Via Brabantica
Der Jakobsweg durch das alte Herzogtum Brabant: 323 Kilometer von Bergen op Zoom an der Scheldemündung über Antwerpen, Lier, Mechelen, Brüssel und Halle bis Saint-Quentin in Nordfrankreich — flach wie kaum ein anderer Weg, in 13 bis 16 Tagesetappen. Seine Jakobus-Dichte schlägt die meisten Zubringerwege Europas: eine Pilgerherberge, deren Stiftungsurkunde am 5. April 1305 vor den Schöffen von Antwerpen beurkundet wurde und in der du heute für acht Euro schläfst, eine Kirche, die als Pilgerhospiz begann und deren Turm die Kathedrale überragen sollte, und eine Kapelle in Lier, die seit 1383 Pilger segnet und stempelt.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 031305 gestiftet, 1431 belegt, 2012 wieder aufgeschlossen
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Bergen op Zoom (Niederlande) → Saint-Quentin (Frankreich)
- Länge: 323 km — ab dem Alternativstart Breda ca. 349 km
- Etappen: 16 (13–26 km); der Träger rechnet mit 13–16 Wandertagen
- Dauer: 13–16 Tage
- Länder: Niederlande, Belgien (Flandern und Wallonien), Frankreich
- Schwierigkeit: leicht — Flachland, aber viel Asphalt und Stadtdurchgänge
- Markierung: Jakobsmuschel-Schilder, gemeindeweise angebracht und lückenhaft — Führer und GPX-Track sind Pflicht
- Träger: Vlaams Compostelagenootschap — Führer „Via Brabantica – Via Gallia Belgica“, Ausgabe 2024
- Anschluss: ab Saint-Quentin Richtung Paris zur Via Turonensis — oder ab Mechelen über die Via Monastica nach Vézelay
Überblick
Die Via Brabantica ist der Jakobsweg durch das alte Herzogtum Brabant: 323 Kilometer von Bergen op Zoom an der Scheldemündung über Antwerpen, Lier, Mechelen, Brüssel und Halle bis Saint-Quentin in Nordfrankreich — drei Länder, zwei Metropolen, keine Berge. Wer Geschichte in Städten sucht und mit dem Zug in vier Stunden am Start stehen will, findet kaum einen leichter erreichbaren Camino-Anfang in Europa.
Und kaum einen mit dichteren Belegen: Am 5. April 1305 wurde in Antwerpen die Stiftungsurkunde des Sint-Julianusgasthuis vor den Schöffen beurkundet — seit 2012 ist das Haus wieder, was es damals war: eine Pilgerherberge, acht Euro die Nacht. Die Antwerpener Sint-Jacobskerk begann 1404 als Pilgerhospiz und wollte später mit ihrem Turm die Kathedrale überragen; in Lier segnet und stempelt die Sint-Jacobskapel Pilger seit 1383. Ehrlich dazu gehört: Die Beschilderung ist gemeindeweise und lückenhaft, klassische Herbergen sind die Ausnahme — Führer, GPX-Track und Vorausbuchung sind auf diesem Weg Grundausstattung, nicht Zubehör.
1305 gestiftet, 1431 belegt, 2012 wieder aufgeschlossen
Am Sint-Jansvliet 25 in Antwerpen steht ein Haus, das den ganzen Bogen dieses Weges allein erzählt. Seine Stiftungsurkunde wurde am 5. April 1305 vor den Schöffen von Antwerpen beurkundet; gestiftet hat es Ida van Wynegheem, eine wohlhabende Bürgerin, ausdrücklich für arme Reisende und Pilger auf dem Weg nach Santiago. Das Sint-Julianusgasthuis überstand Reformation, Revolution und zwei Weltkriege — und ist seit 2012 wieder, was es 1305 war: eine Pilgerherberge, vier Betten und zwei Feldbetten, acht Euro die Nacht, Credencial-Pflicht, den Schlüssel holst du im Tourismusbüro Het Steen. Und einmal im Jahr, am Gründonnerstag, wird hier die Pelgrimstafel gedeckt — für dreizehn: zwölf Bedürftige und eine Christusfigur aus Butter in der Mitte. Seit 2021 ist der Brauch immaterielles Kulturerbe Flanderns.
Ein paar Gassen weiter steht die zweite Pointe: Die Sint-Jacobskerk hat nicht als Kirche angefangen. 1399 kaufte die Jakobus-Bruderschaft Land vor der Stadtmauer, 1404–1413 baute sie darauf Pilgerherberge und Kapelle, ab 1431 ist die Herberge ausdrücklich für Santiago-Pilger belegt — und als ab 1491 die heutige Kirche in brabantischer Gotik entstand, planten die Baumeister einen Turm von rund 150 Metern: höher als die Kathedrale. Eine Herberge für Pilger, die sich vornahm, die Kathedrale zu überragen — und heute für einen Maler berühmt ist: Rubens heiratete hier am 6. Dezember 1630 Helena Fourment und liegt seit 1640 in der Grabkapelle. Dass Pilgern in diesen Breiten nicht immer freiwillig war, zeigt ausgerechnet dasselbe Jahr 1305: Der Vertrag von Athis-sur-Orge verpflichtete 3.000 Brügger zur Bußfahrt nach Compostela, ablösbar gegen 300.000 Pfund. Im selben Jahr, in dem Antwerpen ein Haus für freiwillige Pilger stiftete, schickte ein Friedensvertrag in den Niederen Landen dreitausend unfreiwillige los.
Dass der Korridor alt ist, steht schwarz auf Pergament: Die Van-Hulthem-Handschrift von 1405–1408 enthält eine Wegbeschreibung mit dem Titel „wech van Parys tot sente Jacobs in Galissien“ — und das Itinerarium Brugense von 1360–1380 listet für Brügge–Santiago 388 Stationen. Nur eines fehlt, und wir sagen es ehrlich: Jakobsmuschel-Grabfunde entlang dieser Trasse gibt es nicht — die berühmten Pilgerzeichen von 's-Hertogenbosch gehören zum dortigen Marienheiligtum, und die Stadt liegt nicht einmal am Weg. Was die Via Brabantica statt Bodenfunden hat, sind Häuser, die noch stehen: eines segnet seit 1383 (Lier), eines fängt der Legende nach Kanonenkugeln (Halle, 32 Stück liegen zählbar im Portal) — und in einem schläfst du.
Andere Namen
Dieser Weg trägt drei Namen, und alle drei sind richtig — sie gehören nur verschiedenen Vereinen. Der Träger, das Vlaams Compostelagenootschap, führt ihn als Via Brabantica und packt ihn im Führer mit der Via Gallia Belgica zusammen: „Via Brabantica“ meint den brabantischen Teil von Bergen op Zoom bis Nijvel, rund 160 Kilometer; ab Nijvel läufst du technisch auf der Via Gallia Belgica weiter, dem Abschnitt durch den Hennegau bis Saint-Quentin. Unterwegs merkst du davon nichts — ein Weg, ein Führer, eine Muschel. Die wallonische Schwestergesellschaft nennt das Stück durch Brüssel und Halle zusätzlich Via Brabançonne. Und die Kilometerzahlen im Netz erklären sich aus den Startvarianten: 323 Kilometer ab Bergen op Zoom (Führerwert), rund 349 ab Breda, und die aktuelle Träger-Website rechnet mit 363 — je nachdem, welche Varianten mitgezählt werden. Verbindlich für diese Seite ist der Führerwert ab Bergen op Zoom.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du Geschichte in Städten suchst und keine Berge brauchst: flach, bestens erreichbar, in sechzehn Tagen von der Scheldemündung nach Nordfrankreich — und mit einer Dichte an Jakobus-Spuren, die kaum ein anderer Zubringerweg schafft: eine Kirche, die als Pilgerherberge anfing, eine Kapelle, die seit 1383 segnet, ein Gasthaus von 1305, in dem du heute für acht Euro schläfst. Wer in Mitteleuropa wohnt und mit dem Zug in wenigen Stunden am Start stehen will, bekommt hier einen sehr vernünftigen ersten Camino.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Einsamkeit und Wildnis erwartest. Der Weg läuft durch die am dichtesten besiedelte Region Europas: Vororte, Kanaltreidelpfade, Radwege auf Asphalt, zwei Metropolen. Klassische Pilgerherbergen gibt es fast keine — außerhalb von Antwerpen buchst du Hotels, B&B und Gîtes zu westeuropäischen Marktpreisen. Und die Markierung ist lückenhaft: Sie wird gemeindeweise angebracht — Grimbergen etwa setzte neun Muschelschilder auf zwölf Kilometern und weihte sie im Juni 2022 ein —, dazwischen liegen Abschnitte, auf denen Pilger schlicht nichts finden. Ohne Führer und GPX-Track gehst du hier nicht los; solche Lücken plant man vorher weg, nicht unterwegs.
Streckenverlauf & Landschaft
Du startest in Bergen op Zoom auf der Brabantse Wal, der einzigen echten Geländekante der ersten Woche — und stehst schon am ersten Tag in Belgien: Kalmthoutse Heide, Kiefern und Sand, dann die Villenvororte von Kapellen und der Einlauf an der Schelde entlang nach Antwerpen, vorbei an Luchtbal, Eilandje und MAS. Wer über Breda startet, trifft bei Kalmthout auf die Hauptroute. Danach wird der Weg flämisch im Wortsinn: Nete-Auen nach Lier, Kanal und Vaartdijk nach Mechelen, Feldwege zur Norbertinerabtei Grimbergen — der „Parel van Brabant“ — und über Strombeek-Bever ins Zentrum von Brüssel. Das ist die urbane Hälfte: kaum ein Kilometer ohne Siedlung in Sichtweite.
Hinter Brüssel kippt der Charakter. Am Rand des Zoniënwouds und an der Wasserburg Beersel vorbei erreichst du Halle — und dahinter die Sprachgrenze. Wallonisch-Brabant und der Hennegau sind sanft gewellt, offen, agrarisch: lange Blicke über Felder, Hohlwege, Backsteindörfer, dazu die Schlösser von Braine-le-Château, Seneffe und Le Roeulx und die Karnevalsstadt Binche. Bei Vieux-Reng wechselst du nach Frankreich ins Avesnois — Bocage mit Hecken, Weiden und Käsedörfern wie Maroilles — und die letzten drei Tage laufen über die offene Feldflur des Vermandois, an der Somme-Quelle vorbei, bis die Basilika von Saint-Quentin über dem Horizont steht. Höhenmeter spielen auf der ganzen Strecke keine Rolle: Die höchsten Punkte im Hennegau liegen bei etwa 150 bis 170 Metern.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Der Träger nennt 13 bis 16 Wandertage und publiziert nur die Ortsfolge — unsere Gliederung verteilt sie auf 16 Etappen mit einem Schnitt von gut 20 Kilometern, die kürzeste 13 (Grimbergen–Brüssel), die längste 26 (Binche–Maubeuge mit Grenzübertritt). Technisch ist das der einfachste Wegtyp überhaupt: Flachland, keine Etappe ohne Bahn- oder Busausstieg, dazu sechs offizielle Varianten von 0,8 bis 42,3 Kilometern — die größte ist der Leuven-Bogen mit rund 50 Extra-Kilometern. Die Schwierigkeit liegt im Untergrund (viel Asphalt, Treidelpfade, nach Regen zäher Lehm hinter Halle) und in der Orientierung: Rechne nicht mit dem Schild, sondern mit dem Track. Alle Etappenwerte sind gerundete Angaben — verbindlich ist die Gesamtlänge von 323 km.
- Bergen op Zoom → Kalmthout (20 km) — über die Brabantse Wal und den Grenzwald in die belgischen Kalmthoutse Heide; Grenzübertritt am ersten Tag.
- Kalmthout → Kapellen (15 km) — Heide, Kiefernwald und Villenvororte; hier trifft der Breda-Zulauf über Galder auf die Hauptroute.
- Kapellen → Antwerpen (20 km) — Einlauf in die Metropole entlang der Schelde, vorbei an Luchtbal, Eilandje und MAS.
- Antwerpen → Lier (24 km) — raus aus der Stadt über Borsbeek, dann Nete-Auen bis zum Begijnhof von Lier.
- Lier → Mechelen (18 km) — kurze Etappe an Nete und Kanal; GPS statt Beschilderung vertrauen.
- Mechelen → Grimbergen (20 km) — Vaartdijk und Feldwege zur Norbertinerabtei; hier zweigt die Via Lovaniensis nach Leuven ab.
- Grimbergen → Brüssel (13 km) — die kürzeste Etappe: über Strombeek-Bever und den Nordrand ins Stadtzentrum.
- Brüssel → Halle (21 km) — durch den Zoniënwoud-Rand und an der Wasserburg Beersel vorbei zur Schwarzen Madonna.
- Halle → Nijvel (21 km) — Sprachgrenze: von Flämisch-Brabant nach Wallonisch-Brabant, über Braine-le-Château.
- Nijvel → Seneffe (14 km) — sanft hügelige Felder Richtung Hennegau, Ziel ist das Schloss von Seneffe.
- Seneffe → Binche (23 km) — über Le Roeulx und Mariemont in die Karnevalsstadt der Gilles.
- Binche → Maubeuge (26 km) — die längste Etappe, mit dem Grenzübertritt nach Frankreich bei Vieux-Reng.
- Maubeuge → Maroilles (23 km) — Avesnois-Bocage, Hecken und Weiden; hier kreuzt die Via Scaldea Richtung Reims.
- Maroilles → Le Cateau-Cambrésis (23 km) — Käsedorf, Wälder und Kanäle bis in Matisses Geburtsstadt.
- Le Cateau-Cambrésis → Bohain-en-Vermandois (21 km) — offene Feldflur des Vermandois, wenig Schatten.
- Bohain-en-Vermandois → Saint-Quentin (21 km) — letzte Etappe an der Somme-Quelle vorbei zur Basilika von Saint-Quentin.
Die Etappenteilung ist unsere Empfehlung entlang der offiziellen Ortsfolge — der Träger selbst gibt nur „13 bis 16 Wandertage“ vor, und weil der Weg durchgehend im Bahnnetz liegt, kannst du fast jede Etappe teilen oder zusammenlegen. Mechelen empfiehlt der Träger ausdrücklich als bequemen Einstiegsbahnhof.
Highlights am Weg
- Sint-Julianusgasthuis, Antwerpen — Stiftungsurkunde vom 5. April 1305, vor den Schöffen der Stadt beurkundet; seit 2012 wieder Pilgerherberge, acht Euro die Nacht.
- Pelgrimstafel am Gründonnerstag — die Tafel im Julianusgasthuis wird für dreizehn gedeckt: zwölf Bedürftige und eine Christusfigur aus Butter in der Mitte. Seit 2021 immaterielles Kulturerbe Flanderns.
- Sint-Jacobskerk, Antwerpen — 1399 kaufte die Jakobus-Bruderschaft das Land, 1404–1413 stand die Pilgerherberge, 1491 begann der Kirchenbau mit einem auf 150 Meter geplanten Turm. Rubens heiratete hier 1630 und liegt seit 1640 in der Grabkapelle. (Seit 2019 in Gesamtsanierung — vorher prüfen, was zugänglich ist.)
- Sint-Jacobskapel, Lier — 1383 als Kapelle des Sint-Jacobsgasthuis gegründet, wegen der spanischen Garnison „Spaanse kapel“ genannt. Segen und Pilgerstempel gibt es dort bis heute.
- Norbertinerabtei Grimbergen — die „Parel van Brabant“ mit der Sint-Servaasbasiliek, direkt auf der Trasse — und mit den neun Muschelschildern, die die Gemeinde 2022 setzte.
- Wasserburg Beersel — die komplett erhaltene Wasserburg im Brüsseler Umland, kurz vor Halle.
- Sint-Martinusbasiliek, Halle — die Schwarze Madonna kam 1267 von Aleidis von Holland; der Überlieferung nach fing sie 1489 und 1580 die Kanonenkugeln der Belagerer im Schoß auf. 32 davon liegen heute zählbar im Hauptportal; Ludwig XI. von Frankreich und Heinrich VIII. von England waren Stifter.
- Collégiale Sainte-Gertrude, Nijvel — 1046 von Bischof Wazo von Lüttich in Anwesenheit Kaiser Heinrichs III. geweiht, im Mai 1940 zerbombt, das Westwerk 1984 wieder aufgebaut.
- Binche — Karnevalsstadt der Gilles mit UNESCO-Rang, zwei Etappen hinter dem Schloss von Seneffe.
- Avesnois und Vermandois — Vauban-Festung Maubeuge, Käsedorf Maroilles, Matisses Geburtsstadt Le Cateau-Cambrésis: die französische Schlussstrecke bis zur Basilika von Saint-Quentin.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der klassische Zulauf kommt aus den Niederlanden, auf zwei Trassen: Die Jacobsroute Thuredrecht läuft von Schipluiden über Dordrecht direkt nach Bergen op Zoom — den offiziellen Startpunkt —, der zweite Zulauf kommt über Utrecht nach Breda, dem Alternativstart, und trifft bei Kalmthout auf die Hauptroute. Wer aus Amersfoort auf der Jacobsweg Amsvorde unterwegs ist, steigt in Antwerpen um. Antwerpen ist ohnehin der Sammelpunkt dieses Weges: Hier laufen die niederländischen Routen zusammen, hier steht die Pilgerherberge von 1305, hier gibt es Stempel und Auskunft.
Alle anderen kommen bequem mit dem Zug: Bergen op Zoom hat einen eigenen Bahnhof (über Roosendaal), Breda liegt an der Schnellfahrstrecke, und weil der Weg selbst durch Antwerpen-Centraal, Mechelen und Brussel-Zuid führt, kannst du auch mitten hinein einsteigen. Aus Deutschland, Frankreich oder Großbritannien bist du über Brüssel in wenigen Stunden am Weg — die Via Brabantica ist einer der am leichtesten erreichbaren Jakobswege Europas.
Weiterpilgern?
Saint-Quentin ist Etappenziel, nicht Endstation. Von dort führt der Chemin Estelle weiter nach Paris — und in Paris beginnt die Via Turonensis, die klassische Nordroute über Tours und Bordeaux, die vor den Pyrenäen auf den Camino Francés trifft. Das ist die Fortsetzung, die der Träger als erste nennt, und sie hält die Logik des Weges durch: immer nach Südwesten, immer im Flachland. Wer früher abbiegen will: Bei Maroilles kreuzt die Via Scaldea Richtung Reims.
Die zweite, landschaftlich reizvollere Option nimmst du schon in Mechelen: Dort zweigt die Via Lovaniensis ab — 66 Kilometer über Leuven nach Hélécine, wo die Via Monastica anschließt: 283 Kilometer durch Kempen, Maastal und Ardennen bis Rocroi. Dort übernimmt die Via Campaniensis durch die Champagne nach Vézelay, und ab Vézelay bringt dich die Via Lemovicensis nach Saint-Jean-Pied-de-Port. Zwei Wege nach Santiago also — der eine über Paris, der andere über Vézelay. Die Entscheidung fällst du in Mechelen, am fünften Tag.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist April bis Oktober — Belgien und Nordfrankreich sind atlantisch: Mit Regen musst du in jedem Monat rechnen, Hitze ist selten das Problem, Dauernässe im Lehm hinter Halle schon eher. Zwei Dinge gehören zwingend ins Gepäck: gute Regenkleidung und der Trägerführer „Via Brabantica – Via Gallia Belgica“ (Ausgabe 2024, 256 Seiten, 21,60 Euro, Stand: August 2026) mit Karten 1:50.000 und GPX-/KML-Tracks per QR-Link — auf einem Weg mit lückenhafter Beschilderung ist das Grundausstattung, keine Zugabe. Der Führer erscheint nur auf Niederländisch.
Den Pilgerausweis (Credencial) brauchst du hier nicht nur für Santiago, sondern konkret: In der Herberge im Antwerpener Sint-Julianusgasthuis ist ein gültiger Pilgerpass eines anerkannten Jakobus-Verbands Bedingung — reserviert wird nicht, den Schlüssel gibt es bis 18 Uhr im Tourismusbüro Het Steen am Steenplein. Bestell den Ausweis vorab online, damit er rechtzeitig zum Start bei dir ist; Stempel und Reisesegen bekommst du unter anderem in der Sint-Jacobskapel in Lier.
Plane die Unterkünfte vorher, nicht unterwegs — die vier Betten plus zwei Feldbetten in Antwerpen sind das eine echte Pilgerquartier der Strecke, sonst buchst du Hotels, B&B und Gîtes, und in Antwerpen und Brüssel wird es an Messe-Wochenenden knapp. Beachte außerdem die gemeldete Umleitung in Brüssel zwischen Atomium und Porte de Hal (Stand: Sommer 2026). Mit der Camino Ninja App bist du auf der sicheren Seite — sie hat die komplette Route an Bord, und du stellst dir deine Etappen zusammen und planst passende Unterkünfte gleich mit ein.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 60 bis 90 Euro pro Tag (Schätzung, Stand: August 2026) — und zwar ohne Beschönigung: Das ist ein Weg durch Westeuropas teuerste Ballungsräume, nicht durch Kastilien. Die Herberge im Sint-Julianusgasthuis kostet 8 Euro pro Person und Nacht und bleibt damit die große Ausnahme; realistisch liegen einfache Hotels und B&B bei 60 bis 100 Euro im Doppelzimmer, in Antwerpen und Brüssel darüber, in den französischen Kleinstädten des Avesnois etwas darunter. Sparen kannst du beim Essen — belgische Supermärkte und die Boulangerien Nordfrankreichs machen Selbstversorgung leicht — und beim Transport: Der Weg liegt durchgehend im Bahnnetz, Taxis brauchst du nie. Feste Posten vorab: der Führer für 21,60 Euro und der Pilgerausweis. Und wer die Schatzkammer in der Krypta von Halle sehen will, meldet sich drei Wochen vorher an.
Anreise
Bergen op Zoom erreichst du über Roosendaal aus Rotterdam, Amsterdam und Antwerpen in ein bis zwei Stunden; der Alternativstart Breda liegt an der Schnellfahrstrecke mit Direktzügen aus Amsterdam, Rotterdam und Brüssel. Weil der Weg selbst durch Antwerpen-Centraal, Mechelen und Brussel-Zuid führt, kannst du auch mitten einsteigen — Mechelen ist der bequemste Startbahnhof, wenn du direkt auf den Vézelay-Ast wechseln willst.
Saint-Quentin liegt an der TER-Linie von Paris-Nord nach Maubeuge — rund eineinhalb Stunden bis Paris, von dort ist ganz Europa angebunden. Wer weitergeht, steigt ohnehin nicht in den Zug, sondern auf den Chemin Estelle Richtung Paris.
- Anreise zum Start: Zug nach Bergen op Zoom (über Roosendaal) oder Breda (Schnellfahrstrecke); Fahrpläne unter [ns.nl](https://www.ns.nl) und [bahn.de](https://www.bahn.de).
- Unterwegs ein-/aussteigen: Antwerpen, Mechelen, Brüssel, Halle, Nijvel und Binche liegen am Bahnnetz ([belgiantrain.be](https://www.belgiantrain.be)).
- Rückreise: Saint-Quentin per TER nach Paris-Nord ([sncf-connect.com](https://www.sncf-connect.com)).
- Pilgerherberge Antwerpen: Schlüssel im Tourismusbüro Het Steen, Steenplein 1, täglich 10–18 Uhr.
Hol dir deinen Pilgerausweis und die Muschel
Alles, was du für den Via Brabantica brauchst, direkt zu dir nach Hause.
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