Alle Caminos

Via Francigena (Frankreich)

Die Via Francigena (Frankreich) führt dich auf 1.007,0 Kilometern von Calais über Arras, Reims, Langres und Besançon nach Jougne an der Schweizer Grenze — Frankreichs Anteil am großen Rom-Weg, gegangen nach einer Stationsliste aus dem Jahr 990. Es ist der stillste Abschnitt der ganzen Route: der einzige, für den niemand Pilgerzahlen veröffentlicht — und der längste der ganzen Kette.

1. Juli 202626 Min. Lesezeit
Via Francigena (Frankreich)
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Calais (Ärmelkanal) → Jougne (Col de Jougne, 1.010 m, Schweizer Grenze)
  • Länge: 1.007,0 km — nach der Via Turonensis der zweitlängste Frankreich-Weg unseres Bestands; die einzige Fremdmessung mit demselben Zuschnitt Calais → Jougne kommt auf 1.005 km und bestätigt unsere Trackmessung damit auf 0,2 Prozent
  • Höhenmeter: ↗ 30.921 m / ↘ 30.050 m — die Summe eines sehr fein aufgelösten Tracks über welliges Ackerland; im Gelände heißt das: kein Pass, keine Kletterstelle, ein einziger echter Anstieg mit +937 m auf der Schlussetappe
  • Dauer: 47 Etappen (offizielle Gliederung VFF01–VFF47), rund 7 Wochen am Stück — die meisten gehen ihn in Abschnitten, und das ist einkalkuliert
  • Abschnitte: 5 Teilstrecken mit Bahnhof an beiden Enden: Calais–Arras (ca. 209 km), Arras–Reims (ca. 204), Reims–Bar-sur-Aube (ca. 259), Bar-sur-Aube–Besançon (ca. 233), Besançon–Jougne (ca. 101, Rückreise ab Pontarlier)
  • Wegzeichen: GR 145, weiß-rote Balken, seit 2018 durchgehend markiert — die AEVF selbst nennt die Beschilderung „selten, unterschiedlich und manchmal widersprüchlich“: GPS-Track gehört zur Ausrüstung
  • Historische Grundlage: die Stationsliste des Erzbischofs Sigerich von Canterbury aus dem Jahr 990 (British Library, Cotton MS Tiberius B.V) — rund 25 ihrer 79 Stationen liegen an diesem Abschnitt
  • UNESCO: der Weg selbst steht auf keiner UNESCO-Liste (die Tentativlisten-Kandidatur umfasst nur Italien) — an ihm liegen fünf Welterbe-Stätten aus anderen Gründen: Reims (1991), der Beffroi von Arras (2005), Vaubans Zitadelle in Besançon (2008), das Bassin minier (2012) und die Champagne (2015)
  • Anschluss: ein Rom-Weg, kein Jakobsweg: davor die Via Francigena (England) bis Dover, danach die Via Francigena (Schweiz) ab Ballaigues — ab Jougne fehlen noch rund 1.215 km bis zum Petersdom
  • Charakter: der stillste Teil des Rom-Wegs: der einzige Abschnitt, für den niemand Pilgerzahlen veröffentlicht; rund 350 gelistete Unterkünfte auf 1.007 km — Vorbuchen ist hier Methode, nicht Höflichkeit

Überblick

Im Jahr 990 reist Sigerich, frisch geweihter Erzbischof von Canterbury, nach Rom, um sich beim Papst das Pallium abzuholen. Er besucht 23 Kirchen, isst mit Johannes XV. zu Mittag — und lässt auf dem Heimweg mitschreiben, wo er übernachtet. Das Ergebnis liegt heute in der British Library, Cotton MS Tiberius B.V, Blatt 23v, und beginnt mit dem Satz „Iste sunt submansiones de Roma usque ad mare“ — dies sind die Übernachtungsstationen von Rom bis zum Meer. Die Liste hat 80 Nummern, aber nur 79 Stationen, weil die XXIII zweimal vergeben ist: Buchhaltung mit Tippfehler, tausend Jahre alt. Rund 25 dieser Stationen liegen in Frankreich, und du gehst sie ab — Rems ist Reims, Atherats ist Arras, Bysiceon ist Besançon, Punterlin ist Pontarlier, Antifern ist Jougne. Kein anderer Fernweg Europas hat einen Fahrplan aus dem Jahr 990 — und eine seiner Zeilen ist heute eine Wiese.

Du gehst 1.007,0 Kilometer vom Ärmelkanal zum Col de Jougne auf 1.010 Metern — die einzige Fremdmessung mit demselben Zuschnitt kommt auf 1.005 Kilometer und bestätigt unsere Trackmessung damit auf 0,2 Prozent. 47 Etappen in acht Départements, gegliedert in fünf Abschnitte mit Bahnhof an beiden Enden: Calais–Arras, Arras–Reims, Reims–Bar-sur-Aube, Bar-sur-Aube–Besançon, Besançon–Jougne. Technisch verlangt der Weg wenig — welliges Ackerland, Kreideplateaus, Waldwege, und der einzige echte Anstieg kommt ganz am Schluss: +937 Meter auf der Schlussetappe. Was er verlangt, ist Selbstständigkeit: Dies ist ein Rom-Weg, kein Jakobsweg — keine Muschel, keine Herbergskette, kein Compostela —, und es ist der einzige Abschnitt der ganzen Via Francigena, für den niemand Pilgerzahlen veröffentlicht. Der französische Dachverband schreibt selbst, dass „der Pilgerteller“ fehlt. Dafür gehört dir hier tagelang eine Straße, auf der seit 876 Verkehr ist: erst das Pallium, dann die Messen der Champagne, dann du. Am Ziel übergibt Frankreich an die Via Francigena (Schweiz) — bis zum Petersdom fehlen ab Jougne noch rund 1.215 Kilometer.

Die Stadt, die es nicht mehr gibt, steht noch auf der Liste

Zeile LXXVII der Liste heißt Teranburh. Das war Thérouanne: das römische Tarvanna, Hauptstadt der Morini, Bischofssitz seit dem 7. Jahrhundert — 58 Bischöfe in ununterbrochener Folge, dazu eine Kathedrale aus der Frühzeit der Gotik, in einer Reihe mit Saint-Denis. 1553 nahm Kaiser Karl V. die Stadt nach der Kapitulation — und ließ sie nicht plündern, sondern auslöschen. Die maßgebliche archäologische Studie trägt seinen Befehl als Titel: „Il commanda qu'elle fust rasée et démolie jusques aux fondemens“ — er befahl, sie werde geschleift und niedergerissen bis auf die Fundamente. Die Zerstörung war systematisch, kein Kriegsschaden: Die Kathedrale wurde gezielt abgetragen, 1559 das Bistum aufgelöst und auf Ypern, Saint-Omer und Boulogne verteilt. Heute stehen dort ein Dorf mit rund 1.000 Einwohnern, ein Archäologiehaus mit 175 Fundstücken — darunter Pilgerampullen —, ein Pilger-Gîte und eine Wiese, auf der eine Kathedrale stand. Gegraben wird seit 1898, bis heute. Deine Etappe 6 führt über eine Station von 990, die auf keiner Karte mehr steht.

Und dann das 20. Jahrhundert. Wer Sigerichs Liste auf eine moderne Karte legt, legt sie über die Westfront. Sein Duin ist Doingt bei Péronne, mitten im Somme-Schlachtfeld von 1916 — über eine Million Opfer in viereinhalb Monaten. Sein Corbunei ist Corbeny am Ostende des Chemin des Dames; Dorf und Priorat wurden im Ersten Weltkrieg vollständig zerstört. Bei Berry-au-Bac, auf deiner Etappe 18, fuhren am 16. April 1917 die ersten 128 französischen Panzer der Geschichte in die Schlacht — 81 blieben liegen. Und bei Ablain-Saint-Nazaire, Etappe 9, liegt Frankreichs größter Soldatenfriedhof Notre-Dame-de-Lorette, daneben seit dem 11. November 2014 der Anneau de la Mémoire: eine Ellipse aus 500 Stahlplatten mit 576.606 Namen — alle Gefallenen des Nord-Pas-de-Calais, alphabetisch, ohne Rang, ohne Nationalität; das erste Denkmal der Welt, das Freund und Feind in einer Liste nennt. Zwei Listen rahmen diesen Weg: eine von 990 mit 79 Orten und eine von 2014 mit 576.606 Menschen.

Was von 990 übrig ist, verteilt sich auf tausend Kilometer — und es lohnt jede Etappe. In Corbeny berührten die Könige Frankreichs am Tag nach ihrer Krönung die Reliquien des heiligen Marcoul und sprachen zu den Kranken die Formel „Le roi te touche, Dieu te guérisse“ — der König berührt dich, Gott heile dich; Ludwig der Heilige pilgerte 1229 selbst hierher, Ludwig XIV. stellte die Praxis ein. Sie ritten von Reims zur Reliquie — du gehst dieselbe Strecke in Gegenrichtung, von der Reliquie zur Krönungskirche. Bei Leffonds passierst du die Maison-Dieu de Mormant, 1121 errichtet als hôpital-église, ausdrücklich um „Pilger aufzunehmen und den Armen zu helfen“, später von Johannitern und Templern geführt: ein Haus, das für Leute wie dich gebaut wurde — es steht noch, nur der Boden liegt heute 1,80 Meter höher. Und kurz vor der Schweizer Grenze, in Jougne, steht die Chapelle Saint-Maurice mit ihrer karolingischen Krypta — ein Raum, der älter ist als Sigerichs Reise, der einzige Bauteil am ganzen französischen Weg, den der Mann mit der Liste 990 mit eigenen Augen gesehen haben kann. Dort endet Frankreich: auf 1.010 Metern, an einem Pass, der schon im Mittelalter Zoll kassierte.

Andere Namen

Dieser Weg trägt keinen französischen Namen — er trägt den, den ihm die Italiener gegeben haben. 876, über hundert Jahre vor Sigerich, taucht im Actum Clusio, einer Pergamenturkunde der Toskana-Abtei San Salvatore al Monte Amiata, eine „via francisca“ auf: die Straße, die aus dem Land der Franken kommt. Eine italienische Bezeichnung aus italienischer Perspektive — und Frankreich hat nie eine eigene nachgereicht. Wer dort nach dem Weg fragt, fragt nach der Via Francigena oder nach dem Chemin de Sigéric, dem Mann mit der Liste. Im Wanderwegenetz läufst du auf dem GR 145 der FFRandonnée, seit 2018 durchgehend markiert; die offiziellen Etappenblätter der AEVF tragen die Codes VFF01–VFF47. Radfahrer kennen die Achse als EuroVelo 5 „Via Romea Francigena“. Deutsche Behelfsnamen wie „Frankenstraße“ oder „Romweg“ sind nicht etabliert — bleib bei Via Francigena, dann finden dich auch die Unterkunftslisten.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Dieser Weg ist etwas für dich, wenn dich Länge nicht schreckt und dir Menschenmengen nicht fehlen. Du bekommst 1.007 Kilometer durch acht Départements, eine Etappenliste, die auf einer Handschrift von 990 beruht, fünf Welterbe-Stätten am Rand — und eine einzige richtige Steigung, die letzte. Ideal ist er für den zweiten oder dritten großen Weg: Wer schon einmal wochenlang gegangen ist und die Frage kennt, was danach kommt, findet hier die konsequenteste Antwort — einen Weg mit einem Ziel, das weiter weg ist als Santiago, und mit einer Geschichte, die älter ist als jede Compostela. Und wer gern selbst plant, telefoniert, Karten liest und aus Fragmenten eine Reise baut, hat hier mehr Freiheit als auf jedem durchorganisierten Massenweg.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du spanische Infrastruktur erwartest. Es gibt keine Herbergskette und keine Pilgermenü-Kultur — der französische Dachverband schreibt selbst, dass Gasthäuser mit einem „Pilgerteller“ fehlen. Die AEVF nennt die Beschilderung ihres eigenen französischen Abschnitts „selten, unterschiedlich und manchmal widersprüchlich“, und ein offizieller Topoguide existiert nur für die Hälfte bis Reims. Du wirst Tage haben, an denen du keinem anderen Pilger begegnest, und Etappenziele, an denen es ein Zimmer gibt, nicht zwölf. Nichts für dich ist er auch, wenn du für die Motivation Gesellschaft brauchst: Für diesen Abschnitt veröffentlicht niemand Pilgerzahlen — weil es kaum welche zu zählen gibt. Wenn du abends spontan entscheiden willst, wo du schläfst, bist du hier falsch; solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.

Streckenverlauf & Landschaft

Der Weg beginnt am Wasser und endet am Berg. Aus Calais führt er zuerst westwärts an die Kreideküste nach Wissant — zum Hafen, von dem Sigerich 990 nach England übersetzte —, dann landeinwärts durch den Wald von Guînes, das hügelige Boulonnais und das Lys-Tal, vorbei an der Wiese von Thérouanne und durch das Kohlerevier des Artois, das seit 2012 als Bassin minier Welterbe ist. Ab Arras läuft er über die Kreideplateaus der Somme und der Aisne: weite Felder, gerade Flurwege, Horizonte ohne Baum — und dazwischen Namen, die jeder kennt, der etwas über 1916 gelesen hat. In Laon steigt er einmal hundert Meter auf einen Kathedralberg, in dessen Westtürmen sechzehn steinerne Ochsen stehen, und in Reims erreicht er die Champagne.

Hinter Reims geht es über die Montagne de Reims — durch Verzenay und Verzy, zwei der siebzehn Grand Crus der Champagne — hinunter an den Marne-Kanal, dann durch die Champagne humide mit ihren Fachwerkkirchen und Seen zur Côte des Bar. Danach wird es waldig und still: die Haute-Marne mit Clairvaux und Mormant, das Plateau de Langres, wo sich bei Récourt Frankreichs Wasser dreiteilt — ein Regentropfen entscheidet dort, ob er den Atlantik, die Nordsee oder das Mittelmeer sieht; du hast dich für Rom entschieden —, die Weinhügel der Haute-Saône, das Ognon-Tal. In Besançon empfängt dich eine Stadt, die in einer Flussschleife liegt und einen Felssporn mit Vauban-Zitadelle als Deckel hat. Dann die letzten hundert Kilometer: das Loue-Tal, die Gorges de Nouailles, das Hochplateau des Haut-Doubs, die Cluse von Pontarlier zwischen zwei Festungen — und der Col de Jougne auf 1.010 Metern, hinter dem die Schweiz anfängt.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

47 Etappen sind der offizielle und der ehrliche Rhythmus — so gliedern die AEVF (VFF01–VFF47) und die FFRandonnée den Weg unabhängig voneinander, mit einem Schnitt von rund 21 Kilometern. Widersteh der Versuchung zusammenzulegen: Jede Fusion produziert 35-Kilometer-Tage in Gegenden, in denen zwischen den Etappenorten nachweislich nichts ist — die Quartierlage gibt das nicht her. Verbindlich ist die Trackmessung unserer Routendatenbank: 1.007,0 km; die Kilometer der Etappen 1–11 und 47 sind offiziell veröffentlicht, alle übrigen sind Näherungswerte mit „ca.“. Technisch fordert dich fast nichts — kein Pass bis zur Schlussetappe, dort dann +937 Meter in einem Stück. Die wichtigste Planungsbotschaft steht deshalb hier: Jeder der fünf Abschnitte hat an beiden Enden einen Bahnhof — Calais–Arras (ca. 209 km), Arras–Reims (ca. 204), Reims–Bar-sur-Aube (ca. 259), Bar-sur-Aube–Besançon (ca. 233), Besançon–Jougne (ca. 101, Rückreise ab Pontarlier). Du kannst diesen Weg in fünf Urlauben gehen, ohne einen Meter zu verschenken. Zwei Dinge gehören zusätzlich in jeden Plan: Wasser auf den schattenlosen Plateaus der Somme und der Aisne — und das Telefonat am Vorabend, denn viele Quartiere sind Chambres d'hôtes mit zwei Zimmern.

Abschnitt 1 — Calais → Arras · ca. 209 km · 10 Etappen · Bahn: Calais-Fréthun (TGV/Eurostar) ↔ Arras (TGV)

  1. Calais → Wissant — 20,5 km — an der Kreideküste zum Cap Blanc-Nez; Ziel ist Sigerichs Hafen „Sumeran“ — von hier segelte er 990 heim nach England.
  2. Wissant → Guînes — 26,5 km — längste Etappe des Abschnitts; Guînes ist Sigerichs „Gisne“, im Wald die Colonne Blanchard (erste Ballon-Kanalquerung, 1785).
  3. Guînes → Licques — 16 km — bei Balinghem lag 1520 das Camp du Drap d'Or: Heinrich VIII. und Franz I., 2.800 Zelte, 250.000 Fische — und politisch fast nichts.
  4. Licques → Tournehem-sur-la-Hem — 15 km — kürzeste Etappe des Abschnitts, Hügel des Boulonnais.
  5. Tournehem-sur-la-Hem → Wisques — 20,5 km — Ziel sind die zwei Benediktinerabteien von Wisques: Klosterbetten für Pilger.
  6. Wisques → Delettes — 17,5 km — Lys-Tal; unterwegs Thérouanne, die Sigerich-Station, die 1553 ausradiert wurde — Archäologiehaus und Pilger-Gîte.
  7. Delettes → Amettes — 24 km — Ziel ist das Geburtshaus von Benoît-Joseph Labre (1748), dem heiliggesprochenen Dauerpilger.
  8. Amettes → Bruay-la-Buissière — 22,5 km — Sigerichs „Bruwaei“, heute Welterbe-Bergbaurevier; Cité des Électriciens von 1856.
  9. Bruay-la-Buissière → Ablain-Saint-Nazaire — 26,5 km — Notre-Dame-de-Lorette und der Anneau de la Mémoire: 576.606 Namen.
  10. Ablain-Saint-Nazaire → Arras — 20 km — Sigerichs „Atherats“; Beffroi (UNESCO 2005) und die Carrière Wellington unter der Stadt.

Abschnitt 2 — Arras → Reims · ca. 204,5 km · 9 Etappen · Bahn: Arras (TGV) ↔ Reims (TGV)

  1. Arras → Bapaume — 25,5 km — Kreideplateau; das Somme-Schlachtfeld beginnt.
  2. Bapaume → Péronne — ca. 25 km — Historial de la Grande Guerre (1992) im Schloss von Péronne.
  3. Péronne → Trefcon — ca. 23 km — an Doingt vorbei, Sigerichs „Duin“.
  4. Trefcon → Seraucourt-le-Grand — ca. 17 km — Sigerichs „Martinwaeth“.
  5. Seraucourt-le-Grand → Tergnier — ca. 25 km — am Oise-Kanal zum Bahnknoten (Ausstiegsoption).
  6. Tergnier → Laon — ca. 27 km — längste Etappe des Abschnitts; am Ende hundert Meter Aufstieg zum Kathedralberg mit den 16 steinernen Ochsen.
  7. Laon → Corbeny — ca. 24 km — vom Kathedralberg hinunter an den Chemin des Dames; Corbeny ist Sigerichs „Corbunei“ — und die Station der Könige.
  8. Corbeny → Berry-au-Bac — ca. 14 km — kurzer Tag; das Panzerdenkmal erinnert an den 16. April 1917.
  9. Berry-au-Bac → Reims — ca. 24 km — Ankunft in der Krönungsstadt (UNESCO 1991).

Abschnitt 3 — Reims → Bar-sur-Aube · ca. 259 km · 13 Etappen · Bahn: Reims (TGV) ↔ Bar-sur-Aube (Linie Paris-Est–Belfort)

  1. Reims → Verzy — ca. 23 km — über die Montagne de Reims: Verzenay und Verzy, zwei Grand-Cru-Gemeinden mitten auf dem Weg.
  2. Verzy → Condé-sur-Marne — ca. 19 km — aus den Reben hinunter an den Marne-Kanal.
  3. Condé-sur-Marne → Châlons-en-Champagne — ca. 22 km — Sigerichs „Chateluns“; Notre-Dame-en-Vaux, das Welterbe mit der Jakobsweg-Pointe.
  4. Châlons-en-Champagne → Saint-Germain-la-Ville — ca. 17 km — Marne-Aue.
  5. Saint-Germain-la-Ville → Saint-Amand-sur-Fion — ca. 21 km — Fachwerkkirche von Saint-Amand.
  6. Saint-Amand-sur-Fion → Vitry-le-François — ca. 17 km — Kanalknoten mit Bahnanschluss.
  7. Vitry-le-François → Saint-Rémy-en-Bouzemont — ca. 24 km — ins Land des Lac du Der.
  8. Saint-Rémy-en-Bouzemont → Outines — ca. 20 km — Fachwerkdörfer der Champagne humide.
  9. Outines → Montmorency-Beaufort — ca. 22 km — über die Grenze zur Aube.
  10. Montmorency-Beaufort → Précy-Saint-Martin — ca. 18 km — nahe Brienne-le-Château (Napoleons Schuljahre 1779–1784) und Brienne-la-Vieille, Sigerichs „Breone“.
  11. Précy-Saint-Martin → Dienville — ca. 21 km — Seenland der Aube.
  12. Dienville → Dolancourt — ca. 15 km — kürzeste Etappe der Champagne.
  13. Dolancourt → Bar-sur-Aube — ca. 20 km — Sigerichs „Bar“, Messestadt der Champagne, mitten in der Côte des Bar; Winzerquartiere auch im Nachbarort Baroville.

Abschnitt 4 — Bar-sur-Aube → Besançon · ca. 233 km · 11 Etappen · Bahn: Bar-sur-Aube ↔ Besançon-Viotte / Besançon Franche-Comté TGV

  1. Bar-sur-Aube → Orges — ca. 22 km — vorbei an Clairvaux: Bernhards Abtei von 1115, von 1808 bis 2023 Gefängnis.
  2. Orges → Richebourg — ca. 21 km — über Châteauvillain durch die Wälder der Haute-Marne.
  3. Richebourg → Faverolles — ca. 21 km — an der Maison-Dieu de Mormant (1121) vorbei: die Pilgerherberge, die als Urkunde und als Gebäude überlebt hat.
  4. Faverolles → Langres — ca. 21 km — hinauf aufs Plateau; 3,5 km begehbare Stadtmauer, Diderots Geburtsstadt.
  5. Langres → Culmont-Chalindrey — ca. 14 km — kürzester Tag des Weges, Bahnknoten.
  6. Culmont-Chalindrey → Coublanc — ca. 22 km — Übergang in die Haute-Saône, nahe Sigerichs „Grenant“.
  7. Coublanc → Champlitte — ca. 21 km — Weinstädtchen mit Mexiko-Museum: Ein Dorf am Rom-Weg hat eine Stadt in Veracruz mitgegründet.
  8. Champlitte → Dampierre-sur-Salon — ca. 20 km — Salon-Tal, nahe Seveux (Sigerichs „Sefui“).
  9. Dampierre-sur-Salon → Bucey-lès-Gy — ca. 28 km — die längste Flachetappe des Weges, Weinort an den Vorjura-Hügeln.
  10. Bucey-lès-Gy → Cussey-sur-l'Ognon — ca. 21 km — Sigerichs „Cuscei“.
  11. Cussey-sur-l'Ognon → Besançon — ca. 22 km — hinein in die Doubs-Schleife, Sigerichs „Bysiceon“; oben die Vauban-Zitadelle (UNESCO 2008).

Abschnitt 5 — Besançon → Jougne · ca. 101 km · 4 Etappen · Bahn: Besançon; Rückreise ab Pontarlier (TER) oder Vallorbe (CH)

  1. Besançon → Foucherans — ca. 26 km — aus der Flussschleife in die ersten Jura-Höhen.
  2. Foucherans → Mouthier-Haute-Pierre — ca. 25 km — Loue-Tal und Gorges de Nouailles.
  3. Mouthier-Haute-Pierre → Pontarlier — ca. 22 km — Anstieg aufs Hochplateau; Sigerichs „Punterlin“, die Absinth-Stadt.
  4. Pontarlier → Jougne — 28,1 km, +937 m — die längste Etappe und der einzige echte Anstieg des Weges: durch die Cluse de Pontarlier zwischen Château de Joux und Fort Larmont, über den Col de Jougne (1.010 m) zur Chapelle Saint-Maurice mit karolingischer Krypta — Sigerichs „Antifern“. Grenze.

Die Etappensumme (ca. 1.006,6 km) liegt naturgemäß hauchdünn unter der Trackmessung — verbindlich sind 1.007,0 km. Zum Kombinieren: Abschnitt 1 ist zehn Tage Küste, Krieg und Kohle mit zwei Welterbe-Stätten; Abschnitt 2 folgt Sigerichs Stationen quer durch die alte Front; Abschnitt 3 ist die Champagne von den Grand Crus bis zu den Fachwerkdörfern; Abschnitt 4 die stillsten zwei Wochen mit Clairvaux, Mormant und Langres; Abschnitt 5 das viertägige Jura-Finale mit dem einzigen Anstieg. Und noch einmal, weil es Geld und Nerven spart: Nicht zusammenlegen — zwischen den Etappenorten ist oft schlicht nichts.

Highlights am Weg

  • Wissant — Sigerichs Hafen — Station LXXX der Liste, „Sumeran“: der Landeplatz, von dem der Erzbischof 990 nach England übersetzte. Der Hafen versandete, Calais stieg Ende des 12. Jahrhunderts auf — und 1347, bei der Übergabe von Calais an Eduard III., hießen zwei der sechs Bürger mit dem Strick um den Hals „de Wissant“. Der alte Hafen steckte noch in den Familiennamen.
  • Thérouanne — die Station, die es nicht mehr gibt — römische Provinzhauptstadt, 58 Bischöfe in Folge, eine der frühesten gotischen Kathedralen Frankreichs. 1553 auf Befehl Karls V. „bis auf die Fundamente“ abgetragen, 1559 auch als Bistum gelöscht. Heute: ein Dorf, ein Archäologiehaus mit 175 Fundstücken samt Pilgerampullen — und ein Pilger-Gîte auf dem Boden der verschwundenen Stadt.
  • Amettes — das Geburtshaus des heiligen Landstreichers — hier wurde am 26. März 1748 Benoît-Joseph Labre geboren: dreimal von Klöstern abgewiesen, dann lebenslang zu Fuß unterwegs — Rom, Loreto, Einsiedeln, sogar Santiago. Er starb 1783 in Rom an Erschöpfung, wurde 1881 heiliggesprochen und ist heute Patron der Obdachlosen. Der Weg führt am Haus des Mannes vorbei, der das Gehen zum Beruf gemacht hat — und endet in der Stadt, in der er starb.
  • Anneau de la Mémoire, Ablain-Saint-Nazaire — neben Frankreichs größtem Soldatenfriedhof Notre-Dame-de-Lorette steht seit dem 11. November 2014 eine Ellipse von 345 Metern Umfang aus 500 Stahlplatten: 576.606 Namen, alle Gefallenen des Nord-Pas-de-Calais 1914–1918, alphabetisch, ohne Rang, ohne Nationalität — das erste Denkmal der Welt, das Freund und Feind in einer Liste nennt.
  • Arras — Beffroi und die Stadt unter der Stadt — der Belfried ist seit 2005 Welterbe, die zwei flämischen Giebelplätze sind die Kulisse. Darunter die Carrière Wellington: Ab September 1915 verbanden neuseeländische Tunnelbauer mittelalterliche Kreidegruben zu 20 Kilometern Netz, in dem 24.000 britische Soldaten auf den Angriff vom 9. April 1917 warteten.
  • Laon — 16 Ochsen im Turm — die Kathedrale (1155–1235), eine der ersten gotischen überhaupt, thront hundert Meter über der Ebene. In ihren Westtürmen stehen sechzehn steinerne Ochsen in Lebensgröße — der Legende nach der Dank an die Zugtiere, die die Steine den Berg hinaufschleppten. Eine Kathedrale, die sich bei ihren Ochsen bedankt hat, indem sie sie in den Turm stellte.
  • Corbeny — die Königsformel — Sigerichs „Corbunei“ barg seit etwa 900 die Reliquien des heiligen Marcoul. Am Tag nach der Krönung in Reims ritten die Könige hierher und berührten Skrofulose-Kranke: „Le roi te touche, Dieu te guérisse.“ Die Praxis lief von Ludwig X. bis Ludwig XIV.; Priorat 1790 aufgehoben, Dorf im Ersten Weltkrieg ausgelöscht — geblieben sind eine Gedenkkapelle am Ortsrand und die Pointe, dass du die Krönungsstrecke in Gegenrichtung gehst.
  • Reims — 32 Krönungen, eine ehrliche Taufe — Kathedrale, Abtei Saint-Remi und Palais du Tau sind seit 1991 Welterbe; 32 Könige wurden in Reims gekrönt, 25 davon in diesem Bau, 1429 brachte Jeanne d'Arc Karl VII. hierher. Zur berühmten Taufe Chlodwigs sagt die Forschung ehrlich: „On n'en connaît ni le lieu, ni la date, ni les circonstances précises“ — weder Ort noch Datum noch Umstände sind gesichert, und das ausgegrabene Taufbecken fasste drei Personen, nicht 3.000 Franken. Unter dem Coteau Saint-Nicaise: 57 Kilometer gallo-römische Kreidegalerien voller Champagner.
  • Verzenay und Verzy — die Grand-Cru-Etappe — der Weg verlässt Reims über die Montagne de Reims und läuft durch zwei der siebzehn Grand-Cru-Gemeinden der Champagne (Welterbe 2015). Und die ehrliche Fußnote dazu: Hautvillers, das Kloster Dom Pérignons, liegt 20 Kilometer westlich und wird nicht berührt — du bekommst statt der Legende zwei echte 100-Prozent-Lagen als Etappenorte.
  • Notre-Dame-en-Vaux, Châlons-en-Champagne — die schönste Ironie des Weges — die Stiftskirche (1114–1217) ist UNESCO-Welterbe, aber als Station der „Chemins de Saint-Jacques-de-Compostelle en France“ von 1998: Der einzige Welterbe-Stein direkt am französischen Rom-Weg ist für die andere Wallfahrt eingetragen. Ihr Carillon mit 56 Glocken, gestiftet 1858, spielt bis heute über die originale Programmwalze — alle Viertelstunde.
  • Bar-sur-Aube — wo aus dem Pilgerweg eine Handelsstraße wurde — Sigerichs „Bar“ war eine der vier Messestädte der Champagne, verbrieft in Privilegien von 1137, 1164 und 1176: Italienische Kaufleute machten hier die Wechselkurse, Seide zog nach Norden, flämisches Tuch nach Süden — auf derselben Linie, die 990 ein Erzbischof notiert hatte. Erst kam das Pallium, dann kam das Geld.
  • Clairvaux und Mormant — Abtei und Herberge — bei Ville-sous-la-Ferté passierst du Clairvaux, 1115 von Bernhard gegründet, Mutterhaus von über 60 Klöstern — und von 1808 bis 2023 Frankreichs berühmtestes Gefängnis. Zwei Etappen weiter die Maison-Dieu de Mormant: 1121 als hôpital-église errichtet, „um Pilger aufzunehmen und den Armen zu helfen“, später Johanniter und Templer. Das Haus steht noch — gebaut für Leute wie dich.
  • Langres — Mauer, Encyclopédie, Wasserscheide — 3,5 Kilometer begehbare Stadtmauer mit sieben Türmen, Geburtsstadt von Denis Diderot (1713), dem Kopf hinter den 28 Bänden der Encyclopédie. Und auf dem Plateau südlich der Stadt liegt bei Récourt auf 453 Metern Frankreichs einziger maritimer Dreier-Wasserscheidepunkt: Seine → Atlantik, Maas → Nordsee, Rhône → Mittelmeer.
  • Besançon — Vauban, Hugo und 30.000 Zahnräder — die Zitadelle (ab 1668, Welterbe 2008) sitzt hundert Meter über einer Stadt, die der Doubs fast ganz umfließt — Cäsar hat die Lage schon in „De Bello Gallico“ beschrieben. Hier wurde 1802 Victor Hugo geboren: „Alors dans Besançon, vieille ville espagnole“ — die Freigrafschaft war bis 1678 spanisch. In der Kathedrale: die astronomische Uhr von 1857 mit 30.000 Teilen und 122 Anzeigen.
  • Château de Joux und Pontarlier — Gefängnis und Absinth — im Vauban-Fort über der Cluse starb am 7. April 1803 Toussaint Louverture, der Anführer der haitianischen Revolution. Unten in Pontarlier ernährten um 1900 fünfundzwanzig Destillerien 3.000 der 8.000 Einwohner; 1910 wurden 36 Millionen Liter Absinth produziert, am 16. März 1915 wurde er verboten — und erst am 17. Mai 2011 durfte er in Frankreich wieder Absinth heißen. Ein Getränk, 96 Jahre lang namenlos.
  • Jougne — der Raum, den Sigerich gesehen hat — die Chapelle Saint-Maurice (12. Jh.) über dem Col de Jougne hat eine karolingische Krypta, älter als die Reise von 990: der einzige Bauteil am ganzen französischen Weg, den der Mann mit der Liste mit eigenen Augen gesehen haben kann. Dazu Torreste und Mauern der mittelalterlichen Zollstation — Station LVI, „Antifern“. Dahinter: die Schweiz.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Der klassische Zulauf kommt über das Wasser — so wie 990, nur in Gegenrichtung. Die Via Francigena (England) bringt dich in 172 Kilometern von London über Canterbury nach Dover, dann setzen Fähre oder Eurotunnel nach Calais über, und du stehst am Kilometer null dieses Weges. Sigerich ließ seine Liste von Rom zum Meer aufschreiben; du gehst sie vom Meer nach Rom — die stimmigste Anreise, die dieser Weg zu bieten hat, kostet zwei zusätzliche Wochen und beginnt an einer Kathedrale. Wer ohne englischen Vorlauf startet, steigt direkt in Calais ein: Calais-Fréthun ist TGV- und Eurostar-Bahnhof (Paris-Nord, Lille, Brüssel, London), Calais-Ville liegt in der Innenstadt.

Und weil 1.007 Kilometer für die meisten kein einzelner Urlaub sind, ist der zweitwichtigste Zubringer der Zug: Arras, Reims und Besançon sind TGV-Städte und liegen exakt an den Nahtstellen der fünf Abschnitte; Châlons-en-Champagne, Vitry-le-François, Bar-sur-Aube, Langres, Culmont-Chalindrey und Pontarlier bringen dich mit dem Regionalzug hin und weg. Wer nur einen Abschnitt will, wählt nach Charakter: Calais–Arras sind zehn Etappen an Küste, Krieg und Kohle; Reims–Bar-sur-Aube ist die Champagne; Bar-sur-Aube–Besançon die stillsten zwei Wochen; Besançon–Jougne vier Tage Jura mit dem einzigen echten Aufstieg. Einen Jakobsweg-Zubringer gibt es dagegen ehrlicherweise nicht — keine unserer Santiago-Routen kreuzt diesen Weg belegbar: Er gehört einem anderen Netz, dem nach Rom.

Weiterpilgern?

In Jougne ist Frankreich zu Ende, aber sonst nichts. Hinter der Grenze beginnt in Ballaigues die Via Francigena (Schweiz): 195 Kilometer über Orbe, Lausanne und das Genferseeufer hinauf zum Grossen St. Bernhard — Sigerichs Station LV heißt „Urba“ und ist Orbe, du bleibst also in derselben Liste. Auf der Passhöhe übernimmt die Via Francigena (Italien) mit 1.020 Kilometern durchs Aostatal, die Po-Ebene und die Toskana bis zum Petersdom. Ab Jougne fehlen dir damit noch rund 1.215 Kilometer — und am Ende wartet kein Compostela, sondern das Testimonium, ausgestellt in Rom.

Rechne ruhig einmal die ganze Kette: 172 Kilometer England, 1.007 Frankreich, 195 Schweiz, 1.020 Italien — 2.394 Kilometer von London bis zum Petersdom, und Frankreich ist davon mit 42 Prozent das mit Abstand längste Einzelstück. Wer hier durch ist, hat den größten Brocken hinter sich — und den stillsten: Ab der Schweiz nehmen die Pilger zu, in der Toskana wird der Weg voll, und in Rom kamen im Jubiläumsjahr 2025 über 12.000 Testimonium-Empfänger an. Die Tage, an denen dir niemand begegnet ist, liegen dann alle in Frankreich. Es sind die leisesten tausend Kilometer, die man nach Rom tragen kann.

Vorbereitung & Praktisches

Die Saison läuft von Mai bis September; die Jura-Schlussetappe geht bis in den Oktober, danach liegt auf 1.010 Metern Schnee. Nordfrankreich ist im Frühjahr nass, und der GR 145 verläuft über weite Strecken auf Kreide- und Lehmflurwegen — die FFRandonnée warnt ausdrücklich vor Schlamm. Nimm Schuhe, die man abends waschen kann, und rechne im Sommer auf den Plateaus der Somme und der Aisne mit langen schattenlosen Abschnitten und wenig Trinkwasser zwischen den Dörfern — dort füllst du morgens für den ganzen Tag.

Markiert ist der Weg als GR 145 mit weiß-roten Balken, seit 2018 durchgehend — auf dem Papier. In der Praxis nennt die AEVF die Beschilderung ihres eigenen französischen Abschnitts „selten, unterschiedlich und manchmal widersprüchlich“, und ein französischer Weitwanderer verlor auf der Schlussetappe eine Stunde, weil im Führer links und rechts vertauscht waren. Lade dir den GPS-Track herunter — hier ist das Ausrüstung, keine Bequemlichkeit. Der offizielle FFRandonnée-Topoguide deckt nur Canterbury bis Reims ab; für die zweite Hälfte arbeitest du mit den AEVF-Etappenblättern (VFF01–VFF47) und dem jährlichen Unterkunfts-Livret der Fédération Française de la Via Francigena. Dort bekommst du auch den Pilgerausweis — carnet de pèlerin, italienisch credenziale: in Frankreich kein Türöffner, aber in Klöstern gern gesehen und die Voraussetzung für das Testimonium in Rom.

Übernachtungen planst du vor, nicht unterwegs: Rund 350 gelistete Unterkünfte auf 1.007 Kilometer und 47 Etappen — das ist dünn, aber nicht leer. Es gibt Klosterbetten (Wisques), kommunale Gîtes d'étape, einzelne Pilger-Gîtes wie in Thérouanne und Campings; der Regelfall in Champagne, Haute-Marne und Haute-Saône ist die Chambre d'hôtes, telefonisch am Vortag reserviert. Der französische Dachverband schreibt selbst, dass Gasthäuser mit einem Pilgerteller fehlen — also: mittags selbst versorgen, Einkauf am Vortag mitnehmen, und montags in kleinen Dörfern gar nichts erwarten. Plane deine Tagesetappen vorher durch, weil die Quartiere klein, ungleich verteilt und oft nur nach Anruf offen sind — am einfachsten gelingt das direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Was dich der Weg kostet

Frankreich ist teurer als Spanien, und dieser Weg ist teurer als ein französischer Jakobsweg, weil die günstige Pilgerinfrastruktur fehlt. Realistisch sind 55 bis 75 € pro Tag (Stand: August 2026), wenn du überwiegend in Chambres d'hôtes schläfst — Doppelzimmer 55 bis 85 €, Einzelnutzung 45 bis 65 €, oft als Halbpension mit 60 bis 80 € pro Person. Nach unten geht es: kommunale Gîtes d'étape und Pilgerbetten 15 bis 25 €, Camping 10 bis 18 €, Klöster gegen Spende; mit Zelt, Selbstverpflegung und einer Portion Telefonarbeit kommst du auf 30 bis 40 € am Tag. Für die 47 Etappen heißt das grob 2.400 bis 3.400 € in der bequemen Variante und 1.400 bis 1.900 € sparsam, jeweils ohne An- und Rückreise. Kleine Festposten: carnet de pèlerin rund 5 bis 10 €, Topoguide Canterbury–Reims etwa 18 €, das Unterkunfts-Livret 10 bis 12 €. Und ein Posten, der hier mehr spart als jeder Rabatt: Weil zwischen den Etappenorten oft nichts ist, kostet jede verpasste Reservierung ein Taxi — zwei Telefonate am Vorabend sind die billigste Ausrüstung, die du kaufen kannst.

Anreise

Der Start ist bestens angebunden: Calais-Fréthun ist TGV- und Eurostar-Bahnhof — Paris-Nord in unter zwei Stunden, dazu Lille, Brüssel und London —, Calais-Ville liegt in der Innenstadt und ist per TER mit Boulogne, Lille und Arras verbunden. Wer über England anreist oder die englische Etappe vorschaltet, nimmt Fähre oder Eurotunnel ab Dover. Aus dem deutschsprachigen Raum führt die schnellste Schiene über Paris oder Brüssel/Lille; übernachte die erste Nacht in Calais und geh am Morgen los — die Küstenetappe nach Wissant ist der schönste Auftakt des Weges.

Für Zwischeneinstiege ist der Weg dreifach verkabelt: Arras (TGV ab Paris-Nord), Reims (TGV ab Paris-Est) und Besançon (Besançon-Viotte in der Stadt, Besançon Franche-Comté TGV davor) liegen genau an den Nahtstellen der Abschnitte; dazwischen helfen Châlons-en-Champagne, Vitry-le-François, Bar-sur-Aube, Langres und Culmont-Chalindrey mit Regionalzügen. Am Wegende gilt: Jougne selbst hat keinen Bahnhof. Der praktischste Rückreisepunkt ist Pontarlier — TER nach Dole und Besançon, RegioExpress nach Neuchâtel, über Frasne Anschluss an den TGV Lyria Paris–Lausanne; wer die Grenze noch überschreitet, hat mit Vallorbe den nächsten Schweizer Bahnhof.

  • Anreise zum Start: Calais — TGV/Eurostar bis Calais-Fréthun (Paris-Nord, Lille, Brüssel, London), TER bis Calais-Ville; ab Dover per Fähre oder Eurotunnel.
  • Zwischeneinstieg: Arras (TGV Paris-Nord), Reims (TGV Paris-Est) und Besançon (Viotte / Franche-Comté TGV) an den Nahtstellen der fünf Abschnitte; dazu Châlons-en-Champagne, Vitry-le-François, Bar-sur-Aube, Langres, Culmont-Chalindrey und Tergnier per TER.
  • Rückreise: ab Pontarlier (TER Dole/Besançon, RegioExpress Neuchâtel, über Frasne TGV Lyria Paris–Lausanne) — Jougne selbst hat keinen Bahnhof; alternativ Vallorbe (CH) hinter der Grenze, für alle, die ohnehin in die Schweiz weitergehen.
Camino Shop

Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel

Alles, was du für den Via Francigena (Frankreich) brauchst, direkt zu dir nach Hause.

Camino Shop besuchen