Jakobsweg Höxter–Dortmund
Von der Weser ins Revier auf einer Straße, die älter ist als das Christentum: Der Jakobsweg Höxter–Dortmund folgt in 9 Etappen und 181 Kilometern dem Hellweg — vom UNESCO-Welterbe Corvey über Paderborn, Soest und Werl bis zu St. Reinoldi mitten in Dortmund. Die Altertumskommission für Westfalen hat die Trasse archäologisch abgesichert und am 24. März 2010 als zweiten Jakobsweg Westfalens eröffnet. Die Belege liegen am Weg: eine Pilgerherberge, die der Soester Rat 1304 verbriefte und in der du heute noch schlafen kannst, Pilgergräber mit Muschelzeichen in Werl — und in einem Dorf an Etappe 7 die wahrscheinlich älteste bespielbare Orgel der Welt.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 031304 verbrieft, 1531 abgebrochen, 2010 wieder markiert
- 04Andere Namen
- 05Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 06Streckenverlauf & Landschaft
- 07Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 08Highlights am Weg
- 09Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 10Weiterpilgern?
- 11Vorbereitung & Praktisches
- 12Was dich der Weg kostet
- 13Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: Höxter (Kloster Corvey) → Dortmund (St. Reinoldi)
- Länge: ca. 181 km
- Etappen: 9 (15–27 km pro Tag)
- Dauer: 8–10 Tage
- Regionen: Nordrhein-Westfalen — Weserbergland, Eggegebirge, Hellweg-Börde, östliches Ruhrgebiet
- Höchster Punkt: 412 m (Iburg-Aufstieg, Etappe 3)
- Schwierigkeit: mittel — anspruchsvoll auf den ersten drei Etappen, danach flach; rund 57 % Asphalt und Straße
- Markierung: gelbe Pilgermuschel auf blauem Grund, durchgängig seit 2010
- Träger: Altertumskommission für Westfalen (LWL) — eröffnet am 24. März 2010
Überblick
Der Jakobsweg Höxter–Dortmund trägt keinen Heiligennamen — er trägt den Namen einer Straße: In 9 Etappen und 181 Kilometern folgt er dem Hellweg, der vorchristlichen Ost-West-Achse, auf der im Mittelalter Salz, Getreide und Heringe vom Rhein nach Osten liefen. Du gehst sie rückwärts: vom UNESCO-Welterbe Corvey an der Weser über das Eggegebirge nach Paderborn, dann schnurgerade durch die Börde über Soest, Werl und Unna, bis am Ende der Turm von St. Reinoldi mitten in Dortmund steht. Erforscht, archäologisch abgesichert und am 24. März 2010 eröffnet hat ihn die Altertumskommission für Westfalen — als zweiten Jakobsweg des Landes, markiert mit der gelben Muschel auf blauem Grund.
Was diesen Weg trägt, ist nicht die Landschaft, sondern die Dichte der Belege. 836 kamen die Vitus-Reliquien nach Corvey und die Liborius-Reliquien nach Paderborn — im selben Jahr, an derselben Straße, und die Pilger besuchten beide. Am 2. Dezember 1304 verbriefte der Soester Rat vor dem Jakobitor eine Pilgerherberge, die heute noch Gäste aufnimmt. Und an der Propsteikirche in Werl fanden sich Pilgerzeichen und Pilgergräber — Menschen, die mit der Muschel begraben wurden. Ehrlich dazu gehört: Rund 57 Prozent der Strecke sind Asphalt und Straße, und fast der gesamte Anstieg steckt in den ersten drei Etappen. Wer Hellweg geht, geht Kulturgeschichte — nicht Wildnis.
1304 verbrieft, 1531 abgebrochen, 2010 wieder markiert
Am 2. Dezember 1304 legte der Rat der Stadt Soest per Satzung eine Pilgerherberge fest — und dachte dabei praktisch: Sie stand bewusst außerhalb der Stadtmauer beim Jakobitor, damit Pilger, die vor Toresschluss nicht mehr in die Stadt kamen, nicht im Freien schlafen mussten. Ihr niederdeutscher Name ist die schönste Zeile dieses Weges: „Pilgrim-Hius an Sünte Jaokobs-Paoten“ — Pilgrimhaus an Sankt Jakobs Pforte. Die Dendrochronologie datiert die Bausubstanz auf 1294, in der Soester Fehde 1444–1449 zog die Herberge in ein geschütztes Massivhaus um, und sie steht bis heute: der älteste Gasthof Westfalens, inzwischen Hotel. Du kannst auf diesem Weg in einem Haus übernachten, das seit über 700 Jahren nichts anderes tut, als Reisende aufzunehmen.
Der Bruch kam auf den Tag datiert. Am 20. November 1531 schlug der Dominikaner Thomas Borchwede 22 Thesen an St. Patrokli in Soest an; noch vor Weihnachten legte der Bundbrief das evangelische Bekenntnis fest, 1533 war die Stadt endgültig protestantisch — und mit der Reformation endete das Wallfahren am Hellweg. Am anderen Ende des Weges dasselbe Muster in Zeitlupe: Dortmunds Reinoldus-Reliquien wanderten um 1614 heimlich zum Erzbischof von Toledo, wo sie bis heute im Dom liegen; 1792 versteigerte die Gemeinde Schrein und Büstenreliquiar aus Geldnot. Erst 1982 kehrte ein Schienbein-Teil zurück. Der Heilige des Zielorts hat also selbst den weitesten Pilgerweg hinter sich — nach Spanien und halb zurück.
Das Revival ist Wissenschaft, keine Nostalgie: 1987 erklärte der Europarat den Jakobsweg zur ersten Europäischen Kulturstraße, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe steckte rund 300.000 Euro in die Erforschung der alten Trassen, und die Altertumskommission sicherte den Verlauf über Hohlwege, Meilensteine und Warttürme archäologisch ab — die rekonstruierte Haxter Warte bei Paderborn kannst du anfassen. Am 24. März 2010 wurde der Weg eröffnet, im selben Jahr erschien Band 8 der Reihe „Wege der Jakobspilger in Westfalen“. Nur eines fehlt, und das sagen wir ehrlich: Ein namentlich belegter Santiago-Pilger aus den Hellweg-Städten ist nicht überliefert. Dafür sind die Belege hier aus Blei und Knochen — ein Pilgerzeichen des 15. Jahrhunderts von der Iburg und die Pilgergräber von Werl. Wer hier ging, schrieb nichts auf. Er wurde mit der Muschel begraben.
Andere Namen
Dieser Weg läuft unter mehreren Namen, und dahinter steckt keine Verwirrung, sondern eine Verlängerung. Die Altertumskommission führt ihn als „Weg 2 – Von Höxter nach Bochum“, der Wanderführer von 2010 heißt „Von Höxter nach Dortmund“ (Band 8 der Reihe „Wege der Jakobspilger in Westfalen“), Portale sagen „Jakobsweg Westfalen: Höxter–Dortmund“, das Erzbistum Paderborn schlicht „Hellweg“. Markiert und beschrieben wurde 2010 zunächst der Kernabschnitt bis Dortmund — neun Etappen, 181 Kilometer, genau der Umfang dieser Seite; später zog der LWL die Markierung bis Bochum weiter, weshalb manche Quellen rund 200, das Erzbistum sogar 217 Kilometer nennen. Der älteste Name von allen ist ohnehin Hellweg: Die Straße lag lange vor dem ersten Jakobspilger da.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du in anderthalb Wochen von der eigenen Haustür aus pilgern willst — ohne Flug, ohne Sprachbarriere, ohne Höhenangst. Und ideal, wenn dich Steine mehr interessieren als Panoramen: Auf 181 Kilometern reihen sich ein UNESCO-Welterbe, zwei Reliquientranslationen von 836, der älteste Gasthof Westfalens, die wahrscheinlich älteste bespielbare Orgel der Welt und ein Glasfenster, auf dem Jesus Schinken und Bier serviert bekommt. Dazu ist der Weg ein Brückenschlag: In Höxter endet der Braunschweiger Jakobsweg, in Dortmund wartet die Fortsetzung nach Köln — wer Deutschland in Ketten pilgert, braucht genau dieses Stück.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du weiche Waldböden und Einsamkeit suchst. Rund 57 Prozent der Strecke sind Asphalt und Straße, auf der Etappe Werl–Unna sind es etwa 95, zwischen Paderborn und Salzkotten 74 Prozent — wer Hellweg geht, geht Börde, Felder, Ortsdurchfahrten und am Ende Gewerbegebiete am Rand des Ruhrgebiets, praktisch immer in Rufweite eines Bahnhofs. Und wer sich vom Wort „flach“ täuschen lässt, erlebt am Anfang eine Überraschung: In den ersten drei Etappen steckt mit über 1.100 Metern fast der gesamte Anstieg, mit Steilstücken über 15 Prozent hinauf zur Modexer Warte und zur Iburg. Solche Etappen plant man vorher weg, nicht unterwegs.
Streckenverlauf & Landschaft
Der Weg beginnt an der Weser und durchquert drei Landschaften, die kaum verschiedener sein könnten. In Höxter startest du an der ehemaligen Reichsabtei Corvey, gehst über den Heiligenberg und die Modexer Warte in die Hansestadt Brakel, weiter durch Wald zur Emder Höhe und steil hinab und hinauf nach Bad Driburg — und von dort in den einzigen echten Anstieg des Weges: zur Iburg, dem alten Bergsporn über der Kurstadt, mit 412 Metern der höchste Punkt. Wer oben steht, hat das Eggegebirge hinter sich.
Danach kippt der Weg in die Fläche. Ab Paderborn folgt er der Hellweg-Börde, dem Streifen fruchtbaren Lössbodens, auf dem die Trasse seit vorchristlicher Zeit liegt: Er bleibt zwischen 86 und 126 Metern Höhe, folgt der Sole von Salzkotten über Bad Westernkotten nach Erwitte und läuft von Geseke bis Soest exakt auf der alten Handelsstraße. Hinter Werl wird die Börde zur Vorstadt, hinter Unna zum Revier: Die letzte Etappe zieht über Asseln, Brackel und Körne auf dem Ostenhellweg in die Dortmunder Innenstadt, wo der Turm von St. Reinoldi das Ziel markiert. Salz, Getreide und Heringe liefen hier nach Osten — du gehst nach Westen, die Straße rückwärts.
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Neun Etappen, gut 44 Stunden reine Gehzeit — rechnerisch 20 Kilometer am Tag, aber ungleich verteilt: Die kürzeste Etappe misst 15 Kilometer (Paderborn–Salzkotten), die längste 27 (Bad Driburg–Paderborn). Die Markierung mit der gelben Muschel auf blauem Grund ist so zuverlässig, dass die Wegbeschreibungen ausdrücklich sagen, du kommst ohne Karte aus; ein GPS-Track schadet trotzdem nicht, denn die Waldpassagen am Anfang sind gelegentlich von Forstarbeiten betroffen. Die Schwierigkeit sitzt an zwei Stellen: vorn in den Steigungen der ersten drei Tage, danach im Belag — ab Paderborn wird der Weg eben, aber hart. Gedämpfte Schuhe schlagen hier steife Bergstiefel. Alle Etappenwerte sind gerundete Angaben — verbindlich ist die Gesamtlänge von 181 km.
- Höxter (Corvey) → Brakel (ca. 23 km) — Start am UNESCO-Welterbe Corvey und an St. Kiliani, dann über die Michaelskapelle auf dem Heiligenberg und die Modexer Warte in die alte Hansestadt Brakel. Mit 495 Höhenmetern die anspruchsvollste Etappe des Weges — und mit 30 % Naturweg die weichste unter den Füßen.
- Brakel → Bad Driburg (ca. 16 km) — ab Kloster auf der Brede über Feldwege westwärts, dann lange durch Wald zur Emder Höhe, steil hinab nach Alhausen und ebenso steil hinauf in die Innenstadt von Bad Driburg. Zwischen Brakel und Alhausen gibt es keine Einkehr — Verpflegung mitnehmen.
- Bad Driburg → Paderborn (ca. 27 km) — die längste Etappe, und sie beginnt mit dem Steilaufstieg zur Iburg über der Kurstadt. Danach Abstieg auf die Paderborner Hochfläche, durch Schwaney und Dahl, vorbei an der rekonstruierten Haxter Warte bis zum Dom.
- Paderborn → Salzkotten (ca. 15 km) — kurze, flache Etappe (26 Höhenmeter) vom Domplatz über Wewer in die Salzstadt Salzkotten mit Gradierwerk, Dreckburg und Franziskanerinnen-Mutterhaus. Preis dafür: 74 % Asphalt.
- Salzkotten → Erwitte (ca. 26 km) — vom Quellgebiet der Heder nach Geseke mit Stiftskirche St. Cyriakus und St. Petri, dann über Störmede, Langeneicke und die Salzstadt Bad Westernkotten nach Erwitte. Der Weg bleibt zwischen 86 und 126 Metern Höhe.
- Erwitte → Soest (ca. 21 km) — reiner Hellweg: über Lohne mit St. Pantaleon und Bad Sassendorf in die alte Hansestadt Soest — St. Patrokli, St. Petri, Osthofentor, und in der Wiesenkirche das „Westfälische Abendmahl“ von um 1500.
- Soest → Werl (ca. 17 km) — vom Jakobstor über Ampen, Ostönnen (älteste bespielbare Orgel der Welt), Mawicke und Westönnen zur Wallfahrtsbasilika St. Walburga in Werl. Genau die Strecke, die das Soester Gnadenbild 1661 genommen hat.
- Werl → Unna (ca. 18 km) — über St. Kunibert in Büderich, Holtum, Hemmerde und Stockum nach Unna. Die Etappe mit dem höchsten Hartbelag-Anteil des Weges (rund 95 % Straße und Asphalt) — dafür kaum Steigung.
- Unna → Dortmund (ca. 18 km) — der Ostenhellweg ins Ruhrgebiet hinein: Massen, Wickede, Asseln, Brackel, Wambel, Körne — und am Ende St. Reinoldi mitten in Dortmund, wo dieser Weg endet und der nächste beginnt.
Alle neun Etappenorte haben Bahnanschluss — du kannst also fast jede Etappe teilen, überspringen oder abends günstiger übernachten und morgens zurückfahren. Wer die bergige Anfangsstrecke scheut, steigt in Paderborn ein: Ab dort ist der Weg praktisch eben.
Highlights am Weg
- Corvey bei Höxter — Kaiserabtei, 822 unter Ludwig dem Frommen gegründet, seit 2014 UNESCO-Welterbe „Karolingisches Westwerk und Civitas Corvey“. 833 kamen Marktprivileg samt Münz- und Zollrecht, 836 die Vitus-Reliquien — und mit ihnen die Pilger.
- St. Kiliani in Höxter — um 800 als Missionskapelle angelegt, heute Stempelstelle und der Startpunkt in der Stadt.
- Iburg bei Bad Driburg — Bergsporn mit Peterskirche, an der ein 4,5 Zentimeter großes bleiernes Pilgerzeichen aus dem 15. Jahrhundert gefunden wurde. Wohin sein Träger unterwegs war, weiß niemand.
- Paderborner Dom — Grabkirche des heiligen Liborius, dessen Reliquien 836 aus Le Mans kamen — im selben Jahr wie die des Vitus in Corvey. Ab hier sind es noch rund 2.600 Kilometer bis Santiago.
- Gradierwerk Salzkotten — die Sole, die dem Hellweg seinen Wohlstand gab, zum Anfassen und Einatmen; dazu Dreckburg und Franziskanerinnen-Mutterhaus.
- Soester Wiesenkirche mit dem „Westfälischen Abendmahl“ — Glasfenster von um 1500, auf dem der Abendmahlstisch mit Schweinskopf, Schinken, Bierkrügen und westfälischem Brot gedeckt ist. Judas erkennt man am Geldbeutel.
- Pilgrimhaus Soest — „Pilgrim-Hius an Sünte Jaokobs-Paoten“: per Ratssatzung vom 2. Dezember 1304 als Pilgerherberge festgelegt, Bausubstanz von 1294 — der älteste Gasthof Westfalens, heute Hotel. Davor das Jakobstor, dessen Name die Pilgerroute bis heute im Stadtbild hält.
- St. Andreas in Ostönnen — die wahrscheinlich älteste bespielbare Orgel der Welt: Windlade holzdatiert auf 1425–1431, über 326 der 576 Pfeifen aus der Zeit vor 1500; 1721/22 für 214 Taler von Soest ins Dorf umgesetzt.
- Propsteikirche St. Walburga in Werl — Wallfahrtsbasilika mit dem Gnadenbild von um 1170, das am 1. November 1661 aus der Soester Wiesenkirche kam. An dieser Kirche fanden sich Pilgerzeichen und Pilgergräber — der handfeste Beweis, dass hier Santiago-Pilger gingen.
- St. Reinoldi Dortmund — das Ziel: Turm 1443–1454 auf 112 Meter ausgebaut, „ein Wunder von Westfalen“, 1661 eingestürzt, barock wiederaufgebaut, 1944 ausgebrannt, 1956 wiedereingeweiht. Innen Chorgestühl von 1462 und eine Karl-der-Große-Statue aus dem 15. Jahrhundert.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Der häufigste Weg hierher ist zugleich der schönste — und er endet exakt dort, wo dieser beginnt: Der Braunschweiger Jakobsweg führt in 13 Etappen und 270 Kilometern vom Magdeburger Dom durch die Börde und das Weserbergland bis ans Kloster Corvey. Wer dort ankommt, steht nicht am Ende, sondern an einer Übergabe: An derselben Klostermauer setzt die Markierung nach Dortmund an. Beide Wege zusammen ergeben 451 Kilometer von der Elbe bis ins Ruhrgebiet — Hellweg von Anfang bis Ende.
Wer nicht aus dem Osten kommt, reist einfach nach Höxter an; der Bahnhof liegt in Laufweite von Corvey. Unterwegs gibt es zwei natürliche Einstiege: Paderborn, wo viele nach der bergigen Anfangsstrecke einsetzen, weil der Weg ab dort flach wird — und Soest, wo der dritte westfälische Jakobsweg aus Minden über Lippstadt eintrifft: Wer aus dem nördlichen Ostwestfalen kommt, steigt dort mit den letzten drei Etappen ein.
Weiterpilgern?
In Dortmund endet dieser Weg nicht, er trifft auf einen anderen: An St. Reinoldi kreuzt der Hellweg die große Nord-Süd-Achse Westfalens — den Westfälischen Jakobsweg, der in 11 Etappen und 227 Kilometern vom Osnabrücker Dom über Münster und Dortmund bis zum Kölner Dom führt. Von Dortmund aus liegt sein Südteil vor dir: durchs Bergische Land, an der Hohensyburg und am Altenberger Dom vorbei bis an den Rhein.
Ab Köln hast du die Wahl. Der klassische Anschluss Richtung Santiago läuft westwärts: erst der Jakobsweg Köln–Aachen auf der alten Niederstraße, dann die Via Mosana durchs Maastal nach Namur und weiter durch die Champagne nach Vézelay, wo die Via Lemovicensis übernimmt — bis in Saint-Jean-Pied-de-Port der Camino Francés die Pyrenäen und die letzten 780 Kilometer besorgt. Alternativ zieht die Via Coloniensis von Köln nach Trier. Von Paderborn aus, sagt die Stadt selbst, sind es noch rund 2.600 Kilometer bis Santiago — dieser Weg legt davon 181 zurück und übergibt den Rest in Dortmund.
Vorbereitung & Praktisches
Die beste Zeit ist April bis Oktober — der Weg ist ganzjährig begehbar, aber im Winter sind viele Kirchen zu, Stempelstellen schwerer erreichbar und die Bördeetappen bei Dauerregen zäh. Frühling und Frühherbst sind das Optimum: trockene Waldpassagen am Anfang, offene Felder in der Börde, und die Tage reichen für 25 Kilometer ohne Stirnlampe. Der Wanderführer ist Band 8 der LWL-Reihe „Wege der Jakobspilger in Westfalen“ (Bachem, 2010) — erarbeitet von der Altertumskommission unter Projektleitung von Ulrike Spichal.
Bei den Unterkünften gilt: Dies ist ein deutscher Regionalweg, kein spanischer Camino mit Herbergsnetz. Es gibt einzelne Pilgerherbergen, überwiegend übernachtest du aber in Pensionen, Gasthöfen und Hotels der Hellweg-Städte — buchen ist Pflicht, spontanes Auftauchen funktioniert hier nicht so verlässlich wie in Galicien. Der Vorteil der Lage: Alle Etappenorte haben Bahnanschluss, du kannst also fast jede Nacht ausweichen oder Etappen teilen. Ein Pilgerausweis (Credencial) lohnt sich — Stempelstellen sind in Kirchen und Pfarrbüros eingerichtet (St. Kilian in Höxter, St. Michael in Brakel, St. Peter und Paul in Bad Driburg, in Ostönnen sogar zwei private Adressen), und wer in Westfalen mindestens 100 Kilometer geht, kann eine Pilgerurkunde erhalten. Bestell den Ausweis vorab online, damit er rechtzeitig zum Start bei dir ist.
Ausrüstungstechnisch ist dies ein Straßenweg mit Wald-Vorspann: gedämpfte, eingelaufene Schuhe statt steifer Bergstiefel, Regenschutz für die offene Börde — und Verpflegung für Etappe 2, wo zwischen Brakel und Alhausen nichts kommt. Mit der Camino Ninja App bist du auf der sicheren Seite — sie hat die komplette Route an Bord, und du stellst dir deine Etappen zusammen und planst passende Unterkünfte gleich mit ein.
Was dich der Weg kostet
Rechne mit 60 bis 95 Euro pro Tag, wenn du in Pensionen und Gasthöfen schläfst und unterwegs einkaufst — der realistische Korridor für einen deutschen Regionalpilgerweg (Stand: August 2026). Der größte Posten ist die Unterkunft: Doppelzimmer in den Hellweg-Städten liegen meist zwischen 50 und 85 Euro, Einzelzimmer selten unter 55; wo eine kirchliche Pilgerherberge existiert, wird es deutlich günstiger, oft auf Spendenbasis — verlässlich planen lässt sich damit aber nicht. Zwei Dinge sprechen fürs Sparen: Die Etappenorte sind Städte mit Supermärkten und Bäckereien, und weil jeder Ort einen Bahnhof hat, kannst du mit dem Deutschlandticket übernachten, wo es günstig ist, und morgens an den Wegpunkt zurückfahren. Nach oben offen ist der Kulturteil — wer in Corvey, im Paderborner Dom und in Soest alle Führungen mitnimmt, legt pro Station 5 bis 12 Euro dazu. Und wer sich in Soest im Pilgrimhaus einquartiert, zahlt Hotelpreise für über 700 Jahre Herbergsgeschichte. Das muss man wollen — aber es ist die naheliegendste Sünde dieses Weges.
Anreise
Höxter liegt an der Bahnstrecke Ottbergen–Holzminden, mit Anschluss über Altenbeken (Fernverkehr aus Hannover, Kassel, Dortmund) oder Paderborn. Vom Bahnhof sind es wenige Minuten in die Altstadt zu St. Kiliani und rund zwei Kilometer bis Corvey — beide Startvarianten fußläufig. Wer den Braunschweiger Jakobsweg zuvor gegangen ist, kommt ohnehin an Corvey an und braucht keine Anreise, nur eine Nacht.
Dortmund Hauptbahnhof ist einer der größten Fernverkehrsknoten Deutschlands und liegt rund einen Kilometer von St. Reinoldi — die Heimreise beginnt praktisch am Kirchturm. Die nächsten Flughäfen sind Dortmund, Düsseldorf und Köln/Bonn, alle per Bahn schnell erreichbar. Wer direkt weitergeht, braucht keine Bahn: In Dortmund setzt der Westfälische Jakobsweg Richtung Köln an.
- Anreise zum Start: Bahn nach Höxter (über Altenbeken oder Paderborn); Fahrpläne unter [bahn.de](https://www.bahn.de).
- Unterwegs ein-/aussteigen: Alle Etappenorte haben Bahnhof oder Haltepunkt — Etappen lassen sich fast beliebig teilen oder überspringen; mit dem Deutschlandticket praktisch ohne Zusatzkosten.
- Rückreise: Dortmund Hbf, ICE-Knoten, rund 1 km vom Ziel St. Reinoldi.
- Flughäfen: Dortmund (DTM), Düsseldorf (DUS), Köln/Bonn (CGN) — alle mit Bahnanschluss.
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