Via Aurelia
561 km von Genua über die ligurische Riviera und die Côte d'Azur durch die Provence bis Arles — auf den Spuren der antiken Römerstraße.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Auf den Spuren der Römer — die älteste Heerstraße Europas
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf die Via Aurelia gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Genova (Genua) → Arles
- Länge: 561,4 km
- Höhenmeter: ↗ 8.002 m / ↘ 7.993 m
- Dauer: ca. 20–26 Tage
- Markierung: Via della Costa (IT) · GR 653A (FR)
- Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll
- Beste Reisezeit: Frühling (März–Mai) und Herbst (September–Oktober)
- Anschluss: Via Tolosana ab Arles
Überblick
Die Via Aurelia ist einer der ältesten Pilgerwege Europas — und einer der unbekanntesten. Wer sich auf diese Route einlässt, wandert auf einem Weg, den die Römer bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. angelegt haben: die Via Aurelia, einst eine der wichtigsten Fernstraßen des Imperiums. Für Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela war sie über Jahrhunderte die natürliche Verbindung von Norditalien zur französischen Mittelmeerküste.
Die Strecke führt in 561 km von Genua entlang der ligurischen Küste durch Monaco und Menton nach Frankreich, dann weiter entlang der Côte d'Azur über Nizza und Cannes, durch das dramatische Estérel-Massiv, tief in die Provence — bis nach Arles. Dort endet die Via Aurelia. Dort beginnt die Via Tolosana.
Was diesen Weg besonders macht: Er ist kein Massenphänomen. Auf der Riviera teilst du den Weg mit Wanderern statt mit Pilgermassen. In der Provence hast du Lavendelfelder, Olivenhaine und antike Ruinen oft ganz für dich. Wer die Stille sucht — und bereit ist, Übernachtungen sorgfältiger zu planen als auf den spanischen Caminos — findet hier einen Weg von außerordentlicher Schönheit.
Andere Namen
Auf Französisch heißt der Weg Voie Aurélienne — abgeleitet vom lateinischen Namen der antiken Heerstraße. Die offizielle Fernwanderwegbezeichnung in Frankreich lautet GR 653A. Der italienische Abschnitt ab Genua trägt den Namen Via della Costa (dt. Küstenweg) und ist ein eigenständiger Jakobsweg entlang der ligurischen Riviera. Historisch wird der gesamte Weg von Genua bis Arles gelegentlich auch Route d'Italie genannt — der Oberbegriff für Pilgerwege, die von der Apenninenhalbinsel nach Frankreich führten.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Die Via Aurelia ist ideal für dich, wenn du Geschichte und Landschaft über den Herdentrieb stellst. Der Weg ist weniger begangen als die spanischen Caminos — du triffst zwar andere Pilger, aber keine Schlangen vor den Herbergen. Wer die Mittelmeerküste liebt, Freude an römischer Geschichte hat und bereit ist, die Etappen selbst zu planen, wird auf dieser Route genau das finden: einen Weg mit Charakter, Kultur und Stille.
Eher nichts für dich ist die Via Aurelia, wenn du das lebendige Camino-Feeling der spanischen Wege erwartest — täglich neue Pilgerbekanntschaften, günstige Massenherbergen alle paar Kilometer und eine Infrastruktur, die dir jede Entscheidung abnimmt. Der Riviera-Abschnitt ist außerdem teuer: Übernachtungen in Nizza oder Cannes sprengen das klassische Pilgerbudget. Und im Hochsommer kann die Hitze auf dem Küstenabschnitt brutal werden.
Streckenverlauf & Landschaft
Ligurische Küste (Genua → Menton, ca. 220 km): Der Weg beginnt in Genua, wo du das mittelalterliche Stadtzentrum hinter dir lässt und auf dem Küstenweg nach Westen abbiegst. Die nächsten Tage führen durch die ligurische Riviera: zwischen Meer und steilen Hügeln, vorbei an bunten Fischerdörfern wie Rapallo, Chiavari und La Spezia, über Felsvorsprünge mit Blick aufs Wasser. Der Weg ist wellig, manchmal steil, aber nie weit vom Meer entfernt. Kurz vor der französischen Grenze passierst du Ventimiglia — und dann Menton, die Zitronenstadt am äußersten Zipfel der Côte d'Azur.
Côte d'Azur und Provence (Menton → Arles, ca. 340 km): Ab Menton wechselst du auf den GR 653A. Der Weg führt durch Nice und Antibes, vorbei an Cannes — und biegt dann ins Landesinnere ab. Durch das rote Felsgebirge des Estérel und das stille Var-Hinterland geht es weiter zur Grotte der heiligen Maria Magdalena in Sainte-Baume. Von dort öffnet sich die Provence: Lavendelfelder, Weinberge, die Montagne Sainte-Victoire. Über Aix-en-Provence erreichst du schließlich Arles.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Die Via Aurelia gliedert sich gut in drei Abschnitte: die ligurische Küste (ca. 10–11 Tage), die Côte d'Azur mit dem Var-Hinterland (ca. 6–7 Tage) und die Provence bis Arles (ca. 5–6 Tage). Insgesamt sind 20–26 Wandertage realistisch — je nach Kondition und wie viel Zeit du dir in den Städten gönnst. Mit 8.000 Höhenmetern ist der Weg anspruchsvoller als er auf den ersten Blick wirkt; die Küstenabschnitte haben viele kurze, steile An- und Abstiege.
- Genova → La Spezia (ca. 110 km, 4–5 Tage) — Hügelige Küstenabschnitte, ligurische Fischerdörfer, viele kurze Auf- und Abstiege
- La Spezia → Menton (ca. 110 km, 4–5 Tage) — Riviera dei Fiori, Ventimiglia, Grenzübertritt nach Frankreich
- Menton → Cannes (ca. 80 km, 3–4 Tage) — Côte d'Azur, Nice, Antibes, Küstenpfade
- Cannes → Aix-en-Provence (ca. 160 km, 6–7 Tage) — Estérel-Massiv, Sainte-Baume, ruhige Var-Hochebenen
- Aix-en-Provence → Arles (ca. 80 km, 3 Tage) — Montagne Sainte-Victoire, Salon-de-Provence, Alpilles, Rhône-Delta
Auf den Spuren der Römer — die älteste Heerstraße Europas
Die Via Aurelia trägt ihren Namen nicht zufällig: Der Konsul Gaius Aurelius ließ die Straße 241 v. Chr. anlegen, zunächst bis Pisa, später bis Genua. Über Jahrhunderte war sie eine der meistbefahrenen Achsen des Römischen Reiches — und nach dem Ende der Antike wurde sie zum Pilgerweg. Wer heute von Genua nach Arles läuft, legt seine Füße buchstäblich auf Jahrtausende Geschichte.
An manchen Stellen läufst du noch heute auf original erhaltenem römischen Pflaster. In Arles wirst du von einem römischen Amphitheater empfangen, das noch immer für Veranstaltungen genutzt wird. Der Bogen schließt sich: Eine Straße, die für Legionen gebaut wurde, trägt heute Pilger ans Mittelmeer.
Highlights am Weg
- Genua — mittelalterliche Gassen (UNESCO-Welterbe), Piazza de Ferrari, großer Hafen
- Ligurische Riviera — dramatische Küstenabschnitte, bunte Dörfer zwischen La Spezia und Menton
- Menton — die Zitronenstadt direkt an der franco-italienischen Grenze
- Nice (Nizza) — Altstadt, Promenade des Anglais, provenzalische Märkte
- Estérel-Massiv — rotes Porphyrgestein, einsame Pfade, grandiose Küstenpanoramen
- Sainte-Baume — Wallfahrtshöhle der Maria Magdalena, einer der ältesten Pilgerorte Frankreichs
- Montagne Sainte-Victoire — Cézannes Lieblingsmotiv, imposante Kalksteinflanken
- Aix-en-Provence — lebendige Universitätsstadt, Brunnen und provenzalische Märkte
- Arles — römisches Amphitheater (UNESCO), Van-Gogh-Orte, Tor zur Camargue
Wie Pilger auf die Via Aurelia gelangen
Die Via Aurelia beginnt in Genua — und Genua ist der natürliche Endpunkt der Via Postumia, die von Triest durch Verona und Piacenza quer durch Norditalien nach Genua führt. Pilger aus Österreich, Slowenien oder dem Veneto, die über die Via Postumia westwärts gepilgert sind, kommen in Genua an und setzen nahtlos auf der Via Aurelia fort — entlang der Küste weiter nach Arles.
Auf ihrem Weg durch die Poebene kreuzt die Via Postumia die Via Francigena, die große Pilgerstraße von Canterbury nach Rom. Wer die Via Francigena von Norden (Schweiz, Großer St. Bernhard) kommend läuft und in der Gegend um Piacenza auf die Via Postumia trifft, kann nach Westen abbiegen und über Genua in die Via Aurelia einsteigen. Auch per Bahn ist Genua gut erreichbar — direkte Verbindungen aus Mailand (ca. 1,5 Std.), Turin, Rom und aus der Schweiz über den Gotthard-Tunnel machen Genua zu einem praktischen Startpunkt für alle, die ohne Vorgänger-Weg aufbrechen.
Weiterpilgern?
Arles ist nicht das Ende — es ist ein Knotenpunkt. Die Stadt am Rhône-Delta ist gleichzeitig der Startpunkt der Via Tolosana (Route d'Arles, GR 653), einer der vier historischen Jakobsstraßen Frankreichs. Von Arles führt die Via Tolosana über Montpellier, Toulouse und Auch bis zum Col du Somport in den Pyrenäen — und von dort weiter auf dem Camino Aragonés bis nach Puente la Reina, wo der Weg in den Camino Francés mündet. Wer die Via Aurelia als Zubringer nutzt und in Arles nahtlos weiterpilgert, hat am Ende einen der großen europäischen Pilgerkorridore hinter sich: von der ligurischen Küste bis nach Santiago de Compostela.
Vorbereitung & Praktisches
Die Via Aurelia ist kein Weg, der sich selbst organisiert. Herbergen-Infrastruktur im Sinne der spanischen Caminos gibt es kaum — besonders auf dem Küstenabschnitt. Plan deine Übernachtungen frühzeitig, besonders für die Riviera-Städte. Im Frühling und Herbst sind die Temperaturen angenehm, die Wege nicht überfüllt und die Unterkunftspreise günstiger. Der Hochsommer — Juli und August — ist wegen Hitze und Touristenmassen auf dem Küstenabschnitt weniger empfehlenswert.
Einen Pilgerausweis (Credencial) bekommst du bei Pilgervereinen und einigen Kirchengemeinden entlang der Route. Es gibt kein so formelles Stempelsystem wie auf den spanischen Wegen, aber viele Pilger sammeln Stempel — und in Arles gibt es eine gute Anbindung an die Via Tolosana. Besorge die Credencial am besten schon vor dem Start. Am einfachsten planst du deine Etappen und Übernachtungen direkt in der Camino Ninja App.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit einem Tagesbudget von 50–80 € pro Person — deutlich mehr als auf den spanischen Wegen. Der Riviera-Abschnitt durch Nizza und Cannes ist teuer: Einfache Hotels liegen hier oft bei 80–120 €. Im Var-Hinterland und in der Provence wird es spürbar günstiger. Wer konsequent in kleinen Gästehäusern übernachtet und selbst einkauft, kommt mit 55–70 € täglich aus (Stand: August 2026).
Anreise
Nach Genua ist der Startpunkt gut per Zug erreichbar: von Mailand ca. 1,5 Stunden, von Rom ca. 3 Stunden. Pilger aus Deutschland und der Schweiz fahren über den Gotthard-Tunnel nach Mailand und weiter nach Genua. Der Bahnhof Genova Piazza Principe liegt direkt am Startpunkt.
Von Arles zurück geht es per Zug über Marseille (ca. 45 Min.) — von dort erreichst du Paris, Lyon und Barcelona schnell. Nächste Flughäfen: Marseille-Provence (ca. 75 km) und Montpellier (ca. 100 km).
- Bahnhof Genova Piazza Principe: Direktzüge aus Mailand, Turin, Rom
- Bahnhof Arles: Züge nach Marseille, Nîmes, Paris
- Flughafen Marseille-Provence (MRS): ca. 75 km vom Zielort Arles
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