und Via Adresca, dem „Bleu & Vert“ (zweisprachig Französisch und Deutsch). In den kleinen Orten gibt es oft nur ein Haus, also reservierst du vorher. Am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst. Wie auf allen französischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Pilgerunterkünften zu übernachten und am Ende die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist.

Was dich der Weg kostet

Mit Accueils jacquaires, Gîtes und gelegentlich einem einfachen Hotel liegst du bei 40 bis 60 € pro Tag (Camino-Ninja-Schätzung, Stand: Oktober 2026). In den Dörfern ohne Restaurant nimmst du Halbpension, weil es keine Alternative gibt. Für elf Etappen sind das rund 450 bis 700 € ohne An- und Abreise. Der Führer „Bleu & Vert“ des Vereins kostet 17,50 € (Stand: Oktober 2026).

Anreise

Zum Start: Gillonnay hat keinen Bahnhof. Der nächste liegt in Le Grand-Lemps an der TER-Strecke zwischen Saint-André-le-Gaz und Grenoble, mit Anschluss aus Lyon. Von dort gehst du auf der Via Gebennensis rund 11 Kilometer bis Gillonnay.

  • Anreise zum Start: Bahn nach Le Grand-Lemps, dann zu Fuß auf der Via Gebennensis nach Gillonnay.
  • Zwischeneinstieg: Valence-Ville oder Valence TGV, weiter mit Citéa-Bus nach Saint-Péray; ab Saint-Agrève Regionalbus E05 über Lamastre nach Tournon-sur-Rhône.
  • Rückreise ab dem Ziel: Le Puy-en-Velay mit TER über Saint-Étienne-Châteaucreux nach Lyon, etwa 2 Stunden 15 Minuten bis 3 Stunden.
  • Fahrpläne: ter.sncf.com

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