Via Gebennensis (Grenoble)
Dieser Zubringer beginnt an der Kathedrale Notre-Dame in Grenoble und bringt dich in 57,9 Kilometern zu den großen Jakobswegen der Isère. Er folgt zuerst der Isère flussabwärts über Veurey-Voroize nach Tullins, steigt dann über die bewaldeten Chambaran-Höhen nach La Forteresse und Saint-Michel-de-Saint-Geoirs und läuft durch die Bièvre-Ebene über Brézins nach Gillonnay. An der Stele Le Rondet trifft er auf die Via Gebennensis nach Le Puy-en-Velay und auf den Beginn der Via Adresca.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Sechs Kilometer gegen die Pfeile
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Grenoble, Kathedrale Notre-Dame (221 m) → Stele Le Rondet bei Gillonnay (462 m), auf der Via Gebennensis und am Beginn der Via Adresca
- Länge: 57,9 km
- Dauer: 3 Etappen
- Höhenmeter: ↗ 932 m / ↘ 691 m
- Höchster Punkt: 753 m bei km 34,1, auf den Chambaran-Höhen zwischen Tullins und La Forteresse
- Landschaft: Grenoble unter der Bastille, das breite Isèretal mit Nussbaumhainen, die mittelalterliche Kleinstadt Tullins, Laubwald auf den Chambaran-Höhen, die offene Bièvre-Ebene
- Markierung: bis Saint-Quentin-sur-Isère keine Jakobswegzeichen, nur der Radweg an der Isère; danach gelber Pfeil auf blauem Grund, ab Tullins oft zusammen mit dem gelben Strich der Départements-Wanderwege
- Jakobus-Spuren: wenige; eine Rochus-Statue mit Muschel, Stab und Kalebasse in der Chapelle du Mathais bei Cours, am Ziel die Stele, die den Weg nach Le Puy und nach Arles teilt
- Unterkunft: Hotels in Grenoble, Veurey-Voroize und Tullins, Accueils jacquaires (private Pilgergastgeber) in La Forteresse und Brézins, viele Betten in La Côte-Saint-André 3,9 km hinter dem Ziel
- Anschlusswege: in Gillonnay die Via Gebennensis nach Le Puy-en-Velay und die Via Adresca über Saint-Antoine-l'Abbaye nach Le Puy; Geschwister-Zubringer siehe unten
- Beste Zeit: April bis Oktober; im Hochsommer ist das Isèretal heiß und schattenarm
- Vereine am Weg: ganzer Weg: Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques
Überblick
Grenoble liegt nicht an einem Jakobsweg. Die großen Pilgerrouten der Region ziehen nördlich und westlich vorbei. Dieser Zubringer holt sie ab. Er beginnt an der Kathedrale Notre-Dame, wo du in der Maison diocésaine an der Place Lavalette deinen ersten Stempel bekommst, und verlässt die Stadt durch die Porte de France, das Stadttor, das der Herzog von Lesdiguières 1620 bauen ließ.
Dann folgst du einen Tag lang der Isère, flach und ohne eine einzige Muschel am Weg. Erst bei Tullins geht es bergauf, über die Chambaran-Höhen, ein Waldplateau, das in einer Urkunde von 1062 „Sylva de Cambaran“ heißt. Am dritten Tag kommst du in der Bièvre-Ebene bei Gillonnay an eine Stele, an der sich die Wege nach Le Puy und nach Arles trennen. Laut der ARA sind es von Grenoble 1.751 Kilometer bis Santiago. Die ersten 25 davon gehst du ohne Wegzeichen, die letzten sechs dieses Zubringers gegen sie.
Andere Namen
Via Gebennensis (Grenoble) ist ein Arbeitsname von Camino Ninja. In unserer Systematik heißen Zubringer nach dem Hauptweg, zu dem sie führen, mit ihrem Startpunkt in Klammern. Der Weg gehört also nicht zur Via Gebennensis selbst, die von Genf nach Le Puy läuft. Er bringt dich zu ihr.
Die Association Rhône-Alpes des Amis de Saint-Jacques (ARA) nennt die Strecke „bretelle de Grenoble“, einen Verbindungsweg, über den Pilger aus dem Großraum Grenoble in Gillonnay den GR 65 erreichen.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Dieser Weg ist ideal für dich, wenn du in Grenoble wohnst, studierst oder ankommst und zu Fuß nach Santiago aufbrechen willst, statt erst mit dem Zug nach Genf oder Le Puy zu fahren. Er passt auch als Einstieg für drei Tage, mit der Wahl am Ende zwischen Le Puy und dem Mittelmeer.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du gleich am ersten Tag Pilgerweg-Gefühl suchst. Die ersten 25 Kilometer sind ein Radweg auf dem Isère-Damm, mit Radfahrern, Autobahn in Hörweite und ohne Jakobswegzeichen. Nichts für dich ist er auch, wenn du Pilgerherbergen erwartest: Es gibt Hotels und eine Handvoll privater Gastgeber, die du vorher anrufen musst.
Streckenverlauf & Landschaft
Von Grenoble nach Tullins (km 0–28,6): Von der Kathedrale gehst du zum Isère-Kai, an der Porte de France (km 1,5) vorbei und unter der Bastille hindurch nach Saint-Martin-le-Vinoux (km 2,3). Dann übernimmt der Radweg auf dem Damm der Isère. Rechts und links stehen die Kalkwände von Chartreuse und Vercors. Über Veurey-Voroize (km 13,7) geht es flussabwärts; auf Höhe der Brücke von Saint-Quentin-sur-Isère beginnt die Markierung. Durch die mittelalterliche Porte de Saint-Quentin kommst du nach Tullins (km 28,6).
Von Tullins nach Gillonnay (km 28,6–57,9): Hinter Tullins steigt der Weg auf fünf Kilometern über 500 Meter auf die Chambaran-Höhen, durch Kastanien- und Buchenwald, und erreicht bei km 34,1 seinen höchsten Punkt. Über La Forteresse (km 36,7), wo Ziegen- und Schafskäse gemacht wird, geht es bis Saint-Michel-de-Saint-Geoirs (km 43,9) auf und ab, dann hinunter nach Cours (km 46,6) in die Bièvre-Ebene. In Brézins (km 52,0) triffst du auf die Via Adresca und gehst ihr die letzten knapp sechs Kilometer entgegen bis zur Stele bei Gillonnay.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Die drei Etappen sind ein Vorschlag von Camino Ninja, gelegt auf Orte mit Unterkunft. Kilometer aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 57,9 km kalibriert. Schnelle Geher teilen in Tullins (km 28,6) und Brézins (km 52,0).
- Grenoble → Veurey-Voroize (13,7 km) — ein halber Tag zum Einlaufen, aus der Stadt und auf dem Isère-Damm flussabwärts.
- Veurey-Voroize → La Forteresse (23,0 km) — weiter an der Isère bis Tullins, dann der einzige echte Anstieg auf die Chambaran-Höhen.
- La Forteresse → Gillonnay (21,2 km) — über Saint-Michel und Cours in die Bièvre, ab Brézins auf der Via Adresca zur Stele Le Rondet; die Betten liegen 3,9 km weiter in La Côte-Saint-André.
Technisch schwierig ist nichts. Der Aufstieg hinter Tullins ist steil, bei Nässe sind die Waldwege schlammig.
Sechs Kilometer gegen die Pfeile
Die meisten Zubringer enden, wo sie auf ihren Hauptweg stoßen. Dieser nicht. In Brézins kreuzt er bei km 52,0 die Via Adresca, die von Gillonnay über Saint-Antoine-l'Abbaye nach Le Puy führt, und statt einzubiegen, gehst du sie gut sechs Kilometer zurück nach Norden, bis zu ihrem Anfang. Die ARA warnt in ihrer Wegbeschreibung ausdrücklich: Auf diesem Stück laufen die Pfeile des Zubringers entgegen der Markierung des anderen Weges. Kommen dir dort Pfeile entgegen, die in die falsche Richtung zeigen, bist du richtig.
Der Grund ist das Ziel: die Stele Le Rondet bei Gillonnay. Sie markiert die Gabelung „vers Arles et vers Le Puy“, an der die Via Gebennensis nach Westen weiterläuft und die Via Adresca nach Süden abzweigt. Wer schon weiß, dass er über Saint-Antoine will, biegt in Brézins gleich nach Süden ab. Und der Anfang des Weges ist genauso eigen: Zwischen Grenoble und der Brücke von Saint-Quentin-sur-Isère gibt es keine Muschel und keinen Pfeil. Ein Pilgerweg, der erst nach 25 Kilometern Wegzeichen bekommt und am Ende gegen sie läuft, ist ehrlich gesagt der beste Beweis dafür, dass auf einem Jakobsweg nicht die Pfeile entscheiden, sondern die Richtung.
Highlights am Weg
- Cathédrale Notre-Dame und Musée de l'Ancien Évêché, Grenoble (km 0) — Bei Tramarbeiten 1989 und 1990 fand man unter dem Vorplatz ein Baptisterium vom Ende des 4. Jahrhunderts, heute in der Krypta des Museums. 1084 empfing hier Bischof Hugo den heiligen Bruno, der danach die Grande Chartreuse gründete.
- Collégiale Saint-André, Grenoble — 1228 vom Dauphin André als Grabkirche seiner Dynastie gegründet, mit dem Grab des Ritters Bayard.
- Bastille, Grenoble — die Festung über der Stadt, begonnen 1591, ausgebaut 1824 bis 1847. Seit 1934 fährt eine Seilbahn hinauf, seit 1976 mit den Kugelkabinen, den „bulles“.
- Tullins (km 28,6) — die Porte de Saint-Quentin aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die Kirche Saint-Laurent-des-Prés, deren Bau im 11. Jahrhundert begann, und der Dauphin-Brunnen.
- Notre-Dame-des-Vents bei Saint-Michel-de-Saint-Geoirs — eine Marienstatue von 1954 auf dem Platz einer verschwundenen Burg, mit Blick über die Bièvre-Ebene; ein Blitz hat sie einmal enthauptet, 2020 wurde sie restauriert.
- Chapelle du Mathais bei Cours (km 46,6) — 1881 der Muttergottes von Lourdes geweiht; darin eine Statue des heiligen Rochus mit allen Pilgerattributen, Muschel, Stab und Kalebasse, und mit seinem Hund.
- La Côte-Saint-André (3,9 km hinter dem Ziel) — Geburtsort von Hector Berlioz, 1803; sein Geburtshaus ist seit 1935 Museum, seit 1994 gibt es jeden Sommer ein Berlioz-Festival. Dazu Markthallen vom Ende des 13. Jahrhunderts.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Grenoble ist ein Startpunkt, kein Übergang: Kein anderer Weg aus Camino Ninja führt hierher. Zur Via Gebennensis führen in Camino Ninja drei weitere Zubringer:
- Via Gebennensis (Sallanches) — vom Mont Blanc die Arve hinab und am Salève entlang nach Verrières bei Genf
- Via Gebennensis (Saint-Gingolph) — vom Wallis am Südufer des Genfersees nach Genf
- Via Gebennensis (Col du Petit-Saint-Bernard) — vom Alpenpass an der italienischen Grenze durch Savoyen nach Yenne
Weiterpilgern?
An der Stele Le Rondet stehst du auf der Via Gebennensis, bei deren km 168,8, und am Startpunkt der Via Adresca. Du hast zwei Wege nach Le Puy und einen ans Mittelmeer:
- Via Gebennensis nach Westen: über La Côte-Saint-André und das Pilat-Massiv, noch rund 178 Kilometer bis Le Puy-en-Velay
- Via Adresca nach Süden: über Saint-Antoine-l'Abbaye, das Mutterhaus der Antoniter, und das Vivarais nach Le Puy-en-Velay, 222,2 Kilometer
- Via Adresca bis La Roche-de-Glun an der Rhône, dort weiter auf der Via Rhodana nach Arles
Ab Le Puy führt die Via Podiensis nach Saint-Jean-Pied-de-Port, wo der Camino Francés über die Pyrenäen nach Santiago weitergeht.
Vorbereitung & Praktisches
Jahreszeit. Am angenehmsten sind April bis Juni und September bis Oktober. Im Hochsommer gibt es auf dem Damm kaum Schatten.
Markierung und Wegbeschreibung. Bis Saint-Quentin-sur-Isère folgst du dem Radweg an der Isère, danach dem gelben Pfeil auf blauem Grund, zwischen Brézins und Gillonnay entgegen der Pfeile der Via Adresca, ab der Stele dem Rot-Weiß des GR 65. Die ARA stellt eine Wegbeschreibung mit Karten und Unterkünften als PDF bereit, zu finden über chemins.compostelleenrhonealpes.fr. Den ersten Stempel gibt es in der Maison diocésaine an der Place Lavalette.
Unterkunft und Ausweis. Übernachten kannst du in Hotels in Veurey-Voroize und Tullins, in Gästezimmern in Tullins und bei Accueils jacquaires, privaten Pilgergastgebern gegen Spende, in La Forteresse und Brézins. Am Ziel bietet La Côte-Saint-André viele Betten, darunter einen Gîte der Fondation d'Auteuil mit Abholung. Am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst. Wie auf allen französischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Pilgerunterkünften zu übernachten und am Ende die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist.
Proviant. Einkaufen kannst du in Grenoble, Veurey-Voroize, Tullins und Brézins, in La Forteresse gibt es Käse vom Hof. Auf den Chambaran-Höhen gibt es nichts, fülle in Tullins Wasser auf.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 60 bis 100 € pro Tag für Zimmer, Abendessen und Frühstück; Grenoble ist teurer als die Dörfer, so die Schätzung von Camino Ninja (Stand: Oktober 2026). Bei den Accueils jacquaires zahlst du mit einer Spende, die üblicherweise Abendessen und Frühstück einschließt. Den Pilgerpreis für Übernachtung mit Frühstück in Tullins gibt die ARA mit 35,50 € an, allerdings mit Stand 2020; rechne heute mit mehr. Für drei Etappen sind das zusammen rund 180 bis 300 €.
Anreise
- Anreise zum Start: Bahnhof Grenoble mit TGV ab Paris und TER ab Lyon, Chambéry und Valence; von dort rund 20 Minuten zu Fuß zur Kathedrale. Der Flughafen Grenoble-Alpes-Isère liegt nicht in Grenoble, sondern bei Saint-Étienne-de-Saint-Geoirs, nur rund 1,7 Kilometer neben dem Weg; meist praktischer ist Lyon Saint-Exupéry.
- Zwischeneinstieg: Bahnhof Tullins-Fures an der TER-Linie Grenoble–Valence, am Weg bei km 28,4.
- Rückreise ab dem Ziel: Gillonnay hat keinen Bahnhof. Von La Côte-Saint-André fahren Regionalbusse nach Grenoble und zu den Bahnhöfen der Umgebung, etwa Le Grand-Lemps.
- Fahrpläne: ter.sncf.com
Partner
Partner für Via Gebennensis (Grenoble)
Camino Ninja arbeitet mit offiziellen Partnern zusammen. Für diesen Camino ist der Partner:
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
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