Via Domitia
Die Via Domitia führt in 778,7 Kilometern von Piacenza in der Po-Ebene über Vercelli, Turin und das Susatal auf den Col de Montgenèvre und auf der französischen Seite durch das Tal der Durance, die Haute-Provence und den Luberon nach Arles. Bis Vercelli geht sie auf der Trasse der Via Francigena, ab dem Montgenèvre auf dem GR 653D, der 2007 als „Chemin de Saint-Jacques – Voie Domitienne“ homologiert wurde. 37 Etappen, 13.405 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 1.853 Meter am Pass – 221 Meter höher als der Somport der Via Tolosana. In Arles wartet die Via Tolosana.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Der erste Pilger dieser Straße wollte nach Jerusalem
- 08Highlights am Weg
- 09Der Montgenèvre liegt höher als der Somport
- 10Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 11Weiterpilgern?
- 12Vorbereitung & Praktisches
- 13Was dich der Weg kostet
- 14Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Piacenza an der Po-Ebene / Arles an der Rhône
- Länge: 778,7 km; die ersten 146,7 km bis Vercelli auf derselben Trasse wie die Via Francigena, die letzten 12,4 km ab Fontvieille gemeinsam mit der Via Aurelia
- Dauer: 37 Etappen, Ø 21 km; mit Ruhetagen fünf bis sechs Wochen
- Höhenmeter: ↗ 13.405 m / ↘ 13.448 m
- Höchster Punkt: 1.853 m bei km 343,1 am Col de Montgenèvre, der Grenze zwischen Italien und Frankreich
- Landschaft: Po-Auen und Reisfelder, Turiner Vororte, das enge Susatal, Hochalpen, Durance und Serre-Ponçon, Lavendel- und Hügelland der Haute-Provence, Luberon, Alpilles
- Träger / Markierung: in Frankreich der GR 653D der Fédération Française de Randonnée, rot-weiß, begleitet von der Association des Amis des Chemins de Compostelle et de Rome PACA-Corse; in Italien bis Vercelli Francigena-Schilder, im Susatal Francigena-Wegweiser, dazwischen lückenhaft
- Jakobus-Spuren: wenige und späte – die Jakobskapelle über Cavaillon, das Pilgerkapitell im Kreuzgang von Saint-Trophime in Arles; dafür Francigena-Hospize in Mortara und an der Sacra
- Unterkunft: in Italien Pilgerquartiere, Klöster, B&B; in Frankreich Gîtes d'étape, Klöster wie Ganagobie und Notre-Dame du Laus, Gastfamilien der Chaîne d'Accueil
- Anschlusswege: in Piacenza die Via Francigena (Italien) und die Via Postumia; ab Fontvieille die Via Aurelia; in Arles die Via Tolosana
- Beste Zeit: Juni und September; der Pass ist sicher von Juni bis Oktober schneefrei, Po-Ebene und Provence sind im Juli und August heiß
Überblick
Die Via Domitia ist der Weg für alle, die in Italien losgehen und nach Santiago wollen. Sie beginnt in Piacenza, das die Römer 218 v. Chr. als Kolonie Placentia gründeten, und endet in Arles, wo die Via Tolosana über Toulouse zu den Pyrenäen startet. Dazwischen liegen Po-Ebene, Alpen und Provence. Der Satz zum Vorlesen: Du gehst die Via Francigena zuerst rückwärts, dann über einen Pass, den schon ein Pilger im Jahr 333 überquerte, und kommst in einer Stadt an, in der Kaiser Barbarossa 1178 gekrönt wurde.
Der Name ist ehrlich gesagt geborgt. Die römische Via Domitia, ab 118 v. Chr. vom Prokonsul Gnaeus Domitius Ahenobarbus angelegt, begann am Montgenèvre und lief über Briançon, Embrun, Gap, Sisteron, Apt und Cavaillon an die Rhône – Arles lag nicht an ihr, sie überquerte den Fluss bei Beaucaire. Der italienische Teil ist eine mittelalterliche Francigena-Route, der französische ein Wanderweg von 2007, der nach den Worten seiner Betreuer der Römerstraße „très librement“ folgt.
Andere Namen
Auf Französisch heißt der Weg Voie Domitienne, offiziell GR 653D – Chemin de Saint-Jacques – Voie Domitienne; das D steht für Domitia, so wie das A beim GR 653A der Via Aurelia. In Italien liest man Via Domizia, für die Strecke durchs Susatal auch Via Francigena della Val di Susa. Camino Ninja zieht den Weg bis Piacenza durch, weil dort Via Francigena und Via Postumia ankommen. Den Pass nannten die Römer Mons Matrona.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du Pilgererfahrung hast, gerne allein gehst und einen Weg suchst, der dir jeden Tag etwas anderes zeigt: Reisfelder, eine Abtei auf dem Felsen, Vauban-Festungen, einen Stausee, Lavendel und am Ende Römerstädte.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du Herbergsleben wie auf dem Camino Francés erwartest: Andere Pilger triffst du selten, und viele Betten musst du am Vortag anrufen. Nichts für dich, wenn du Asphalt hasst – die Po-Ebene und die Turiner Vororte sind lange Geraden, im Susatal teilst du das Tal mit Autobahn, Bahn und der Baustelle des Basistunnels Turin–Lyon bei Chiomonte. Und nichts für dich vor Juni oder nach Oktober: Oberhalb von Susa liegt dann Schnee, am Montgenèvre auf über 1.800 Metern.
Streckenverlauf & Landschaft
Piacenza bis Turin (km 0–234,1): Von Piacenza geht es über Calendasco an den Po; zwischen Soprarivo (km 14,8) und Corte Sant'Andrea (km 19,0) setzt du mit dem Boot über, genau wie die Francigena-Pilger in der Gegenrichtung. Über Orio Litta, Santa Cristina e Bissone und Belgioioso erreichst du Pavia (km 66,7), dessen Stadtkern 0,7 Kilometer neben der Trasse liegt. Durch die Lomellina mit Garlasco, Mortara (km 112,6) und Robbio kommst du nach Vercelli (km 146,7), wo du die Francigena verlässt. Durch Reisfelder über Saluggia und Chivasso (km 204,5) und am Po entlang über Gassino Torinese erreichst du Turin (km 234,1).
Turin bis Briançon (km 234,1–352,5): Durch Collegno, dessen Kern knapp neben dem Weg bleibt, und Rivoli verlässt du die Stadt, an den Seen von Avigliana (km 259,0) beginnt das Susatal. Von Sant'Ambrogio steigt der Weg auf rund 840 Meter am Monte Pirchiriano unter der Sacra di San Michele und fällt nach Chiusa di San Michele. Über Sant'Antonino und Bussoleno erreichst du Susa (km 293,3), dann wird es alpin: Chiomonte, Exilles mit seiner Festung, Oulx (km 323,0), Cesana Torinese und Claviere, bis du bei km 343,1 auf 1.853 Metern am Col de Montgenèvre stehst. Neun Kilometer weiter liegt Briançon (km 352,5).
Briançon bis Arles (km 352,5–778,7): Der GR 653D folgt der Durance über L'Argentière-la-Bessée und die Festung Mont-Dauphin (km 397,7) nach Embrun (km 427,8), über die Abtei Boscodon an den Lac de Serre-Ponçon bei Savines-le-Lac und über Chorges und Notre-Dame du Laus nach Gap (km 489,3). Hinter Tallard steigt er in die stillen Hügel über La Motte-du-Caire und Saint-Geniez (1.106 m) und fällt nach Sisteron (km 566,1). Durch Lavendel- und Olivenland geht es über Ganagobie und Forcalquier (km 625,6) in den Luberon nach Apt (km 678,0), über Cavaillon (km 715,2) an den Alpilles entlang nach Saint-Rémy-de-Provence (km 743,7) und über Fontvieille nach Arles.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Wir zeigen den Weg in 37 Etappen. Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 778,7 km kalibriert; Etappenorte sind Orte mit Unterkunft.
- Piacenza → Orio Litta (22,3 km) — mit dem Boot über den Po
- Orio Litta → Santa Cristina e Bissone (16,3 km) — über Miradolo Terme
- Santa Cristina e Bissone → Pavia (28,1 km) — lang und flach, über Belgioioso
- Pavia → Garlasco (25,1 km) — über den Ticino in die Lomellina
- Garlasco → Mortara (20,8 km) — über Tromello
- Mortara → Robbio (14,6 km) — kurz, an Sant'Albino vorbei
- Robbio → Vercelli (19,5 km) — über Palestro und die Sesia
- Vercelli → Ronsecco (16,0 km) — Abschied von der Francigena
- Ronsecco → Saluggia (27,6 km) — Reisfelder, wenig Schatten
- Saluggia → Gassino Torinese (25,9 km) — über Chivasso
- Gassino Torinese → Turin (17,9 km) — am Po in die Stadt
- Turin → Avigliana (24,9 km) — durch Collegno und Rivoli
- Avigliana → Sant'Antonino di Susa (14,2 km) — kurz, aber mit rund 500 Höhenmetern zur Sacra
- Sant'Antonino di Susa → Susa (20,1 km) — über Bussoleno
- Susa → Exilles (15,2 km) — steil über Chiomonte
- Exilles → Cesana Torinese (27,5 km) — lang, über Oulx auf 1.352 m
- Cesana Torinese → Briançon (16,5 km) — über den Montgenèvre, 1.853 m
- Briançon → L'Argentière-la-Bessée (24,2 km) — an der Durance, mit Gegenanstieg
- L'Argentière-la-Bessée → Mont-Dauphin (21,0 km) — Balkonwege über dem Tal
- Mont-Dauphin → Embrun (30,1 km) — lang, teilbar in Châteauroux-les-Alpes
- Embrun → Savines-le-Lac (21,1 km) — über die Abtei Boscodon
- Savines-le-Lac → Chorges (15,6 km) — über den Rücken auf 1.263 m
- Chorges → Gap (24,8 km) — über Notre-Dame du Laus
- Gap → Tallard (17,0 km) — ins Tal der Durance zurück
- Tallard → La Motte-du-Caire (24,6 km) — über die Höhe von Les Marmets
- La Motte-du-Caire → Saint-Geniez (19,5 km) — einsam, steil hinauf
- Saint-Geniez → Sisteron (15,7 km) — hinab zur Zitadelle
- Sisteron → Châteauneuf-Val-Saint-Donat (20,4 km) — Hügel über der Durance
- Châteauneuf-Val-Saint-Donat → Ganagobie (15,1 km) — über Peyruis hinauf zum Kloster
- Ganagobie → Forcalquier (24,0 km) — über Lurs
- Forcalquier → Reillanne (21,7 km) — über Mane und Saint-Michel-l'Observatoire
- Reillanne → Apt (30,7 km) — lang, teilbar in Céreste
- Apt → Coustellet (25,1 km) — am Fuß des Luberon
- Coustellet → Orgon (17,9 km) — über Cavaillon und die Durance
- Orgon → Saint-Rémy-de-Provence (22,7 km) — über Eygalières an den Alpilles
- Saint-Rémy-de-Provence → Fontvieille (22,6 km) — an Glanum vorbei
- Fontvieille → Arles (12,4 km) — gemeinsam mit der Via Aurelia ans Ziel
Die ersten elf Etappen sind flach, aber zäh: Asphalt, Feldwege zwischen Reisfeldern, im Sommer Schwüle und Mücken. Dann kommt der Berg. Zwischen Avigliana und Briançon liegen die Etappen mit den meisten Höhenmetern, und in der Haute-Provence geht es noch einmal ständig auf und ab – Saint-Geniez auf 1.106 Metern ist der letzte echte Anstieg. Plane in Turin, Briançon und Sisteron Ruhetage ein.
Der erste Pilger dieser Straße wollte nach Jerusalem
Der älteste christliche Pilgerbericht, den wir kennen, beginnt in Bordeaux. Ein namenloser Pilger reiste 333 nach Jerusalem und ließ jede Station und jeden Pferdewechsel notieren, „ambulavimus Dalmatico et Zenophilo cons.“ – wir reisten unter den Konsuln Dalmatius und Zenophilus. Sein Itinerarium Burdigalense führt über Arles, Gap und Briançon auf den Mons Matrona, den Montgenèvre, hinunter nach Susa, Turin und Pavia. Der Satz zum Vorlesen: Der erste Pilger, der diese Straße aufgeschrieben hat, ging sie in deiner Gegenrichtung – und gar nicht nach Santiago, denn das Apostelgrab war noch nicht entdeckt.
Nach ihm wurde der Korridor zur Route der Kaiser, Könige und Rompilger. Bei Mortara schlug Karl der Große 773 die Langobarden in der Schlacht von Pulchra Silva, die Abtei Sant'Albino wurde Grabkirche und Pilgerhospiz. Auf dem Monte Pirchiriano entstand zwischen 983 und 987 die Sacra di San Michele, seit 1994 das Symbol des Piemont. Und am Pass ließ Napoleon eine Straße bauen, an die seit 1804 ein Obelisk erinnert.
Die französischen Jakobsvereine haben den alten Korridor neu belebt: Die Association des Amis des Chemins de Compostelle et de Rome PACA-Corse wurde 1998 gegründet, 2007 homologierte die Fédération Française de Randonnée den GR 653D. Deren eigenes Urteil über die Römerstraße ist bemerkenswert bescheiden: „Le tracé retenu suit très librement les axes de l'ancienne voie romaine“ – die gewählte Trasse folgt den Achsen der alten Römerstraße sehr frei. Praktisch heißt das: Römisches Pflaster suchst du meist vergeblich, römische Orte findest du an fast jedem Tag.
Highlights am Weg
- Piacenza (km 0) — Dom von 1122 bis 1235, Palazzo Gotico ab 1281, die Farnese-Reiter auf der Piazza Cavalli; 1095 tagte hier das Konzil, das den Ersten Kreuzzug vorbereitete.
- Sant'Albino bei Mortara (km 112,6) — Abtei mit Pilgerhospiz, Fresken von 1410; die Gebeine der Paladine Amico und Amelio, 1928 gefunden, datierte die Radiokarbonmessung auf die Zeit um 1000.
- Vercelli und Turin (km 146,7 und 234,1) — Basilika Sant'Andrea und das Vercelli Book; die Savoyer-Residenz mit dem Grabtuch im Dom.
- Sacra di San Michele (km 265,5) — Abtei auf dem Monte Pirchiriano mit dem Scalone dei Morti und der Porta dello Zodiaco; Vorbild für Ecos „Der Name der Rose“.
- Susa (km 293,3) — Augustusbogen von 9/8 v. Chr., gestiftet von König Cottius; die Inschrift nennt 14 Alpenvölker, darunter die Caturiges, nach denen Chorges heißt.
- Col de Montgenèvre (km 343,1) — 1.853 m, Quelle der Durance, Napoleon-Obelisk; seit 1947 ganz auf französischem Gebiet.
- Briançon und Mont-Dauphin (km 352,5 und 397,7) — Vauban-Festungen, Mont-Dauphin 1692 auf einem Plateau gegründet, beide seit 2008 UNESCO-Welterbe; Briançon gilt als höchste Stadt Frankreichs.
- Embrun (km 427,8) — Kathedrale Notre-Dame du Réal von 1170 bis 1225; Ludwig XI. trug eine bleierne Pilgermedaille der Muttergottes von Embrun am Hut und rief sie der Überlieferung nach bis zuletzt an: „Notre-Dame d'Embrun, ma bonne maîtresse, ayez pitié de moi.“
- Abtei Boscodon (km 440,4) — 1142 vom Orden von Chalais gegründet, seit 1972 restauriert.
- Lac de Serre-Ponçon (km 448,9) — Stausee, gebaut 1955 bis 1961; das alte Savines verschwand im Wasser.
- Notre-Dame du Laus (km 478,7) — Marienwallfahrt, in der Benoîte Rencurel von 1664 bis 1718 Erscheinungen hatte; 2008 kirchlich anerkannt.
- Saint-Michel-l'Observatoire (km 636,3) — Sternwarte der Haute-Provence von 1937; hier fanden Michel Mayor und Didier Queloz 1995 den ersten Planeten um einen sonnenähnlichen Stern, 2019 gab es den Nobelpreis.
- Apt und Pont Julien (km 678,0) — Kathedrale Sainte-Anne; acht Kilometer westlich die Römerbrücke von 3 v. Chr..
- Glanum bei Saint-Rémy (km 743,7) — Römerstadt, 260 von den Alamannen zerstört, davor Mausoleum und Bogen, die „Antiques“; nebenan malte Van Gogh 1889 und 1890.
- Arles (km 778,7) — Amphitheater, Alyscamps, Saint-Trophime mit Portal und Kreuzgang; seit 1981 UNESCO-Welterbe.
Der Montgenèvre liegt höher als der Somport
Wer von Italien nach Santiago geht, hat zwei Gebirge vor sich: die Alpen auf diesem Weg, die Pyrenäen auf der Via Tolosana. Die Zahlen aus unserer Karte sind eindeutig: Der Col de Montgenèvre liegt mit 1.853 Metern 221 Meter höher als der Col du Somport mit 1.632. Der härtere Pass kommt also zuerst, nach elf flachen Etappen.
Praktisch heißt das: Die drei Etappen von Susa bis Briançon bestimmen deinen Zeitplan. Starte so, dass du zwischen Mitte Juni und Anfang Oktober oben bist; im Mai oder Ende Oktober kann am Pass Schnee liegen, auch wenn in Piacenza schon 25 Grad sind. Ehrlich gesagt ist der Pass selbst kein Hochgebirgserlebnis – oben stehen Skilifte und Hotels –, die schönsten Bergkilometer liegen bei Exilles und hinunter nach Briançon.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Die meisten kommen aus Italien. Wer auf der Via Francigena (Italien) vom Großen St. Bernhard her unterwegs ist, trifft die Via Domitia schon in Vercelli und geht von dort nach Westen; wer die ganze Strecke ab Piacenza gehen will, kommt über die Via Postumia von Triest und Verona. Direkt einsteigen kannst du in Piacenza, Vercelli oder Turin, alle mit Bahnhof; ab Turin sind es noch 544,6 Kilometer bis Arles.
Viele gehen nur den französischen Teil ab Briançon, das einen Bahnhof hat. Von der ligurischen Küste her führt die Via Aurelia nach Arles; sie trifft bei Fontvieille auf diesen Weg.
Weiterpilgern?
Ja, und zwar bis Santiago. In Arles beginnt die Via Tolosana, der GR 653, und führt 786,4 Kilometer über Montpellier und Toulouse auf den Col du Somport. Dort übernimmt der Camino Aragonés bis Puente la Reina, wo der Camino Francés die letzten Wochen nach Santiago übernimmt.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen französischen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in den Pilgerunterkünften zu übernachten und – falls du bis Santiago weitergehst – am Ende die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist; die Association PACA-Corse gibt ihn aus. Plane den Weg am einfachsten direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst; Karte und Track hast du offline dabei.
Markierung und Unterkünfte. In Frankreich führen dich die rot-weißen GR-Balken in beide Richtungen; in Italien sind die Francigena-Schilder gegen die Laufrichtung oft schwer zu sehen, und zwischen Vercelli und Turin gibt es Lücken. In Italien schläfst du in Pfarreien, Klöstern, Ostelli und B&B, in Frankreich in Gîtes d'étape, Chambres d'hôtes, im Kloster Ganagobie oder bei Gastfamilien der Chaîne d'Accueil. Zwischen Tallard und Sisteron und im Luberon ist das Angebot dünn: Ruf am Vortag an. Die Po-Fähre meldest du vorher an.
Jahreszeit. Starte Mitte Mai in Piacenza, dann bist du Mitte Juni am Pass. Die Association empfiehlt für den französischen Teil April bis Oktober; über 1.000 Metern kann im April noch Schnee liegen, im Herbst ist Jagdzeit.
Was dich der Weg kostet
Die Credencial der Association PACA-Corse kostet 5 € bei Abholung und 8 € per Post (Stand: Oktober 2026). In Italien kosten Pilgerquartiere 15 bis 25 € oder eine Spende, B&B 50 bis 90 € fürs Doppelzimmer. In Frankreich zahlst du in Gîtes d'étape rund 18 bis 25 € für die Nacht und 45 bis 55 € mit Halbpension, die Chaîne d'Accueil arbeitet gegen Spende (Stand: Oktober 2026).
Rechne mit 45 bis 65 € pro Tag mit einfacher Unterkunft und Verpflegung, in der Provence im Sommer eher mehr (Stand: Oktober 2026). Ehrlich gesagt sind die Alpenetappen teurer, weil es dort kaum Pilgerquartiere gibt.
Anreise
Zum Start. Piacenza liegt an der Bahnlinie Mailand–Bologna, Regionalzüge brauchen von Mailand rund 45 Minuten. Mailand erreichst du per EuroCity oder Flug. Nach Briançon kommst du über Oulx mit dem Bus oder über Grenoble.
Vom Ziel. Arles hat einen Bahnhof mit Zügen nach Avignon, Marseille, Nîmes und Montpellier, dort steigst du in den TGV nach Paris, Lyon oder Barcelona. Die nächsten Flughäfen sind Marseille-Provence und Montpellier.
- Bahn Italien: trenitalia.com — Verbindungen nach Piacenza, Turin und Oulx
- Bahn Frankreich: sncf-connect.com — Briançon und Arles
- Weg und Credencial: compostelle-paca-corse.info — Association PACA-Corse mit Karte und Unterkünften
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