Porto do Son → Noia auf der Karte

Porto do Son → Noia

Porto do Son → Noia ist der südliche Ast des Camino de la Ría de Muros-Noia: 16,9 Kilometer am Südufer der Ría, vom Fischerort Porto do Son über Portosín und Taramancos bis in die Altstadt von Noia. Mit 181 Metern Anstieg und einem höchsten Punkt von gerade 58 Metern ist er die leichteste Etappe des ganzen Weges. Gebaut wurde er aus einem nüchternen Grund: Erst mit diesem Ast kommt der Weg auf die 100 Kilometer, die das Pilgerbüro in Santiago für die Compostela verlangt.

16. Juli 202610 Min. Lesezeit
Inhalt

Auf einen Blick

  • Start / Ziel: Porto do Son (km 0,5 der Camino-Ninja-Karte) / Noia
  • Länge: 16,9 km; die letzten rund 1,0 km ab O Obre de Abaixo auf derselben Trasse wie der Hauptast aus Muros
  • Dauer: 1 Etappe, gut 4 Stunden reine Gehzeit
  • Höhenmeter: ↗ 181 m / ↘ 189 m
  • Höchster Punkt: 58 m bei km 13,9 in Taramancos
  • Landschaft: Südufer der Ría de Muros e Noia, Strände und kleine Häfen, Maisfelder, Hórreos, Eukalyptus- und Kiefernwald
  • Träger / Markierung: Asociación de Municipios de la Ría de Muros e Noia; blaue Rechtecke mit gelbem Pfeil, seit 2024 Holzpfosten mit stilisierter Muschel und Entfernung nach Santiago
  • Jakobus-Spuren: am Ast selbst keine; in Noia der Apostel als Pilger am Portal von San Martiño und die Erinnerung an den „portus apostoli“ von 1168
  • Unterkunft: Hotels und Hostales in Porto do Son, Portosín und Noia, Campingplätze bei Boiro; die einzige Pilgerherberge, Portus Apostoli, liegt in Noia
  • Anschlusswege: Camino de la Ría de Muros-Noia ab O Obre de Abaixo und Noia
  • Beste Zeit / Urkunde: Mai bis Oktober; Compostela nur zusammen mit dem Hauptast Muros–Noia–Santiago

Überblick

Dieser Weg ist ein Rechenergebnis. Als das Domkapitel von Santiago am 15. Dezember 2020 den Camino de la Ría de Muros-Noia als Jakobsweg anerkannte, fehlte dem historischen Weg von Muros über Noia nach Santiago ein kleines Stück zu den 100 Kilometern, die für die Compostela nötig sind. Die Lösung liegt am anderen Ufer der Ría: ein zweiter Ast von Porto do Son nach Noia. Die Wegbeschreibung von Gronze sagt es ohne Umschweife: „Carente de lógica caminera, pues la etapa ha nacido por la necesidad de sumar al menos 100 km“ – ohne Wegelogik, entstanden aus der Notwendigkeit, mindestens 100 Kilometer zusammenzubringen.

Das klingt nach Pflichtübung, ist aber ein schöner Halbtag: Du gehst am Südufer der Ría, siehst gegenüber den kegelförmigen Monte Louro, kommst durch den Hafen von Portosín und steigst nie höher als 58 Meter. Wer ehrlich rechnet, merkt: Die Kathedrale verlangt 100 Kilometer, aber sie hat nicht gesagt, dass alle davon schwer sein müssen.

Andere Namen

Auf Galicisch heißt der Abschnitt Ramal de Porto do Son oder Camiño de Porto do Son a Noia, auf Spanisch Ramal de Puerto del Son; in deutschen Pilgerforen liest man Porto-do-Son-Ast oder Südast. Der Gesamtweg firmiert als Camino de la Ría de Muros-Noia oder Camino Marítimo de Muros e Noia. Der Ortsname selbst ist ein Lesefehler: Laut dem Historiker Francisco Calo Lourido wurde im späten 18. Jahrhundert aus „Do-çon“ fälschlich die galicische Verbindung „do Son“; amtlich heißt der Ort erst seit 1983 Porto do Son, spanisch Puerto del Son.

Für wen ideal – und für wen eher nicht

Ideal, wenn du die Compostela auf dem Camino de la Ría de Muros-Noia willst: Ohne diesen Ast reicht es nicht. Ideal auch als halber Ruhetag oder Tagestour von Noia aus – kaum Steigung, Badesachen dürfen mit.

Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du einen alten Pilgerweg suchst: Diese Trasse hat keine mittelalterliche Vorgeschichte, sie verbindet Dörfer, nicht Heiligtümer. Nichts für dich, wenn du Asphalt hasst – zwischen den Weilern läufst du oft auf Nebenstraßen, auch ein Stück entlang der Küstenstraße. Und nichts für dich, wenn du auf Pilgerherbergen setzt: Unterwegs gibt es keine, und die Logistik zwischen den beiden Ufern musst du selbst lösen, mit Bus oder Taxi.

Streckenverlauf & Landschaft

Porto do Son bis Portosín (km 0,5–8,4): Du verlässt den kleinen Hafen von Porto do Son nach Nordosten, nicht nach Süden zum Castro, und gehst über Noal (km 2,2) mit seiner Pfarrkirche und O Loreto (km 2,9) mit der Kapelle in die Hügel. Über Orseño und Cans geht es durch Felder und Weiler mit Hórreos, bei Freixedo wieder ans Wasser. Bei km 8,4 erreichst du Portosín, den zweitgrößten Ort der Gemeinde.

Portosín bis Noia (km 8,4–16,9): Hinter Portosín bleibst du nah an der Ría, über O Mariño und Linteiros nach Boiro (km 11,7) – nicht zu verwechseln mit der Kleinstadt Boiro an der Ría de Arousa – und Boa (km 12,2). Dann steigt der Weg sanft nach Taramancos (km 14,0), auf den höchsten Punkt mit 58 Metern, bevor er bei O Obre de Abaixo (km 15,9) auf den Hauptast aus Muros trifft. Über Entrerríos (km 16,2) gehst du hinunter nach Noia (km 16,9), dem tiefsten Punkt mit 3 Metern über dem Meer.

Etappen, Gelände & Schwierigkeit

Der Ast ist eine einzige Etappe. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 16,9 km kalibriert; Gronze nennt 16,3, Volta de Gloria 17,3 Kilometer – je nachdem, wo man in den Orten zu messen beginnt.

  1. Porto do Son → Noia (16,9 km) — ↗ 181 m / ↘ 189 m. Am Südufer der Ría über Noal und Portosín, sanfter Anstieg nach Taramancos (58 m), Einmündung in den Hauptast bei O Obre de Abaixo und Ankunft in der Altstadt von Noia.

Technisch ist nichts schwierig: Feldwege, Waldpfade, Nebenstraßen, gut die Hälfte asphaltiert. Anstrengend wird allenfalls das Wetter, wenn Westwind den Regen über die Ría treibt. Die Markierung ist jung und nicht überall dicht – nimm den Track in der App mit.

Der Ast, den es nur wegen der 100 Kilometer gibt

Ein Jakobsweg, der aus einer Mindestdistanz entstanden ist, klingt nach Verwaltungsakt – und ist es auch. Gronze schreibt es in die Hinweise zum Gesamtweg: „ATENCIÓN: Para sumar los 100 km exigibles para la entrega de la Compostela, hay que hacer los dos ramales“, also: Für die 100 Kilometer der Compostela musst du beide Äste gehen. Zusammen kommen Muros–Noia, Porto do Son–Noia und Noia–Santiago laut Gronze auf 102 Kilometer, laut Volta de Gloria auf 102,3. Der Puffer beträgt also gut zwei Kilometer – Abkürzungen solltest du dir auf diesem Weg sparen.

Praktisch heißt das: Die meisten gehen erst Muros–Noia, fahren dann mit Bus oder Taxi nach Porto do Son und laufen zurück; Gronze plant dafür einen eigenen Tag. Zwei Stempel pro Tag gehören in die Credencial, auch an diesem. Das Pilgerbüro zählte 2022 noch 1.255 Compostelas für diesen Weg, 2023 nur 190, 2024 wieder 365 – auf dem Südast bist du also meist allein.

Und die Pointe zum Schluss: Der neueste Abschnitt des Weges führt in den ältesten Pilgerhafen der Ría. Schon 1147 lag hier die englische Flotte des Zweiten Kreuzzugs vor Anker und zog nach Santiago, 1189 eine deutsche Flotte des Dritten. 1431 machte der venezianische Kaufmann Pietro Querini auf der Hinfahrt von Kreta nach Flandern in der Ría Station und pilgerte nach Compostela; nach ihm ist die Via Querinissima benannt, zu der der Weg heute gehört.

Highlights am Weg

  • Castro de Baroña (nicht am Weg, südlich von Porto do Son) — Siedlung auf einer Halbinsel im Atlantik, bewohnt etwa vom 1. Jahrhundert vor bis zum 1. Jahrhundert nach Christus, mit rund 20 Rundhäusern und doppeltem Wall; 1933 wiederentdeckt, seit 2012 saniert. Besser am Vortag besuchen.
  • Porto do Son (km 0,5) — Fischerhafen am Ende der Barbanza-Halbinsel; laut Wikipedia ein Ort mit exaktem Antipoden: Hokitika in Neuseeland.
  • Portosín (km 8,4) — Hafen, der auf eine römische Villa Portus Sinum zurückgehen soll; im 17. Jahrhundert brachten katalanische Familien die Salzfischerei, heute Fischer- und Sporthafen mit Bars auf halber Strecke.
  • Taramancos (km 14,0) — der höchste Punkt mit 58 Metern; den Ortsnamen trägt der Dichter Antón Avilés de Taramancos (1935–1992) aus Noia im Künstlernamen, 2003 mit dem Día das Letras Galegas geehrt.
  • Santa María a Nova in Noia — von Erzbischof Berenguel de Landoira (Amtszeit 1317–1330) erbaut und geweiht, laut Xacopedia 1325; am Portal die Heiligen Drei Könige als „erste Pilger“, rundherum der Friedhof mit Hunderten Grabplatten mit Zunftzeichen, die ältesten aus dem 10. Jahrhundert.
  • San Martiño de Noia — unter Erzbischof Lope de Mendoza (1400–1445) neu gebaut, am Portal der Apostel Jakobus mit Pilgerstab inmitten der übrigen elf Apostel.

Noia, der Hafen des Apostels

Am 9. April 1168 verlegte König Ferdinand II. von León den Ort an seine heutige, besser zu verteidigende Stelle; 1115 hatten normannische Piraten eine nahe Insel ein halbes Jahr lang besetzt. Mit dem Privileg wollte er den portus apostoli wiederherstellen, den Hafen des Apostels, und sicherte Schiffen mit Pilgern Immunität zu. Ab dem 13. Jahrhundert kamen über Noia Seepilger aus Skandinavien, Flandern, Schottland, Irland und England. Im 15. Jahrhundert versandete der Hafen, Muros übernahm – 1524 musste Kaiser Karl V. dort 50 eingesperrte französische Pilger befreien lassen.

Die Stadtlegende ist älter als der Hafen: Noia soll nach Noela heißen, einer Nachfahrin Noahs – im Wappen schwimmt die Arche.

Wie Pilger auf diesen Weg gelangen

Fast alle kommen über den Hauptast: Der Camino de la Ría de Muros-Noia beginnt in Muros und erreicht Noia nach zwei Etappen über O Cruceiro de Roo und die Ponte Nafonso. Von Noia fährst du mit dem Bus oder Taxi die rund 17 Kilometer nach Porto do Son und gehst zu Fuß zurück. Du kannst auch andersherum planen und den Südast zuerst gehen. Ein anderer Jakobsweg endet in Porto do Son nicht.

Weiterpilgern?

Ja, und das ist der eigentliche Sinn des Astes. Ab Noia führt der Camino de la Ría de Muros-Noia ins Landesinnere, über das Kloster San Xusto de Toxosoutos nach Urdilde und am nächsten Tag über Bertamiráns nach Santiago de Compostela. Erst dort, mit beiden Ästen in der Credencial, gibt es die Compostela.

Vorbereitung & Praktisches

Pilgerausweis und App. Wie auf allen spanischen Wegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Herbergen zu übernachten und am Ende die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. Für diesen Ast ist die Camino Ninja App besonders nützlich: Die Markierung ist jung, und in den Weilern hilft der Offline-Track. Am einfachsten gelingt die Planung direkt in der App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst.

Unterkunft und Jahreszeit. Die einzige Pilgerherberge des ganzen Weges ist Portus Apostoli in Noia, 2026 in einer früheren Gerberei im Viertel A Chaínza eröffnet, mit Viererzimmern und Frühstück, aber ohne Küche. Von Oktober bis April regnet es an etwa jedem zweiten Tag; Juni bis August sind trocken, Ostern und Hochsommer machen die Hotels am Meer voll.

Was dich der Weg kostet

Hotels in Porto do Son kosten ab 40 bis 50 € pro Nacht, das Hostal in Portosín 47 bis 52 €, in Noia liegen Hostales und Hotels zwischen 44 und 80 € (Stand: Oktober 2026). Den Preis der Herberge Portus Apostoli erfragst du am besten direkt, er war in unseren Quellen nicht belegt.

Rechne mit 50 bis 80 € pro Tag mit Zimmer, Frühstück in der Bar und Menú del día; mit Herbergsbett in Noia weniger. Ehrlich gesagt kostet am meisten die Versuchung in Portosín: Berberechos und Navajas aus der Ría.

Anreise

Zum Start. Porto do Son erreichst du mit Monbus von Santiago de Compostela und von Noia aus; die Busse fahren über Noia weiter Richtung Ribeira. Santiago hat Flughafen und Bahnhof.

Vom Ziel. Von Noia fahren mehrmals täglich Busse nach Santiago.

Camino Shop

Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel

Alles, was du für den Porto do Son → Noia brauchst, direkt zu dir nach Hause.

Camino Shop besuchen